Zuerst sterben die Tiere…

„Das bißchen Reis langte nicht für meine Kinder und die Tiere“, meinte die Frau außerhalb von Dilla. Um uns herum Dutzende von verendeten Ziegen, teils schon fast verwest, teils noch mit aufgedunsenen Bäuchen. Ein grausamer Anblick, der Gestank hängt in der Luft.

Dutzende von Tierkadavern an einer Stelle außerhalb von Dilla.

Vor einem Jahr lebten in dieser kleinen Gemeinde und die darum angesiedelten Dörfer 5000 Menschen. Dann schlug 2016 die Dürre im Osten Somalilands zu und viele von dort machten sich auf den langen Marsch in den Westen der Republik. Mehr als fünftausend Menschen siedelten sich im Gebiet von Dilla an. Sie waren Willkommen, das Wenige, was die Anwohner von Dilla hatten, teilten sie mit den Neuankömmlingen. Insgesamt waren nun auch etwa 25.000 Stück Vieh in und um Dilla. Doch das ist mehrere Monate her. 17.000 Ziegen und Rinder starben seitdem aufgrund der anhaltenden Trockenheit. Sie fanden kein Wasser und keine Nahrung mehr. Die Flüchtlinge und die Bewohner von Dilla verloren ihre Existenzgrundlage.

„Wir brauchen Hilfe. Jetzt!“, meinte der Vorsitzende des Dürre-Rates in dieser Region. „Was heißt jetzt?“, wollte ich wissen ohne damit eine philosophische Diskussion loszutreten. Der alte Mann verstand und sagte, die Regenzeit habe nun eigentlich begonnen. Wenn bis Ende April der Regen nicht kommt, sagt er, sterben hier die Menschen.

Doch zu der Dürre kommt nun auch noch die Seuchengefahr. Die vielen Tausend Kadaver verrotten, der wenige Niederschlag, der hin und wieder fällt, schwemmt alles in einen kleinen Tümpel, aus dem die Menschen ihr Wasser schöpfen. Es scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis die Katastrophe unkontrollierbar wird. Es ist ein Rennen gegen die Zeit.

CARE will nun vor Ort handeln. Die Bewohner sollen die vielen Tierleichen beseitigen, tiefer und damit sicher vergraben. Auch ein riesiger Wassertank wird gebaut, in den das Trinkwasser aus 100 Metern Tiefe fließen soll. Die Pumpe wird mit Solarzellen betrieben, was in dieser sonnigen Region finanziellen Sinn macht.

Man gibt nicht auf in Dilla. Weder der Bürgermeister, der von Hoffnung spricht. Noch der Vorsitzende des Dürre-Rates, der von der Gemeinsamkeit redet. Und auch die Frau aus dem Osten Somalilands, der von 500 Tieren nur 30 geblieben sind, sagt: „Es wird schon wieder….Insch’Allah, so Gott will“.

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