Der Hunger erreicht die Hauptstadt

Eine junge Mutter mit ihrem unterernährten Kleinkind in der somaliländischen Hauptstadt Hargeisa.

Seit einem halben Jahr könne man es deutlich sehen, so die Chefärztin. Mehr und mehr Mütter bringen ihre unterernährten Kleinkinder in die Ambulanz MCH und in das italienische Kinderkrankenhaus, das einzige seiner Art in Somaliland. Jede Woche werden es mehr. Die Frauen machen sich von weither auf den Weg in die Hauptstadt, um hier Hilfe für ihre Kleinen zu finden. Mit dem nahrreichen Brei „Plumpy’Nut“ werden sie aufgepäppelt. Eine kurzzeitige Hilfe, denn die Gewichtszunahme bedeutet auch das Ende des Aufenthalts. Länger als nötig darf niemand bleiben, weitere kleine Patienten warten schon.

Gerade jetzt kommen viele Frauen mit ihren Kindern aus dem Ostteil der Republik, der besonders von der Dürre betroffen ist. Nachdem dort die Regenzeit im November ganz ausblieb, verschlimmerte sich die Situation dramatisch. Und auch jetzt warten die Menschen auf den dringend benötigten Niederschlag, der eigentlich schon da sein müsste. Doch am Himmel ist kein Zeichen von Regen zu erkennen.

„Vielleicht beten wir zu wenig. Vielleicht haben wir nicht genug den Armen gegeben“, wundern sich einige. „Allah wird uns helfen“, meint eine Mutter im Kinderkrankenhaus. Die Suche nach Gründen für die derzeitige Wasserknappheit, die in einer gewaltigen Hungerkatastrophe enden kann, ist umfassend. An der Universität von Hargeisa erkennt man die Ursachen für diese Katastrophe. Da ist sicherlich der zu niedrige Niederschlag in den letzten paar Jahren. Damit verbunden die Ausweitung der Wüste. Doch da ist auch die Übergrasung durch das Vieh, mangelndes Umweltbewußtsein, fehlende Wasserspeicheranlagen und noch einige weitere Gründe.

Die unabhängige Republik Somaliland kämpft derzeit ums Überleben. Die kurz-, mittel- und langfristigen Folgen dieser Dürre sind noch nicht abzusehen. Millionen Ziegen, Rinder und Kamele sind schon verendet. Krankheiten könnten ausbrechen, die wirtschaftliche Situation von vielen Familien hat sich dramatisch verschlechtert. Der Hunger breitet sich schleichend und ohne Probleme aus. Mit den unterernährten Kindern hat die Hungerkatastrophe am horn von Afrika nun auch die Hauptstadt Hargeisa erreicht. Die Zukunft dieser Region ist ungewiss.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Um zu überprüfen, dass Sie eine reale Person und kein Spam-Roboter sind, lösen Sie bitte vor dem EINTRAGEN die nachfolgende kleine Rechenaufgabe, das sogenannte CAPTCHA *