Wolken ziehen vorbei

Am Himmel über Puntland sind immer mal wieder Wolken zu sehen. Gerade morgens türmen sich die Wolkenberge, doch im Laufe des Tages klart der Himmel auf. Kein Tropfen Regen ist gefallen. Die Wahrscheinlichkeit auf Niederschlag liegt derzeit bei Null Prozent. Damit nähert man sich hier der absoluten Katastrophe. Noch will das niemand offen ansprechen, doch die Zeichen sind bereits zu erkennen.

Hilfsorganisationen, wie CARE, sprechen derzeit von „MAM“, das steht für „Moderate Acute Malnutrition“. In der kleinen Ansiedlung außerhalb von Gardo in Puntland kann man sehen, was das bedeutet. Gegen Mittag, in der größten Hitze, sind wir da. Eine Zeltansammlung von Nomaden, die hier gestrandet sind. Auf der Suche nach Weideflächen und Wasser ließen sie sich schließlich auf diesem trockenen Boden neben der Landstrasse nieder. Auch in der Hoffnung Hilfe zu bekommen. Die kommt in Form von Lebensmitteln, Wasser und Bargeld. Nicht viel, aber es langt zum Überleben. Bislang noch.

Vor jeder Hütte im Flüchtlingsdorf steht eine Tonne mit dem Wasser für die Familie. Das Wasser wird mit Tankwagen hierher gebracht.

Als unsere Geländewagen halten, werden gerade die Kleinkinder unter einem Baum im Schatten gewogen und gemessen, ihre Größe und ihre Armdicke. Eigentlich alle Kinder hier sind hart an der Grenze zwischen moderater und akuter Unterernährung. Mit „Plumpy’Nut“ werden sie aufgepäppelt, in der Hoffnung, dass sie so die aktuelle Krise überstehen.

Doch die wird mit jedem Tag schlimmer. Der Regen kommt und kommt nicht, mehr und mehr Tiere verenden elendlich, Krankheiten breiten sich aus, die Menschen werden schwächer. Die Regierungen von Puntland und Somalia tun, was sie können mit den wenigen Mitteln, die sie haben. Hinzu kommen einige Hilfsorganisationen vor Ort, die gleich an mehreren Fronten zu kämpfen haben. Hier auf dem Land die Menschen zu erreichen, zu handeln, so weit das möglich ist. Und weltweit Spenden in einer von Krisen gezeichneten Welt für ein Land zu sammeln, das die meisten nur mit Krieg, Terror, Dürre und Chaos in Verbindung bringen. Tatsache ist auch, dass die Krise am Horn von Afrika morgen nicht zu Ende sein wird.

Hier spielt man bereits gedanklich „SAM“ durch, das steht für „Severe Acute Malnutrition“, der Ausbruch einer breiten Hungerkatastrophe. Und die wird kommen, wenn der Regen nicht fallen sollte. Wenn „SAM“ ausgerufen wird, müssten innerhalb von 72 Stunden nicht nur Notfallmaßnahmen anlaufen, sie müssten auch die Menschen in den abgelegendsten Teilen Somalias und Somalilands erreichen. Wenn nicht, werden Hunderttausende sterben. Hilfsorganisationen gehen bereits davon aus, dass diese anstehende Hungerkatastrophe am Horn von Afrika weitaus schlimmer sein wird, als die letzte im Jahr 2011.

 

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