Die braune Erde Somalia

Mit einem Flieger des „World Food Programs“ ging es zurück nach Hargeisa.

Heute ging es von Garowe über Boosaaso am Golf von Aden zurück nach Hargeisa. Ein Flug über Puntland hinweg im Nordosten Somalias, direkt am Horn von Afrika und dann Richtung Osten und nach Somaliland. Wie Narben ziehen sich die Flussbette durch die Landschaft. Kein Wald, kein See, kein Fluss ist von oben zu sehen. Alles ist braun, erscheint unwirtlich, fast wie eine Mondlandschaft. Wären da nicht immer wieder ein paar Dörfer.

Die letzten Tage haben mir gezeigt, wie hart das Leben in diesem Teil Afrikas ist. Besuche in den Dörfern, in den Ansiedlungen von Inlandsflüchtlingen führten mir das ganze Ausmaß der Krise vor Augen. Die Menschen haben nichts außer der Hoffnung auf bessere Zeiten. Die letzten drei Regenperioden sind bereits ausgefallen, seit Mitte März sollte es eigentlich wieder regnen. Sollte! Der fehlende Niederschlag bringt das Land an den Rand einer Katastrophe.

Vor meinem Abflug aus Garowe sprach ich noch mit dem CARE Länderdirektor für Somalia, Raheel Chaudhary.

Das ganze Ausmaß der Dürre kann man von oben sehen.

Er arbeitet seit über 20 Jahren für Hilfsorganisationen, hat in Ländern wie Afghanistan, Jemen, Südsudan und eben Somalia Erfahrungen sammeln können. Auch für ihn ist diese Dürre etwas ganz Neues. Bislang, so Chaudhary, gab es Hungerkrisen in Teilen Somalias, zuletzt 2011. Doch diese hier erfasst das ganze Land, sogar darüber hinaus. Der Norden Kenias, Äthiopien, Südsudan, Jemen sind betroffen. Die Krise hat eine bislang nicht dagewesene Dimension erreicht.

Hat er Hoffnung? Raheel Chaudhary überlegt kurz und beschreibt dann das Gespräch vom Vortag, als wir in diese Nomadenansiedlung mitten im Nichts kamen und eine Frau über ihren Alltag berichtete. Sie erzählte von den Schwierigkeiten, von ihren sieben Kindern, aber auch davon, dass ihnen geholfen werde. Mit Wasser, Nahrung und Bargeld, und wenn Gott es will, werde es auch bald wieder regnen. Und dann, so die Frau, werden sie und ihre Nachbarn wieder losziehen, mit neuen Tieren fruchtbare Weidegebiete finden, Insh’allah. Insh’allah meinte Raheel Chaudhary mit einem Lächeln. Diese Frau, sagte Chaudhary zu mir heute Morgen, habe Hoffnung und das gebe auch ihm Hoffnung. Die Hilfe, die sie als Organisation geben, auch wenn sie noch so klein ist, kommt an. Auch das zeige ihm dieses Gespräch mit der Mutter. Sie gibt nicht auf, wie könnte dann er aufgeben.

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