„Hast Du schon Kokain geraucht“

Die MiG erinnert an den Krieg gegen die Armee des somalischen Präsidenten Siad Barre.

Der letzte Tag in Somaliland. Nach einem Austag am Freitag, standen heute morgen noch zwei Interviews an. Mit dem Religionsminister Sheikh Khalil Ahmed Abdi und Professor Ahmed Ibrahim Awale von der „University of Hargeisa“. Der eine berichtete über die Krise aus religiöser Sicht, der andere aus einer umweltpolitischen. Der Minister betonte, wie die islamischen Gemeinden enger zusammen rücken, die Moscheen im ganzen Land als wichtige Zentren für Bedürftige gesehen und genutzt werden. Der Professor dagegen berichtete von den drohenden Verlusten. In seinem Büro ein Plakat mit etwa 30 verschiedenen Eidechsen, die hier im Wüstensand zu finden sind. Keiner weiß, wie viele von ihnen und wie viele der anderen Tierarten die Dürre überlebt haben und überleben werden. 3000 Pflanzenarten habe es hier in Somaliland und am Horn von Afrika gegeben. Was davon noch übrig bleiben wird ist unklar.

Am Nachmittag machte ich mich dann auf den Weg in die Innenstadt zum Kriegsdenkmal, eine alt MiG auf einem Sockel. Darum herum sitzen viele Männer und palavern. Direkt am Sockel im Schatten ein paar Ziegen, oben drauf hocken Tauben und gurren vor sich hin. Die Stadt pulsiert, obwohl es am frühen Nachmittag drückend heiß ist. Ich laufe durch die Gegend, biege in die engen Gänge des überdachten Marktes ein, ein ständiges „Hi, how are you?“ folgt mir vorbei an den Ständen. Der eine will mir Schuhe anbieten, der andere Stoffe, wieder ein anderer meint, ich bräuchte unbedingt neue Töpfe.

Eine Hauptstraße in Hargeisa.

Ich bin der einzige „Tourist“ weit und breit. Mit meiner hellen Hautfarbe falle ich gleich auf. Junge verschleierte Frauen grinsen sich einen und flüstern sich was zu. Männer schauen mich an, als ob ich die rosafarben Flip Flops aus dem Hotelzimmer auf dem Kopf tragen würde. Der Verkehr im Zentrum ist ein einziges Gehupe, ein wildes Durcheinander. Die Straßen sind nur teilweise geteert. Schlaglöcher ohne Ende. Ziegen, Esel, einige Straßenhunde und ein Gewusel an Menschen, die Handel betreiben, einkaufen oder mit einer Tüte Qadsträucher durch die Gegend laufen. Qad ist die Volksdroge. Alkohol gibt es hier nicht, aber an jeder Ecke verkaufen sie die Blätter, die aus Äthiopien kommen. Ein Gekaue ist das. Ziegen stehen vor den Qad Buden und fressen die Reste, auch sie mögen wohl den Rausch.

In einem Straßencafe setze ich mich hin, bestelle mir einen somalischen Tee für 10 Cent und genieße den Moment. Kaum sitze ich, spricht mich der erste an. Mit ein paar Brocken Englisch will er wissen woher ich komme. „Oh, Germany….good“ und er streckt den Daumen nach oben. Ein anderer setzt sich fast neben mich mit einer Qadtüte und bietet mir welche an. „No, thank you“. „Try“. „No, thank you“. Er erzählt mir, dass er schon in Dänemark gelebt hat und Deutschland sehr mag, dort habe er viel Bier getrunken, „Amstel“. „It’s from Holland“. „No, German“. Ok! Und dann meint er, er war auch schon in Holland. „You smoke Kokain?“ „No“. „Why not?“. Ich sag’s ihm auf Deutsch: Nix für mich.

Er redet weiter, vieles verstehe ich nicht, irgendwann hat er dann wohl genug von mir und zieht von dannen. Ich hole mir noch einen Tee, schaue mir in aller Ruhe die Leute und das bunte Treiben an. Ein schöner Ausklang einer sehr intensiven Reise. Und irgendwie, trotz allem, was ich hier gesehen und erlebt habe, bin ich dankbar dafür hier zu sein. Die Möglichkeit zu haben, andere Länder, Kulturen und Menschen kennenzulernen, die ich wohl sonst nie kennenlernen würde. Es ist immer auch ein bißchen meinen eigenen Horizont zu erweitern. Und das ist das Schöne an meinem Beruf.

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