„Democracy dies in darkness“

Die renommierte Tageszeitung Washington Post hat unter ihrem Namen stehen: Democracy dies in darkness. Eine klare Ansage, die als Reaktion auf den Wahlsieg Donald Trumps kam.  Trump erklärte Medien, die ihn kritisierten und die nicht als Hofberichtstatter in der Trumpschen Welt fungieren wollen, zu „Fake News“. Was bedeutet, alles was Donald Trump sagt ist wahr, alles was Medienvertreter berichten ist unwahr. So die schwarz-weiß Logik des 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika.

Nun wurden wieder die Pulitzer Preise vergeben, die angesehensten Auszeichnungen im amerikanischen Journalismus. Neben den großen Tageszeitungen, wie der Washington Post, der New York Times, des Wall Street Journals, sind gerade die vielen Auszeichnungen für lokale Zeitungen, wie die East Bay Times in Oakland, die Charleston Gazette Mail und auch die New York Daily News hervorzuheben. Denn die lokalen Tageszeitungen arbeiten mittlerweile unter erschwerten Bedingungen. In nur 15 Jahren sank die Mitarbeiterzahl zwischen 2001 und 2016 von 412,000 auf 174,000. Zahlreiche US Zeitungen machten im diesem Zeitraum ganz dicht. Es lohnte sich nicht mehr.

Die Pulitzer Preise machen immer wieder deutlich, wie wichtig eine breite, kritische und funktionierende Zeitungslandschaft ist. Ausgezeichnet werden eben nicht die Beiträge über die jüngste Pressekonferenz im Rathaus, der Neuzugang beim lokalen Profi-Team oder die Umfrage über „was halten sie vom vielen Regen?“ Nein, die Pulitzer Preise honorieren den kritischen Journalismus. Reporter werden geehrt fürs Hinsehen, Nachfragen, Recherchieren. Investigative Stories, die zeigen, welche Rolle Printmedien in unserer Gesellschaft einnehmen, einnehmen sollen, einnehmen müssen.

Was dabei und gerade in unserer Zeit hervor gehoben werden sollte, ist, dass kein Blog, dass keine Webseite, dass kein Social Media Star diese Arbeit übernehmen kann. Investigative Berichte brauchen Zeit, brauchen Geld, brauchen Reporter, die wissen, wie sie an eine Story herangehen, nicht aufgeben, sie auch unter erschwerten Bedingungen verfolgen. Und es braucht einen mutigen und weitsichtigen Herausgeber, der all das zu schätzen weiß. Der oder die es als Aufgabe von Medien sehen, in einer Demokratie eine mehr als wichtige Rolle zu übernehmen. Man muss nur in die Türkei blicken, um zu erkennen, was passieren kann, wenn die Meinungsvielfalt in den Medien aufgehoben, wenn die Presse quasi gleichgeschaltet wird. Democracy dies in darkness ist also nicht nur eine Standortbeschreibung für die Washington Post, es ist auch und vor allem eine Warnung an uns alle, wie leicht eine Demokratie gefährdet sein kann…hier, da und dort. Als passende Antwort auf Politiker wie Donald Trump, Recep Tayyip Erdogan oder auch Vladimir Putin sollte man vielleicht überlegen, eine Tageszeitung, ein politisches Magazin, eine Wochenzeitung zu abonnieren. Es wäre zumindest ein Zeichen, das durchaus wahrgenommen wird, wie die Auflagensteigerungen der New York Times, der Washington Post, die steigenden Zuschauer- und Hörerzahlen von CNN, PBS und NPR seit der Amtsübernahme von Donald Trump belegen.

 

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