Wie wäre es mit einem Trump-freien Tag

Es ist ja nicht so, dass nichts in der Welt passiert. Eigentlich gibt es genügend Brennpunkte rund um den Globus, die beachtet werden sollten. Wer mich kennt oder wer hin und wieder dieses Blog liest, weiß, wovon ich spreche. Die Hungerkrise in Somalia, die katastrophale Situation im Ost-Kongo, die Not und das Leid im Niger und der gesamten Tschadsee Region. Gestern führte ich ein Interview mit Wolfgang Jamann, dem Geschäftsführer von CARE International. Er kam gerade von einer Reise in den Jemen zurück, jenem Land, das derzeit im Chaos versinkt, in dem sich zwei große regionale Mächte einen Stellvertreterkrieg liefern, in dem Millionen von Menschen Flüchtlinge im eigenen Land sind, in dem nun auch noch eine der größten Cholerakrisen der jüngsten Zeit ausgebrochen ist. Bis Ende des Jahres rechnen Gesundheitsexperten mit etwa 600.000 Fällen. Aber all das wird gerne übersehen. Wolfgang Jamann meinte dazu: „Aber eins ist auch klar, Jemen schickt keine Flüchtlinge nach Europa, hier gibt es zwei Millionen Vertriebene innerhalb des Landes und das heißt natürlich – und das wurde mir auch sehr klar und sehr deutlich vor Ort zur Kenntnis gebracht – dass hier die internationale Gemeinschaft nicht ganz so besorgt reagiert, wie das vielleicht in Ländern der Fall ist, wo ein Flüchtlingsexodus droht“.

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Und vor diesem Hintergund der harten Fakten, Nachrichten, Realitäten sitze ich hier jeden Morgen und lese das, was Donald Trump tagtäglich über Twitter raushaut und was anschließend über ihn berichtet wird. Trump ist im Dauerwahlkampf, er wütet, tobt, beleidigt, macht andere nieder. Das sind dann Meldungen, mit denen sich die New York Times, die Washington Post, CNN, FOXNews und am Ende auch ich beschäftige. Es sind Nullnummern, platte Aussagen, es sind wahrlich „Fake News“ im Trump-Zeitlalter. Denn seien wir mal ehrlich, auf politische Ergebnisse kann dieser Präsident bislang nicht verweisen. Außer viel heißer Luft hat er bislang wenig zu bieten, doch die hat so einige in Washington ins Schwitzen gebracht.

Was ich mir wünschen würde, wären Tage, an denen man wirklich nur über die Nachrichten berichtet, die es wert sind verbreitet zu werden. Nicht Trumps leeres Gepoltere und die darauf kommenden Reaktionen, sondern den Blick auf das zu richten, was wirklich wichtig ist. Die Hungerkatastrophe in Teilen Afrikas, der Krieg im Jemen oder auch die Heroinkrise in den USA, die Probleme von illegalen Einwanderern in diesem Land, die abgehängten Regionen in den Weiten der USA, die Gefährdung durch Raubbau der einzigartigen Natur in den Vereinigten Staaten. Davon sollte man mehr lesen und mitbekommen.

Es gibt sicherlich einige, die nun sagen „mach halt“. Aber so einfach ist das nicht, denn Leser und Hörer entscheiden mit, was geschrieben und berichtet wird. Das Interesse an einem Trump Bericht mit Nullinformationswert ist einfach höher als eine Reise nach Somalia, um über die dortige Hungerkatastrophe zu informieren. Genau so ist es, zumindest sehe ich das an den Klickzahlen im Blog, kann das an den Reaktionen auf Berichte und Features über Trump und solchen Reisen ablesen. Wenn man dem Trump-Wahn entkommen will, als Journalist und als Leser und Hörer und Zuschauer, dann geht das nur gemeinsam. Ein „Trump freier Sonntag“ im Monat wäre vielleicht der richtige Ansatz.

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