„Ein Amerika ohne Juden, ohne Afro-Amerikaner, ohne Latinos“

Reaktionen auf Charlottesville     

 

Und es war wieder eine schlechte Woche für Donald Trump. Voller Entsetzen blickten die Amerikaner am vergangenen Samstag nach Charlottesville, wo Tausende von Neo-Nazis, der Ku Klux Klan und andere rechtsextreme Gruppen aufmarschierten.

Man erwartete dazu eine klare Aussage und Stellungnahme von Präsident Donald Trump, doch die kam erst nicht, dann doch und wurde dann wieder relativiert. Das Entsetzen war groß, gerade auch in den jüdischen Gemeinden in den USA. Rabbi Marvin Hier, Gründer des Wiesenthal Centers, der bei der Amtsvereidigung von Donald Trump noch ein Gebet sprach, meinte in einem Fernsehinterview: “Wenn der Präsident mich gefragt hätte, dan hätte ich ihm geraten, dass er nicht Neo-Nazis, den Klan und weiße Rassisten mit den anderen Demonstranten gleichsetzt. Denn diese drei sind das Codewort für ein Amerika ohne Juden, ohne Afro-Amerikaner, ohne Latinos.“

Unzählige jüdische Gruppen, Organisationen und Persönlichkeiten meldeten sich zu Wort, darunter auch die jüdischen Kriegsveteranen in den USA. Deren Vorsitzender, Colonel Carl Singer meinte, seine Gruppe verurteile den Hass und die Gewalt, die von der rassistischen Demonstration in Charlottesville ausgegangen ist: “Wir fordern die gewählten Offiziellen in allen Ebenen der Regierung dazu auf, sich klar gegen Rassisten, Neo-Nazis und ihre Trittbrettfahrer zu äußern”.

Der Aufmarsch von Neo-Nazis, dem Klan und anderer rechtsextremer Gruppen in Charlottesville, Viriginia, war kein Einzelfall. Foto: AFP.

Peg Sandel ist die Direktorin der jüdischen Brandeis Marin School in San Rafael, nördlich von San Francisco. Sie war geschockt und traurig zugleich über das, was sie am letzten Samstag im Fernsehen sehen musste. Doch Peg Sandel sieht den Aufmarsch rechtsradikaler und hasserfüllter Gruppen in Charlottesville nicht als Einzelfall im Amerika dieser Tage an: “Unsere Schule und viele andere jüdische Gemeindezentren und Schulen haben unzählige von Bombendrohungen erhalten. Allein zwischen Januar und März 2017 gingen bei diesen Einrichtungen 160 Bombendrohungen ein, zwei davon erhielten wir. Ich weiß also, was da draussen passiert, wir müssen uns das bewusst machen. Mir ist klar, dass es diese Kräfte gibt, die mit der Rhetorik dieses Präsidenten im Wahlkampf und nun auch im Amt möglich geworden sind.”

Die Schulleiterin Peg Sandel hat in dieser Woche eine Mail an alle Eltern verschickt mit Ratschlägen, dass und wie sie mit ihren Kindern über die Bilder in den Nachrichten sprechen sollten. Die Schule ist schon seit langem gut gesichert, wie eigentlich alle jüdischen Einrichtungen im Land. Die Gefahr von Übergriffen und Anschlägen ist gegenwärtig und hat sich mit Donald Trump auf der politischen Bühne nur noch vergrößert. Der Präsident hatte nach der Gewalt in Charlottesville eine Chance, das Land zumindest kurzfristig zu einen. Die hat er vertan. Peg Sandel war deshalb mit der Reaktion Trumps alles andere als zufrieden: “Der Präsident muss eine eindeutige moralische Haltung einnehmen. Wir wissen ja, dass Donald Trump seinen Unmut und seinen Ärger über andere Personen und Ideen in seinen Tweets und seinen Reden kundtun kann. Aber er hat nicht genauso stark und eindeutig gegen die Rufe der Faschisten, der Neo-Nazis, der rassistischen Gruppen reagiert, die wir in Charlottesville und eigentlich überall im Land sehen. Das ist moralisch verwerflich.”

Charlottesvile hat gezeigt, dass Amerika ein großes Problem hat, das lange Zeit nicht beachtet wurde und das nicht nur regional auf die Südstaaten beschränkt ist, wie Bombendrohungen gegen jüdische Schulen in Nordkalifornien zeigen. In solchen Zeiten schaut das ganze Land genau auf den Präsidenten, wie er reagiert und was er sagt. Doch Donald Trump nimmt diese Rolle nicht an, denn dann müsste er auch eingestehen, dass er lange Zeit selbst mit dem rechten Feuer gespielt hat.

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