Kalifornien ist die Nummer 1

Amerika hat ein rechtes Problem. Foto: Reuters.

In den USA wird gerade eine breite gesellschaftliche Debatte geführt. Über die Vergangenheit, die Gegenwart, die Zukunft. Über Geschichte, den Umgang damit und für was die USA stehen und stehen sollten. Die gewaltsamen Ausschreitungen in Charlottesville haben diese Diskussion, die schon seit Jahren still vor sich hin simmert nun zum Kochen gebracht. Die mehr als fragwürdigen Auftritte von Präsident Donald Trump seither haben all das nur noch befeuert.

Der „Southern Poverty Law Center“ hat eine Liste veröffentlicht, auf der 917 aktive „Hate Groups“ in den USA aufgeführt sind. Aktiv in allen 50 Bundesstaaten. Und in Kalifornien, jenem Bundesstaat, der als liberalster und progressivster angesehen wird, sind 79 dieser Gruppen zu finden. Das reicht von gewalttätigen Skinheads über die Rechtsaußenpartei „Traditionalist Worker Party“ bis hin zu christlich-fundamentalistischen Kirchengruppen mit teils rassistischen, homophoben und nationalistischen Werte-Botschaften.

Mit dem polarisierenden Wahlkampf und dem Wahlsieg von Donald Trump hat die rechte Bewegung in den USA massiven Zuwachs bekommen. „America First“ wird als Einladung für Abgrenzung, Nationalismus und christlichen Fundamentalismus gesehen. Trump hat den verschiedensten Gruppen – bewußt oder unbewußt – den Rücken gestärkt. Auch wenn er versucht nun sich in einigen Reden und Auftritten von den Geistern zu distanzieren, die er da gerufen hat, das Problem ist nicht mehr einfach so rückgängig zu machen.

Lange Zeit belügte man sich im weißen Amerika selbst und glaubte, die Bilder der brennenden Kreuze, der rassistischen Morde und Gewalttaten, der Benachteiligung von Menschen anderer Hautfarbe gehöre der Vergangenheit an. Die „White Supremacy“ Gruppen waren eine Randerscheinung, über die weißen Kutten tragenden Verbohrten machte man nur Witze. Amerika, so schien es, ist der „Melting Pot“, in dem Menschen verschiedenster Herkunft, Hautfarbe, Glauben und Überzeugung zusammenleben können. Ein trügerisches Bild, denn zusammen gewachsen ist in vielen Teilen der Gesellschaft nichts, ganz im Gegenteil, es haben sich Parallelgesellschaften gebildet, wie die unzähligen bewaffneten Milizen im Land auch zeigen.

Dieser Glaube von den „United States of America“ nach der Bürgerrechtsbewegung der 60er Jahre war ein fataler Fehler, wie sich nun zeigt. Die USA haben über Jahrzehnte einen Rassismus stillschweigend akzeptiert und damit gefördert. Zahlreiche Statistiken aus allen Bereichen der Gesellschaft belegen dies. Wer weiß ist hat auch heute noch in allen Lebensbereichen der USA einen besseren Start und ein besseres Vorankommen. Dazu kommt, dass es eine Aufarbeitung der Geschichte in den USA nie gegeben hat. Das zeigen auch die Monumente und Denkmäler, die derzeit  abgebaut und abgerissen werden. Es ist so ein Schnellschuss, mit dem man keinen Schlußstrich unter die teils brutale Geschichte der USA ziehen sollte.

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