Bin ich so viel mehr Amerikaner?

Donald Trump will Barack Obama vergessen machen. Dafür streicht er alles, unter was Obama seine Unterschrift gesetzt hat, für was Obama gekämpft hat, von was Obama überzeugt ist. Eine der wohl wichtigsten Entscheidungen die der 44. Präsident in seinen acht Amtsjahren traf, war die präsidiale Anordnung “Deferred Action for Childhood Arrivals”, kurz DACA genannt.

DACA sollte all jene ansprechen, die als Kinder illegal in die USA gebracht wurden. Dabei geht es nicht um Menschenhandel, sondern um Familien, zumeist aus Mexiko und Mittelamerika, die in den Vereinigten Staaten nach dem “American Dream” und Sicherheit suchen wollten. Viele Kinder kamen so in das Land, wuchsen hier auf, gingen zur Schule, fingen eine Lehre an, studierten und waren dennoch immer von einer Abschiebung bedroht. Abschiebung in ein Land, dass sie so gar nicht kannten. Die USA war und ist ihre Heimat.

Donald Trump winkt DACA „Goodbye“. Foto: Reuters.

Dann kam Donald Trump und polterte schon im Wahlkampf, dass er DACA nicht unterstützen könne und wolle. Nun fiel die Entscheidung, Trump spielt den Präsidenten und schiebt dem Kongress die Verantwortung zu, meint, der solle innerhalb eines halben Jahres einen Gesetzesvorschlag vorlegen, wie man mit den bereits registrierten etwa 850.000 DACA Teilnehmern umgehen soll. Trump zeigt hier sein wahres Ich. Seine Basis jubelt über diese Entscheidung. Sein Tweet “Wir (er meint ICH, ap) werden die Interessen AMERIKANISCHER BÜRGER VORAN stellen” spricht Bände. Auch der Versuch den Kongress in die Pflicht zu nehmen und diesen innerhalb von sechs Monaten eine allgemeingültige Gesetzesvorlage zu erarbeiten ist zynisch. Trump weiß, das Abgeordnetenhaus und der Senat werden das nicht schaffen. Darauf baut er. Und es ist bereits Wahlkampf, im kommenden Jahr werden die Kongressabgeordneten und ein Teil der Senatoren neu gewählt.

Schätzungen gehen davon aus, dass 1,7 Millionen Menschen unter das DACA Programm fallen könnten. Der Großteil von ihnen lebt in Kalifornien, einem Bundesstaat, in dem Donald Trump bei der Wahl sang- und klanglos untergangen ist. Auch deshalb gehen ihm jene Amerikaner ohne Pass wohin. 1,7 Millionen in den USA lebende junge Menschen, die als Kind in dieses Land gebracht wurden. Von ihnen haben etwa 850.000 einen DACA-Antrag gestellt. Sie sind nun die Dummen, denn die Trump Regierung hat ihre Daten, ihre Informationen, ihre Fingerabdrücke, ihre Fotos. Was Trump so auch erreicht hat, ist ein Mißtrauen gegen alles, was aus Washington kommt, denn der nächste Präsident könnte jede Entscheidung seines Vorgängers ins Gegenteil verkehren.

Die Frage, die ich mir stelle ist, warum ich, der als 28jähriger hierher kam, mehr Amerikaner sein soll, als jene, die hier aufwuchsen, verwurzelt sind, dieses Land, die Kultur und die Sprache viel besser kennen als ich. Die bereit wären, wie es viele schon getan haben, für die USA in den Krieg zu ziehen. Ja, ich habe einen amerikanischen Pass, aber das macht mich nicht zum Amerikaner. Das macht mich nur zu jemandem, der nicht mit ungutem Gefühl nach einem internationalen Flug am Schalter des INS-Beamten vorbei gehen kann.

Ich wünschte mir, ein Donald Trump könnte einmal unverblümt jenes Leben kennenlernen, von dem er glaubt, es zu kennen: als Flüchtling, als illegaler Immigrant, als Afro-Amerikaner, als Muslim in Amerika, als Arbeiter mit einem Mindestlohn, als DACA-Antragsteller. Vielleicht würde ihm das die Augen öffnen. Wahrscheinlich wohl eher nicht.

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