Der Blick in eine vergangene Welt

Gottfried Lindauer wurde 1839 im böhmischen Pilsen geboren. In Wien studierte er Kunst, aber fiel dort nicht weiter auf. 1874 machte er sich auf den langen Weg nach Neuseeland. Warum, das weiß keiner so richtig. Aber dort, auf der anderen Seite der Welt, erlangte Lindauer Berühmtheit für seine Portraits der Māori.

Gottfried Lindauer, Tamati Pirimona Marino. Foto: famsf.

31 dieser Bilder sind nun im de Young Museum in San Francisco zu sehen, Gemälde, die zwischen 1874 und 1903 entstanden sind. Lindauer malte Politiker, Krieger, Landbesitzer, Häuptlinge, Diplomaten, wichtige Personen der Māori. Fast alle sind mit „Tā moko“, den für dieses indigene Volk Neuseelands typischen Gesichtstätowierungen dargestellt. Diese „Moko“ werden nicht Punkt für Punkt aufgetragen, sondern mit Schab- und Kratzwerkzeugen. Die Haut wird dadurch vernarbt und uneben. Die Frauen sind auf den Lippen und am Kinn tätowiert, die Männer haben meist das ganze Gesicht gezeichnet.

Gottfried Lindauer hat einmalige Portraits geschaffen, die voller Details sind, ja, lebensecht wirken. Die Blicke der Māori verfolgen den Besucher bei seinem Rundgang durch den Ausstellungsraum, schaffen eine seltsame Verbindung zwischen dieser unbekannten Welt und dem Hier und Jetzt. Die Gemälde machen neugierig auf die Geschichte, die Kultur, das Leben der Māori und auf den Künstler, der sie malte. Ein umfassender Katalog zur Bilderschau bietet genau das.

2014 wurden Lindauers Werke zum ersten Mal außerhalb von Neuseeland und mit Zustimmung der Nachfahren der Abgebildeten gezeigt. Der heutige Direktor des de Young Museums, Max Hollein, besuchte damals die Ausstellung in der Alten Nationalgalerie in Berlin und war begeistert. Für ihn war klar, er wollte diese Bilder nach seinem Umzug nach San Francisco auch am Golden Gate zeigen. „The Māori Portraits: Gottfried Lindauer’s New Zealand“ ist noch bis zum 1. April 2018 im de Young Museum zu sehen.

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