Das ewige Vietnam

Amerika im Krieg. Im Abendprogramm des öffentlichen Sender PBS läuft derzeit „The Vietnam War“. Eine 18stündige Dokumentation, an der der Filmemacher Ken Burns zehn Jahre lang arbeitete. Eine unglaubliche, umfangreiche Sammlung an Stimmen, Archivmaterial, Videos, Fotos, Geschichten. Es wird der Zusammenhang und das Gesamtbild eines Krieges erklärt und erzählt, wie es besser nicht sein könnte. Schockierende Bilder neben aufwühlenden Interviews. Auch 50 Jahre nach den Ereignissen in Südostasien bewegen die Bilder.

Die USA haben den Vietnamkrieg nie richtig aufgearbeitet und verarbeitet. Das wird deutlich, wenn man sich diese Dokumentation ansieht. Nichts erinnert an den wilden Einzelkampf eines Rambo in Hollywoodmanier, vielmehr geht mir ständig durch den Kopf: This is f….up!. Amerikaner tendieren dazu einen Schlußstrich zu ziehen, auch, wenn da noch vieles ungeklärt ist, Fragen offen sind, Antworten fehlen. Nach dem Desaster in Vietnam ging Amerika zur Tagesordnung über. Den weit über eine halbe Million amerikanischer Soldaten, die gezeichnet aus dem Dschungelkrieg zurück kamen, wurde erklärt, der Krieg ist vorbei, das Leben geht weiter.

Wie diese fehlende Aufarbeitung sich ausgewirkt hat, sieht man auch in den vielen Interviews in Ken Burns‘ Dokumentation. Erwachsene Männer weinen beim Gedanken an das, was sie durchgemacht haben. Der Vietnamkrieg hat Amerika vernarbt, die Spuren sind noch immer zu sehen.

Und als Zuschauer fragt man sich, wie lange es dauern wird, bis die Kriege in Afghanistan und Irak aufgearbeitet werden. Hunderttausende von jungen GIs in Kriegen, die keinen Sinn machen. Die Situation in Afghanistan war, ist und bleibt chaotisch. Im Irak wurde durch den Militäreinsatz von George W. Bush alles nur noch schlimmer. Da und dort starben Tausende von jungen Männern und Frauen in Uniform im Krieg gegen den Terror, der eigentlich alles nur noch schlimmer machte. Die Frage stellt sich, wann dieser Dokumentationsfilm gedreht wird.

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