Ein kniender Protest!

Ein stiller Protest gegen Morde an Afro-Amerikanern wird von Präsident Trump zu einem Politikum. Foto: Reuters.

Vor jedem Punktspiel der amerikanischen Ligen wird die Nationalhymne gespielt. In der NFL und NBA, der MLB und NHL, vor NASCAR Rennen und sogar vor High School Spielen rivalisierender Football Teams. Das ist gewöhnungsbedürftig, gerade wenn man als „Ausländer“ in die USA kommt. Auch nach 21 Jahren in diesem Land und mit einem amerikanischen Pass habe ich mich noch nicht daran gewöhnt. Vor Nationalspielen macht es Sinn für mich, vor alltäglichen Punktspielen wirkt es eher befremdlich.

Aber so ist das nun mal in den USA. Die Fahne, der Fahneneid, die Nationalhymne sind allgegenwärtige Symbole in diesem Land. Über die Bedeutung wird kaum noch nachgedacht, das zeigt nun auch der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, Donald Trump. Er pöbelt seit einigen Tagen gegen die NFL und Spieler, die beim Absingen der Hymne niederknien. Er nennt sie „Sons of Bitches“, Hurensöhne, was ganz präsidial klingt.

Trump verkennt, dass ein niederknien eigentlich eine Form des Respektes ist. So hat auch der eigentliche Protest angefangen, als der 49ers Spieler Colin Kaepernick sich zum ersten Mal hinkniete, als die Hymne gespielt wurde. Zuvor saß er nur auf der Bank, doch sein Mitspieler Eric Reid und Nate Boyer, ein früherer Green Beret und ehemaliger NFL Spieler, überzeugten Kaepernick, dass ein Niederknien viel mehr Aufmerksamkeit für das bringen würde, für was er protestiert  – dagegen, dass Afro-Amerikaner aufgrund ihrer Hautfarbe Ziel von Polizeikugeln werden.

Reid, Kaepernick und Boyer hatten zu keinem Zeitpunkt vor das Land, die Fahne, die Hymne und vor allem nicht im Einsatz befindliche oder gefallene Soldaten zu beleidigen. Ganz im Gegenteil, sie knieten nieder, so, als ob die Fahne auf Halbmast weht. Es war ein Zeichen, ein kraftvolles Zeichen des Respektes gegenüber diesem Land und für die Werte, für die die „Stars and Stripes“ eigentlich stehen oder stehen sollten.

Donald Trump, der seinem Land nie in den Streitkräften diente, der ein Vermögen daraus machte, amerikanische Arbeiter über den Tisch zu ziehen, der sich im Oval Office durch den Tag blamiert, er treibt mit seiner unsäglichen Debatte über das, was Spieler zu tun und zu lassen haben einen weiteren Keil in die amerikanische Gesellschaft. Politisch bringt er nichts zusammen, aber Trump fühlt sich hervorragend als Vorkämpfer eines Kulturkrieges, der zu nicht mehr führen wird, als einen tieferen Graben durch dieses geteilte Land. Das hat man ganz deutlich am Freitag bei seinem Auftritt in Alabama gesehen. Es ging nicht um Gesundheitspolitik, um Arbeitnehmerrechte, um internationale Beziehungen. Nein, Trump blühte auf, als er von den „Sons of bitches“ sprach und die Menge ihm zujubelte. Trump ist der Präsident einer Minderheit in den USA, die seine populistischen Verbalergüsse liebt und braucht. Der Wohlfühlpräsident der „Benachteiligten“, die seine rassistischen, sexistischen und polternden Töne nur zu gerne bejubeln. Armes Amerika!

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