Eine überflüssige Debatte über „Gun Control“

„Crime Scene Las Vegas“. Foto: Reuters.

Machen wir uns nichts vor, der Zug hat schon lange den Bahnhof verlassen. Die Amerikaner sollten einfach erkennen, dass der Wilde Westen mit seinen Revolverhelden ein Teil dieser Gesellschaft war, ist und bleiben wird. Der Aufschrei nach dem wahllosen Abschießen von Konzertbesuchern am Strip von Las Vegas ist eigentlich mehr als heuchlerisch. Was bringen die Trauerworte, die Mitleidsbekundungen und die Danksagungen an Rettungskräfte und Polizei, wenn schon jetzt feststeht, dass die Frage nicht ist, ob es wieder passieren wird, sondern wann es wieder passieren wird?

Der Wahnsinn von Las Vegas sticht sicherlich heraus. 59 Tote, 530 Verletzte und das durch die Hand eines einzelnen Schützen. Doch die Tat in Las Vegas war nur eine von bislang 341 (!) Massenschießereien in diesem Jahr. Massenschießerei bedeutet mindestens vier Opfer, Tote oder Verwundete.

Die Debatte, die nun in den USA geführt wird, dreht sich darum, wie man die technischen Hilfsmittel verbieten kann, die es einem Amokläufer wie in Las Vegas ermöglicht, ein halbautomatische Gewehr zu einem quasi automatischen umzurüsten. Und das ohne große Probleme und Kenntnisse. Vielleicht geht dieses Verbot durch, denn dieser technische Zusatz fällt nicht unter das Grundrecht auf Waffenbesitz, könnte so also von Gerichten bestätigt werden. Ein sinnloser Scheinsieg, der am Ende nicht viel bringen wird.

Was nicht diskutiert wird, ist die hohe Zahl an Morden, Selbstmorden, Unfällen mit Schusswaffen und die gewaltige Zahl von Schießereien auf amerikanischen Straßen. Alljährlich werden in den USA nahezu 80.000 Amerikaner Opfer von Schusswaffen, das sind mehr Menschen als Bayreuth Einwohner hat.

Die Waffengewalt in den USA ist staatlich geschützt. Nicht nur, dass es dieses vermeintliche Grundrecht auf Waffenbesitz gibt. Die Versuche ganz logische und einfache Beschränkungen einzuführen, werden immer wieder auch von gewählten Offziellen blockiert. So hat sich der Generalstaatsanwalt von Nevada, Adam Paul Laxalt, jüngst gegen einen „universal background check“ ausgesprochen. Das heißt, Laxalt hat es verhindert, das jeder Waffenkauf vorab vom FBI überprüft werden muss. Bislang müssen nur offizielle „Gun Stores“ diese Informationen über Käufer einholen. Wer jedoch privat oder auf Waffenmessen und Waffenshows Knarren kaufen will, der kann das, ohne Angabe und ohne Überprüfung seiner Daten. Diese Unlogik im Gesetz nennt man „Loopholes“, durch die jedermann problemlos sein Sturmgewehr erwerben kann. Und nein, die Wahnsinnstat von Las Vegas hätte mit diesen „background checks“ nicht verhindert werden können.

Amerika heute ist ein schwerbewaffnetes Land. Noch nicht mal die genaue Zahl der Waffen, die im Umlauf sind, ist bekannt, selbst diese Zählung wird durch die Waffenlobby verhindert. Angenommen wird, dass etwa 350 Millionen Knarren und Schießeisen in Privathand sind. Der Täter von Las Vegas hatte mehr als 60 Gewehre in seinem Besitz. Das klingt viel, wie mir einige Amerikaner aber selbst gesagt haben, ist das nichts ungewöhnliches. Wer Waffen liebt und sammelt, der kann leicht dieses Arseal an „Fire Power“ anlegen. Selbstverständlich mit der dazugehörigen Munition.

Von daher, machen wir uns nichts vor. Jeder Versuch im Kongress und auf der politischen Bühne etwas zur Waffenkontrolle zu erreichen ist reine Augenwischerei. Amerika kann und wird das Problem der Waffengewalt nicht mehr unter Kontrolle bekommen. Es wird weiter gemordet und wild durch die Gegend geballert werden. Und mit Sicherheit überlegt schon jetzt irgendwo in diesem Lande ein Verfechter des „Second Amendment“ wie er diesen „Rekord“ von Stephen Paddock in Las Vegas übertreffen kann. Ja, so verrückt ist Amerika…es wird wieder passieren, nur wann und wo steht noch nicht fest.

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