Trump macht den Erdogan

Man stelle sich vor, Bundeskanzlerin Angela Merkel steht früh auf, macht die Morgensendung des RBB an und hört einen Bericht über ihre Regierung. Und der passt ihr gar nicht, denn sie wird dort offen kritisiert. Wutentbrannt greift die Kanzlerin zum Smartphone, öffnet die Twitter App und schreibt: „Mit all den Falschnachrichten, die von RBB und den anderen Networks verbreitet werden, an welchem Punkt ist es angebracht, die Sendelizenz anzufechten. Schlecht für das Land!“

Angela Merkel würde so sicherlich nicht re(a)gieren, in Deutschland wäre das undenkbar. In der Türkei dagegen ist das im Reich des Sultans Erdogan bittere Realität geworden. Und dieses Vorbild scheint, trotz der derzeitigen diplomatischen Schwierigkeiten, durchaus Gefallen zu finden jenseits des Großen Teichs. Dort in Washington im Weißen Haus sitzt ein Mann, der nur zu gerne diktatorisch regieren möchte. Wer nicht für ihn ist und dauerhaft Lobshymnen auf ihn verbreitet, der ist gegen ihn, ein Feind Amerikas.

Zwar lässt der türkische Machthaber nach solchen Worttiraden auch gleich Fakten folgen, verhaftet, verurteilt, bespuckt verbal seine Kritiker. Pressevertreter, die nicht zu Speichelleckern werden wollen, wandern an vorderster Stelle ins Gefängnis. Der amerikanische Präsident dagegen kann nicht ganz so weit gehen. Er verunglimpft nur und schafft in den Vereinigten Staaten von Amerika ein Klima der Unsicherheit, der Angst, der Fassunglosigkeit.

Präsident Trump würde am liebsten entscheiden, was über ihn gesagt werden darf. Klassische Hofberichterstattung also, denn das ist es, was Donald Trump unter einer freien Presse und Meinungsfreiheit versteht. Kritik kann King Donald so gar nicht vertragen. Jeder Bericht, der ihn und seine Politik nicht preist, ist „Fake News“, quasi ein Produkt der Lügenpresse. Von daher kann man gut verstehen, dass er ständig die New York Times und die Washington Post, CNN und NBC angreift. Sie alle wollen nicht so recht ins Trumpsche Horn blasen, decken viel lieber die Machenschaften des Geschäftsmannes, des Kandidaten, des Präsidenten Trump und seiner Gefolgschaft auf. Donald Trump reiht sich also problemlos in die Gruppe der Tyrannen und Diktatoren dieser Welt ein, wenn es um Meinungs- und Pressefreiheit geht. Auch das ist Amerika im Jahr 2017.

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