Was ist Patriotismus in den USA?

Der neue Patriotismus in den USA. Foto: Reuters.

Wir Deutschen tun uns nicht leicht mit dem Patriotismus. Ich kenne stolze Franken und Berliner und auch viele stolze Europäer. In meinem eigentlich ziemlich großen Bekanntenkreis fällt mir niemand ein, der mir schon mal gesagt hat: Ich bin stolz ein Deutscher zu sein. Als ich vor ein paar Jahren die Textzeile „Deutscher sei stolz“ im Lied „Steine sind Steine“ von And One hörte, dachte ich mir, „wow, das ist gewagt!“.

In den USA ist das alles ganz anders. Als ich vor 30 Jahren zum ersten Mal hierher kam, merkte ich schnell, dass Amerika mit dem Patriotismus anders umgeht. Überall wehen Fahnen, die Nationalhymne wird vor jedem Sportereignis gespielt, kniende Spieler als „unpatriotisch“ gebrandmarkt. Schon im Kindergarten legen die Kleinen ihre rechte Hand über das Herz, wenn der Fahneneid aufgesagt wird. Selbst bei einer international ausgelegten Organisation, wie den Rotariern, wird vor jedem Treffen der „Pledge of Allegiance“ abgehalten und der Präsident verabschiedet sich nach jeder Rede und nach jeder wöchentlichen Rundfunkansprache mit „God bless the United States of America“, etwas, was in Deutschland noch heute unmöglich wäre.

„I’m proud to be American“ ist tief verwurzelt in den USA und erlebt unter Präsident Donald Trump einen ganz neuen Dreh. Es geht dabei nicht mehr um das, was Amerika ausmacht, was mich zuerst als Tourist, dann als „Alien Resident“ und schließlich als Immigrant und Staatsbürger in diesem Land beeindruckte: Die Weite, die Schönheit des Landes, die Weltoffenheit, die Vielfalt auf den Straßen, die Lockerheit, die Unbefangenheit und auch dieses „mach mal“ ohne viele Abschlüsse und Papiere vorzulegen. Und das heißt nicht, dass ich mir dieses Land und das Leben hier schön male. Amerika ist nicht „God’s Country“, kein Paradies auf Erden, es ist ein Land, in dem es wie überall genügend Probleme gibt. Doch irgendwie habe ich mit dem amerikanischen Patriotismus gelebt und zu leben gelernt.

Was nun allerdings unter Donald Trump passiert, dieser nationalistische Stolz, dieses geheuchelte „America First“, dieser gefährliche Isolationismus, diese ganz andere, beschränkte Weltsicht ist nicht das Amerika, was mich vor 30 Jahren fasziniert und mich auch schließlich hierher geführt hat. Ein Präsident der die Grundwerte dieses Landes in Frage stellt, der berechtigte Kritik als unamerikanisch abtut, der sich als Hüter von patriotischen Werten präsentiert, die es für ihn dann sind, wenn er in Bildern, Videos und Aussagen gelobt und gepriesen wird, ist mehr als schwer zu verdauen. Dieser neue amerikanische Patriotismus bereitet mir immer mehr Magenschmerzen.

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