Das ist einfach „oakländisch“

Wenn sie das wüssten! Donald Trump würde gemeinsam mit den IS Kämpfern die Augen rollen. Solch ein Zeichen der Vielfalt, Gemeinsamkeit und des Miteinanders lehnen sie nämlich grundsätzlich ab. Im islamischen Kulturzentrum von Nordkalifornien hielt Oaklands Bürgermeisterin Libby Schaaf ihre jährliche „State of the City“ Rede. Und sie war ein Erfolg.

Draussen protestierten Gewerkschaftsmitglieder gegen die Bürgermeisterin. Es ging um Gehaltsforderungen und Investitionen im öffentlichen Dienst. Aber der Ort des Protestes war mehr als ungünstig. Zum einen sollte die Rede ganz bewusst ein deutliches Zeichen für die Vielfalt und Gemeinschaft in Oakland sein. Lautstark schreiende Gewerkschaftler, die jeden Teilnehmer an der Veranstaltung ausbuhten und ihm zuriefen „don’t cross the picket line“ war hier fehl am Platz. Zum anderen gehört diese Rede einer Bürgermeisterin zum demokratischen Verständnis in den USA. Libby Schaaf erläuterte darin, was sie im letzten Jahr geleistet hat, an was sie arbeitet, was noch kommen muss. Es ging um die hohen Lebenskosten in Oakland, um die Obdachlosigkeit, um die Kriminalitätsrate, um die Infrastruktur, darum, Oakland so bunt, offen und lebendig zu bewahren, wie diese Stadt es ist. Ein Rechenschaftsbericht, der zum Regieren dazu gehört. Wer die Bürgemeisterin konfrontieren will, sollte das an anderer Stelle tun, nicht vor einem islamischen Kulturzentrum und nicht zu einer „State of the City“ Rede.

Zum Abschluss gab es „We shall overcome“.

In dem alten, wunderschön restaurierten und historischen Freimaurer Gebäude auf der Madison Street, hielt der Vorsitzende des islamischen Kulturzentrums ein Gebet. Es verbinde uns mehr, als uns trenne, sagte Payman Amiri. Dieses Zentrum sei für alle Menschen in Oakland offen, egal welcher Konfession sie angehörten. Er betonte in seiner kurzen Ansprache auch, dass die Bürgermeisterin nach der Verkündigung des Einreiseverbots für Menschen aus Syrien, Irak, Iran, Jemen, Somalia, Sudan und Libyen den Kontakt suchte. „Wie kann Oakland helfen?“. Nach diesen Worten des Vorsitzenden traten erst eine mexikanische, dann eine chinesische Tanzgruppe auf, bevor eine Band auf die Bühne kam, die sich aus Mitgliedern der Trumpschen „Travel Ban“-Länder zusammen setzt. Alles an diesem Abend hatte Symbolkraft.

Oakland zeigte sich auf der Bühne und im Publikum vielgesichtig und weltoffen. An diesem Abend wurde diese Stadt im Schatten von San Francisco genau dafür gefeiert. Zum Abschluss sang der Oakland Interfaith Chor „We shall overcome“, eine zeitlose Hymne in schwierigen Zeiten. Und ich merkte, über die Jahre bin ich hier zu einem Oakländer geworden.

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