Mehr Waffen braucht das Land

Amerika hat ein Waffenproblem. Daran wird sich nichts ändern, das weiß man einfach, das sieht man an den Reaktionen nach jedem Amoklauf, nach veröffentlichten Statistiken über Mordraten, Selbstmorden und Unfällen mit Schußwaffen. Es ist einfach so, wie es ist. Die Deutschen haben ihr ungebremstes Fahrvergnügen, die Amerikaner ihr vermeintliches Grundrecht auf Waffenbesitz.

An dieses in der Verfassung verankerte und dennoch unklare Recht bewaffnet sein zu dürfen halten hier alle fest. Darin wird gar nicht gezweifelt oder es in Frage gestellt. Was die Gründungsväter da vor weit über 200 Jahren bestimmt haben, hat auch heute noch zu gelten. Niemand, weder ein Demokrat noch ein Republikaner, versucht auch nur an diesem Grundrecht zu rütteln. Es wäre politischer Selbstmord, der sowieso nur in einer Sackgasse endet. Schon der Versuch, per Gesetz Gewaltäter, Kriminelle, geistig Verwirrte und all jene vom Waffenkauf auszuschliessen, die aus offensichtlichen Gründen kein Schießeisen haben sollten, scheitert an den Mehrheiten im Kongress und einer erfolgreichen Lobbyarbeit durch die „National Rifle Association“ (NRA). Von daher braucht sich niemand im In- und Ausland darüber wundern, warum dieses Grundrecht auf Waffenbesitz nicht eingeschränkt wird. Es wird nicht kommen.

Die vielgepriesene „Gun Debate“ in den USA gibt es eigentlich gar nicht. Und mal ehrlich, sie macht auch keinen Sinn. Es ist noch nicht einmal klar, wie viele Schusswaffen in den USA überhaupt in Privatbesitz sind. Die Schätzungen liegen zwischen 245 Millionen und 380 Millionen. Was man weiß ist, dass gut drei Prozent der Amerikaner rund die Hälfte aller Waffen in ihren Wohnungen und Häusern haben. Es sind Waffensammler, Sportschützen, Jäger, aber eben auch Privatleute, die nicht unbedingt ein Arsenal an Schußwaffen daheim haben sollten. Und ja, da ist wieder dieses vermeintliche Grundrecht, das keinen Unterschied zwischen Puckis Vater, dem Förster im Wald, und Billy the Kid macht. Irgendwas stimmt einfach nicht in diesem Gesellschaftsbild meiner Wahlheimat.

Was ich dennoch nicht verstehe und verstehen will ist, warum nach Amokläufen und Bluttaten wie in Las Vegas und Sutherland Springs die Verkaufszahlen von Pistolen, Gewehren, Munition und Zubehör nach oben schnellen. „Bump Stocks“, technische Hilfsmittel, die aus einem halbautomatischen ein vollautomatisches Gewehr machen und die der Täter in Las Vegas nutzte, waren kurz nach der Bluttat in allen „Gun Stores“ der USA ausverkauft. Zum Preis von 185 Dollar pro Stück. Manche Waffenkäufer  nach Massenschiessereien reagieren für mich so unverständlich wie Käufer von iPhones und Spielkonsolen, die tagelang vor einem Laden sitzen, um die ersten zu sein, die das neueste Model in der Hand haben. Vielleicht sollte man ihnen allen mal zurufen, dass weder Waffen in den USA verboten, noch, dass Apple oder Nintendo lediglich ein paar tausend Exemplare vom neuesten iPhone oder Wii Box produzieren werden.

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