Ein Stück Ostsee an der Bay

Die nordkalifornische Metropole San Francisco hat viele Schwesterstädte, darunter Paris, Sydney, Taipei, Seoul und Zürich. Osaka in Japan will zum Jahresende die Partnerschaft mit San Francisco aufkündigen. Der Grund ist ein Denkmal in Chinatown, das an die Mädchen und Frauen erinnern soll, die vor und während des Zweiten Weltkrieges aus asiatischen Ländern entführt wurden und als Sexsklavinnen für japanische Soldaten herhalten mussten. Das offizielle Japan hat dieses Kapitel der eigenen Geschichte nie aufgearbeitet, wie die kurzsichtige Aufkündigung durch den Bürgermeister von Osaka nun erneut zeigt. In San Francisco stößt diese Entscheidung nur auf Unverständnis. Hier wirft man den Stadtverantwortlichen in Osaka vor, die Geschichte umschreiben zu wollen und sich nicht der dunklen Seite des Zweiten Weltkriegs zu stellen.

Gefeiert wird hingegen die erste Städtepartnerschaft zwischen der „City by the Bay“ und einer deutschen Stadt. Und es ist nicht Berlin, Hamburg, München oder Frankfurt. Nein, die Ostseestadt Kiel hat einen Vertrag über eine enge Partnerschaft mit San Francisco unterschrieben. Auf den ersten Blick scheint diese Partnerschaft etwas ungleich zu sein. Hier die schillernde Metropole mit rund 800.000 Einwohnern. Da die in den USA völlig unbekannte Stadt an der Kieler Förde mit ihren 250.000 Bürgern.

Und doch, es passt irgendwie. Beide Städte liegen am Meer, sind Hafenstädte, beide haben ähnliche Umweltprobleme. Kiel mit seinem „Institut für Weltwirtschaft“ und dem „Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung“ hat neben der Uni Kiel auch noch zwei bedeutende Einrichtungen, die schon lange enge Kontakte mit Partnern in der San Francisco Bay führen.

Zustande kam die Partnerschaft über zwei Cousins, dem Kieler Unternehmensberater Thomas Ewoldt und dem Dezernet in San Francisco Mark Farrell. Farrells Mutter stammt aus Kiel und er verbrachte in seiner Kindheit viel Zeit an der Ostsee. Das war die Grundlage für diese scheinbar ungleiche Verbindung, die nun möglich gemacht wurde. Versucht werden soll, in mehreren Bereichen diese Partnerschaftsbrücke aufzubauen. Auch kulturell will man aktiv werden. Ein Offener Kanal aus Kiel sucht derzeit sogar einen Partnersender in San Francisco für einen Programmaustausch. Getragen wird die neue Städtepartnerschaft von vielen ehrenamtlichen Helfern, darauf will man bauen und die Partnerschaft vertiefen. Kiel will sich also nicht mit einer Schattenrolle hinter Paris oder Sydney zufrieden geben.

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