„Ich bau‘ mir ein (Luft)Schloss“

„Glaubt mir, ich sage die Wahrheit“. Foto: Reuters.

Der Wahlkampf von Donald Trump glich einer Märchenstunde. Hier das Reich des Bösen unter Barack Obama, in dem der Staat sich in alles einmischt, reguliert und reglementiert, überschuldet ist und überhaupt kein Ansehen mehr in der Welt genießt. Und dort seine Vision von Amerika, der „shining city on a hill“, einem Land, in dem wieder Milch und Honig fließen werden und in dem Amerikaner und nicht andere Länder, Interessen und Ausländer an vorderster Front stehen. Seine Slogans waren „America First“, „Make America Great Again“ und „Buy American, hire American“. Eine klare, patriotische Ansage eines Mannes, der die Anhäufung seines Reichtums nicht gerade unter diese Prämissen stellte.

Nun, ein Jahr nach dem fulminanten Wahlsieg des Donald Trump, wird so langsam einigen im Land klar, dass Trump ein Schwätzer, ein Selbstdarsteller, ein Märchenonkel war und ist. Bislang hat er kaum etwas von seinen vollmundigen Wahlkampfversprechen umsetzen können, die Märchenstunde geht jedoch weiter. Trump hat Amerika verändert, aber nicht so, wie es sich viele seiner Wähler erhofft hatten. Die Grundfesten der Gesellschaft wurden erschüttert, das Neuausrichten der amerikanischen Statik wird sehr lange dauern.

Was Trump auch in seinen Reden vor Fabrikarbeitern versprach, war Firmen zu bestrafen, die Arbeitsplätze ins Ausland verlegen und jene Unternehmen zu belohnen, die sich für den Standort USA entscheiden. Vor den Mitarbeitern der Firma „Carrier“ am Rande von Indianapolis erklärte Trump und sein Vize Pence vor genau einem Jahr, dass die Jobs bei „Carrier“ erhalten werden. Er stehe zu seinem Wort.

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Doch daraus wurde nichts. „Carrier“ entlässt 600 Mitarbeiter in Indianapolis. Das Mutterunternehmen „United Technologies“ noch einmal 700 im näheren Umfeld des „Carrier“ Standortes. Eine weitere Firma in der Stadt, Rexnord, macht in ein paar Wochen ganz dicht. Das Lovefest von Trump war nicht mehr als eine verbale Nebelbombe, um die Stimmen der Arbeiter zu bekommen.

Insgesamt wurden, seit der Amtsübernahme von Donald Trump 91.000 US Jobs ins Ausland verlegt, so viele, wie seit fünf Jahren nicht mehr. Trump erklärte im Wahlkampf unter dem Jubel der amerikanischen Arbeiter, Firmen, die ihre Produktionsstätten nach Mexiko und nach Übersee verlegten, würden nicht länger lukrative staatliche Aufträge erhalten. Auch daraus wurde nichts. Unternehmen, die genau dies in der Zeit seit der Amtsübernahme Trumps getan haben, wurden mit insgesamt 21 Milliarden US Steuerdollar an Aufträgen „belohnt“. Der Präsident hat bislang, mit schönen Worten verklausuliert, so rein gar nichts für amerikanische Arbeiter getan und erreicht. Keine Gesetze diesbezüglich durchgesetzt und auch keine präsididalen Anordnungen zum Schutz des Standortes USA unterzeichnet. Unter den mehr als 100 „executive orders“ ist keine einzige zu finden, die den Milliardär als Fürsprecher für die Arbeiter der USA zeigt.

Der Populist Donald Trump hat mit seinem Wahlkampfgetöse jedoch erreicht, dass die Gewerkschaftsbewegung in den USA noch weiter gespalten und geschwächt wurde, denn viele der „Union Members“ wandten sich im Wahlkampf von ihren Organisationen ab und glaubten stattdessen den Versprechungen des New Yorker Showmans. Auch das ist ein „Erfolg“ von Donald Trump. Der Präsident hat noch seine 20-Prozent Basis, für die er regiert, aber die beginnt so langsam zu bröckeln, einigen der Trumpianer scheint so langsam ein Licht aufzugehen. Es wurde auch höchste Zeit!

 

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