Auf dem Geisterschiff durch die Nacht

Am 2. Dezember 2016 brach in einem Lagerhaus in Oakland ein Feuer aus. 36 Menschen starben in dem verheerenden „Ghost Ship Fire“. Das „Geisterschiff“ war nicht einfach nur eine leere Halle, es war ein Künstlerkollektiv, in dem gelebt, gearbeitet und gefeiert wurde. Wie an jenem Freitag, als der als sicher geglaubte Kunstfreiraum zur tödlichen Falle wurde. Die Katastrophe hatte ihre Folgen. Vielen in Oakland wurde auf einmal vor Augen geführt, welchen Balanceakt Künstler und Kulturschaffende in der Stadt und der gesamten Bay Area unternehmen müssen, um solche Freiräume zu finden und zu schaffen. Wenn es sie denn gibt, findet das, was eine Gesellschaft gerade ausmacht und auch auszeichnet – die Kreativität – oftmals in einem gefährlichen Raum statt.

Am gestrigen Samstag, genau ein Jahr nach dem „Ghost Ship“ Feuer, spielten Danielle de Picciotto und Alexander Hacke in San Francisco und schufen einen beeindruckenden Brückenschlag zwischen der Bay Area und jeder anderen Metropole. Sie kommen aus Berlin und haben nicht nur dort ihre eigenen Erfahrungen mit Freiräumen gemacht. Räume, die geschaffen und erhalten werden, die sicher und vor allem bezahlbar bleiben müssen. Ohne sie verarmt eine Gesellschaft wie hier und dort immer mehr. Das Konzert fand im Club „The Lab“ statt, einem „Freiraum“, der selbst in Gefahr geraten ist. Ein Investor hat das Gebäude an der 16. Straße im Mission Distrikt gekauft, die Zukunft ist ungewiss.

Danielle de Picciotto und Alexander Hacke spielten Lieder aus ihren beiden letzten Alben „Perseverantia“ und „Menetekel„. Songs, die sich um ihre eigene zeitweise Nomadenexistenz und die aktuelle Flüchtlingskrise drehen, darüber wie sie sich aus Überzeugung und mit Beharrlichkeit auf den Weg machten, durch die Welt getrieben wurden, auf der Suche nach ihren Freiräumen – die sie auch fanden. Mit wenigen Worten und einem unglaublich warmen und tief bewegenden Klangbad, visuell untermalt von zärtlichen Videoeinspielungen, fingen sie so die Stimmung an diesem traurigen Jahrestag für die Kunst- und Kulturlandschaft der Region ein. Und sie schafften es, durch ihre Musik eine Sprache zu sprechen, die einen Raum für Erinnerung, für Trauer, aber auch für einen mutigen Blick nach vorne schuf.

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