Der sehr selektive Präsident

Es ist schon erstaunlich, wann und weshalb sich Präsident Donald Trump zu Wort meldet. Nach den Hurricanes in Texas, Florida und Puerto Rico konnte Trump sich gar nicht oft genug per Twitter zu Wort melden, um seinen Einsatz und seine Administration zu loben. Ein Dauerschulterklopfen ohnegleichen. Alles laufe von seiner Seite aus “smooth”, so Trump, und das, obwohl viele Gemeinden und Städte schlichtweg vergessen wurden.

Trauer um einen verstorbenen Feuerwehrmann. Foto: Reuters.

Die katastrophalen Brände in Kalifornien scheinen den “Commander in Chief” aber so gar nicht zu interessieren. Schon während und nach dem gewaltigen Feuer in Sonoma und Napa County, bei dem eine Feuerwalze Teile der Kleinstadt Santa Rosa vernichtete, war Trump auffallend still. Und nun, mit den Bränden in Südkalifornien, den größten in der Geschichte des Bundesstaates, hört man nichts vom Twitter-König.
1000 Gebäude wurden zerstört, darunter 750 Privathäuser, 18.000 weitere sind nach wie vor von den Flammen gefährdet, Zehntausende Menschen mussten evakuiert werden, zahlreiche Gemeinden und Städte waren und sind noch immer gefährdet. Eine 70jährige Frau starb auf der Flucht in den Flammen. Ein 32jähriger Feuerwehrmann verbrannte im Einsatz. Die Trauerprozession ging am Sonntag durch vier südkalifornische Bezirke in seine Heimatstadt San Diego. Auf dem Weg salutierten Passanten, Polizei- und Feuerwehreinheiten dem Verstorbenen von den Autobahnbrücken Richtung Süden. Kalifornien zeigt eine Einheit, kein Wort vom Präsidenten.

Man muss sich fragen warum. Die Antwort ist allerdings einfach, wenn man sich nur die Gesetze und Entscheidungen von Trump ansieht. Der “greatest president ever” (Trump über Trump) regiert nur für seine Minderheit an Wählern. Die angepeilte Steuerreform zeigt das ganz deutlich, sie wird auf Kosten der Menschen in demokratischen Hochburgen wie New York, Connecticut und eben auch Kalifornien gehen. Kein Wunder also, dass “Mister President” die desaströsen Brände im fernen Kalifornien kaum wahrnimmt oder wahrnehmen will. Sie interessieren ihn nicht, weil er daraus keinen Nutzen ziehen kann, kein PR-Auftritt würde etwas bringen, bei dem er mal wieder, wie in Puerto Rico, Papierthandtuchrollen in die Menge schmeißen könnte. Trump ist Trump ist Trump, eine bittere Realität für viel zu viele Menschen in den USA.

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