„Before anything else, Hip-Hop was a party“

Wenn man sich die Weltkarte der lokalen Musikcharts an irgendeinem Tag des Jahres genauer ansieht, dann erkennt man gleich, dass Hip-Hop schon lange kein Randgenre mehr ist. Ganz im Gegenteil, was vor 45 Jahren begonnen hat ist zum Mainstream geworden. Und nun findet sogar eine Ausstellung in einem Museum im Geburtsort des Hip Hop statt.

YouTube Preview Image

Am Rande von Downtown Oakland liegt das “Oakland Museum of California”. Ein Museum, das sich der Geschichte Kaliforniens verschrieben hat. Kein Wunder also, dass man hier offen für die Idee einer Ausstellung über eines der erfolgreichsten Kulturphänomene unserer Zeit war: Hip-Hop. Denn Oakland war neben New York City eine der Geburtsstätten des Hip-Hop in den USA. “Respect – Hip-Hop Style & Wisdom” – so der Titel der Ausstellung. Für Lori Fogerty, Direktorin des Oakland Museum of California ist sie ein Gemeinschaftsprojekt zwischen dem Museum und der lokalen Hip-Hop Community: „Wenn wir solche Themen aufgreifen, dann wollen wir nicht die Autoritätsstimme eines Museums sein, sondern vielmehr die Stimmen aus der Community mit einbeziehen. Und bei diesem Thema war die Herausforderung die große Anzahl dieser Stimmen. Es gibt hier und im ganzen Land so viel Hip-Hop Persönlichkeiten.“

Nahezu 100 Hip-Hop Experten wurden für diese Ausstellung einbezogen. Gezeigt werden neben Fotos, Kunstobjekten, wie goldene Kopfhörer, Poster Art und Graffiti, auch Exponate wie ein grell rot-weiß gestreifter Bühnen-Anzug von LL Cool J, ein handgeschriebenes Essay von Tupac Shakur oder auch ein sündhaft teures Kleid von Moschino im Hip-Hop Style. Dazu kommen Informationstafeln und Fotos über die lokale Szene, deren Geschichte und Entwicklung. Das alles ist mit Hip Hop Musik unterlegt. Für den Kurator des Museums, René de Guzman, ist Hip-Hop in der Mitte der Gesellschaft angekommen: „In Amerika gibt es dieses sehr erfolgreiche Broadway Musical “Hamilton”. Ein seltsames Musical, denn es dreht sich um die Geschichte der amerikanischen Revolution, aber es wurde im Hip-Hop Stil erzählt. Was erstaunlich dabei war, viele, viele Besucher erkannten das als ein ganz natürliches Zusammenkommen einer Geschichte über ein radikales Experiment mit der radikalen Vorstellung von Hip Hop. Wir empfinden also, dass Hip-Hop einen Punkt des kulturellen Status erreicht hat.“

YouTube Preview Image

Auch Susan Barrett, die als beratende Kuratorin tätig war, sieht Hip-Hop heute als Teil des Mainstream. „Hip-Hop ist Mainstream, man muss nur daran denken, dass sogar Cornflakes Werbung gerappt wird. Es geht nicht mehr Mainstream. Was fehlt ist nur, dass man das anerkennt, wie es die Kultur und die Kunst verändert hat. Es ist Mainstream und doch wird es total verkannt. Von daher denke ich, eine Plattform wie ein Museum ist ein perfekter Weg, um die Wahrheit von der Fiktion zu trennen.“

Einer der lokalen Experten, der an dieser Ausstellung mitarbeitete, ist der Musikjournalist Eric Arnold. Hip-Hop ist für ihn viel mehr als nur Musik: „Hip Hop ist Kultur, das muss man einfach und vor allem verstehen, dass es nicht nur Musik, Lifestyle ist, sondern eine Lebenseinstellung ist. Es ist eine Lebenspespektive. Hip-Hop ist viel: mulitkulturell, ein Ausdruck der Jugend, heute auch ein Ausdruck von Generationen, es ist die Entstehung und Weiterentwicklung von Kultur, es ist Kreativität und die Fähigkeit aus nichts etwas zu machen und es den Leuten zu zeigen, die meinten, man schaffe das nicht.“

Für Eric Arnold ist Hip-Hop nicht politisch und doch immer ganz nah dran am Zeitgeschehen. „Hip Hop war schon immer eine Stimme, die das ausdrückte, was die afro-amerikanischen Communities dachten und fühlten. Nimm den Song “The Message” von Grandmaster Flash aus den frühen 80ern, der dreht sich um die “Reaganomics”, die Auswirkungen der Wirtschaftspolitik unter Ronald Reagan, als die Leute noch nicht mal wussten, wie schlimm die “Reaganomics” waren.“

YouTube Preview Image

Hip-Hop als wichtiger Teil der amerikanischen Gesellschaft. Musik, Dance, Graffiti, Kultur, all das wird in dieser Ausstellung im Oakland Museum of California gezeigt. Dazu ein eigener Raum mit Videoleinwänden, Plattentellern und Lautsprechern, der in den kommenden Monaten als Treffpunkt der Community eingeplant ist. Adisa Banjoko, Autor, DJ und Hip-Hop Journalist, der schon in den frühen 90er Jahren in Stuttgart von der dortigen Hip-Hop Szene begeistert war, ist rundum zufrieden mit “Respect”. Und doch, ihm fehlt etwas bei dieser großen Retrospektive des Hip-Hop: „Wir sprechen hier nur über Hip-Hop in Amerika und an der Westküste, wir sagen nichts zum Hip-Hop in Kolumbien, nichts über den Hip-Hop in Südafrika oder den Hip-Hop in den Favelas von Brasilien. So groß ist der Hip-Hop heute und das müssen wir erkennen, ihm noch einmal diesen Platz einräumen, das dokumentieren und es in der Gesamtheit zeigen. So toll das hier auch ist, wir haben damit noch nicht mal die Oberfläche angekratzt.“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Um zu überprüfen, dass Sie eine reale Person und kein Spam-Roboter sind, lösen Sie bitte vor dem EINTRAGEN die nachfolgende kleine Rechenaufgabe, das sogenannte CAPTCHA *