„Freedom Fries“ in Washington

Es sollte die Vertiefung einer langen Freundschaft werden. Das wurde es sicherlich auch. Frankreich und die USA sind eng verbunden. Donald Trump, der im letzten Jahr am „Bastille Day“ in Paris war, revanchierte sich mit all dem Glanz und Glitter und Gold, das das Weiße Haus auffahren konnte. Emmanuel Macron und seine Frau Brigitte wurden wärmstens von den Trumps empfangen.

Emmanuel Macron vor dem US Kongress. Foto: Reuters.

Am Dienstag sah alles nach einem Friede-Freude-Eierkuchen Fest aus. Die Harmonie zwischen Trump und Macron wurde herausgestellt, Händchenhalten, symbolische Auftritte und Worte, all das tat vor allem Donald Trump gut. Doch am Mittwoch zeigte Emmanuel Macron, warum er eigentlich nach Washington gekommen war. Sein Auftritt vor dem versammelten Kongress war mehr als bemerkenswert. Es war eine pragmatische, aber durchaus auch provokante Rede. Dabei schaffte es der französische Präsident geschickt, vieles von dem, was die amerikanische Öffentlichkeit hören sollte, mit einer Zuckerglasur zu versüßen. Macron stellte die Freundschaft, die engen Verbindungen, die Gemeinsamkeiten in den Vordergrund. Und doch, er hielt nicht mit Kritik zurück, lehnte Nationalismus und Abschottung genauso ab, wie internationale Alleingänge und das Nichtakzeptieren von wissenschaftlichen Fakten.

Manches von Macron wurde vom gesamten Haus beklatscht, einiges auch nur von der demokratischen Seite. Ihnen steht der französische Präsident mit seinem europäischen, international ausgerichteten und verantwortungsvollen Politikdenken deutlich näher als den Republikanern, die Frankreich eher als kritischen Partner betrachten. Aus den republikanischen Reihen kamen in der Bush-Ära zu Zeiten der Irak-Invasion auch die Forderungen in der Kongress-Kantine die „French Fries“ zu „Freedom Fries“ und den „French Toast“ zu „Freedom Toast“ umzubenennen. Auch das ist ein Kapitel der amerikanisch-französischen Geschichte. Doch darüber schwieg man sich aus.

Donald Trump, die Republikaner, FOX News werden die wohlwollenden Worte von Emmanuel Macron vernommen haben. Die Demokraten, CNN und all die anderen verhassten „Mainstream“ Medien vor allem die durchaus kritischen Zwischentöne des Franzosen. Gerade die Auflistung seiner Überzeugungen, die er jeweils mit „I believe“ einleitete, waren die zentrale Aussage seiner Rede. Macron machte deutlich, dass die Europäer anders ticken, denken, handeln.

Nun kommt am Freitag Angela Merkel nach Washington. Zu einem Arbeitsbesuch wie es heißt. Kein Pomp, kein Gepronze, kein Gold. Trump und Merkel müssen vielmehr miteinander auskommen, nach dem Staatsempfang kommt nun der politische Alltag für Trump zurück. Was der Amerikaner mit seiner Glittershow für Macron erreichen wollte, ist ihm nicht geglückt. Er hat es nicht geschafft, einen Keil zwischen die engen Partner im Herzen Europas zu treiben. Frankreich und Deutschland teilen mehr als nur eine Grenze. Sie verbindet eine gemeinsame Vision für Europa, die Emmanuel Macron in seiner Rede vor dem Kongress darlegte. Und doch, der französische Präsident weiß, seine Vision Europas kann nur mit dem transatlantischen Partner und damit mit Donald Trump erreicht werden. Macron blieb also bei aller Schärfe auch pragmatisch, wußte, wie er seine Kritik an der Trumpschen Politik in die richtigen Worte verpacken muss. Die Frage ist nun, ob Trump, ob die Republikaner im Kongress die gesamte Rede gehört haben oder nur selektiv auf das achteten, was sie von dem Franzosen hören wollten.

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