Er macht es einem nicht leicht

In diesen Tagen hatte ich zwei Redaktionen vorgeschlagen einen Beitrag über Donald Trumps politische Erfolge zu schreiben und zu produzieren. Ich wollte über die niedrige Arbeitslosenquote, die ersten positiven Anzeichen der Steuerreform auf die amerikanische Wirtschaft, den außenpolitischen Erfolg auf der koreanischen Halbinsel, Trumps eingehaltene Wahlkampfversprechen berichten, doch keine Redaktion nahm das Thema an.

Trump macht es einem als Journalisten auch nicht leicht. Gerade heute zeigt sich das wieder. In seiner morgendlichen Tweetflut schreibt er von der Freilassung der drei inhaftierten Amerikaner in Nordkorea, die bereits auf der Rückreise in die USA seien. Eigentlich ein Grund zum Jubeln. Auch, dass Trump es wohl mit seinen Drohungen, Verbalangriffen und Verbalausfällen geschafft hat, den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un an den Verhandlungstisch zu bringen. Ja, dass Trump wohl – zumindest – mitverantwortlich für das koreanische Tauwetter ist. Auch darüber kann man neutral-positiv berichten.

Doch dann haute er einen Tweet raus, den man nur als undemokratisch, pressefeindlich, ja, unamerikanisch bezeichnen kann. Darin wettert er mal wieder gegen die von ihm verhassten „Network News“, ausgenommen natürlich FOXNews. Der Höhepunkt am Schluss, Trump fragt, ob man nicht die Akkreditierungen der White House Korrespondenten entziehen soll, die sich nicht als Hofschreiber betätigen möchten.

Donald Trump macht es einem als Korrespondenten wirklich nicht einfach. Sein unkonventioneller Regierungsstil, seine „Hau-drauf“ Art ohne Rücksicht auf die Folgen, seine konstanten Lügen, Falschaussagen und Halbwahrheiten (seit Amtsantritt über 3000 an der Zahl), seine Provokationen und Irritationen, seine Hofierung von politischen Rechtsaußengruppen und fundamentalistisch-christlichen Kräften, all das und mehr macht Donald Trump nicht gerade zu einem Sympathieträger im Amt. Aber ich muss ihn auch nicht mögen, um fair über ihn berichten zu können. Doch wenn ein amerikanischer Präsident immer wieder aufs Neue die Grundfesten dieser Demokratie in Frage stellt, angreift und offen kritisiert, dann ist es nicht leicht objektiv zu bleiben und zwischen all dem Getöse über die durchaus positiven Erfolge seiner Administration zu berichten.

 

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