It’s great to be alive in Colma

An Colma fährt man vorbei, wenn man von San Francisco kommend über den 280er zum internationalen Flughafen muss. Von der Autobahn kann man etwas davon sehen, für was Colma bekannt ist: Friedhöfe. Doch dieser Blick zeigt nicht das Ausmass dieser riesigen Totenstadt mit ihrem eigenen Charme, in der Gottesacker wie Parks wirken, in denen gejoggt, Hunde ausgeführt und sogar Filme für die ganze Familie gezeigt werden.

Rae Gonzalez ist die Bürgermeisterin von Colma, südlich von San Francisco gelegen, etwa 5 Quadratkilometer groß, in der gerade mal 1500 Menschen leben. Über Tage. Colma ist nämlich die Friedhofsstadt von San Francisco. 1,5 Millionen Tote sind hier begraben. Gonzalez wuchs hier auf, spielte auf den Friedhofsfeldern mit Freunden Football und Baseball. Das war ganz normal für sie und all die anderen, die hier leben. „Aber über die Jahre, als Häuser zum Verkauf standen, wollten bestimmte ethnische Gruppen nicht hierher ziehen, sie meinten, das sei kein gutes Feng Shui und bringe nur Unglück. Ich sehe es hingegen als ein offenes Feld. Meine Nachbarn sind leise und ich habe Glück, denn ich kann auch auf der anderen Straßenseite parken, ich muss mir das nicht mit den Nachbarn dort teilen.“

Im Angesicht des Todes hat man hier seinen Sinn für Humor nicht verloren. Der offizielle Slogan der “Stadt der Seelen”, wie Colma auch genannt wird, ist “It’s great to be alive in Colma”. T-Shirts und Aufkleber damit werden im städtischen Museum verkauft. Bürgermeisterin Rae Gonzalez lacht und setzt noch einen drauf, in dem sie lachen sagt: “Everybody is dying to get in”.

17 Friedhöfe gibt es in Colma, darunter vier konfessionslose, vier jüdische, zwei chinesische, einen japanischen, einen griechischen, einen serbischen, einen katholischen, einen italienischen, einen nicht mehr aktiven Armenfriedhof und einen Friedhof für Haustiere. Colma wurde aufgrund der weltlichen Vielfalt auch einmal als “United Nations of Cemeteries” beschrieben, denn im Totenreich kommen sie alle wieder zusammen.

Richard Rocchetta arbeitet im historischen Museum von Colma. Er wuchs am Rande von Colma auf und kennt die Geschichte der Kleinstadt. „Am Anfang des 20. Jahrhunderts gab es in San Francisco eine Bewegung, alle Friedhöfe auszulagern, damit man die beschränkte Landfläche gerade im Westen der Stadt für Häuser und Geschäfte nutzen könnte. Das dauerte allerdings etliche Jahre, um die Friedhöfe aufzulösen. Es gab Gerichtsverfahren und mehrere Wahlen. Am Ende der 1930er Jahre wurden sie schließlich alle aufgelöst. Damals gab es noch vier große Friedhöfe in San Francisco, zwei wurden schon in den 1920ern umgebettet, aber erst Ende der 30er, Anfang der 40er Jahre kamen die letzten beiden großen Friedhöfe und ihre Leichen nach Colma.“

Damit war auch das Ende der Farmgemeinde Colma besiegelt. 1894 wurden hier noch rund zwei Millionen Tonnen Kraut geerntet und nach San Francisco, in den Mittleren Westen und bis nach Chicago gebracht. In Colma gab es damals sogar eine deutsche Sauerkrautfabrik, die die zahlreichen deutschen Immigranten in der Region versorgte. Auch Massengräber sind hier zu finden, denn als die Stadtführung in San Francisco 1914 beschloss, die ersten städtischen Friedhöfe aufzulösen, „erbte“ die kleine Gemeinde Hunderttausende von Leichen. Viele der Hinterbliebenen konnten damals die 10 Dollar Überführungsgebühr von San Francisco nach Colma nicht bezahlen. Die sterblichen Überreste wurden deshalb einfach in Massengräbern auf dem Armenfriedhof bestattet.

Colma ist eine friedliche Gemeinde. Probleme scheint es hier kaum zu geben. Darauf angesprochen meint Bürgermeisterin Gonzalez, Parken sei das Hauptproblem, denn Besucher wüssten oft nicht, dass man eine Parkerlaubnis haben müsse. Mit 17 Friedhöfen und eineinhalb Millionen Toten, ist denn der Tod hier ein gutes Geschäft für die Kommune? Mayor Rae Gonzalez lacht und meint, „nein, leider nicht für uns. Der Bezirk bekommt alles. Das wurde schon vor vielen Jahren beschlossen, ich weiss nicht, wie es dazu kam, dass das so ist, denn wir beherbergen ja die Ruhenden. Aber das Geschäft ist gut für die Grabstein Händler, die Floristen. Es ist ja andauernd, jeden Tag. Sie sind beschäftigt, sollte ich wohl besser sagen.“

 

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