Weltmusik im Dröhnland

Das Duo Senyawa stammt aus Jogjakarta in Indonesien. „Weltmusik“ dachte ich mir, als ich die CD zugeschickt bekam. Eingeschoben, da singt einer mit dunklen Kehlkopfgesang „Tanggalkan nams, segalla di dunia“. Immer und immer wieder. Es hat schon etwas Trancemäßiges an sich. Und dann kommt es. Ein brachiales, verzerrtes Gitarrenbrett, eine Welle an Sound und immer noch dieses gebetsmühlenartig vorgetragene „Tanggalkan nams, segalla di dunia“.

Senyawa sind nicht Crossover über ein kleines Bächlein aus verschiedenen musikalischen Genres, sie überqueren vielmehr einen reissenden Fluss und zerschlagen anschließend die Brücke, die sie gerade noch passiert haben. Das ist eine Vermischung aus scheinbar nicht zu vereinbarenden Musikwelten. Ein Tsunami der alles an Tönen und Klang mit sich reißt. Hier die gewachsene Tradition, um zugleich von einem brutalen Industrialangriff überspült zu werden. Doch gerade das macht diese Platte „Sujud“ aus. Es sind Tumulte im Hörgang. Der tiefe Gesang der für mich unverständlichen Sprache, dazu wird ein Klangrahmen mit teilweise selbstgebauten Instrumenten und tiefen Soundflächen abgesteckt, der sich manchmal zum rostigen Stacheldraht entwickelt.

Irgendwie geht dieses Alt und Neu zusammen. Faszinierend, ganz anders, sowas habe ich noch nie gehört. Manchmal wirkt es verspielt, leicht, ja, zärtlich, um dann im nächsten Augenblick vor die Wand geklatscht zu werden. Eine irre Klangreise, die schizophrene Züge aufweist, ein Alptraum im Mittelohr. „Sujud“ muss man laut spielen, sehr laut spielen. Mit Sicherheit werden einen die Nachbarn danach besorgt ansehen, was war bitteschön das? Das Duo Rully Shabara und Wukir Suryadi verdient es aber, dass man sich Zeit für sie nimmt, es zumindest versucht, einen Zugang zu dieser Berg- und Talfahrt zu finden. Es lohnt sich wirklich, Eintritt in dieses grandiose Dröhnland zu bekommen. Für mich ist „Sujud“ von Senyawa eine der interessantestes Neuheiten, die ich in diesem Jahr zu hören bekommen habe.

 

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