„The best Sauna in the world“

Freitagnachmittag im Fitnessclub in den Oakland Hills. Fix und fertig und verschwitzt setze ich mich noch etwas in die Sauna, einfach um runterzukommen. Nach ein paar Minuten sehe ich durch die Glastür einem älteren Mann mit schütterem, aber längerem Haar zu, wie er sich langsam auszieht. Dann öffnet er die Tür, „Hi, how are you?“ und legt sein Handtuch auf die Bank. Er schaut auf die Temperaturanzeige und sagt die 140 Grad Fahrenheit seien ok, angenehm für ihn. Ich antworte darauf, mir ist das schon etwas zu heiss, doch er winkt ab.

„You know, the best Sauna was in Nuremberg“, meint er und ich habe das Gefühl, er will mich damit beeindrucken. Es sei so richtig heiss gewesen und danach habe er sich draußen in den Schnee gelegt. So müsse das sein, meint er. Ich frage nach, „Nuremberg?“ Und er ja, da wohnten seine Freunde Julia und Wolfi, tolle Leute, beides Musiker im lokalen Orchester. Und er erzählt und erzählt und erzählt. Vom Christkindlsmarkt und den Bratwürsten, der Burg und eben der besten Sauna der Welt. Ich tropfe vor mich hin und bei ihm öffnet sich so gut wie keine Pore. Mittlerweile berichtet er von Paris, Barcelona, Hamburg und Berlin („I love Berlin“) und kommt immer wieder auf das Thema Sauna zurück. Die seien einfach besser in Deutschland. Heißer, gemischt, entspannter, richtige Saunalandschaften. Das hier, so der vielgereiste Saunafreund, sei einfach nichts gescheites.

Es kommt ja nicht oft vor, dass ich hier jemanden treffe, der Nürnberg kennt oder sogar schon mal da war, aber dann nackt in einer Sauna in Oakland sitzen und jemand schwärmt von meiner Heimatstadt ist schon etwas außergewöhnlich. Und da ich mich dann als Nürnberger im Exil zu erkennen gebe, erfahre ich auch noch gleich, wo es die besten Bratwürste und Schnitzel gibt („But they don’t have a good Steak“)….und das als Vegetarier. Nach gefühlten zwei Liter Schweissverlust halte ich es nicht länger aus und verabschiede mich. Er schüttelt mir die Hand, „I’m Mark“, sagt er. „Arndt“, antworte ich. „Nice to meet you, Hans“, sagt er…und ich buchstabiere ihm gleich mehrmals meinen Namen, nackig vor ihm stehend und mich fragend, ob ich wirklich so nuschele, dass mein Name immer wieder als „Hans“ gehört wird. Oder liegt es daran, dass einfach jeder Deutsche „Hans“ oder „Wolfgang“ heißen muss? „Is this a Scandinavian name?“, fragt er nach. So vor mich tropfend und im Adamskostüm will ich mich nun doch nicht auf ein großes Gespräch über die Ursprünge meines Namens mehr einlassen und meine nur noch, ich werde ihn das nächste Mal fragen, ob er sich noch an meinen Namen erinnere. Er lacht, „see you next time“, steht auf, breitet sein Handtuch auf der gesamten Bank aus und legt sich hin. So also macht man es richtig in der Sauna!

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