„Ich will hingerichtet werden“

Am Mittwoch hatte ich ein Interview mit Mike Farrell, dem Präsidenten von „Death Penalty Focus“, einer Organisation in den USA die sich gegen die Todesstrafe einsetzt. Farrell ist bekannt für seine Rolle in der Hitfernsehserie „M.A.S.H.“ Ich sprach mit ihm für ein Feature über die Entscheidung des kalifornischen Gouverneurs, Gavin Newsom, alle Hinrichtungen im Bundesstaat auszusetzen. Newsom hatte vor wenigen Wochen verkündet, die neue Hinrichtungskammer abbauen zu lassen, keine Todesurteile mehr zu unterschreiben und auch seine Unterschrift nicht unter den geplanten, neuen Gift-Cocktail für Exekutionen zu setzen.

Ein neues Ausstellungsstück für das San Quentin Museum – Der Hinrichtungsstuhl. Foto: CDCR.

Mike Farrell ist begeistert von diesem mutigen, politischen Schritt, wie er sagt, denn noch ist eine kleine Mehrheit der Kalifornier für die Höchststrafe. Farrell meinte aber auch in dem Gespräch, dass nicht jeder auf „Death Row“ in San Quentin mit der Entscheidung des Gouverneurs einverstanden sei. Gestern nun war ich erneut in San Quentin, um Reno zu besuchen, der seit 1978 auf seine Hinrichtung wartet und wohl einer der ersten gewesen wäre, wenn Kalifornien wieder mit dem staatlichen Morden begonnen hätte. Er bestätigte das, was Mike Farrell andeutete. Es gibt Gefangene im Todestrakt, die Gavin Newsom verklagen wollen. Die ganz deutlich sagen: „Ich will hingerichtet werden“.

Die Zustände im East-Block des ältesten Staatsgefängnisses von Kalifornien sind unzumutbar, unmenschlich und brutal. Wer dort depressiv wird, dem werden Psychopharmaka verschrieben, an den Umständen wird jedoch nichts verändert. Die meisten der Häftlinge vegetieren in ihren 2,40 mal 1,40 Meter grossen Zellen. 750 Todeskandidaten sind dort untergebracht und einige von ihnen wollen hingerichtet werden, ihrem Leben ein Ende setzen, sie haben genug von der Warterei, die Jahrzehnte dauern kann. Gavin Newsom hat mit seiner Entscheidung die Todesstrafe nicht verboten, das kann er nicht, er hat sie nur ausgesetzt. In seiner Amtszeit wird es also keine Hinrichtungen geben. Was das genau für die Häftlinge bedeutet ist noch unklar, denn die Todesstrafe ist nach wie vor in den kalifornischen Gesetzbüchern aufgeführt. Hinter den Kulissen, so auch Mike Farrell, wird nun daran gearbeitet, die Höchststrafe ganz abzuschaffen. Doch bis dahin wird es Klagen geben, von Befürwortern der Todesstrafe, von Opfergruppen und eben auch von Gefangenen selbst. Die allerdings werden ein Problem haben einen Anwalt zu finden, der sich ihrem Fall annimmt, denn die Frage ist, gibt es ein Recht auf die eigene Hinrichtung.

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