Die NRA erleidet eine Niederlage

„Defend Freedom“ ist der Schlachtruf der National Rifle Association, der Waffenlobby in den USA. Und um diesen Ruf möglichst weit zu hören, wurde im Wahlkampfjahr 2016 NRATV gegründet, ein eigener Online-Fernsehkanal. So wollte man den eigenen Kandidaten Donald Trump verstärkt unterstützen und mit eigenem Programm die Reihen der Waffenliebhaber schließen.

Das Licht geht aus im NRATV Studio. Foto: Reuters.

Doch nun geht das Licht im Studio aus. Die NRA gab bekannt, dass man mit dem heutigen Tag das Live-Streaming beenden werde. Die Gründe sind vielfach. Zum einen steckt die Waffenlobby in finanziellen Schwierigkeiten und muss an allen Ecken und Enden sparen. Zum anderen folgten nicht allzu viele Gun-Liebhaber dem Programm. Im Januar waren es nur noch 49,000 „unique visitors“. Was den meisten NRA Mitgliedern nicht gefiel war, dass der eigene Waffensender sich als konservatives Sprachrohr darstellte, immer weniger über Waffen an sich berichtete, und sich stattdessen verstärkt in den Kulturkrieg in Amerika einmischte. So wurden nicht nur Pro-NRA Politiker unterstützt, sondern auch innenpolitische Themen aufgegriffen, die nichts mit der eigentlichen Grundidee der NRA zu tun haben und diese deutlich politisch rechts kommentiert.

Nun also ist Schluss mit NRATV. Der Verlust ist überschaubar, denn der Sender konnte nie mit anderen Online Angeboten der konservativen Medien in den USA, wie Breitbart, gleichziehen. Dennoch ist das Abschalten von NRATV eine Niederlage für die Waffenlobby, die sich seit der Wahl von Donald Trump als unantastbar ansah. Doch selbst die Wahl von Trump war für die NRA ein Problem. Mit Barack Obama oder einem anderen Demokraten im Weißen Haus konnte jederzeit damit gearbeitet werden, dass versucht werde, die Rechte eines Waffenbesitzers zu beschneiden. Mit Trump in Amt und Würden fiel dieses Horrorbild weg. In Zahlen ausgedrückt bedeutete dies, dass der Verkauf von Waffen seit 2016 um 16,5 Prozent sank. Auch die neue Strategie der NRA konnte das nicht aufhalten. Anstelle der Demokraten wurden in den Werbeclips der Waffennarren illegale Einwanderer und IS-Terrortrupps als Gefahr dargestellt. Doch so richtig zog dieses Schreckensbild von langbärtigen, islamistischen Terroristen, die die Häuser von hilflosen amerikanischen Kleinfamilien im Mittleren Westen stürmen selbst in NRA-Hochburgen wie Montana und Idaho nicht.

Die National Rifle Association ist derzeit im Umbruch. In der Führungskriege ist ein offener Kampf ausgebrochen. Es geht um viel Geld, überhöhte Spesen, Macht. Doch man sollte die NRA noch nicht abschreiben. Im kommenden Jahr ist Wahlkampf und der alte Gegner wird dann wohl wieder ziehen – die Demokraten. Deren Präsidentschaftskandidaten fordern schon jetzt lautstark mehr Waffenkontrollen im eigenen Land.

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