In welchen Zeiten leben wir eigentlich?

Er ist mehr als umstritten, doch nach wie vor von seinen Wählerinnen und Wählern geliebt – Donald Trump. Foto: Reuters.

Ich lebe hier in Oakland, in der San Francisco Bay Area auf einer politischen Insel. Republikaner muss man suchen, bei mir um die Ecke wohnt jemand, der hat einen NRA Aufkleber auf seinem SUV. Das fällt auf, sowas gibt es hier selten. Donald Trump hat bei seinem Wahlsieg 2016 nur ein paar Prozente in Oakland erhalten. In Berkeley lag er mit drei Prozent noch hinter der Kandidatin der Grünen, Jill Stein. Diese Gegend ist mehr als liberal, progressiv, äußerst Trump feindlich. Bei Wahlen kandidiert kaum einer auf dem republikanischen Ticket, bei US weiten Wahlen kommt kein Republikaner zu Großveranstaltungen hierher. Donald Trump selbst hat sich hier noch nie blicken lassen.

Immer wieder werde ich gefragt, wie das denn nun 2020 ausgehen wird? Wird Donald Trump wiedergewählt oder schaffen es die Demokraten? Die Antwort ist immer die gleiche, ich weiß es nicht. Bis November 2020 fließt noch viel Wasser den Mississippi runter. Da sind noch viele offene Fragen. Wen werden die Demokraten ins Rennen schicken, wird dieser Kandidat die eigene Partei einen können, wird der Präsident seines Amtes enthoben, haben die Republikaner endlich genug von ihm oder unterstützen sie diesen Präsidenten und seinen Ton auch weiterhin, wird es einen erneuten Krieg geben, welche Skandale werden noch offengelegt?

Für mich ist es nicht leicht einen Überblick über die Stimmung im gesamten Land zu erhalten. Donald Trump hat seine Basis, das zeigt er immer wieder auf seinen Massenveranstaltungen. Die große Frage dabei ist, ob seine Basis in den letzten drei Jahren gewachsen ist. Das ist jedoch zu bezweifeln, auch wenn Trump gerne auf eine hohe Unterstützung in den republikanischen Reihen verweist, auch darauf, dass die amerikanische Wirtschaft boomt und er eigentlich problemlos wiedergewählt werden müsste. Doch Trump ist und bleibt umstritten. Er ist so ganz anders, als alles, was Amerika bislang gesehen und erlebt hat. Trump hat eine alternative Realität erschaffen, die nur schwer zu durchschauen ist, gegen die man auch nur schwer vorgehen kann. Trump ist darin der Alleinherrscher, dessen Wort Gesetz ist. Und seine Anhänger glauben ihm jedes seiner Worte.

Ich versuche tagtäglich konservative und vor allem Trump freundliche Medien zu lesen, zu hören und zu sehen. Allen voran FoxNews und das ist manchmal nur schwer verdaulich, denn hier werden Fakten einfach so weit gedreht, dass etwas ganz anderes daraus entsteht. Trump der Täter wird da zum Opfer. Hannity, Ingraham, Carlson und Co finden da immer Gesprächspartner, die eine Welt der Verschwörungstheorien öffnen. Das sind keine Journalisten, es sind Meinungsmacher, die sich ganz deutlich positionieren und Trumps Basis auf Kurs halten.

Hat das Erfolg? Ja, hat es. Zumindest in den eigenen Wählerreihen. Die Trump Wähler von 2016 werden auch die Trump Wähler von 2020 sein. Die letzte Wahl wurde in einigen Bundesstaaten mit wenigen Stimmen mehr entschieden. Das deutet darauf hin, dass es wieder ein enger Zweikampf werden wird. Die Frage ist also, kann Trump das wiederholen? Er glaubt daran, dass er erneut seine Wähler und noch viele mehr zur Wahlurne bringen wird. Sein Über-Ego lässt da nichts anderes zu. Doch die Stimmung auf der anderen politischen Seite ist ebenfalls so, dass ein Ziel alle Demokraten vereinen könnte – die Abwahl von Donald Trump. Aber jetzt, ein gutes Jahr vor der Wahl, gibt es noch viele wenn und aber und könnte und offene Fragen. Das einzige was man jetzt schon mit Sicherheit sagen kann ist, dass es ein äußerst dreckiger, gemeiner, fieser, brutaler Wahlkampf unter der Gürtellinie und außerhalb jeglicher Fakten werden wird. Ausgang ungewiss.

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