Amerika ist nicht alles Trump

In den letzten Tagen und Wochen erhielt ich immer wieder in Mails und in Chats die Antwort, alles sei soweit gut, aber „bei euch ist die Situation ja noch viel verrückter als hier“. Das stimmt zum einen. Mit Präsident Trump ist da jemand im Weißen Haus, der erst die Zeichen nicht erkennen wollte, dann alles bagatellisierte, um schließlich Schuldige für die Krise im eigenen Land zu finden. Von außen betrachtet, hat Amerika keinen Plan.

Zum anderen ist Amerika nicht Trump-Country. Da kann der Präsident noch so viel sagen, erklären, falsch darstellen, unsinnige Tipps wie das Injizieren von Desinfektionsmitteln und eine UV Bestrahlung unter die Haut zu verabreichen, am Ende entscheiden in den USA vor allem die Gemeinden und die Bundesstaaten. Die haben eine viel stärkere Position als die Bundesländer in Deutschland. Darüber kann sich auch kein „King Donald“ hinwegsetzen, auch wenn er das gerne würde. Er fährt da sowieso einen Schlingerkurs, manchmal erklärt er, was er sage sei Gesetz, dann wiederum betont er, es sei nicht seine Verantwortung zu testen, alles liege bei den einzelnen Bundesstaaten.

Testing, Testing, Testing….das wird in Kalifornien immer wieder betont. Foto: AFP.

Ich habe das Glück in dieser Krise in Kalifornien zu leben, in einem Bundesstaat, in dem der Gouverneur früh aktiv wurde, an die Wissenschaft glaubt und in enger Zusammenarbeit mit den Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern, mit den „Health Department“ Verantwortlichen in den verschiedenen „Counties“, den Bezirken, zusammenarbeitet. Die „Counties“ in der erweiterten San Francisco Bay Area machten frühzeitig dicht. Hier wurde erkannt, was da auf uns alle zukommt.

Das lag sicherlich auch daran, dass die Reaktion von jetzt auf gleich gefragt war, denn hier sollte ein Kreuzfahrtschiff ankern, auf dem Corona-Verdachtsfälle waren. Das lag daran, dass auf dem gleichen Schiff zuvor ein Passagier war, der nach seiner Rückkehr erkrankte und schließlich starb. In einer gemeinsam logistischen Anstrengung zwischen Sacramento, Alameda County und den Bundesbehörden, durfte das Schiff schließlich in einem abgesperrten Bereich des Hafens in Oakland docken. Die Passagiere durften von Bord gehen und wurden in Quarantäne untergebracht, die Bord Crew und etliche Reisende aus anderen Ländern musste in der Bay auf dem Schiff bleiben, um dort die Isolationszeit auszusitzen.

Doch diese gemeinsame Erfahrung und kontrollierte Reaktion führte die San Francisco Bay Area und Kalifornien an die Spitze im Kampf gegen das Covid-19 Virus. Gouverneur Gavin Newsom trat fortan Tag für Tag vor die Presse, um ruhig und bedacht über die aktuellen Entwicklungen im „Golden State“ zu berichten, die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister in der Region taten es ihm, manchmal sogar gemeinsam in einer Videokonferenz, nach. Hier hatte man nicht nur das Gefühl, dass reagiert wird, sondern dass voraussehend gehandelt wurde.

Und auch jetzt noch ist Kalifornien nicht auf den Trump-Train aufgesprungen, um überhetzt und undurchdacht die Wirtschaft und das allgemeine Gesellschaftsleben wieder zu eröffnen. Man erkennt Fehler, gesteht diese auch offen ein und geht langsam voran. Die große Frage, die hier jeden beschäftigt – und wahrscheinlich überall -, ist, was danach kommt, wie das „normale“ Leben nach Coronoa aussehen wird? Ob es überhaupt auf absehbare Zeit eine solche Normalität wie vor Covid-19 geben wird? Die wird es geben, doch die wird in Kalifornien wohl anders aussehen, als auf dem Papier, das vor Donald Trump im Oval Office liegt.

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