„Drive, she said“

Es war im Nürnberger Dröhnland, 1986, da hörte ich zum ersten Mal Stan Ridgways „Salesman“. Sowieso hörte ich in der legendären Disco in der Humboldtstraße vieles, was mich prägte und was mich bis heute begleitet. Aber Ridgway ist eine besondere Geschichte. Seine erste Soloplatte „The Big Heat“ nach seiner Zeit mit „Wall of Voodoo“ kaufte ich mir glaube ich gleich am nächsten Tag. Und die ist noch immer eine meiner Lieblingsscheiben.

Im November 1986 fuhr ich dann mit einer Freundin im Renault 12 meiner Eltern nach München. Ridgway spielte in der Alabamahalle. Ein nicht zu vergessenes Konzert. Draußen war es arschkalt, wir standen in der Schlange, bis die Türen endlich geöffnet wurden. Ich glaube, viel war nicht los, doch Stan Ridgway beeindruckte das nicht, er schien Spaß zu haben, immer wieder wedelte er mit dem Mikrofonkabel durch die Gegend, so, als ob er ein Cowboy beim Einfangen eines Rindes war. Gerade höre ich eine alte Aufnahme von genau dieser „The Big Heat“ Tour, die ein paar Tage später in Wien entstanden ist. Good times…!

Stan Ridgway und seine Musik begleiteten mich in den folgenden Jahren. Jede neue Platte legte ich mir zu. Nach meinem Umzug nach San Francisco sah ich ihn mehrmals live, bei Slim’s, im Cafe Du Nord und noch einem Club, dessen Namen mir gerade nicht einfällt, den es aber schon lange nicht mehr gibt, interviewte ihn vor einem der Konzerte für ein deutsches Musikmagazin. Und dann hatte ich die Idee, ein Spotlight auf KUSF über Stan Ridgway zu produzieren, eine, dieser großartigen Zweistundensendungen am Sonntagnachmittag auf dem einstigen legendären Collegesender der „University of San Francisco“. Ich schrieb Stan Ridgway an, ob ich ihn für diese Show interviewen könne und er schrieb zurück, freute sich über mein Interesse und lud mich für ein Treffen nach Venice ein.

Ein paar Wochen später stand ich da an einer Ecke nur einen Block vom Strand in Venice Beach entfernt. Ein blauer Minivan hielt neben mir, das Seitenfenster ging runter, „Are you Arndt?“. „Yes, I am“. Stan Ridgway saß am Steuer, wir unterhielten uns, während er durch die Gegend fuhr und mir die Nachbarschaft zeigte, dies und das erklärte. Schließlich hielt er an einem Diner, wir hatten erstmal Lunch. Danach meinte er, wir könnten doch das Interview im Auto machen. Stan Ridgway ist ein Geschichtenerzähler, das hat mich schon immer an ihm beeindruckt. Seine Liedtexte sind Kurzgeschichten, die das amerikanische Leben beschreiben. Gut beobachtet, manchmal seltsam, aber immer ein Grund zum Nachdenken. Sein „Camouflage“ oder sein „Drive, she said“, aber auch das „Mexican Radio“ aus den Wall of Voodoo Zeiten, tolle Stories.

Das Spotlight wurde gesendet und ich blieb mit Stan Ridgway lose in Kontakt, denn kurz darauf begann ich mit der Produktion des Country, Folk und Americana Inflight Programmes für eine große deutsche Airline. Ich hatte die Freiheit, meine Playlist selbst zu bestimmen und mußte mich nicht nach den Charts richten. Das bot mir die Möglichkeit das weite Feld des Country und Folk Sounds zu erkunden. Und da kam ich wieder auf Stan Ridgway, diesen großartigen amerikanischen Songschreiber, Sänger, Musiker, der offen für Einflüsse ist und durchaus auch immer wieder in seinen Songs durch den Reichtum des wahren amerikanischen Sounds stapfte. Stan Ridgway war also immer mal wieder auf 30,0000 Fuß zu hören. Er fand das gut. Ich auch. Nach zehn Jahren war für mich Schluß mit der Sendung. Seitdem lege ich immer mal wieder eine Platte von ihm auf. Gestern Abend ganz laut „The Big Heat“, für mich sein Meisterwerk. Und da kamen eben all die Erinnerungen hoch, Dröhnland und Alabama Halle, KUSF, Venice und über den Wolken. Musik ist einfach wunderbar.

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