San Quentin Lock Down

Kein Brief, kein Anruf und das seit mehreren Wochen. In den 25 Jahren, in denen ich mit Reno befreundet bin, kam das noch nicht vor. Reno ist zum Tode verurteilt, er ist seit 1980 auf der Death Row im ältesten kalifornischen Staatsgefängnis in San Quentin. Und dort wütet das Corona Virus.

Die Zellen im East-Block von San Quentin. Foto: Reuters.

Im Mai wurden 122 Gefangene aus anderen Haftvollzugsanstalten nach San Quentin verlegt. Sie hatten alle negative Covid-19 Tests, allerdings waren die mehrere Wochen alt. Nach der Ankunft wurden die Neuankömmling noch einmal getestet, 25 kamen als positiv zurück. Doch da, war es schon zu spät. San Quentin ist für 3082 Gefangen ausgelegt, derzeit sind mehr als 4350 dort untergebracht. Covid-19 breitete sich unter den Gefangenen und Strafvollzugsbeamten rasant aus. Am vergangenen Dienstag wurden 2030 Fälle bestätigt. 10 Häftlinge verstarben bereits.

Es ist eine Gesundheitskrise, die nur schwer unter Kontrolle zu bekommen ist. In San Quentin ist die kalifornische Death Row mit etwa 700 zum Tode Verurteilten untergebracht. Daneben sind viele „Lifers“, Lebenslängliche und Gefangene mit langen Haftstrafen in diesem „Prison“. San Quentin galt lange Zeit als das gefährlichste Gefängnis westlich des Mississippis, bis der Staat Kalifornien in den 80er und 90er Jahren neue Gefängnisse bauen ließ, um auch die Situation in San Quentin zu entzerren. Seitdem sind dort viele ältere Häftlinge untergebracht. Eine Isolation ist in dem übervollen und veralteten Knast kaum möglich.

Der derzeitige Lock Down bedeutet auch, dass es quasi eine Kontaktsperre gibt. Die Gefangenen im East-Block, dem Todestrakt, können normalerweise von ihren Zellen aus telefonieren. Dazu wird ein Telefon auf einem Wägelchen vor die Zelle gerollt, durch die Gitterstäbe kann dann telefoniert werden. Doch um die Verbreitung des Virus‘ über die Oberfläche des Apparats zu verhindern, wurden alle Telefonate gestrichen. Auch die Post von und nach San Quentin wurde eingeschränkt. Nun heißt es warten, bis ich endlich wieder etwas aus San Quentin höre. Das letzte Gespräch mit Reno war nicht gut, er fühlte sich krank und schwach und legte schon nach wenigen Minuten wieder auf. Das war vor drei Wochen…

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