Der Golden State brennt weiter

Es will einfach kein Ende nehmen, seit dem 15. August wurden in Kalifornien 900 Brände gezählt. Der gesamte Bundesstaat ist davon betroffen. Seit Wochen schon hängt eine riesige Rauchwolke über dem Golden State. Aktivitäten im Freien sollten weitgehend vermieden werden, heißt es, und das bei Temperaturen, die an diesem Wochenende wieder bei 35 bis zu 47 Grad liegen. Und es ist ein langes Wochenende, am Montag ist Labor Day in den USA, da zieht es viele Kurzurlauber an die Seen und in die Nationalparks.

Kalifornien brennt weiter. Foto: AFP.

Doch am Freitag brach erneut ein riesiges Feuer in der Nähe von Shaver Lake aus, das liegt im „Sierra National Forest“ zwischen Fresno und dem Yosemite Nationalpark, genau dort, wo es an diesem Wochenende viele Kurzurlauber aus der San Francisco Bay Area und aus dem Großraum Los Angeles hingezogen hat. Die Einsatzkräfte konnten bislang die sich schnell ausbreitenden Flammen nicht unter Kontrolle bekommen, eine Fläche von mehr als 160 Quadratkilometern brennt lichterloh. Rund 200 Camper mußten am Sonntagmorgen mithilfe von Hubschraubern der Feuerwehr und der Nationalgarde evakuiert werden, nachdem die einzige Zufahrtsstraße in einem Tal von den Flammen blockiert war. Jeremy Remington war einer von ihnen, er verschickte vor der Evakuierung noch ein Video über Twitter, auf dem zu sehen ist, wie die Kurzurlauber von den Feuern eingeschlossen waren.

Kurze Zeit später wurde er von einem Fernsehteam des Lokalsenders am Flughafen in Fresno interviewt, dorthin hatte die Nationalgarde die Menschen quasi in letzter Minute ausgeflogen. “Wir waren auf unserem Boot und wollten gerade Eis für unsere Kühlboxen holen und gerade mal 30 Minuten später, waren die Flammen überall, wir mußten nasse T-Shirts vors Gesicht halten, um atmen zu können.”

Auch östlich von Los Angeles und östlich von San Diego brennt es. Mehr als 12,500 Feuerwehrleute sind derzeit im Einsatz um 22 Brände im gesamten Bundesstaat unter Kontrolle zu bekommen. Die Feuerwehren in Kalifornien sind an ihre Grenzen gestoßen, es bleibt kaum Zeit das Equipment zu reinigen, zu reparieren und schon gar keine Zeit für die Einsatzkräfte sich auszuruhen. Das nächste Feuer wartet schon. Unterstützung bekommen sie grenzüberschreitend von umliegenden Bundesstaaten und sogar aus Kanada und das inmitten einer Pandemie. Der Energieversorger PG&E hat unterdessen angekündigt, ab Dienstag erneute Stromabschaltungen durchzuführen, dann werden wieder starke Winde erwartet. In der Vergangenheit entfachten gerissene Stromleitungen durch umstürzende Bäume mehrere tödliche Flächenbrände.

Als ich vor 25 Jahren nach Kalifornien kam wurde immer von der “Fire Season”, der Feuer Saison im Herbst gesprochen. Dann wurde es nach einem trockenen Sommer noch einmal richtig heiß, dazu kamen die sogenannten Santa Ana Winds, starke und sehr trockene Winde, die im Landesinneren entstehen. Nur ein Funken kann da einen gewaltigen Brand entstehen lassen. Doch das ist vorbei, Kalifornien hat mittlerweile das ganze Jahr über mit Großfeuern zu kämpfen, die immer gewaltiger und vernichtender werden. Angetrieben von heftigen Stürmen kann ein einzelner Funke bis zu eineinhalb Kilometer weit getragen werden, um neue Brandherde anzufachen. Der Boden ist ausgetrocknet, die Temperaturen steigen, und das bei weniger Niederschlag im Jahr. Da hilft auch nicht der gute Ratschlag von Donald Trump, dass die Kalifornier mehr ihren Waldboden harken und vom am Boden liegenden Laub befreien sollten.

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Diesen durchaus dämlichen Vorschlag hat er erst kürzlich erneut wiederholt. Wer in Kalifornien lebt, weiß um die Gefahr der Erdbeben und die Gefahr der Feuerwalzen. In solchen Tagen sitzt man hier auf gepackten Koffern, ein paar Klamotten, Fotos, wichtige persönliche Dinge, denn man weiß nie genau, wann es in der unmittelbaren Nähe passieren wird. Und dann bleiben oftmals nur wenige Minuten zur Evakuierung.

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