Let’s have a party

Warriors Partysperrzone Oakland.

Eine Million Menschen werden am morgigen Donnerstag erwartet, um mit den Golden State Warriors ihre NBA-Meisterschaft zu feiern. ‚The Town“, wie sich Oakland als kleine Schwester neben „The City“ San Francisco auch nennt, wird im Ausnahmezustand sein. Weite Teile von Downtown Oakland, rund um den Lake Merritt, werden abgesperrt sein. Oakland wird wie schon vor zwei Jahren im nationalen Scheinwerferlicht stehen.

Die Warriors haben eine fast perfekte Saison hingelegt. Nur im Spiel 4 um die Meisterschaft gegen die Cleveland Cavaliers verlor das Team um Stephen Curry. Doch am Montag beendeten die Warriors die letzte Hoffnung von LeBron James und seinen Cavaliers. Das Oakland Team war und ist in der derzeitigen Form fast unschlagbar. Die NBA Championship musste einfach in diesem Jahr erneut nach Oakland kommen.

Nun also steht die Siegesfeier und die -parade an. Oakland feiert und setzt sich damit noch einmal von San Francisco ab. Denn solche Meisterfeiern am Lake Merritt werden schon bald der Vergangenheit angehören. Nach den Raiders, die nach Las Vegas ziehen, verlassen auch die Warriors „The Town“. Seit 1971 spielten sie im Coliseum, der mittlerweile ältesten Halle in der NBA-Liga. Die Golden State Warriors ziehen auf die andere Seite der Bay nach San Francisco, wo sie ab der Saison 2018-19 im neugebauten, 18.000 Sitze fassenden „Chase Center“ aufspielen werden. Oakland konnte beide Profi-Teams nicht halten, auch wenn beide sehr stark mit den Menschen in Oak-Town verbunden sind. Aber nun wird erst einmal die fünfte Meisterschaft gefeiert. Oakland hat sich diese Party verdient. Go Warriors!

Der Morgenkaffee von Donald Trump

Irgendwas war wohl wieder im Kaffee von Donald Trump, denn am Morgen kam eine weitere Latte von Tweets geflogen. Siebenmal drückte Trump auf den „Send Button“, sechs eigene und eine weitergetweetete Fanmail. Die Zeiten als Trump zumindest noch erklärte, er wolle der Präsident aller Amerikaner sein ist lange vorbei. Nun gibt es nur noch Angriff. Dabei hat Trump ausschließlich seine Anhänger im Blickwinkel. Der Versuch eines überparteilichen Dialogs scheitert schon an der Wortwahl des Präsidenten. In 140 Zeichen tritt er fast allmorgendlich kräftig nach. Hillary, Obama, Fake News, alles Themen, die er nicht einfach so links liegen lassen kann. Darüber definiert sich Trump, daran – man will schon fast das „G“ Wort benutzen – baut er sich auf, und das zum Jubel seiner Anhängerschaft.

Donald Trump ist der Totengräber Washingtons. Er erklärt zwar immer wieder, er sei ein politischer Außenseiter, ein „Deal Maker“, der einzige, der den Washington Sumpf trockenlegen könne, aber er versucht das mit noch mehr Gräben durchs ganze Land zu erreichen. Trump spaltet Tag für Tag. Und oftmals wirkt es so, als ob der Donald nur im Weißen Haus sitzt, um sich und seine Familie und seine Kumpels noch weiter zu bereichern. Amerika verliert mit diesem Präsidenten endgültig das, für was das Land einmal stand. Auf meinen Reisen in Krisen- und Konfliktgegenden werde ich immer wieder gefragt, wie es dazu kommen konnte, dass die USA nach Barack Obama jemanden wie Donald Trump wählten. Einen Mann, der so gar nicht für das steht, was Obama darstellte. Natürlich hatte auch Barack Obama seine Fehler, man denke nur an die Eskalation des Drohnenkrieges, an die massiven Abschiebungen illegaler Einwanderer nach Mexiko. Aber so deutlich wie Trump hat noch niemand anderen ins Gesicht gespuckt. Langjährigen Partnern genauso wie Millionen von Menschen, die auf die Hilfe Amerikas angewiesen sind. Wer während einer massiven Hungerkatastrophe in mehreren Ländern Afrikas vorschlägt, das Budget für die Entwicklungshilfe drastisch zu kürzen, und das im Namen von „America First“, der spricht eine deutliche Sprache. Wer „Jobs, Jobs, Jobs“ predigt und dafür die Welt mit „wunderschönen amerikanischen Waffen“ überzieht und internationale Verträge, darunter wichtige Umweltschutzmaßnahmen einfach aushebelt, wer mit Lügen, Anfeindungen und verbalen Tiefschlägen regiert, der ist kein „Uniter“, sondern schlichtweg ein Spalter.

 

If you’re going to San Francisco…

Shot In Studio

50 Jahre nach dem „Summer of Love“ feiert San Francisco seine Hippie Vergangenheit. Im De Young Museum gibt es dazu die Ausstellung The Summer of Love Experience: Art, Fashion and Rock & Roll“, eine schillernde, faszinierende und durchaus neue Seiten aufzeigende Exhibition. Von Konzertpostern und Fotos bis hin zur Mode der damaligen Bewegung. Umrahmt werden die Exponate, Bilder und Filme von der vielschichtigen Geschichte dieser aufwühlenden Wochen und Monate des Jahres 1967. Hier im Golden Gate Park war das Epizentrum der Hippies. Musik, Tanz, Ausdruck, Fashion und dann kam die Politik dazu. Und am Ende stand der Ausverkauf der Szene.

Ja, noch heute kann man am Ende der Haight Street und am Anfang des Golden Gate Parks die Spuren von damals sehen. Junge und alte Punks in der Tradition der Hippies sitzen herum, „Spare a little change“. Viele von ihnen abgestürzt, versunken in den Erinnerungen längst vergangener Tage. Touristen laufen die Haight Street hoch, machen ihre Erinnerungsbilder an der Ecke Haight/Ashbury, auf der Suche nach dem Geist von damals. Und doch es ist so ganz anders, wie das, was man in dieser Ausstellung im De Young Museum sehen kann. Vor 50 Jahren bebte die Stadt, Hunderttausende zog es ans Golden Gate auf der Suche nach dem anderen Leben, dem Anderssein. All das wird deutlich in diesem „Summer of Love“ Rückblick. Die Kreativität in der Mode, der Musik, dem Auftreten, die Ideen des Miteinanders. Die Hippies waren da, um ihr Lebensexperiment zu leben.

shot in studio

Es dauerte nicht lange, dann wurde die Bewegung vom eigenen Erfolg gefressen. Das Ende kam schneller als gedacht. Und doch, die Bedeutung des „Summer of Love“ ist deutlich zu sehen, wenn man durch diese Ausstellung läuft. Ein halbes Jahrhundert später ist die Mode, die Musik, die Kunst wieder gefragt. All das ist zeitlos, ein wichtiger Teil der westlichen Gesellschaften geworden. Da ist viel Mythos, viel Pathos, viel Kitsch und doch auch ein wichtiger Kern, den man freilegen muss, denn am Anfang stand die Hoffnung, aus dem „Summer of Love“ eine „Society of Love“ wachsen zu lassen. Daraus wurde nichts, doch die Ideen und auch die Hoffnung danach extistieren weiter. Von daher sollte man 50 Jahre danach – und gerade in diesen stürmischen Trump-Zeiten – durchaus diesen „Summer of Love“ feiern.

Was aus Wein alles werden kann

Mit etwas Wein lässt sich manche Kunst einfacher erfahren, erkennen, erleuchten. Manchmal braucht es da auch etwas mehr vom göttlichen Tropfen. Aber Wein und Kunst passen gut zusammen. Das merkt man auch, wenn man durch die nordkalifornischen Weinanbaugebiete in Sonoma und Napa fährt. Zwischen all den Reben macht sich Kunst und Kultur breit. Von gewaltigen Burning Man Skulpturen bis zu kreativen Ideen, was man aus einem alten Weinfass machen kann.

Und dann sind da die Sammler von Kunst. Rene di Rosa war einer von ihnen. Er hat sein Geld mit dem Traubensaft gemacht und damit die Arbeit nordkalifornischer Künstler unterstützt. Zusammengekommen ist eine umfangreiche und einzigartige Sammlung. Zu sehen ist sie in der Carneros Region des Napa Valleys, eine gute Autostunde nördlich von San Francisco, also in Reichweite jedes Besuchers am Golden Gate. Und wer mal mehr sehen möchte als nur die Brücke, Chinatown und Fisherman’s Wharf, wer die kreative Seite dieser wunderbaren Gegend erfahren möchte, der sollte sich einen Wagen mieten und „5200 Carneros Highway, Napa, CA 94559“ in sein GPS eingeben.

Die Landschaft um das di Rosa Anwesen ist einmalig schön. Das Verweilen, das Einatmen dieses Augenblicks ist gewollt und erwünscht. Der Blick über den hauseigenen See, die leichten Wellen der Landschaft, ganz hinten befindet sich der Skulpturengarten der Sammlung, eingerahmt von den Reben. Das Gelände ist weitläufig und voll mit Kunstobjekten. Draußen wie auch in gleich mehreren Gebäuden kann man sich herausfordern lassen und hinterfragen, was Kunst ist, sein sollte und letztendlich sein muß. Eine Galerie am Eingang, alles ordentlich, offen, hell. Dann das Anwesen, ein vollgepferchtes Haus, die Kunst erschlägt einen fast. Wohin soll man blicken? Unzählige Bilder, eine Wanne voller Bowling Kugeln, eine Glocke, Skulpturen, Kunst-Stücke, die mir teils zumindest fragwürdig erschienen. Eine unterirdische Kapelle, in der das Lichtspiel des Tages nachgezeichnet wird. Ein alter VW Scirocco hängt von einem Baum, aufgeknüpft und dem Wetter ausgesetzt. Pfaue stolzieren über das Anwesen, von weitem schon hört man ihre lauten Rufe.

Die di Rosa Kunstsammlung im Napa Valley ist ein Erlebnis. Präsentiert wird die lange und vielseitige Kreativszene dieser Region, der weitläufigen San Francisco Bay Area. Ein Besuch auf dem Anwesen beruhigt, bewegt, begeistert und zeigt einem vor allem, wie beschränkt man durchs Leben wandelt. Denn Kunst ist der Spielball in einer Gesellschaft, den wir nur zu selten an die eigenen Erfahrungsgrenzen kicken. Und das wird hier vor Augen geführt, wenn man denn will. Grenzen werden erweitert oder ganz niedergerissen, das hängt allein vom jeweiligen Betrachter ab. Die weiche Landschaft und dazu diese fordernde Kunst, mit der man sich beschäftigen muss, in der jeder etwas (anderes) sehen kann. Manches ist einfach und direkt, anderes bleibt auch nach langem Verweilen davor verschlossen. Und wieder bei anderem denkt man sich, da hatte einer zu viel Zeit. Zumindest ging es mir so…vor manchen Bildern, Skulpturen, Kunststücken hätte mir dann vielleicht doch ein Gläschen Wein die Erleuchtung gebracht.

Und Tanz den Mussolini

DAF, die Deutsch Amerikanische Freundschaft, war für mich wie gemacht. Als ich an jenem Samstagmorgen 1996 im kleinen Sendestudio von KUSF San Francisco on-air ging, war das mein Ansatz. „Der Mussolini“ lief, die Deutsch Amerikanische Freundschaft forderte San Francisco zum Tanzen auf. Die Platte war eine der paar wenigen deutschen Platten im Vinyl Archiv des Collegesenders. Daneben gab es noch Kraftwerk, Can, Faust, die Einstürzenden Neubauten. Und diese Liste allein drückt schon aus, welchen Stellenwert DAF gerade in den USA haben. Sie stehen für die Weiterentwicklung des geliebten Krautrock Sounds. Es kratzte etwas, aber egal, hier ging es um die Message. Der DAF-Beat setzte den Ton für das, was da für mich kommen sollte.

Nach 21 Jahren produziere ich noch immer Radio Goethe und das Duo Gabi Delgado-Lopez und Robert Görl ist nach wie vor mit dabei. Ihre Musik wird für mich nicht alt, ganz im Gegenteil, DAF sind zeitlos gut, diese ersten Scheiben werden für mich immer besser und wichtiger. Ihr minimalistischer Sound, ihr provokanter Beat, ihr Sprechgesang, ihre scheinbar banalen Texte sind einzigartig. Nun bringt Grönland Records die vier ersten DAF-Alben in einer Box heraus. Schlicht und einfach sieht sie aus: DAS IST DAF. Kein Gefrille, kein Extrakram, kein Gehudel. Hier wirkt nur die Musik, direkt und auf die 12.

Was DAF auf diesen vier Alben zwischen 1980 und 1982 aufgenommen haben war bahnbrechend. In Deutschland wurden sie durch die Neue Deutsche Welle bekannt, aber sie passten genausowenig zur Party- und Mitsingmucke einer Nena, Markus, Hubert Kah und Frl. Menke, wie die Einstürzenden Neubauten. Aber der NDW Hype ermöglichte DAF, dass sie auch außerhalb eines kleinen Fankreises wahrgenommen wurden. Heute, im Rückblick, finde ich immer wieder neue und leider lange Zeit übersehene und überhörte Perlen aus dieser Zeit. Und auch DAF lerne ich mit jedem mal ganz neu kennen und lieben. Diese vier Platten stehen für die Zeit, in der sie entstanden. Wild und doch so deutsch. Minimal und dennoch komplex. Scheinbar banal, aber eigentlich voller Tiefe. Ausbruch und Aufbruch im Geradeaus.

Die Deutsch Amerikanische Freundschaft war Provokation. Ihr Militär-Fetisch Auftreten, ihr Hit „Der Mussolini“, in dem neben dem Duce, auch Jesus Christus und Adolf Hitler getanzt wurden, waren kaum annehmbar in einer Zeit, in der Helmut Kohl seine Kanzlerschaft begann. Man wußte nie so genau, was man an diesem Duo hatte, wie man Görl und Delgado einordnen sollte. Aber das war gewollt. Undurchschaubar hämmerten sie sich durch diese deutschen Wechseljahre. Die Grönland Box ist eine Hommage an eine der bedeutendsten und wichtigsten deutschen Gruppen überhaupt. Ihr Einfluß weltweit wird beim Durchhören dieser vier Platten ganz deutlich. Anders gesagt – und das wird nun so manchen deutschen Kulturpolitiker und -experten zur Weißglut treiben – die Deutsch Amerikanische Freundschaft wurde mit ihrem besonderen Sound zu wichtigen Kulturbotschaftern Deutschlands. Das ist Völkerverständigung. Das ist DAF!

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Eskalation mit Planung

Saudi-Arabien, Ägypten, die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain kappen die diplomatischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu Katar. Alles im Namen des von Donald Trump ausgerufenen „War on Terror“, so, als ob hier die Guten gegen die Bösen kämpfen. Katar, so das Länderbündnis, unterstütze Terrororganisationen und halte engen Kontakt zum Iran, einer Großmacht in der Region, dem erklärten Feind der Saudis.

Und dann knallt es in Teheran, der sogenannte „Islamische Staat“ bekennt sich zu den Anschlägen auf das Parlament und das Khomeini Mausoleum, alle Welt spricht den Iranern ihr Beileid aus, nur Donald Trump ergänzt ganz offiziell mit einer Stellungnahme des Weißen Hauses und nicht via Twitter, wer Terror sät, der wird Terror ernten. Man stelle sich vor, der Iran hätte das nach den Terrorattacken des 11. Septembers 2001 gemacht. „Beileid, aber ihr habt es ja kommen sehen, satanische Gringos“. Nichts dergleichen fand statt. In Teheran brannten vielmehr Kerzen im Gedenken an die Opfer.

Trump tritt nicht nur nach, er schwingt sich nun auch noch zum Friedensstifter der Region auf. Vorher schwärmt er von immensen Lieferungen an „beautiful weapons“ – alles „Made in USA“ („Jobs, Jobs, Jobs“) – an Saudi Arabien und auch Katar, um dann zu erklären, die Region müsse in Frieden leben. Erst fordert er Saudi Arabien und die Nachbarländer auf, etwas gegen den Geldfluss an Terrororganisationen zu unternehmen, um dann erst die Isolation Katars in einem Tweet zu bejubeln und anschließend den Emir von Katar anzurufen, man könne sich ja auf eine Diet Coke im Weißen Haus treffen, um über die Lage zu sprechen.

Donald Trump zeigt hier erneut auf, wie er als Elefant durch den diplomatischen Porzellanladen trampelt. Ohne Plan, ohne Weitsicht, ohne ein Interesse daran auch nur ein bißchen auf die Ratschläge anderer zu hören. Er weiß alles besser, immerhin ist er ja Donald Trump. Unterdessen verlegt die Türkei Truppen nach Katar und verspricht weitere Hilfen, wie Nahrungsmittellieferungen an den Golfstaat  Mehrere Tausend Soldaten sollen schnellstmöglich im Emirat stationiert werden. Die Türkei unter ihrem Präsidenten Erdogan schlägt sich damit deutlich auf die Seite Katars. Erdogan sieht sein Land als „Powerhouse“ der Region und will bei diesem drohenden Militärkonflikt nicht außen vor stehen. Damit wird alles nur noch undurchsichtiger, wer hier mit wem bandelt, wer hier welche Terrorgruppen unterstützt und welche bekämpft. Die Region gleicht einem Pulverfass, in der Trump und sein despotischer Pokerclub in aller Ruhe vor sich hin zündeln.

 

Das Bla Bla um die Menschenrechte

Eigentlich ist es ja gut, dass die amerikanische UN Botschafterin, Nikki Haley, mal Klartext spricht. Eigentlich…. Vor dem Menschenrechtsrat in Genf drohte sie am Dienstag mit einem Rückzug der USA, wenn es nicht zu einer Reform der Mitgliedschaft des Rates kommen sollte. Eigentlich ist diese Forderung gut, denn am Tisch sitzen solche Länder wie Algerien, China, Kuba, Marokko, Saudi Arabien, Russland, Burundi, Kongo, Kirgistan, Irak, Äthiopien. Insgesamt 47 Staaten umfasst der Menschenrechtsrat.

Kämpferin für die Menschenrechte auf verlorenem Posten – Nikki Haley. Foto: Reuters.

Die Kritik Haileys richtete sich vor allem gegen Venezuela und die ständigen Anti-Israel Beschlüsse der „Human Rights“-Vertreter. „Es ist nur schwer hinzunehmen, dass dieser Rat noch nie eine Resolution gegen Venezuela auch nur angedacht hat. Und gleichzeitig wurden seit März fünf parteiische Resolutionen gegen ein einziges Land verabschiedet – Israel. Es ist notwendig, dass dieser Rat seine chronische Anti-Israel Einseitigkeit anspricht, um überhaupt noch glaubwürdig zu bleiben“, meinte die UN Botschafterin. Damit hat sie sicherlich recht, denn im Rat sitzen viele Vertreter, die das Existenzrecht von Israel hinterfragen.

Allerdings machte Hailey mit ihrer Kritik auch deutlich, dass die USA selbst in Sachen Menschenrechte nicht so genau hinsehen. Venezuela zu benennen und gleichzeitig andere (Partner-)Länder zu übergehen spricht für sich. Ihr Boss, Präsident Trump, gab ja die Losung auf seiner Reise nach Saudi Arabien vor. Trump erklärte in Riad, er sei nicht gekommen, um andere Länder zu kritisieren, ihm gehe es nur um wirtschaftliche Kontakte und den Kampf gegen Terroristen. „Human Rights“ Verletzungen im Wüstenkönigreich, das ist dann wohl eine innere Angelegenheit, die Trump bewußt übersah.

Die USA unter Donald Trump fahren keine klare Linie, das wurde auch wieder in Genf deutlich. Dass der Menschenrechtsrat eine traurige Witzveranstaltung geworden ist, in der Länder wie Saudi Arabien, China, Russland und Burundi neben vielen anderen Diktaturen und Unrechtsregimen über Grundrechte urteilen ist leider schon lange bittere Realität. Das darf, das sollte man deutlichst kritisieren. Aber die USA können nicht hier und jetzt die Moralkeule schwingen und dort und nur ein paar Tage zuvor das brutale Vorgehen der Saudis geflissentlich übergehen. Man muss sich fragen, wie Nikki Haley diese Gratwanderung überhaupt zustande bringen kann. Eigentlich müsste ihr übel geworden sein, als sie Trumps Auftritt in Riad sah. Denn die Hofierung der Scheichs war eine deutliche Absage an all das wofür Nikki Haley im UN Menschenrechtsrat sprach. Armes Amerika!

 

Eine Welt gebaut aus Angst

Schon kurz nach dem Terroranschlag in London griff sich der amerikanische Präsident Donald Trump sein Telefon und setzte ein Tweet ab: „Wir müssen klug, wachsam und hart sein. Die Gerichte müssen uns unsere Rechte zurück geben. Wir brauchen das Einreiseverbot als eine zusätzliche Sicherheitsebene!“

Trump nutzte damit eine Terrortat, um seine Politik der Ausgrenzung, des Hasses und des Angstschürens weiter zu verbreiten. Ursache und Wirkung wird hier vermischt. Der 45. Präsident der Vereinigten Staaten preschte so früh vor, als noch gar nichts über die Täter und die Hintergründe der Tat bekannt war. Zumindest nicht für die Öffentlichkeit, vielleicht wusste Trump ja mehr, was allerdings zu bezweifeln ist. Vielmehr passt die Terrorattacke von London in das Denk- und Weltbild eines Donald Trump. Es hilft ihm, weiter Angst zu verbreiten, damit sein Ziel der Spaltung zu erreichen. „Schaut her, die Terroristen kommen immer näher, nur ich kann sie aufhalten“. „America First“ bedeutet für ihn vor allem ein christlich-jüdisches, weißes Amerika. In den USA eines Donald Trump haben Andersdenkende, Andersgläubige und Menschen mit anderen ethnischen Wurzeln keinen Platz.

Das von Donald Trump vielgelobte Einreiseverbot für Menschen aus Syrien, Libyen, Somalia, Jemen, Iran und Sudan macht keinen Sinn, denn damit hätte keine einzige Terrortat der jüngsten Vergangenheit verhindert werden können. Trumps „Travel Ban“ wirkt wie ein Sicherheitsnetz an jeder Brücke, um Selbstmörder vom Sprung in die Tiefe abzuhalten. Doch allein dadurch lässt sich wohl kaum ein suizidgefährdeter Mensch vom Freitod abbringen. Und auch Terrornetzwerke wie der Islamische Staat werden sich von einem „Travel Ban“ in die USA nicht von ihren Wahnideen und ihrem blutigen Feldzug gegen „Andersdenkende, Andersgläubige und Menschen mit anderen ethnischen Wurzeln“ verabschieden. Ganz im Gegenteil, der IS, die Taliban, al-Qaida, al-Shaabab und all die anderen religiös verblendeten Gruppen nutzen Trumps Propagandafeldzug gegen den Islam für ihren Kampf. Trump stärkt ihren (un)heiligen Krieg. Und genauso nutzt Donald Trump die blutigen Attacken der Terroristen für sein angsterfülltes Weltbild. Wir leben in einer gefährlichen Welt!

„Not my president“

Auf Twitter feiert sich Donald Trump selbst. Gleich mehrere Tweets von konservativen Politikern hat er auf seinem Account @realDonaldTrump kopiert. Alles Lobhudelei für seine Entscheidung, die USA aus dem Pariser Abkommen herauszumanövrieren. Doch damit hat Trump zweierlei erreicht. Er hält sein Wahlversprechen, festigt so seine Basis, die ihm glaubt. Allerdings mobilisiert der Präsident auch seine Gegner, die nun ganz deutlich vor Augen haben, was dieser Mann anrichten kann und wird, wenn er nicht spätestens nach vier Jahren gestoppt wird.

Donald Trump auf Isolationskurs. Foto: Reuters.

Trump poltert weiter und faselt von „America First“, dem amerikanischen Arbeiter und den amerikanischen Familien, auch, wenn all das, was er da macht, Amerika nur in die Isolation führt und denen schadet, die ihn – noch – unterstützen. Seine politischen Strategien und Pläne sind kurzfristig. Das zeigte sich schon bei seinem Haushaltsvorschlag, dem Einreiseverbot und nun eben auch seiner Abkehr vom Klimaschutz. Trump braucht sein Jubelvolk um sich, danach richtet er seine Politik aus. Ob es Sinn macht oder eben auch nicht spielt dabei keine Rolle.

Was in dieser Diskussion über den Ausstieg aus den Pariser Verträgen etwas zu kurz kommt, ist die Tatsache, dass Donald Trump nicht für die Mehrheit der Amerikaner spricht. Die Reaktionen nach Trumps „Rose Garden“ Auftritt zeigen, der Präsident spricht nur für seine Basis. Er hat ausschließlich seine Wiederwahl im Sinne, will es „allen“ zeigen, dass er auch die Stimmen für eine zweite Amtszeit bekommen kann. Das wäre für ihn die größte Bestätigung. Eine Niederlage 2020 wäre für Donald Trump der Ego-Supergau.

Trump ist im Dauerwahlkampf, hat nur seine Basis im Blickwinkel und übersieht dabei, dass er eine gegnerische Front aufbaut, die immer größer und breiter wird. Und die setzt sich mehr und mehr aus gesellschaftlichen Gruppen zusammen, die ihm das erneute Siegen schwierig machen werden. Tausende von Gruppen haben sich bereits in den USA gegen Trump gebildet. Nach dem Ausscheiden aus den Pariser Verträgen, dem bewussten internationalen Isolationskurs, der Unterstützung für so manchen Despoten wird diese Anti-Trump Basis nur noch gefestigter. Trump bereitet derzeit selbst sein Ende vor.