Trump und Erdogan reden über Bomben

Am 2. Februar 2016 explodierte an Bord des Daallo Airlines Flug 159 von Mogadischu nach Dschibuti eine Bombe und riss ein Loch in die Außenwand. Glücklicherweise wurde nur ein Mensch getötet, der Bombenleger. Die Maschine konnte sicher landen. Was allerdings die Alarmglocken der Geheimdienste aufschrillen ließ, waren die Umstände dieses Attentats. Eigentlich waren 69 der 73 Passagiere auf der Turkish Airlines Maschine Richtung Istanbul gebucht. Doch schlechtes Wetter verhinderte die Landung der TK687. Die Passagiere wurden kurzerhand auf die Daallo Airlines umgebucht, um dann in Dschibuti ihren Weiterflug nach Istanbul zu erreichen.

Eine Bombe in einem Laptop riss ein Loch in die Außenwand von Flug Daalo Airlines 159 von Mogadischu nach Dschibuti. Foto: Reuters.

Als Bombenleger wurde der 55jährige Abdullahi Abdisalam Borleh ausgemacht. Ein Lehrer in einer islamischen Schule in Hargeisa, Somaliland, der bislang nicht auffällig war. Borleh hatte ein Visum für die Türkei. Somaliland gilt als sichere und terrorfreie Gegend am Horn von Afrika. Auf Sicherheitskameras im abgesicherten Flughafenbereich von Mogadischu sind allerdings zwei Männer zu sehen, die Borleh einen Laptop überreichen. Und darin, so die Ermittler, war der Sprengstoff versteckt. Die Al-Shabaab Miliz übernahm später die Verantwortung für den Anschlag, der eigentlich der Turkish Airlines Maschine gegolten haben sollte. Die Türkei als NATO-Mitgliedssstaat war das Ziel des Terrorplans.

Diese Tatsache erschütterte die Nachrichtendienste weltweit, denn anscheinend war der Laptop problemlos und unerkannt durch die Sicherheitskontrollen des Flughafens gelangt. Von meinen Reisen nach Somaliland und Puntland/Somalia weiß ich, dass an den Flughäfen mehrmals verlangt wird, dass mitgeführte technische Geräte angeschaltet werden müssen. Der Laptop auf dem Flug 159 der Daallo Airlines war also keine Attrappe.

Die amerikanischen, britischen und türkischen Nachrichtendienste vor Ort erkannten die Zeichen der Zeit. Ein einschaltbarer Laptop konnte zu einer Bombe umfunktioniert und der Sprengstoff nicht bei den herkömmlichen Flughafenkontrollen erkannt werden. Aus diesem Grund erließen die USA im März das Verbot von Laptops an Bord auf Flügen aus der Türkei, dem Nahen Osten und Nordafrika. Und nun soll das Verbot erweitert werden. Auch Flüge aus Europa in die USA könnten sehr bald von dem Laptopbann an Bord betroffen sein.

Donald Trump hatte mit dem russischen Außenminister Sergei Lavrov und dem russischen Botschafter Sergey Kislyak über genau dieses Thema gesprochen und dabei wohl Quellen der Ermittlungen genannt. Denkbar ist aufgrund der genauen Untersuchungen nach dem Anschlag in Mogadischu, dass die Türkei die Quelle der Information ist, die Trump nun ausgeplaudert hat. Die Türkei ist sehr gut am Horn von Afrika vernetzt, unterstützt die Regierungen in Mogadischu und auch im somaliländischen Hargeisa. Die massive und umfangreiche Präsenz der Türken in der Region ist schon seit langem nicht mehr zu übersehen. Wenn nun also der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan Donald Trump im Oval Office besucht, könnte das Gespräch auch um den Zwischenfall in Mogadischu gehen. „Sorry, Recep“. „No problem, Donald, just give me Gülen“.

 

What a mess!

Da gibt es Kandidaten, die sich gerne auf Ronald Reagan berufen, den Überpräsidenten der Republikaner. Anscheinend hat der im Rückblick alles richtig gemacht. Die politischen Fehler, Skandale und fatalen Entscheidungen werden gerne übersehen. Wenn man den Beschreibungen und Lobreden der Republikaner folgen mag, dann war damals in den 80er Jahren die republikanische Welt noch in Ordnung.

"Ich liebe die Gebildeten und die Ungebildeten", meinte Donald Trump nach seinem Sieg in Nevada. Foto: Reuters.

„Ich liebe die Gebildeten und die Ungebildeten“, meinte Donald Trump nach seinem Sieg in Nevada. Foto: Reuters.

Im Jahr 2016 schaut man jedoch kopfschüttelnd dabei zu, wie sie die Reagan-Partei selbst abschafft. Die Präsidentschaftskandidaten des politischen Establishments scheiden einer nach dem anderen aus dem Rennen aus. Von anfänglich 17 Namen, die sich anfangs alle Hoffnung auf das Oval Office machten, sind noch fünf auf den Wahlzetteln der Vorwahlen zu finden. Ein Neurochirurg, der keinen Plan hat. Ein Gouverneur, der keine Chance hat. Ein Senator aus Florida, der viel zu große politische Schuhe trägt. Ein Senator aus Texas, der von der rechtskonservativen Tea Party unterstützt wird. Und da ist der Milliardär aus New York, der mit keinen klaren Aussagen und keinem politischen Plan auf dem besten Weg ist, Präsident zu werden.

In Nevada gingen nun etwa 75.000 (!) Menschen zur Wahl, um den Kandidaten ihrer Partei zu bestimmen. Auf Donald Trump entfielen dabei 34,531 Stimmen, das sind 45.9%. Weit abgeschlagen auf dem zweiten Platz liegt Marco Rubio mit 17,940 (23.9%) und danach Ted Cruz mit 16,079 Stimmten (21.4%). Trump hat nun die dritte Wahl in Folge gewonnen und ist bestens für den Super Tuesday in der kommenden Woche gerüstet. Die Zeichen stehen auf Trump. Die Republikaner finden keine Antwort auf das „Hijacking“ der Partei, wie es einige Kommentatoren passend nannten. Donald Trump der Außenseiter, der kam, sah und siegte.

Zu lange wartete man in den Parteireihen, sah einfach von außen zu, was sich da tat, in der Hoffnung, alles werde noch ein gutes Ende haben. Die Kandidaten hauten sich gegenseitig auf die Mütze, doch nur einem schadete das nicht: Donald Trump. Er kam aus jedem Streit als der strahlende Sieger hervor. Die Hoffnungsträger der Republikaner strichen alle die Segel. Scott Walker, Chris Christie, Jeb Bush. Was bleibt ist das Trio Trump, Rubio, Cruz, das man so, so oder so Amerika nicht wünschen will. Keiner der drei kann die Partei einigen, zu tief sind die Gräben zwischen den verschiedenen Seiten. Und dann ist da auch noch Donald Trump, der vor allem von Leuten unterstützt wird, die rein gar nichts mit der Partei zu tun haben wollen. Es ist die Sehnsucht nach einem starken Führer, der „America great again“ machen soll und will. Wie, das steht in den Sternen. Aber alleine diese Worte kommen an, ihm glaubt ein lautstarker Teil der Bevölkerung. Als Deutscher in den USA beschleichen da einen komische Gefühle.

Was verwundert, Trump kommt nicht nur bei weißen Männern an, er hat in Nevada sogar die meisten Latino-Stimmen auf sich vereinen können. Und das heißt was, bei zwei Kandidaten mit Wurzeln in Kuba. Frauen stimmten für ihn genauso wie Christen. Wähler mit Bildung und ohne votierten für Trump. Der meinte in seiner Siegesrede sogar; „I love the uneducated“. Junge wie Alte waren für ihn und vor allem die politisch Frustrierten.  Da braut sich etwas am politischen Himmel der USA zusammen. Die Republikaner zumindest haben bislang noch keine Antwort auf diese Gefahr von außen gefunden.

„Breaking News“….Donald Trump hat keinen Plan

Bitte schauen Sie sich das folgende Video an. Das wurde gestern Abend in Las Vegas, im Hotelcasino Caesar’s Palace aufgezeichnet. Der FOXNews Moderator Sean Hannity hatte Donald Trump zu Gast. Trump gewährte großzügigerweise den Wunsch, auch Fragen der Zuschauer zu beantworten. Zumindest schien das so vorher ausgemacht worden zu sein. Ab Minute 3:00 kommt eine junge Frau ans Mikrofon, um über die Schulden von Studierenden nach ihrem Abschluß zu sprechen. Die Frage ist einfach: „Mr. Trump, wie würden Sie die Situation verbessern?“ Und dann kommt Trump, mit einer, seiner typischen Nullantworten, die zeigen, der Mann hat keinen Plan.

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Man muß sich langsam fragen, wie es eigentlich zu einer Kandidatur von Donald Trump gekommen ist. Er ist ein Egozentriker, ein Egomane, der sicherlich niemanden um sich herum akzeptiert, der ihm nicht nach dem Mund redet. Donald Trump liebt die Bauchpinselei…bei sich wohlgemerkt. Er ist der Größte, der Tollste, der Erfolgreichste, der Reichste, der Klügste (der Schönste hat er, das muß man ihm zugestehen, noch nicht behauptet). Ein selbstverliebter Mann, wie in Amerika und die Welt noch nicht erlebt hat. Seine Kandidatur kann eigentlich nur auf einem Mißverständnis beruhen. Irgendjemand in seinem Umfeld wird zu ihm scherzhaft gesagt haben, „Donald, Du solltest Präsident werden“. Und Donald, ganz Donald, formte die Lippen zu einem „O“ (was leider sehr an was anderes erinnert), nickte leicht mit dem Kopf, die Haarwelle saß prächtig dank Dreiwettertaft und meinte, „Ja, ich wäre der beste Präsident aller Zeiten“.

Das war’s! Die Entscheidung war gefallen, Donald Trump erklärte seine Kandidatur. Als Superreicher mußte er nicht auf Betteltour gehen, um Gelder zu sammeln. Als Fernsehstar hatte er den Starbonus, und das alleine fanden und finden viele Amerikaner toll. Sie haben auch für Arnold Schwarzenegger gestimmt und würden auch für Lady Gaga votieren. Trump hatte ideale Ausgangsbedingungen. Den bekannten Namen, viel Geld, ein Riesenego und auf seine Weise Unterhaltungswert. Von Inhalten ist da keine Rede, die braucht jemand wie Trump nicht, er kann ja alles.

Leider habe ich auf der liberalen Insel San Francisco Bay Area noch niemanden getroffen, der für Donald Trump stimmen möchte. Denn ich würde ihn oder sie gerne fragen, was denn für den Donald spricht? Auf seiner Webseite findet man keinen politischen Plan, keine Analyse der aktuellen Situation, keine genauen Absichten, wie die derzeitigen Probleme in den USA und international gelöst werden sollen. Klar, die Mauer, die kommt immer, doch daran scheiterte schon die DDR. Aber sehen Sie selbst. Hier ist Donald Trumps Antwort auf seiner Webseite unter dem Punkt „JOBS – ich werde der größte Arbeitsstellen schaffende Präsident der amerikanischen Geschichte sein“. Das muß man eigentlich nicht mehr kommentieren:

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Hillary wird nervös

Nicht schon wieder. Die demokratische Frontrunnerin Hillary Clinton glaubt im falschen Film zu sein. Vor acht Jahren galt sie als sichere Kandidatin für die Demokraten, als aus dem Nichts ein junger und unbekannter Senator aus Illinois nach vorne preschte und dann die Vorwahlen in Iowa gewann. Hillary Clinton, die bis dahin den Kontrahenten abtat, wurde auf einmal eines besseren belehrt. Und Amerika wachte auf mit der Tatsache, dass die USA im Jahre 2008 durchaus einen Afro-Amerikaner zum Präsidenten wählen können.

Der Ausgang des Ewigwahlkampfes 2008 ist bekannt. Barack Obama setzte sich mit „Hope“, „Change“ und „Yes, we can“ gegen das demokratische Urgestein Clinton durch. Hillary wurde Außenministerin und bereitete im Hinterzimmer ihre nächste Chance vor. Sie hat dazu gelernt, gibt sich wählernah und offen, sympathisch und zugänglich, auch wenn sie von den Republikanern mit den Ereignissen in Benghazi und dem Email Skandal überdeckt wurde.

Bernie Sanders hat noch lange nicht Schluß. Foto: AFP.

Bernie Sanders hat noch lange nicht Schluß. Foto: AFP.

Dann kam Bernie Sanders, der Independent Senator aus Vermont, der sich selbst als „demokratischen Sozialisten“ beschreibt. Sanders, da waren sich alle einig, sei nicht wählbar, denn Amerika würde nie für einen Sozialisten stimmen. Nun, drei Wochen vor dem Wahltermin in Iowa, der die Vorwahlen in den USA einläutet, ist wieder mal nichts mehr klar. Sanders liegt in den Umfragen in Iowa und New Hampshire mit Clinton gleich auf. Finanziell ist er für einen Kampf gegen die einstige First Lady gerüstet. Hillary wird zunehmend nervös. Denn bislang glaubte sie, der rüstige Rentner, der linke Intellektuelle aus Vermont habe gegen die Clinton-Maschine keine Chance. Deja-Vu, der rote Hugo hängt tot im Seil. Hillary Clinton vergeht das Lachen, nicht schon wieder. So kurz vor dem Ziel der Kandidatur macht ihr da erneut ein Underdog zu schaffen. Und auch die demokratische Partei ist alles andere als „amused“. Denn mit Bernie Sanders würde ein Kandidat für die Partei antreten, der im konservativen „Heartland“ Amerikas keine Chance hätte. Wobei, Clinton hat die im amerikanischen Hinterland auch nicht. Es wird zum Glück noch einmal spannend im amerikanischen Wahlkampf….links und rechts.

Donald Trump, Goethe und die Geister

Donald Trump ist ein Phänomen. Der Immobilienmogul und Milliardär hat mit seiner NBC-Sendung „The Apprentice“ das „Reality TV“ in den USA aufgemischt, seine Worte „You’re fired“ sind in den amerikanischen Alltagssprachgebrauch eingegangen. Obwohl er der superreichen High Society angehört, gern gesehen ist auf den vielen Parties und Events im Big Apple, wird er doch von vielen als ein Unikum belächelt. Seine Haarpracht ist legendär. Der selbstverliebte Trump sagt, was er will. Trump nimmt keine Rücksicht auf niemanden, das ist seine Lebensleitlinie.

Donald Trump versaut den Republikanern den Wahlkampf. Foto: AFP.

Donald Trump versaut den Republikanern den Wahlkampf. Foto: AFP.

Wenn man sich die Äußerungen Trumps der vergangenen Jahre durchliest, dann wird einem schnell klar, dass der Donald regelmäßig mit rassistischen und sexistischen Kommentaren aufgefallen ist und auch vor Verschwörungstheorien nicht zurückschreckte. Trump lässt nicht erst als Kandidat ums Weiße Haus die Sau raus. Es ist daher nicht weiter verwunderlich, dass der Präsidentschaftsaspirant auch nach Monaten im Rennen und nach Tiefschlägen gegen Mexikanern, Frauen, Flüchtlingen, internationalen Partern und Obama noch immer in Führung liegt. Keiner kann sagen, man habe von nichts gewußt.

Der Narzist Trump spielte und spielt mit offenen Karten. Und seine Partei, für die er kandidiert, schaut taten- und hilflos zu. Niemand distanziert sich klar und deutlich, keiner weist den Milliardär in seine Schranken. Weder führende republikanische Politiker im Kongress und Senat, noch Mitbewerber um die Kandidatur der Partei. Letztere erklären zwar hin und wieder, Trump hätte dies oder das nicht sagen sollen, um dann im gleichen Atemzug noch eins drauf zu setzen. Ben Carson reagierte auf die Äußerung Trumps, Moslems in den USA registrieren zu lassen, mit der Aussage, das setze ein „gefährliches Signal“. Doch Carson selbst meinte zuvor, ein Moslem als amerikanischer Präsident sei „undenkbar“. Auch verglich er Flüchtlinge mit „tollwütigen Hunden“. Und auch Jeb Bush meinte, der Vorschlag Trumps sei „abscheulich“, um kurz darauf zu erklären, die USA sollten nur „christliche Flüchtlinge“ aus Syrien aufnehmen.

Die Grand Old Party läßt Donald Trump weiter wüten. Er bestimmt die Themen im Wahlkampf, gibt Steilpässe für das gesamte GOP-Team, hinter denen die anderen Kandidaten nur her hecheln. Niemand stoppt den Donald, der sich von den Umfragewerten bestätigt fühlt. Ein Wahlkampf des Klamauks und der Provokation. Doch die Zeit läuft den Republikanern davon. Glaubten anfangs noch viele Parteioberen und Kommentatoren, Donald Trump wäre nur ein kurzzeitiges Gastspiel auf der Wahlkampfbühne vergönnt, der sieht sich nun eines besseren belehrt. Trump blieb im Rennen und versaut den Republikanern den sicher geglaubten Wahlsieg gegen Hillary. In ein paar Wochen, am 1. Februar, wird in Iowa gewählt, vier Wochen später haben bereits 16 Bundesstaaten ihre Stimmen für den republikanischen Kandidaten abgegeben. Trump hat mittlerweile gute Chancen der Kandidat der Partei zu werden, die ihn eigentlich gar nicht haben will. Und das alles nur, weil man zu lange seinem Polterkurs zugeschaut hat. Das erinnert schon sehr an die Geister aus Goethes „Zauberlehrling“, die man rief und nicht mehr los wurde.

Der Aufschrei ist groß…

…doch Donald Trump wird damit punkten. Was war geschehen? Auf die Frage eines Reporters, ob er für eine Datenbank für Muslime im Land sei, antwortete Trump mit einem klaren Ja. Der Donald will also Angehörige einer Religionsgemeinschaft registrieren lassen. Später auf FOXNews relativierte er seine Äußerungen ein bißchen und bezog es nur auf die syrischen und irakischen Flüchtlinge, denen Präsident Barack Obama eine Zuflucht im Land bieten möchte. Trump will eine verstärkte Überwachung und eine Datenbank, das betonte er. „Wir sind doch keine Babies hier“.

Das Internierungslager Fort Lincoln in Bismarck, North Dakota.

Das Internierungslager Fort Lincoln in Bismarck, North Dakota.

Der Aufschrei kam gleich von allen Seiten. Bürgerrechtsgruppen in den USA meinten, eine Registrierung von Muslimen, allein aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit, sei verfassungswidrig. Auch Trumps republikanische Mitbewerber erklärten, dass sei mal wieder ein Hirngespinst des Milliardärs. Es sei unamerikanisch und nicht durchführbar, meinten Bush, Rubio und Cruz im Chor. Doch so ganz daneben liegt der Donald diesmal wieder nicht. Der amerikanische Kongress mit seiner republikanischen Mehrheit hat in dieser Woche eine Novelle verabschiedet, die Obamas Pläne einer Aufnahme von Flüchtlingen aus dem IS Gebiet zunichte macht. Die USA, so die GOP Mehrheit, wolle keine „Refugees“ aus dem Irak und Syrien aufnehmen.

Mit solch einer klaren Haltung sieht sich Donald Trump bestärkt. Und nicht nur das, er kann mit seiner Forderung nach einer Registrierung und Überwachung von Muslimen und Moscheen im Land auf die Unterstützung weiter und vor allem lautstarker Teile der Bevölkerung bauen. Die USA unterscheiden sich da nicht von Deutschland und den Schreihälsen der Pegida. Trump ist ein Populist, der sein Ohr sehr nah an Volkes Stimme hat. Gerade das zeichnet ihn aus, gerade das macht ihn so erfolgreich und gefährlich.

Und zuallerletzt ist die Idee einer Registrierung einer Bevölkerungsgruppe in den USA nichts neues. Japaner, Deutsche, Italiener, Japan-Amerikaner, Deutsch-Amerikaner haben das schon selbst erlebt. Nach dem Angriff der japanischen Kamikaze Flieger am 7. Dezember 1941 auf den Navy-Stützpunkt Pearl Harbor auf Hawaii wurden diese Bevölkerungsgruppen in den USA registriert und zum Teil in Internierungslagern untergebracht. Die Gesetzeslage von damals existiert noch immer in den amerikanischen Gesetzbüchern. Präsident George W. Bush und seine Hardliner, wie Cheney, Rumsfeld und Ashcroft, hatten nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 offen über neue Internierungslager nachgedacht. Mit Sicherheit sind die Pläne nicht vom Tisch.

Nun sind sie richtig wichtig

Guck mal, Ben, da kommen unsere Bodyguards. Foto: AFP

Guck mal, Ben, da kommen unsere Bodyguards. Foto: AFP

Donald Trump und Ben Carson geben sich nun ganz präsidial. Beide bekommen ab sofort Personenschutz vom Secret Service und das auf Steuerzahlers Kosten. Vor einem Monat beantragten beide unabhängig voneinander die Sonderüberwachung, der Homeland Security Minister, Jeh Johnson, hat dem nun zugestimmt. Vorausgegangen war die Entscheidung eines Beraterstabs im Kongress, dem auch der Sprecher des Abgeordnetenhauses, des Senats und die Fraktionsvorsitzende der Demokraten im Kongress angehören. Sie stimmten für die Secret Service Überwachung.

Damit sind Trump und Carson die ersten im republikanischen Feld, die fortan von Secret Service Agenten begleitet werden und damit auch ihren Frontrunner Status unterstreichen. Beide sehen sich als wichtigste Kandidaten und nicht nur im Kreuzfeuer der Kritik, sondern auch im Fadenkreuz von potenziellen Attentätern. Seit den tödlichen Schüssen auf den demokratischen Präsidentschaftsanwärter Robert Kennedy im Jahr 1968, haben die nominierten Kandidaten ein Anrecht auf den Schutz der höchsten Personenschützer im Land. Seit 2008 und den Drohungen gegen den noch nicht gekrönten demokratischen Kandidaten Barack Obama, hat der Heimatschutzminister die Möglichkeit Schutzmaßnahmen für jeden im Rennen ums Weiße Haus anzuordnen.

It’s a one-man show, man!

Donald Trump stand in der Mitte der Bühne und alles drehte sich um ihn. Die anderen versuchten ihn anzugreifen, doch der Donald parierte gekonnt und teils mit Humor. Als Rand Paul ihm vorwarf, Trump bewerte andere nach ihrem Aussehen, wie er dies jüngst mit Carly Fiorina getan hatte, reagierte der Milliardär, er hätte ja nichts über Rand Pauls Aussehen gesagt, auch wenn er das durchaus könnte. Als Jeb Bush ihm von der Seite kam, meinte Trump, „Jeb, today you’re full of energy. I like that“. Vor ein paar Wochen hatte der Donald seinem Mitkonkurrenten attestiert eine lahme Ente zu sein, saft- und kraftlos im Rennen mitzulaufen.

Foto: AFP

Foto: AFP

Und dann war da noch Carly Fiorina auf der Bühne, die einzige Frau weit und breit. Wie würde sie reagieren? Ihr sah man an, dass sie sich vom lächelnden Donald nicht unterkriegen und unterbuttern lassen wollte. Sie teilte aus, doch kam dabei auch nicht gerade angenehm und sympathisch rüber.

An dem Abend in der Ronald Reagan Library, direkt vor einer ausgemusterten Air Force One Maschine wurde über vieles gesprochen, oder zumindest vieles angerissen. Außenpolitik, die Wirtschaft, Abtreibung, der Iran-Deal, Obamacare, Hillary Clinton, die Grenze, Sicherheitspolitik….querbeet ging es durch die tagesaktuellen Themen. Der Moderator versuchte immer mal wieder mit Zitaten der einzelnen Kandidaten Zwist zu säen und vor allem die anderen gegen Donald Trump aufzubringen. Doch irgendwie war es ein nettes „Get together“ der bekanntesten Republikaner. Klar, die fiesen Blicke von links nach rechts und rechts nach links blieben nicht aus. Auch wurde deutlich, wie zerstritten die Ronald Reagan Partei ist. Dem einstigen Western Helden klingelten in den ewigen Jagdgründen sicherlich die Ohren, denn gerade Jeb Bush versuchte sich als Neffe von Reagan zu präsentieren.

Nach dieser Debatte wird man abwarten müssen, wer in den Umfragen steigen, wer fallen wird. Ich denke mal, viel wird sich nicht ändern. Die Amerikaner lieben ihre Außenseiter Trump und Carson. Nur am Kindertisch, die kleine Gruppe von Kandidaten vor der eigentlichen Fernsehdebatte, wird sich einiges tun. Schon bald werden sie die Segel streichen müssen. Lindsay Graham, George Pataki, Bobby Jindal und Rick Santorum sollten lieber jetzt als später erkennen, dass das Rennen ohne sie läuft.

Der republikanische Donnerstagabend

Am 6. August ist es so weit. Die erste Fernsehdebatte der republikanischen Kandidaten steht an. Abends um 21 Uhr Ostküstenzeit werden dann die Top Ten Kandidaten in den Umfragen gegeneinander antreten. Zu diesem Zeitpunkt sind es: Donald Trump, Jeb Bush, Scott Walker, Marco Rubio, Ted Cruz, Rand Paul, Mike Huckabee, Ben Carson, Chris Christie und Rick Perry. Diese Gruppe verspricht einiges an Sprengstoff und verbalen Angriffen. Allein Trump feuert ja schon seit Wochen seine Salven auf die Mitkonkurrenten ab. Der vom Donald stark angegangene Perry ballerte jüngst zurück. Und Mike Huckabee hat vor ein paar Tagen Barack Obamas Irandeal als „marching the Israelis to the door of the oven“ beschrieben.

Es wird also ein unterhaltsamer Abend mit zahlreichen Tiefschlägen werden, wenn die Kameras und Scheinwerfer angehen. Donald Trump, der derzeitige Frontrunner, wird gewohnt austeilen, um seine Position zu festigen. Auf klare, inhaltliche Aussagen wird man bei dieser von FOXNews live übertragenen Debatte jedoch lange warten müssen.

Doch es sind ja noch mehr Kandidaten im republikanischen Splitterzirkus dabei. FOXNews hat nun Gnade walten lassen und eine zweite Veranstaltung angesetzt. Der Rest der Möchtegernpräsidenten, die es bislang nicht in die vordere Spitzengruppe geschafft haben, dürfen nun am gleichen Abend schon ab 17 Uhr Ostküstenzeit vor die Kameras treten, quasi als Einstimmung für das Hauptevent danach. Mit dabei sind John Kasich, Rick Santorum, Bobby Jindal, Carly Fiorina, George Pataki und Lindsey Graham. Diese Kandidaten haben zumindest ein Prozent in den Umfragen geschafft.

Doch das sind noch lange nicht alle republikanischen Kandidaten fürs Weiße Haus 2016. 18 weitere eher unbekannte Namen stehen zur Wahl, die man aber zumindest einmal erwähnen sollte. Da sind Skip Andrews, George Bailey, Michael Bickelmeyer, Kerry Bowers, Dale Christensen, Brooks Cullison, John Dummett, Jr., Mark Everson, Jack Fellure, Jim Hayden, Chris Hill, Michael Kinlaw, K. Ross Newland, Esteban Oliverez, Michael Petyo, Brian Russell, Jefferson Sherman, Shawna Sterling. Diese Gruppe von Republikanern wird am Donnerstag nicht mit von der Partie sein. Daneben gibt es keine Interviews im Fernsehen, Rundfunk und Print. Aber es zählt wohl der olympische Gedanke, dabei sein ist alles.

34 Republikaner wollen also Präsident werden. Allein diese Zahl zeigt schon, in welchem Zustand die Partei ist. Eine Frage muß also gestellt werden, wird ein möglicher republikanischer Präsident überhaupt die eigenen Reihen hinter sich haben, um regieren zu können?

Warum kandidiert eigentlich nicht Donald Duck?

      Donald und die Debatte
Der eine Donald tut dem anderen keinen Gefallen.

Der eine Donald tut dem anderen keinen Gefallen.

Aus gegebenem Anlass hier mal ein Audio-Beitrag zum amerikanischen Wahlkampfirrsinn. Donald Trump bestimmt derzeit die Diskussion. FOXNews zieht nah und hat sich auf die illegalen Einwanderer eingeschossen und vergisst dabei zu erwähnen – bewusst oder unbewusst – dass die löchrige Grenze im Süden der USA nicht erst seit dem Amtsantritt von Präsident Barack Obama durchlässig ist. Die aktuelle Debatte zeigt jedoch sehr deutlich, wie tief gespalten Amerika ist. Wer heute noch von „DEN“ USA als eine Nation spricht, verkennt die Zeichen der Zeit. Und nichts wird sich daran ändern. Schon gar nicht mit dem Wahltermin im November 2016.