Die Zukunft des Journalismus

Auf die Medien und die Journalisten wird ja in diesen Wochen und Monaten gerne eingeprügelt. Nicht nur Donald Trump hat seine Sündenböcke gefunden, die er unter dem Jubel seiner Anhänger beschimpft, verunglimpft und verbal bespuckt, auch die seltsame deutsche Bürgerbewegung Pegida und die sogenannte „Alternative für Deutschland“ sprechen gerne von der „Lügenpresse“.

Heute war ich auf Einladung einer alten Kollegin von KUSF, die für den Nachfolgesender „San Francisco Community Radio“ Medienarbeit an Schulen unterrichtet, am „Lycée Français de San Francisco„. Ihn ihrer Klasse waren zehn junge Schüler, die mich interviewten, Fragen stellten zu meiner Arbeit, meinem Werdegang und wie das so ist, Journalist zu sein. Sie hatten zuvor mit Farinaz Agharabi Fragen vorbereitet und die reichten von in welchen Ländern ich schon war, wie lange ich schon als Journalist arbeite, wie es dazu überhaupt kam als Journalist zu arbeiten, bis hin ob es auch mal gefährlich werde. Eine Frage jedoch ließ mich selbst nachdenken: ob ich gerne Journalist bin?

Ja, bin ich. Ich glaube, es ist der richtige Beruf für mich. Und das sagte ich ihnen auch. Ich bin neugierig und meistens bekommt man als Journalist auf seine Fragen Antworten. Ich reise viel und an Orte, die keine Urlaubsziele sind. Treffe Menschen, die ich wohl nie treffen würde, wenn ich nicht Journalist wäre. Viele von ihnen erzählen mir aus ihrem Leben. Oftmals sind es schlimme Erlebnisse, Erfahrungen und Umstände, von denen mir berichtet wird. Und doch sind da auch viele schöne Augenblicke, die ich nicht missen möchte. Im umkämpften Osten des Kongos gab es einmal einen Besuch in einem entlegenen Dorf, das immer wieder von Milizen angegriffen wurde. Das Dorf wurde geplündert, Frauen vergewaltigt, Männer brutalst zusammen geschlagen, erniedrigt, auch getötet. Als wir damals in dieses Dorf fuhren, wartete die evangelische Gemeinde rund eineinhalb Kilometer vor dem Dorf an der Straße, um uns zu empfangen. Wir stiegen aus und gingen gemeinsam mit ihnen, tanzend und singend, zu der kleinen Kirche aus Holzstöcken und Stroh. Und dort berichteten sie von den Schrecken ihres Alltags. Sie wußten, dass ich „nur“ ein Journalist bin, und doch war da jemand, der einfach mal zuhörte, Interesse zeigte.

Irgendwo in Ruanda liegt ein Fußballplatz.

In Puntland, dem nordöstlichen Teil von Somalia, spielte ich mit jungen Männern Fußball. Draußen standen unsere „Bewacher“ mit ihren Maschinengewehren und ich zog mir die kurze Hose an, schnürte die Turnschuhe und wartete auf meinen Einsatz. Wir sprachen nicht dieselbe Sprache und die jungen Kerle kurvten um diesen alten Sack aus Nürnberg problemlos herum, doch es war ein Erlebnis, das sich nur schwer in Worte fassen lässt. Normalität in einem geplagten Alltag. Fußball war auch in Ruanda so ein Erlebnis für mich. Irgendwo auf dem Weg zwischen Kigali und Gisenyi fuhren wir an einem Feld vorbei, auf dem ein gutes Dutzend Kinder in Fetzen bekleidet und barfuss Fußball spielte. Ihr Ball war nicht aus Leder, sondern aus Bananenblättern. Hart und dennoch rund. Damit spielten sie. Anfangs waren sie überrascht, als ich mitspielen wollte, doch dann lachten sie und spielten einfach weiter mit mir.

Und dann war da der Niger. In irgendeinem Dorf im Süden des Landes. Ich war mit CARE unterwegs, wir sprachen über die Auswirkungen des „Global Warming“ – Dürre und Hunger. Und dann saßen wir mit einer Frau und ihrem Sohn in ihrer Hütte. Einfach und kahl und lachten. Oder im Tschad, in einem Flüchtlingslager für Menschen aus der Zentralafrikanischen Republik, die viel, die sehr viel Schlimmes auf der Flucht erlebt hatten. Es war erst 10 Uhr morgens, doch schon sehr heiß und drückend. Ein Termin führte uns zu einem Brunnen, der von CARE gebohrt wurde. Auch dort wartete schon eine Gruppe von Frauen, Männern und Jugendlichen auf uns. Sie zeigten uns den Brunnen, wie er funktioniert und instand gehalten wird. Doch dann wurden Lieder gesungen, es wurde ausgelassen getanzt, die Besucher so willkommen geheißen.

Viele solcher kleinen, doch für mich großen Momente, machen den Job als Journalist aus. Und sie sind zahlreich. Die Menschen, mit denen ich spreche, die Orte, die ich sehe, die vielen Freundschaften, die ich über die Jahre schließen konnte. Die reichen von Mitarbeitern des Auswärtigen Amtes, des Goethe-Instituts und Hilfsorganisationen bis hin zu Musikern und sogar einer Bundestagsabgeordneten. Journalist sein bedeutet hinzusehen und hinzuhören. Und es war schön, dieses Interesse heute im „Lycée Français de San Francisco“ zu sehen. Mädchen und Jungen, die Fragen hatten, die Antworten verlangten, die neugierig waren. Der Journalismus hat eine Zukunft, wenn man junge Menschen an die Tiefe und auch an die Schönheit dieses Berufes heranführt.

 

 

Donald Trump zeigt mir die Welt

Ich hätte ja auch nicht gedacht, dass ich mal ein gutes Wörtchen für diesen Präsidenten finden werde. Aber der Nationalist und „America First“ Verfechter Donald Trump zeigt mir die Welt. Zumindest musikalisch. Mir fällt auf, dass ich seit Trumps amerikanischem Isolationismus verstärkt Musik aus den verschiedensten Ländern und Regionen anhöre. Aus Afrika und dem Nahen Osten, aus Vietnam, Afghanistan und Japan. Und da ist kaum Musik aus den USA dabei, und wenn, dann sind es alte Aufnahmen, die ich sehr schätze.

Gerade liegen die CDs der Box „Voices of forgotten worlds“ im CD-Spieler. Ja, ich höre noch CDs und auch Vinyl. Mit mp3 Files konnte ich mich nach all den Jahren noch immer nicht anfreunden. Ich brauche was in der Hand, will in einem Booklet blättern, Musik halten. Was ich bislang an Liedern als mp3 gekauft habe, kann ich wohl an einer Hand abzählen. Und wenn, waren es auch nur dringend benötigte Songs für eine Radioproduktion. „Voices of forgotten worlds“ präsentiert eine musikalische Welt, so ganz fernab von Pop und Glanz und Glimmer. Nix mit Grammy und MTV Awards, keine Stars und keine Sternchen.

Es sind zumeist Feldaufnahmen aus Regionen wie Grönland, Nepal, Papua-Neuguina, Zentralafrika, Eritrea oder den indianischen Nationen in den USA und Kanada. Ein „spin around the world“, Musik, die Sprachen, Kulturen und Länder präsentiert. Auch ein Lied der „Bad Dudes“ aus dem Iran ist auf dieser Box vertreten, die mit einem umfangreichen Begleitbuch erschienen ist. Es wird gesungen in allen möglichen Variationen, getrommelt und auf Instrumenten gespielt, die man in unseren Breitengraden nicht kennt. Doch diese Musik, wie fremd und anders sie auch klingen mag, verbindet, macht Lust auf mehr, auf den Blick jenseits der großen Wasser links und rechts der USA.

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Trumps sinnloses Einreiseverbot für Menschen aus dem Iran, Irak, Syrien, Libyen, dem Sudan, Jemen und Somalia hat mir auch schon schöne Arbeit gebracht. Als nächstes bespreche ich die neue Platte von Rahim Alhaj, einem Iraker, der seit 2002 in den USA lebt. „Letters from Iraq“ ist nun ganz unbeabsichtigt zu einer politischen Aufnahme geworden. Ein wunderschönes Album, das diesen Meister auf der Oud präsentiert, der musikalisch von seiner alten Heimat, einem geschundenen Land und seinen Menschen erzählt. Auch das schafft Trump, die Politisierung der Kunst, der Kultur. Nicht nur die Veröffentlichung von Musik aus diesen Ländern ist da eine klare Botschaft, sondern auch das bewußte Hin- und Zuhören. Musik kennt wahrlich keine Grenzen, keine Visa und keine Mauern.

 

 

In vier Ländern hungern 20 Millionen Menschen

Nigeria, Südsudan, Somalia und Jemen. Vier Länder, die irgendwo da drüben hinter dem großen Teich liegen. Nicht viele Amerikaner waren bislang dort, schon gar nicht Präsident Donald Trump. In diesen vier Ländern gibt es nicht viel zu holen. Große Hotels, Trump Towers und Golfplätze sucht man vergeblich, wenn man denn überhaupt danach suchen möchte.

20 Millionen Menschen sind von Hungerkatastrophen in diesen vier Ländern betroffen. Nur in einem, in Somalia, sind vor allem Umwelteinflüsse der Grund. In der Region am Horn von Afrika regnete es schon lange nicht mehr. Das Vieh stirbt, die Felder verdorren, die Menschen ziehen aus ihren Dörfern in die Städte und in Flüchtlingscamps, um zu überleben, um Hilfe zu finden.

Die USA sind einer der wichtigsten Geldgeber für humanitäre Hilfsprojekte der Vereinten Nationen. Allein im letzten Jahr überwiesen die Amerikaner 6,4 Milliarden Dollar an die UN. Der Generaldirektor des Internationalen Roten Kreuzes, ICRC, Yves Daccord meint denn auch: „Niemand kann die USA in Bezug auf Finanzierung ersetzen“. Mit Blick auf die derzeitige Krise, einer Mischung aus Konflikten in Nigeria, Südsudan und Jemen, der Dürre in Somalia und einer gewaltigen Hungerkatastrophe kommen die Hilfsorganisationen und die UN an ihre Grenzen. In diesem Ausmaß und unter diesen erschwerten Bedingungen wurden sie noch nie gefordert.

Der Osten Somalilands ist von der anhaltenden Dürre betroffen.

Wenn man in afrikanischen Ländern unterwegs  ist, sieht man überall die Schilder der „U.S. Agency for International Development (USAID)“. Die USA helfen in vielen Regionen bei der Entwicklung und beim Aufbau. Bislang wurde im Namen des amerikanischen Volkes weltweit geholfen. Doch auf die aktuelle Notfallsituation weiß man keine Antwort. Und das hat seinen Grund.

Genau in dieser Zeit der Krise fordert der neue amerikanische Präsident eine Kürzung der internationalen Ausgaben. Donald Trump will den Haushalt des Militärs um 57 Milliarden Dollar erhöhen, eine etwa 15 Milliarden Dollar teure Mauer an der Grenze zu Mexiko bauen lassen und eine umfassende Steuerreform durchsetzen, die vor allem sehr gut Verdienende und Unternehmen entlasten soll. Und dafür will Trump quer durch die Bank bei anderen Ministerien einsparen. Im Gespräch sind auch 37 Prozent der Entwicklungshilfeausgaben zu kürzen. Ein fataler Schritt, der drastische Folgen haben wird, wie man jetzt schon sehen kann. „Wir haben derzeit keine Gelder zur Verfügung“, erklärte ein USAID Sprecher auf die Frage der Washington Post, wie die USA auf die derzeitigen Krisen in Nigeria, Südsudan, Somalia und Jemen reagieren werden.

Donald Trump setzt genau dieses „America First“ um, das er im Wahlkampf propagiert hat. Und das ohne Rücksicht auf Verluste. Denn mit der Kürzung von wichtigen Entwicklungshilfegeldern und der finanziellen Unterstützung für UN Notfallprogramme, geht der neue Mann im Weißen Haus über Leichen. Nun liegt es am Kongress mit seiner republikanischen Mehrheit den Einschnitten bei der „Foreign Aid“ nicht zuzustimmen, denn es geht wirklich um Leben  und Tod. Auch wenn man damit in den Wahlkreisen nicht punkten kann. Viele Amerikaner glauben nämlich, dass 25 Prozent der amerikanischen Steuereinnahmen in die Entwicklungshilfe fließen. Doch es ist gerade einmal ein Prozent der öffentlichen Gelder, die die USA für die „Developing Aid“ bereit stellen. Deutschland liegt sogar noch unter dieser Marke.

 

AMERICA FIRST….who cares about Africa

Südsudan, Nigeria, Jemen und Somalia. Vier Länder, in denen eine gewaltige Hungerkatastrophe droht. Betroffen wären etwa 20 Millionen Menschen. In drei der Länder sind für den Hunger vor allem Krieg und Terror verantwortlich. Am Horn von Afrika, in Somalia, hier vor allem in der unabhängigen Republik Somaliland und der semi-unabhängigen Republik Puntland, regnete es schon seit zwei Jahren nicht mehr. Die Felder verdorren, Ziegen und selbst Kamele verenden elendlich. Sie finden kaum noch Nahrung und kein Wasser mehr.

„America First“. Während die Welt gebannt nach Washington blickt und jedes Tweet von Präsident Donald Trump ausführlich debattiert, sterben in den drei afrikanischen Ländern und Jemen die Menschen. Der neue Generalsekretär der Vereinten Nationen, António Guterres, hat für diese Länder ganz offiziell eine Hungersnot ausgerufen. Es müsse umgehend gehandelt werden, so Guterres. Bis Ende März brauche die UN für Hilfsprogramme 5,6 Milliarden Dollar. Bislang stehen gerade mal zwei Prozent davon zur Verfügung. Der Leiter des „World Food Programs“, Arif Husain, erklärte: „Wenn man eine Hungersnot ausruft, dann sind schon schlimme Dinge passiert. Menschen sind schon gestorben.“

Bilder, die wir sehen sollten: Foto: Reuters.

Ein „Famine“, eine Hungersnot, wird nicht einfach so erklärt. Drei Fakten müssen zusammen kommen: wenn einer von fünf Haushalten in einer spezifischen Region unter extremer Nahrungsknappheit leidet. Wenn mehr als 30 Prozent der Bevölkerung unter akuter Unterernährung leiden. Wenn mindestens zwei Menschen von 10.000 pro Tag an den Folgen von Unterernährung sterben.

Und die USA unter Präsident Trump äußert sich bislang dazu nicht. Amerika ist der größte Geldgeber der Vereinten Nationen, doch Trump machte im Wahlkampf mehrmals deutlich, dass sich das ändern werde, wenn er ersteinmal im Weißen Haus sitzt. Bei der Übergabe im Außenministerium erklärten denn auch die Trump-Leute, dass nun ein neuer Wind auf der internationalen Bühne wehen wird. Fragen zu Afrika kamen, doch es waren Fragen wie, was bestimmte Einsätze, wie die Anti-Terror Aktionen gegen die Al-Shabaab Milizen in Somalia und die Jagd auf Joseph Kony in Uganda und Kongo mit den USA zu tun hätten. Alle amerikanischen Ausgaben, darunter auch die Finanzierung wichtiger Hilfsprojekte in Afrika, werden ab sofort auf den Prüfstand gestellt. „America First“. Was auch von den Leuten im „State Department“ gefragt wurde, gibt den Ton der Trump-Regierung weltweit vor: „Wie konkurrieren U.S. Unternehmen mit anderen Nationen in Afrika? Verlieren wir gegen die Chinesen?“

Es geht um Business, um Gewinne, um Absatzmärkte. Gelder für Hilfs- und Notprogramme bringen keinem Amerikaner etwas. Wichtig sind Jobs im eigenen Land, damit gewinnt man Wahlen. Verhungernde Menschen in Ländern, die sowieso kein Amerikaner besucht, interessieren da wenig. Sogar Gesundheitskrisen, wie der Ebola Ausbruch in Guinea, Sierra Leone und Liberia, werden unter Trump neu bewertet. Nicht die Frage wurde gestellt, was vor Ort zu tun sei, um so eine Katastrophe mit 10.000 Toten in Zukunft zu verhindern, sondern: „Wie können wir verhindern, dass der nächste Ebolaausbruch nicht die U.S. trifft? „America First“…doch das ist nicht mein Amerika!

 

 

 

 

Ich schalt‘ mein Radio an

Heute am 13. Februar ist der Welttag des Radios. Und der sollte beachtet werden, denn Radio ist nicht nur 30 Jahre Lokalfunk in Nürnberg, ist nicht nur die abstrakte Diskussion über Digitalisierung und trimediale Berichterstattung. Radio lebt und ist wichtiger denn je.

Hier gehts zu Radio NIYYA-FM.

Afrika ist der Kontinent des Radios. Das hat viele Gründe, einer der wohl wichtigsten ist, dass die Kosten in der Technologie und Produktion, aber auch die Kosten des Empfangs deutlich unter denen des Fernsehens und der Printmedien liegen. Hinzu kommt, dass die Verbreitung von Radiosendungen um ein vielfaches einfacher ist, als die Fernsehübertragung. Radiogeräte und seit ein paar Jahren “smart phones” mit der Möglichkeit Radioprogramme zu empfangen sind weit verbreitet. Was darüberhinaus in afrikanischen Ländern ausschlaggebend für die Beliebtheit des Radios ist, ein großer Teil der Bevölkerungen in zahlreichen Staaten kann weder lesen noch schreiben. Sie beziehen ihre Informationen und Nachrichten vor allem über den Hörfunk.

Während in Nordamerika und Europa seit Jahren vom Ende des Hörfunks gesprochen wird, boomt der Radiomarkt in Afrika. Seit den 90er Jahren kamen neben den Staatsrundfunkanstalten immer mehr Privatsender und auch Community Stationen hinzu. Darüberhinaus strahlen nach wie vor internationale Anbieter, wie die BBC, die Deutsche Welle oder auch Radio France International ihre Rundfunkprogramme in verschiedenen Sprachen aus. Radio ist zu einem “vertrauten und weit verbreiteten Medium in den Industrienationen geworden und zur gleichen Zeit hat es die entlegensten Regionen in den ärmsten Ländern der Welt erreicht.” (DFID – Department for International Development, UK)

Der Niger ist eines der ärmsten Länder der Welt, auf dem “Human Development Index” der Vereinten Nationen nimmt das Land regelmäßig den letzten Platz ein, die Fertilitätsrate von 6,89 (2014) ist die höchste weltweit, 74 % der Männer und 90 % der Frauen sind Analphabeten, die Kinderarbeit ist weit verbreitet. Die Probleme im Land bedingt durch den Klimawandel, Bevölkerungswachstum, Desertifikation und die Terrorgefahr von außen wachsen stetig an.

Eierkartons an der Wand helfen gegen den Hall im Sendestudio.

Auf meiner jüngsten Reise in den Niger konnte ich auch wieder einen Sender im südlichen Teil des Landes besuchen. Community Stationen, offene Kanäle, Bürgerfunk und College Sender liegen mir seit jeher sehr am Herzen. Meine eigene Radiosendung “Radio Goethe” wird seit über 20 Jahren auf Dutzenden solcher Sender in sechs Ländern ausgestrahlt. Mein beruflicher Werdegang als Hörfunkjournalist begann beim nichtkommerziellen Sender “Radio Z” in Nürnberg.

NIYYA FM in Tchadoua ist eine Community Station, wie es sie viele im Niger gibt. Doch hier werden neben Musik, Nachrichten und Unterhaltungssendungen auch Gesundheitsprogramme ausgestrahlt. Das sind mal “Public Service Announcements” (PSA), kurze 1-2 minütige Spots zu verschiedensten Gesundheitsthemen, das sind Talk-Sendungen mit Fachleuten und Höreranrufen, das sind Beiträge und „Soap Operas“, in denen wichtige Themen aufgegriffen werden. Und die reichen von der Familienplanung über hygienische Standards im Haushalt bis hin zu Ernährungstipps und Behandlungsmethoden bei Erkrankungen. Der interessante Aspekt war und ist dabei, dass nicht eine NGO auf die Idee für diese Programminhalte gekommen ist, sondern vielmehr die Frauen im Sendegebiet an die Station herangetreten sind und darum gebeten haben.

Den Frauen ging es darum, wichtige Informationen für ihr alltägliches Leben zu erhalten, um diese umsetzen zu können. Unterstützt werden die Sender und die Programme von mehreren internationalen NGOs, wie CARE, in Zusammenarbeit mit lokalen Hilfsorganisationen. Im Niger gibt es zahlreiche Community Stationen, die ähnliche Programme wie NIYYA ausstrahlen und die belegen, wie wichtig nach wie vor Radio ist. An diese Sender sollte man heute am Welttag des Radios denken. An jene Stationen, die mit wenig Mitteln sehr viel erreichen. Radio ist ein einfacher und direkter Weg Nachrichten und Informationen zu verbreiten.

Grenzenlose Musik ohne Einreiseverbot

Es gibt eigentlich in jedem Land, in das ich reise, zwei Dinge, die ich unbedingt machen möchte. Zum einen ist es Radiosender, vor allem Community Stationen, besuchen. Zum anderen in Läden nach lokaler Musik auf Vinyl oder CD suchen oder Musiker zu treffen, deren Musik ich aufzeichnen kann und darf. In Somaliland habe ich so Abdi Nasir Macalin aufnehmen können, im Niger lernte ich die Band Studio Shap Shap kennen und lieben.

Musik verbindet, das habe ich erst wieder in Niamey gelernt. An einem Nachmittag im Garten von Laetita probte „Studio Shap Shap“. Sechs Musiker, die alle lächelten und mich Willkommen hießen. Die Musik sprach dann für sich, ein wunderbares Erlebnis, in dem es nicht um Worte und großes Verstehen ging, vielmehr um ein sprachübergreifendes, inniges Zusammensein. Musik verband uns und verbindet uns noch immer.

Foto: AFP.

Seit nunmehr über 20 Jahren produziere und moderiere ich Radio Goethe, eine Sendung, mit der ich versuche im Ausland Interesse an der deutschen Musikszene zu schaffen. Und es geht da nicht nur um Musik, es geht um Sprache, um Kultur, um den Blick in ein anderes Land, um Verständnis und Interesse zu schaffen. Kurz nachdem ich 1996 in die USA kam, begann ich mit der Sendung auf einem Collegesender in San Francisco. Ich wurde eingeladen meine Kultur, meine Wurzeln, meine Musik einer offenen und interessierten Hörerschaft zu präsentieren.

Eigentlich wollte ich nur drei Jahre in den USA bleiben, schließlich beantragte ich die Green Card und wurde auch amerikanischer Staatsbürger. Ich kam mit einem Journalistenvisum und wurde ein Immigrant in diesem Land.

Als Präsident Donald Trump ein Einreiseverbot für sieben zumeist muslimische Länder aussprach, dachte ich, ich müsste etwas sagen, etwas tun. Aber ich wußte nicht was, bis ich daran dachte, eine Radio Goethe Sendung mit Musik aus Somalia, Iran, Libyen, Sudan, Jemen, Irak und Syrien zu produzieren. Im Laufe der Jahre mit Radio Goethe und auf all meinen Reisen, die mich auch immer wieder in Krisen- und Konfliktgegenden, wie Somalia, führten, lernte ich, dass Musik eine universelle Sprache ist, die jeder versteht. Ich habe viele Menschen in den Ländern getroffen, die offen, herzlich und hilfsbereit waren. Ich glaube, dass uns alle mehr verbindet, als uns trennt. Die Musik war dabei immer eine Sprache, die wir alle verstanden haben.

Ich weiß, wenn ich eine Stundensendung mit Musik aus Somalia, Iran, Libyen, Sudan, Jemen, Irak und Syrien produziere, die auf einigen Dutzend College- und Communitystationen ausgestrahlt wird, wird das nichts im Großen ändern. Vielleicht ist es aber ein kleiner Blick, ein Ohr voll, auf die reiche Kultur jener Länder, die den meisten nur durch die hässlichen Schlagzeilen von Krieg, Terror und Krisen bekannt ist.

Von daher, die aktuelle Radio Goethe Sendung gibt es hier zu hören:

      Radio Goethe

 

 

Der Tag gegen die Genitalverstümmelung

Mit Dornen werden die Wunden verschlossen. Foto: Peltner.

Heute, am 6. Februar ist der Internationale Tag gegen die weibliche Genitalverstümmelung. Rund 230 Millionen Frauen sind weltweit von dieser brutalen Praxis betroffen. Noch immer werden in vielen afrikanischen Ländern junge Mädchen „beschnitten“.

Im vergangenen Sommer reiste ich nach Somaliland, um mit betroffenen Frauen zu sprechen, aber auch Frauen zu treffen, die sich organisieren, die etwas gegen diese alte traditionelle und brutale Praxis unternehmen. Es ist ein Kampf gegen Windmühlen, denn die „Beschneidung“ ist tief verwurzelt in der somalischen Kultur. Hinzu kommt, dass viele Menschen – auch im Westen – noch immer meinen, dass die Genitalverstümmelung im Koran vorgeschrieben ist. Doch das stimmt nicht. Die Frauen, die ich in Somaliland traf, versuchen gemeinsam mit religiösen und traditionellen Führern gegen den Irrglauben und die Tradition anzukämpfen. In den Städten, in den Dörfern und in den nomadischen Gemeinden auf dem Land.

Heute wird auf dem Schweizer Rundfunk das Feature „Eine mörderische Praxis“ als Teil einer Sendung gegen die Genitalverstümmelung an diesem Internationalen Tag gegen FGM ausgestrahlt. Das Feature kann man hier hören:

      Eine mörderische Praxis

 

Leben mit dem Terror

Berlin, Breitscheidplatz. Der Terror trifft die deutsche Hauptstadt. Kein militärisches, kein politisches Ziel, vielmehr das alltägliche Leben. Viele fragen, wo kann man noch sicher sein, wenn nicht unbekümmert und feiernd, einen Glühwein trinkend auf einem Weihnachtsmarkt?

Wir alle leben schon sehr lange mit der Angst vor der Gewalt. Nicht erst seit dem 19. Dezember 2016, nicht erst seit dem 11. September 2001. Auch wenn es so scheint, der Terror ist nicht neu in unserem Leben. Die „University of Maryland“ sammelt seit Jahren in ihrer „Global Terrorism Database (GTD)“ die Daten und Fakten von Terroranschlägen rund um den Globus. Mehr als 150.000 Vorfälle zwischen Januar 1970 und Dezember 2015 wurden darin aufgelistet. In Europa waren es in diesem Zeitraum 18.803 Terroranschläge bei denen 10.537 Menschen ums Leben kamen. Die Zahl der Anschläge nahm nicht zu, allerdings stieg 2014 und 2015 die Zahl der Todesopfer auf einen Höchststand seit 2004.

Wir leben schon lange mit dem Terror: Foto: Reuters.

Zwischen den 70er und 90er Jahren war der Terror für Europa eher ein nationales Problem. Die IRA bombte in England und Irland, die ETA in Spanien, die RAF in Deutschland, die Roten Brigaden in Italien, die Action Directe in Frankreich. Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs verrutschte auch der Schwerpunkt der Angriffe auf der Landkarte des Terrors Richtung Osten. Plötzlich gab es Anschläge in Russland, der Ukraine, im Kaukasus. Der Terror hat dann mit den Anschlägen vom 11. September 2001 auch noch einen anderen, einen neuen und nicht weniger brutalen Anstrich bekommen. Statt Bomben und Blut für vermeintliche politische Ziele, wurden nun auch noch die Menschen im Namen Allahs terrorisiert.

Es sind bedrückende Zahlen, die man in diesen trockenen Statistiken lesen kann. Auch jene, die beschreibt, dass im Zeitraum zwischen Januar 2015 und Juni 2016 in Europa und Amerika 658 Menschen bei 46 Terroranschlägen ihr Leben verloren. Im Nahen Osten, Afrika und Asien gab es im gleichen Zeitraum 50mal mehr Todesopfer. 20.031 Menschen starben bei 2.063 Angriffen. Das Blutbad reicht um den Globus.

Wir leben mit der Terrorgefahr und das schon lange. Der gewaltsame Versuch einiger weniger, das Leben der Mehrheit zu verändern ist Teil des Alltags geworden. In den USA, im Irak, in Somalia und auch in Deutschland. Die Art und Weise, die Intensität der Anschläge und die Zahl der Todesopfer hat zugenommen. Mit dem Anschlag von Berlin werden wir wachgerüttelt, dass es hier „auch“ passieren kann. Obwohl wir das schon lange wissen und damit leben, damit zu leben gelernt haben.

Musik zum Entdecken

In Oakland regnet es, sogar mein Hund will nicht vor die Tür. Ich schreibe an einem Artikel über die Todesstrafe und so ganz nebenbei höre ich Musik der etwas anderen Art. Touch ist eine audio-visuelle Gemeinschaftsprojekt mit Sitz in London und Los Angeles. Das was auf dem touch Label erscheint sind klangvolle Soundlandschaften, denen man sich öffnen muß….wenn man denn will. Denn was hier zu hören ist, sind keine eingängigen Melodien, keine tiefgehende Texte, kein tanzbaren Songs.

Kennt jemand Bethan Kellough, Heitor Alvelos, Thomas Ankersmit, Yann Novak oder Carl Michael von Hausswolff? Alles Musiker und Klangkünstler, die auf touch ihre Arbeiten veröffentlichen. Nicht in großen Stückzahlen, wir reden hier von wenigen Hundert CDs oder LPs oder EPs oder WAV Files, die interessierte Hörerinnen und Hörer erwerben.

Gerade läuft das Album „Aven“ von Bethan Kellough. Es ist schwer zu beschreiben, was da gerade passiert. Es sind tragende Töne, mal laut, mal leise, die einen umspielen, live aufgenommen in Los Angeles. Ich bedauere, nicht bei diesem Konzert dabei gewesen zu sein. Es ist Hinhörmusik, nichts für nebenbei.

Da ist Heitor Alvelos, ein Klangkünstler, der jahrzehntelang Field Recordings sammelte und diese in seine Aufnahmen einfließen läßt. Manches klingt so wie der Wind in einer verlassenen Industrieanlage. Und nun fragt sich vielleicht der eine oder die andere, warum man sich sowas anhört? Warum nicht, ist meine Antwort. Musik ist mehr als nur das, was man im Dudelfunk, den Charts und Tanzschuppen zu hören bekommt. Das, was touch hier offenbart, ist die Verschiebung der „normalen“ Musikgrenzen. Hinhören, Zuhören, sich leiten lassen in ganz andere Klangdimensionen, wie wir sie kennen. Man muss sich darauf einlassen, bereit sein, sich fordern zu lassen.

Ein spitzer, schriller Ton drillt sich in meinen Kopf. Sechs Minuten lang, die lang und länger werden. Thomas Ankersmits „Stimulus 2489Hz-3295Hz“, ein irres Teil. Musik? Ich weiß es nicht, als es zu Ende ist hallt es in meinen Ohren weiter.

hararCarl Michael von Hausswolff vertont eine Reise nach Äthiopien. Field Recordings in einem Klangbad, das eigentlich aus einem einzigen Ton besteht. Es ist wie das Wohlfühlen in einem heißen Bad. Man rutscht tiefer in die Wanne, das warme Wasser umspielt den ganzen Körper. Hier ist es diese Musik, die einen ganz erfasst. Beeindruckend, was da passiert.

Ich bin mir sicher, nicht viele Menschen sehen und hören all das wie ich. Nicht, dass ich da das geschulte Ohr oder die musikalische Bildung genossen oder den intellektuellen Ansatz zur Klangkunst gefunden habe. Ganz im Gegenteil, ich tue mir sehr schwer, das in Worte zu fassen, was ich da höre. Diese Musik spricht mich vielmehr emotional an, auch wenn da nur ein Ton ist, der sich leicht verändert. Was ich jedoch in all den Jahren Plattensammeln und Radio Goethe produzieren und um die Welt reisen gelernt habe, ist, das Musik ein offenes Ohr verlangt. Wassertrommeln in Kamerun, ein Percussionist im Niger, der aus Kallebassen unglaubliche Töne herausholt, ein somalischer Musiker, der in Hargeisa nur mit seiner Stimme und einem traditionellen Saiteninstrument mich inne halten ließ. Und eben hier, die Tiefen, die Weiten, die Schwere, die seltsame Welt der Klangkunst. Musik verlangt das Hinhören ohne Grenzen im Kopf. Nicht mehr und nicht weniger. Ein etwas anderer Soundtrack für einen verregneten Samstagnachmittag.

Mit CARE nach Afrika

Besuch bei einer Kleinspargruppe im Niger. Foto: J. Mitscherlich.

Besuch bei einer Kleinspargruppe im Niger. Foto: J. Mitscherlich.

In der Vorweihnachtszeit wird viel gespendet. Es ist nicht einfach, die richtige Organisation zu finden, der man vertraut, bei der man weiß, die Spende – ob groß, ob klein – kommt auch an. Schon mehrmals war ich mit der Organisation CARE Deutschland in Afrika unterwegs. Es ging in den Kongo, in den Tschad, nach Somaliland und Puntland und schließlich vor kurzem in den Niger. Vor Ort konnte ich mich über die Arbeit von CARE informieren, selbst sehen, wie das gespendete Geld eingesetzt wird, wie die finanziellen Mittel in den verschiedensten Projekten ankommen, genutzt werden.

Das reicht von der Flüchtlings- und Nothilfe im Osten des Kongos und im Süden des Tschad, über Bildungs- und Fördermaßnahmen in Somaliland und Puntland, der Unterstützung von lokalen Organisationen im Kampf gegen die Genitalverstümmelung am Horn von Afrika bis hin zu landwirtschaftlichen Projekten im vom Klimawandel betroffenen Niger und Gesundheitssendungen im dortigen Radio. Und das war und ist nicht alles, CARE ist breit aufgestellt in derzeit 90 Ländern.

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Auf den Reisen mit CARE lernte ich viel. Zu den Themen, über die Menschen, die Länder, die Kulturen. Aber auch über mich selbst. Vieles war nahegehend, was ich gesehen, was ich gehört habe. Oftmals war es eine Erdung für das eigene Leben. Was mich immer wieder beeindruckt hat, sind die vielen Projekte von CARE, wie sie angenommen und umgesetzt werden. Hilfe zur Selbsthilfe ist nicht einfach so dahingesagt, die Hilfsorganisation hat selbst viel in den 70 Jahren ihrer Existenz dazu gelernt. Wurden am Anfang, 1946, Lebensmittelpakete aus Amerika in das zerstörte Europa geschickt, um so das Leid und die Not etwas zu lindern, merkte man schnell, dass da mehr gebraucht wird. Schon kurz nach den ersten Lebensmittelpaketen, verschickte man auch Saatgut-, Werkzeug-, Arzneimittel-Pakete – Hilfe zur Selbsthilfe.

Und heute ist dieser Ansatz in allen Bereichen der CARE Arbeit zu finden. Neben der Nothilfe geht es auch immer darum, den Menschen eine Perspektive zu bieten, die sie mit etwas Unterstützung selbst erreichen können. In den kommenden Tagen berichte ich in einer dreiteiligen Serie in der Printausgabe der Nürnberger Zeitung über CARE, der Fokus liegt dabei auf meiner jüngsten Reise in den Süden des Niger.

Unterstützen kann man die Hilfsorganisation direkt mit einer Spende:
CARE Deutschland-Luxemburg e.V.
Sparkasse KölnBonn
IBAN: DE93 3705 0198 0000 0440 40
BIC: COLSDE33
Stichwort: Afrika Nothilfe
www.care.de/spenden

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