Der Ton macht die Musik

Seit dem Wahlkampf von Donald Trump hat sich der Ton in den USA verändert. Seit die AfD für deutsche Parlamente kandidiert, hat sich der Ton in Deutschland dramatisch verschärft. Seit Populisten in vielen EU Ländern auf dem Vormarsch sind, hat sich der europäische Ton verschlechtert. Wobei man das Wort „Populismus“ mehr als hinterfragen sollte, denn „auf der Seite des „einfachen Volkes““ stehen Populisten nicht, auch wenn sie das stets erklären. Ganz im Gegenteil, mit Hass und Wut, Übertreibungen und Lügen agitieren sie und spielen damit gefählich mit dem Feuer.

Donald Trump spielt mit dem Feuer. Foto: Reuters.

Donald Trump beschreibt Menschen aus Mexiko, aus Honduras, Guatemala, El Salvador als Vergewaltiger, Kriminelle, als Tiere. Von Flüchtlingen hält er nichts, will sie nun ohne Gerichtsverfahren in die Länder zurück schicken, aus denen sie gekommen sind. Das Asylrecht will er untergraben. Er verkennt die Immigrationsgeschichte seines eigenen Landes, denn aus Deutschland, Irland, Italien, China, Mexiko, Russland, Polen, Somalia, Indien, aus aller Herren Länder kamen über die Jahrhunderte nicht die besten der Besten, wie Trump es nun fordert. Aus all diesen Ländern kamen Flüchtlinge, Notleidende, Menschen auf der Suche nach Wohlstand, nach Sicherheit, nach einem besseren Leben. Familien, Abenteurer, daheim Gescheiterte, und all sie machten und machen Amerika heute aus. Wer diesen wichtigen Grundsatz Amerikas unterschlägt, verkennt, dass Immigranten Amerika groß gemacht haben. MAGA made by Immigrants!

Es ist nicht viel anders in Deutschland. Auch hier hat sich der Ton verändert. Was ich online in den sozialen Medien lese, was ich von der politischen Berichterstattung in den Fernseh- und Nachrichtensendungen höre und sehe, was ich in den Zeitungen und Magazinen mitbekomme und was ich auf den Straßen erfasse, auch hier werden von Brandstiftern Flüchtlinge und Asylsuchende mit Terroristen, Kriminellen, Verbrechern gleichgesetzt. Es gibt nach jeder schlimmen Straftat eine unsägliche Verallgemeinerung, die diesseits und jenseits des Atlantiks zur Tagesordnung geworden ist. Es ist eine gefährliche Entwicklung, die Menschen zu Schuldigen macht, die eigentlich nur Hilfe suchen, die „das einfache Volk“ gegen Andersaussehende, Anderssprechende, Andersdenkende ausspielen soll. Die Probleme einer Gesellschaft löst man aber nicht durch Spaltung und Ausgrenzung.

Was und wer ist amerikanisch? Was und wer ist deutsch? Vielleicht denke ich auch nur so, weil ich der Sohn eines Vertriebenen bin, der seinerzeit von Deutschen als Flüchtling bezeichnet und abgestempelt wurde. Vielleicht denke ich so, weil ich mich noch an den Mauerfall erinnern kann und daran, wie DDR Bürger Willkommen geheißen wurden, die Wiedervereinigung trotz der immensen Kosten für die Bundesbürger als Chance für Deutschland gesehen wurde. Vielleicht denke ich auch nur so, weil ich heute selbst Immigrant bin und daraus kein Geheimnis mache.

Augen zu und durch

Die USA gehen auf massiven Konfrontationskurs mit den Vereinten Nationen. Zwei Tage nach dem Ausstieg der USA aus der Menschenrechtskommission der UN wettert Botschafterin Nikki Haley gegen einen Bericht des Armutsbeauftragten der UN.

In einem im Mai veröffentlichten Dokument hatte Philip Alston kritisiert, die Vereinigten Staaten hätten die höchste Kinderarmut, die höchste Säuglingssterblichkeitsrate, die höchste Anzahl an Häftlingen, die höchste Einkommensungleichheit und den höchsten Anteil an fettleibigen Menschen in der entwickelten Welt. Dazu kämen noch 40 Millionen Menschen in den USA, die in Armut lebten. Alston beschuldigte Präsident Donald Trump und den republikanischen Kongress mit ihrer vielgepriesenen Steuerreform die Armut und die Einkommensungleichheit im Land weiter zu vertiefen.

Die amerikanische UN-Botschafterin Nikki Haley ist kein Fan der UN. Foto: Reuters.

Die UN-Botschafterin der USA, Nikki Haley, reagierte nun mit deutlichen Worten. In einem Antwortschreiben an Senator Bernie Sanders meinte sie, der Bericht sei „irreführend und politisch motiviert“ und beschreibe keinstenfalls „das reichste und freieste Land der Welt“. „Es ist offenkundig lächerlich für die Vereinten Nationen die Armut in Amerika zu untersuchen. In unserem Land beschäftigen sich der Präsident, Mitglieder des Kongresses, Gouverneure, Bürgermeister und Stadträte tagtäglich mit Armutsfragen. Vergleichen sie das mit vielen Ländern auf der Welt, deren Regierungen wissentlich die Menschenrechte verletzen und so Not und Elend fördern“. Haley erklärte weiter, die UN solle sich lieber um die Lebenssituationen in Ländern wie Burundi oder dem Kongo kümmern.

Der unabhängige Senator und demokratische Präsidentschaftskandidat Bernie Sanders hatte ursprünglich bei Nikki Haley angefragt, was sie von den aufgeführten Statistiken in dem Armutsbericht halte, die besagen, dass 30 Millionen Amerikaner keine Krankenversicherung haben, mehr als die Hälfte der älteren Arbeiter in den USA keine Ersparnisse hat und etwa 140 Millionen Amerikaner Schwierigkeiten haben, ihre monatliche Grundversorgung zu finanzieren. „Sie haben sicherlich recht“, so Sanders in seiner Antwort auf Haleys Schreiben, „dass in vielen Ländern, wie der Demokratischen Republik Kongo und Burundi, die Armut viel schlimmer ist als in den Vereinigten Staaten. Aber dennoch glaube ich, dass es durchaus für den Armutsbeauftragen der UN angemessen ist, einen Blick auf die Armut in den Vereinigten Staaten zu werfen“. Es ist nicht bekannt, ob Nikki Haley bislang auf das Antwortschreiben von Bernie Sanders reagiert hat.

Die Faszination des Klanges

Zwei Bücher liegen hier vor mir, die sicherlich keine Bestseller sind. Sie kommen mit Begleit-Cds, auf denen es rauscht und knistert, manches ist nur schwer verständlich und doch es sind historische Tondokumente. Beide Bücher drehen sich um Wachszylinder Aufnahmen. „Waxing the Gospel – Mass Evangelism & The Phonograph“ und „Die Wachszylinder im Berliner Phonogramm-Archiv“ sind außergewöhnliche Bücher, die über die frühen Jahre der Tonaufzeichnung berichten.

Es waren Stimmen, die festgehalten wurden. Doch vor allem Musik der verschiedensten Kulturen, hier der amerikanische Gospel, dort die ethnologischen Aufnahmen von weitreisenden Forschern, die in Afrika, Asien, Mittel- und Südamerika ihre Geräte aufstellten. Es war eine Entdeckerzeit, eine neue Technologie wurde eingeführt und getestet. Beeindruckend vor allem die Feldaufnahmen mit „mobilen“ Aufnahmegeräten. Und man kann sich vorstellen, welchen Aufwand die Ethnologen betrieben, um vor Ort im tiefsten Afrika Musik von unbekannten Stämmen auf Wachszylinder aufzuzeichnen.

Erstaunlich ist, dass all diese Tondokumente über die lange Zeit erhalten blieben und heute per mp3 File und auf CD für jeden zugänglich sind, der denn wirklich Hinhören will. Beide Bücher erzählen die Geschichten hinter den Aufnahmen und den Aufnehmenden, den Plattenfirmen, die hier frühzeitig einen Markt entdeckten. Sowohl „Waxing the Gospel“ wie auch „Die Wachszylinder im Berliner Phonogramm Archiv“ sind reich bebildert, bieten einen unglaublichen Einblick in diese kulturellen Schätze, die sicherlich lange Zeit vor sich hin gammelten und verstaubten. Diese Bücher sind eine Wertschätzung sondergleichen. Mit diesen Veröffentlichungen hauchen Archeophone Records und das Ethnologische Museum in Berlin den uralten Aufnahmen neues Leben ein. Es sind keine wissenschaftlich gehaltenen Texte, vielmehr ein interessanter Streifzug durch die Anfangszeiten der „Recording Industry“. Zwei sehr empfehlenswerte und klangreiche Bücher.

Winnie Mandela in San Quentin

In San Quentin werden heute einige Strafvollzugsbeamte und Gefangene an den Oktober 1999 denken, denn damals besuchte die einstige First Lady von Südafrika, Winnie Mandela, das älteste kalifornischen Staatsgefängnis. Mandela war eine von vielen Prominenten, die sich für die Lebensgeschichte des Crips-Ganggründers interessierten und bis zuletzt seine Begnadigung verlangten.

Winnie Mandela und Stanley „Tookie“ Williams im Besucherraum von San Quentin.

Winnie Mandela war auf den früheren Gangsterboss aufmerksam geworden, als dessen im Todestrakt von San Quentin geschriebene Kinderbücher in Südafrika veröffentlicht und dort von vielen Schülern in den Schwarzensiedlungen gelesen wurden. „Tookie“ hatte gemeinsam mit seiner Vertrauten Barbara Becnel mehrere Bücher geschrieben, die Kinder und Jugendliche vor dem Gangsterleben warnten. Während einer mehrtägigen Reise im Herbst 1999 traf Winnie Mandela Stanley „Tookie“ Williams für ein paar Stunden im Besucherraum des „East Block“. Damals war es noch möglich in dem Raum umher zu laufen, der an eine Greyhound Bus Station erinnerte. Heute wird man dort als Besucher in einem kleinen Stahlkäfig mit dem Gefangenen eingesperrt. Das Foto von Mandela und Williams wurde vor einem etwas kitschigen Wandbild aufgenommen, das einer der Häftlinge dort als „Art Project“ hinmalen durfte.

Winnie Mandela nannte den Besuch einen der Höhepunkte ihrer Kalifornienreise. Die beiden blieben über die nächsten Jahre in Kontakt. Noch wenige Tage vor der angesetzten Hinrichtung am 13. Dezember 2005 wandte sich Mandela an den damaligen kalifornischen Gouverneur, Arnold Schwarzenegger, und bat um eine Begnadigung von „Tookie“. In der Nacht der Exekution wurde eine Botschaft von Winnie Mandela vor dem Tor von San Quentin verlesen. Der letzte Wunsch von Stanley „Tookie“ Williams war, dass seine Asche nach seinem Tod von seiner langjährigen Vertrauten, Barbara Becnel, nach Soweto, Südafrika, gebracht werden soll. Nach der Hinrichtung von Williams und einer größeren Trauerfeier in Los Angeles wurde die Asche von „Tookie“ in einem Park von Soweto in Anwesenheit von Winnie Mandela verstreut.

Die Trumpsche Asylpolitik

Das abschreckende Asylrecht in den USA. Foto: AFP.

In diesen Tagen schauen bestimmte politische Kreise in Deutschland sicherlich auf das, was in den USA passiert. Es geht nämlich um ihr Thema: Flüchtlinge und Asyl. Unter der Adminstration von Donald Trump ist Asyl kein Recht mehr, sondern ist zu einer Gnade geworden. Und Asylsuchenden wird das Leben so schwer wie nur möglich gemacht, selbst wenn es sich um ein siebenjähriges Mädchen handelt.

Was war geschehen? Eine 39jährige Frau aus dem Kongo meldete sich beim Grenzübertritt von Tijuana nach San Diego bei den amerikanischen Grenzbeamten und erklärte, sie beantrage Asyl. Sie sei vor der ausufernden Gewalt in ihrem Heimatland geflohen und suche Schutz für sich und ihre siebenjährige Tochter. Eine Rückkehr sei für lebesngefährlich. Was nun folgte, war nicht einfach ein normales Asylverfahren, nein, das Kind wurde von seiner Mutter getrennt und Tausende von Meilen entfernt festgesetzt. Die Frau sitzt seit Oktober in einem Untersuchungsgefängnis des Heimatschutzes in San Diego. Die Tochter wurde nach Chicago geflogen und dort untergebracht. Seitdem hatten die beiden nur sechsmal die Möglichkeit miteinander zu telefonieren.

Die 39jährige und ihre Tochter sind keine Terroristen, bergen keinerlei Gefahr für das Land und seine Bevölkerung. Und, man hätte beide problemlos gemeinsam in einem „Detention Center“ unterbringen können, doch es wurde anders entschieden, und zwar so, wie es in einer neuen Anordung der Trumpschen Administration heisst. Um Familien davon abzuschrecken illegal in die USA zu kommen, oder auch ganz rechtens an der Grenze um Asyl zu bitten, sollen Eltern von ihren Kindern getrennt werden. Das nicht nur kurzfristig, sondern, wie es der Fall der Kongolesin zeigt, über mehrere Monate hinweg.

Die Bürgerrechtsbewegung „American Civil Liberties Union“ (ACLU) hat nun in diesem Fall Klage erhoben, denn es ist kein Einzelfall. In den letzten Monaten, so der „Lutheran Immigration and Refugee Service“ wurden 53 Kinder nach Asylanträgen von ihren Eltern getrennt. Nicht weil die Väter und Mütter schlechte Eltern sind, sondern einzig und allein aus dem Grund der Abschreckung. Das ist die Immigrations- und Asylpolitik des neuen Präsidenten. Seine Vorgänger hatten sich noch geweigert solche drakonischen Vorschläge einzuführen, unter Trump allerdings liegen alle Optionen auf dem Tisch…und werden umgesetzt.

Mehr Geld für Waffen, weniger Geld für die Not

Der Haushaltsplan von Donald Trump. Foto: Reuters.

Das Weiße Haus unter Donald Trump hat nun den Haushaltsplan 2019 vorgelegt. Was darin steht, kommt nicht überraschend, denn schon im letzten Jahr kamen diese Vorschläge, die dann überparteilich im Kongress abgeschmettert wurden. Und doch, es sagt sehr viel über diese Administration aus. Mehr Geld fürs Militär, Milliardenbeträge für einen Mauerbau, dafür Kürzungen in Sozialprogrammen, in der Armenspeisung, in der Entwicklungshilfe.

In Zahlen ausgedrückt heißt das, 195 Milliarden Dollar mehr für das Pentagon und 30 Prozent Kürzungen bei SNAP, dem „Supplemental Nutrition Assistance Program“, der staatlich finanzierten Essensbeihilfe. Auch sollen jene, die diese Unterstützung bekommen, in Zukunft zur gemeinnützigen Arbeit angehalten werden und ein Teil der Coupons soll in Form einer Kiste mit „100 Prozent in Amerika produzierter Nahrungsmittel“ kommen. „America First“ soll man auch in den Sozialwohnungen schmecken können.

Trump plant auch den Kahlschlag bei den Krankenversicherungen Medicaid und Medicare, von denen vor allem ärmere Amerikaner abhängig sind. Auch wenn er im Wahlkampf immer wieder hervorgehoben hat, dass er diese nicht antasten werde. Doch nicht nur im eigenen Land will der Maga-Mann den Rotstift bei Notleidenden ansetzen, auch die Gelder für die Entwicklungshilfe sollen drastisch zusammen gestrichen werden. Und nicht nur das, in Zukunft sollen Auszahlungen vom Abstimmungsverhalten in der UN Generalversammlung abhängig sein. Das bedeutet, wer gegen die Anträge der USA stimmt, der bekommt auch weniger oder kein Geld mehr. Schon seit Ronald Reagan gab es diese Art von Politik, doch noch niemand drohte so öffentlich damit wie dieser  Präsident. Trump verträgt keine Kritik an seinen teils nicht durchdachten Vorschlägen.

Noch ist unklar, was von den Trumpschen Forderungen im Kongress angenommen und umgesetzt wird. Eins steht fest, Amerika unter Donald Trump verschuldet sich weiter. Waren die Republikaner unter Barack Obama noch darauf erpicht keiner neuen Staatsverschuldung zuzustimmen, sind sie jetzt mehr als gewillt, weiter rote Zahlen zu schreiben. Allen voran Donald Trump, der im Wahlkampf die hohe Staatsverschuldung immer und immer wieder anprangerte. Aber das war ja, bevor er im Oval Office sass.

Das andere Amerika des Donald Trump

Dass die USA nicht gerade ein Hort von Friede, Freude, Eierkuchen sind, das war mir schon immer klar, Aber als ich hier vor einigen Jahren meine Papiere einreichte, um amerikanischer Staatsbürger zu werden, hatte ich eigentlich ein anderes Land im Kopf, in dem ich in Zukunft leben würde. Denn meine Vorstellungen von Amerika sind so ganz anders als die des derzeitigen Präsidenten der USA.

Selbst „Lady Liberty“ ist eine Immigrantin. Foto: AFP.

Der fordert eine massive Militärparade in Washington, vorbei am Weißen Haus und dem Kongress, um so eine Machtdemonstration sondergleichen zu zeigen. Wie es heißt, zögert man sogar im Pentagon vor solch einer teuren Waffenschau mit Panzern, Raketen, marschierenden Soldaten und Kampfjets auf der Pennsylvania Avenue. Derzeit, so schreibt die Washington Post, versuchen einige im Verteidigungsministerium eine Parade im November zu organisieren, am „Veterans Day“, um 100 Jahre Kriegsende des Ersten Weltkrieges zu feiern. Hintergedanke dabei ist, dass man solch eine Parade nicht unbedingt mit den Absichten des Präsidenten verbinden möchte.

Aber das ist nur ein Punkt in der langen Liste der Trumpschen Weltsicht, die mir derzeit aufstösst. Er bezeichnete oppositionelle Demokraten im Kongress, die bei seiner „State of the Union“ Rede nicht applaudierten und ihm keine stehende Ovationen gaben als „unamerikanisch“ und „verräterisch“. Trump will dauerhaft gebauchpinselt werden, wenn das nicht geschieht, schwingt er die unsägliche Patriotenkeule. Die anschließende Erklärung der Pressesprecherin des Weißen Hauses, Trump habe nur gescherzt, klang wie ein billiger Versuch der Schadensbegrenzung.

Eigentlich frage ich mich jeden Tag, wohin die Reise hier geht. Amerika durchlebt einen Kulturkrieg sondergleichen. Und Donald Trump ist der General auf dem Weg zu diesem unamerikanischen Amerika. Er will ein abgeschottetes Land, sprich, er will ein weißes Amerika. Nicht anders kann man die Politik erklären, die zwischen Mauerbau und einer geweißten Immigrationsreform liegt. Trump will keine Menschen mehr aus „Shithole Countries“ in Afrika in die USA lassen, ihm schweben vielmehr Immigranten aus Norwegen vor. Deutlich rassistischer geht es nicht. Unter Trump wurden sogar die Einreisemöglichkeiten für Asylsuchende weiter beschränkt und beschnitten. Die demokratische Abgeordnete Zoe Lofgren spricht gar von einer „Zerschlagung des Asylsystems“.

Donald Trump lässt sich gerne vor nationalen Symbolen ablichten oder nutzt diese für seinen nationalistischen Feldzug durch die USA. Es klingt wie Hohn, wenn man die Worte und die Absichten des 45. Präsidenten dem gegenüber stellt, was auf dem Sockel der Freiheitsstatue steht, jenem Symbol Amerikas, das Trump auch schon für sich beschlagnahmt hat:

Gebt mir eure Müden, eure Armen,
Eure geknechteten Massen, die frei zu atmen begehren,
Die bemitleidenswerten Abgelehnten eurer gedrängten Küsten;
Schickt sie mir, die Heimatlosen, vom Sturme Getriebenen,
Hoch halt’ ich mein Licht am gold’nen Tore!
Sende sie, die Heimatlosen, vom Sturm Gestoßenen zu mir.
Hoch halte ich meine Fackel am goldenen Tor.

Meine Reisen in die „Shitholes“ dieser Welt

Donald Trump erklärte Länder wie Haiti, El Salvador und afrikanische Länder zu „Shitholes“. Damit trat er einen „Shitstorm“ los, um beim Thema zu bleiben. Die Aufregung am Donnerstag war groß. Trump reagierte am Freitagmorgen und tweetete wie immer eine Antwort. Klar, alles sei gelogen.

Er habe niemals schlecht über Haiti gesprochen, denn er habe ja eine „wunderbare Beziehung“ zu den Menschen dort. Kein Wort von El Salvador oder den afrikanischen „Dreckslöchern“, die von Trump ebenso benannt wurden. Anscheinend steht der Präsident zu seiner Meinung, obwohl er bislang weder die Länder noch die Menschen dort kennengelernt hat. Aber die Aussage ist nur eine von vielen rassistischen Äußerungen Donald Trumps. Überraschend kam sie nicht (mehr).

Das Haus wurde mir von der Dorfgemeinschaft in einer kleinen Gemeinde im südlichen Niger angeboten. Wir hatten trotz der ernüchternden Situation um uns herum viel Spaß an diesem Tag.

Erschreckend war auch die Reaktion der Trump-Basis, die die durchaus rassistischen und beleidigenden Worte ihres Führers relativierten. So spreche man eben in der Kneipe, so sehen „Amerikaner“ diese unterentwickelten Orte, Trump verstehe einfach seine Wähler und drücke das aus, was sie denken. So, die einhellige Meinung auf FOXNews. Nun, ich bin auch Amerikaner, selbst Immigrant, wenn auch nicht aus einem „Shithole Country“, doch ich kenne einige der Länder, die unter den Trumpschen Hammer kamen: Niger, Somalia, die Demokratische Republik Kongo, den Tschad. Der Grund, warum Menschen fliehen, zu Flüchtlingen werden, ihre Heimat verlassen, ist sicherlich nicht der, dass sie meinen in den USA ein Lotterleben führen zu können. Oftmals hängt der Grund für die Flucht oder die Eskalation der Situation vor Ort auch mit der amerikanischen Außenpolitik zusammen. Wenn man, wie Trump, die Diplomatie nun fast nur noch auf Militäreinsätze und militärische Drohgebärden beschränkt, offene Stellen in den Botschaften nicht besetzt, wichtige Entwicklungshilfegelder kürzt oder ganz streicht, der braucht sich nicht zu wundern, wenn Menschen sich auf den Weg machen. Niemand wird geboren um ein Flüchtling zu werden.

Der fehlerlose Trump

Donald Trump dreht sich die Welt, wie sie ihm gefällt. Sogar den Tod von vier US Soldaten im Niger will Trump für sich nutzen. Erst reagiert er gar nicht darauf, kein Ton an die Öffentlichkeit und schon gar nicht an die Angehörigen, wartet 12 Tage ab, um dann auf die Frage eines Reporters zu antworten, dass er das sowieso viel besser mache als Barack Obama und all seine Vorgänger. Er schreibe Briefe an die Hinterbliebenen, manchmal rufe er auch an, aber er mache viel mehr und alles viel besser als alle Präsidenten vor ihm. Ist klar! weiter lesen

Die Geister, die man rief

Thomas J. Brennan war ein US Marine, Finbarr O’Reilly ein Fotograf für die Nachrichtenagentur Reuters. Sie trafen sich auf einem Außenposten des US Militärs irgendwo im Niemandsland von Helmand, Afghanistan. Ein ungleiches Paar, hier der Soldat, da der Fotograf. Der Krieg brachte sie zusammen. Anfangs war da Mißtrauen, doch das wich im Laufe der Zeit. Brennan und O’Reilly wurden Freunde.

Was sie vor allem jedoch verbindet ist das, was sie aus den Kriegseinsätzen mit zurück in ihr Leben brachten, was sie nicht mehr los läßt. Bilder des Schreckens, traumatische Erlebnisse, PTSD (Post Traumatic Stress Disorder) und im Fall von TJ Brennan eine Hirnverletzung nach einem Bombenanschlag. Beide Männer, nach außen hin die harten Kerle, mussten nach ihrer Rückkehr aus den Kampfgebieten ihr Leben neu ordnen und finden.

In dem gemeinsamen Buch „Shooting Ghosts“ beschreiben O’Reilly und Brennan ihren Kampf. Anfangs die Suche nach Antworten, ihr Unvermögen, das zu erkennen, was sie durch ihre Erfahrungen geprägt, was folgenreiche Spuren in ihrem Leben hinterlassen hat. Das Militär geht davon aus, dass die Soldaten zurück kommen und wer keine sichtbaren Verletzungen hat, soll sich zusammen reißen und weiter marschieren. Das ist das Credo der Marines. So beschrieb es schon General George S. Patton 1943: „It has come to my attention that a very small number of soldiers are going to the hospital on the pretext that they are nervously incapable of combat. Such men are cowards and bring discredit on the Army and disgrace to their comrades who they heartlessly leave to endure the danger of a battle which they themselves use the hospital as a means of escaping.“ Und was Patton vor über 70 Jahren sagte, hat heute noch immer seine Gültigkeit bei den Truppen. Viele Soldaten trauen sich nicht über das zu reden, was sie erlebt haben, anzusprechen, dass sie nach massiven Gehirnerschütterungen Probleme im Alltag haben, in ihrem Job, im Umgang mit anderen, mit ihren Familien. Wer Hilfe sucht, wird zu oft fallen gelassen, auch heute noch. „We support our troops“, dieser hehre, allgegenwärtige Spruch in den USA wird zum Hohn. Das erlebte TJ Brennan selbst.

Für Finbarr O’Reilly ist es nicht viel anders. Er kam „heil“ aus den Kriegen zurück, über die er berichtete, doch die Negative seiner Bilder brannten sich in sein Gedächtnis ein. Tod, Leid, Elend, Sinnlosigkeit, Todesangst, Hoffnungslosigkeit, wer all das erlebt und sieht und das immer und immer wieder, der kommt an seine eigenen Grenzen, überschreitet diese, wie es O’Reilly tat. Es ist dieses zurückkommen in den Alltag, die Sinnfrage, der Mangel an Worten, das zu beschreiben, was man gesehen, erlebt, erfahren hat. Die Einsamkeit des Helden.

Beide Männer erleben und durchleben Grenzerfahrungen und müssen mit den sinnlosen Kriegen unserer Gegenwart zurecht kommen. Sie schaffen es, finden einen Weg, auch gemeinsam in diesem Buch. Und doch da gibt es kein Ende, sie sind gezeichnet für ihr Leben. Andere kämpfen weiter, irren durch ihren Alltag. Soldaten und Journalisten gleichermaßen.

„Shooting Ghosts“ ist ein mutiges und trauriges Buch. Es beschreibt Männer, die als Krieger ausgebildet werden, Soldaten, die in Extremsituationen einen klaren Kopf behalten, wenn es sein muss töten können. Journalisten, die an vorderster Front über genau das berichten, ihre Bilder und Reportagen werden mit Preisen gefeiert. Auch sie gelten als die harten Kerle, die keiner Gefahr aus dem Weg gehen. Dieses Buch zeigt jedoch auch die Verletzlichkeit genau dieser Männer, die eigentlich keine Schwäche zeigen dürfen. Das macht „Shooting Ghosts“ zu einem mutigen und sehr lesenswerten Bericht.

Doch die Schattenseite ist die, dass wir alle mit den Kriegen in dieser Welt leben, zu leben gelernt haben. Soldaten werden in die Schlachten geschickt, die nicht zu gewinnen sind. Journalisten versuchen in all diesem Irrsinn Sinn zu finden. Der Preis dafür sind Generationen an jungen Männern und Frauen, gezeichnet fürs Leben, in Gesellschaften, die nicht bereit sind, denen zu helfen, die sie in den Alptraum Krieg geschickt haben.

„Shooting Ghosts“, Thomas J. Brennan, Finbarr O’Reilly, Viking.