Zum Tod von Ellen Tauscher

Die Demokratin Ellen Tauscher verstarb am Wochenende. Foto: Reuters.

Die frühere Abgeordnete der Demokraten, Ellen Tauscher, ist am vergangenen Wochenende im Alter von 67 Jahren in einem Krankenhaus in Palo Alto gestorben. Unter Barack Obama kam sie als Expertin für Waffenkontrolle ins State Department und arbeitete dort massgeblich am „New Strategic Arms Reduction Treaty“ mit Russland, das 2010 unterzeichnet wurde. Die damalige Außenministerin, Hillary Clinton, sagte über Ellen Tauscher, sie sei „die wichtigste Person in den Verhandlungen um das neue START Abkommen“ gewesen. „Ich glaube, ohne sie wäre es nicht zustande gekommen“, erklärte Hillary Clinton.

Vor 15 Jahren lernte ich Ellen Tauscher kennen. Für den SWR sollte ich über einen längeren Zeitraum den Wahlkampf eines Kandidaten oder einer Kandidatin begleiten. Hier in der San Francisco Bay Area fiel meine Wahl auf Ellen Tauscher, die erneut im 10. Kongressdistrikt von Kalifornien in der East-Bay kandidierte. Es war ein umkämpfter „Swing District“, ganz untypisch für die sehr liberale San Francisco Bay Area. Doch der Bezirk ist nahe genug an Oakland, um regelmäßig Veranstaltungen der Politikerin zu besuchen, Reden zu hören und mehrere Interviews mit ihr zu führen. Ich schrieb damals eine Mail an ihr Büro und wurde überraschenderweise zu einem Vorgespräch eingeladen. Überraschend deshalb, weil amerikanische Politiker in der Regel kein Interesse an internationalen Journalisten haben. Immerhin bringen die keine Stimmen und kein Geld.

Doch die Büroleiterin von Ellen Tauschers Kampange ließ sich überzeugen und stimmte zu. Ellen gab kurz darauf auch grünes Licht. Ich konnte die Demokratin über einen Zeitraum von sechs Monaten mehrmals interviewen, traf sie regelmäßig auf Veranstaltungen, wurde sogar zu exklusiven Fundraising Events in Privathäuser eingeladen. Nach Jahren erzählte mir die Büroleiterin bei einem Mittagessen, dass sie damals an einem Punkt auch einen FBI Background Check von mir machen ließen, denn jemand im Büro fragte, wer ist das überhaupt? Ellen Tauscher war auch als Kongressabgeordnete in die Rüstungskontrolle eingebunden und vertrat einen wichtigen Flügel ihrer Partei im Abgeordnetenhaus, der „New Democrat Coalition“. Und es war die Zeit nach 9/11. Das FBI stufte mich als „sicher“ ein.

Ich lernte Ellen Tauscher als eine freundliche, offene, interessierte, intelligente, redegewandte, humorvolle, aber auch direkte Politikerin kennen. Sie nahm sich immer wieder Zeit für dieses Hörfunk-Portrait, obwohl es in einer anderen Sprache und in einem anderen Land ausgestrahlt wurde. Wir hatten manchmal Meinungsverschiedenheiten, z.B. beim Thema Todesstrafe, aber wenn es um George W. Bush ging, mussten wir während der Interviews auch schon mal heftig lachen. Ellen Tauscher war eine engagierte Politikerin, die sich durchaus auch einmal gegen Nancy Pelosi als Sprecherin des Kongresses wandte. Doch Tauscher konnte Brücken bauen, in ihrer eigenen Partei und auch „across the aisle“. Politikerinnen wie Ellen Tauscher fehlen heute mehr denn je in Washington.

Zum Wohle

„Barrel Tasting Weekend“ im Wine Country, an einem Tag im März muss ich alljährlich dabei sein. Nun war es mal wieder soweit. Und ich kann sagen, da kommt sehr viel guter Wein in die Flaschen.

Etwa eineinhalb Stunden nördlich von Oakland liegt Healdsburg und dahinter das „Dry Creek Valley“. Dorthin zieht es mich meistens, dort findet man hervorragenden Zinfandel. Die Weingegend ist noch nicht so überlaufen wie das weltbekannte Napa Valley. Und doch, die zwei „Barrel Tasting Weekends“  sind meistens Partyzone, auch wenn sich das in letzter Zeit etwas geändert hat. Busse mit zumeist jungen Frauen aus San Francisco reisen an. Nach der vierten, oder fünften „Winery“ heisst es dann nur noch: „Gimme some wine“. „What would you like, we have Cabernet, Merlot, Zinfandel…“. „Just some red“.

Seitdem besuche ich gezielt ein paar wenige Winzer, die meinen Geschmack eigentlich immer treffen und die mich auch ohne Ticketkauf aus ihren Fässern probieren lassen. Dieses Jahr war ich bei Hart’s Desire, Passalacqua, bei Amphora und wie immer bei Hawley. Unglaublich gute Zinfandel kommen da. Ich bin gespannt darauf, wie sich die Weine in den kommenden Monaten noch weiter entwickeln werden. Amphora bietet darüberhinaus viele Weinsorten an, die man normalerweise nicht so oft in dieser Gegend findet. Ein Geschmackserlebnis sondergleichen. Für Kalifornien Reisende kann ich diese vier Weingüter nur wärmstens empfehlen, es lohnt sich wahrlich den kalifornischen „Wine Taste“in den „Tasting Rooms“ zu erkunden. Aber, es ist nicht billig, gerade, wenn man die Preise mit Wein aus Deutschland, Italien, Frankreich oder Spanien vergleicht.

Hinter Berlin geht’s weiter

Es ist mal wieder so weit. Der deutschsprachige Film wird am Golden Gate gefeiert. Zum 23. Mal heißt es im alten 1922 erbauten Castro Theatre „Welcome to Berlin & Beyond“. Das Kino allein ist schon ein Erlebnis. 1400 Plätze hat es, die gewaltige Decke ist mit Kunstleder überzogen. Vor den Abendveranstaltungen spielt ein Orgelspieler und feiert mit dieser Musik die reiche Geschichte des Theaters.

In diesem Jahr werden erneut Filme aus Deutschland, Österreich und der Schweiz gezeigt. Die meisten der Streifen werden es nie auf den amerikanischen Markt schaffen. Sie zeigen diese drei Länder, ihre Kultur, das Leben dort, den Humor, die Themen, die wichtig sind, eben ein Stück Alltag einem amerikanischen Publikum, das gerne auch den Blick über Ozeane, Grenzen und bald schon Mauern werfen will.

San Francisco ist eine Filmfestival-Stadt. Wöchentlich gibt es hier welche und alles wird geboten. Von den verschiedensten Themen bis hin zu den verschiedensten Ländern und Sprachen. „Berlin & Beyond“ ist da schon ein etabliertes Festival mit einer festen und großen Fangemeinde. Neben einem interessierten amerikanischen Publikum ist B&B auch zu einem kulturellen Highlight der deutschsprachigen Gemeinde in der San Francisco Bay Area geworden. Gerade bei Comedies und den Reaktionen im Publikum kann man das erleben, denn der deutsche Humor ist dann doch etwas anderes als der amerikanische.

10.000 verkaufte Tickets gibt es Jahr für Jahr. Der Großteil der Kinogänger schaut sich mehrere Filme an. Und das Angebot hat sich über die Jahre verändert. Wurden in der Anfangszeit eher dunkle, schwere Themen und Töne aus dem frisch wiedervereinigten Deutschland im Film gezeigt, hat sich im Laufe der Zeit der Ton deutlich verändert. Das Festival ist leichter geworden, luftiger, entspannter. Sicherlich gibt es immer noch ernste Themen in Movies „Made in Germany“, aber die Unterhaltung steht im Vordergrund.

„Berlin & Beyond“ ist wie der Fensterblick in eine andere Welt. Vom Golden Gate nach Berlin und eben auch dahinter. In die Provinz, in die Pampa in all jene Gegenden zwischen Emmersbüll-Horsbüll und Antenbichl, Schopfheim und Heringsdorf, Geldern und Krauschwitz. Und gerade das macht dieses Filmfestival zu einer bedeutenden Kulturveranstaltung. All diese Filme zeigen das Leben, manchmal überspitzt, manchmal chaotisch, manchmal nachdenklich. Doch immer sind es Geschichten, die das Leben genau so, ähnlich oder auch ganz anders schreibt, die uns zusammenführen, mitfühlen lassen und verbinden. Ich sage immer, Musik ist eine internationale Sprache, wenn man sie denn hören und verstehen will. Beim Film ist es ähnlich, wenn man sich auf das einlässt, was man sieht und sehen will.

Keinen Selbstrespekt mehr

Donald Trump ist Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Man kann das als geschichtlichen Fehler einstufen, es unter politisch mehr als bedenklichen Wählerentscheidungen abtun. Doch, dass Trump Präsident ist, ist eine Sache. Dass nach wie vor etwa ein Drittel der Wähler, also nahezu seine gesamte Basis, zu ihm steht, kann man langfristig als eine Gefahr für die amerikanische Demokratie betrachten. Der eigentliche Skandal ist allerdings, wie die Republikaner diesen Mann schützen, bejubeln und nicht kritisieren.

Gerade wird auf FOXNews das CPAC Treffen übertragen. Das ist ein alljährliches Zusammenkommen der konservativen Kräfte im Land. Und Donald Trump spricht. Als er sagt, die Demokraten sollten ruhig an ihrem „Green New Deal“ festhalten, jubelt die Menge. Keine Flugzeuge mehr, keine Energie mehr, so Trump. „Honey, is there wind out today, I want to watch TV“ und die Konservativen im Saal sind amüsiert, klatschen und johlen laut.

Ein Plakat zur Feier der republikanischen Partei in West Virginia.

Am Freitag sollte im Capitol von West Virginia die Partei der Republikaner gefeiert werden. Ihre lange Geschichte, ihre politischen Erfolge. Doch auf einem der Tische mit Unterlagen, Bildern und Postern wurde auch ein Plakat gezeigt, auf dem es heißt „Never forget“ – you said“. Zu sehen sind die brennenden Twin Towers nach dem Terroranschlag des 11. Septembers 2001. Darunter ein Bild von Ilhan Omar, der neugewählten demokratischen Abgeordneten von Minnesota. Omar ist Muslimin, unter ihrem Bild steht „I am the proof – you have forgotten“. Ein offen anti-islamisches Plakat und das im Parlament von West Virginia. Demokraten im Abgeordnetenhaus protestierten, forderten ihre Kollegen auf, sich von diesem Poster zu distanzieren, es zu verurteilen. Keiner der Republikaner tat das, stattdessen versteckten sie sich hinter dem Argument, das Poster sei Meinungsfreiheit und somit von der Verfassung geschützt. Auch auf den Einwand der Demokraten, dass das Plakat offen Hass verbreite, zuckten die Republikaner nur mit den Schultern.

Donald Trump hat nachweislich seit seinem Amtsantritt tausende Male gelogen, Halb- und Unwahrheiten verbreitet, Tatsachen nicht so genau genommen. Er ist auf einem Schmusekurs mit Diktatoren und verprellt enge Partner. Er beleidigt, schikaniert und droht. Er verunglimpft Mexikaner, Muslime, Homosexuelle, politisch Andersdenkende. Und was machen die Republikaner? Nichts. Ganz deutlich wurde das bei der Anhörung des früheren Trump-Anwalts, Michael Cohen, vor dem Untersuchungsausschuss des Kongresses. Klar, Cohen hatte zuvor gelogen, muss deshalb auch wegen Meineids längere Zeit ins Gefängnis. Doch die Republikaner gingen gar nicht auf das ein, was der einstige Trump-Vertraute sagte, nahmen nichts von dem an, was er da über den Präsidenten erklärte, fragten nicht nach, wollten nicht verstehen, sehen, erfahren, wie die Trumpsche Welt funktioniert. Sie konzentrierten sich nur darauf Michael Cohen zu diskreditieren.

Das ist die Taktik der Republikaner, seitdem Donald Trump ihr Kandidat im Wahlkampf 2016 wurde und erst recht seitdem er im Oval Office sitzt. Republikaner haben Angst vor dem Mann im Weißen Haus, davor, dass er sich gegen sie wendet und ihre Wiederwahl mit seinen Trump-Trollen bekämpft. Und dafür opfern sie alles. Ihre politischen und moralischen Überzeugungen genauso wie einen gesunden Menschenverstand. Donald Trump ist kein Heilsbringer für die USA, doch darüber muss die Geschichte entscheiden. Was er aber mit Sicherheit ist, Trump ist der Totengräber der Republikaner, die sich unter seiner Führung zu einer abnickenden Ja-Gemeinschaft entwickelt hat.

Neue Bürger braucht das Land

Eine nahegehende Einbürgerungsveranstaltung in Oakland bis Donald Trump sprach.

Sie kamen aus Togo, aus dem Jemen, aus Burma, Afghanistan und von den Fiji Inseln. 1126 Frauen und Männer aus 94 Nationen waren am Mittwochnachmittag ins historische Paramount Theatre nach Oakland gekommen, um hier eingebürgert zu werden. Es war eine bunte, multikulturelle Menschenansammlung, die in zig Sprachen durcheinander sprach. Manche hatten sich fein rausgeputzt für dieses Ereignis, auf das sie lange gewartet hatten, einigen war anzusehen, sie nahmen die Veranstaltung im Vorbeigehen mit.

Anfangs wurden von einem Chor bekannte amerikanische Lieder vorgetragen, darunter auch die alternative Nationalhymne „This land is your land“ von Woody Guthrie. Es war eine entspannte Stimmung, es wurde gelacht, es war teils nahegehend, „America is richer, because of you today“, hieß es. Der Moderator forderte alle Neubürger auf, sich umgehend als Wähler registrieren zu lassen. Wir haben Probleme in diesem Land, nun liegt es an Ihnen, diese mitzulösen, sagte er. Auch wies er daraufhin, dass keiner mehr eine Green Card mit sich herumtragen müsse, denn als Amerikaner habe man nun das Recht einem Polizisten, der einen kontrollieren will, zu sagen: „Officer, I’m an American, I don’t need to show you my immigration papers“.

Interessant wurde es, als ein Video von Präsident Donald Trump eingespielt wurde, in dem er die neuen amerikanischen Staatsbürger begrüsste.

     

Als ich 2013 die US Staatsbürgerschaft annahm, sprach noch Barack Obama zu den „Neuen“ im Land. Viele waren von seinen Worten angetan. Anders jedoch am Mittwoch. Als Trump auf der Leinwand erschien, ging lautes Buhen durch die Reihen. Das hielt während seiner eineinhalb minütigen Rede an. Als es kurz mal leiser wurde, schrie jemand „Fuck you“. Lachen im Saal. Präsident Trump hat sich mit seinem Anti-Immigrationskurs keine Freunde bei den neuen Staatsbürgern und damit Neuwählern gemacht. Jedes Jahr werden rund 750.000 rechtmäßige Immigranten in den USA eingebürgert. Sicherlich werden sich nicht alle als Wähler registrieren lassen, doch die Zeichen stehen für die Republikaner nicht gut. Wer sich so offen gegen Immigranten stellt, wie dieser Präsident, könnte schon bald eine deutliche Antwort darauf bekommen.

The State of the (Un)Union

Es wurde eine Rede angekündigt, die das Land zusammenbringen sollte. Ein Brückenschlag, ein Schulterschluss, eine ausgestreckte Hand. Doch am Ende war klar, die Vereinigten Staaten von Amerika sind politisch tiefer gespalten als je zuvor. Donald Trump beleidigte zwar nicht die Demokraten, wie er das tagtäglich über Twitter tut, aber hier sprach jemand, der einfach nicht anders kann, der vorgibt „my way or the highway“, der mit Halbwahrheiten, Lügen und Übertreibungen arbeitet. Trumps Amerika ist ein anderes Amerika, das machte er deutlich mit seiner teils wirren Rede, in der er oftmals ohne Atem zu holen von einem Punkt zum nächsten sprang. Interessant vor allem, was er nicht sagte, was er wegließ, was er so hin bog, dass es für seine Sicht der Dinge passte. Oftmals hatte man den Eindruck, dass Trump ein politisches Theater darbot, den Wahlkampf nie hinter sich gelassen hat und auf bestimmte Reaktionen der Demokraten hoffte, die er auch bekam, um so eindeutige Fernsehbilder für kommende Fernsehspots zu erhalten.

Nach der Rede gab es einige Analysen und Gegenreden von demokratischen Politikern. Die, die besonders heraussticht kam von Bernie Sanders, der gekonnt, gezielt und punktgenau die Rede des Präsidenten auseinandernahm. Sanders hätte 2016 gegen Donald Trump kandidieren sollen, er hätte es wahrscheinlich geschafft und Amerika wäre heute ein anderes Land. Das wäre ein Duell zweier unterschiedlicher Kandidaten gewesen. Hier ein selbstverliebter Populist, da ein intellektueller Sozialist. Hier jemand, der sich nicht an die Fakten hält und „alternative Wahrheiten“ schafft, da ein brillanter Analytiker, der komplizierte Sachverhalte verständlich erklären kann. Die Frage ist sicherlich, wird Bernie Sanders erneut antreten, um die Nominierung der Demokraten 2020 zu bekommen. Er wäre am Wahltag 79 Jahre alt, Donald Trump 74. Eigentlich bräuchte dieses Land einen Bernie Sanders, der durchaus Brücken bauen, Menschen zusammen bringen kann.

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Keine zweite Chance

In den USA wird gerade eine heftige Diskussion geführt. Was war passiert? In einem Jahrbuch aus seinem Medizinstudium von 1984 ist ein Bild auf der Seite des heutigen Gouverneurs von Virginia, Ralph Northam, zu sehen, auf dem zwei Personen maskiert sind. Einer trägt die weiße Kutte des Ku Klux Klan, der andere hat sich die Haut schwarz angemalt, das sogenannte rassistische „black facing“, bei dem Weiße einen Schwarzen vorgeben. Als das Bild bekannt wurde, ging ein Aufschrei durch das Land. Northam müsse zurücktreten, war der laute Ruf, Rassismus habe nichts in einem Regierungsamt zu suchen.

Wohlgemerkt, das Bild stammt aus dem Jahr 1984. Ralph Northam ist nicht gerade bekannt dafür ein Rassist in Amt und Würden zu sein. Ganz im Gegenteil, er galt bei seiner Wahl 2017 als Hoffnungsträger, es war ein Sieg gegen den rassistischen Ton von Donald Trump, denn Northam setzte sich für den Abbau von Monumenten aus der Zeit des amerikanischen Bürgerkrieges ein, suchte die Nähe zu afro-amerikanischen Gemeinden, baute viele Brücken.

Die Seite aus dem Jahrbuch von Ralph Northam. Foto: Reuters.

Am Freitag veröffentlichte Ralph Northam ein Video, in dem er sich für dieses Bild auf der Jahrbuchseite von 1984 entschuldigte. Das entspreche nicht dem, für was er sich einsetze. Es sei ein Fehler gewesen, der sicherlich einige enttäusche, aber dieses Verhalten sage nichts über ihn als Person und über ihn als Gouverneur aus. Doch das half nichts, der Chor der Kritiker wuchs weiter an. Sie forderten den Rücktritt des Demokraten.

Teflon-Donald, an dem jeglicher rassistischer und sexistischer Skandal abperlt, blieb ungewöhnlich ruhig. Kein Tweet, keine Stellungnahme. Warum auch, die Demokraten zerlegten sich gerade selbst. Sie beschuldigten einen Politiker aus den eigenen Reihen ein Rassist zu sein, weil der in den frühen 80er Jahren als Student auf einer Kostümfeier entweder die KKK Kapuze überzog oder sich das Gesicht mit Schuhcreme schwärzte.

Nein, ich verteidige weder Northam noch das unsägliche Bild, ich frage mich nur, wie ein Fehler vor 35 Jahren solche Auswirkungen haben kann? Hier wird versucht, etwas politisch korrekt zu rücken, was gar nicht geht. Denn man darf eines nicht vergessen, die USA in den 80er Jahren waren ein anderes Land. Es gab damals tiefe rassistische Gräben in den USA. Man denke an das „Red Lining“, eingeführt in den 1920er Jahren und offiziell bis in die späten 1970er Jahre durchgeführt, die es Schwarzen unmöglich machte in weiße Nachbarschaften zu ziehen. Die Folgen sind noch heute deutlich in allen gesellschaftlichen Bereichen zu spüren.

Man denke an den „War on Drugs“, der sich vor allem gegen Afro-Amerikaner, die „Crack“ Süchtigen, wandte und nicht an die zumeist weißen „User“ von Kokain. Man denke an das brutale und rassistische Vorgehen der Polizei in den US Innenstädten in den 70er und 80er Jahren, die als schwarze Ghettos verrufen waren. Amerika damals war ein anderes Land.

Und was ist eigentlich mit der zweiten Chance im Leben? Wenn Northam so etwas getan hätte, als er schon gewählt und in Amt und Würden gewesen wäre, dann wäre das eine ganz andere Diskussion. Doch selbst da zeigt Präsident Donald Trump, dass Rassismus und Sexismus nicht unbedingt zu einem Rücktritt führen muss. Ralph Northam hat als 25jähriger vor 35 Jahren etwas falsch gemacht. Er hat sich dafür entschuldigt, den Fehler eingestanden und auch darauf verwiesen, dass er nicht mehr der junge Mann ist, der auf diesem Bild zu sehen ist. Man kann ihm das glauben, man kann nun auch denken, dieses Bild zeigt einen unsensiblen 25jährigen, der sicherlich auch noch nach 35 Jahren so denkt, wie es dieses Foto ausdrückt. Was diese Diskussion jedoch lediglich zeigt, ist, dass heute versucht wird, eine historische gesellschaftliche Ungleichheit, einen institutionalisierten Rassismus, ein tief verwurzeltes Schwarz-Weiß-Denken in den USA durch eine übertriebende politische Korrektheit zu überwinden. Doch das wird in diesem Land nicht funktionieren.

Let’s go Fiji

Ich glaube, es war 2007, als ich mit einem Freund nachts durch Bern fuhr. Er hatte wie immer Radio SRF3 an. „Le Loup“ hieß das Lied, das der Moderator anmoderierte. Es sei eine Schweizer Band, aus Bern, wie er sagte. Also hörte ich genauer hin, denn ich bin für meine Sendung immer auf der Suche nach neuer Musik aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Fiji, seltsamer Name für eine Band aus der Schweiz, dachte ich mir noch, doch notierte mir den Namen. Und der Song war „catchy“, ging gleich ins Ohr, gefiel mir gut. Ein paar Tage später suchte ich online nach der Band, fand sie, schrieb sie an und sie schickten mir ihre aktuelle CD zu. Seitdem bin ich „hooked on Fiji“, begeistert von ihrem Electroclash und Synthpop Sound, der mitreissend, voller Beat und durchaus erotisch ist.

Nun melden sich Fiji mit einer neuen Platte zurück. „Bizarre“ heißt sie und ist phänomenal gut. Für mich das bislang beste Album des Duos. Gestern lag die CD im Briefkasten, ich musste nach Berkeley fahren, schob „Bizarre“ im Auto in den CD-Player und drehte auf. Und wirklich, es ist so eine perfekte Autofahrt CD, die einem Rausch gleich kommt. Laut aufdrehen und den Trip genießen. Die Bilder fliegen vorbei, der Rhythmus der Straße wird von der Musik vorgegeben. Ich freue mich schon auf eine nächtliche Tour.

Fiji haben mit „Bizarre“ ein brillantes Album vorgelegt. Es vereinigt die verschiedensten Einflüsse aus 80er New Wave, Roxy Musics Dream Sound und den harten Beats einer technosierten Musiklandschaft. Es sind scheinbare Widersprüche, die Simone De Lorenzi und Simon Schüttel hier genial zu Liedern zusammenfügen. Da wird man getrieben, um dann wieder im Moment zu verweilen. Der Sound ist fordernd, um dann auf einmal wieder wie ein leises Flehen zu wirken. Und über allem diese laszive Stimme von De Lorenzi, die auf Englisch, Französisch und Italienisch singt. Ein perfektes Album, das gehört werden sollte, das gehört werden muss….und nicht nur in der Schweiz.

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Die kleinen Hände des großen Don

Die kleinen Hände des großen Don

Man kennt das ja. Es wird fotografiert und selten findet man sich selbst auf den Bildern gut abgebildet. Ich denke mir immer, die Kamera hat ein paar Pfunde draufgelegt oder das Licht vergrößert wirklich meine Geheimratsecken.

Dass es auch anders geht, beweisen Prominente, die gerne an ihren Fotos rumdoktern lassen. Da verschwinden Schweissflecken genausso wie Falten an Hals und Wangen. Donald Trumps Publicity Team ist nun sogar noch ein paar Schritte weiter gegangen, wie das Online Magazin Gizmodo meldet. Da wurden die Bilder des Präsidenten ganz besonders bearbeitet. Zum einen machten ihn seine Mitarbeiter schlanker. Trump isst ja gerne Fast Food, was sich anscheinend auf die Figur des „Hamburger Eater in Chief“ auswirkt. Gizmodo verglich die Original Fotos mit denen, die das Team-Trump veröffentlichte. Kein Problem, denkt man sich, soll ja alles passen.

Die kleinen Hände von Donald Trump wurden auch in einer Episode von „Family Guy“ gezeigt.

Doch das ist nicht alles, was seine Photoshopper da noch veränderten. Im Wahlkampf kamen mehrmals die anscheinend etwas zu klein geratenen Hände Trumps zur Sprache. Senator Marco Rubio, der im republikanischen Lager gegen Donald Trump kandidierte, meinte einmal, dass Trumps kleine Hände wohl darauf hindeuteten, dass auch an anderen Stellen des Milliardärkörpers die Proportionen nicht stimmen könnten. Trump erwiderte während einer Fernsehdebatte und vor versammelter Fernsehnation: “He referred to my hands: If they’re small, something else must be small. I guarantee you there’s no problem.” Trump selbst reagierte also auf den alten Vorwurf der zu kleinen Hände und zeigte sie immer wieder stolz seinen jubelnden Anhängern. Doch die kurzen Finger des Kandidaten waren fortan auch beliebtes Thema bei den Late Night Shows und selbst in der Cartoon Serie „Family Guy“ wurde Trump mit deutlich kleineren Händen gezeigt.

Dass Trump dieser Makel nicht passt ist bekannt. Kein Wunder also, dass Trumps Medien Team auf Fotos die Finger des Präsidenten wachsen ließ. Wohlgemerkt die Finger und nicht die Nase, was wohl passender gewesen wäre. Im Bildervergleich von Gizmodo ist das eindeutig zu sehen, Original gegen Trump-Foto, die Hände wurden länger.

Natürlich kann Donald Trump mit seinen Fotos tun und lassen was er will. Aber Medienvertreter dürfen auch darauf hinweisen, dass mit den Fotos, die Trump seinen Anhängern und den Amerikanern präsentiert, etwas nicht stimmt. Trump entscheidet eben auch hier nach dem Motto „ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt“. Und da scheinen größere Hände einfach dazu zu gehören.

 

„The Female Barack Obama“

„The Female Barack Obama“

Kamala Harris ist eben nicht einfach „nur“ der weibliche Barack Obama. Eigentlich ist die Behauptung, die nun durch die Presse geistert, rassistisch und sexistisch zugleich. Denn sie beschränkt Harris auf die gleiche Hautfarbe wie Obama- sie ist die Tocher einer Inderin und eines Jamaikaners – und mindert ihre durchaus beeindruckende Karriere als Juristin und Politikerin.

Die kalifornische Senatorin Kamala Harris will Präsidentin werden. Foto: Reuters.

Nun also kandidiert sie offiziell. In einem Fernsehinterview am Martin-Luther-King-Day gab sie ihre Kandidatur bekannt. Am kommenden Sonntag soll eine große Kick-off Veranstaltung in Oakland folgen. Hier in Oakland, in ihrem Heimatstaat, wird es ein Büro für ihren Wahlkampf geben. Die Headquarters werden in Baltimore, dem „East-Oakland“ sein.

Kamala Harris beobachte ich schon länger. Sie ist eine erklärte Todesstrafengegnerin, die auch unter erheblichem Druck zu ihrer Überzeugung steht. Als Staatsanwältin von San Francisco musste sie 2004 einen Mann anklagen, der zuvor einen Polizisten erschossen hatte. Es ist üblich, dass bei Polizistenmord die Todesstrafe verlangt wird. Doch Harris blieb bei ihrer Haltung, bei dem, was sie im Wahlkampf für den Posten des „District Attorneys“ gesagt hatte: Sie werde keine Todesstrafe fordern. Der Druck in San Franciso war groß, auch und vor allem von Seiten der Polizeieinheiten, der „Peace Officers“. Kamala Harris verlangte hingegen eine lebenslängliche Haftstrafe ohne Aussicht auf Begnadigung für David Hill.

Dieser Fall stoppte nicht ihre Karriere. Harris wurde gewählte Justizministerin von Kalifornien und schließlich US-Senatorin. Nun will sie den nächsten Schritt gehen und wirft ihren Hut in den Ring. Kamala Harris hat sich entschieden, an diesem „blutigen Kampf“, wie sie es in einem Interview beschrieb, teilzunehmen. Es wird brutal, hässlich und teuer werden. Doch die 54jährige ist bereit und hat schon jetzt eine beeindruckende Gruppe an Unterstützern um sich gesammelt. Es wird spannend….