Die Grammys kündigen sich an

84 Kategorien gibt es, um die „besten der Besten“ im Musikbusiness und die bedeutendsten Veröffentlichungen des Jahres auszuzeichnen. Wie immer tummeln sich da die gleichen Verdächtigen, das gehört sich einfach so bei den Grammys. Und klar, der Trumpsche Wahlspruch „America First“ gilt auch hier. Nur selten blicken die Juroren über den amerikanischen Tellerrand. Und keiner soll mir sagen, Amerikaner hören nur US-Mucke. Das ist kurzhörig, denn Amerika ist voller College- und Community Sender, die alle ein Ohr für das haben, was rund um den Globus klingt. Da das allerdings nicht von der Grammy-Jury beachtet wird, hake ich diese Bauchbepinselungsveranstaltung zur besten Sendezeit einfach mal ab.

Unter den Nominierten findet man aber doch ein paar Veröffentlichungen, die man durchaus beachten sollte. Doch die liegen auf der langen Listen auf den hinteren, fast nicht beachteten Bereichen, die in der Glanz- und Glitter-Grammy-Show ganz bestimmt nicht erwähnt werden. Dieses Jahr wurden in der Kategorie 66 „Best Boxed Or Special Limited Edition Package„: Bobo Yeye: Belle Epoque In Upper Volta und in der Kategorie 68 „Best Historical Album“ gleich zwei beeindrucke „Releases“: Sweet As Broken Dates: Lost Somali Tapes From The Horn Of Africa und Washington Phillips And His Manzarene Dreams nominiert. Musik aus Obervolta (dem heutigen Burkina Faso), aus Somalia und aus dem tiefen amerikanischen Süden.

Musik, die begeistert und fasziniert, mit der man sich beschäftigen muss, die unglaublich reich an Geschichten ist. Umfassende Begleitbooklets laden in diesen kühleren Tagen richtiggehend zum Mitlesen und Mithören ein. Und es öffnet sich eine ganz neue und weite und endlose Klangwelt hinter dem eigenen Horizont – wenn man denn will. Obervolta gibt es nicht mehr und wurde 1984 in Burkina Faso umbenannt, das Somalia der 1970er Jahre mit seinem Kulturzentrum Mogadischu – vielbeachtet, energiegeladen und offen für viele Einflüsse –  ist zerbombt worden und der Gospelsänger Washington Phillips hat gerade mal 16 Songs für das Columbia Label zwischen 1928-29 aufgenommen. Diese wurden nun mit viel Liebe zum Detail von Dust to Digital neu aufbearbeitet und veröffentlicht. Alle drei Veröffentlichungen, so unterschiedlich sie musikalisch und auch inhaltlich sind, verdienen geehrt zu werden. Alle drei sind ein wahrer, tiefer, bewegender Hörgenuss!

Der 28 Prozent Präsident

Mit geballter Faust voran – Donald Trump. Foto: AFP.

Eigentlich ist die Selbstbeweihräucherung dieses Präsidenten ein Alltagsphänomen geworden. Doch diesmal hat sich Donald Trump in einem seiner jüngsten Tweets selbst als „your favorite President“ bezeichnet. Und das sagt eigentlich alles über den 45. amerikanischen Präsidenten aus. Er ist nicht Präsident der Amerikaner, will es auch gar nicht sein, er ist und bleibt nur der Präsident seiner Wählerinnen und Wähler. Und das waren gerade mal 28 Prozent der Wahlberechtigten. weiter lesen

Was ist Patriotismus in den USA?

Der neue Patriotismus in den USA. Foto: Reuters.

Wir Deutschen tun uns nicht leicht mit dem Patriotismus. Ich kenne stolze Franken und Berliner und auch viele stolze Europäer. In meinem eigentlich ziemlich großen Bekanntenkreis fällt mir niemand ein, der mir schon mal gesagt hat: Ich bin stolz ein Deutscher zu sein. Als ich vor ein paar Jahren die Textzeile „Deutscher sei stolz“ im Lied „Steine sind Steine“ von And One hörte, dachte ich mir, „wow, das ist gewagt!“. weiter lesen

Werft den Purschen zu Poden!

King Donald ist mal wieder morgens aufgewacht und hat sich über einen US Senator aufgeregt. Bob Corker steht derzeit ganz oben auf der „Shitliste“ des Präsidenten. Trump tweetete, der „winzige“ Senator aus Tennessee sei „unfähig“, ein „Leichtgewicht“, nur „negativ“ eingestellt, eine „Lachnummer“, die noch nicht mal „als Hundefänger in seinem Heimatstaat Tennessee gewählt“ werden würde. weiter lesen

Beim Essen ist man sich einig

Hungeropfer im Jemen. Foto: Reuters.

Gestern am späten Abend flippte ich so durch die Fernsehkanäle. Krimis, bescheuerte Reality TV Shows, fremdsprachige Gameshows, C-Movies und zig Verkaufskanäle. auf denen alles von potthässlichen Nachthemden bis zu Münzen und Fitnessgeräten angeboten wurde. Im hinteren Bereich, auf Kanal 112, stieß ich auf C-SPAN2, einem Sender, der Parlamentssitzungen, Reden und Veranstaltungen von öffentlichem Interesse kommentarlos überträgt. So gegen 23 Uhr wurde die Aufzeichnung einer Anhörung des Auswärtigen Ausschusses im US Senat (Senate Foreign Relations Committee) vom gleichen Tag ausgestrahlt. Und die hatte es in sich. weiter lesen

Was dieses Land großartig macht

Puerto Rico, Florida und Texas wurden hart von Hurricanes getroffen und hier in Kalifornien lodern Dutzende von Bränden. Nur etwa 80 Kilometer von mir entfernt wälzen sich die Flammen durch das Wine Country von Sonoma und Napa. Der Rauch hat sich wie eine Nebeldecke über die Bay Area gelegt. Ich spreche mit Freunden und Bekannten in Sonoma, bekomme aus der Nähe mit, was passiert und bin dennoch auch beeindruckt von allem. weiter lesen

„The day the music died“

So genau, kann man den Tag wohl nicht festlegen. Auch nicht, ob er in der Vergangenheit, der Gegenwart oder Zukunft liegt. Aber irgendetwas hat sich verändert im Musikgeschäft. Ich klinge da wohl nostalgisch, zeige mein Alter, wenn ich davon spreche, wie ich als Jugendlicher durch die Nürnberger Innenstadt von einem Plattenladen zum nächsten lief, auf der Suche nach Schallplatten und nach den besten Preisen dafür. Adler, Montanus, Phonac, Musik Shop, Francoise, Goofy. Bei Hertie kaufte ich meine erste LP. All die Läden gibt es schon lange nicht mehr.

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Ist „Hate Speech“ Meinungsfreiheit?

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Protest in Berkeley. Foto: Reuters.

In Berkeley, dem Geburtsort der „Free Speech“ Bewegung provozieren immer wieder Rechtspopulisten. Zuletzt Milo Yiannopoulos, der mit einer angekündigtigen viertägigen Veranstaltung die freie Meinungsäußerung testen wollte. Damit, so Milo, sollten die Linken im Land vorgeführt werden, denn sie würden sicherlich Grenzen ziehen, bei dem, was er zu sagen hat. Es kam, wie es kommen musste, lautstarke Proteste, Hunderte von Polizisten, Absperrungen und keine Rede von Milo Yiannopoulos. Der ließ sich vielmehr von seinen Fans und Trump-Jüngern mit „USA USA“ rufen feiern. Dazu der Audiobeitrag über eine Debatte, wie weit die in der amerikanischen Verfassung garantierte „Free Speech“ wirklich geht und gehen darf.

Ein kniender Protest!

Ein stiller Protest gegen Morde an Afro-Amerikanern wird von Präsident Trump zu einem Politikum. Foto: Reuters.

Vor jedem Punktspiel der amerikanischen Ligen wird die Nationalhymne gespielt. In der NFL und NBA, der MLB und NHL, vor NASCAR Rennen und sogar vor High School Spielen rivalisierender Football Teams. Das ist gewöhnungsbedürftig, gerade wenn man als „Ausländer“ in die USA kommt. Auch nach 21 Jahren in diesem Land und mit einem amerikanischen Pass habe ich mich noch nicht daran gewöhnt. Vor Nationalspielen macht es Sinn für mich, vor alltäglichen Punktspielen wirkt es eher befremdlich. weiter lesen

Was ist „Free Speech“?

In Berkeley wurde mal wieder protestiert.

Der Rechtsaußenprovokateur Milo Yiannopoulos kam nach Berkeley und die Wellen schlugen hoch. Angekündigt war eine mehrtätige Veranstaltung im Zeichen von „Free Speech“, aber irgendwie wollte das nicht so richtig klappen. Erst gab es ein Hin und Her darüber, ob es nun zu der Veranstaltung auf dem Campusgelände überhaupt kommen wird, dann erklärten geplante Redner, wie Ann Coulter und Steve Bannon, dass sie nicht nach Berkeley reisen werden und am Ende zog sich auch noch die Studentengruppe „Berkeley Patriot“ als Ausrichter zurück. weiter lesen