Trump verprasst das Geld

Präsident Donald Trump verdient gut an seinem Privatclub „Mar-a-Lago“ in Palm Beach, Florida. Foto: Reuters.

Donald Trumps Präsidentschaft kommt dem Steuerzahler nicht gerade billig. Seitdem er Präsident ist, reist er an diesem Wochenende bereits zum dritten Mal in seinen Privatclub Mar-a-Lago in Palm Beach, Florida. Sein „Winter White House“, wie er es nennt. Allein die drei Trips kosten nach Schätzungen 10 Millionen Dollar. Denn neben der Anreise, müssen Secret Service Beamten untergebracht, das Anwesen weiträumig abgesichert werden. Ein schwieriges Unterfangen, denn Mar-a-Lago ist ein Resort der Reichen mit ständig wechselnden Besuchern. Es ist nicht dauerhaft abgeschottet wie Camp David. Sogar die Küstenwache kreuzt vor dem Privatclub, dessen Anmeldegebühr sich nach der Wahl Trumps von 100.000 Dollar auf 200.000 Dollar erhöht hat. Hinzu kommt ein nicht gerade geringer jährlicher Mitgliedsbeitrag von derzeit 14.000 Dollar.

Die Stadt Palm Beach hat bereits offiziell angefragt, ob sie in Zukunft die Kosten für die Abstellung der lokalen Polizei von Washington erstattet bekommt. Auch New York City würde gerne zusätzliche finanzielle Hilfen aus der Hauptstadt bekommen, denn dort muß Trump Tower rund um die Uhr gesichert werden. Die First Lady Melania und der jüngste Sohn der „First Family“, Barron, leben weiterhin dort. Kosten pro Tag 500.000 Dollar. Das kommt zusätzlich zum Umbau und Sicherheitsmaßnahmen nach dem Wahlsieg Trumps. Auch mieten das Verteidigungsministerium und der Secret Service Räume im Trump Tower an, um die Sicherheit des Präsidenten garantieren zu können. Donald Trump verzichtete zwar spendabel auf sein Gehalt, verdient derzeit aber gut daran, Präsident zu sein.

Doch der amerikanische Steuerzahler muß nicht nur diese Rechnungen begleichen. Am Samstag werden die Trump Söhne Eric und Donald Junior in den Vereinigten Arabischen Emiraten erwartet, um dort den neuesten Trump-Golfplatz und das dazugehörige Resort zu eröffnen. Mit dabei der Secret Service, der auch diese Familienmitglieder auf privat-geschäftlichen Reisen beschützen muß. Mehrere 100.000 Dollar werden für solche Einsätze veranschlagt.

Barack Obama wurde regelmäßig von den Republikanern im Kongress für seine Privatreisen und die anfallenden Sicherheitskosten kritisiert. Insgesamt haben die Trips von Obama in den acht Jahren seiner Amtszeit rund 97 Millionen Dollar gekostet. Trump und seine Familie werden in den kommenden vier Jahren, so die Organisation Judicial Watch, Hunderte von Millionen Dollar an Steuergeldern für Reisen des Präsidenten und seiner Familie und die Sicherung all der Anwesen verbraten. Aber alles gut, so die Sprecherin des Weißen Hauses Stephanie Grisham. „Er ist nicht auf Urlaub, wenn er nach Mar-a-Lago fliegt. Der Präsident arbeitet nonstop an jedem Tag der Woche, egal, wo er gerade ist.“ Wie sang Pipi: „2 x 3 macht 4 – widdewiddewitt und 3 macht 9e ! Ich mach‘ mir die Welt – widdewidde wie sie mir gefällt …“

 

Nur ein abgeschobener Flüchtling ist ein guter Flüchtling

Donald Trump macht ernst. In sechs Bundesstaaten wurden Razzien der „Immigration and Customs Enforcement“ Behörde durchgeführt, die dem „Department of Homeland Security“ unterstellt ist. Dabei ging es nicht nur um die „Bad Dudes“ und „Bad Hombres“, die der neugewählte Präsident schnellstmöglich und noch vor dem Bau seiner Mauer verhaften und abschieben wollte. Hunderte von illegalen Immigranten ohne jeglichen kriminellen Hintergrund, wurden bei den Razzien gefasst und zum Teil umgehend nach Mexiko abgeschoben. Ein Sprecher der Trump-Administration meinte, es seien alles Kriminelle, denn sie alle seien ohne gültige Papiere im Land gewesen.

Die Stimmung in den USA ist aufgeheizt. Foto: Reuters.

Trump macht also sein Versprechen wahr, illegale Einwanderer aus dem Land zu werfen. Bis zu elf Millionen „Illegals“ sollen in den USA leben. Ein Großteil von ihnen schon seit Jahrzehnten, die hier im Schatten leben, aber Steuern zahlen, Kinder zur Welt gebracht, Familien gegründet haben. Ihre Kinder wurden in den USA geboren, damit sind sie US amerikanische Staatsbürger. Trumps radikale Abschiebungspolitik bedeutet nun das Auseinanderreißen von vielen Familien.

In Atlanta, Chicago, New York, dem Großraum Los Angeles, in North Carolina und South Carolina gingen die ICE Beamten gegen Immigranten vor. Aber auch aus Florida, Kansas, Texas und Virginia wurden Kontrollen der Einwanderungspolizei vermeldet. An Arbeitsplätzen und auch in Privatwohnungen wurden vor allem Männer aufgegriffen und in Abschiebehaft gebracht, in manchen Fällen direkt über die Grenze nach Mexiko abgeschoben. In den Latino Nachbarschaften im ganzen Land wächst derzeit der Unmut und die Angst. Die Zugriffe der ICE sind eine deutliche Abkehr von der Politik Barack Obamas. Der ließ zwar auch Tausende von illegalen Einwanderern nach Mexiko abschieben, allerdings konzentrierte man sich auf die tatsächlich Kriminellen, wie Gang Mitglieder.

Unterdessen tönt Donald Trump, dass die Berechnungen des eigenen Heimatschutzministeriums zum Bau der Mauer viel zu hoch seien. Die Behörde geht von einem Preis von 21,6 Milliarden Dollar aus, die für die Errichtung der Mauer an der Grenze zu Mexiko eingeplant werden müssten. Auch würde das Bauvorhaben etwa dreieinhalb Jahre dauern. Trump twitterte, das stimme hinten und vorne nicht, denn bislang habe er weder etwas zum Design der Mauer gesagt, noch direkt in die Verhandlungen eingegriffen. Und er sei ja bekannterweise der beste „Dealmaker“ überhaupt.

 

Das gewollte Chaos des Mister Trump

Eine Woche im Amt, dann kam der große Knaller. Zuvor hatte King Donald I schon mehrfach per Dekret wichtige politische Entscheidungen seines Vorgängers Barack Obama ausgebremst und ausgehebelt. Trump wollte schnell einen neuen Ton in Washington setzen.

Und dann am vergangenen Freitag die umstrittenste aller Entscheidungen, Menschen aus Somalia, Sudan, Iran, Irak, Syrien, Jemen und Libyen voerst die Einreise in die USA zu verweigern. Ein Einreiseverbot für Muslime meinten die einen. Ein Einreiseverbot für „radical islamic terrorists“ argumentierte Trumps Umfeld, so, als ob sich Terroristen ordnungsgemäß an Pass- und Visagesetze und die Formalitäten des internationalen Luftverkehrs hielten.

Foto: Reuters.

Donald Trump und seine Gehilfen fegen durch Washington ohne Rücksicht auf Verluste. Alles wird in Frage gestellt, Geschichte wird umgeschrieben, Verträge gekündigt, Freundschaften beendet. Nach außen wirkt alles stümperhaft, nicht durchdacht, überhastet, ohne Plan. Doch Trump und seine Berater haben einen Plan, den haben sie schon im Wahlkampf deutlich gemacht. Sie wollen Amerika neu ausrichten und das mit einer Chaos-Strategie. Trump twittert weiter, wettert und hetzt gegen Demokraten, Medien und alle, die sich ihm in den Weg stellen, darunter auch namhafte Republikaner wie die Senatoren John McCain und Lindsey Graham.

Es sieht nach Unvermögen aus, das Ziel nicht erkennbar. Trump hat jedoch in diesen Tagen das Ziel fest vor Augen. Er will seine Basis stärken, verbreitet dafür Falschmeldungen, und alles was über ihn, seine Entscheidungen und Absichten berichtet wird, bezeichnet er als „Fake News“. Auf seinem Haussender FOXNews haben sich so einige Moderatoren, allen voran Sean Hannity, zu Bütteln des neuen Kaisers gemacht. Trump schafft bewußt Unruhe, will die Gesellschaft spalten und so seine Gefolgschaft ganz auf sich ausrichten. Was er sagt stimmt, was die anderen sagen ist falsch. Gegenfragen sind nicht erlaubt und werden als unerlaubte Kritik am „Big Man“ gesehen.

Die Trump-Anhänger jubeln, endlich einer, der in Washington aufräumt, durchgreift, seine Wahlversprechen einlöst. Zumindest sieht es danach aus, doch Trump kann nicht auf Dauer per Dekret regieren. Was er aber schafft ist, er zeigt mit ausgestrecktem Finger auf den Kongress und schiebt den Abgeordneten und Senatoren die Schuld zu: „Ich würde ja gerne machen, aber die unterstützen mich nicht“. Die Mauer muß gebaut, der Umweltschutz beendet, Unternehmen gezwungen, Terroristen die Einreise in die USA versperrt werden. America First!

Noch jauchzen die Trumpschen Chöre, denn bislang betrifft sie nicht das, was er umsetzt. Die „New York Times“ und „Washington Post“ lesen sie nicht, CNN schauen sie nicht, die Mauer stört sie nicht, eine Ölpipeline durch Reservate geht sie nichts an, Hauptsache das Benzin wird billiger. Flüchtlinge aus Somalia und Syrien kennen sie nicht. Von daher „Make America Great Again“, „Hire American, Buy American“. So sehr ich mich vor diesem Vergleich auch scheue, all das erinnert mich an die Worte von Pastor Martin Niemöller:

Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist. Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Sozialdemokrat. Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Gewerkschafter. Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.“

Genug des Abwartens

Nach dem überraschenden Wahlsieg von Donald Trump hieß es überall, man solle doch einfach mal abwarten, wie Trump sich als Präsident gibt. Der Wahlkämpfer Trump werde sicherlich nicht ins Weiße Haus einziehen, seine politischen Ideen und Versprechen werde er sicherlich nicht so umsetzen, wie er sie provokant vom Rednerpult posaunte, hieß es allerortens.

Es ist noch keine Woche vergangen seitdem Donald Trump seinen Amtseid gesprochen hat und die Zeichen stehen auf Sturm. Niemand braucht mehr abzuwarten. Trump macht deutlich, dass er in seiner Welt bleiben will und die verheisst nichts Gutes. Zumindest für die Mehrheit der Amerikaner, die nicht für ihn gestimmt hat und für diejenigen Wähler, die ihm ihre Stimme gegeben haben und sehr bald merken werden, wen und was sie da unterstützt haben.

Im gestern ausgestrahlten Interview mit ABC News antwortete er, gefragt auf seine umstrittene Rede in der CIA Zentrale am vergangenen Samstag: „Diese Rede war ein Home Run. Schauen Sie was Fox berichtete. Sie sagten, es war eine der großartigsten Reden. Sie zeigten die Leute jubelnd und applaudierend…ich habe stehende Ovationen bekommen. Tatsächlich sagten sie, es war die größte stehende Ovation seit Peyton Manning den Super Bowl gewonnen hat, und sie meinten, das wäre gleich gewesen. Ich habe stehende Ovationen bekommen. Sie dauerten eine sehr lange Zeit an. Ihr habt sie wahrscheinlich auch live gebracht. Ich weiß, wenn ich gute Reden halte. Ich weiß, wenn ich schlechte Reden halte. Diese Rede jedoch war ein totaler Home Run. Sie liebten sie…die Leute liebten sie. Sie haben mir dafür sehr lange stehende Ovationen gegeben. Sie setzten sich während der Rede noch nicht mal hin, die meisten von ihnen. Da war Liebe im Raum. Sie und andere Networks haben das ganz falsch wiedergegeben….Diese Rede war eine gute Rede. Und Sie und ein paar andere Networks haben versucht, diese Rede herunterzuspielen. Und das war sehr, sehr bedauerlich, dass sie das taten“

Keiner will eine durchgehende Mauer bauen…700 Meilen Doppelzaun stehen schon an der Grenze zu Mexiko.

Wer bitte redet so, wenn er nicht total selbstverliebt ist, sich selbst als Retter, Halbgott, als größten Amerikaner aller Zeiten sieht? Donald Trump scheint krankhaft narzisstisch zu sein, das wird immer deutlicher. Kritik, auch wenn sie nur ganz leicht ist, nimmt er persönlich und als Unterminierung an. Die Debatte um die Zuschauermenge bei seiner Vereidigung vor einer Woche will nicht abnehmen. Trump behauptet weiterhin, dass es die größte Menschenansammlung bei einer Inaugaration überhaupt gewesen sei. Und er hätte problemlos auch die meisten Stimmen bei der Wahl gewinnen können, wenn nicht fünf Millionen ungültige Stimmen gezählt worden wären. Beweise dafür gibt es keine. Trump sagt es, damit ist es – zumindest für ihn – Fakt. Nicht nur Hillarys Ergebnis sei somit falsch, auch die Wahlergebnisse von Barack Obama seien gefälscht worden, so Trump im ABC Interview.

Unterdessen arbeitet der neue Präsident seine Wahlkampfversprechen ab. Eine Aushöhlung der Gesundheitsreform, die Wiederaufnahme verschiedener Pipelinevorhaben, die Streichung von Umweltschutzmaßnahmen und -regularien, der Beginn der „Mauer“ an der Grenze zu Mexiko, Drohungen an Regierungen, Unternehmen, Andersdenkende. Und Trump tritt außenpolitisch so richtig markant auf. Die US Botschaft soll von Tel Aviv nach Jerusalem verlegt werden, internationale Verträge läßt er streichen und mit Mexiko beginnt ein offener Schlagabtausch. Am Mittwoch verkündete Trump seinen Mauerbau, dafür unterschrieb er ein präsidiales Dekret. Der amerikanische Steuerzahler wird ersteinmal zur Kasse gebeten, die Mexikaner werden später auf Umwegen für das Bauwerk blechen. Der republikanisch dominierte Kongress zog nach und will das Geld für das umstrittene Bauprojekt finden. Daraufhin erklärte der mexikanische Präsident Enrique Peña Nieto, Mexiko werden nie für diese „Wall“ zahlen, er werde unter diesen Voraussetzungen auch nicht zu einem geplanten Treffen mit Donald Trump nach Washington kommen. Trump sieht sich verletzt und meinte am Donnerstagmorgen per Twitter, wenn Mexiko nicht zahlen will, dann sagt er das Treffen mit Nieto ab. Er will somit nicht als der dastehen, der eine Abfuhr erhielt.

Trump walzt durch Washington DC. Und so einige hohe Beamte geben auf, ziehen sich zurück, reichen ihre Kündigung ein. Betroffen ist nun auch das State Department. Gleich die ganze Führungsriege im Außenministerium hat die Brocken hingeschmissen. Das ist ein Problem für die neue Administration, wie David Wade erklärt, der Stabschef unter Außenminister John Kerry war: „Die Erfahrungen in der Sicherheit, dem Management, der Verwaltung und besonders im konsularischen Bereich sind sehr schwer zu replizieren und nur sehr schwer im privaten Sektor zu finden.“ Auch aus anderen Ministerien werden Abgänge gemeldet, gerade da, wo es um den Umweltschutz und die Wissenschaft geht. Die Trump-Adminstration macht sich in diesen Tagen alles andere als Freunde in den Führungsreihen der Regierung. Und wir haben noch nicht mal eine Woche hinter uns.

 

 

 

Und die Nase wächst und wächst und wächst

„Ich bin ein ganz Großer, wenn es um die Umwelt geht. Ich habe etliche Umweltpreise erhalten“. Wer sagt das? Klar, Präsident Donald Trump. Schon 2011 erklärte er in einem Interview mit seinem Lieblingssender FOXNews: „Ich habe viele, viele Umweltpreise erhalten.“ Im Wahlkampf 2016 legte er auf zahlreichen Veranstaltungen nach: „Ich habe übrigens viele Umweltpreise gewonnen. Ich werde sogar als Umweltschützer bezeichnet, das können sie glauben.“

Einziges Problem bei all dieser Baupinselei, Trump hat nach umfangreichen Recherchen der Washington Post nie auch nur einen einzigen Umweltpreis erhalten. Die Zeitung fragte bei zahlreichen Umweltschutzorganisationen an, recherchierte in alle Richtungen, doch ohne Ergebnis. Donald Trump hat im Bereich Umweltschutz nichts vorzuweisen. Lediglich Fehlverhalten im Bereich des Umweltschutzes konnte ihm, wenig überraschend, bei zahlreichen seiner Baumaßnahmen und auf seinen Golfplätzen nachgewiesen werden.

Darauf angesprochen verwies ein Sprecher des Weißen Hauses die Redakteure der Washington Post auf das selbstveröffentlichte Buch „Donald J. Trump: An Environmental Hero“ des Autoren Edward Russo, der darüberhinaus auch „Umweltberater“ von Trump war. Darin könne man eine ganze Liste der Auszeichungen finden, die Donald Trump erhalten habe, so der Sprecher. Die Washington Post schreibt jedoch: „Das Buch listet keine Umweltschutzauszeichnungen auf. (Es erwähnt jedoch Preise, die, so Russo, Trump hätte erhalten müssen.)“

Der Jobpräsident ist also auch der zukünftige Umweltpräsident. Daher hat Donald Trump auch gleich mal zwei umstrittene Pipeline Projekte mit einer präsidialen Verfügung wieder angestoßen. Sein Vorgänger Barack Obama hatte sowohl die „Keystone XL“ wie auch die „Dakota Pipeline“ stoppen lassen. Diese sollten nun, so Trump, mit „amerikanischem Stahl“ zu Ende gebaut werden. Trump erklärte auch, er werde viele der Umweltschutzmaßnahmen der Obama Administration außer Kraft setzen.

Ach ja, wenn wir schon von Pinocchio im Weißen Haus sprechen, dann sollte man auch die weitere Lüge erwähnen, von der die amerikanischen Medien berichten. Donald Trump erklärte heute im Weißen Haus bei einem Treffen mit führenden Kongressabgeordneten, dass er bei der Wahl auch die meisten Stimmen erhalten habe, wenn man die fünf Millionen illegalen Stimmabgaben für Hillary Clinton abziehe. Beweise dafür legte er wie immer nicht vor. Sein Vorwurf der fehlerhaften Stimmabgabe ist nichts neues und wurde bereits von etlichen Medien als falsch und nicht nachweisbar bezeichnet.

 

 

 

Ein großer Staatsmann geht

In diesen Tagen wird viel über Barack Obama berichtet. Was hat er erreicht, was nicht? Welche politischen Erfolge und Misserfolge gab es in seiner Amtszeit? Wie hat er Washington, die USA, die Welt geprägt? Sein Nachfolger ist so ganz anders. Donald Trump tritt selbstherrlich und selbstverliebt auf, „Me Me Me“ ist seine Aussage, so ganz anders als das „You You You“ von Barack Obama. Es gibt viele Kritikpunkte an dem scheidenden Präsidenten. Es gibt viele Kritiker, die froh sind, dass die Obama Ära endlich vorbei ist. Doch was ihn ausgemacht hat, sind Momente, wie dieser hier, als Barack Obama nach dem Blutbad in einer Kirche in Charleston, South Carolina, zur Gedenkfeier kommt, die Rede hält und dann „Amazing Grace“ anstimmt. Ein Lied, das heute eng mit der Bürgerrechtsbewegung in den USA verbunden ist. Es ist kein Kitsch und keine Show, vielmehr drückt diese Symbolik all das aus, für was Barack Obama angetreten ist und gewählt wurde:

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Donald Trump, der König der „Fake News“

Donald Trump ist „pissed“, so sagt man hier, wenn jemand ziemlich sauer ist über das was er über sich selbst liest und hört. Trump hat allen Grund dafür, denn ein Geheimbericht macht die Runde, in dem es heißt, die Russen hätten Trump mit hochpeinlichen persönlichen Videos unter Druck gesetzt und somit in der Hand. Der „President elect“ reagiert wutschnaubend, „alles Lüge“, „nicht nachweisbar“, außerdem würde er sowas nie machen, meint er.

Doch Donald Trump selbst war und ist der König der Verschwörungstheorien, der „Fake News“, der Beschuldigungen ohne jeglichen Grund und Boden. Ein paar der markantesten Beispiele führe ich hier auf:

Donald Trump steckte hinter der sogenannten „Birther“-Szene, jenen Verschwörungstheoretikern, die Barack Obama vorwarfen nicht in den USA geboren zu sein. Beweise hatte er keine!

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Donald Trump erklärte, der Vater seines innerparteilichen Kontrahenten Ted Cruz, sei mit dem Kennedy Mörder, Lee Harvey Oswald, gesehen worden, das zumindest würden ihm Vertraute erzählen. Rafael Cruz, in Kuba geboren, sei demnach wohl in das Attentat auf JFK verwickelt gewesen, so Trump, der damit eine riesige kubanische Verschwörungstheorie aufbaute. Beweise hatte er keine!

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Donald Trump meinte, ganz im Trump Stil, er sage ja nichts, aber andere reden darüber, dass Hillary Clinton in den Tod des einstigen Mitarbeiters Vince Foster verwickelt gewesen sei. Hillary also auch noch eine Mörderin? Beweise hatte er keine!

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Donald Trump nahm es bislang nie so genau mit dem, was er verbreitete. Klar, Trump würde nie zugeben, dass das „Fake News“ seien, denn er habe es ja nur gehört, andere reden darüber. Aber Trump ist der König dieser Meldungen, er bringt es so überzeugend rüber, dass viele seiner Anhänger den Schmarrn glauben, den er da vom Stapel läßt. Das ist wohl nicht ganz so präsidial.

 

 

Trump kommt, Obama bleibt

Barack Obama hält seine Abschiedsrede und vielen in Amerika wird vor Augen geführt, was sie mit diesem Mann im Weißen Haus verlieren werden. Auch wenn man nicht mit all seinen politischen Entscheidungen überein gestimmt hat, Barack Obama hatte immer Klasse bewiesen, hatte Humor, reagierte nicht unüberlegt und vor allem zeigte er sich als Präsident. Nach seinen Abschiedsworten stand ich noch einem Radiosender Rede und Antwort:

Barack Obama tritt ab. Foto: Reuters.

Es endet wo es begann. Vor 8 Jahren schon stand Obama in Chicago und hielt eine Rede… damals zum Amtsantritt. Unglaublich wie schnell die Zeit verflogen ist, oder?

Das sagen an diesem Abend auch viele hier drüben in den USA. Denn Obama hat mit “Hope” und “Change” begonnen und in diesen Tagen, auch wenn viele ihn in diesen acht Jahren kritisiert haben, jetzt merken sie, was sie mit Barack Obama im Weißen Haus hatten. Viele hoffen, dass nach acht Jahren Obama nun nicht acht Jahre Trump anstehen.

Wie hat dir persönlich die Abschiedsrede gefallen?

Ich fand sie sehr gut, eine seiner besten Reden und ich habe mir in den letzten acht Jahren fast alle von ihm angesehen. Mir gefiel sie vor allem auch, weil Obama nicht einfach: “Sag‘ zum Abschied leise Servus” sang, er zeigte sich vielmehr kämpferisch, verwies auf das, was sich positiv verändert hat, forderte zu einer aktiven Demokratie auf und kritisierte auch die eigenen Leute, dass sie durch Nichtwählen Trump ermöglicht haben. Es war eine Rede mit vielen verdeckten Spitzen gegen den Nachfolger, aber eben auch eine Rede, die viel zwischen den Zeilen aussagte. Einfach toll!

Wie berichten die US-Medien darüber? Wie ist die Rede angekommen?

Also genauso wie man es erwarten konnte. Die einen loben ihn für seine Abschiedsrede, er habe all das gesagt, was er sagen mußte, auch um sich in Zukunft noch ins politische Leben einzubringen. Andere, wie eben der konservative Sender FOXNews meinten, Obama habe sein Versagen schön geredet und man sei froh, dass er nun endlich weg sei. Nun beginne mit Trump endlich ein neues Kapitel Amerikas.

Geht Obama neben all den Trump-Schlagzeilen nicht unter? Ist er überhaupt noch Thema?

Na, nach dieser Rede sicherlich schon. Seine Umfragewerte sind ja weit oben und er hätte Trump sicherlich schlagen können. Das hat er heute Abend auch gezeigt, diese Souveränität, diese Lockerheit, diese Art zu jedem einzelnen im Publikum zu sprechen. Das ist, was Obama ausgemacht hat und was viele Demokraten im Land schon jetzt schmerzlich vermissen, wenn sie nur an Trump, seine Tweets und sein Auftreten denken.

Wie verbringen die Obamas eigentlich jetzt noch die letzten Tage als Präsidentenfamilie? Weiss man das?

Die Obamas packen so langsam in Washington ein, es muss ja einen fliessenden Übergang von Adminstration zu Administration geben. Wobei die Obamas ja in Washington bleiben werden. Aber es gibt in den verbleibenden Tagen noch ein paar Abschiedsfeiern, ein paar Interviews sind noch geplant und es gibt im Stillen Vorbereitungen auf das Leben danach…und das wird sicherlich kein Rentnerdasein werden, wie Barack Obama und auch Michelle Obama in diesen Tagen deutlich gemacht haben.

Trump und der „Golden Shower“

Donald Trump hat nun ein Problem. Auf Twitter laufen die Server heiß. Unter den Hashtags #GoldenShowerTrump, #GoldenShower, #GoldenShowerDon und einigen anderen wird die Nachricht kommentiert, dass die Russen wohl geheime Videos von Donald Trump haben, auf denen er zu sehen ist, wie er bestimmten sexuellen Spielchen frönt. Und mit diesen Filmchen, so die Meldung, setzten Putin und Co den Donald unter Druck.

Die online Newswebseite BuzzFeed veröffentlichte einen dementsprechenden Bericht, der sofort aufgegriffen wurde. Ausgerechnt Twitter wurde am Dienstagabend zu Donalds Alptraum.

Und das sind nur ein paar der Twitter Nachrichten, die während der Abschiedsrede von Präsident Obama gepostet wurden. Donald Trump, der König der Fake-News, der nächste amerikanische Präsident, reagierte umgehend und gar nicht präsidial auf diese Meldung. Das, was BuzzFeed da verbreite sei „nicht nachweisbar“, so, als ob Donald Trump genau wisse, dass es von bestimmten Handlungen keine Bewese gebe. Ich bin nun seit über 20 Jahren USA Korrespondent. Ich habe über „Real Sex Dolls“, Vibratorenmuseen, Gewerkschaften für Prostituierte, eine veröffentlichte Platte mit Klogeräuschen, allerhand unglaublichen Geschichten berichtet. Aber so etwas, was in diesen Tagen und Wochen in den USA passiert….so ganz langsam fehlen mir die Worte!

 

Denk‘ ich an die USA in der Nacht…

Das gibt es nicht! Wie kann das sein? Die republikanische Mehrheit im Senat und Abgeordnetenhaus bleibt und dann sieht alles nach einem Sieg von Donald Trump aus. Was das bedeutet ist ein Erdrutsch im Land, vier Jahre, in denen die USA einen Weg einschlagen werden, der mehr als folgenreich sein wird. Ich lebe in Oakland auf einer Insel, in Kalifornien auf einem riesigen Island. Das Leben hier am Pazifik hat nichts mehr mit dem im Rest der USA zu tun. Das zeigt dieser Wahlabend.

Mir geht gerade so einiges durch den Kopf. Trump punktet bei weißen Männern und Frauen, die ein Land haben wollen, das ich nicht will. Sie haben ein Bild von den USA, das so ganz anders ist, als das, in dem ich lebe. Da gibt es sehr viele Gräben in den USA, die an diesem Abend nur noch viel, viel tiefer erscheinen, nein, geworden sind.

Ein Land, in dem all das eintrifft, für was Donald Trump in diesem Wahlkampf geworben hat, ist gerade sehr verstörend. Und wohl nicht nur gerade. Da kommen vier Jahre auf uns zu, an die ich noch nicht denken will, aber nun muß. Er will eine Mauer zu Mexiko bauen, die Gesundheitsreform rückgängig machen, erzkonservative Verfassungsrichter einsetzen, freien Zugang zum Waffenbesitz schaffen. Allein diese vier Punkte hätten bei allen Bauchschmerzen für die Kandidatin Hillary Clinton, die Wählerinnen und Wähler abstimmen lassen müssen. Ein klares Zeichen setzen müssen. Einem Wahnsinnigen Einhalt gebieten müssen. Und das betrifft uns ja nur im Land selbst. Was sich da nun international zusammen braut, ist noch gar nicht absehbar, aber es wird ein Gewitter geben.

Doch nichts, Hillary Clinton hat deutlich weniger Stimmen in all den traditionellen Wählerschichten der Demokraten eingefahren, als Barack Obama noch vor vier Jahren. In diesen Stunden kann man den Demokraten die Niederlage nur selbst zuschreiben. Eine von vornherein umstrittene Hillary Clinton zur Kandidatin zu machen war der große Fehler. Ein Vorwahlsystem zu haben, in dem der andere Kandidat überhaupt keine Chance hat, zeigte, wie korrupt das System wirklich ist. Doch die Parteimaschine wollte Hillary, nun haben sie die Rechnung für dieses Spielchen bekommen.

Und dann sind da die Wähler. Afro-Amerikaner, Latinos, die nicht wählen gingen oder noch schlimmer, zum Teil für jemanden votierten, der ihnen in diesem Wahlkampf offen sagte, sie seien Menschen zweiter Klasse. Sozial Benachteiligte, die sich mit ihrem Nichtabstimmen gerade selbst den dünnen Boden unter ihren Füssen selbst weggezogen haben. „Make America great again“, der Wahlspruch, der für mich immer wie Hohn klang. Mit Trump im Weißen Haus und einer republikanischen Mehrheit im Kongress werden andere Saiten in den USA aufgezogen. Mir wird angst und bange.