Leben mit dem Terror

Berlin, Breitscheidplatz. Der Terror trifft die deutsche Hauptstadt. Kein militärisches, kein politisches Ziel, vielmehr das alltägliche Leben. Viele fragen, wo kann man noch sicher sein, wenn nicht unbekümmert und feiernd, einen Glühwein trinkend auf einem Weihnachtsmarkt?

Wir alle leben schon sehr lange mit der Angst vor der Gewalt. Nicht erst seit dem 19. Dezember 2016, nicht erst seit dem 11. September 2001. Auch wenn es so scheint, der Terror ist nicht neu in unserem Leben. Die „University of Maryland“ sammelt seit Jahren in ihrer „Global Terrorism Database (GTD)“ die Daten und Fakten von Terroranschlägen rund um den Globus. Mehr als 150.000 Vorfälle zwischen Januar 1970 und Dezember 2015 wurden darin aufgelistet. In Europa waren es in diesem Zeitraum 18.803 Terroranschläge bei denen 10.537 Menschen ums Leben kamen. Die Zahl der Anschläge nahm nicht zu, allerdings stieg 2014 und 2015 die Zahl der Todesopfer auf einen Höchststand seit 2004.

Wir leben schon lange mit dem Terror: Foto: Reuters.

Zwischen den 70er und 90er Jahren war der Terror für Europa eher ein nationales Problem. Die IRA bombte in England und Irland, die ETA in Spanien, die RAF in Deutschland, die Roten Brigaden in Italien, die Action Directe in Frankreich. Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs verrutschte auch der Schwerpunkt der Angriffe auf der Landkarte des Terrors Richtung Osten. Plötzlich gab es Anschläge in Russland, der Ukraine, im Kaukasus. Der Terror hat dann mit den Anschlägen vom 11. September 2001 auch noch einen anderen, einen neuen und nicht weniger brutalen Anstrich bekommen. Statt Bomben und Blut für vermeintliche politische Ziele, wurden nun auch noch die Menschen im Namen Allahs terrorisiert.

Es sind bedrückende Zahlen, die man in diesen trockenen Statistiken lesen kann. Auch jene, die beschreibt, dass im Zeitraum zwischen Januar 2015 und Juni 2016 in Europa und Amerika 658 Menschen bei 46 Terroranschlägen ihr Leben verloren. Im Nahen Osten, Afrika und Asien gab es im gleichen Zeitraum 50mal mehr Todesopfer. 20.031 Menschen starben bei 2.063 Angriffen. Das Blutbad reicht um den Globus.

Wir leben mit der Terrorgefahr und das schon lange. Der gewaltsame Versuch einiger weniger, das Leben der Mehrheit zu verändern ist Teil des Alltags geworden. In den USA, im Irak, in Somalia und auch in Deutschland. Die Art und Weise, die Intensität der Anschläge und die Zahl der Todesopfer hat zugenommen. Mit dem Anschlag von Berlin werden wir wachgerüttelt, dass es hier „auch“ passieren kann. Obwohl wir das schon lange wissen und damit leben, damit zu leben gelernt haben.

Trump bereitet den Boden für den Kampf danach

Die dritte Debatte war verlorene Zeit für Donald Trump. Foto: AFP.

Die dritte Debatte war verlorene Zeit für Donald Trump. Foto: AFP.

Nicht ein, nicht zwei, nein, dreimal trafen sich nun Donald Trump und Hillary Clinton auf einer Bühne. Das Publikum, die amerikanische Fernsehnation und alle rund um den Globus, die es interessierte, schauten fasziniert auf das, was sich da amerikanische Demokratie nennt. Zwei Kandidaten, die schlimmer nicht sein könnten. Ein New Yorker Immobilienmilliardär, der poltert, tobt und lügt, und bei so gut wie allen politischen Themen seine Meinung in den letzten Jahren geändert hat, darunter Abtreibung, Waffengesetze, Immigration. Und dann ist da Hillary Clinton, eigentlich wäre sie ein Grund zur Freude, denn sie ist die erste Frau, die Präsidentschaftskandidatin einer großen Partei geworden ist. Doch Clinton ist nicht gerade die ideale Kandidatin, sie ist durch die vielen Skandale und Skandälchen in ihrem Umfeld mehr als angreifbar: Bill Clintons Eskapaden, Email-Server, Bengasi…

Das dritte Aufeinandertreffen ergab keinen klaren Sieger. Es ging auch nicht mehr darum, wer hier gewinnt. Dafür ist es schon viel zu spät im Rennen. Beide Lager überzeugten ihre Wählerinnen und Wähler. Trump hielt sich anfangs noch zurück, aber man merkte an seinem Gesichtsausdruck, dass er innerlich kochte und endlich loslegen wollte. Das tat er dann auch mit seinen bekannten „Wrong“- Einwürfen, er bezeichnete Clinton als schlechte Person, er erzählte erneut Lügen, die schon seit Wochen widerlegt wurden und zweifelte ganz offen das anstehende Ergebnis der Wahl an.

Wenn überhaupt, dann hat Hillary Clinton heute noch einmal gepunktet, denn sie hat keinen Fehler gemacht, in den Umfragen liegt sie weit vor Donald Trump. Vor allem in einigen der umkämpften Swing-States. Trump wird da nicht mehr aufholen können. Von daher ist wohl auch diese dritte Fernsehdebatte ein Punktgewinn für Hillary Clinton. Donald Trump hat die Chance verpasst, Hillary noch einmal aus der Reserve zu locken, sie in Widersprüche zu verwickeln. Doch die ließ die Angriffe des Donald an sich abperlen, wechselte bei heiklen Themen schnell zu anderen Themen über, meist wurde aus Donalds Angriff eine Gegenoffensive. Und Hillary Clinton war besser vorbereitet, sie war auf die eine mögliche Offensive Trumps bestens vorbereitet. Das zeigte sie, als der Milliardär ihr erneut vorwarf, in den letzten 30 Jahren keine Veränderungen herbeigeführt zu haben. Auch argumentierte Clinton mit dem Über-Präsidenten der Republikaner, Ronald Reagan. Trump hatte 1987 eine 100.000 Dollar Anzeige in der New York Times schalten lassen, in der er die Steuerpolitik Reagans kritisierte.

Als Zuschauer im Saal war man zum Stillschweigen verpflichtet. Doch das ging nicht immer. Gerade dann, als Trump nach seiner Einstellung gegenüber Frauen gefragt wurde und er erklärte erneut, niemand respektiere Frauen mehr als er. Das war dann schon lachhaft. Auch als Trump betroffen erklärte, er hätte einen Emmy für seine Apprentice Show verdient. Da kam das geknickte Ego des Egozentrikers durch und ließ erahnen, was passieren wird, wenn Trump am 8. November eine Niederlage erleiden wird.

Es sind noch 20 Tage bis zur Wahl. Die große Frage ist nun, was passiert, wenn Donald Trump eine krachende Niederlage erleben wird. Es sieht danach aus. Es sieht sogar so sehr danach aus, dass der Wahlabend kurz werden könnte, denn wenn er Florida, Virginia, New Hampshire, Pennsylvania und Ohio im Osten des Landes nicht gewinnen sollte, ist das frühe Ende des Trump-Alptraums erreicht. Doch wird er die Niederlage eingestehen? Das muß sein, er muß öffentlich erklären, verloren zu haben. Das ist Teil des amerikanischen Wahlsystems. Derzeit sehe ich das nicht, Trump wird die Wahl wohl anzweifeln und die Krise damit nur noch verschlimmern. Am Wahlabend ist noch lange nicht alles vorbei.

Hillary wird nervös

Nicht schon wieder. Die demokratische Frontrunnerin Hillary Clinton glaubt im falschen Film zu sein. Vor acht Jahren galt sie als sichere Kandidatin für die Demokraten, als aus dem Nichts ein junger und unbekannter Senator aus Illinois nach vorne preschte und dann die Vorwahlen in Iowa gewann. Hillary Clinton, die bis dahin den Kontrahenten abtat, wurde auf einmal eines besseren belehrt. Und Amerika wachte auf mit der Tatsache, dass die USA im Jahre 2008 durchaus einen Afro-Amerikaner zum Präsidenten wählen können.

Der Ausgang des Ewigwahlkampfes 2008 ist bekannt. Barack Obama setzte sich mit „Hope“, „Change“ und „Yes, we can“ gegen das demokratische Urgestein Clinton durch. Hillary wurde Außenministerin und bereitete im Hinterzimmer ihre nächste Chance vor. Sie hat dazu gelernt, gibt sich wählernah und offen, sympathisch und zugänglich, auch wenn sie von den Republikanern mit den Ereignissen in Benghazi und dem Email Skandal überdeckt wurde.

Bernie Sanders hat noch lange nicht Schluß. Foto: AFP.

Bernie Sanders hat noch lange nicht Schluß. Foto: AFP.

Dann kam Bernie Sanders, der Independent Senator aus Vermont, der sich selbst als „demokratischen Sozialisten“ beschreibt. Sanders, da waren sich alle einig, sei nicht wählbar, denn Amerika würde nie für einen Sozialisten stimmen. Nun, drei Wochen vor dem Wahltermin in Iowa, der die Vorwahlen in den USA einläutet, ist wieder mal nichts mehr klar. Sanders liegt in den Umfragen in Iowa und New Hampshire mit Clinton gleich auf. Finanziell ist er für einen Kampf gegen die einstige First Lady gerüstet. Hillary wird zunehmend nervös. Denn bislang glaubte sie, der rüstige Rentner, der linke Intellektuelle aus Vermont habe gegen die Clinton-Maschine keine Chance. Deja-Vu, der rote Hugo hängt tot im Seil. Hillary Clinton vergeht das Lachen, nicht schon wieder. So kurz vor dem Ziel der Kandidatur macht ihr da erneut ein Underdog zu schaffen. Und auch die demokratische Partei ist alles andere als „amused“. Denn mit Bernie Sanders würde ein Kandidat für die Partei antreten, der im konservativen „Heartland“ Amerikas keine Chance hätte. Wobei, Clinton hat die im amerikanischen Hinterland auch nicht. Es wird zum Glück noch einmal spannend im amerikanischen Wahlkampf….links und rechts.

Eine politische Woche

Es tat sich einiges in dieser Woche. Zwei Demokraten, Jim Webb und Lincoln Chafee, beendeten ihre aussichtslose Kandidatur ums Rennen für das Weiße Haus. Joe Biden kündigte das Ende seines angedachten Umzugs ins Oval Office an und machte damit endgültig Platz für Hillary, die in dieser Woche im Mittelpunkt in Washington DC stand. Clinton überzeugte bei der Marathonanhörung über ihre Rolle und wann sie was wußte beim Terrorangriff auf das US Konsulat im lybischen Bengasi. Die Republikaner veranstalteten ein Tribunal im Wahlkampf, um, wie es der Fraktionsvorsitzende der GOP, Kevin McCarthy, nannte, Hillary auf ihrem Weg ins Weiße Haus zu stoppen. Ein politisches Fanal sollte es werden, doch daraus wurde nichts. Hillary Clinton war gut auf die Angriffe vorbereitet.

Der Demokrat Lincoln Chafee gab auf. Eine Chance hatte er im Präsidentschaftsrennen sowieso nicht. Foto:  Brian Snyder/Reuters.

Der Demokrat Lincoln Chafee gab auf. Eine Chance hatte er im Wahlkampf sowieso nicht. Foto: Brian Snyder/Reuters.

Doch das war noch nicht alles in dieser Woche. Die Umfragen unter republikanischen Wählern ergaben, dass fast 60 Prozent für einen Außenseiter stimmen würden. Donald Trump, Ben Carson und Carly Fiorina führen derzeit die Republikaner vor. Der Wahlkampf verläuft so gar nicht nach den Plänen des konservativen Establishments in den USA. Das Darling der Partei, der Gouverneur von Wisconin Scott Walker, ist bereits aus dem Rennen ausgeschieden. Auch der ambitionierte Texaner Rick Perry ist Vergangenheit. Und nun muß sogar Jeb Bush eingestehen, dass ihm das Geld knapp wird. Im Vorfeld sammelte Bush fast 100 Millionen Dollar ein, davon scheint nicht mehr viel übrig zu sein. Er setzt nun auf einen Schmalspurwahlkampf, um überhaupt noch bis zum Beginn der Vorwahlen in Iowa zu kommen. In den Umfragen liegt er weit abgeschlagen.

Der einzige Republikaner, der politische Erfahrung mitbringt und vielleicht noch eine Chance hat, ist der 44jährige Senator aus Florida, Marco Rubio. Aber selbst er liegt derzeit mehr als zehn Prozentpunkte hinter Ben Carson und weit über 20 Prozentpunkte hinter Donald Trump. Alle Kandidaten, bis auf den Milliardär Trump, hängen am Geldhahn der Spender. Der Donald lacht nur darüber und greift in seine eigene Tasche. Mittlerweile erkennen auch die Medien in den USA, dass Trump keine Lachnummer ist. Er will durchhalten und wird wohl auch bis zu den Vorwahlen in Iowa, New Hampshire und dem „Super Tuesday“ im Rennen bleiben.

Am kommenden Mittwoch findet die dritte republikanische Fernsehdebatte statt. Danach, das ist schon jetzt klar, wird sich das Kandidatenfeld weiter lichten. Wer hier nicht punktet, sollte aufhören, gerade auch im Hinblick auf den eigentlichen politischen Gegner, die Demokraten. Denn dort entwickelt sich ein Zweikampf zwischen einer Überfrau und einem Senator, der keine Negativkampagne führen will. Hillary Clinton hat noch Schonzeit. Das liegt vor allem jedoch am Unvermögen der Republikaner, die aktuell die besten Wahlkampfhelfer der einstigen First Lady sind.

 

Die Wahl zwischen Beelzebub und Luzifer?

Hillary Clinton will für die Mittelschicht kämpfen. Hillary Clinton will sich gegen Rassismus einsetzen. Hillary Clinton will den Zugang zu Waffen einschränken. Hillary Clinton vereint die Republikaner. Und in ihrer eigenen Partei wird keiner so richtig warm mit ihr. Die Über-Demokratin wird die Präsidentschaftskandidaten der Demokraten, daran geht kein Weg vorbei. Und dennoch, nur die wenigsten in den eigenen Reihen sind derzeit von ihr so richtig überzeugt. Darauf bauen auch die Republikaner, die sie als Superreiche hinstellen, die schon seit Jahrzehnten keinen Bezug mehr zu den Normalproblemen amerikanischer Bürger hat. Als Gouverneursehefrau, als First Lady, als Senatorin, als Außenministerin, immer unter dem Begleitschutz von Highway Patrol oder dann Secret Service.

Hillary Clinton bei ihrem Auftritt in San Francisco.

Hillary Clinton bei ihrem Auftritt in San Francisco.

Viele Demokraten wissen, ohne sie braucht man gar nicht in diesen Wahlkampf zu ziehen. Das hat Hillary auch wieder am Wochenende in San Francisco demonstriert. Als Hauptrednerin auf der Konferenz der amerikanischen Bürgermeister beleuchtete sie die Probleme der US Kommunen. Sogar republikanisch geführte Städte und ihre Vertreter waren von ihr überzeugt. Und nach dem offiziellen Programm ging es dann gleich weiter zum Geldsammeln. Bis zu 50.000 Dollar zahlten finanzstarke Unterstützer, um mit ihr zu speisen und ein Foto mit der lächelnden Hillary zu bekommen. Das ist auch die Stärke der Kandidatin, auf die die Partei nicht verzichten kann. Hillary Clinton ist das Zugpferd der Demokraten, die die Milliarden benötigten Dollar für den Wahlkampf problemlos einfahren kann.

Die eigenen Parteigenossen sind hin und hergerissen. Sie ist ohne Zweifel die beste Kandidatin, die man sich wünschen kann. Sie hat den Namen, den Bekanntheitsgrad, die Aura und die Erfahrung. Doch da sind auch die politischen Leichen, die sie mitbringt, die Abgehobenheit und die Garantie darauf, ihre engen Verbindungen zu Wall Street und dem „Big Business“. Und es ist klar, falls sie gewählt werden sollte, dass die Republikaner alles, aber auch wirklich alles blockieren würden, was von ihrem „White House“ vorgeschlagen wird. Das hat man in den letzten Jahren immer wieder mit Präsident Obama beobachten können, dessen Politik gezielt ausgebremst wurde. Aus welchen Gründen auch immer. Bei Hillary kann man schon jetzt sagen, dass sie für die Republikaner ein rotes Tuch ist und von daher sie bei nichts und niemand unterstützen werden. Die Ablehnung Hillary Clintons ist darüberhinaus das einizge Thema, was die fragmentierte republikanische Partei in diesem Wahlkampf eint. Keine gute Basis für einen sachlichen Wahlkampf.

Uncle Sam in Afrika

Burkina Faso, Mali, Niger, Nigeria, Tschad, Zentralafrikanische Republik, Demokratische Republik Kongo, Uganda, Kenia, Südsudan, Äthiopien, Somalia, Djibouti. Das sind die afrikanischen Länder, in denen das US Militär präsent ist, zumindest sind diese Einsätze bekannt. Teils mit Beratern, Ausbildern, mit Spezialkräften und -einheiten, Geheimdienstmitarbeitern, teils, wie in Djibouti mit einer 4000 Mann starken Truppe.

Amerika zeigt nicht gerade offen Flagge in Afrika, doch man spürt, dass die Amerikaner vor Ort sind. Immer mal wieder trifft man irgendwo im Nirgendwo einen Amerikaner, der da eigentlich gar nicht hingehört. Sowohl in West- als auch in Ostafrika fliegen US Drohnen im Kampf gegen islamische Terroristen und Extremistengruppen. Im Grenzbereich DRC/CAR/Uganda/Südsudan unterstützen amerikanische Spezialeiheiten die Suche nach dem Anführer der „Lord’s Resistance Army“, Joseph Kony. Alles streng geheim, gerade auch, weil der Übergang von den Militärangehörigen zu CIA Mitarbeitern fliessend ist.

Doch neben diesen militärischen und geheimdienstlichen Aufgaben ist die US Armee auch im humanitären Bereich aktiv. In den Ebola betroffenen Ländern Liberia, Sierra Leone und Guinea wurden Krankenhäuser errichtet, Infrastrukturmaßnahmen verbessert, medizinisches und logistisches Know-how weiter gegeben. Amerika ist vor Ort, hat mit Africom einen eigenen Schwerpunkt auf den vergessenen Kontinent gelegt. Es geht um nationale Sicherheit, um die Erschließung neuer Märkte, um Ressourcen und auch um humanitäre Hilfe. Aber bei all dem steht Amerika nicht alleine da. Die USA sind nur einer von vielen Spielern am afrikanischen Tisch.

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Die Welt hinter dem Tellerrand

„It’s what I do“ heißt das Buch der amerikanischen Fotojournalistin Lynsey Addario. Sie arbeitet für die New York Times, Time Magazine, National Geographic, wurde u.a. mit dem Pulitzer Prize und dem MacArthur Genius Grant ausgezeichnet. Addario ist in Kriegs-, Konflikt- und Krisengebieten unterwegs. Afghanistan, Irak, Pakistan, Sudan, Kongo, Libyen…wo es zu Gewalt, Krieg, Massenvergewaltigungen, Entführungen, Flüchtlingswellen kommt, da findet man die junge Frau.

In ihrem Buch beschreibt sie ihre Reisen, ihre Jobs, immer auf der Suche nach dem richtigen Bild, das vielleicht am Ende, daheim, eine Diskussion auslösen könnte. Vielleicht. Oder auch nicht. Sie sieht die Opfer, ist ganz nah dran. Afghanische Dörfer, die von amerikanischen Bomben getroffen, US Soldaten, die schwer verwundet und getötet wurden. Irgendwo in einem abgelegenen Tal von Afghanistan.

Sie wurde mehrfach entführt, beschossen, schwer verletzt. Kollegen starben. Tage- und wochenlang keine Dusche, Soldatenessen aus der Tüte, Müsliriegel anstelle eines Mittagessens und immer auf der Jagd, gehetzt durch die Welt. Addario beschreibt sich, eine Fotojournalistin, die auf ihre Weise Teil der Kriege wird. Ihre Bilder bewegen und schockieren, machen nachdenklich. Und dennoch, bringen sie was? Sie ist Teil einer neuen Kriegsreportergeneration, die nach den Terroranschlägen des 11. Septembers in die Welt zog. Einfach los, dahin, wo es knallte.

Was das auch Buch lesenswert macht, sind ihre Eingeständnisse, Angst zu haben, sich selbst zu hinterfragen, ob sie das überhaupt machen kann und darf. Bilder von leidenden, verletzten, gedemütigten Menschen zu schießen. Und dann ist da immer wieder der Weg zurück. Nach Wochen im Korengal Valley im Nichts von Afghanistan taucht sie ein in die lebendige Metropole Istanbul. Ein Leben zwischen den Welten. Sie hat Affären, trifft dann den Mann ihres Lebens, heiratet und wird schwanger. Und sie reist weiter in Krisengebiete. Der Tod, das Elend, Gewalt und Schrecken sind wie eine Droge. Es ist schwer zu beschreiben und doch so verständlich. Die heute 42jährige Lynsey Addario hat mit „It’s what I do“ eine beeindruckende und lesenswerte Biographie geschrieben, erschienen bei „Penguin Press„.

Hillary eint die Partei…die andere

„Washington Insider“. „Teil der Washingtoner Maschine“. „Von Gestern“. „Dritte Obama Amtszeit“. „Korrupt“. Das sind nur einige der Aussagen von führenden Republikanern, darunter auch Präsidentschaftskandidaten der GOP, nachdem Hillary Clinton ihre Kandidatur offiziell bekannt machte. Eigentlich sind sich die Republikaner spinnefeind, die Gräben sind tief zwischen den Flügeln der Partei. Aber was sie eint ist ihre Abneigung und ihr Hass gegenüber Hillary Clinton.

Die bekam das gleich mal zu spüren, was in den nächsten eineinhalb Jahren auf sie einprasseln wird. Doch Hillary Clinton hat eine dicke Haut. Sie kennt das Geschäft, als ihr Mann erst Gouverneur dann Präsident war. Als sie Senatorin, dann Präsidentschaftskandidatin und schließlich Außenministerin wurde. Kein anderer weit und breit im Kandidatenfeld kann so viele positive wie negative Erfahrungen in der Politik vorweisen.

Dennoch war die geballte Ladung überraschend. Kandidat Rand Paul wartete gleich mit einem Filmchen auf, der in einigen Bundesstaaten über die Mattscheibe laufen wird und dazu im Internet weit verbreitet wurde. Jeb Bush, noch nicht erklärter Kandidat, rief seine Anhänger zu Spenden auf, denn Hillary Clinton wolle in diesem Wahlkampf 1,7 Milliarden Dollar eintreiben. Der Kampf sie zu stoppen werde teuer, so Bush. Kandidat Ted Cruz erklärte, Clinton habe die USA unsicherer gemacht, denn unter ihr als Außenministerin mußten „wir den Aufstieg Russlands, des Iran und ISIS“ mitansehen. Und Marco Rubio, der am Montag als dritter republikanischer Kandidat seinen Namen in den Wahlkampfhut warf, meinte, diese Wahl gehe um Kandidaten, die „nicht im 20. Jahrhundert hängen geblieben sind“. Eine klare Breitseite gegen Clinton.

Hillary selbst zeigte sich unbeeindruckt und reagierte gar nicht auf die Angriffe. Und da hat sie wohl recht, man muß nicht alles kommentieren, was da im Wahlkampf erzählt und erklärt und gebrabbelt wird.

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