Wie laut kann man schreien?

“I heard Kim Guilfoyle’s speech and my TV’s not even on“, kommentierte Chuck Ross für die rechtslastige und von FOX News‘ Tucker Carlson gegründete News Webseite „Daily Caller“ diese Rede. Guilfoyle, die jetzige Partnerin von Donald Trump Junior schrie sich die Seele aus dem Leib, so, als ob sie in einem Stadion auch den entferntesten Platz erreichen wollte. Doch vor ihr war niemand, sie stand im leeren Andrew W. Mellon Auditorium in Washington, D.C. Ihre Worte hallten brutal und verstörend von den Wänden zurück. Aber schreien wir mal, damit Joe in Montana und Cathy in Louisiana auch wirklich zuhören und die frohe Trumpsche Botschaft auch mitbekommen.

Hört Ihr die frohe Botschaft auch dahinten? Kim Guilfoyle während ihrer Rede. Foto: AFP.

Doch das war typisch für diesen ersten Tag des republikanischen Wahlkonvents. Sowieso fragte ich mich, ob es bei den Rednern eine Vorgabe gab, wie oft sie den Namen Donald Trump erwähnen und wie sehr sie ihn ohne mit der Wimper zu zucken lobpreisen müssen. Manche der Lobhudeleien erinnerten schon sehr an Trumps Wahlfreundschaften Erdogan und Kim. Der große Führer wird gehuldigt, die Geschichte verfälscht, die Tatsachen so hingebogen, wie man es braucht und da steht er, der Retter unserer Zeit mit überlanger Krawatte, kompliziert hingekämmten Haaren und der orangenen Gesichtsfarbe.

Es ist schon erstaunlich, und für mich auch nach fast 25 Jahren noch immer wieder so, wie hier in den USA Wahlkampf geführt wird. An diesen über-patriotischen Ton muß man sich gewöhnen. Das ist so bei den Demokraten und erst recht bei den Republikanern. Die „Stars & Stripes“ kann man schon gar nicht mehr zählen und irgendwann wird selbst Gott im Himmel müde und genervt davon sein, dass er ständig dazu aufgefordert wird, die Amerikaner und Amerika zu schützen. Man kann es auch übertreiben. Denn eigentlich hätten die es ja selbst in der Hand. Ständig wird betont, dass die USA das schönste, tollste, stärkste, reichste, wichtigste Land der Welt seien. „God’s Country“, wie die Vereinigten Staaten auch gerne genannt werden, von einigen Amerikanern wohlgemerkt. Doch wenn man sich die Politik und die letzten dreieinhalb Jahre unter Donald Trump ansieht, dann ist da nicht viel zu sehen von der Bewahrung der Schöpfung, von einem Einklang mit der Natur, von einem sozialen, gerechten und friedlichen Miteinander, weder im Land noch mit dem Rest der Welt. Das soll nicht heißen, dass vorher unter Obama alles besser war, aber immerhin gestand sich #44 ein, dass er es „versuchen“ will, Amerika auf den richtigen Kurs zu bringen. #45, der sich selbst gern auch als „your favorite president“ bezeichnet, meint dagegen unumwunden, er und nur er kann die USA retten. Vor was auch immer.

Das schon inflationäre Herausposaunen von Begriffen wie „Kommunismus“, „Sozialismus“, „Anarchismus“ am ersten Tag des Wahlkonvents der einstigen republikanischen Partei, die man eigentlich in Trump-Partei umbenennen sollte, war schon erstaunlich. Wen man damit erreichen will, ist fraglich, denn so doof kann die Mehrheit der Amerikaner nicht sein, um diesen Schwachsinn zu schlucken. Es fehlte nur noch, dass der politische Gegner als „Faschist“ bezeichnet wurde, weil in einer weltweiten Pandemie strenge Regeln aufgestellt werden. Aber auch das ist schon passiert, nur eben am gestrigen Montag nicht. Ein bekennender Demokrat in den USA ist in den Augen eines Trumpianers mittlerweile alles: Kommunist, Sozialist, Anarchist, Faschist, ja, auch Anti-Christ.

Und so schrie denn Kim Guilfoyle in die Runde, dass man Venezuela, Kuba und Kalifornien, ihren früheren Heimatstaat, in einer Linie zu sehen hat. Guilfoyle war einst auch mit Gavin Newsom veheiratet, der damals Bürgermeister von San Francisco war und nun Gouverneur von Kalifornien ist. Wer die Zustände an diesen drei Orten nicht haben wolle, der könne nur für Donald Trump stimmen, so Guilfoyle. Well, Frau Möchtegern-Trump, ich höre ja gerne zu und weiß auch, dass hier in Kalifornien nicht alles so ist, wie es sein sollte und könnte. Aber den Golden State mit Venezuela und Kuba zu vergleichen, damit die politischen Systeme in den zwei Ländern mit dem größten und wichtigsten Bundesstaat der USA gleichzusetzen, grenzt schon sehr an die bescheuerte Argumentation ihres wahrscheinlich baldigen Schwiegervaters Donald Trump, der ja derzeit wieder einen auf Oberförster macht und die Kalifornier zum besseren Harken der Wälder auffordert. Es kann durchaus sein, dass ich mit meinen Einschätzungen über die USA, mit meinen politischen Sichtweisen, mit meinem Verständnis für das Land, in dem ich nun fast die Hälfte meines Leben verbracht habe, so ganz falsch liege. Aber irgendwie graust es mir davor, vier weitere Jahre in einem Land zu leben, in dem solch ein Führerkult zur Normalität geworden ist.

 

„I can’t stress enough the importance of being prepared to leave“

Keine guten Aussichten, eine dicke Rauchglocke hängt über allem.

Wenn man solche Worte von der Einsatzleiterin Shana Jones von CAL Fire hört, dann wird es ernst. „If that tingling on the back of your neck says ‚I need to leave,‘ then please do so. Do not wait to be ordered to do so.“ Wenn man das Kribbeln im Nacken spürt, man sollte lieber los, dann solle man das tun. Nicht erst warten, bis offiziell zur Evakuierung aufgerufen wird. Wenn die Einsatzkräfte zum Verlassen des Hauses von Tür zu Tür gehen oder über Lautsprecher dazu auffordern, dann muß alles schnell gehen. Fünf, maximal zehn Minuten bleiben dann. Diese Brände sind schnell, die Flammen fressen sich innerhalb einer Sekunde ein Fußballfeld voran.

Kein Zugang zu den Parks aufgrund der hohen Feuergefahr.

Freunde von mir meinten, sie packen gleich mal ein paar Koffer, damit sie bereit sind, falls es dazu kommt. Als ich das hörte, schaute ich mich hier um. Was muß mit, Unterlagen, Dokumente, Fotos….problematisch könnte es mit der Platten- und CD Sammlung werden. Was ist mit meinen Büchern? Ich glaube, ich werde gleich mal einiges zusammensuchen, rauslegen, den Wagen checken, gestern habe ich noch vollgetankt. Ich lebe in den Oakland Hills, fast direkt am East Bay Regional Park, dem größsten regionalen Parkverbund in den USA. Hier bin ich eigentlich jeden Tag mit meiner Käthe unterwegs. Seit Dienstag nicht mehr, der Park ist aufgrund der Feuergefahr gesperrt.

Im Laufe des Tages werden heftige Winde erwartet, die „dry lightning“ mit sich bringen sollen. Also, trockene Gewitter, die natürlich auf dem ausgedorrten Waldboden zu weiteren Bränden führen können. An über 600 Stellen brennt es bereits in Kalifornien, die Kapazitäten der Einsatzkräfte sind ausgelastet. Am Wochenende kamen nun „Fire Crews“ aus den Bundesstaaten Oregon und Washington im Golden State an. Gouverneur Gavin Newsom bat sogar bei Feuerbrigaden in Kanada und Australien um Unterstützung. Und das inmitten einer Pandemie. Evakuierte meiden derzeit die Sammelunterkünfte, viele von ihnen schlafen lieber in ihren Autos. Ich weiß, all das hätte verhindert werden können, wenn wir hier in Kalifornien nur mehr auf den „very stable genius“ gehört und endlich die Wälder besser geharkt hätten. Gleich morgen schultere ich mir Schaufel und Harke…passend zum republikanischen Wahlkonvent!

Ein seltsames Gefühl… Normalität!

Da schaue ich mir am Montagabend den Wahlkonvent der Demokraten an und auf einmal trifft es mich, das sind normale politische Reden. Vieles davon patriotisch und teils kitschig, aber so sind sie nun mal diese Wahlveranstaltungen. Diesmal findet alles online statt, keine Menschenmassen, kein Getröte und Gejubel, keine fallenden Luftballons. Und dennoch, das ist Amerika, wie ich es kenne.

Im Vergleich dazu, der Lügenbaron, seines Zeichens Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, auf einer Wahlkampftour durch mehrere Swingstates. Er erklärt, dass die Corona Situation in den USA nicht so schlimm sei, man müsse nur nach Neuseeland (!) blicken, dort gebe es einen riesigen Zuwachs an Covid-19 Fällen. Am Montag meinte Trump in Minnesota: „Big surge in New Zealand. It’s terrible. We don’t want that.“ Tatsache ist, nach 102 Corona freien Tagen vermeldete Neuseeland neun neue Fälle.

Bernie Sanders mit seiner wichtigen Rede für Joe Biden.

Da tat es richtig gut am Abend die Reden und Videos der Demokraten zu sehen. Wohlfühlfernsehen in einer verrückten Zeit, in einem ver-rückten Land. Die wichtigsten Reden kamen wohl von Michelle Obama und vor allem von Bernie Sanders. Hatte der sich noch 2016 bei der Unterstützung von Hillary Clinton deutlich zurück gehalten, machte er nun klar, dass es trotz inhaltlicher Differenzen zwischen ihm und Joe Biden nur ein Ziel geben dürfe, die Abwahl von Donald Trump. Sanders erklärte, Trump sei nicht nur eine Gefahr für die amerikanische Demokratie, für die Umwelt, sondern auch für den gesamten Planeten. Vier weitere Trump-Jahre hätten fatale Folgen. Von daher rufe er alle seine Unterstützer auf, das Team Biden/Harris zu wählen.

Bernie Sanders, das betonte er auch, hat in den letzten fünf Jahren die amerikanische Gesellschaft verändert. Die Bewegung, die er angestoßen hat, wurde anfangs als radikal verunglimpft. Doch mittlerweile sind viele dieser Positionen im „Mainstream America“ angekommen. Das sieht man auch an der politischen Plattform von Joe Biden. Bernie Sanders, so sagte er, kann das unterschreiben, was da steht. Der Auftritt von Bernie war mehr als wichtig, denn wie es aussieht, kann eigentlich nur die Linke der Partei den Wahlsieg von Joe Biden noch stoppen. Wenn jetzt im Vorfeld des Wahltages mit unsinnigen und inhaltlichen Debatten und Forderungen begonnen wird, hilft das nur Donald Trump.

Die Mehrheit der Amerikaner ist nicht auf Trump-Kurs. Das war 2016 schon so, das ist auch 2020 noch immer so. Einziges Ziel kann derzeit nur sein, vier weitere Trump Jahre zu verhindern, denn eine zweite Amtszeit hätte weitreichende Folgen für die Demokratie, die amerikanische Gesellschaft, die Medien, die Umwelt, die internationalen Beziehungen, die Rechtssprechung, den bürokratischen Apparat und vieles mehr. Man braucht am 3. November nicht für Joe Biden zu stimmen, wenn man ihn und seine Politik nicht mag. Das kann man laut und deutlich erklären, wenn man sein Kreuzchen hinter Biden/Harris setzt. Aber man muß am 3. November gegen Donald Trump votieren.

Seit nunmehr 34 Jahren darf ich wählen, in Deutschland, seit ein paar Jahren auch in den USA. Noch nie war eine Wahl in dieser Zeit so wichtig. So sehe ich das, denn das, was vier weitere Jahre mit Donald Trump als Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika bringen würden, für die USA und für die internationale Gemeinschaft, kann man nicht einfach mit einem Schulterzucken abtun. Trump würde weiter das Fundament der amerikanischen Gesellschaft und Demokratie unterhöhlen, mit weitreichenden und noch gar nicht abzusehenden Folgen. Nichtwählen ist hier keine Option und keine Alternative. Es geht um zu viel am 3. November.

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Eine filmische Brücke zwischen Berlin und San Francisco

Pornofilme haben einen schlechten Ruf. Rein-Raus, der schnelle Quickie, sie seien frauenfeindlich und geben nur ein falsches Bild von Sexualität wider. Dass das nicht so sein muß, zeigt Jahr für Jahr das Berliner Pornofilmfestival. Und das hat durchaus weite Kreise gezogen. Einige Filmbegeisterte im fernen Kalifornien wurden auf den Plan gerufen. Das erste San Francisco Pornfilmfestival findet Mittwoch bis Sonntag (19.-23.8.) Corona bedingt online statt.

“Weißt Du, in Toronto gibt es ein Pornofilmfestival, London hat eins, Berlin und auch Madrid. Und ich dachte mir, warum gibt es das überall, San Francisco braucht auch eines”, das meinte Shine Louise Houston zu mir, die Direktorin des ersten Pornofilm Festivals in San Francisco ist, auf die Frage, warum sie ein Filmfest mit nackten Tatsachen ans Golden Gate bringen wollte. Für sie war klar, das im prallen Festivalkalender von San Francisco solch eine Filmschau einfach fehlt, auch wenn andere Events, wie das weltweit größte LGBTQ Filmfest “Frameline” immer mal wieder “After Dark” Streifen im Programm haben, also Filme mit eindeutigen Sexszenen.

Vor über zehn Jahren sei sie zum ersten Mal zum Pornofilmfest nach Berlin gereist, meint Houston. “Ich war vollkommen hin und weg, denn da machten Leute etwas, was ich gerade erst für mich entdeckt hatte, ich bin eine Filmliebhaberin. Für mich war klar, ich wollte wirklich schöne Filme machen und hier waren Leute, die dieselben Ideen und Werte hatten und fantastische Dinge realisierten.”

San Francisco, die Stadt am Golden Gate, ist wohl wie für dieses Festival gemacht. In San Francisco werden die teils puritanischen Gesetze wie in anderen Teilen der USA einfach ignoriert. Die “City by the Bay” gilt als die Hauptstadt der Gay-Bewegung, hier feiert alljährlich die BDSM Szene ganz offen das Folsom Street Fair mit Hundertausenden von Besuchern. Und hier gibt es auch eine lange Geschichte von unabhängigen Filmschaffenden, die teils künstlerisch, teils gewagt und provokant “Adult Movies”, Filme mit sexuellem Inhalt, produzierten. In den 1960er Jahren nannte die New York Times San Francisco sogar “The Smut Capital of the United States”, also die Porno oder Schweinkram Hauptstadt der USA.

Die Dokumentation “Smut Capital of America”, die beim Festival gezeigt wird, erzählt genau davon, dass San Francisco einmal das Epicenter der amerikanischen Pornoszene war. Doch davon ist nicht mehr viel übrig geblieben. Heute denkt man bei US Pornos vor allem an das San Fernando Valley außerhalb von Los Angeles und an Las Vegas.
Für Shine Louise Houston ist es dennoch ein Heimbringen eines Filmgenres, dass hier sowieso schon auf verschiedenste Weise gefeiert wurde: “Ich verstehe Porno einfach als ein weiteres Film Genre. Es ist nicht monolithisch, es gibt vielmehr eine riesige künstlerische Vielfalt innerhalb des Genres, bei dem man denkt, oh mein Gott, das ist Porno?”

Es geht bei diesem Pornofilmfestival nicht um die schnelle Befriedigung, um unmögliche Positionen, um ein aneinander reiben von wunderschönen Körpern. Ganz im Gegenteil, Porno ist hier ein weit gefasster Begriff. Ja, es wird auch kopuliert, geleckt und mit Grenzen gespielt, aber es wird vor allem ein durchaus künstlerischer, ästhetischer und politisch korrekter Blick auf nackte Haut und Vorlieben gewährt.

Eigentlich sollte es ja ein traditionelles Festival in einem Kinosaal werden, die Verträge waren unterschrieben, doch dann kam Corona. Und alles änderte sich. Was tun? Für Shine Louise Houston war klar, man werde am eigentlichen Konzept festhalten. “Wir wollten nicht einfach “Video on demand” machen, also, dass die Leute sich die Filme einfach ansehen können, wann sie wollen. Mir war die Festivalidee wichtig. Das miteinander Ansehen als Erfahrung. Also machten wir uns daran, wie wir das live Streamen können, mit einem Live Chat und all dem, damit man das Gefühl bekommt, die Filme gemeinsam zu sehen. Denn für mich ist gerade das der wesentliche Part eines Festivals.”

Im nächsten Jahr soll es dann aber doch ins Kino gehen, der Vertrag mit dem Brava Theater am Rande des Mission Distrikts von San Francisco wurde einfach um 12 Monate verschoben. In diesem Jahr allerdings kann man problemlos auch aus der Nürnberger Metropolregion dabei sein.
Tickets für das Festival gibt es hier: https://sfpff.pinklabel.tv/tickets/

Trump der QAnon Star

Es ist schon erstaunlich, was in den USA alles möglich ist. Da ist ein Präsident, Donald Trump, der einer republikanischen Kandidatin zum Wahlerfolg in den Vorwahlen gratuliert. Doch die ist nicht irgendeine aufstrebende Politikerin, Marjorie Taylor Greene glaubt an QAnon, jene Verschwörungstheorie, die besagt, dass Eliten in Politik und Showbusiness Kinder entführen, sie in unterirdischen Gefängnissen halten, foltern, sexuell mißbrauchen. Und genau dieser Greene sagt Donald Trump, seines Zeichens Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, eine große Zukunft in der republikanischen Partei voraus.

Greene muß im November nun in einem für die Republikaner eigentlich sicheren Wahldistrikt gegen den demokratischen Herausforderer Kevin Van Ausdal antreten. Ihre Chancen stehen gut. Trumps Tweet hilft da sicherlich. Die eigene Partei hatte sich im Vorwahlkampf gegen Greene ausgesprochen, doch das ist Trump egal. Er wird schon seit langem von den QAnon Anhängern gefeiert als derjenige, der Kinder aus unterirdischen Gefängnissen befreit und aufräumt im „Deep State“.

So idiotisch und verrückt die Verschwörungstheorie um QAnon auch sein mag, umso gefährlicher ist die öffentliche Gratulation durch Trump. Denn dieser hebt eine Kandidatin wie Greene und ihre Überzeugungen damit auf eine Stufe, wo solche Schwachsinnsideen, die auch vom Schmalzbarden Xavier Naidoo unterstützt werden, als freie Meinung, ja, normal angesehen werden. Die QAnon Gemeinde unterdessen feiert den Vorwahlsieg von Greene und natürlich auch die Anerkennung durch Trump. Der Präsident selbst ist ja schon seit langem Anhänger von Verschwörungstheorien und verbreitet diese nur zu gerne über Twitter und in seinen Auftritten. Der Schulterschluß zwischen QAnon und dem vermeintlich mächtigsten Mann der Welt ist wohl keine Fantasie mehr, wie Trumps Tweet zeigt.

Marjorie Taylor Greene verteidigt Q als „patriotisch“. Diese angebliche Person tauchte vor zwei Jahren online auf und gab sich als Insider im Regierungsapparat aus. Wer dahinter steckt ist nicht bekannt, doch seitdem spuken die wildesten Geschichten und Theorien durch das World Wide Web. Vor allem in den USA und Deutschland stoßen die kruden Stories auf großes Interesse und finden Tausende Anhänger, wie auch auf den Anti-Corona Demonstrationen zu sehen ist. In ihrer Siegesrede am gestrigen Dienstag erklärte Greene, die Sprecherin des Kongresses, Nancy Pelosi, sei „unamerikanisch“. Man werde „diese Schlampe aus dem Kongress werfen“. Auch wenn Greene alle Medienvertrer als „fake news“ brandmarkte und sie am Abend aus dem Saal verwies, war der Inhalt ihrer Rede bekannt, denn die Kandidatin stellte sie auf youtube. Das wußte Trump als er Greene gratulierte. Der Skandal ist sicherlich, dass jemand wie Greene in den Kongress gewählt werden kann. Der größere Skandal allerdings ist, dass der Präsident solche Leute auch noch unterstützt.

Präsident Joe Biden? Na ja!

Joe Biden führt in den Umfragen. Nicht nur US weit, sondern vor allem auch in etlichen der umkämpften Swing States. Das ist schon erstaunlich, denn Biden taucht nicht gerade oft auf. Er ist zu Hause, gibt Interviews per Skype oder Zoom und hält sich an die „social distancing“ Regeln und Regularien des „Centers for Disease Control“ (CDC). Er muß gar nicht so viel machen, um zu punkten.

Mit fast 78 Jahren ist er die Hoffnung Amerikas. Foto: AFP.

Denn seinen Wahlkampf macht Donald Trump, der sich selbst zerlegt. Der meint noch immer, er spreche für die „silent majority“, all die Umfragen seien nur „fake news“. Trump zitiert nur dann solche Zahlen, wenn sie für ihn sprechen. Sein Umfeld scheint ihm zu erklären, Biden sei kein ernstzunehmender Gegner für ihn, am 3. November werde er, Trump, wiedergewählt werden.

Erstaunlich ist die derzeitige Stimmung schon in den USA. Es sieht nach einem Wahlsieg von Joe Biden aus, doch das nicht, weil dieser so überzeugend ist, mitreißende Programme vorstellt, das Land mit denkwürdigen Reden eint. Nein, Biden liegt einfach vorne, weil Trump eben Trump ist. Der meint, er kann alles, weiß alles und vor allem alles besser als Fachleute. Diese Haltung bringt ihn gerade ziemlich aus dem Gleichgewicht, denn die USA durchwandeln eine Krise, wie sie so noch nie dagewesen ist. Eben eine führungslos erlebt.

Amerika wird denn auch nicht unbedingt am 3. November für den Demokraten Biden stimmen, sondern eher gegen den Amtsinhaber. Die „silent“ und „not so silent majority“ im Land hat genug von Donald Trump. Dessen tägliches Gepoltere auf Twitter, dessen Unfähigkeit in der Corona Krise, dessen unpassende Antworten auf die historisch notwendige und tiefgehende „Black Lives Matter“ Debatte im Land, haben bei den Demokraten zu einem Schließen der Reihen geführt. Bei den Republikanern wuchs die Gruppe der Zweifler und derer, die sagen, sie werden diesmal überhaupt nicht zur Wahl gehen oder nur für die Kongressabgeordneten stimmen. Und die „Independents“, die mal so und mal so wählen, wurden von Trump alles andere als überzeugt, denn weder seine vielgepriesene Steuerreform, noch seine Aufkündigung von Obamacare kam ihnen zugute. Und das gepaart mit Trumps Ton und seinen dilettantischen Manövern gerade in diesem Jahr macht das Ankreuzen am Wahltag einfach.

Trump wird also am 3. November vor allem über sich selbst stolpern. Das ist passend für einen Narzisten, einen Mann, der von sich selbst sagt, keine Fehler zu machen. Das wird an ihm nagen. Vielleicht, so zumindest die Hoffnung. Wahrscheinlicher ist, dass er andere für seine Niederlage verantwortlich macht, einen Wahlbetrug sieht und fest davon überzeugt sein wird, eigentlich doch die Wahl gewonnen zu haben. Aber das wäre egal. Die große Frage ist eigentlich nur, wie dieses Land nach Trump wieder auf Kurs kommen kann. Ob Joe Biden der richtige Mann im Oval Office sein wird, um die innere Einheit zu schaffen und das Vertrauen von außen wieder zu bekommen, ist fraglich. Vieles hängt von dem ab, wen er mit ins Boot holt. Und wohl auch davon, ob die Republikaner selbst einen Schlußstrich unter das Kapitel Donald Trump ziehen, oder ob sie glauben, sie müssen in den kommenden vier Jahren offene Rechnungen begleichen.

Wen wundert’s noch?

Donald Trump würde gerne neben George Washington, Thomas Jefferson, Theodore Roosevelt und Abraham Lincoln in den Fels gemeißelt werden. Das stände ihm gut, findet er. Und wohl nur er. Klar, Trump erklärt, das sei Fake News, allerdings liegen verschiedene Berichte vor, dass er das tatsächlich angesprochen haben soll. Verwundern tut es nicht mehr.

Er wäre so gerne einer von ihnen. Foto: AFP.

Denn Donald Trump ist jener Präsident, der auch schon Grönland kaufen wollte, der eine Liebesbeziehung mit dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong-Un unterhält, der marschierende Neonazis als „fine people“ bezeichnete, der das Corona Virus als Schwindel der Chinesen und der Demokraten abtat, der eigentlich immer und bei allem alles besser weiß. Von daher, dieser Mann sieht es sicherlich als ganz normal an, dass sein Konterfei neben den vier legendären Präsidenten am Mount Rushmore verewigt wird.

Erstaunen tut einen das nicht mehr. Und gerade das ist das Problem. Trump hat Narrenfreiheit, er kann tun und lassen und sagen, was er will, politische Konsequenzen muß er nicht fürchten. Seine Basis steht zu ihm und seine Partei übergeht lieber schweigend und kommentarlos, was ihr Führer da von sich gibt. Und auch international führt das, was der Präsident der Vereinigten Staaten erklärt, tweetet, in die Welt hinaus posaunt zu keinen großen Krisen mehr. Man denke nur daran, dass Trump nach der gewaltigen Explosion in Beirut erklärte, „seine Generäle“ hätten ihm gesagt, dass sei ein enormer Anschlag gewesen. Nach dem Motto, im Nahen Osten könne ja nur ein Terroranschlag solch einen Schaden anrichten. Kein General hat das zu Trump gesagt, aber Trump versteckt sich gerne hinter solchen Floskeln, „people are talking“. Für Aufregung hat diese Trumpsche Aussage nicht geführt.

Man kann nur hoffen, dass am 3. November der Spuk ein Ende findet, doch klar ist auch, falls Trump wirklich die Wahl verlieren sollte, bleiben ihm noch zweieinhalb Monate im Amt, um großen Schaden anzurichten. Und nicht nur das, er wird sicherlich nicht einfach die Koffer im Weißen Haus packen. Schon jetzt schürt er Zweifel an diesem Wahlgang. Ein Donald Trump verliert nicht und würde eine Niederlage schon gleich gar nicht eingestehen. Was das für die amerikanische Demokratie, für die amerikanische Nation bedeuten wird, ist noch unklar. Gefährlich könnte es allerdings werden. Man kann also nur hoffen. Nicht auf die Einsicht von Donald Trump, die wird es nicht geben. Aber darauf, dass Amerika doch noch irgendwie die Kurve kratzt. Etwas angeschlagen, ganz sicher, aber eben mit einem blauen Auge davonkommend.

 

Covid-19 in San Quentin

San Quentin von oben.

Im Landeanflug auf den internationalen Flughafen von San Francisco ging es gestern über das Staatsgefängnis von San Quentin. Ich dachte an Reno, den ich schon seit etlichen Wochen nicht mehr gesprochen hatte. Mein Brief blieb vor meiner Abreise unbeantwortet. Ich verfolgte die Nachrichten, wußte, dass Covid-19 hinter den Gefängnismauern besonders heftig wütete. Weit über 1600 Gefangene wurden positiv getestet, ein Drittel aller Häftlinge.

Und auch im East-Block, dem Todestrakt von San Quentin, wurde Covid-19 nachgewiesen. Insgesamt starben etwa zweit Dutzend Gefangene, etliche davon auf Death Row. Reno ist 75 Jahre alt, gesundheitlich mehr als angeschlagen. Ich hatte mit dem Schlimmsten gerechnet. Doch heute kam ein Anruf von ihm. Er lebt. Und darüber ist er selbst überrascht. Dreimal wurde er in den letzten Wochen in Krankenhäuser verlegt, drei verschiedene in der San Francisco Bay Area. Er konnte nicht anrufen, nicht schreiben. Es ging ihm schlecht, sehr schlecht.

Seit Montag ist er wieder in seiner Zelle. Das Atmen falle ihm schwer, er bekomme Sauerstoff. San Quentin ist noch immer unter verschärftem „Lock-Down“, Frühstück und Mittagessen erhalten die Gefangenen nun in braunen Papiertüten in ihren Zellen. Keine Besuche sind erlaubt, selbst Rechtsanwälte haben derzeit keinen Zugang zu ihren Klienten. Die Situation in San Quentin geriet im Mai außer Kontrolle, als der Staat 121 Häftlinge aus einem anderen Gefängnis dorthin verlegte. Alle waren zwar vorab getestet worden, doch die Befunde lagen noch nicht vor. Etliche von ihnen waren positiv. Diese Erkenntnis kam zu spät. Covid-19 breitete sich da bereits in den engen Unterkünften und Lebenssituationen von San Quentin aus. „Laß uns am Montag oder Dienstag reden, dann habe ich wieder das Telefon. Ich muß mich hinlegen“, meinte Reno nach wenigen Minuten am Telefon. Er lebt, das ist zumindest eine gute Nachricht in diesen Tagen.

Coming home…

Der Münchner Airport war im internationalen Bereich fast leer. Keine Läden waren geöffnet, die LH-Lounges geschlossen, irgendwie schien alles viel dunkler, man spart in diesen kümmerlichen Reisetagen wohl auch am Licht. Im Flieger von MUC nach SFO war vielleicht gerade mal jeder vierte oder fünfte Sitz besetzt. Der Abstand konnte eingehalten werden, Mund-Nasen-Schutz war während der gesamten Reise vorgeschrieben. „Zum Essen und Trinken können sie die Maske abnehmen“, meinte der nette Mann bei seiner Durchsage.

Damit man es nicht vergisst.

Auf dem Flug bekamen die Passagiere ein Formular des „Center for Disease Control“ (CDC), auf dem man Name, Adresse in den USA und Symptome angeben mußte. Nur einzeln durfte man in San Francisco das Flugzeug verlassen, noch vor dem Terminal warteten Mitarbeiter des CDC im Gate-Tunnel, um weitere Fragen zu stellen und die Formulare einzusammeln. „Haben Sie Fieber?“, fragte mich die nette Frau und ich dachte sie fragt das, weil ich etwas in Schwitzen gekommen war. „Nein, mir ist nur warm“, antwortete ich. Damit war sie zufrieden. Sowieso komme ich mir in diesen Tagen blöd vor, wenn ich schwitze. Auch im Flieger schafften die es wieder nicht, in diesem sündhaft teuren Flugobjekt die Klimanlage so einzustellen, dass man nicht schweißgebadet aufwacht. Ich hoffte nur, dass da niemand an meinem Platz vorbeikam, mich sah und sich dachte, ich fiebere vor mich hin. Von der CDC-Dame erhielt ich dann noch einen „Flyer“ falls Unklarheiten bestehen sollten. Das war es dann.

Gähnende Leere auch hier im internationalen Terminal des Airports. Keine Schlange an der Passkontrolle, das Gepäck kam schnell, es waren ja kaum Passagiere an Bord. Sowieso fehlten andere ankommende Flieger. Normalerweise landen um diese Zeit gleich mehrere Maschinen aus aller Welt. SFO ist in normalen Zeiten eine der wichtigen Drehscheiben an der amerikanischen Westküste. Und auch draußen das selbe Bild, kaum Wartende, keine langsam fahrenden Autos, keine Polizisten, die mit lauten Pfiffen zum Weiterfahren aufforderten.

Nun sitze ich wieder daheim in Oakland. Die letzten zwei Wochen gingen wie im Flug vorbei. Wann die nächste Reise klappen könnte, kann ich noch gar nicht sagen, noch nicht absehen, hier und da fließt bis dahin noch viel Wasser durchs Golden Gate und die Pegnitz runter. Wie heißt es so schön: schaun mer mal!

 

Gibt es den Masterplan?

Donald Trump liegt in den Umfragen weit zurück. Nicht nur in den US weiten, in denen das sowieso anzunehmen ist, sondern mittlerweile auch in etlichen „Swing States“, also Bundesstaaten, die mal so und mal so wählen und die er im Zweikampf gegen Hillary Clinton 2016 noch für sich entscheiden konnte. Und nicht nur das, selbst in Texas ist aus dem einst sicheren Vorsprung von Trump ein Kopf an Kopf Rennen mit dem demokratischen Herausforderer Joe Biden geworden.

All das wird im Trump Lager die roten Warnleuchten aufleuchten lassen. Der Präsident und sein Team waren bislang fest davon überzeut, dass ihr „Make America Great Again“ Zug, auch diesmal als erster ins Ziel einlaufen wird. Mit einer florierenden Wirtschaft, mit einer festen Basis im Rücken, mit einem zerstreuten demokratischen Feld sah alles nach einem Selbstläufer aus. Doch dann kam Corona, dann kam „Black Lives Matter“. Trump sank immer tiefer in den Umfragen, gerade eben auch, weil er unfähig in den nationalen Krisen war.

Donald Trump findet, er sieht mit Mund-Nasen-Schutz wie der „Lone Ranger“ aus. Foto: Reuters.

Doch es ist Wahlkampf und Trump macht genau das, was er am besten kann, er schlägt wild und scheinbar unüberlegt um sich, greift den politischen Gegner genauso an wie Kritiker in den eigenen Reihen und internationale Partner. Er stellt sich als „Law & Order“ Präsident dar, stellt sich für seine Anhänger schön ins Bild und erzählt das gleiche einfach weiter, was er Anfang des Jahres schon gesagt hat. Doch Amerika und die Welt sind nicht mehr die gleichen. Das Chaos in den USA wird von Trump selbst geschürt und es scheint, es gibt diesen „Masterplan“, wie er auf Biegen und Brechen seine Wiederwahl doch noch erreichen kann.

Beispiel 1: Trump läßt in verschiedenen Städten, in denen zumeist friedlich protestiert wird, Bundespolizisten aufmarschieren, die die Lage vor Ort eskalieren lassen. Demokratische Bürgermeister und Gouverneure wehren sich gegen diese Einsätze, doch der Präsident schickt einfach weitere Einheiten. Ihm scheinen die Bilder von brutalen Kämpfen und Auseinandersetzungen zu gefallen, passen sie doch genau in sein Bild. Immer wieder betont er, dass die Städte von Demokraten regiert werden, wer für Biden stimme, der wolle, dass solche Zustände überall im Land herrschen.

Beispiel 2: Seit Monaten wettert Trump fast täglich gegen die allgemeine Briefwahl bei der kommenden Abstimmung am 3. November. Briefwahlen seien anfällig für Manipulation, seien nicht fair, ungenau, das Ergebnis würde nur schleppend und mit großer Verzögerung („maybe years“) bekannt gegeben werden. Trump will auch trotz Coronakrise die Wahlen direkt in den Wahllokalen haben, denn eine allgemein niedrige Wahlbeteiligung käme ihm zugute. Er weiß, dass seine Anhänger ihre Stimme abgeben werden, sie zweifeln ja schon lange ganz oder zum Teil an der Gefährlichkeit von Covid-19.

Und falls es doch zur Briefwahl kommen sollte, gibt es da nun auch einen Plan B. Trump hat im Juli einen neuen Postmaster General eingesetzt, einen ehemaligen Großspender von Trump, der einen Millionendollarbetrag für ihn 2016 überwiesen hat. Und genau dieser neue Leiter der US Post verlangsamt nun den Ablauf im Postsystem, ganz gezielt und mit weitreichenden Folgen. Arbeitnehmervertreter erklären schon jetzt, dass damit der schnelle Versand von Briefen kaum noch möglich ist. Die Briefberge werden größer und größer, im Angesicht einer großangelegten Briefwahl drohe ein Chaos, so warnende Stimmen bei den Briefzustellern. Das scheint aber gewollt zu sein, denn genau das paßt ja ins Bild von Donald Trump.

Beispiel 3: Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika redet von einer Verlegung der Wahl, was verfassungswidrig wäre. Der Aufschrei ist groß, in den eigenen Reihen jedoch eher verhalten. Trump testet damit erneut die Lage per Twitter und mit einer Bemerkung aus, wie weit er sich vorwagen kann, um die Wahl am 3. November als solche zu unterminieren, hinauszuzögern, um wieder in „normale“ Zeiten zu gelangen, wo die Trumpsche Welt noch in Ordnung ist. Denn Corona und BLM setzen seinem Wahlkampfteam zu. Trump spricht zwar von der „Silent Majority“ in den USA, die hinter ihm stehe, doch wer genau das sein soll, das ist unklar. 2020 ist nicht 2016. Joe Biden nicht Hillary Clinton, denn der steigt in den Umfragen, selbst dann, wenn er kaum öffentliche Auftritte hat. Das Votum am 3. November, das wird immer deutlicher, wäre denn auch nicht unbedingt eine Wahl für Joe Biden, sondern eher eine Abwahl von Donald Trump, wenn der das nicht noch irgendwie verhindern kann. Amerika hat vom „stable genius“ im Weißen Haus die Nase gestrichen voll.