Die unwählbare Hillary wird gewinnen

Hillary Clinton ist eigentlich unwählbar. In jedem anderen Wahlkampf hätte sie keine Chance. Noch Anfang letzten Jahres war ich fest davon überzeugt, dass die einstige First Lady nicht kandidieren wird. Sie hatte zu viel „baggage“, politische Leichen im Keller. Doch dann verkündete sie ihre Kandidatur und ich dachte, „boah, Hillary hat echt ein großes Ego“. Dass sie sich in der eigenen Partei durchsetzen würde war klar, aber in einem Wahlgang gegen einen republikanischen Kandidaten sah ich für sie ein Waterloo heraufziehen.

Die Schwäche der anderen ist Hillarys Stärke. Foto: Reuters.

Die Schwäche der anderen ist Hillarys Stärke. Foto: Reuters.

Damals dachte ich an einen Gegenkandidaten wie Scott Walker oder Jeb Bush oder Chris Christie. Damals….doch das ist lange her. Alles kam anders, mit Donald Trump wurde alles anders. Solch einen Wahlkampf hat Amerika noch nicht gesehen. Das republikanische Schlachtfeld wurde zum abendlichen Unterhaltungsprogramm, Opfer links und rechts. Walker, Perry, Bush, Christie, Carson, ein Name nach dem anderen mußte von der Liste der potentiellen Hillary-Drachentöter gestrichen werden.

Im Rennen um die GOP-Krone blickt man nun auf Donald Trump und Ted Cruz. Zwei Kandidaten, die Amerika weder will noch gebrauchen kann. Trump der Egomae, Cruz der Radikalkonservative. Schlimmer könnte es nicht kommen. Egal wer sich von ihnen in den eigenen Parteireihen durchsetzen wird, gegen die Über-Demokratin Hillary Clinton haben sie keine Chance. Doch genau einer der beiden wird Hillary Clinton zurück ins Weiße Haus bringen, egal ob die in den Wählerumfragen nicht überzeugen kann oder bei den Republikanern wie das berühmte rote Tuch ist. Ihre Stärke ist die Schwäche der anderen. Damit liegen schon jetzt schwierige Jahre vor Amerika.

Meine erste Schallplatte

Vor ein paar Jahren packte ich meinen Container mit den letzten Habseligkeiten und Besitztümer, die ich noch in Nürnberg gelagert hatte. Darunter auch etliche Boxen mit Schallplatten, die ich jahrelang vermisst hatte. Die stehen nun wieder hier im Regal, darunter teils obskure Sachen, wo ich mich beim Anblick frage, wie ich nur dazu gekommen bin. Meine erste Vinyl Single war der Eurovisions Hit von Dschinghis Khan „Dschinghis Khan“, gekauft hatte ich die damals in Dortmund-Mengede. Meine erste Langspielplatte war „The best of Abba“, erworben in der Plattenabteilung von Hertie. Mein Bruder meinte damals zu mir, „das wirst Du später bereuen“. Na ja, lange Zeit stand sie dann da ungehört rum, vor allem in der Zeit, als ich mehr auf Rockmusik zwischen AC/DC, Kiss, Saxon und Uriah Heep stand. Aber mittlerweile finde ich Abba gar nicht mal so schlecht.

Doch damit fing vor fast 35 Jahren alles an. Im Laufe der Zeit hat sich hier einiges angesammelt.  Noch immer kaufe ich Vinyl, noch obskurere Aufnahmen als damals. Hauptsächlich uralte deutsche Aufnahmen, die man hier gelegentlich in Plattenläden (!) findet, oder aber historische „Recordings“, alte Reden, Theateraufführungen, geschichtliche Ereignisse. Also, meine Schallplattensammlung wächst noch.

Warum ich das schreibe? Morgen ist „Record Store Day“. Viele Bands, die Vinyl lieben, veröffentlichen an diesem Tag spezielle 45er oder 33er. In den Plattenläden treten Musiker auf, man zelebriert die Schallplatte. Sammler tauschen sich aus, berichten von ihren besonderen Juwelen in den Regalfächern. Vor allem liebt man den Klang der Vinylplatte, der anders, der viel besser ist, als jede mp3 File.

Wenn ich über Schallplatten rede, dann erinnere ich mich an damals (ich bin ja so alt!). Wie ich in Nürnberg zwischen Radio Adler, WOM, Music Shop, Goofy, Francoise, Phonac, Karstadt rumgelaufen bin, um die eine oder andere Platte etwas billiger zu finden. Man kaufte eine LP nicht wie heute einen Download. Man zelebrierte das, man sparte auf den Kauf, schaute sich das Plattencover genauestens an, las die Songtexte durch, hörte sich das Album von vorne bis hinten an und tauschte sich dann mit anderen darüber aus. Plattensammeln gehörte für mich zu meiner Jugend, wie das Handballspielen.

Und nun wird eben genau das Jahr für Jahr beim „Record Store Day“ gefeiert. Schon alleine der Geruch in einem „Used Record Store“…. Ein schönes Ereignis, ich hoffe, am Samstag sind auch in Nürnberg und woanders die Plattenläden gut besucht, denn Vinyl ist einzigartig.

Im Gleichschritt zur Staatsbürgerschaft

Präsident Obama wollte die Gesundheitsreform. Das war eine seiner wichtigsten politischen Ziele. Doch mit der Umsetzung des landläufig als „Obamacare“ verschrienen Gesetzes, wurde alles andere in Washington ausgebremst. Die Republikaner hassen Obama und hassen noch mehr „Obamacare“. Die Gesundheitsreform sei unamerikanisch, sozialistisch, ein Jobkiller. Alles wird versucht, um irgendwie auch noch jetzt und heute die neue Regelung auszuhebeln. Klar ist, mit einem republikanischen Präsidenten im Weißen Haus, wird „Obamacare“ ausgehöhlt oder ganz abgeschafft werden.

Egal, dass nun auch Menschen mit chronischen Krankheiten versichert sein können oder bislang Unversicherte einen Versicherungsschutz bekommen. „Obamacare“ hat alles andere ausgebremst. Nichts geht mehr in Washington. Der totale Stillstand hat eingesetzt. Seit Jahren wird versucht in den USA eine Reform des Einwanderungsgesetzes durchzusetzen. Ich selbst habe die Idiotie dieses legalen Prozesses mitmachen müssen und habe mich bei jedem Schritt gefragt, wie das jemand aus Mexiko überhaupt hinbekommen kann. Ich war dankbar Deutscher zu sein, um Amerikaner zu werden.

In dieser Legislaturperiode und in der verbleibenden Amtszeit von Präsident Obama wird es keine grundlegende Überarbeitung des Immigrationsgesetzes mehr geben. Das steht fest. Nun haben ein paar Republikaner eine neue Initiative ins Gespräch gebracht, um Willigen den amerikanischen Pass schmackhaft zu machen. Potenzielle Einwanderer sollen sich „freiwillig“ zum Dienst an der Waffe verpflichten, dem neuen Vaterland dienen, bereit sein für Amerika zu sterben. 43 republikanische Abgeordnete haben diese Initiative unterschrieben, die sie passend „ENLIST Act“ nennen, also man unterschreibt bei der Navy, der Army, der Air Force, den Marines und wird dann bevorzugt auf dem Weg zum Staatsbürger behandelt.

Als Amerika noch eine „Draft“, eine allgemeine Wehrpflicht, hatte, wurden auch hier lebende Deutsche zum Militärdienst eingezogen. Ich kenne einige Deutsche, die in den 50er Jahren in die USA auswanderten und dann erstmal ihren Armeedienst ableisten mußten. Pikanterweise wurden sie oftmals in Deutschland oder Österreich stationiert, als Mitglied der US Army.

Kraftwerk in Oakland

„Where did you get that Radio Goethe jacket?“, fragte mich einer im Fox Theater in Oakland. „I am Radio Goethe“, meinte ich darauf. Klar, an so einem Abend muß ich doch meine von Atze Bauer bedruckte Radio Goethe Jacke tragen. Kraftwerk spielten zum ersten mal in meiner Wahlheimat Oakland. Erst wurde ein Konzert angekündigt, nun sind sie an drei Abenden in der Stadt. Ausverkauft.

Mein erstes 3D Konzert und es war der Wahnsinn. Am Eingang erhielt jeder Besucher eine 3D Brille ausgehändigt. Auch wenn mit Ralf Hütter nur noch ein Gründungsmitglied mit dabei ist, das macht rein gar nichts aus, denn die Kraftwerker bewegen sich eh nicht viel auf der Bühne. Vier Pulte, dahinter stehen sie in seltsam gestreiften Anzügen und dahinter eine riesige Leinwand, auf der Symbole herumfliegen und Filmchen gezeigt werden. Dreidimensional wohlgemerkt, der eine oder andere im Publikum, etwas berauscht vom nordkalifornischen Gras und den elektronischen Klangteppichen der Düsseldorfer, duckte sich immer mal wieder vorsichtshalber weg. Yeah!

Rund 140 Minuten lange beschallten Kraftwerk ihr begeistertes Publikum, der Altersdurchschnitt lag bei etwa 50. Ich war also weitaus nicht der Älteste, eher so im unteren Durchschnitt. Alle Platten der Elektro-Pioniere wurden abgearbeitet. Es klang frisch und doch, hier wurde das Fundament der modernen Musikwelt präsentiert. Kraftwerk leben von ihrem Namen, von ihrer Grundlagenarbeit in den 70er Jahren. Und doch ist das anders, als wenn hier Uriah Heep auf der Bühne stehen würde. Es ist nicht einfach ein Abspielen alter Songs, quasi „Easy Livin'“. Kraftwerk arbeiten vielmehr mit den technischen Möglichkeiten von heute, um ihren „alten“ Sound ganz neu zu präsentieren. Es ist ein Wohlfühl-Klangbad, in dem man sich akustisch und visuell aalt. Ein Hörgenuss für alte Fans und junge Neugierige, die von diesen „Germans“ schon viel gehört, aber sie noch nie so nah erlebt haben.

Ich seh‘ nicht aus wie ein Amerikaner

„Are you a citizen“, fragte mich der Grenzbeamte am Flughafen von San Francisco. Und das, obwohl ich ihm meinen US Pass reichte. „Ähm, yes“. „How did you obtain your citizenship?“, kam die nächste Frage, so, als ob ich mir auf dem Heimaturlaub im Frankenurlaub mal schnell einen amerikanischen Reisepass ausgedruckt habe. Meine Erklärung, dass ich bereits seit 18 Jahren hier lebe, eine Green Card hatte und schon mehrmals durch das ganze bürokratische Prozedere mit der INS und dem Homeland Security Department marschierte, interessierte ihn wenig.

Steif auf seinem Stuhl sitzend blätterte er durch den Pass. Da war kein Stempel, also kam die Frage, ob ich mit einem anderen Reisedokument reise. „Yes, I have a German passport“. Den wollte er dann sehen, und damit begann das Verhör. Interessiert schaute er sich jeden Stempel und jedes Visa an. Was ich denn so oft in Ruanda gemacht habe. Ach ja, und im Kongo. Und dann fiel sein Blick auf die Afghanistan Visa. Alle Glocken schrillten auf, da bot sich dem Beamten die Chance einen getarnten Talibankämpfer hier am SFO Airport zu fangen. Ich sehe ja auch so aus, wie der Bruder von Abdullah Ali Khan. Warum waren Sie in Afghanistan? Wo genau waren Sie? Wer hat Sie dazu verleitet? Wo war ich untergebracht? „I was embedded with the German army“, ließ er als Antwort nicht gelten. „So, you were serving the German army?“, meinte er mit steinernem Gesichtsausdruck.  „No, I’m a journalist“. Der Typ ging wirklich zum Lachen in den Keller.

Man muß sich schon sehr zurück halten, um da einen kühlen Kopf zu bewahren. Der Typ war nicht zum Spaßen aufgelegt. Nach langen Minuten gab er mir schließlich meinen Pass wieder und vermerkte etwas auf der Zollerklärung. Geheimcode Homeland Security. Und klar, der Zoll zog mich raus. Mein INS Beamter wollte also mal zwischen meine Unterhosen und Hemden schauen lassen. Die „Customs Agents“ waren allerdings freundlich und etwas überrascht, dass ein Deutscher seine Koffer öffnen sollte. Auch sie fragten und fragten, aber es war mehr ein freundlicher „Chitchat“. Zwei unterhielten sich, einer wühlte durch die Koffer, schaute sich Bücher an. Klar, hätte ja das Manifest von Mullah Omar sein können, oder schlimmer Lenins Schriften, doch dem Oberkommi hatte ich ja schon bei meiner Einbürgerung abgeschworen. Die vielen CDs für Radio Goethe waren nicht auffällig, also „Thank you and have a nice day“.

Amerika ist schon ein seltsames Land. Da reist man 18 Jahre lang unbescholten hin und her und dann kommt so ein Terroristen jagender Beamter, der einen nach einem endloslangen Transatlantikflug zuquatscht und gleich mal als Bombenleger vorverurteilt. Egal, ich bin angekommen. Der Alltag hat mich wieder.

Wahlrecht ist Grundrecht

44,3 Prozent war die Wahlbeteiligung bei der Nürnberger Kommunalwahl. 44,3 Prozent. Noch nicht mal jeder Zweite gab seine Stimme ab. Und das bei einer Wahl, die demokratischer nicht sein könnte. Keine 5 Prozent Hürde, man kann mit seiner Stimme etwas bewegen, seinen Nachbarn, seinen Sportsfreund, seinen Kollegen, seinen Lehrer, Bäcker, seinen Fanblocknebeinemsteher in den Stadtrat wählen. Selbst das Argument, ist ja egal ob SPD oder CSU, trifft hier nicht. Bei der Kommunalwahl traten genügend kleinere Parteien und Gruppen an, für die man sich entscheiden hätte können. Wem diese politische Meinungsvielfalt nicht gefällt oder zusagt, dem ist wahrlich nicht mehr zu helfen. Da bleibt nur der Ratschlag, bei der nächsten Kommunalwahl mit einer eigenen Liste anzutreten. Die gute Nachricht, selbst das  ist möglich.

55,7 Prozent der Nürnberger Bürgerinnen und Bürger gingen nicht zur Wahl. Das ist ein Skandal, das ist die wahre Katastrophe am Wahlabend. Nicht das desolate Abschneiden des CSU Kandidaten, nicht der Wiedereinzug der braunen NPD Tarnkappenzündler. 55,7 Prozent. Was ist nur los? Die Kandidaten suchten den Dialog, umwarben direkt die Bürger. Standen an Info-Ständen und spazierten durch die Stadtteile, klingelten an Haustüren und sprachen mit (potenziellen) Wählerinnen und Wählern. Das ist Wahlkampf, wie er sein sollte. Und dann sowas.

Ich weiß, nun hole ich aus, aber ich muß es einfach sagen. In einige Ländern, in die ich gereist bin, lechzen die Menschen nach Wahlen. Nach freien, direkten und fairen Wahlen. Sie kämpfen dafür, träumen davon, gehen dafür auf die Straße. Viele sind für dieses Grundrecht gestorben. Und in der Stadt der Menschenrechte kommen mehr als die Hälfte der Wähler nicht in die Puschen, um an einem Sonntag einen Stimmzettel abzugeben. Das hat nichts mit Wahlmüdigkeit zu tun, gerade eben nicht bei einer Kommunalwahl.

Der wiedergewählte OB Ulrich Maly und der neugewählte Stadtrat sollten sich in den kommenden Wochen, Monaten und Jahren überlegen, wie sie diesem Trend entgegenwirken können. Das ist, das wird und das sollte eine der Hauptaufgaben sein. Denn der Stadtrat lebt von der Partizipation der Bürgerinnen und Bürger. Dieser Wahlausgang grenzt schon an amerikanische Verhältnisse. Und das ist wahrlich kein Lob für Nürnberg.

Nürnberg IST mehr wert

Das stimmt. Nürnberg ist mehr wert, als ein Wahlspruch, der für die CSU eine „Katastrophe“ (Sebastian Brehm) brachte. Nürnberg ist eine sehr schöne, lebens- und besuchswerte Stadt. Ich bin dort aufgewachsen, zur Schule gegangen, habe dort studiert, Volontariat gemacht, viel über die Geschichte, die Menschen, das Leben dort gelernt. Und auch, wenn ich seit 1996 in Kalifornien wohne und arbeite, bin ich noch immer sehr mit Nürnberg verbunden. Familie, Freunde, tiefe Wurzeln. Dieses komische Wort „Heimat“ habe ich erst im Ausland so richtig verstanden.

Nun geht es zurück in meine zweite „Heimat“, Kalifornien. Nach Oakland, eine Stadt, in der ich bis heute nie richtig angekommen bin. Es ist eine schöne Stadt, eine einzigartige Region, doch nichts wiegt das auf, was Nürnberg zu bieten hat. Das Golden Gate ist nichts im Vergleich zum Königstor. Das ist kein platter Vergleich, zumindest nicht für mich. Das Golden Gate ist wunderschön, die Brücke ein Jahrhundertwerk. Und doch, am Königstor liegen Erinnerungen, die einem ein Leben lang bleiben.

Und nein, ich werde hier nicht melancholisch. Ganz im Gegenteil. Als jemand, der Nürnberg kennt und nun als Besucher immer wieder und immer wieder gerne zurück kommt, verstehe ich nicht, warum die Nürnberger Nürnberg schlecht reden. Alles ist irgendwie ein Prolbem. Von den Fahrradwegen bis zur VAG, vom Müll auf der Straße bis zur Sicherheit, von den Nachbarschaften bis zum Verkehr. All das erlebe ich auch als Besucher und ich frage mich jedesmal, wo ist das Problem. Nürnberg ist eine sichere Großstadt. Das belegen nicht nur die Statistiken, das empfinde ich auch. In keiner anderen Stadt fühle ich mich sicherer. Es gibt keinen Stadtteil, um den ich einen großen Bogen machen würde und ich gehe gerne nachts spazieren. In Oakland gibt es gleich mehrere, die ich meide und in denen ich zu bestimmten Tageszeiten sicherlich nicht zu Fuß unterwegs sein möchte. Wenn ich in der Vergangenheit als Journalist unterwegs war, in Los Angeles, in Ciudad Juarez oder in Goma, dann fragte ich immer zuerst dort Wohnende, was ich machen kann, was ich nicht machen sollte. Daran halte ich mich, das ist meine Faustregel auf allen Reisen. Sicherlich, das sind drei extreme Städte, doch es sind Städte, in denen Menschen leben und überleben. In Nürnberg brauche ich das nicht. Nürnberg ist sicher.

Die U-Bahn fährt pünktlich. Nürnberg ist ein Paradies für Fahrradfahrer. Nürnberg hat ein wunderschönes Umland, das einfach und direkt zu erreichen ist. Nürnberg pflegt sein Bratwurst- und Lebkuchenimage, und doch ist es eine Kulturstadt mit zahllosen Angeboten, Museen, Theatern, Konzerten, Ausstellungen, Filmfestivals. Man muß nur hinschauen. Und ja, Deppen gibt es überall, die ihren Müll auf die Strße schmeißen. Das hat nichts mit SÖR zu tun, sondern mit einer Einstellung zum öffentlichen Raum.

Vor ein paar Tagen war ich mit einer alten Bekannten aus Funkhauszeiten einen Kaffee trinken, sie arbeitet bei der Stadt Nürnberg und erzählte mir eine so typische Anekdote für Nürnberg. Täglich kommen Nürnbergerinnen und Nürnberger zu ihr ins Büro und fragen nach Programmen. Doch sie fragen nicht; „Könnte ich ein Programm bekommen?“. Nein, sie fragen; „Sie  haben sicherlich kein Programm mehr?“. In Nürnberg sieht man die Dinge in einer Schieflage. Alles ist schlimm, und wenn nicht, wird es schlimm geredet. Die Münchner kriegen eh mehr und haben es viel besser. Die haben Bayern München und feiern einen Sieg und einen Titel nach dem anderen, wir haben den 1. FC Nürnberg und erklärtes Saisonziel ist immer der Nichtabstieg. Aber mal ehrlich, will jemand Bayern München Fan sein?

Nürnberg war, ist und bleibt eine schöne Stadt und sicherlich gibt es Probleme. Keine Frage, die gibt es überall. Aber man sollte wirklich mal einen Blick von außen auf die Frankenmetropole werfen. Das lohnt sich. Ich weiß, wovon ich spreche.

Das Ende des Supermarktes

Ein Regal voller Chipstüten. Dahinter eines mit den verschiedensten Colas. Im nächsten Gang übervolle Regale mit Müslis und Frühstücksflocken. So kennt man amerikanische Supermärkte aus Film und Fernsehen. Wer selbst schon einmal durch die USA gereist ist, weiß, wie überwältigend das Angebot in den Supermärkten sein kann.

Doch das wird sich bald ändern. Der klassische amerikanische Supermarkt stirbt aus. Vor ein paar Tagen wurde bekannt, dass die Supermarktkette „Safeway“ vor dem Verkauf steht. „Safeway“ ist die Nummer 2 im amerikanischen Lebensmittelhandel mit jährlich rund 36 Milliarden Dollar Umsatz. Der Firma geht es gut, doch man hat einen vorbeirauschenden Zug verpaßt. Die Amerikaner wollen nicht mehr in einem „Supermarkt“ vom Angebot erschlagen werden. Der Aldi Ableger „Trader Joe’s“ zieht seine Erfolgsbahnen durch die Staaten. Überall wo ein neuer Laden eröffnet wird, stehen die Kunden Schlange. „Whole Foods“ macht Riesengewinne mit Naturprodukten aus biologisch-ökologisch-politisch-korrektem Anbau und Fertigung. Selbst „WalMart“ ist von den Riesensupermärkten abgekommen und fokussiert mehr auf die kleinen Nachbarschaftsläden mit regionalen Angeboten.

All diese Supermärkte orientieren sich an lokalen und regionalen Gegebenheiten und Produkten. „Trader Joe’s“ bietet vor allem eigene, doch hochwertige Produkte an, die es nur in diesen Läden gibt. Der Service ist gut, die Beratung ausgezeichnet. Auch das fehlt bei „Safeway“, immer wieder wurde die Supermarktkette als warnendes Beispiel dafür angeführt, wie es in Fragen des Kundenservice nicht sein sollte. Das Angebot war verwirrend im Laden verteilt, die Regale zu hoch, die Mitarbeiter meist eher mundfaul. Vor einiger Zeit wollte man das ändern, führte grüne Produkte ein, senkte die Regale, machte Mitarbeiterschulungen….doch all das half nichts.

„Safeway“ wird schon bald Geschichte sein. Cerberus, eine Investitionsfirma aus New York, die zuvor schon die konkurrierende Supermarktkette „Albertsons“ übernommen hatte, will „Safeway“ kaufen. Auch der Marktführer „Kroger“ plant einige der „Safeway“ Märkte zu übernehmen. Zahlreiche der etwa 300 Läden werden geschlossen werden, vor allem in Texas, Colorado und Arizona. Hinzu kommen etliche Standorte in Kalifornien, an denen „Cerberus“ bereits Supermärkte unterhält, also genau bei mir um die Ecke, wo ein „Albertsons“ direkter Konkurrent des „Safeway“ Ladens ist. Auch schön…wobei, ich kaufe sowieso schon seit langem vor allem bei Trader Joe’s und Farmer Joe’s ein.

Angela Merkel ist nicht die „Queen of England“

1. Bild: Dirk Nowitzki. Kennen wir. 2. Bild: Jürgen Klinsmann. Kennen wir auch. 3. Bild: Angela Merkel. Ist das die „Queen of England“? Nein, das ist nicht die Queen, auch wenn Angela Merkel hier sehr königlich winkt. Merkel ist unser Obama. Zumindest kann man es so Fünft- und Sechsklässlern erklären.

Ich bin mit der Bundestagsabgeordneten Dagmar Freitag unterwegs. Vor ein paar Jahren hatten wir eine Schulpartnerschaft zwischen dem Friedrich-Leopold-Woeste-Gymnasium im sauerländischen Hemer und der Nordhoff High School im kalifornischen Ojai ins Leben gerufen. Seitdem kommt die Abgeordnete regelmäßig in die Kleinstadt, um den Austausch weiter zu fördern. Am Sonntag war der offizielle Teil ihrer Reise beendet, Auswahlgespräche für das Internationale Parlaments Stipendium (IPS) zu führen. Von Los Angeles ging es danach privat ins 130 Kilometer entfernte Ojai.

Gerade in diesen Tagen ist es wichtig, dass man nicht nur auf die große Politik schaut, sondern die vielen direkten Verbindungen zwischen den USA und Deutschland fördert. In der Nordhoff High School erzählten Schulleiter und Lehrer von den überaus positiven Erfahrungen und Erlebnisse der Schülergruppe, die im Sommer in Hemer und dann auch auf Einladung von Freitag in Berlin waren. Schulleiter Greg Bayless will beim nächsten Besuch eine größere Informationsveranstaltung über Deutschland für die Schüler organisieren.

Heute ging es dann in die Matilija Junior High School, wo die deutsche Abgeordnete über… klar, Deutschland sprach. Die Schüler waren ganz angetan von ihrem Gast und stellten zahlreiche Fragen. Dort wurde von einem Knirps auch die Bundeskanzlerin als „Queen of England“ erkannt. Am Ende des Besuchs war auch hier klar, beim nächsten mal müsse man das unbedingt in einem größeren Rahmen wiederholen, dann wird das Auditorium der Schule gefüllt. Deutschland ist nicht nur für die Schlapphüte der NSA interessant.

Der Deutsch-Amerikanische Tag

Die Regierung ist doch noch nicht ganz geschlossen, immerhin wurde der 6. Oktober, wie jedes Jahr, von Präsident Barack Obama zum Deutsch-Amerikanischen Tag bestimmt. Bei all dem Tam-Tam in Washington war also noch Zeit auf die Bedeutung der deutschen Einwanderer hinzuweisen. Und passend dazu, wurde heute am 7. Oktober der in Göttingen geborene Thomas Südhof mit dem Nobelpreis in Medizin geehrt. Südhof kam 1983 in die USA. Hier die offizielle Erklärung aus dem Weißen Haus.

 

BY THE PRESIDENT OF THE UNITED STATES OF AMERICA

A PROCLAMATION

Since the first German settlers joined the Jamestown colony in 1608, German Americans have helped shape our identity — the small band of families who left the banks of the Rhine to found Germantown, Pennsylvania; the men, women, and children who fled the tyranny of fascism; the multitudes who sailed across the Atlantic to seek liberty and opportunity on our shores. On German-American Day, we celebrate the vibrant threads of German heritage woven into our national fabric.

Over the centuries, German Americans have participated in every sector of our society. They have helped steer our Nation’s journey — as artists and scientists, as journalists who tested the limits of a free press, as titans of industry, and as workers who turned the gears of industrial revolution. Today, nearly one in four Americans can trace their ancestry to Germany, and all of us are inheritors to the values and traditions handed down through generations of German Americans.

As close partners in the global community, the United States and Germany work side-by-side to advance our common interests and common ideals: freer societies, cleaner skies, peoples empowered to choose their own destinies, greater prosperity for our two nations and for the world. Today, as we celebrate the contributions of German Americans across a wide breadth of history, let us renew the bonds of friendship between our two peoples.

NOW, THEREFORE, I, BARACK OBAMA, President of the United States of America, by virtue of the authority vested in me by the Constitution and the laws of the United States, do hereby proclaim October 6, 2013, as German-American Day. I encourage all Americans to learn more about the history of German Americans and reflect on the many contributions they have made to our Nation.

IN WITNESS WHEREOF, I have hereunto set my hand this fourth day of October, in the year of our Lord two thousand thirteen, and of the Independence of the United States of America the two hundred and thirty-eighth.

BARACK OBAMA