Im Bett mit Donald Trump

Millionen von Amerikanern kennen Mike Lindell. Zumindest seine Werbeclips, in denen der Oberlippenbartträger ganz freundlich lächelnd ein Kissen kuschelt, an sich drückt und darüber streichelt. „Mypillow.com“ heißt seine Firma, allabendlich ist er damit in den Werbepausen zu sehen und betont seine Kissen seien „Made in USA“.

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Doch Mike Lindells Geschichte hört beim Kopfkissen nicht auf. Er sagt von sich, er habe 2009 Gott gefunden, sei ein „born again Christian“. Nach Crack/Kokain und Alkoholsucht habe er damals sein Leben ganz neu ausgerichtet. Damit nicht genug. Lindell erlebte die Welt am Rande der Zerstörung, der Kulturkrieg in den USA war für ihn Ausdruck der biblischen Prophezeiung. Doch dann kam 2015 und eine Szene, die Lindell so beschreibt: „Ich sehe, wie Donald Trump da die Rolltreppe herunter kommt und verkündet, er kandidiere als Präsident. Für mich war das ein göttlicher und übernatürlicher Moment – es fühlte sich so an, als wenn etwas Wunderbares bevorstehen würde.“

Lindell beließ es nicht bei seinem Staunen, sondern unterstützte fortan die Trump Wahlkampagne. Das fiel auf,  Trump lud den Kissenfabrikanten aus Minnesota zu sich in den Trump Tower nach New York ein. „Ich trat am 15. August 2016 in sein Büro. Als ich nach dem Treffen den Raum verließ, wußte ich, dass Gott ihn in diesen schwierigen Zeiten auserwählt hat.“ Gott habe die Millionen von Gebete erhört, so Lindell. „Und ein Wunder geschah am 8. November 2016“, resümiert der christliche Unternehmer über den Wahltag, an dem Donald Trump zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt wurde. Auf einer Verstanstaltung christlich-fundamentalistischer Organsiationen im vergangene Jahr stand auch Mike Lindell am Mikrofon und erklärte: „Ich stehe heute vor Euch und sehe den großartigsten Präsidenten aller Zeiten. Natürlich ist er das, denn er wurde von Gott auserwählt.“

Mike Lindells Geschichte ist keine ungewöhnliche in den USA. Die Evangelikalen unterstützten schon früh den Kandidaten Donald Trump. Anfänglich waren sie skeptisch, doch er wußte genau, was er sagen, was er versprechen mußte, um ihren Rückhalt zu bekommen. Vor allem beim Thema Abtreibung ging Trump die paar extra Meter, um sie zu überzeugen. Er machte deutlich, dass er keinen Bundesrichter ernennen werde, der sich nicht eindeutig gegen Abtreibungen ausspricht. Das wollten die Evangelikalen hören. Und dann erkor Donald Trump Mike Pence zu seinem Vize-Präsidentschaftskandidaten. Pence, ebenfalls ein „born again“, war einer von ihnen, ein ganz klares Zeichen dafür, dass sie nun Teil der Trump-Administration sein werden. 85 Prozent der Evangelikalen im Land stimmten 2016 für Donald Trump. In diesem Jahr wird das nicht anders sein, denn Präsident Trump lieferte, was er ihnen im Wahlkampf versprochen hatte. Für sie ist Donald Trump eben von Gott gesandt.

„Alles unter Kontrolle, Dank Angela Merkel“

In einer gemeinsamen Pressekonferenz verschiedener Bundesminister erklärte Außenminister Heiko Maas, dass Dank der schnellen Reaktion von Bundeskanzlerin Angela Merkel, die Corona-Krise unter Kontrolle sei. Gesundheitsminister Jens Spahn fügte hinzu, dass die Kanzlerin sich persönlich dafür eingesetzt habe, dass die Krankenhäuser besser mit Test-Kits und Schutzmasken ausgerüstet werden. Auch Innenminister Horst Seehofer betonte, dass die Weitsicht und die frühe Entscheidung von Angela Merkel die Grenzen zu den Nachbarländern zu schließen, die Opferzahlen in diesem „Krieg gegen das Virus“ niedrig halte.

Finanzminister und Vize-Kanzler Olaf Scholz, der bei dieser Pressekonferenz neben der Bundeskanzlerin stand und zunächst ihren Ausführungen über das „China Virus“ nickend zustimmte, wandte sich dann an die Pressevertreter: „Ich möchte unterstreichen, dass Deutschland mit dieser Kanzlerin in sicheren Händen ist. Deutschland hat die besten Mediziner, die besten Wissenschaftler, alle anderen Nationen schauen neidisch auf uns und darauf, wie wir diese Krise meistern.“ Zum Schluß trat noch Wirtschaftsminister Peter Altmaier ans Mikrofon, dankte der Kanzlerin für ihre Unterstützung, ihre Tatkraft und ihre Führungsstärke in dieser schwierigen Lage und kündigte ein umfangreiches Wirtschaftsprogramm von Merkel an, das er in enger Abstimmung und vielen Leitideen der Bundeskanzlerin ausgearbeitet habe. „Dieses Programm“, so Altmaier, „trage eindeutig die Handschrift von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Dafür sollten wir ihr danken“. Altmaier klatschte und auch die anderen Minister fielen in den Applaus ein, den Bundeskanzlerin Angela Merkel sichtlich mit sich zufrieden entgegennahm.

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Das ist natürlich nicht passiert, zumindest nicht auf einer Pressenkonferenz in Berlin. Allerdings sehen so die derzeitigen Pressekonferenzen und Auftritte von Donald Trump aus, der sich gar nicht vor Lobhudelei und tiefen Verbeugungen seiner Minister und Administrationsmitglieder retten kann. Trump genießt diese Auftritte, bei denen er Tag für Tag als „Commander in Chief“ dargestellt und gefeiert wird, der alles unter Kontrolle habe. Trump läßt keine Kritik an sich zu. Dass er im Laufe der letzten Wochen und Monate seine Sichtweise zu Covid-19 mehrfach änderte und somit die richtige und rechtzeitige Reaktion auf die Krise verpennte, wird aus seinem Umfeld nicht angesprochen und schlichtweg übergangen. Reportern fährt er über den Mund und erklärt ihre Fragen zu „nasty questions“ oder bezeichnet Journalisten als „terrible people“. Er selbst sagt von sich und seinem Handeln, in dieser Virus-Krise habe er auf einer Skala von 1-10 eine 10 verdient, alles richtig gemacht!

Die allmorgendliche Trump-Show in der Corona-Krise. Foto: Reuters.

„I’m a very stable genius“

A very stable genius. (Official White House photo by Shealah Craighead)

Sowas kann eigentlich nur Donald Trump von sich sagen. Er kennt sich aus. Mit allem. Ihm macht man nichts vor. Trump ist bewandert, klug, intelligenter als alle anderen und sowieso eben „a very stable genius“. Das schließt ein, dass Donald Trump auch schon mal die Geschichte ändert, vor allem seine eigene. Jüngst behauptete er: „I felt it was a pandemic long before it was called a pandemic“. Also, er wußte schon lange zuvor, dass sich die Corona Krise – oder wie er es nennt „Tscheinna Virus“ – zu einer Pandemie ausbreiten würde.

Dem allerdings stehen Trumps Aussagen aus den letzten Wochen gegenüber, die genau das Gegenteil aussagen und deutlich machen, warum die USA andern Ländern in der Bekämpfung von Covid-19 hinterher hinkt. Am 22. Januar wurde er in einer Pressekonferenz gefragt, ob er sich Sorgen mache, dass die Corona Krise in China sich zu einer weltweiten Pandemie ausbreiten könnte. „No, not at all. We have it totally under control. It’s one person coming in from China, and we have it under control. It’s going to be just fine.“

Am 26. Februar ging es in einer Pressekonferenz um die Infektionszahlen in den USA und weltweit. Trump erklärte: „We’re going down, not up. We’re going very substantially down, not up.“ Nur einen Tag später meinte der US Präsident: „It’s going to disappear. One day — it’s like a miracle — it will disappear.“ Am 7. März, als sich Trump mit seinem brasilianischen Kollegen Jair Bolsonaro in Mar-a-Lago amüsierte, meinte er: „I’m not concerned at all.“ Nur wenige Tage später wurden gleich drei Teilnehmer der brasilianischen Delegation positiv auf Covid-19 getestet.

Donald Trump verkannte zu lange die Lage, verwies immer wieder darauf, dass die Situation in den USA nicht so schlimm sei, dass es hier viel weniger Infizierte gäbe, weniger Menschen an dem Virus sterben. Tatsache ist aber auch, dass die Regierung überhaupt nicht auf das Ausmaß der Katastrophe vorbereitet war, Zeit verschwendete und nach wie vor nur ganz wenige in den USA überhaupt getestet wurden. Daher gehen Wissenschaftler auch davon aus, dass die Zahl der Infizierten in den USA weit über der offiziell verkündeten Infektionsrate liegt.

Unterdessen läuft das finanzielle Hilfspaket für Unternehmen, Arbeitgeber und Arbeitnehmer an. Jede erwachsene Amerikanerin und jeder erwachsene Amerikaner soll in einem ersten Schritt einen Scheck von 1000 Dollar erhalten. Kinder jeweils 500 Dollar. Das ist allerdings nur ein hilfloser Versuch, denn 1000 Dollar können einem in Tupelo, Mississippi ein bißchen weiterhelfen, in San Francisco ist das gerade mal ein Drittel des monatlichen Mietschecks für eine Einzimmerwohnung. Trump versucht aufzuhalten, was nicht aufzuhalten ist. Heute ist der Dow Jones auf den Stand gesunken, wie er bei Amtsübernahme von Donald Trump lag. Sein Wahlkampf der boomenden Wirtschaft, alles Dank seiner Weitsicht, ist damit hinfällig geworden. Trump könnte ein Opfer des „Tscheinna Viruses“ werden.

 

Der Weltuntergang ist nah

Heute früh bin ich mit dem Hund um den Block gegangen. So ruhig war es hier noch nie. Keine Menschenseele auf der Straße, niemand war auf dem Weg zur Arbeit oder in die Schule. Kein Auto fuhr, alles war ruhig, seltsam ruhig. So still ist es noch nicht einmal an Thanksgiving oder Weihnachten. Denn auch aus der Ferne war kein Straßenlärm zu hören.

Seit Mitternacht sind in den Bezirken rund um San Francisco, von Santa Cruz im Süden bis Hopland im Norden Ausgangssperren verhängt worden. „Häusliche Isolation“ nennt sich das, betroffen davon sind rund sechseinhalb Millionen Menschen. Nur wenige Geschäfte dürfen noch auf haben, alles andere ist geschlossen. Das öffentliche Leben kommt in der Bay Area zum Stillstand.

Zumindest eine hat Spaß in diesen Tagen.

Unterdessen steigen im ganzen Land die Waffenverkäufe. Vor Gun Stores in Idaho, Montana, Kentucky, Arkansas und anderen Bundesstaaten haben sich lange Schlange gebildet. Gekauft wird alles was Wumm machen kann, dazu Unmengen an Munition. Das schwerbewaffnete Amerika bereitet sich auf den Endzeitkrieg vor. In einem Wahljahr steigen grundsätzlch die Waffenverkäufe, denn immer ist das vermeintliche Grundrecht auf Waffenbesitz auch ein Wahlkampfthema. Republikaner, allen voran Donald Trump, mobilisieren ihre Basis damit, dass sie erklären, die Demokraten wollten das „2nd Amendment“ abschaffen und alle Knarren konfiszieren lassen. Das ist natürlich Blödsinn, aber es führt dennoch zu einem „Run“ auf die „Guns“.

Doch dieses Wahljahr trifft auch noch auf eine globale Krise. Im Januar wurden deshalb rund 350.000 Waffen mehr verkauft als im Wahljahr 2016. Unzählige Amerikaner sind auf den „drohenden“ Bürgerkrieg und die Aussetzung aller Grundrechte vorbereitet, nach dem Motto, wer an mein Klopapier oder meine Nudeln will, „only over my dead body“. Die Knarren sind geladen.

Die Verschwörungstheorien blühen derzeit auf. Die einen sehen hinter dem Corona Virus den Versuch der „geheimen Weltregierung“ die Bevölkerungen unter ihre Kontrolle zu bringen. Die anderen machen einen Geheimplan von Donald Trump aus, der nun „Martial Law“, also das Kriegsrecht ausrufen wird, um so seine Abwahl zu verhindern und auf einen Kurs mit seinen diktatorischen Kumpels in aller Welt einschwenken will. Bei all dem bin ich nur noch sprachlos. Ich sitze hier in meinem alltäglichen „Home Office“, schreibe und produziere und genieße auch weiterhin die Waldspaziergänge mit meiner Käthe. Da sehe ich keinen, da treffe ich keinen, da treibt sich kein Virus herum.

Kampf dem Virus

Schlangen vor den Supermärkten, leere Regale in den Läden, Home Office, die Parkplätze an der BART Station sind wie leergefegt, über die Bay Bridge kann man derzeit ungebremst fahren, alles frei. Von der Brücke kann man auch das Kreuzfahrtschiff „Grand Princess“ sehen, das in der San Francisco Bay geankert hat, auf dem noch immer Hunderte von Mitarbeitern sind und dort unter Quarantäne stehen. Und nun auch ein vom „Health Officer“ angeordneter „Hausarrest“. Na ja, nicht ganz, aber mal soll zu Hause bleiben, wenn man nicht unbedingt raus muss. Unbedingt bedeutet, Einkaufen im Supermarkt, zum Arzt gehen oder mit dem Hund raus, das ist erlaubt. Alles andere wird gestrichen.

Von überall sichtbar, die geankerte „Grand Princess“ in der San Francisco Bay. Foto: AFP.

Die Pandemie ist nun auch direkt vor meiner Haustür angekommen. Mein Fitnessclub reagierte spät und dann schrittweise. Erst wurden die Klassen gestrichen, dann die „Social Events“ und schließlich wurden die Türen mit der heute weit verbreiteten Anordung ganz geschlossen. Übers Handy kommt ein „Alert“, laut piept es mehrmals, man soll in den eigenen vier Wänden bleiben. Mein Lieblingsweingut meldet sich per Mail, man komme den Anordungen in Sonoma County nach. Der „Tasting Room“ bleibt vorerst geschlossen. Restaurants, Cafes, Bars machen dicht, wenn sie nicht notwendig sind und Speisen zum Mitnehmen anbieten können. Die Lichter gehen fast überall auf „Main Street“ aus.

Wie es nun weitergeht, das weiß keiner so genau. Präsident Donald Trump scheint so langsam die Kurve gekratzt zu haben und erkennt die große Herausforderung. Sprach er anfangs noch von einem „Media-Hype“, von einer politischen Angstmacherei der Demokraten hat er nun den nationalen Notstand ausgerufen, erklärt vor Pressevertretern auf einer Skala von 1-10 habe er die 10 in Sachen Corona-Bekämpfung verdient. Und auch Trumps Haussender, FoxNews, hat mittlerweile den Ton geändert. Sprachen sie lange Zeit nur von einer Panikmache, einem erneuten Versuch, diesem Präsidenten zu schaden, wird nun ganz offen von einer Krise berichtet. Natürlich in Trumpschen Farben, denn dieser Präsident habe alles unter Kontrolle und sei der richtige Mann zur richtigen Zeit, so Sean Hannity, der erfolgreichste Moderator des Senders.

Nun also wird zu dramatischen Mitteln gegriffen, um die weitere Verbreitung des Virus zu verhindern. Zu spät käme es, sagen Gesundheitsexperten. Trump hätte schon längst reagieren müssen, hätte schon längst auf die Gouverneure in den verschiedenen früh betroffenen Bundesstaaten hören sollen. Doch Trump hört nicht zu, wenn es  um sein Image geht. Wie es heißt, kann die Krise Monate dauern, das liegt auch daran, dass das Ausmaß der Ansteckungen noch gar nicht bekannt ist. Viel Zeit wurde verschwendet, gerade von Seiten des Weißen Hauses und dieses Präsidenten, der nicht wahrhaben wollte, was da passiert. Er glaubte wirklich, er könnte die Krise aussitzen. Nun tritt der bittere Alltag ein und FoxNews erklärte am Nachmittag, eine „recession is highly likely“.

Trump und sein Rassismus

Nun wissen wir es. Das Virus ist „ausländisch“. Donald Trump sprach am Mittwochabend zur Fernsehnation und erklärte, alles kein Problem und überhaupt „it’s a foreign virus“. So, als ob Covid-19 mit Pass an der Grenze aufgetaucht sei oder höchstwahrscheinlich illegal über die Grenze kam. Aber diese Aussage des amerikanischen Präsidenten passt zu seinem immer wieder aufkommenden rassistischen Unterton, den viele in seiner Basis ja so schätzen.

Donald Trump als „Commander in Chief“ in der Corona-Krise. Foto: Reuters.

Trump will nun hart durchgreifen, bislang war der Corona-Ausbruch erst eine Medienkampagne gegen ihn, dann ein „Democratic Hoax“, also ein Hirngespinst der Demokraten, dann alles nicht so schlimm, denn durch die Grippe sterben ja weitaus mehr Leute. Am Mittwoch dann wollte sich Trump ganz als „Commander in Chief“ präsentieren und verbot erstmal alle Flüge von Europa in die USA, denn die Europäer, so Trump, hätten viel verschlafen und seien für den Corona-Ausbruch in Amerika verantwortlich. Briten allerdings, die ja nun aus der EU ausgetreten sind, dürfen auch weiterhin kommen. Später dann musste das „White House“ zurückrudern, denn Trump hatte Dinge erklärt, die so nicht stimmten. Der Handel und der Import/Export sollte weiterlaufen und auch gelte dieses Einreiseverbot nicht für Amerikaner und Green-Card Besitzer.

Trump ließ schon vor seiner Schreibtischrede verbreiten, dass er was „very big“ verkünden wird. Das war es dann durchaus, doch Trump kam eher so rüber, als ob er das nun vom Teleprompter ablesen muß, etwas distanziert, alles andere als überzeugend, tief schnaufend, immer mal wieder blieb er hängen. Man hatte das Gefühl, Corona ist so eine nervige Sache für ihn, die da ganz ungelegen ist in seiner täglichen Selbstbeweihräucherung. Viele Wochen verpennte Trump schlichtweg die Reaktion auf die kommende Pandemie, pries sich vielmehr selbst, erklärte alles als eine politsche Aktion der Demokraten, betonte immer wieder, dass Amerika die führende Nation weltweit sei und mehr als gut vorbereitet auf alles sei, was da kommen möchte. Alles nicht so schlimm.

Dem ist nicht so, das wird nun mehr als deutlich. Es gibt keinen Plan, es ist Stückchenarbeit, hier mal etwas einschränken, da mal etwas verbieten. Die Krankenhäuser sind überlastet, es fehlen weit über 100.000 Betten für Betroffene. Aber, so Trump, wir haben hier in den USA das beste Gesundheitssystem, die besten Mediziner und die besten Forscher. Wird schon alles, muß ja, wenn Trump das sagt.

Der macht unterdessen mit dem politischen Kleinkrieg weiter, greift die Opposition an und tut so, als ob nichts geschehen ist. Von der Einheit Amerikas, die er noch am Mittwochabend beschwor, keine Spur. Beruhigt kann man in den USA nicht mehr sein, denn da ist jemand am Machen, der von sich erklärt, er verstehe alles viel besser als die Mediziner und Wissenschaftler. Ich hoffe nur, dass ich in den kommenden 30 Tagen nicht ganz dringend nach Deutschland muss.

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Die Mitte setzt sich durch

Der strahlende Sieger am „Super Tuesday“ – Joe Biden: Foto: AFP.

Es war kein guter Abend für Bernie Sanders. Joe Biden konnte sich am „Super Tuesday“ nach vorne drängeln, Dank auch dem Ausscheiden von Tom Steyer, Pete Buttigieg und Amy Klobuchar. Am Mittwoch dann folgte der Ausstieg von Michael Bloomberg. Joe Biden kann gestärkt in die noch anstehenden Vorwahlen ziehen.

Bernie Sanders hat zwar den bevölkerungsreichsten und wohl auch liberalsten Bundesstaat Kalifornien gewonnen, aber man muss bedenken, dass 40 Prozent der Wählerinnen und Wähler schon vor der Wahl in South Carolina am vergangenen Samstag, also noch vor dem Neustart der Biden-Kampagne, ihre Stimme abgegeben hatten. Viele für Sanders, aber auch viele für Buttigieg, Steyer, Klobuchar und Bloomberg. Die Ergebnisse am „Super Tuesday“ zeigen, dass Bernie Sanders keine Mehrheit in den Reihen der Demokraten hat.

Mit dem Wiedererstarken von Joe Biden konzentrieren sich die Demokraten auf ihre politische Mitte. Und Biden versucht schon jetzt eine breite Koalition zu schmieden. Er will die anderen mit einbeziehen, sowohl in seinen Wahlkampf, als auch in einem möglichen Kabinett. Ein kluger Schachzug, denn nur so wird die Partei am Endes des Vorwahlkampfes geeint und gestärkt in den Kampf gegen Donald Trump ziehen können.

Doch die Frage bleibt, wie wird das Bernie Sanders Lager nun reagieren? Schon jetzt kursieren Angriffe gegen Biden und die Demokraten, einen Hinterzimmerdeal geschmiedet zu haben, um Bernie erneut auszubooten. Sanders wird sicherlich nicht klein beigeben, er glaubt weiterhin an seine Chance, an seine Revolution, die er immer wieder ausruft. Doch wann ist der Punkt erreicht, an dem auch er die Segel streichen und seinen Unterstützern deutlich machen muss, dass in diesem Wahlkampf nur eines zählt, Donald Trump aus dem Weißen Haus zu bekommen.

Joe Biden ist sicherlich kein Kandidat für die nächsten acht Jahre. Er ist und kann nur derjenige sein, der die Partei zusammenführt und das schafft, was in diesen Zeiten notwendig ist. Über eine erneute Gesundsheitsreform, über kostenlose Bildung, über eine Neuausrichtung der amerikanischen Gesellschaft muss zu einem späteren Zeitpunkt geredet werden. Jetzt geht es einzig und allein darum, den Schaden zu reduzieren, der sich nach vier Jahren Donald Trump anghäuft hat und noch viel mehr mehr zu verhindern.

War es ein Hinterzimmerdeal?

Mit dem deutlichen Wahlsieg von Joe Biden am vergangenen Samstag in South Carolina wurden die Karten im Vorwahlkampf der Demokraten neu gemischt. Noch am Wochenende beendeten der Milliardär Tom Steyer und der ehemalige Bürgermeister von South Bend, Indiana, Pete Buttigieg, ihre Kandidaturen.

Pete Buttigieg steigt aus und unterstützt fortan Joe Biden. Foto: Reuters.

Am Montag dann folgte die Senatorin Amy Klobuchar, auch sie schmiss das Handtuch. South Carolina und zuvor schon die Wahlergebnisse in Nevada machten allen drei deutlich, dass sie nicht die wichtigen Stimmen der Latinos und Afro-Amerikaner gewinnen können. Damit wachsen am heutigen Super Tuesday, an dem in 14 Bundesstaaten gewählt wird, die Chancen von Joe Biden, denn gleich drei Kandidaten aus der Parteimitte nehmen ihm damit keine Stimmen mehr ab. Dazu kommt, dass Buttigieg und Klobuchar ihn am gestrigen Abend auf einer Veranstaltung in Dallas ihre Unterstützung zusagten und auch Tom Steyer betonte am Samstag nach seinem Rücktritt, dass er den Kandidaten der Demokraten unterstützen wird.

Im Lager von Bernie Sanders sieht man das Ausscheiden vor allem von Buttigieg und Klobuchar als Hinterzimmerdeal. Das Establishment der Demokraten, so heißt es, versuche erneut mit unsauberen Mitteln, Bernie Sanders zu stoppen. Neben Joe Biden und Bernie Sanders sind auch noch Michael Bloomberg, Elizabeth Warren und Tulsi Gabbard im Rennen. Bloomberg wird wohl nach dem Super Tuesday entscheiden, ob er überhaupt noch eine Chance hat und weitermachen wird. Gerechnet wird damit, dass schon am Dienstagabend nach Bekanntwerden der Wahlergebnisse Elizabeth Warren das Ende ihres Wahlkampfes verkünden wird. Auch sie hat bislang kaum Wählerinnen und Wähler auf sich vereinen können.

Unterdessen mischt Präsident Trump im Wahlkampf der Demokraten mit, er schürt ganz gezielt Mißtrauen und Mißmut beim politischen Gegner. Immer wieder tweetet er in Richtung Sanders Lager, dass die Demokraten erneut „Crazy Bernie“ (OT-Trump) um die Kandidatur bringen wollen. Am Ende, das steht schon jetzt fest, wird ein Endsiebziger gegen einen anderen Endsiebziger antreten. Die Zukunft Amerikas liegt damit in der Hand der Alten.

Amerikaner und ihr Corona

Es soll sie geben, die Amerikaner, die nun bei all dem Gerede über das Corona Virus mit dem Trinken von Corona Bier aufgehört haben. Sicher ist sicher, man will sich ja nicht beim Saufen anstecken. Was eigentlich zum Lachen ist, ist dann doch zum Weinen, denn klare Aussagen bekommt man in diesen Tagen nicht.

Das Corona Virus macht einen Bogen um Amerika. Dank Trump, sagt Trump. Foto: Reuters.

Präsident Donald Trump nimmt alles mal wieder sehr persönlich und erklärt, eigentlich sei die Grippe ja viel schlimmer und der ganze Hype um Corona sei nur von den Medien initiiert und von den Demokraten gefördert. Denn die wollten politisches Kapital aus einem Problem machen, was für die USA überhaupt kein Problem ist. Auf einer Wahlkampfrede am Freitag in South Carolina sprach er deshalb auch von einem Corona „Hoax“ in Anlehnung an die Ermittlungen der Demokraten über russische Wahlmanipulation 2016 und seinen nicht allzu perfekten Anruf mit dem ukrainischen Präsidenten. Die Demokraten, so Trump, hätten keine Ahnung, sie könnten noch nicht einmal ihre Stimmen bei der Vorwahl in Iowa auszählen und nun kämen sie als wissenschaftliche Experten daher. Es sei alles eine „neue Verarsche“, so Trump. Mit dem Corona Virus würde eine panische Stimmung verbreitet, die die Börsenkurse in den Keller fallen lassen, die Demokraten warteten sogar auf Tote, um damit Wahlkampf zu machen, nur um ihm die Wiederwahl zu verbauen. Es geht also mal wieder nur um Donald Trump.

In dieses Horn bläst auch der texanisch-republikanische Senator Ted Cruz, einst ein erbitterter Gegner von Trump, nun ein bedingungsloser Trumpsoldat. Er tweetet: „The Dem party is rapidly evolving into an angry, anti-science socialist ideology.“ Das ist dann was ganz Neues, den Demokraten wird nun gerade von jenen vorgeworfen, gegen die Wissenschaft zu sein, die zum einen nicht an die Evolution glauben und zum anderen gezielt die finanzielle Grundlage für die verschiedensten Forschungseinrichtungen im Land kürzen oder ganz streichen.

Amerika erlebt derzeit eine Krise, in der gerade derjenige an der Spitze mal wieder eine peinliche „Ich-Show“ daraus macht. Es geht nur um ihn. Jeder der ihn oder das Vorgehen seiner Administration kritisiert, ist ein Feind Amerikas. Und das, obwohl die Menschen hier einfach nur Informationen haben wollen, mit denen sie leben können. Trump jedoch verharmlost, beschuldigt andere der Panikmache und widespricht seinen eigenen Behörden, die fachlich sicherlich mehr Ahnung haben als er. Die Welt dreht sich um Donald Trump, das wird in diese Krise erneut ganz deutlich.

 

Die tiefe Spaltung Amerikas

Bernie Sanders ist der Frontrunner der Demokraten. Foto: AFP.

Bernie Sanders führt das demokratische Kandidatenfeld für die Präsidentschaftswahl an. Und das, obwohl er keine Mehrheit in den demokratischen Reihen hat. Doch genauso war es 2016, Donald Trump setzte sich in den Vorwahlen durch, ohne eine Mehrheit in der republikanischen Partei hinter sich zu haben.

Das ist das amerikanische Wahlsystem. Und das ist das Verrückte an diesen Vorwahlen, in denen sich die gemäßigteren Kandidatinnen und Kandidaten gegenseitig die Stimmen wegnehmen. 2016 versuchten 16  Frauen und Männer neben Donald Trump zu punkten. Viele von ihnen hatten die selben politischen Forderungen und Ideen, sprachen die gleichen Wählerinnen und Wähler an und behinderten sich im Wahlkampf gegenseitig. Das Ergebnis ist bekannt, Donald Trump war der Nutznießer dieses langjährigen und sündhaft teuren Prozederes vor dem eigentlichen Wahltag.

Nun sind die Demokraten in der Opposition und sie haben nichts aus der Vergangenheit gelernt. Anfangs waren es zwei Dutzend Kandidatinnen und Kandidaten, die alle meinten, sie könnten Donald Trump besiegen. Nun sind es immerhin noch sieben Frauen und Männer, die von sich glauben, sie seien dazu auserkoren, Amerika wieder auf den richtigen Kurs zu bringen. Am Ende, so sieht es zumindest aus, wird nicht ein Kandidat der Mitte in die Schlacht gegen Trump ziehen, sondern Bernie Sanders, der keine politische Mehrheit bei den Demokraten hat und noch nicht einmal Demokrat ist.

Der Zweikampf Trump gegen Sanders wird ganz offen die tiefen Gräben in der amerikanischen Gesellschaft zeigen. Da ist einer, der die Verantwortung des Staates aus allen Bereichen beenden will, die freie und unregulierte Marktwirtschaft preist, sich als Retter des „American Dream“ darstellt und die nationalen Symbole Amerikas besetzt. Auf der anderen Seite jemand, der den Staat in die Verantwortung nehmen will, der für eine allgemeine Krankenversichung, für kostenlose Bildung, für eine stark regulierte Wirtschaft, für einen „Green Deal“, für die Neuausrichtung der amerikanischen Industrie ist.

Hier treffen Welten aufeinander und keiner von beiden, weder Trump noch Sanders, vertritt die Mehrheit in den USA. Beide behaupten zwar, sie sprächen für das amerikanische Volk, doch seien wir ehrlich, beide Kandidaten schaffen es lediglich, ein sehr fragwürdiges und durchaus undemokratisches Wahlsystem für sich selbst auszunutzen. Natürlich steht mir Sanders mit seinen eher sozialdemokratischen, europäischen Forderungen, der gesellschaftlichen und staatlichen Verantwortung näher als das Getöne eines Trumps, der Regularien in der Wirtschaft abbaut, den Umweltschutz nicht für wichtig hält, den Sozialstaaat abwickelt, die Grundfesten der Demokratie untermininiert, nichts von Wissenschaft und gesunder Logik hält.

Der Blick voraus verspricht nichts Gutes. Die Monate bis zum Wahltag am 3. November werden diese Nation nur noch weiter spalten. Schon jetzt wird ohne Bandagen gekämpft. Der demokratische Vorwahlkampf nimmt an Fahrt zu und Donald Trump schüttet bereits Öl ins Feuer, um weiter Mißtrauen gegen den Staat und die Wahlen an sich zu schüren. Der Wahltag wird nicht zu klaren Ergebnissen führen, nur eines wird erneut deutlich sein – Amerika ist keine geeinte Nation mehr.