Der Totengräber der amerikanischen Demokratie

In Deutschland wird heftigst darüber diskutiert, ob die Sozialdemokraten erneut eine große Koalition mit der Union eingehen sollten. Eine Mehrheit des Parteitags stimmte am Sonntag dafür mit der CDU/CSU Koalitionsgespräche zu führen. Das ist durchaus lebendige Demokratie, auch wenn es zuvor hieß, die SPD werde nicht mehr für eine solche Partnerschaft zur Verfügung stehen. Gesprächsbereitschaft, Kompromissbereitschaft das ist etwas, was man sich in der Politik wünscht.

Vielleicht kann ich das auch nur sagen, weil ich in den USA lebe, in einem Land, wo es Koalitionen nicht gibt, wo Gesprächsbereitschaft mit dem politischen Gegner seit Jahren als Schwäche angesehen wird, wo seit nunmehr zwölf Monaten ein Präsident wie ein Regent dem Land vorsteht und all jene beleidigt, diffamiert, herabsetzt, die sich nicht hinter seinem Verbalterror eingliedern wollen. Der selbsternannte „King of Deals“ machte in seinem ersten Jahr Politik mit weit über 2000 Falschaussagen und Lügen und schuf tatsächlich eine „Alternative Reality“. Er hat sich damit zum Totengräber für die amerikanische Demokratie gemausert, denn die Gräben, die Trump geschaffen hat, werden so leicht nicht mehr zu überwinden sein.

Der Vorsitzende der Demokraten im Senat, Chuck Schumer, erklärte am Wochenende, dass Absprachen mit Trump wie Wackelpudding seien. Glibberig, nichts Handfestes, ohne Ergebnis. Denn Trump redet mal so und mal so und greift während wichtiger Verhandlungen den politischen Gegner über Twitter an. Das ist seine Art des „Bullying“, seine Art „Deals“ zu machen. Jüngstes Beispiel ist nun ein neues Video aus dem Trump-Lager „Donald J. Trump for President“. Darin greift er die Demokraten an, beschuldigt sie als Komplizen von Mördern. Trump hasst offensichtlich Immigration, zumindest so eine, mit der er, der ja selbst mit Immigrantinnen verheiratet war und ist, nichts zu tun hat. Für ihn sind die sogenannten „Dreamers“, jene Immigranten, die als Kinder von ihren Eltern illegal mit über die Grenze gebracht wurden, die hier aufwuchsen, zur Schule gingen, eine Karriere machten, mit straffälligen Mördern gleichzusetzen. Trump vermittelt das Bild, dass ein oller Mauerbau an der Grenze zu Mexiko die USA sicherer machen wird. Ein Trugbild, denn Abschottung hat noch nie zur Lösung der Alltagsprobleme geführt. Das haben gerade die Deutschen jenseits der Mauer selbst erlebt.

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Das Regieren mit den „Alternativen Fakten“

„Dieser Report belegt eine unbestreitbare und ernüchternde Tatsache – unser Immigrationssystem hat unsere nationale und öffentliche Sicherheit untergraben“. Das erklärte der amerikanische Justizminister Jeff Sessions am Dienstag in einer Pressemitteilung und führte an, dass im Zeitraum zwischen dem 11. September 2001 und dem 31. Dezember 2016 549 Personen aufgrund von Terrorismusanklagen in den USA verurteilt wurden. Zweidrittel der Täter waren im Ausland geboren, 148 davon eingebürgert, 147 verurteilte Terroristen wurden in den USA geboren.

Polizeieinheiten bewachen den Times Square in New York City. Foto: Reuters.

Die Zahl klingt alarmierend. Und das soll sie auch, denn es ist für Jeff Sessions und seinen Boss Donald Trump ein weiteres Argument dafür, die Grenzen dicht zu machen, eine umfassende Immigrationsreform durchzuführen, das Einreiseverbot gegen Menschen aus muslimischen Ländern beizubehalten und zu verschärfen. Doch man sollte die Moschee im Dorf lassen oder in diesem Fall von den „Alternativen Fakten“ wieder zu den wirklichen Fakten zurückkehren.

Sessions listet in dem gemeinsamen Bericht des „Departments of Justice“ und des „Departments for Homeland Security“ gleich mehrere Namen von verurteilten Terroristen auf. Doch keiner davon wurde wegen eines verübten Anschlags verurteilt. Alle wurden für Propaganda- und Unterstützungsaktivitäten für den „Islamischen Staat“ und „al Qaeda“ belangt. Das soll nicht verharmlost werden, aber es sind nicht die Horrobilder, mit denen diese Administration Politik macht. In einem Interview mit CBS News erklärte die Ministerin für Heimatschutz, Kirstjen Nielsen, dass dieser Bericht zeige, wie wichtig es sei, Reisende, Flüchtlinge und Immigranten zu kontrollieren. Die Frage allerdings, wieviele Tote auf das Konto von ausländischen oder im Ausland geborenen Terroristen gehe, beantwortete die Ministerin nicht.

Was beim Durchlesen dieses Berichtes auffällt ist, dass es keinerlei Definition des Wortes „Terror“ oder „Terroristische Tat“ gibt. Die Trump-Administration scheint den Terror nur auf den islamischen Terror zu beschränken. Amokläufe wie der in Las Vegas im Oktober 2017 mit 58 Toten und 500 Verletzten oder einen Monat später in Sutherland Springs, Texas, mit 26 Toten und 20 Verletzten scheinen keine  Terrorakte nach Trumpschen Muster zu sein. Sowieso kommt das Jahr 2017, das erste Amtsjahr von Donald Trump, in dem Sessions-Bericht nicht vor. Es war ja auch im Rückblick das Jahr mit den meisten Massenschiessereien in der Geschichte der USA. 345 Vorfälle wurden registriert, eine traurige, vielsagende doch von Trump nicht beachtete Statistik.

 

Meine Reisen in die „Shitholes“ dieser Welt

Donald Trump erklärte Länder wie Haiti, El Salvador und afrikanische Länder zu „Shitholes“. Damit trat er einen „Shitstorm“ los, um beim Thema zu bleiben. Die Aufregung am Donnerstag war groß. Trump reagierte am Freitagmorgen und tweetete wie immer eine Antwort. Klar, alles sei gelogen.

Er habe niemals schlecht über Haiti gesprochen, denn er habe ja eine „wunderbare Beziehung“ zu den Menschen dort. Kein Wort von El Salvador oder den afrikanischen „Dreckslöchern“, die von Trump ebenso benannt wurden. Anscheinend steht der Präsident zu seiner Meinung, obwohl er bislang weder die Länder noch die Menschen dort kennengelernt hat. Aber die Aussage ist nur eine von vielen rassistischen Äußerungen Donald Trumps. Überraschend kam sie nicht (mehr).

Das Haus wurde mir von der Dorfgemeinschaft in einer kleinen Gemeinde im südlichen Niger angeboten. Wir hatten trotz der ernüchternden Situation um uns herum viel Spaß an diesem Tag.

Erschreckend war auch die Reaktion der Trump-Basis, die die durchaus rassistischen und beleidigenden Worte ihres Führers relativierten. So spreche man eben in der Kneipe, so sehen „Amerikaner“ diese unterentwickelten Orte, Trump verstehe einfach seine Wähler und drücke das aus, was sie denken. So, die einhellige Meinung auf FOXNews. Nun, ich bin auch Amerikaner, selbst Immigrant, wenn auch nicht aus einem „Shithole Country“, doch ich kenne einige der Länder, die unter den Trumpschen Hammer kamen: Niger, Somalia, die Demokratische Republik Kongo, den Tschad. Der Grund, warum Menschen fliehen, zu Flüchtlingen werden, ihre Heimat verlassen, ist sicherlich nicht der, dass sie meinen in den USA ein Lotterleben führen zu können. Oftmals hängt der Grund für die Flucht oder die Eskalation der Situation vor Ort auch mit der amerikanischen Außenpolitik zusammen. Wenn man, wie Trump, die Diplomatie nun fast nur noch auf Militäreinsätze und militärische Drohgebärden beschränkt, offene Stellen in den Botschaften nicht besetzt, wichtige Entwicklungshilfegelder kürzt oder ganz streicht, der braucht sich nicht zu wundern, wenn Menschen sich auf den Weg machen. Niemand wird geboren um ein Flüchtling zu werden.

Jobs sind dann wohl doch nicht alles

Frühmorgens in Washington. Alles schläft noch, nur einer ist schon wach. Donald Trump sitzt vor dem Fernseher und schaut seine Lieblingssendung an – Fox & Friends. Das, was er da sieht, animiert den 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika Tag für Tag zum Sonnenaufgang ein oder zwei oder auch drei oder mehr Tweets in die Welt zu schicken. Amerika sollte wissen, was er denkt und über was an diesem Tag geredet werden soll.

Vor ein paar Stunden war es mal wieder so weit. Donald Trump tweetete, dass die Arbeitslosenzahlen von Afro-Amerikanern seit seiner Amtsübernahme gefallen sind. Natürlich auf ein historisches Tief. Und auch die „Hispanics“ im Land würden wieder mehr zu arbeiten haben. Trump ganz Trump bezieht das natürlich auf sich und zeigt sich etwas verärgert darüber, warum diese Wählergruppen für die Demokraten gestimmt haben und nicht für ihn.

Was Donald Trump hier allerdings etwas außer acht lässt, ist die Tatsache, dass seine Wahlkampfversprechen und seine jetzige Politik alles andere als „pro amerikanisch“ sind. Da kann er noch so viel „America First“ schreien, jubeln, jauchzen. Amerika ist ein Land der Immigranten, der verschiedenen Hautfarben, der verschiedensten Ethnien und Kulturen. Die USA sind nicht nur die „United States of America“, sondern vor allem die „United Shades of America“. Und das übersieht Trump nur zu gern, in dem er amerikanisch als das definiert, was er als amerikanisch betrachtet.

Auch will er nicht wahrhaben, dass seine Politik der Steuersenkung massive Konsequenzen gerade für afro-amerikanische und Latino Nachbarschaften hat und haben wird. Kürzungen bei Sozialprogrammen, im Schulwesen, beim sozialen Wohnungsbau, beim Jobtraining, bei Fördermaßnahmen, all das und mehr trifft nicht nur Schwarze und „Hispanics“ im Land, das wird auch viele der Trump-Wähler treffen, die sich von seinen Versprechungen blenden ließen und leider noch immer blenden lassen. Es gehört eben mehr dazu als unaufhörlich „America First“ und „Make America Great Again“ zu predigen, fast täglich auf den steigenden Dow-Index zu verweisen (der Trump noch reicher werden lässt), und „Jobs, Jobs, Jobs“ zu rufen, um Wählerinnen und Wählern zumindest das Gefühl zu geben, dass sie nicht übergangen werden. Mit seiner Politik, seinen Aussagen und seinem Auftreten macht der Präsident deutlich, dass er kein Interesse daran hat, der Präsident aller Amerikaner zu sein. Er regiert und handelt für sich, seine „Berater“ und seiner ihm ergebenen Basis.

Eine unruhige Nacht

Um kurz nach Mitternacht klingelte das Telefon. Ich war bereits im Tiefschlaf und wankte zum Apparat. Am anderen Ende ein Radiosender, man wolle wissen, ob Trumps Entscheidung, die von ihm eingesetzte Wahlkommission zu beenden, ein Thema für die Mittagssendung sei. Damit war die Nacht erst einmal vorbei. Eineinhalb Stunden lag ich wieder im Bett.

Kaum eingeschlafen wachte ich erneut auf, diesmal mehr als dramatisch. Ein Erdbeben mit der Stärke 4,4 auf der Richterskala erschütterte die Region. Das Epizentrum war nur wenige Meilen von mir an der Grenze zwischen Oakland und Berkeley entfernt. Drei lange Sekunden wurde das Haus gewaltig durchgeschüttelt, dann war es wieder ruhig. Eine deutliche Erinnerung daran, in welcher Gegend ich lebe. Nun ist man hier auf den Notfall ausgerichtet. War der 4,4 Schocker nur ein Vorbeben für was größeres, was ganz sicher kommen wird, oder war es eines von vielen kleineren Entspannungsbeben auf der Hayward Spalte gleich vor meiner Haustür? Die Hayward Spalte ist die aktivste und gefährlichste in der Region. Die Wahrscheinlichkeit eines Riesenbebens liegt bei 31 Prozent in den kommenden 30 Jahren.

Kaum wieder eingeschlafen, erneut eine Unterbrechung meines „Schönheitsschlafs“. Auf der Terrasse zeigte sich mal wieder der Albino-Waschbär und turnte auf dem Geländer herum. Meine Käthe hörte das natürlich, rannte zur Terrassentür und bellte den putzig dreinblickenden „Racoon“ an. Als ich sie beruhigt hatte, der weißfellige Waschbär  schließlich unter die Terrasse geklettert war, versuchte ich es noch einmal mit dem vielgepriesenen Schlaf. Um sieben war dann endgültig die Nacht vorbei. Donnerstag ist hier Müll-, Biomüll- und Recyclingabholtag. Gleich mehrere lautstarke Trucks fahren da die Hügel rauf und runter, keine Rücksicht auf schlaflose Nächte nehmend.

Und nein, ich beschwere mich nicht, sitze nur gerade mit einer Decke und der dritten Tasse Kaffee da, die Heizung ist ausgefallen, lese die Nachrichten der Nacht, höre dazu verstörend-schöne Musik des Finnen Mika Vainio, während meine Käthe auf dem Rücken liegt, ihre vier Beine von sich gestreckt hat und vor sich hin schlummert. Das Leben in Kalifornien ist immer wieder für Überraschungen gut.

Der Kulturkrieg in den USA

Donald Trump und all das für was er steht wurde schon oft mit geschichtlichen Namen und Ereignissen verglichen. Allen voran mit der Machtübernahme der Nazis. Trump sei wie Hitler, die Trumpisten wie die NSDAP. Lawrence Rosenthal ist der Direktor des “Center for Right Wing Studies” an der University of California in Berkeley. Er sieht deutliche Parallelen zwischen dem, was derzeit in den USA passiert und den Ereignissen in den 30er Jahren. Ist Trump ein Populist oder schon gar ein Faschist, fragt Rosenthal im Interview mit der Nürnberger Zeitung.

Trump zwischen Mussolini und Mao? Foto: Reuters.

Dabei verweist er auf den New York Times Kolumnisten Ross Douthat, der schon im Dezember 2015 einen Text überschrieb: Is Donald Trump a fascist? Douthat zitierte in seinem Beitrag den Slate Autoren Jamelle Bouie, der Umberto Ecos Kennzeichen des Faschismus auflistete. Douthat weiter: Klingt das wie Trump? Eigentlich, ja, sogar sehr: Seine Angeberei und sein gespielter Machismo (vollendet mit Spott für Schwächere, Unattraktive und Behinderte), seine Manie wie wir von anderen Staaten “geschlagen” werden und wir stattdessen zurückschlagen müssen, seine überraschende doch geschickte Ausnutzung von wirtschaflichten Ängsten der Arbeiter, seine finsteren Aussagen über mexikanische “Vergewaltiger” und andere Gefahren durch Immigranten. Und seit dieser Woche sein Versprechen unsere Gegner nicht nur zu bombardieren und zu foltern, um sie gefügigt zu machen, sondern auch noch ihre Familien zusammen zu treiben – nein, es ist nicht schwer Eco’s Liste mit Donald’s “greatest hits” zu vergleichen.

Donald Trump als „Duce del Fascismo“ ist allerdings nicht der einzige historische Vergleich, der in diesen Wochen und Monaten gezogen wird. Trump und seine Umkrempelung des amerikanischen Lebens wird nun auch mit der chinesischen Kulturrevolution verglichen. Catherine Rampell schreibt in der Washington Post, dass sie kürzlich von einer Reise nach China zurück gekommen sei und dabei von diesem Vergleich lernte. Der gewaltsame Alltag während der Kulturrevolution in China unter Mao Zedong zwischen 1966 und 1976, gliche in weiten Teilen der aktuellen Situation in den USA. Rampell bezieht sich auf den Kapitalanleger Eric X. Li, der ihr diese durchaus provokante Theorie näherbrachte. Anstelle der großen Plakate für das politische Ziel in China ständen nun die Tweets und Hashtags unter Trump. Auf den chinesischen Postern wurden Staatsfeinde verunglimpft, das geschieht nun in 280 Zeichen. Höhere Bildung wird verpönt, nationale Symbole, die eigentlich für die Gemeinschaft und die Einheit stehen, wie die Freiheitsstatue und die amerikanische Flagge, werden politisiert. Bestimmte Wörter werden gebrandmarkt oder ganz aus offiziellen Regierungsstellungnahmen und -berichten verbannt.

Rampell zitiert eine Email von Li, in der dieser schreibt: „Eigentlich alle Institutionen – aus Politik, Bildung, Wirtschaft – verschwenden ihre Energie auf strittige und unvereinbare Grundwerte und -haltungen – darauf, was es heißt Amerikaner zu sein. In solch einem Umfeld übertrumpft die Identität die Vernunft („identity trumps reason“), Ideologie kommt vor Politik und moralische Überzeugungen ersetzen einen intellektuellen Diskurs.“ Donald Trump und seine Weggefährten auf diesem kulturellen Kriegspfad unterminieren gezielt die Grundfesten der amerikanischen Gesellschaft. Die Medienberichterstattung wird in jubelnde „Pro Trump = Pro Amerika“ Beiträge und kritische „Fake News = unamerikanisch“ Berichte aufgeteilt. Es wird von einem nicht existierenden „Deep State“ gesprochen, einem Staat im Staate, der diesen eingeschlagenen „Make America Great Again“ Weg verhindern soll. Gegner dieses Trumpschen MAGA-Pfades werden als Volksfeinde verunglimpft. Der republikanische Abgeordnete Matt Gaetz wetterte nicht nur einmal gegen den Sonderermittler Robert S. Mueller und erklärte im Parlament und auch im Fernsehen: „Wir sind in Gefahr, dass es zum einem Putsch in diesem Land kommt, wenn wir es zulassen, dass eine unverantwortliche Person ohne Kontrolle den ordnungsgemäß gewählten Präsidenten der Vereinigten Staaten unterminiert.“ Mit Horrorbildern wird seit nunmehr fast einem Jahr in den USA Politik gemacht. Mit Bildern, die durchaus geschichtliche Parallelen aufweisen.

 

 

2018 – das Jahr der Frauen

Die demokratische Kongressabgeordnete Jackie Speier ruft das „Jahr der Frauen“ aus. Foto: Reuters.

In diesem Jahr stehen in den USA wieder ein paar Wahlen an, die durchaus bedeutsame politische Weichen stellen könnten. Da sind die Kongresswahlen, das gesamte Abgeordnetenhaus wird neu bestimmt, dazu noch ein Drittel der 100 Senatoren. Donald Trump befindet sich schon im Wahlkampf, denn mit einem Verlust der republikanischen Mehrheit in beiden Kammern, könnte für ihn das Regieren mehr als schwierig werden.

Und auch in Kalifornien, dem einwohnerreichsten und politisch mächtigsten Bundesstaat in den USA wird ein neuer Gouverneur gewählt. Bislang ist der Wahlkampf mehr als dröge. Der Stellvertretende Gouverneur, Gavin Newsom, und der frühere Bürgermeister von Los Angeles, Antonio Villaraigosa, – beide Demokraten – liefern sich einen gähnend-langweiligen Wahlkampf. Sie stimmen einfach in vielem überein. Keiner kann so richtig überzeugen.

Doch das kann sich nun ändern. Die Kongressabgeordnete Jackie Speier, ebenfalls eine Demokratin, überlegt das Feld als weibliche Kandidatin aufzurollen. Die Tochter einer Überlebenden des armenischen Genozids und eines deutschen Einwanderers ist seit 2008 im US Kongress. Zuvor war sie kalifornische Senatorin und Abgeordnete in Sacramento. Speier machte im vergangenen Jahr Schlagzeilen damit, dass sie sich für eine Amtsenthebung von Donald Trump einsetzte, nachdem dieser die Gewalt bei der „Unite the Right“ Demonstration in Charlottesville relativierte und dem nordkoreanischen Diktator Kim Jon-Un mit einem nuklearen Schlag drohte. Trump, so Speier, sei geistig nicht in der Lage das Land zu führen und gefährde die USA nur.

Im Oktober trat sie im Zuge der #metoo Kampagne mit ihren Erfahrungen als Frau im Kongress an die Öffentlichkeit und erklärte, sie habe vor vielen Jahren als Mitarbeiterin eines Abgeordneten selbst sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz erdulden müssen. Der US Kongress sei ein „Brutplatz“ für Übergriffe.

Die 67jährige Jackie Speier repräsentiert Teile von San Mateo County und dem südlichen San Francisco. Sie ist aufgrund ihrer langen politischen Erfahrungen hervorragend in der Partei und bei Spendern vernetzt. Ihr charismatisches Auftreten begeistert nicht nur weibliche Wähler. Und die werden auf die Abgeordnete setzen, falls es zu einer Kandidatur kommen sollte. Speier gilt als Vertraute von Hillary Clinton und könnte gerade dem derzeitigen Frontrunner Gavin Newsom gefährlich werden. Auch wenn dieser auf seine „Kriegskasse“ von 20 Millionen Dollar verweist. Newsom bereitet seit Jahren seine Kandidatur generalstabsmäßig vor. Doch im engen Umfeld von Jackie Speier heißt es dazu nur, sie brauche so viel Geld gar nicht, denn „das ist das Jahr der Frauen“. Auf den Seiten der Kandidatinnen und auf Seiten der Wählerinnen.

Es brennt an allen Fronten

In gerade mal zweieinhalb Stunden schaffte es Donald Trump am Dienstag im eigenen Land die Grundfesten der Demokratie weiter auszuhöhlen und international die Lunte an gleich zwei Megakrisen zu halten. In gleich mehreren Tweets vollführte er den Rundumschlag gegen alles und jeden. Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika will Medien, die ihm nicht passen, die keine Hofberichterstattung veranstalten, die kritisch über ihn und seine Adminstration berichten „auszeichnen“. Es geht ihm um „Unehrlichkeit“ und „schlechte Berichterstattung“ der „Fake News Medien“. Auf einer Veranstaltung am kommenden Montag will er seine „Preisträger“ verkünden. Was kommen wird ist klar, eine Schmusekurs mit FOXNews, Breitbart und Washington Times und eine Anprangerung der New York Times, der Washington Post, von CNN, NBC, ABC und CBS. Trump macht damit einen auf Erdogan. Der Schulterschluss zwischen King Donald und Sultan Recep.

Schon zuvor hatte Trump ausgeholt und das internationale Parkett für seine Verbalattacken genutzt. Erst die Palästinenser und dann Nordkorea. Er droht mit Kürzungen von Geldern und ganz offen mit einem nuklearen Schlag gegen das Kim-Regime. Trump zündelt auf dem Globus mal hier, mal da. Die Folgen sind noch nicht abzusehen, aber, dass dieser Kurs ein friedliches Ende finden wird, daran glauben in den USA immer weniger Menschen.

Donald Trump wird zum gefährlichsten Mann in Amerika, gerade weil er unkalkulierbar und populistisch regiert. Trump ist der Präsidenten seiner „Red States“ und sieht sich nicht als Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Er regiert für seine Basis, die ihm zujubelt, egal, was für unlogische, gefährliche und schlichtweg falsche Entscheidungen er auch treffen mag. Die Frage, die ich mir immer öfters stelle ist, wie werden die USA nach diesem Präsidenten aussehen, der ein Land in kürzester Zeit zerlegt, verändert, unüberbrückbar spaltet? Ich kann, ich will es mir gar nicht vorstellen.

„Da rauchten wir erst einmal einen Spliff“

Rauchzeichen aus Kalifornien nun auch legal. Foto: Reuters.

Die Shiny Gnomes präsentierten vor wenigen Tagen im Hirsch ihre neue Platte „Searching for Capitola“. Leider war meine Anreise etwas zu weit, ich wäre sehr gerne dabei gewesen. Aber genau an dem Tag las ich so einige Artikel über das, was da am 1. Januar auf Kalifornien zukommen wird. Der Sonnenstaat ist der nächste, der ab 2018 den legalen Cannabis Konsum und Besitz erlauben wird. Als Donald Trump im November 2016 gewählt wurde, votierten die Kalifornier deutlich gegen ihn und stimmten für die Legalisierung von Gras.

Fortan darf man in Kalifornien knapp 30 Gramm Marihuana und bis zu sechs Cannabis Pflanzen besitzen. Damit will der Staat den illegalen Markt austrocknen und selbst etwas an dem Milliarden Dollar Geschäft verdienen, denn nun müssen die Konsumenten in ihren „Weed Stores“ Steuern auf ihren Rausch bezahlen. Bis zu 5,1 Milliarden Dollar zusätzliche Einnahmen erhofft man sich im „Golden State“.

Kalifornien ist nicht der erste Bundesstaat, der den Marihuana Konsum legalisiert. Acht Staaten haben bereits Gesetze verabschiedet. Bislang konnte man sich in Kalifornien mit einer „Medical Marijuana License“ ganz legal Gras kaufen, man musste nur von einem Arzt ein Attest vorlegen, dass man aus medizinischen Gründen Cannabis braucht. Nun also wird der Markt für alle geöffnet. Fraglich ist, wie sich die Regierung in Washington verhalten wird. Denn der Konsum und der Besitz von Cannabis ist nach wie vor illegal unter Bundesgesetzen. Donald Trump und sein Justizminister Jeff Sessions könnten durchaus zu einem Schlag gegen Kalifornien ausholen. Überraschen würde es niemanden, denn der „Golden State“ ist nicht Trump-Country, hier findet man nur wenige Wähler des 45. Präsidenten.

Was das nun mit den Shiny Gnomes aus Nürnberg zu tun hat? Vor etlichen Jahren, als die Band eine längere künstlerische Pause einlegte, interviewte ich für Radio Goethe Limo und den früheren Drummer Ufo, der damals noch beim Balazzo Brozzi um die Ecke wohnte. Eine meiner Lieblingsplatten war und ist die Scheibe „mc creatrix“ von den Shiny Gnomes (den Song „Heartmoon“ daraus stellte ich kürzlich auch in der NPR Sendugn „Here and Now“ vor). Auf die Frage, wie sie denn diesen fantastischen und komplexen Sound zustande gebracht haben, meinte Ufo: „also, da rauchten wir erst einmal einen Spliff“… Gedankengänge sind manchmal schon seltsam!

Trump sagt mal wieder „F.U.“

Man erlebt es trotz allem nicht so oft, dass der amerikanische Präsident so offen einem Großteil der Amerikaner „F… Y..“ zuruft. Aber genau das ist mit seinem jüngsten Tweet passiert. Weite Teile der USA erleben einen extremen Kälteeinbruch, wir hier im Westen haben fast sommerliche Temperaturen nach verheerenden Bränden. Und was macht der Präsident? Ihm sind die Auswirkungen des Klimawandels egal. Vielmehr unterhält er zum Jahresausklang seine Wähler mit einem dusseligen Tweet. Seine Basis wird ihm sicherlich zunicken und unglaublich geistreich bemerken: „genau, wo ist denn „Global Warming“, wenn wir hier so viel Schnee haben“. Lieber Gott, wirf Hirn vom Himmel!