„Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt“

Das ist mal was Neues. Präsident Donald Trump macht einen Rückzieher und, wie man so schön sagt, zieht den Schwanz ein. Was ist passiert? Der Aufrschrei war dann doch etwas zu groß, gerade auch in den eigenen politischen Reihen. Nicht nur bei den Republikanern im Kongress, sondern eben auch in seiner hörigen Basis, kam es nicht so gut an, dass Trump das nächste G-7 Treffen in einem seine Golfclubs in Florida durchführen wollte.

Es gäbe keinen besseren Ort in den USA, um solch ein „Meeting“ durchzuführen, wurde von Seiten der Trump-Administration heruntergebetet. Einige der FoxNews Trumpisten bliesen ins gleiche Horn. Das ging den „America First“ Jüngern dann doch etwas zu weit, denn immerhin sind wir in der „greatest Nation on earth“, da kann es ja wohl nicht sein, dass man im ganzen Land nur einen Tagungsort hat, der dann auch noch den Namen Trump führt.

Also machte Trump das, was er immer in solchen Fällen macht, er erklärte sich zum Opfer und spinnt noch eine Verschwörungstheorie drum herum. Eigentlich wollte er dem Land nur etwas Gutes tun, ohne davon etwas zu haben, denn der Golfclub sei so ideal und besonders, wie keine andere Einrichtung im großen, weiten Amerika. Doch die bösen Demokraten und die noch böseren Helfershelfer der Demokraten in den Medien hätten mal wieder „verrückt“ gespielt. Nach dem Motto, wie könne ihm nur jemand unterstellen, einen Vorteil aus dem so hervorragenden und einzigartigen, ja, uneigennützigen Angebot zu ziehen.

Was Trump selbstredend nicht erwähnt ist, dass das G-7 Treffen im Juni stattfinden wird, in einem Monat, wo sein oller Golfclub gerade mal zu 30 Prozent ausgebucht ist. Sowieso leiden einige der Trump-Einrichtungen unter dem großen Mundwerk ihres Namensgebers. Da täte so eine internationale Aufmerksamkeit, für ihn eine kostenfreie, für den amerikanischen Steuerzahlen eine immense Werbekampagne mit schönen Bildern durchaus gut. Man denke nur an die folgenden Fotos der Staatsführer an den Wänden, die dort übernachtet hätten. Die „Merkel Suite“, die „Macron Weinbar“, die „Johnson Whiskey Bar“.  Trump will das alles nicht gesehen haben. Nun also der Rückzieher, der kam sicherlich nicht aufgrund einer Einsicht, sondern vielmehr deshalb, weil das Geraune im eigenen Fußvolk zu laut wurde. Es ist Wahlkampf, da kann man sowas schon gar nicht gebrauchen. Punkt. Die Reihen sind wieder geschlossen.

Das Problem mit den Demokraten

Heute Abend stehen sie wieder auf der Bühne. Politik als Abendunterhaltung, lasst uns mal darüber reden. Die Frage ist nur, über was. 12 Demokratinnen und Demokraten wollen Präsidentin oder Präsident werden. Sie alle glauben, das Zeug zu haben, Donald Trump in der kommenden Wahl zu besiegen. Doch seien wir mal ehrlich, die Chancen dafür liegen alles andere als gut.

Die Demokraten sind ihr größter Feind. Foto: AFP.

Da ist sicherlich Trump selbst, der sich die Welt, die Realität, die Wahl so hinzimmert, wie er es gerade braucht. Es ist also nicht leicht gegen jemanden zu kandidieren, der problemlos, ja, skrupellos lügt, um seinen Vorteil daraus zu ziehen und nicht nur das, der auch bislang keine Anstalten gemacht hat, auch nur eine seiner über 13.000 Falschaussagen seit Amtsantritt zurück zu nehmen oder zu relativieren.

Doch das größte Problem der Demokraten sind die Demokraten selbst. 12 Personen auf einer Bühne werden keine politische Debatte führen. Hinzu kommt, dass sie alle versuchen neue Wählergruppen für sich zu gewinnen und dabei sich so dermassen verfahren, dass es schon fast von vornherein ein hoffnungsloser Kampf gegen Trump sein wird, denn der kann auf seine solide Basis vertrauen.

Die Demokraten behindern und verhindern sich gerade selbst. Sie stehen sich im Weg und verfehlen so das eigentliche Ziel die Wiederwahl von Donald Trump zu verhindern. All die politischen Ansätze und Ziele, Ideen und Programme sind wichtig, keine Frage. Doch in dieser Wahl geht es vorerst nicht um Toiletten für alle, es geht nicht um eine allgemeine Krankenversicherung, es geht auch nicht um das Ende der Kohleförderung oder um die Stärkung von Vegetariern in einer fleischverliebten Gesellschaft. Es geht, nein, es muss den Demokraten einzig und allein darum gehen, Donald Trump eine zweite Amtszeit zu verwehren.

Doch die Demokraten verhindern das selbst, sie betreiben alle noch eine Nabelschau, während Trump bereits von einem „Coup“ spricht, von einer verschobenen Wahl, die eigenen Reihen hinter sich schließt. Was eigentlich notwendig wäre, die Demokraten müssten diesen unsäglichen Vorwahlkampf abbrechen, sich an einen Tisch setzen und ausloten, wer von ihnen eine Chance gegen Donald Trump hat. Denn am Ende geht es um all das, was sie auf der übervollen Bühne als ihre Programme anbieten wollen. So weit liegen sie alle nicht auseinander, doch durch einen Wahlsieg von Trump würde die amerikanische Demokratie weiter ausgehöhlt, der Umweltschutz ad absurdum geführt, der Klimawandel weiter angezweifelt, Dutzende von Trump-Richtern eingesetzt, die Amerika auf Jahrzehnte hinaus blockieren, die internationale Gemeinschaft weiter verhöhnt werden. Es geht um viel mehr, als nur um eine Kandidatin oder einen Kandidaten, es geht um die Zukunft der USA.

Jede Stimme zählt

2016 gaben sechs Millionen Menschen in Pennsylvania ihre Stimme in der Präsidentschaftswahl ab. Am Ende lag Donald Trump mit 45.000 Stimmen vorne und bekam die 20 Wahlmänner für das „Electoral College“. Pennsylvania ist einer dieser wichtigen Swing-Staaten, auf die es auch 2020 wieder ankommen wird. Der Wahlausgang wird nicht im bevölkerungsreichsten Bundesstaat Kalifornien entschieden, sondern in ein paar Staaten, die mal so und mal so wählen, darunter Pennsylvania, Ohio, Michigan, Florida und North Carolina.

Die Republikaner hoffen, dass möglichst viele Amisch mit der Pferdekutsche zum Wahllokal fahren. Foto: Reuters.

45.000 Stimmen sind nicht viel. Donald Trump muss auch in der kommenden Wahl wieder Staaten wie Pennsylvania gewinnen, um seine Wiederwahl zu garantieren. Obwohl die Arbeitslosenquoten bei Latinos, Afro-Amerikanern und auch Frauen deutlich gesunken sind, diese Wahlgruppen springen nicht so richtig auf den Trump-Train auf. Deshalb geht man in der republikanischen Partei ganz neue Wege. Ganz offen wird überlegt, welche Wählerinnen und Wähler bislang von den Parteien nicht beachtet wurden, welche man für sich gewinnen kann.

Eine Gruppe von Republikanern hat deshalb nun AmishPAC gegründet, ein „Political Action Committee“ mit dem Ziel die Amisch in Pennsylvania zur Stimmabgabe für Donald Trump zu gewinnen. Eigentlich wären die Amisch, eine religiöse Sekte der Mennoniten, ideale GOP Wähler, sie sind konservativ christlich eingestellt, lehnen Abtreibung und Homosexualität ab. Doch diese technikablehnende Volksgruppe lebt auch strikt nach dem Vorsatz sich aus der Politik herauszuhalten. Die AmishPAC Gruppe will es dennoch versuchen, zumindest einige der 75.000 wahlberechtigten Männer und Frauen zur Stimmabgabe zu bewegen.

Bei den Demokraten sieht es nicht viel anders aus. Auch sie versuchen neue Ziel- und Wählergruppen für sich zu öffnen. Allen voran steht da der Versuch die „Native Americans“ für demokratische Kandidaten zu gewinnen, denn die Politik von Donald Trump und seiner Administration geht weitgehend gegen die Interessen der indianischen Völker in den USA. Der Wahlkampf 2020 wird also ein Kampf um jede Stimme werden, gerade in den Swing-States, in denen die Wahl am Ende entschieden und gewonnen wird.

Der Totengräber der Demokratie

Donald Trump bestimmt durch seine selbstgewählte Opferrolle im Ukraine Skandal auch den Wahlkampf der Demokraten. Es ist schon erstaunlich, wie dieser Mann aus einer eindeutigen Täterrolle eine Opferrolle einnehmen kann und es darüberhinaus noch schafft, seine Parteisoldaten hinter sich zu bringen. Hier werden gerade unglaubliche Verschwörungstheorien gesponnen, um diesen selbstverliebten Präsidenten zu schützen.

Fakten zählen schon lange nicht mehr in den USA. Foto: Reuters.

Und die Demokraten finden keine Antwort auf den Trumpschen Frontalangriff. Schlimmer noch, ihre drei führenden KandidatInnen im Rennen haben wohl keine Chance mehr das Rennen zu machen. Joe Biden ist durch die rund um die Uhr Angriffe durch Trump angeschlagen. Egal, ob was dran ist oder auch nicht an den Ukraine Vorwürfen, es wird etwas hängen bleiben. Biden ist daduch geschwächt.

Geschwächt ist nun auch Bernie Sanders, der einen Herzanfall erlitt. Mit 78 Jahren ist Bernie in einem Alter, in dem er eigentlich nicht mehr kandidieren sollte, doch bislang schien der Senator wie das berühmte Batterie-Häschen ohne Pausen voran zu marschieren. Damit ist nun Schluss, die Herzattacke führte allen vor Augen, dass Bernie Sanders zu alt für diesesn Job ist. Man kann nur hoffen, dass Sanders selbst ein Einsehen hat und aus dem kräftezehrenden Rennen ausscheidet.

Dann ist da Elizabeth Warren, die Senatorin aus Massachusetts, die unbedingt Kandidatin werden will. Doch viele in der Partei sehen sie als zu links an. Und auch sie wurde von Trump bereits heftigst angegangen und als „Pocahontas“ beschimpft, denn Warren erklärte lange Zeit, sie habe indianische Vorfahren. Trump baute eine Lügengeschichte darum auf, dass Warren dadurch Vorteile beim Studium und in der Jobwahl erhielt, was de facto nicht stimmt, doch auch da blieb vieles hängen. Warren ist für viele im Wahlvolk nur „Pocahontas“.

Das KandidatInnenfeld der Demokraten ist noch gross, viele Namen könnten sich nach vorne drängeln, doch die Frage ist, ob sie eine Chance haben gegen den Lügenbaron, der nicht an die herkömmlichen Spielregeln gebunden ist. Wie soll man einem Mann begegnen, der falsche Fakten als Tatsachen verkauft, der Halbwahrheiten als alternative Realität anbietet, der nachweislich und ohne Konsequenzen lügt und betrügt und davon nie etwas zurücknimmt. Die Demokraten haben bislang keine Antwort auf diese Fragen gefunden. Es ist an der Zeit, den Kopf aus dem eigenen Schoß zu ziehen und offen und direkt Donald Trump anzugehen. Er ist der eigentlich politische Gegner, er ist der Totengräber der amerikanischen Demokratie. Das Schaulaufen des demokratischen Wahlkampfes muss endlich ein Ende finden. Nun wäre es viel sinnvoller sich an einen Tisch zu setzen und die übergroßen Egos an der Tür zu lassen, eine Lösung zu finden, wer kandidiert und dann gemeinsam und geschlossen ein Ende der Trump-Regierung einzuleiten. Wenn das nicht bald passiert, muss man sich mit vier weiteren Trump Jahren anfreunden. Die Folgen wären katastrophal für die Demokratie, für die Umwelt, für das soziale Leben in den USA, für die internationalen Beziehungen, für die Zukunft.

Bring me back to Sudan

Da sitze ich an einem Sonntagmorgen in meinem Büro in Oakland und lese mich durch die Nachrichten der vergangenen Tage. Klar, auch unterwegs warf ich immer mal wieder einen Blick auf verschiedene News Seiten und las auch, was Donald Trump da wieder per Twitter von sich gab. Doch das war irgendwie alles weit weg. Nun bin ich zurück, kein Weg führt mehr drum herum. Wir sind 13 Monate vom Wahltag entfernt und diese 13 Monate werden lang.

Was geht nur in diesem Kopf vor? Foto: Reuters.

Es ist schon faszinierend, wie ein selbstverliebter Präsident eigene Fehler umkehren und sich als Opfer einer Verschwörung darstellen kann. Kräfte im „Deep State“ versuchten ihn zu stoppen, so Trump. Seine Anfrage an den ukrainischen Präsidenten zur Aufnahme von Ermittlungen gegen die Biden Familie sei schließlich seine Pflicht im Kampf gegen Korruption. Das muss man können, Dinge so zu drehen, dass egal was, man immer als Opfer gesehen wird. Und Trump macht das nicht nur für sich, auch seine republikanischen Mitstreiter glauben dieses Tollhausmärchen. Das grenzt schon an eine Bananenrepublik.

Trump malt sich seine eigene Realität, die bekannte „Alternative Reality“, in der nur er recht hat, in der nur das zählt, was er sagt, in dem Fakten nur dann Fakten sind, wenn sie ein Trump-Siegel erhalten. Dass er bei der Wahl 2016 weniger Stimmen als seine Konkurrentin Hillary Clinton erhielt, wurmt ihn noch immer. Und auch, dass Mitt Romney bei der Wahl 2012 mehr Stimmen als er erhielt, kann er nicht abhaben. Beide geht er deshalb nach wie vor an. Und dann sind da eben auch noch diese unsäglichen Geistergeschichten von Verschwörungen, einem „Deep State“, einem langen Arm der Demokraten, einer korrupten Medienlandschaft, die ihm alle nur ans Fell wollen. Donald Trump das Opfer.

Er dreht die Dinge, wie sie gerade kommen und seine Anhänger und weite Teile seiner Partei folgen ihm kommentar- und kritiklos. Das macht die Sache nun gefährlich, denn falls Trump die Wahl verlieren sollte, werden viele in seinem Lager davon überzeugt sein, dass der Wahlausgang manipuliert wurde, dass der „erfolgreichste Präsident aller Zeiten“ (Trump über Trump) um seinen Wahlsieg gebracht wurde. In einem Land, das bis zu den Zähnen bewaffnet ist, sind das keine guten Aussichten, denn von Donald Trump wird man nicht erwarten können, dass er eine Niederlage eingesteht, still und leise aus dem Amt scheidet, Platz macht für seine Nachfolgerin oder seinen Nachfolger. 13 Monate werden sehr lang werden, am Ende wird in den USA nichts mehr so sein wie es einmal war. Über all diesen Irrsinn, die Halbwahrheiten, Vermutungen, Verschwörungen, Verleumdungen und Beleidigungen zu berichten, das steht nun an. Da wünsche ich mir eigentlich, wieder in den Sudan, nach Somaliland oder in den Niger zurückkehren zu können, um über wirkliche, reale Probleme berichten zu können. Goodnight, America!

Was für eine Woche!

Kaum zurück, geht es schon wieder los. Nach Somaliland und Niger steht nun der Sudan auf meinem Reiseplan. Aus dem Jetlag komme ich kaum raus. Heute Nacht geht es von San Francisco über Chicago nach Addis Abeba und von dort weiter nach Khartum. Eine spannende Reise wartet, die so ganz anders sein wird, als die, die ich gerade hinter mir habe.

Und bei all dem steppt gerade der Bär hier in den USA. Ermittlungen im Vorfeld eines Amtsenthebungsverfahrens gegen Präsident Donald Trump wurden eingeleitet, es sieht ganz danach aus, als ob sich Trump da selbst ein Loch gegraben hat, er doch angreifbar ist. Das politische Beben in Washington ist enorm, die Folgen noch nicht abzusehen. Kann dieser Skandal Trump zu Fall bringen oder bedeutet der „Impeachment“ Prozess vielleicht sogar die sichere Wiederwahl des Präsidenten? Alles ist möglich in diesem verrückten Land mit seinem durchaus fragwürdigen Wahlsystem.

Was ich nach wie vor nicht verstehe ist, wie die Republikaner noch immer wie eine Eins hinter diesem Mann stehen und die Fakten, die vorliegen, total verdrehen, so, als ob das, was Trump in dem Telefongespräch mit seinem ukrainischen Kollegen sagte, nicht zählt. Sie tun so, als ob eine Wahlabsprache mit einem ausländischen Regierungschef ein normaler Vorgang sei. Man fragt sich langsam, was passieren muss, was Trump noch tun muss, damit sie endlich aufwachen und erkennen, dass Donald Trump der Totengräber der amerikanischen Demokratie ist. Selbst die Aussagen, der „Whistleblower“ sei kein „Whistleblower“, vielmehr sei er ein Spion und Verräter und früher hätte man solche Leute ganz anders behandelt, lässt in der „Grand Old Party“ niemanden aufschrecken.

In den kommenden Wochen und Monaten kommt einiges auf uns zu. Der Wahlkampf wird nun mit diesen Ermittlungen gewürzt. Was bei diesem Skandal nun kaum noch beachtet wird ist, was die Trump-Administration sonst noch so veranstaltet. Der offene Krieg gegen den Umwelt- und Klimaschutz, alles unter dem wissenschaftsfeindlichen „America First“ Mantel verdeckt, hat weitreichende Konsequenzen nicht nur für dieses Land. Den Schaden, den dieser Präsident anrichtet und das auf dem weiten Feld der Politik, ist noch gar nicht überschaubar. Ob die Uhren da nochmal zumindest zurückgedreht werden können, muss man abwarten. Eines ist jedoch klar, vier weitere Trumpjahre werden für die USA kaum verdaubar sein.

Heute Abend geht mein Flieger Richtung Sudan. Eine ganz andere Welt und vor allem ganz andere Probleme warten dort auf mich. Ob ich da für ein paar Tage dem riesigen Trump-Schatten entkommen kann, ist fraglich, denn das, was er mit seiner Politik anrichtet, hat eben auch massive Auswirkungen auf den Alltag, auf das Leben in afrikanischen Ländern wie den Sudan.

Donald das Opfer

Ich will es ja nicht an die Wand malen, aber die Einleitung eines Amtsenthebungsverfahrens gegen Donald Trump könnte den Demokraten die Wahl gekostet haben. Damit will ich nicht sagen, dass Donald Trump unschuldig ist. Ganz im Gegenteil, alles deutet daraufhin, dass er Druck auf den ukrainischen Präsidenten ausgeübt hat, Gelder zurückhielt, um den Druck noch zu verstärken, alles nur deshalb, weil er Ermittlungen gegen den politischen Gegner erreichen wollte.

Er ist Opfer und unfehlbar. Foto: Reuters.

Es ist nicht der erste Fehltritt von Donald Trump als Präsident, der sich als unfehlbar, unantastbar, der sich als „above the law“ sieht. Doch Trump ist ein Meister im Verdrehen der Tatsachen. Auch wenn das Telefongespräch zwischen ihm und dem ukrainischen Präsidenten ganz eindeutig darlegt, dass er verbotenerweise Wahlkampfhilfe einforderte, präsentiert er sich nun als Opfer. Nicht er habe etwas falsch gemacht, sondern die Demokraten. Fortan könne kein anderes Staatsoberhaupt mehr mit ihm offen reden, aus Angst, die Gespräche würden veröffentlicht werden. So die Argumentation von Trump. Auch sei der „Whistleblower“ ein demokratischer Agent, ein Vertreter des „Deep State“, der seit Beginn seiner Amtszeit gegen ihn kämpfe.

Trump verkehrt die Dinge einfach um und die Reaktionen aus seiner Partei und seiner Fanbasis auf Twitter und in den sozialen Medien lassen darauf schließen, dass sie weiterhin zu ihm stehen werden. Seit gestern Abend, seit der Ankündigung Nancy Pelosis, eine Voruntersuchung für ein „Impeachment“ einzuleiten, hat die Wiederwahlorganisation „Trump 2020“ fünf Millionen Dollar an Spenden eingenommen. Das zeigt, Trumps Fehltritte werden nicht als solche gesehen, vielmehr glauben sie seiner Argumentation, er sei das Opfer einer Verschwörung der Demokraten.

Es sieht nicht gut aus für die Demokraten, denn Donald Trump treibt den politischen Gegner ganz nach Belieben vor sich her. Das liegt auch daran, dass die Partei von Clinton und Obama sich nicht einig ist. Man muss sich das so vorstellen, als ob unter einem Dach der linke Flügel der CDU, die SPD, die Grünen und die Linke zusammen kommen und versuchen sich zu arrangieren. Der politische Frieden würde da nicht lange halten. Das sind die Demokraten in den USA. Die eine politische Seite bekämpft die andere. Und das ist nicht neu, man denke nur an die Wahl 2016, als viele der Bernie Sanders Anhänger nicht für Hillary Clinton stimmten. Sie blieben lieber zuhause und kalkulierten die Wahlniederlage der Demokratin ein. Das Ergebnis ist bekannt.

Genau darauf setzt Donald Trump, der sich als Opfer präsentiert, der nicht nur gegen die Demokraten, sondern auch gegen den „Deep State“ kämpfen muss, der doch eigentlich nur „America First“ im Kopf habe, der einer von „uns“ sei, auch wenn der Milliardär so gar nichts gemeinsam hat mit John Smith in Idaho, Ken Bachmann in Mississippi oder Arndt Peltner in Kalifornien. Trump ist ein Blender, ein Schaumschläger, ein Lügner, ein moderner Baron Münchhausen, dem seine Anhänger auch den vielzitierten Mord auf der 5th Avenue in Manhattan verzeihen würden. Dann würde Trump wahrscheinlich erklären, er habe nur aus Notwehr gehandelt, auch wenn der andere keine Waffe gehabt hätte. Aber die hätte dann wohl ein politsch motivierter Polizist verschwinden lassen. Trump lebt seine Opferrolle voll und ganz aus. So regiert er auf der Bühne der Weltpolitik, andere wie China und Deutschland würden die USA nur ausnehmen. So verhält er sich auch im Weißen Haus, er könne noch viel mehr leisten, wäre da nicht der „Deep State“, „Witch Hunt“ und all die Verschwörungstheorien, die er seinen gutgläubigen Fans unterjubelt. Noch sehe ich kein Ende für die Ära Donald Trump, ich glaube, wir sollten uns mit vier weiteren Trump-Jahren anfreunden.

Suche den Fehler!

Die Nachricht verbreitete sich rasant. Sechs Todesopfer, die mit dem Vaping, dem Inhalieren von Nassdampf bei E-Zigaretten, zusammenhängen sollen. Wie kann es auch sein, dass so etwas gefährlich ist, was von der Tabakindustrie als „gesunde“ Alternative zum Zigarettenrauch beworben wird. Die amerikanische Politik reagiert umgehend, Präsident Donald Trump tweetet, es müsse etwas getan werden.

Seit dem Amtsantritt Donald Trumps wurden in den USA rund 30.000 Menschen mit Schusswaffen ermordet. Etwa die gleiche Anzahl an Personen nahm sich mit einer Knarre das Leben. Die Zahl der Schusswaffenopfer, also Verletzte, kann verdreifacht werden, dass sind etwa 90.000 Betroffene. Damit wurden seit Januar 2017 etwa 150.000 Menschen in den USA Opfer von Schusswaffen. Das ist ungefähr die Einwohnerzahl von Regensburg. Und was sagt die amerikanische Politik dazu? Donald Trump betont fast täglich, dass er und die Kandidaten für die er sich einsetzt, zum vermeintlichen Grundrecht auf Waffenbesitzt stehen. Die Republikaner im Kongress griffen schnell die Forderung von Beto O’Rourke auf, der chancenlos als Präsidentschaftskandidat der Demokraten am Donnerstag forderte, halb- und vollautomatische Gewehre verpflichtend zurückkaufen zu wollen und umfassende „Background Checks“ durchführen zu lassen. Das wurde zugleich als allgemeine und umfassende Entwaffnung aller Amerikaner ausgelegt.

In den USA gibt es mehr Waffen als Menschen. Wie viele genau, das weiss keiner, denn gezielte Untersuchungen werden von der Waffenlobby blockiert. Selbst das sehen sie als einen Eingriff in ihr „Grundrecht“. Mittlerweile ist die Zahl der Massenschiessereien in diesem Jahr in den USA auf 354 gestiegen. Die Definition, die dafür zugrunde gelegt wird, sind vier oder mehr Opfer – Tote oder Verletzte. Und auch darüber gibt es keine einheitliche Meinung. Für das FBI müssen es mindestens drei Tote sein, bevor von einer Massenschiesserei gesprochen wird. Das heisst, die rund 90.000 Schusswaffenopfer, die es seit dem Amtsantritt von Präsident Donald Trump nachweislich in den USA gibt, zählen nicht. Aber die sechs Toten, die durch die Folgen von E-Zigaretten starben, bewegen die US amerikanische Politik. Klagen werden folgen, denn man hat ja von den Gefahren nichts gewusst. Millionenbeträge werden in Strafen und Abfindungen bezahlt werden, Anwälte freuen sich, der Landesvater selbst kann sich als sorgender Präsident für seine Schäfchen darstellen. Ich merke, wie ich zynisch werde…

The crazy White House

Da sitze ich hier am frühen Morgen in einem Hotel am Horn von Afrika, lese die Nachrichten und schalte zwischen CNN und Al-Jazeera hin und her. Man kann Donald Trump und der amerikanischen Politik nicht entgehen. Wie auch, wenn man seit 23 Jahren aus einem Land berichtet, das voller Widersprüche ist. Es heißt schon viel, wenn man mitbekommt, dass der Abgang des umstrittenen nationalen Sicherheitsberaters John Bolton nun die Frage aufwirft, was kommt nach ihm.

Und dann sind da die Sonderwahlen für den Kongress in North Carolina. Zwei Distrikte in diesem rot-republikanischen Bundesstaat, die die republikanischen Kandidaten am Dienstagabend für sich entscheiden konnten. Alle Augen waren auf dem 9. Distrikt, der Wahl zwischen dem Demokraten Dan McCready und dem Republikaner Dan Bishop, der am Montag noch von Donald Trump in einer großen Wahlkampfveranstaltung gefeiert und unterstützt wurde. Diese Sonderwahl kam, nachdem der eigentliche Wahlgang 2016 annuliert wurde, da ein Mitarbeiter des damaligen republikanischen Kandidaten, Mike Morris, Wahlbetrug begannen hatte und die Wahlzettel von zahlreichen älteren Wählern, darunter Afro-Amerikaner selbst ausfüllte.

Donald Trump gibt den Weg vor, die Republikaner reihen sich hinter ihm ein. Foto: Reuters.

Am Dienstagabend gewann nun Bishop mit 96081 Stimmen vor McCready mit 92144 Stimmen, 50,7 zu 48,7 Prozent, in diesem Wahldistrikt, in dem Donald Trump mit 12 Prozentpunkten vor Hillary Clinton lag. Trump feierte noch am Abend, mit ihm seine Partei, die sich zu einer Ja-Sager Garde entwickelt hat. Und genau das ist das Schlimme an dem, was wir derzeit erleben. In den eigenen Reihen erlebt Donald Trump keine Opposition mehr, Widerworte Fehlanzeige, Kritik unmöglich und kommt einem Karriereende gleich. Trump betont, dass viele Republikaner in umkämpften Wahlbezirken nur mit ihm gewinnen können. Trump ist die republikanische Partei geworden. Wem das nicht passt, der solle lieber aus dem Kongress oder dem Senat ausscheiden. Und genau das tun auch immer mehr Republikaner, so viele wie noch nie, die schon jetzt ankündigten, 2020 nicht mehr kandidieren zu wollen.

In diesem Wahlkampf Dan Bishop gegen Dan McCready, der 20 Millionen Dollar kostete, so viel wie noch keine Sonderwahl zuvor, wurde auch klar, um was es 2020 gehen wird. Trump und seine Parteisoldaten erklärten, diese und auch die kommenden Wahlen seien für die Wählerinnen und Wähler eine Entscheidung für oder gegen Sozialismus und Kommunismus. Denn die Demokraten seien ja wohl eindeutig sozialistisch und kommunistisch, so die Lachnummer dieser Tage. Allein dieses Argument muss man erst einmal setzen lassen. Aber genau darum ging es vielen republikanischen Wählern von Dan Bishop, die zwar nicht von ihrem Kandidaten überzeugt waren, aber eben keinen Sozialisten wählen wollten und damit das Lügenmärchen des Präsidenten glaubten und unterstützten.

Die Demokraten müssen also in den kommenden Wochen und Monaten immer und immer wieder dagegen angehen, im Kampf um noch nicht festgelegte Wähler zu erklären, dass sie keine Kommunisten und Sozialisten seien. Gerade dann, wenn es um Krankenversicherung, um Bildung, um Umwelt- und Klimaschutz, um strengere Waffengesetze, um Sozial- und Arbeitsmarktpolitik geht. Das wird nicht einfach, denn die Lügenmaschine des Donald Trump ist im Dauereinsatz. Trump arbeitet mit Schlagzeilen und Totschlagargumenten, erklären muss er sich nicht, entschuldigen für Fehleinschätzungen schon gar nicht. Die Republikaner im Kongress und Senat, doch auch die Unterstützerinnen und Unterstützer dieses Präsidenten sind schon lange zu willigen Gehilfen seiner alternativen Realität geworden. Niemand kann da mehr sagen, er trage keine Mitverantwortung an dem Schaden den Trump da vor aller Augen anrichtet. Amerika wurde bereits in seinen Grundfesten beschädigt. Vier weitere Jahre mit diesem Präsidenten hätten unglaubliche und wohl unumkehrbare Folgen für den einst viel gepriesenen „American Spirit“.

Die Einstürzenden Neubauten im Deutschlandjahr

Der Name ist kein Sinnbild für die deutsch-amerikanischen Beziehungen – Einstürzende Neubauten. Deutschland und die USA verbindet vielmehr sehr viel. Historisch, kulturell, politisch. Da kann kein Präsident etwas daran ändern. Und doch, manchmal ist es notwendig, auf die engen Beziehungen, die Verbindungen, die Partnerschaft hinzuweisen.

Genau das passiert zur Zeit in den USA. Davon bekommen die meisten Deutschen gar nichts mit. Das Auswärtige Amt hat das sogenannte „Deutschlandjahr“ in den Vereinigten Staaten ausgerufen. Unter dem Slogan „Wunderbar Together“ werden Projekte realisiert, die die Nähe und die tiefe Verbundenheit beider Länder darstellen sollen.

Als jemand, der sich seit 23 Jahren – vielleicht etwas eigenwillig – mit der kulturellen Arbeit im Ausland beschäftigt, beteilige ich mich natürlich auch und sehr gerne an diesem Jahr. Klar, bei mir geht es um Musik. Musikthemen, die Deutschland und die USA verbinden. Von Jahrhundertliedern wie „Lili Marleen“ und die „Moorsoldaten“, über Rammstein, Bear Family Records und AFN Radio bis hin zur Geschichte der Einstürzenden Neubauten, der neuesten Ausgabe in dieser Serie. Dafür habe ich ausführlich mit Alexander Hacke und Danielle de Picciotto gesprochen. Zwei weitere Sendungen kommen auf alle Fälle noch hinzu, Kraftwerk und die Musik der Einwanderer aus den deutschsprachigen Ländern und ihr Einfluss auf die amerikanische Musik.

Die Einstürzenden Neubauten haben die Musikgrenzen verschoben. Ihr Ansatz, Musik ganz neu zu definieren, machte sie schon früh in ihrer Karriere in den USA zu ganz besonderen Live-Gästen. Blixa Bargeld erzählte mir einmal, dass sie ihre Tourneen meist in San Francisco anfingen. Am Flughafen teilte sich die Band auf. Ein Teil übernahm die Koffer und das Einchecken im Hotel. Der andere Teil machte sich gleich auf den Weg, um auf einem Schrottplatz die passenden Schlagwerkzeuge für die schrill-schräg-schönen Konzerte der Band zu finden. Die Neubauten sind seit 40 Jahren unterwegs und mittlerweile in den Hochkulturtempeln, wie der neuen Philharmonie in Hamburg angekommen. Oftmals haben sie die Hörgewohnheiten ihres Publikums getestet, doch, wer sich auf die Band und ihre Soundideen einlässt, der wird, so finde ich, reich belohnt. Auch den musikalischen Weg versuche ich in dieser „Wunderbar Together“ Ausgabe über die Einstürzenden Neubauten nachzuzeichnen. Von den Anfangsjahren bis hin zur aktuellen Soundwelt. Einfach mal reinhören!