Armes Amerika!

Alltagsszene in Downtown Berkeley.

Die Obdachlosigkeit nimmt zu in den USA. Jede Nacht schlafen etwa 600.000 Menschen auf den Straßen dieses Landes, Tendenz steigend. Hier in der San Francisco Bay Area kann niemand mehr das Problem übersehen. Jeder Besucher spricht mich darauf an. Die Zeltcamps unter den Autobahnbrücken in San Francisco, Oakland und Berkeley werden immer größer. Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht in Sicht, denn den Kommunen sind finanziell die Hände gebunden. Die Mietpreise steigen, für eine Einzimmerwohnung in Oakland werden mittlerweile dafür 3500 Dollar verlangt. In San Franciscos Tenderloin, einem sozialen Brennpunkt der Stadt, verlangen versiffte Hotels 150 Dollar und mehr für eine Nacht. Die Städte haben auch nicht das Geld, um sich aus der Krise rauszubauen.

Gestern war ich in Downtown Berkeley unterwegs und sah direkt vor dem Rathaus der Stadt diese Szene. Ein Mann schlief in einem Karton. Passanten liefen daran vorbei, ein ganz normales Bild, an das wir uns alle hier nur zu sehr gewöhnt haben. Amerika 2017 ist an den Rand eines sozialen Kollaps geraten, die ökonomische Schere öffnet sich immer weiter. Es gibt mehr Millionäre, mehr Milliardäre. Es gibt mehr Arme, mehr Obdachlose. Und die vielbeschworene Mittelschicht bleibt auf der Strecke. Donald Trump spricht von Jobs, Jobs, Jobs und kürzt nebenbei Hilfsprogramme für sozial Benachteiligte, Senioren, Food Banks, Schulspeisungen. Trump betoniert gerade den Weg für ein Amerika der Ungleichheit.

Die „Erfolge“ des Präsidenten

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Präsident Donald Trump verweist gerne auf seine Erfolge, wie hier in einem offiziell-produzierten Video des Weißen Hauses nach 100 Tagen im Amt. Alles sei mit ihm und seit ihm im Oval Office größer, besser, erfolgreicher geworden. “America First”, das ist das Mantra, das Donald Trump immer und immer wieder bei öffentlichen Veranstaltungen und in seinen Tweets predigt.

Wir sind es mittlerweile gewohnt, dass Donald Trump Kritiker und Medien verunglimpft, die nicht in sein Erfolgshorn blasen, er bezeichnet sie und das was sie sagen als “Fake News”. Da ist die gescheiterte Reform der Gesundheitsreform, an der Grenze zu Mexiko wurde beim Mauerbau noch kein Stein auf den anderen gesetzt, sogar die Finanzierung dieses Bauprojekts ist ungewiss. Von einer großangekündigten Steuerreform ist man noch weit entfernt. Außenpolitisch herrscht für die USA keine klare Linie, die Konflikte nehmen zu, innenpolitisch vertiefen sich die Gräben. Trumps Präsidentschaft scheint bislang ein Fehlstart zu sein.

Und doch, der 45. Präsident hat in seinen ersten Monaten im Amt einiges erreicht. Zumindest hat er schon jetzt deutliche, tiefe und folgenschwere Spuren im In- und Ausland hinterlassen. Die Republikaner hatten Präsident Obama darin behindert, offene Stellen an Bundesgerichten zu besetzen, allen voran der vakante Sitz am Verfassungsgericht nachdem Anthony Scalia überraschend verstorben war. Trump “erbte” somit 100 offene Richter- und Staatsanwaltsstellen und ging gleich daran, sie zu füllen. Mit Neil Gorsuch ernannte er einen 49jährigen konservativen Richter für das höchste Gericht, der problemlos für 30 Jahre wichtige politische Entscheidungen abnicken oder verhindern kann. Weitere Richter am Verfassungsgericht könnten in der Trump Amtszeit ersetzt werden, was zur Folge hätte, dass damit für Jahrzehnte hinaus eine konservative Mehrheit betoniert werden würde. Trump nominierte weitere 55 Juristen für die offenen Stellen. Im Vergleich, Barack Obama besetzte im selben Zeitraum seines ersten Amtsjahres nur 22 Positionen an Gerichten. Trump und die Republikaner verfolgen einen Rechtsruck in der amerikanischen Justiz. Und der scheint zu gelingen.

Eine der größten Versprechungen von Donald Trump im Wahlkampf war seine Forderung nach einem Mauerbau an der Grenze zu Mexiko. Am Tag eins seiner Amtszeit wollte er dieses gewaltige Bauvorhaben absegnen und anordnen. Daraus ist bislang noch nichts geworden. Doch Trump hat dennoch die Lage an der Grenze deutlich verändert. Mehr Geld und mehr Stellen für die Grenzpolizei wurden angeordnet. Das hat dazu geführt, dass allein in diesem Jahr fast 40 Prozent mehr illegale Grenzgänger verhaftet wurden. Trump sieht dies als einen Sieg gegen illegale Einwanderung und gegen den Drogenschmuggel an. Weitere Maßnahmen an der Grenze sollen folgen, noch sind viele der zusätzlichen Stellen der Grenzpolizei nicht besetzt, die bestellte neue Überwachungstechnik nicht installiert.

Der 71jährige Donald Trump hinterlässt auch in der Natur deutliche Spuren. Nicht nur, dass er das Pariser Klimaabkommen für die USA aufgekündigt hat, er genehmigte auch umgehend den Bau der zwei umstrittenen Ölpipelines “Dakota Access” und “XL Keystone”. Darüberhinaus hat Trump alleine in den ersten 100 Tagen seiner Amtszeit 23 Umweltschutzmaßnahmen mit einer Unterschrift für ungültig erklärt. Gerade die Öl-, Gas- und Kohleindustrie hatte eine lange Wunschliste, die nun sichtbar abgearbeitet wird. Doch auch die Pharma- und Automobilindustrie hat in Trump einen verlässlichen Partner gefunden. Umweltschutzregularien werden verwässert oder ganz aufgehoben. Der Verbraucherschutz wird ausgehebelt. Auch die Nationalparks und staatliche Schutzgebiete sind nicht mehr sicher. Trump will den Zugang für Unternehmen erleichtern, die Rohstoffe abbauen wollen. Auch freuen sich Jäger über die Zusage aus Washington, fortan in Schutzgebieten auf Jagd nach Wölfen, Grizzlies und anderen Tieren gehen zu dürfen.

Wirtschaftspolitisch stellt sich Trump auch gerne als Sieger da. Internationale Verträge wurden aufgekündigt, Beschränkungen für die Finanz- und Bankenindustrie gelockert oder ganz abgeschafft. Trump sieht all dies als wirtschaftsfördernd, als Jobmotor an. Bislang hat er allerdings nicht mehr Jobs geschaffen, als Barack Obama im gleichen Zeitraum 2016. Doch die Politik, die Trump mit seinen Streichungen durchsetzt, hat langfristige Folgen.

Es sind “Erfolge” wie diese, die Donald Trump zu einem Präsidenten machen, der von vielen in der amerikanischen Wirtschaft und in der republikanischen Partei geliebt und geschätzt wird. Trump hält Wort, er war angetreten, vieles abzuschaffen und zu verändern, was seine Vorgänger als Schutzmaßnahmen für die Gesellschaft und die Natur verabschiedet haben. Eine Aussetzung all dieser Regularien hat langfristige Folgen, denn so einfach wie sie gestrichen werden, können sie nicht wieder in Kraft treten. Amerika wird gerade sehr schnell und tiefgreifend hinter den täglichen Schlagzeilen umgekrempelt.

(M)ein Präsident verteidigt Neo-Nazis

Gestern las Donald Trump noch vom Teleprompter ab. Er verurteilte das Auftreten und die Gewalt von Neo-Nazis, Ku-Klux-Klan, Alt-Right Gruppen in Charlottesville, Virginia. Etwas spät, aber dann doch noch und auch deutlich. Doch anscheinend war diese Rede nur von einem Mitarbeiter des Weißen Hauses vorbereitet worden, nicht so richtig abgestimmt mit dem Präsidenten, denn Trump selbst sah nicht gerade zufrieden und glücklich aus, als er diese Worte vortrug.

Heute dann kam die direkte, ungeschminkte und „passende“ Antwort direkt aus dem Trump Tower in New York. Trump sprach davon, dass nicht alle im rechten Protestzug schlechte Leute und Nazis seien. Viele hätten nur friedlich gegen die Umbenennung eines Parks und den Abbau eines Monuments von General Robert E. Lee demonstrieren wollen. Auch sei die Gewalt von „beiden“ Seiten ausgegangen. Die Rechten hätten eine Genehmigung für ihre Veranstaltung gehabt, die Gegendemonstranten hingegen nicht. Beide Seiten hätten sich mit Knüppeln, Latten und Stöcken bekämpft. Also sei die „Alt-Left“ für die Gewalt genauso verantwortlich zu machen.

Kein Wort dazu, dass Trumps „friedliche“ rechte Marschierer Hetzplakate gegen Juden, Muslime, Homosexuelle, Andersdenkende bei sich hatten. Dass viele im Protestzug den Hitlergruss zeigten, Hakenkreuz- und Südstaatenflaggen bei sich trugen, lautstarkt Hetzparolen skandierten. Alles nur Demonstranten für den richtigen Weg? Und auch wenn nicht jeder die „Swastika“ Fahne zeigte, so scherte keiner der Trumpschen „Make America Great Again“ Mützenträger aus dem Demonstrationszug aus, um zu zeigen, dass sie nicht mit dem Gesamtbild dieses Protestes einverstanden sind.

Trump meinte am Dienstag, sowieso sei es nicht ok, dass man nun die Geschichte umschreiben und Monumente aus dem amerikanischen Bürgerkrieg vernichten wolle. Er führte an, dass auch Washington und Jefferson Sklaven gehabt haben. Wolle man nun auch die Statuen von Washington und Jefferson abbauen, fragte Trump. Dabei übersieht er, dass Washington und Jefferson die Gründungsväter der Vereinigten Staaten waren. Leute wie General Robert E. Lee stehen dagegen für die Vernichtung dieser Vereinigten Staaten von Amerika. Sie traten für eine Spaltung ein.

Trumps Reaktion führte zu einer massiven Gegenreaktion. Demokraten und viele, viele Republikaner distanzierten sich von Präsident Trump. Am deutlichsten beschrieb es wohl das Tweet von Hawaii’s demokratischen Senator Brian Schatz: Als Jude, als Amerikaner, als Mensch, Worte können nicht meine Empörung und meine Enttäuschung ausdrücken. Das ist nicht mein Präsident.

Hauptsache, die Luft scheppert!

Foto: Reuters

Nach einem katastrophalen PR Wochenende für Donald Trump sollte gestern wieder der Alltag in Washington Einzug finden. Trump, der im Wahlkampf ein hartes Durchgreifen gegen China und andere Handelspartner versprach, will nun Taten folgen lassen.

Am Montag reiste Präsident Donald Trump von seinem Golfclub in Bedminster, New Jersey, nach Washington, um dort über “wichtige Handelsverträge für die amerikanischen Arbeiter” zu beraten und seine Unterschrift unter ein Blatt Papier zu setzen, dass seinen Chefstrategen in Handelsfragen damit beauftragt, innerhalb eines Jahres der Frage nachzugehen, ob China gezielt Wirtschaftsspionage betreibe und geistiges Eigentumsrecht verletze.
Dass das so ist, weiss jeder, nicht nur in den USA. Doch Trump und seine Administration wollen damit China unter Druck setzen…zumindest ein wenig. Denn am Ende dieser Untersuchung könnten Handelssanktionen anstehen. Trump bewertete diesen Schritt am Montag als “sehr, sehr wichtig”. Gelobt wurde er von Vertretern des Technologiesektors in den USA. Kommentatoren jedoch meinten, nach den scharfen Worten im Wahlkampf und in den ersten Monaten seiner Präsidentschaft gegen China sei dieser vage Beschluss nicht mehr als eine Rauchbombe.
Trump braucht China mehr denn je, gerade jetzt im Konflikt mit Nordkorea. Die China-Resolution präsentiert ihn jedoch vor seiner Anhängerschaft als jemanden, der zu seinem Wahlversprechen steht, gegen Peking vorzugehen und für amerikanische Jobs zu kämpfen – auch wenn am Ende dabei nichts herauskommen sollte. Der amerikanische Präsident wird immer mehr zum „Dampfplauderer in Chief“, er tönt, schwärmt von seinen (Schein)Erfolgen, verweist auf Jobs, Jobs, Jobs, auch wenn er in den ersten sieben Monaten dieses Jahres nicht mehr geschaffen hat als Barack Obama im gleichen Zeitraum 2016. Aber Fassade ist alles was für Trump und seine Anhänger zählt

So sieht „Make America Great Again“ auch aus

„Make America Great Again“ in Charlottesville.

Der gewaltsame Aufmarsch von Neo-Nazis, Ku-Klux-Klan und Alt-Right Mitgliedern in Charlottesville, Virginia, brachte am Sonntag das Weiße Haus in Erklärungsnot. Präsident Donald Trump hatte am Samstag am Rande einer Veranstaltung für Veteranen lediglich Bezug auf die Ausschreitungen und die brutalen Übergriffe in Virginia genommen. Er verurteilte die Gewalt von “beiden Seiten”, wie er sagte, distanzierte sich jedoch nicht deutlich von den marschierenden Rechten, die “Heil Trump” riefen und zum Teil seine “Make America Great Again” Baseballmützen trugen.

Auf Twitter ließ Trump ebenfalls keine eindeutigen Worte gegen die Gewaltverursacher und -täter folgen. Was verwunderlich ist, denn Trump, der sich sonst nie mit harschen Worten gegen andere zurückhält, war hier auffallend still. Auch am Sonntag bezog er keine klare Stellung gegen jene Marschierende in Charlottesville, die ihn mit “Heil Trump” Rufen ehrten.

Einige Mitarbeiter des Weißen Hauses und auch Tochter Ivanka versuchten deshalb am Sonntag die Wellen zu glätten und betonten, Trump habe sich doch klar geäußert, die Gewalt verurteilt und genau das auch mit seinen vagen Worten gemeint. Vize-Präsident Mike Pence hingegen, derzeit auf Auslandsreise in Kolumbien, meldete sich am Sonntagabend zu Wort und meinte, Trump habe durchaus die richtigen Worte gefunden. Die Mainstream-Medien würden das nur falsch berichten. Aus diesem Grund hat sich der Vize deshalb wohl auch aus Kolumbien in die Debatte daheim eingemischt. Unterdessen wächst die Kritik an Donald Trump und seinem Umgang mit den Vorfällen in Charlottesville. Zahlreiche Demokraten und Republikaner fordern eine klare und eindeutige Stellungnahme von Donald Trump.

Trumps Zurückhaltung deuten viele in den USA damit, dass er seit Jahren schon gerade im rechten politischen Sumpf auf Stimmenfang geht. Seine nationalen und teils nationalistischen Forderungen nach “America First”, gegen Immigranten und Andersdenkende kommen bei vielen Rechten im Land gut an. Das FBI beobachtet zunehmend eine Stärkung der Neo-Nazi Bewegung und volksverhetzende Straftaten in den USA. Auch bei bewaffneten Milizen im ganzen Land werden stärkere Mitgliedszahlen beobachtet. Diese treten, wie in Charlottesville zu sehen, immer öfters auch öffentlich, bewaffnet und als Schutzstaffel bei rechten Demonstrationen auf.

Mit besten Grüßen, Ihr Donald Trump

Eine Frau starb, 19 Menschen wurden verletzt, als ein Auto in eine Gruppe von Protestierenden raste. Sie demonstrierten gegen den Aufmarsch von Neo-Nazis, KKK Mitgliedern und Angehörigen verschiedener rassistischer Gruppen. Präsident Donald Trump, der im Wahlkampf immer und gerne vom „radical islamic terrorism“ sprach, schaffte es am Samstag nicht, den Terrorakt von Charlottesville als das zu benennen, was es war: ein Terrorakt. Stattdessen sprach er der Familie der Getöteten sein Beileid aus und „beste Grüße an all jene, die verletzt wurden“. Das allein sagt alles über diesen Präsidenten aus.

 

 

Der „Tweeter in Chief“ meldet sich zu Wort

„Make America Great Again“!

In Charlottesville, Virginia, marschiert die Rechte auf. Bewaffnete Neo-Nazis, Ku Klux Klan Mitglieder, Alt-Right Verehrer, Rassisten und Nationalisten ziehen stolz durch die Straßen und über den Uni-Campus. Sie rufen „White lives matter!“, “You will not replace us!” und “Jews will not replace us!”. Nazi Fahnen und Südstaatenflaggen, eindeutige Plakate, Aufnäher und Tattoos werden gezeigt. Und da sind auch zahlreiche Neo-Nazis mit „Make America Great Again“ Baseballmützen, die während des Fackelumzugs am Abend „Heil Trump!“ rufen.

Es kommt zu brutalen Auseinandersetzungen mit Gegendemonstranten und der Polizei, der Gouverneur von Virginia, Terry McAuliffe, ruft den Notstand aus und mobilisiert die Nationalgarde. Amerika blickt entsetzt auf diese Bilder. Und was macht Präsident Donald Trump? Er sagt erstmal gar nichts, um schließlich doch noch ein vielsagendes Tweet abzusetzen. Trump, der in den letzten zwei Jahren das extremistische Feuer in den USA zum Flächenbrand hat werden lassen, ruft zum Zusammenhalt aller Amerikaner auf. Vielleicht sollte er sich ersteinmal in einem stillen Zimmerchen seines Golfresorts in Bedminster hinsetzen und seine unzähligen, hasserfüllten Tweets durchlesen. Man kann solche Nachrichten auch löschen, Mister President, das wäre zumindest ein erstes Zeichen, nicht noch weiter Öl ins Extremismusfeuer zu schütten!

„Genug geredet“, meint UN Botschafterin Nikki Haley

Auf dem Golfplatz der 8000 Seelengemeinde in Bedminster in New Jersey wird in diesen Tagen nationale und Weltpolitik gemacht. Neben dem Golfspielen verbessert Donald Trump auch noch beim Tweeten seine Fingerfertigkeit. Da greift er die eigene Partei an, schimpft gegen Obama und Hillary und ruft so ganz nebenbei auch noch den nationalen Notstand in der Opioid-Krise aus, auch wenn dafür die Pläne noch nicht ausgearbeitet sind. Trump hatte zwar im Wahlkampf viel davon gesprochen, aber politische Strategien gab es nicht.

Und dann muss sich der Präsident am Rande des grünen Rasens tagtäglich auch noch mit dem Handicap Nordkorea befassen. Dabei steht Trump in seiner Wortwahl dem Diktator Kim Jong Un in nichts nach. Die Wortgranaten fliegen schon seit einiger Zeit zwischen der Pampa in New Jersey und Pjöngjang hin und her. Am Dienstag hatte Trump erklärt, die USA werden mit “Feuer und Wut reagieren, wie die Welt es noch nicht gesehen hat”. Am Donnerstag legte Trump noch eins drauf und meinte, dass seine Antwort auf die Provokationen aus Nordkorea wohl nicht hart genug waren. Der international isolierte Staat sollte “sehr, sehr nervös” sein. Die USA würden sich nicht länger von Nordkorea herumschubsen lassen. Drohungen gegen Amerika oder Verbündete in der Region würden nicht länger geduldet werden.

Pjöngjang hatte zuvor erneut verlauten lassen, man bereite einen Erstschlag auf die Insel Guam vor, die amerikanisches Territorium und wichtiger Militärstützpunkt für die USA ist. Guam im Visier von Nordkorea zeigt, wie vollkommen vernebelt der Machthaber in dem abgeschotteten Land ist. Die Gefahr ist wohl die, dass sich keiner in seinem Umfeld traut, dem jungen Kim zu sagen, er solle das Zündeln lieber lassen. Donald Trump unternimmt auch keinen Versuch die derzeitige äußerst angespannte Situation so entschärfen. Er drückt vielmehr Kim Jong Un in eine Ecke, aus die der nordkoreanische Diktator ohne Gesichtsverlust kaum noch herauskommen kann. Doch anscheinend ist das die Strategie von Trump. Verbal Draufhauen ohne Bedenken, das war ja auch schon seine Siegesstrategie im Wahlkampf.

Unterdessen wird deutlich, dass es im Weißen Haus einen offenen Konflikt über das weitere Vorgehen in dieser Krise gibt. Mehrere enge Berater von Donald Trump wählen den kämpferischen Ton ihres Vorgesetzten, auch und vor allem in zahlreichen Fernseh- und Radiointerviews. Außenminister Rex Tillerson und Verteidigungsminister Jim Mattis hingegen setzen weiterhin zuerst auf eine diplomatische Lösung, betonen jedoch auch, dass es militärische Pläne und Antworten auf die Provokationen Nordkoreas gebe.

Die Amerikaner selbst sind gespalten, was nun passieren soll. Obwohl der Großteil der Amerikaner Nordkorea nicht auf einer Weltkarte ausmachen kann, setzen viele auf eine militärische Lösung des Konflikts. Klar ist auch, dass Donald Trump für einen nuklearen Erstschlag keine Erlaubnis durch den Kongress benötigt. In diesem Falle wird er sich nur mit Verteidigungsminister Jim Mattis, dem Stabschef im Weißen Haus John Kelly, dem Vorsitzenden der Vereinigten Stabschefs General Joseph Dunford und dem nationalen Sicherheitsberater Generalleutnant H.R. McMaster kurzschließen. Vier Generale und Trump, man kann nur hoffen, dass die Militärs sich ihrer Verantwortung für Millionen von Menschen bewußt sind.

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Trump von Gott gesandt

      Die Entwicklung des Fundamentalismus in den USA

Im Wahlkampf stellte sich die religiöse Rechte in den USA schon früh hinter den Kandidaten Donald Trump. Gescheiterte Ehen, ein ausuferndes Leben, in der Vergangenheit Demokrat, der jahrelang eigentlich gegen alles war, für was die fundamentalistischen Christen stehen, Hetze gegen Migranten, „Pussy grabbing“, all das schien die Gläubigen nicht zu stören. Trump, so die einhellige Meinung im „Bible Belt“ der USA, war von Gott gesandt, ein starker Führer, der Amerika aus der Sinn- und Moralkrise führen werde. Darüber geht auch das obige Feature vom vergangenen Juli, ausgestrahlt auf Deutschlandfunk Kultur.

Nun hat Präsident Trump seine erste diplomatische Krise auf dem Schreibtisch, oder genauer gesagt, auf seinem Golfplatz in New Jersey, wo er gerade seinen „Arbeitsurlaub“ verbringt. Von dort antwortet er den nordkoreanischen Drohgebärden mit einer flammigen Rede. „Feuer, Wut und Macht“ werde die passende Reaktion darauf sein, wenn Pjöngjang nicht mit den Drohungen gegen die USA aufhöre. Soviel dazu, wenn zwei Herren mit sehr eigenwilliger Haarfrisur das Nuklear-Roulette spielen.

Trump kann sich aber sicher sein, dass auch weiterhin die christliche Rechte im Land zu ihm steht. Robert Jeffress, der als Pastor in Texas einer Mega-Church vorsteht, erklärte nun, Trump habe die moralische Autorität, um Kim Jong Un auszuschalten. „Wenn es darum geht, wie wir mit Bösewichten umgehen sollten, dann sagt uns das die Bibel ganz klar: Gott hat Führern die notwendige Gewalt erteilt  – Krieg einbezogen – um Böses zu stoppen. Im Fall Nordkorea hat Gott Trump die Autorität erteilt Kim Jong Un zu beseitigen.“ Jeffress hatte auch am Morgen von Trumps Vereidigung das Gebet gehalten. Er ist bekannt für deutliche Worte. Barack Obama habe den Weg des Antichristen bereitet und im Präsidentschaftswahlkampf 2012 erklärte er, die Mormonen seien ein religiöser Kult. Die abhlehnende Haltung führte wohl auch dazu, dass Mitt Romney am Ende keine Chance hatte.

Damit wird Donald Trump zum Gotteskrieger gemacht. Das wird ihm gefallen, denn alles, was er durchsetzen will, sei es innenpolitisch oder auch nun außenpolitisch, kann er mit den Texten der Bibel belegen (lassen). Schon jetzt, nur wenige Monate nach seinem Einzug ins Weiße Haus, sieht er sich als einen der größten amerikanischen Präsidenten überhaupt. Seine Adminstration sei die erfolgreichste aller Zeiten, das ist eine Standardaussage von ihm auf Twitter, die er nur allzugerne wiederholt. Trump ist von Gott gesandt, jeder der das anzweifelt ist damit einen Pakt mit dem Teufel eingegangen.

 

 

Ein gefährliches Spielchen

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Mit “Feuer, Wut und Macht, wie die Welt es so noch nicht gesehen hat”, das waren die deutlichen Worte von Präsident Donald Trump am Dienstagnachmittag am Rande eines Events in einem seiner Golfresorts. Damit reagierte er auf die erneuten Drohungen aus Nordkorea und den Berichten der japanischen und US militärischen Geheimdienste, dass das kommunistische Regime über bis zu 60 Atomsprengköpfe verfüge.

Zuvor hatte darüberhinaus ein Sprecher in Pjönjang erklärt, man werde eine strategische und deutliche Antwort auf die Provokation weiterer Sanktionen gegen Nordkorea finden. Nachdem Trumps Worte über die Medien verbreitet wurden, kam erneut eine Drohung vom nordkoreanischen Regime. Darin hieß es, man prüfe einen Präventivschlag gegen das amerikanische Territorium auf Guam.

Das Wortduell endete vorerst am Abend. Politiker und Diplomaten in Washington, New York und Peking setzen nun alles auf eine Deeskalation der Lage. Wie weit Donald Trump hier und der nordkoreanische Befehlshaber Kim Jong Un offen für Beratungen und Gespräche sind, ist derzeit kaum abzuschätzen.

Kommentatoren in den USA erklärten, Trump habe sich gerade für solch eine Situation mit einigen Generälen in seiner Administration umgeben, die kriegserfahren sind, aber auch einen kühlen Kopf bei solch einer Drohgebärde aus Nordkorea kommend behalten. Sie haben nun die Aufgabe, den amerikanischen Präsidenten zu beraten und die Wortgefechte zwischen Washington und Pjöngjang zu beenden.

Problematisch könnte jedoch das jährliche Manöver der USA mit Einheiten Südkoreas im August werden. Nordkorea wird dies sicherlich als Drohgebärde vor der eigenen Grenze sehen.