Es geht wieder los

Die nächste Präsidentschaftswahl in den USA findet zwar erst im November 2020 statt, aber schon jetzt wird das Vorwahlkampfgetöse lauter. Die große Frage ist, wer gegen Donald Trump antreten wird. Weit über 30 Kandidatinnen und Kandidaten auf der demokratischen Seite spielen derzeit mit dem Gedanken ins Rennen einzusteigen. Darunter etliche Senatoren und Kongressabgeordnete, einige Gouverneure, Geschäftsleute und ehemalige Regierungsmitglieder.

Nur einige der vielen potenziellen Kandidaten auf demokratischer Seite, wie sie nun die Washington Post vorgestellt hat.

Es wird ein volles Feld im Vorwahlkampf werden. Und das könnte Donald Trump helfen, denn die Demokraten sind alles andere als geeint. Im ewigen Rennen um die Nominierung der Partei wird so einiges ausgefochten, was dem Kandidaten oder der Kandidatin am Ende nur schaden kann. Eine geeinte demokratische Partei hätte eine gute Chance Donald Trump die Wiederwahl zu verbauen. Was jedoch passiert, wenn die Demokraten gespalten sind, das konnte man 2016  sehen, als ein großer Teil der Bernie Sanders Unterstützer ihre Stimme nicht für Hillary Clinton abgab. Viele stimmten für Drittkandidaten, noch mehr gingen erst gar nicht zur Wahl. Und das war ausschlaggebend am Wahlabend.

Was die Demokraten jetzt gar nicht brauchen können ist ein Richtungsstreit. Doch der wird kommen, sieht man sich die lange Liste der möglichen Kandidatinnen und Kandidaten an. Das einzige was sie alle eint ist ihre Ablehnung von Donald Trump. Sonst nicht viel mehr. Und das ist das große Problem, denn ein reiner Anti-Trump Wahlkampf ist genau das, was den USA weiter schaden wird . Vielmehr bräuchte das Land einen Präsidenten, der wirklich Gräben überwinden kann, der nicht noch mehr spaltet, der mit Visionen, die Stärken Amerikas heraushebt, unterstützt, fördert.

Ob das in diesen Zeiten noch möglich ist, ist mehr als fraglich. Gerade auch, wenn man sich vorstellt, dass ein Donald Trump, der nicht wiedergewählt wird, ganz sicher nicht einfach klein beigeben und friedlich das Feld räumen wird. Er wird den Wahlausgang anzweifeln, anfechten und somit seine Anhänger noch am Wahlabend gegen den neuen Präsidenten oder die neue Präsidentin aufhetzen. 2016 war nichts gegen das, was wir 2020 sehen werden.

 

Er will sich zur Wiederwahl lügen

Nur drei von zehn Amerikanern glauben das, was der Präsident behauptet. Eine Mehrheit der Amerikaner zweifelt daran, was Trump verkündet. Sie nehmen ihm nicht ab, dass neue Stahlwerke in den USA eröffnet werden, die Kohle wieder wichtig in der Energieversorgung wird, dass Mexiko für die von ihm propagierte Mauer bezahlen wird, dass die Demokraten für offene Grenzen sind oder, dass Millionen von illegalen Einwanderern rechtswidrig für Hillary Clinton gewählt haben.

Nur drei von zehn Amerikanern glauben diesem Mann. Foto: Reuters.

Die Washington Post fand in einer Umfrage heraus, dass nur die harte Basis von Trump Anhängern, zumeist ausschließliche FOXNews Zuschauer, das glauben, was der Präsident von sich gibt. Noch nicht mal eine Mehrheit der republikanischen Wählerinnen und Wähler nimmt Trump all seine Unwahrheiten ab. Doch fest steht auch, dass Donald Trump nach wie vor hoch im Kurs bei 85 Prozent seiner Anhänger steht, die 2016 für ihn gestimmt haben. Trump hat somit seine Basis gehalten und auf die baut er im kommenden Wahlkampf. Am Tag seiner Vereidigung, dem 20. Januar 2017, hat er bereits die Unterlagen für seine Wiederwahl eingereicht. Trump hat großes vor, das da ist: Wiederwahl.

Doch so rosig sehen die Zeichen für ihn nicht aus. Mit den jüngsten Kongresswahlen wurde klar, dass sich die Stimmung in gleich mehreren „Swing States“, also jenen Bundesstaaten, die mal so und mal so wählen, gewandelt hat. Konnte Trump mit gerade mal 80.000 mehr Stimmen Pennsylvania, Ohio, Michigan und Wisconsin gewinnen hat nun nur noch Ohio eine republikanische Mehrheit. Das ist ein Problem für Trump, denn US weit hatte er über zwei Millionen weniger Stimmen als Hillary Clinton, er hängt also davon ab, diese Swing Staaten wieder zu gewinnen, um überhaupt eine Chance auf die Wiederwahl zu haben. Woanders, das zeigen diese absoluten Zahlen der Wählerinnen und Wähler, könnte er den Verlust von Michigan und Wisconsin nicht wettmachen.

Trump, der seit Amtsantritt Tausende von Lügen, Halb- und Unwahrheiten verbreitet und nichts davon zurückgenommen oder relativiert hat wird also in den kommenden Monaten noch mehr lügen, um seine Wählerinnen und Wähler zu mobilisieren. Der kommende Wahlkampf wird brutal. Noch steht keine Kandidatin oder Kandidat aus dem demokratischen Lager fest. Viel wird gemunkelt, Namen verkündet, doch einzig klar ist, wer gegen Trump antritt, braucht neben einer dicken Haut vor allem auch die richtigen Bandagen,  um gegen den erprobten Medienfighter bestehen und austeilen zu können.

Amerika ist voller Probleme

Reden wir mal nicht über Donald Trump und all das, was mit diesem Präsidenten einhergeht. Denn die USA haben noch weit größere Probleme, als nur im Weißen Haus. Die Amerikaner werden dicker. Das hat nun die „United Health Foundation“ veröffentlicht. 2018 waren demnach 31, 3 Prozent von ihnen übergewichtig. Zum ersten Mal überhaupt ist damit die 30 Prozent Marke geknackt worden.

Nahezu jedes fünfte Kind in den USA ist auf Essensprogramme angewiesen. Foto: Reuters.

Im vergangenen Jahr waren es noch 29,9 Prozent der Amerikaner, die zu viel Gewicht auf die Waage brachten. Nun kann man das auch Donald Trump ankreiden und sagen, in diesen Zeiten frisst man sich den Frust an, aber das lasse ich mal, denn schon seit Jahren, auch unter Obamas Fitness-White House, wurden die US Bürgerinnen und Bürger dicker.

Auch die Zahl der Selbstmorde sind gestiegen, seit 2012 um 16 Prozent. Das bedeutet von 12.0 auf 13.9 Suizide pro 100,000 Einwohner. Bei den Männern liegt die Rate bei 22,2, bei den Frauen bei 6,2 auf 100.000 Amerikaner. Zum Vergleich, in Deutschland liegt die Selbstmordrate bei 12,6 auf 100.000 Einwohner.

„Gute“ Nachrichten, so die „United Health Foundation“, seien, dass die Kinderarmut von 22.6 Prozent im Jahr 2013 auf 18.4 Prozent 2018 gefallen ist. Doch nach wie vor bedeutet das, dass nahezu jedes fünfte Kind in Armut aufwächst, was Folgen für die Gesundheitsversorgung und die Schulbildung haben. Und hier allerdings kommt Donald Trump doch wieder mit rein, denn seine Gesellschafts- und Steuerpolitik in den USA wird diese Zahl wieder nach oben treiben. Die soziale Schere in den USA geht unter ihm wieder nachweislich auseinander.

Wieviele sind es wirklich?

Donald Trump hat auf Twitter 56,2 Millionen „Followers“, das bedeutet, all diese ihm Folgenden bekommen wie bei einem Abo seine täglichen Ergüsse auf ihre Bildschirme und ihre Smartphones geliefert. Das klingt nun viel, wenn man sich nur die Zahl ansieht. Ins Amt gewählt wurde er von 62, 9 Millionen Menschen. Also folgen ihm fast all seine Wählerinnen und Wähler?

Ganz im Gegenteil, würde ich mal behaupten. Donald Trump glaubt zwar selbst daran, dass er durch seine Tweets eine alternative Realität, einen direkten Weg zu seinen Anhängern geschaffen hat. Doch dem widersprechen die vielen Kommentare, die man unter seinen Verlautbarungen lesen kann. Hinzu kommt, dass jeder einmal selbst auf die Liste von Freunden schauen sollte, die Donald Trump folgen. Ich habe so gut wie niemanden in meinem Bekanntenkreis, der Trump gewählt hat oder ihn nun unterstützt. Und dennoch sind nahezu drei Dutzend meiner Bekannten mit Trump auf Twitter verbunden, darunter Kolleginnen und Kollegen, Organisationen, die ich schätze, und denen ich folge, sogar das Goethe-Institut Los Angeles und die deutsche Botschafterin in Washington, Emily Haber, sind Twitter „Followers“ des Präsidenten.

Trump selbst kann diese Zahlen seiner Anhänger drehen und wenden wie er will, die Mehrzahl der 56,2 Millionen „Followers“ sind keine Trumpianer. Das Problem bei allem ist, dass wir Medienschaffenden über Trumps Tweets berichten, dass Politiker in den USA und im Ausland diese zum Thema machen, diese als offizielle amerikanische Politik betrachten, auch wenn es von den 140/280 Zeichen bis zur Gesetzgebung ein langer Weg ist. Sicherlich, und das ist unumstritten, Trump macht Politik über Twitter. Aber er macht sie nicht direkt, er erreicht nicht direkt seine Anhänger über den Kurznachrichtendienst. Vielmehr hat er es geschafft, über Twitter die Medienberichterstattung über ihn zu beeinflussen. Egal was passiert, Trump dreht mit ein, zwei Tweets die Nachrichten und plötzlich wird wieder über ihn berichtet, gesprochen, diskutiert. Das ist der eigentliche Wahnsinn, der eigentliche Geniestreich dieses Twitter-Königs.

Der Klimawandel kann kommen

Lange Zeit gab es im US Kongress zumindest eine grobe Übereinstimmung, dass sich das Klima ändert und man etwas dagegen unternehmen muss. Doch dann kam Donald Trump und die Fakten waren auf einmal nicht mehr Fakten. Nicht nur das, Trump unterstützte fortan all jene Kandidaten, die ebenfalls den „Climate Change“ als „hoax“, als Betrug ansehen. Damit, so Trump und seine Trumpianer, solle Amerika unter Druck gesetzt, ausgebremst und zur Kasse gebeten werden.

Dürre und wärmere Temperaturen waren Gründe für das Ausmaß des „Camp Fires“. Foto: Reuters.

Nach den jüngsten Wahlen ist klar, im Kongress sind nun deutlich mehr Republikaner vertreten, die auf Trumps klimatischer Linie eingeschwenkt sind. Die frischgewählte Senatorin Marsha Blackburn aus Tennessee beispielsweise erklärte im Wahlkampf fälschlicherweise, die Erde kühle sich ab und Wissenschaftler seien sich alles andere als einig darüber, welchen Anteil die Menschheit am Klimawandel habe. Dabei blieb sie auch, als sie von Reportern auf diese Fehler hingewiesen wurde.

Der Noch-Gouverneur von Florida und nun gewählte Senator des Bundesstaates, Rick Scott, erkennt zwar an, dass der ansteigende Meeresspiegel und wärmere Wassertemperaturen schlecht für Florida seien, aber die Verbindung zum Klimawandel, an dem der Mensch schuld hat, macht er nicht.

Das sind nur zwei von etlichen „Newcomern“ im US Kongress, dem Abgeordnetenhaus und dem Senat, die den Klimawandel anzweifeln. Das wird dazu führen, dass langfristig von den USA keine Initiativen für den Klimaschutz ausgehen werden. Noch schlimmer, hier stellt man sich die Frage, ob der Schaden, den Trump und seine Unterstützer anrichten, überhaupt noch rückgängig gemacht werden kann, denn die Zeit läuft aus. Die Zeichen sind deutlich und können nicht mehr übersehen werden. Die Zunahme von Tornados und Hurricanes im Osten und Mittleren Westen der USA, die langanhaltende Dürre und die immer schlimmer werdenen Feuer im Westen des Landes, all das sind deutliche Zeichen, dass der Klimawandel kein futuristischer Quatsch ist. Was fehlt ist der politische Willen in Washington deutliche Zeichen zu setzen, eine weltweite Führungsrolle zu übernehmen. Der Kampf gegen 30 Cent mehr an der Zapfsäule ist da wichtiger als überflutete, verbrannte und zerstörte Gemeinden im ganzen Land.

Irgendwie undemokratisch

Das amerikanische Abgeordnetenhaus ist nun in der Hand der Demokraten. Im Senat hingegen halten die Republikaner ihre Mehrheit, konnten sie sogar noch bei den jüngsten Wahlen auf 53 zu 47 ausbauen. Und hier liegt das Problem. Mit Demokratie hat das nicht viel zu tun.

Jeder US Bundesstaat schickt zwei Senatoren in die obere Kammer des Kongresses, unabhängig davon, wie viele Einwohner der jeweilige Bundesstaat hat. Damit wollte man ursprünglich die Bundesstaaten stärken und sie auf eine gleiche Stufe stellen. Die Idee kann ja gut sein, allerdings hakt es in der Praxis, was man nun ganz deutlich sieht. Der republikanische Senatsführer, Mitch McConnell, hat bereits angekündigt, dass er diese neue Mehrheit vor allem dafür nutzen will, um Bundesrichter auf allen Ebenen durchzusetzen. Quasi auf Jahrzehnte hinaus konservative Richterbänke zu etablieren, auch wenn es dafür keine Mehrheit im Land gibt. Und damit habe ich ein Problem, denn McConnell will nicht nur Richter in konservativen, republikanisch dominierten Bundesstaaten einsetzen. Nein, sein Ziel ist es, solche Richter verstärkt in liberalen, demokratisch geführten Bundesstaaten zu ernennen.

Die politische Landkarte der USA. Blau sind die demokratischen, rot die republikanischen und lila die „Swing States“.

Wenn man sich politische Karte der USA ansieht, dann erkennt man, dass im Landesinneren vor allem die Republikaner an der Macht sind, an den Küsten die Demokraten. Die Wahlen 2016 und auch 2018 haben gezeigt, dass es mehr demokratische Wähler in den USA gibt als republikanische. Doch das Wahlsystem in den USA – Präsident und Senat – repräsentiert das nicht. Im Weißen Haus sitzt ein Präsident, der weniger Stimmen als seine Kontrahentin erhielt. Und im Senat haben die Republikaner die Mehrheit, obwohl sie die im ganzen Land nicht mehr haben. Und mit ihrer Mehrheit werden sie nun Politik über die Richterbank durchdrücken, was mit dem Willen der Wählerinnen und Wähler wenig zu tun haben wird.

Die amerikanische Demokratie ist alles andere als perfekt, auch wenn einem das hier ständig vorgegaukelt wird. Ich lebe weder in „God’s country“, im „best place on earth“, noch im demokratischsten Land der Welt. Ändern wird sich an diesen Rahmenbedingungen nichts, denn dafür wäre eine Verfassungsänderung oder -reform notwendig, die nie kommen wird. Also werden auch in Zukunft Senatoren aus konservativen Farmstaaten Richter für liberale Küstenstaaten bestimmen. Die Minderheit regiert somit die Mehrheit im Land.

Ist da wirklich eine Kluft?

Spiegel Online titelt: „Kluft zwischen Deutschen und US-Amerikanern wird größer“. Das zumindest habe eine „repräsentative Umfrage der Körber-Stiftung und des amerikanischen Pew Research Centers“ herausgefunden. 73 Prozent der befragten Deutschen würden demnach die Beziehungen zu den USA als „schlecht oder sehr schlecht“ einschätzen. Die Amerikaner hingegen sehen zu 70 Prozent die Beziehungen zu Deutschland als „eher gut oder sehr gut“.

Die deutsch-amerikanische Freundschaft existiert.

Irgendwie will ich dieses Ergebnis nicht so richtig glauben, denn es widerspricht allem, was ich hier erlebe, was mir Besucher von ihren Erfahrungen erzählen, was mir Freunde berichten, die in die USA reisen oder reisen wollen. Klar, ich bin kein Statistiker, keiner der eine „repräsentative Umfrage“ in Auftrag gibt, aber dennoch glaube ich nicht daran, dass jeder Dritte Deutsche die Beziehungen zu den USA als „schlecht oder sehr schlecht“ sieht.

Keine Frage, Donald Trump und seine rechtslastigen, patriotischen und „America First“-Kulturkämpfer haben Probleme im weltweiten Klima geschaffen. Das politische USA wird nicht mehr als verlässlicher Partner der Europäer und der Deutschen gesehen. Zumindest so lange, wie Donald Trump in Amt und Würden ist. Klar ist aber auch, dass hinter Donald Trump und seinen populistischen Vorstellungen und Verlautbarungen keine Mehrheit in den USA steht. Das Regieren wird Trump nicht leicht gemacht. Weder von den Demokraten noch von seiner eigenen Partei, den Republikanern. Ja, er richtet einen großen Schaden an, auf nationaler wie auch auf internationaler Ebene. Dennoch, es gibt in den Vereinigten Staaten genügend Kräfte, die gegen diesen Präsidenten und seine veralteten und unamerikanischen Ziele und Ideale aufbegehren und kämpfen.

Vielleicht, wenn die Zahlen in dieser Umfrage wirklich so hoch sein sollten oder auch nur annähernd stimmen, vielleicht müssen wir Medienvertreter da mal überlegen, was wir aus den USA und über die USA in diesen Trump-Tagen berichten. Denn Amerika ist nicht Trump, das muss man ganz klar betonen. Das zeigt sich mir in meinem direkten Umfeld, das erfahre ich jeden Tag in meiner Arbeit, das erlebe ich in Gesprächen, in Interviews, bei Recherchen. Ich glaube nicht, dass 3/4 der Deutschen die USA kritisch sehen. Aber die Zahl ist dennoch zu hoch, denn sie beruht auf Vorurteilen, auf Unwissen, auf Schnellschüssen. Es gibt in diesen Trump-Zeiten eigentlich viel mehr was Deutschland und die USA verbindet. Darüber sollte man berichten, das sollte man lesen, hören, glauben.

 

Ja, ja so blau, blau, blau ist Cali-for-nia

Kalifornien hat 53 Kongressabgeordnete. Es gab schon immer eine demokratische Mehrheit, vor der Wahl hatten die Republikaner 14 dieser Sitze. Ab Januar sind es nur noch acht. Kalifornien hat am Wahltag einen blauen Tsunami erlebt, so beschreiben es politische Beobachter, denn sogar ganz Orange County, eigentlich ein konservatives Bollwerk an der „left coast“, fiel an die Demokraten.

Kamala Harris, kalifornische Sentatorin, gilt als Hoffnungsträgerin ihrer Partei. Foto: Reuters.

Das Wahlergebnis zeigt, dass Kalifornien anders tickt, als der Rest des Landes. Die Stimmen einer Abspaltung werden wieder lauter, die fordern, der „Golden State“ sollte seine eigenen Wege gehen. Politisch, Wirtschaftlich und auch kulturell. Theoretisch möglich wäre es, dass Kalifornien alleine bestehen könnte, aber realistisch ist diese Forderung nicht. Die USA werden ihren Motor nicht so einfach in die Unabhängigkeit entlassen, auch wenn es immer wieder Mißtöne und Unstimmigkeiten zwischen Kalifornien und dem Rest der Union gibt.

Es wird spannend, wie sich die erstarkte Gruppe von kalifornischen Demokraten in Washington positionieren, wie sich das Verhältnis von Gouverneur Gavin Newsom, einem erklärten Trump-Gegner, mit dem Präsidenten entwickeln, wie sich die mögliche Präsidentschaftskandidatin, die kalifornische Sentatorin Kamala Harris, präsentieren wird. Zumindest steht fest, an Kalifornien kommt man in den USA erst einmal nicht vorbei.

Da kann Donald Trump noch so viel auf Gavin Newsom, Dianne Feinstein, Kamala Harris, Nancy Pelosi, Adam Schiff, Maxine Waters und all die anderen schimpfen, da können die Konservativen im Kongress und in den Talk-Shows noch so viel die „San Francisco Values“ runtermachen, „California“ meldet sich nach dieser Wahl fast geeint und damit gestärkt zurück. Hier ist eine klare Front gegen Donald Trump, seine Politik und seine Art des Regierens aufgebaut worden. Es wurde dafür auch höchste Zeit.

Kalifornien kann von Småland lernen

Donald Trump hat immer eine Antwort parat. Und nicht nur das, er weiß auch alles besser, kennt sich in allem hervorragend aus. Immerhin ist er ein Geschäftlemacher, ein „Dealmaker“, ein Experte für alles. Ist auch klar, denn er verkauft ja seit Jahrzehnten das Bild vom „selfmade“ Milliardär, der nun eben auch Präsident geworden ist. Unterschlägt dabei gerne das Startvermögen, mit dem er ins Leben geschickt wurde, die vielen Konkursmassen, die er hinterlassen hat, die verbrannte Erde, die an seinen Sohlen klebt.

Die Titelseite sagt alles aus….“Make America Rake Again“, Harken für Amerika.

Egal, Trump ist in diesen Tagen der Waldspezialist, gibt schon mal den Feuerwehrleuten und eigentlichen Experten der Forstwirtschaft gute Hinweise, wie sie in Zukunft das Problem Waldbrand angehen sollten. Also, Gummistiefel an, Rechen in die Hand und los. Die Blätter auf dem Waldboden müssen weg, das bisschen Unterholz auch, klinisch sauber soll es sein, so der erklärte „Germaphobe in Chief“. Trump weiß es, verweist auf Schweden, daran sollte sich Kalifornien ein Beispiel nehmen, denn die haben ja auch nicht ständig so dolle und so teure Waldbrände.

Hätten denn die an Intensität und Häufigkeit zugenommenen Feuer nicht auch was mit dem Klimawandel zu tun? Immerhin verwiesen ja studierte Klimaexperten auch darauf als Grund für die Brände. „No, no“, antwortete der Präsident da nur auf die Frage eines Journalisten. Alles sei mit einem sauberen Wald zu lösen, danach würde es keine Waldbrände mehr geben, denn am Boden wäre dann ja nichts mehr, was brennen könnte. Ist klar! Von Trump hätte ich eigentlich auch nichts anderes erwartet als so eine Kaspar-Erklärung. Das Dumme ist nur, dass seine bereitwillige Anhängerschaft diesen Hokus-Pokus auch noch glaubt. In Trumpschen Huldigungskreisen heisst es schon, warum sollen wir in Alabama, Texas und Tennessee denn dafür bezahlen, wenn die Kalifornier zu blöd, zu unwillig oder zu ignorant sind, zu erkennen, dass die Lösung des Waldbrandproblems ganz einfach mit einem Rechen gelöst werden kann, nach dem Motto, wir harken uns die schöne Welt, widi-widi wie sie mir gefällt.

Es war schon ein Bild für sich, als Donald Trump da vor verkohlter Erde neben Gouverneur Jerry Brown und Governor-Elect Gavin Newsom stand. Beides erklärte Trump-Gegner und -Kritiker, die sich bei den Worten des El Presidente sicherlich auf die Zunge beißen mussten, um nicht lauthals loszubrüllen, was für eine Hohlbirne da gerade in die Mikrofone, Kameras und Schreibblöcke der Journalisten quasselt. Fazit, Trump weiß alles besser. Wiedermal! Die Folgen sind absehbar.

Kalifornien brennt und Trump poltert

      Waldbrände in Kalifornien

Kalifornien brennt erneut. Foto: Reuters.

Es brennt erneut in Kalifornien. Im Norden das Camp Feuer, rund 175 Kilometer von San Francisco entfernt, im Süden das “Woolsey Fire” in den Hügeln um Malibu und dazu noch das Hill Fire in Zentralkalifornien. Nach den verheerenden Bränden vor einem Jahr um Santa Barbara, im Weinanbaugebiet von Sonoma und im Sommer dieses Jahres in Nordkalifornien breiten sich erneut mehrere gewaltige Feuer aus.

Tausende von Häusern wurden bereits zerstört, 30 Menschen starben in den Flammen, die Kleinstadt Paradise in Nordkalifornien wurde total zerstört. Und die Winde fachen die Feuer weiter an. Über weiten Teilen des Bundesstaates hängt eine dicke Rauchglocke, die das Atmen schwer macht. Und diesmal mischt sich Präsident Donald Trump ein und tweetete: „Es gibt keinen Grund für diese massiven, tödlichen und teuren Feuer in Kalifornien außer dem schlechten Forstmanagement”. Damit griff er in einer Katastrophe die Menschen, Feuerwehren und Brandexperten in Kalifornien an, noch bevor er überhaupt ein Wort des Mitgefühls äußerte.

Und Trump, so Waldexperten in Kalifornien, habe keine Ahnung von dem, was er sagt. LeRoy Westerling, ein Klima- und Brandexperte an der Universität in Merced erklärte, dass Trump mit seinen uninformierten Worten eine Krise politisiert. Denn zum einen sind mehr als 50 Prozent der Wälder in Kalifornien im Bundesbesitz, also unter der direkten Kontrolle der Trump-Administration. Zum anderen brennt bei diesen Feuern nach Jahren der Dürre vor allem ausgetrocknetes Unterholz und keine ganzen Wälder. Hinzu kommt, dass Trump auf diesem Weg scheinbar versucht, die ihn unterstützende Holzindustrie in Position zu bringen. Große Waldflächen, das hat der Präsident schon mehrmals gefordert, sollten für die Abholzung freigegeben werden.

Feuer gab es in Kalifornien schon immer, hier redete man von einer “Feuer Saison” im Herbst, nach einem heissen Sommer. Doch davon ist nichts mehr zu spüren. Nun besteht eine Gefahr das ganze Jahr über. Für Klimaexperten sind die gewaltigen Waldbrände in Kalifornien auch ein deutliches Zeichen für den Klimawandel.
Kalifornien muss sich darauf mit neuen Bau- und Sicherheitsvorschriften im gesamten Bundesstaat einstellen. Riesige Brände sind hier im Golden State zur Normalität geworden.