Es ist Sonntag und Trump ist langweilig

Andere  malen, lesen, schreiben ihre Memoiren, spielen Basketball oder lernen ein Instrument. Donald Trump ist nicht bekannt dafür kreativ mit seiner Zeit umzugehen. Ein Familienleben scheint er auch nicht zu haben, denn Bilder von ihm und Melania bei einem Konzert- oder Kinobesuch gibt es nicht, auch sieht man den Präsidenten nicht mal mit seinem jugendlichen Sohn im Rose Garden des Weißen Hauses einen Ball kicken. Er läßt sich lieber von Lobhudeleien belustigen und teilt diese dann nur allzugern auf Twitter. Kritik an ihm und seiner Politik verwirft er als unamerikanisch, unpatriotisch, vom Deep State und den Demokraten initiiert.

Außenminister Mike Pompeo. Foto: AFP.

Heute war mal wieder so ein Sonntag, wo der Präsident der Vereinigten Staaten nichts zu tun hatte. Es gibt keine Krisen in den USA, keine in der Welt, deshalb verbringt er seinen Sonntagmorgen vor dem Fernseher und tweetet sich die Finger wund. Doch diesmal ging er erneut zu weit. Klar, da sind die üblichen „Witchhunt“ Tweets und die Aufforderung das Telefonprotokoll seines Gesprächs mit dem ukrainischen Präsidenten zu lesen (I did, Mister President. You are guilty!). Aber Trump wettert auch erneut gegen die Medien, bezeichnet sie als „korrupt“ und fordert die Einstellung jeglicher finanzieller Unterstützung durch den Staat für NPR, National Public Radio, dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk in den USA.

Und diese Geschichte hat es in sich, denn ein Interview von NPRs Mary Louise Kelly mit Außenminister Mike Pompeo ging wohl total daneben. Pompeo weigerte sich Fragen zur Ukraine zu beantworten und beschimpfte anschließend die anerkannte Journalistin. Auch erklärte er „Do you think Americans care about fucking Ukraine“. Nicht nur das, Pompeo ließ anschließend eine Erklärung verbreiten, in der er der Reporterin unterstellt, sich nicht an Absprachen gehalten zu haben und, dass Kelly selbst die Ukraine nicht auf einer Landkarte finden konnte („It is worth noting that Bangladesh is NOT Ukraine“).

Marie Louise Kelly. Foto: NPR.

Mary Louise Kelly, geboren 1971 in Augsburg, ist eine langjährige Mitarbeiterin von NPR, arbeitete zuvor für die BBC und CNN aus London. Sie berichtete aus Afghanistan und aus Deutschland. Pompeo wirft ihr vor, ihn unerlaubterweise zur Ukraine befragt zu haben und Inhalte des Nach-Interview Gesprächs, in dem er ausfällig wurde, und das er nun im Nachhinein als „off the record“ bezeichnet, veröffentlicht zu haben. Kelly widerspricht dem. Sie habe vorab mit Pompeos Mitarbeitern geklärt, dass sich die Interviewfragen um den Iran und um die Ukraine drehen werden. Und als Pompeo sie nach dem Interview in sein Büro beorderte, war nicht deutlich gemacht oder gesagt worden, dass das, was nun komme „off the record“ sei. Auch wisse sie wo die Ukraine liege und habe diese dem Außenminister auf einer Landkarte gezeigt.

Donald Trump und seine konservativen Kämpfer, wie der Talk Radio Moderator Mark Levin, nehmen das natürlich zum Anlass auf die Medien im Allgemeinen und auf NPR im Besonderen einzudreschen. NPR sei ein linksliberales Medium, das abgeschaltet gehört und dessen staatliche Förderung gestrichen werden sollte, forderte Levin. Und Trump teilte das nur zu gerne. Wiedereinmal unterminiert er die freie Presse in den USA . Wer ihn und seine Administration kritisiert, keine Hofberichterstattung vorlegen will, wer kritische Fragen stellt, wird als Feind gebrandmarkt. Konsequenzen sind diesem Präsidenten egal.

Wild, Wild West in the USA

Gestern wandte ich mich über Twitter an Präsident Donald Trump? Ich fragte ihn: „With all due respect, Mister President, how much time do you spend on your screen every day?“ Denn ich wundere mich schon lange, wie er überhaupt konzentriert arbeiten kann, wenn er ständig da auf seinem Handy rumtippt. Und nicht nur das, er verlinkt ja auch andauernd Ausschnitte aus Fernsehsendungen, meist FoxNews, Artikel und Jubelmeldungen über ihn, was bedeutet, er schaut mehr fern, als Dokumente zu lesen. Da ist die Frage schon berechtigt, wie er eigentlich da noch Zeit zum Regieren findet. Nicht überraschend, ich bekam keine Antwort.

Heute ließ sich Donald Trump wieder feiern. Er war der erste Präsident, der als Redner auf der alljährlichen „March for Life“ Kundgebung auftrat. Trump betonte, dass er der Präsident sei, der am meisten für Kinder, Ungeborene und gegen Abtreibung täte. 2017, 2018, 2019 ließ Trump nur aus Ferne grüßen, diesmal, im Wahljahr, kam er selbst. Die Abtreibungsgegner werden es ihm im November danken.

Der Demokrat Adam Schiff erläutert die Beweise gegen Präsident Trump. Foto: AFP.

Unterdessen, nicht weit vom Auftritt des Präsidenten entfernt wurde im US Senat weiter darüber verhandelt, ob Donald Trump des Amtes enthoben werden soll. Die demokratischen Kongressmanager, quasi die Staatsanwälte in diesem Impeachment Verfahren, legten in den letzten Tagen den Fall dar. Überzeugend, wie ich finde, denn die einzelnen Beweise sind wie ein Puzzle, das hier vor der amerikanischen Öffentlichkeit zusammengefügt wird. Das Bild, das sich da zeigt ist erschreckend. Trump hat wohl auf eine Umfrage von FoxNews reagiert, die im Mai feststellte, dass er bei einem Zweikampf mit Joe Biden 12 Prozentpunkte hinter diesem liege. Die Folge war, er wollte das ändern und eben nicht mit fairen, erlaubten Mitteln, sondern mit einer Schmierkampagne gegen Biden und seinen Sohn. Die Ukraine bot sich da geradezu an.

Nicht nur die Nachrichtenkanäle übertragen live, auch etliche der lokalen Fernseh- und Radiosender in meiner Gegend, der San Francisco Bay Area, haben sich zugeschaltet. Ab morgen wollen dann Trumps Anwälte dagegenhalten. Sie sagen schon jetzt, Trump habe nichts falsch gemacht. Und auch die republikanischen Senatoren stimmen in dieses Lied ein. Der Ausgang des Verfahrens im Senat ist schon jetzt klar. Die notwendige Zweidrittelmehrheit von 67 Senatoren für eine Amtsenthebung wird nicht zustande kommen. Die Folgen sind deutlich, die Spaltung Amerikas wird dadurch nur noch weiter voran getrieben.

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Was ist los mit Hillary Clinton?

Die Demokraten wurde lange Zeit als die Clinton-Partei bezeichnet. Mit Bill Clinton als Präsident, mit Hillary Clinton als Senatorin, Außenministerin und dann Präsidentschaftskandidatin bestimmten die Clintons über Jahrzehnte das Bild und die Politik der Partei. Doch dann kam der Wahlkampf 2016, die Niederlage von Hillary in einer Wahl, die sie eigentlich hätte gewinnen müssen.

Die Clintons waren schon seit dem Wahlkampf 2008 umstritten. Die Tiefschläge von Bill und Hillary Clinton gegen den Kandidaten Barack Obama gingen vielen in den Reihen der Demokraten zu weit. Und doch, die Parteielite unterstützte und manipulierte den innerparteilichen Wahlkampf 2016 zu ihren Gunsten. Bernie Sanders wurde einfach übergangen, hinter den Kulissen demontiert. Das führte dazu, dass unzählige von Sanders Unterstützern nicht auf den Hillary Wagen aufspringen wollten und lieber nicht wählen gingen, als für Clinton zu stimmen.

Nach der Niederlage wurde es still um Hillary und Bill. Die Partei, so schien es, wollte sich neu und ohne die Clintons auf- und ausrichten. Doch die Rechnung wurde ohne Hillary gemacht. Die hat nun in einem Interview erneut kräftig gegen Bernie Sanders ausgeteilt, der in einigen Umfragen führt (Nobody likes him, nobody wants to work with him, he got nothing done. He was a career politician. It’s all just baloney and I feel so bad that people got sucked into it.“). Hillary Clinton erklärte, niemand mag Sanders, niemand will mit ihm zusammenarbeiten, er sei ein Karrierepolitiker und alles von ihm sei nur eine große Show. Das erinnert schon sehr an die Worte von Bill Clinton, der einst über den Wahlkampf von Barack Obama schimpfte, es sei die „größte Märchenerzählung“, die er je erlebt habe.

Hillary Clinton geht da noch einen Schritt weiter und greift in den eh schon desaströsen Wahlkampf der Demokraten von außen ein und versucht Unruhe zu stiften. Doch Sanders ist nicht der einzige, der von ihr was abgekommt. Auch die Abgeordnete Tulsi Gabbard aus Hawaii, die ebenfalls Präsidentschaftskandidatin der Demokraten werden will, wurde von Hillary als „russische Agentin“ bezeichnet. Die läßt sich das nicht gefallen und hat Clinton nun wegen Verleumdung auf 50 Millionen Dollar verklagt. Clinton hat sich mit diesen sinnlosen Angriffen zur falschen Zeit selbst ins Aus katapultiert. In der Partei fragen sich viele, was diese Tiefschläge sollen. Gedient ist damit niemanden, außer dem Ego von Hillary Clinton, die es scheinbar noch immer nicht verkraftet hat, den Zweikampf mit Donald Trump verloren zu haben.

Eine unlösbare Aufgabe

Foto: AFP.

Als Korrespondent in den USA dreht sich in diesen Tagen, Wochen, Monaten eigentlich alles um Donald Trump. Irgendwie passt er in alle Geschichten, die man aufgreift. Amerikanische Innenpolitik sowieso, klar Außenpolitik, doch auch wenn ich in Afrika unterwegs bin oder hier über Ausstellungen mexikanischer Kulturgüter berichte, alles wird unter der Trumpschen Lampe betrachtet. Und das liegt nicht nur an einem selber, dass man nicht mehr fähig ist über den Tellerrand zu blicken. Auch die Redaktionen für die ich arbeite erklären entweder, man soll das in Verbindung mit Trump sehen oder sie sagen ein vorgeschlagenes Thema mit der Begründung gleich ab, es würde schon zu viel über die USA berichtet werden, da sei kein Platz mehr für andere (Trump freie) Themen.

Und da ist auch noch ein dritter Aspekt zu erwähnen. Leser und Hörer meiner Berichte reagieren auf Artikel und Features zu und über Trump ganz anders, sprich viel zahlreicher. Themen, die mir am Herzen liegen, die ich aufgreife, weil ich sie für wichtig halte, die jedoch nur wenig oder gar nichts mit dem amerikanischen Präsidenten zu tun haben, fallen hinter runter, werden kaum beachtet oder registriert. Nein, ich weine nicht darüber, beschwere mich auch nicht, es sollte nur mal ganz klar angesprochen werden, dass die übermäßige Berichterstattung über Donald Trump nicht nur ein Problem der Medien ist, sondern auch eines der Leser, Hörer und Zuschauer.

Der richtige Umgang mit diesem populistischen Präsidenten ist noch nicht gefunden worden. Das eigentliche Problem ist, dass man als Journalist auch Teil der Trumpschen „Fake News“ wird, in dem man das teilt, was er sagt. Das teilt, was zweifellos falsch ist oder von ihm faktisch verdreht wurde. Es langt ja schon, wenn man einfach das wiederholt, was er sagt. Alleine das führt dazu, dass Donald Trumps Falschaussagen in den Medien weit verbreitet werden.

Aber was kann man da tun? Soll und kann man den amerikanischen Präsidenten einfach ignorieren, nicht über ihn berichten oder zumindest weniger? Ich schaue mir die Klickzahlen dieses Blogs an, die Kommentare auf facebook, Twitter, die Rückmeldungen per Email auf Beiträge, die ich veröffentliche. Wenn ich über den amerikanischen Präsidenten, seine Politik, seine Machenschaften, seine teils primitiven Äußerungen, Angriffe, Verunglimpfungen schreibe, gehen die Zahlen nach oben. Wenn es um ganz andere Themen geht, Themen, die mir als Journalist wichtig sind, ist das Interesse deutlich geringer. Trump ist ein Phänomen, dem man sich stellen muss. Doch eine Antwort darauf, wie man am besten mit diesem Populisten umgeht, gerade in einem so wichtigen Wahljahr, habe ich bislang auch noch nicht finden können. Es liegt wohl an uns allen… und das ist leichter gesagt als getan.

Die Jugend wirkt aktiv

Olivia Seltzer hat mit 12 Jahren „The Cramm“ gegründet.

Die Klimaaktivistin Greta Thunberg macht es vor. Sie sah sich von der Politik der Älteren nicht mehr repräsentiert und wurde selbst aktiv. Ihr wöchentlicher Schulstreik jeden Freitag vor dem Parlament in Stockholm zog riesige Kreise. Ihr Bild, auf dem sie ihr Schild „Skolstrejk för klimatet“ in der Hand hält ging um die Welt. Anfangs noch alleine, nahm die Bewegung „Friday’s for Future“ schnell Fahrt auf, auch international ausgeweitet. Die Jungen fordern mehr Mitbestimmung, gerade dann, wenn es um ihre Zukunft geht.

Die Schwedin und Klimaaktivistin ist wohl die bekannteste Vertreterin der sogenannten Gen-Z, der Generation Z. Doch schon vor Greta wurde Olivia Seltzer aus Santa Barbara aktiv. Sie begann als 12jährige nach dem US Präsidentschaftswahlkampf 2016 eine Nachrichtenplattform für Gleichaltrige aufzubauen. Ich konnte mit ihr über ihr Projekt „The Cramm“ sprechen:

     

Einfach nur unglaublich!

Donald Trump lügt und gesteht auch noch ein, dass er es macht und meint dann: „It doesn’t really matter“. Trump hatte die Drohnenangriffe auf den iranischen Kommandeur der Quds-Einheit, Qasem Soleimani, als notwendig und im Rahmen der nationalen Sicherheit der USA verteidigt. Soleimani, so der Präsident, habe Anschläge auf vier Botschaften im Nahen Osten geplant. Deshalb habe man ihn ausschalten müssen.

Doch nach und nach wurde deutlich, dass es keine akute Gefahrenlage gab, keine konkreten Pläne für Angriffe, sogar seine eigenen Kabinettsmitglieder widersprachen ihm. Deshalb auch die lapidare Erklärung von Trump, macht ja nichts, denn Soleimani hatte genug Dreck am Stecken. Von daher konnte man ihn getrost mit ein paar Raketen pulverisieren. Dass damit die USA an den Rand eines Krieges gebracht wurden, dass damit der Abschuss des ukrainischen Flugzeuges zusammenhängt, dass durch den Angriff die Lage in der Region noch weiter eskalieren wird, das scheint dem amerikanischen Präsidenten egal zu sein. Er ließ lieber verkünden, dass Soleimani ein viel größerer Terrorist als Osama bin Laden gewesen sei. Von daher, „take that Obama“, Trump wollte mal wieder wichtiger sein.

Von Donald Trump geteilte Fotomontage, die die Demokraten Chuck Schumer und Nancy Pelosi als Handlanger Irans zeigen sollen.

Doch nicht nur das. Obwohl alle Politiker in Washington, Republikaner und Demokraten, einheitlich erklärten, der Quds-Kommandeur sei ein Schurke und „evil“ gewesen, habe jahrelang terroristische Gruppen im Nahen Osten unterstützt, holte Trump aus und ließ vermelden, die Kritik der Demokraten an seinem Befehl sei wie die Unterstützung der Demokraten für Terroristen. Auf Twitter machte er das nicht nur selbst kund, er teilte auch eindeutige Fotomontagen von Trumpisten. Das ist eine weitere totale Verdrehung der Tatsachen, die seine Basis jedoch jubelnd aufnimmt.

Donald Trump verspielt international immer mehr die amerikanische Glaubwürdigkeit. Wer will noch an der Seite der Amerikaner stehen, wenn diese einfach mit falschen Meldungen hantieren. Als Colin Powell im UN Sicherheitsrat erklärte, Saddam Hussein baue Massenvernichtungswaffen und deshalb müsste man den irakischen Diktator stoppen zweifelte die Welt an diesen „Fakten“. Es stellte sich später heraus, dass die vorgetragenen Informationen und Bilder gefälscht waren, die Amerikaner hatten damit einen Flächenbrand im Nahen Osten entzündet. Daraus hätte man lernen müssen.

Doch dann die Aktion in Bagdad gegen den iranischen Offizier, wieder mit halbseidenen Fakten begründet, die sich später als totale Verdrehung der Tatsachen herausstellten und ein Präsident der grinsend erklärt, alles halb so schlimm, Soleimani sei eh ein übler Typ gewesen. Damit öffnen die Amerikaner Tür und Tor für Anschläge anderer Regierungen. Aber das Verhalten von Trump ist nicht verwunderlich, man denke nur daran, wie er betonte, er glaube dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman, dass dieser nichts mit der Ermordung und der Leichensägerei von Jamal Khashoggi im saudischen Generalkonsulat in Istanbul zu tun gehabt habe. Es wird nicht einfacher, die Politik und das Verhalten dieses Mannes zu erklären.

Texas macht dicht

18000 Flüchtlinge dürfen in diesem Jahr nur in die USA kommen. Das hat Donald Trump so festgelegt. Verwunderlich ist das nicht, denn schon im Wahlkampf hat er gegen Flüchtlinge aus Syrien gewettert, ihnen unterstellt, dass sie alle Terroristen seien. Trup warf Angela Merkel und der deutschen Bundesregierung vor, durch die Flüchtlingskrise vom Islamischen Staat unterwandert zu werden. Als er dann im Weißen Haus saß machte Trump dann schnell das, was er angekündigt hatte, die Tore dicht. Die Fackel von Lady Liberty brennt nicht mehr für die geschundenen Massen aus aller Welt.

Zwei, die sich gut verstehen – Donald Trump und Greg Abbott. Foto: AFP.

Doch damit nicht genug. Die Trump Administration hat es Bundesstaaten und Gemeinden selbst überlassen, ob sie überhaupt Flüchtlinge aufnehmen wollen. 42 Bundesstaaten und die meisten Kommunen haben erklärt, dass sie auch weiterhin für „Refugees“ offen seien. Doch Texas geht einen anderen Weg. Obwohl der Bundesstaat 2019 nur 260 (!) Flüchtlinge aufgenommen hat, erklärte der republikanische Gouverneur Greg Abbott, genug sei genug. Texas habe schon viel zu viele Immigranten und Flüchtlinge aufgenommen. Kommunen wie Dallas, El Paso und Houston protestierten, erklärten, dass die Entscheidung des Gouverneurs „beschämend“ sei, doch das scheint Abbott nicht zu kratzen. Er bleibt bei seinem Entschluss, die texanischen Türen bleiben fortan für Flüchtlinge geschlossen.

Abbott kann sich auf die Zustimmung aus dem Weißen Haus verlassen, denn dort sitzt jemand, der keine Flüchtlinge und keine weiteren Immigranten, vor allem aus – Zitat – „Shithole Countries“ haben will. Mit dem Entschluss des texanischen Gouverneurs wird auch deutlich, welche Auswirkungen die Trumpsche Politik auf die USA haben. Gezielt werden Grundfesten der amerikanischen Gesellschaft und der amerikanischen Demokratie ausgehöhlt und unterminiert. Nach Donald Trump wird nichts mehr so sein in den USA, wie es einmal war. Die Frage ist daher, was werden die Republikaner nach Trump machen? Werden sie zurückkehren zur Partei von Reagan und Bush oder werden sie auf dem Trumpschen Weg der Spaltung, des Beschmipfens, der Verdrehung der Tatsachen bleiben? Amerika ist an einem Wendepunkt angekommen, die Zukunft ist mehr als ungewiss.

Die Aushöhlung des Umweltschutzes

Donald Trump hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er wenig oder gar nichts von Umweltschutzgesetzen hält. Er hatte schon im Wahlkampf betont, dass er die Regularien, die Teile der amerikanischen Wirtschaft „aufgebürdet wurden“ gezielt und massiv abbauen will, falls er gewählt wird. Und Trump ist nun in Amt und Würden und geht daran, den Umweltschutz in den USA außer Kraft zu setzen.

Einfach mal quer durch die Landschaft gebaut. Die Keystone Pipeline von Nord nach Süd. Das soll in Zukunft unter Donald Trump noch weiter erleichtert werden. Foto: AFP.

Die jüngste Ankündigung sollte aufhorchen lassen, gerade vor den dramatischen Bildern, die aus Australien kommen oder den gewaltigen Feuern, die in Kalifornien wüteten. Der Klimawandel  ist im Oval Office noch nicht angekommen. Die Trump-Administration will nun ein 50 Jahre bestehendes Gesetz aushebeln, seinerzeit von Richard Nixon unterschrieben, das besagt, die Umweltverträglichkeit aller baulichen Bundesprojekte müsse vorab geprüft werden. Das soll sich nun gerade im Bergbau, in der Verlegung von Pipelines, in der Öl- und Gasförderung und in vielen anderen Bauvorhaben, die von der Bundesregierung durchgeführt werden, ändern. Und nicht nur das, auch sollen die Einspruchmöglichkeiten von betroffenen Nachbarn und Gemeinden extrem eingeschränkt werden. Die Baumaßnahmen sollen damit beschleunigt werden. Trump will damit Arbeitsplätze schaffen und erklärte bei der Vorstellung am Donnerstag: „Wir werden nicht eher ruhen, bis unsere glänzende neue Infrastruktur in Amerika wieder überall auf der Welt beneidet wird. Wir wurden einst von allen beneidet und heute sind wir wie ein Dritte Welt Land. Das ist sehr traurig“.

Der Zustand der amerikanischen Infrastruktur ist traurig, das stimmt. Doch daran Schuld sind vor allem republikanische Administrationen, die in der Vergangenheit kaum öffentliche Gelder auf bundesstaatlicher und auf Bundesbene zur Verfügung stellten. Ganz gezielt wurden die Haushalte für die öffentliche Infrastruktur gekürzt. Und traurig ist auch, dass Trump einfach die Zeichen der Zeit nicht erkennen will. Die USA unter diesem Präsidenten verschlafen wahrlich die letzten Minuten die bleiben, um den Klimawandel zu bekämpfen. Donald Trump setzt lieber auf ein „Weiter so“, auf eine Energieunabhängigkeit, auf freie Fahrt für freie Bürger, auf die Verlockung eines „American Dreams“, der dem Einzelnen alle Rechte zuspricht, doch kaum soziale Verantwortung und umweltverträgliche Pflichten vorgibt. Trump dreht die Uhren mit seiner Entscheidung zurück, den nun seit 50 Jahren bestehenden „National Environmental Policy Act“ auszuhöhlen. Man kann sich nur noch fragen, was passieren muss, damit er und seine Republikaner endlich aufwachen und merken, die Zeit läuft ab.

Kulturbanause oder Kulturfeind?

Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran scheint sich zu deeskalieren. Und doch, viele Fragen bleiben weiterhin offen. Als der amerikanische Präsident Donald Trump den Iranern per Twitter drohte, gezielt Kulturstätten im Iran zu beschießen und zu zerstören, war der Aufschrei groß, zumindest außerhalb der republikanischen Reihen. Eine rote Linie sei dabei vom US Präsidenten überschritten worden, hieß es. Wie konnte Trump nur öffentlich zu einem Kriegsverbrechen aufrufen, denn das wäre die Zerstörung von Kulturstätten in kriegerischen Auseinandersetzungen, fragten sich etliche.

Allerdings kommt diese Androhung nicht überraschend. Trump war noch nie ein Freund der Kultur und ich rede jetzt noch nicht einmal darüber, dass er im Weißen Haus bei Empfängen Big Macs servierte oder seine „Trump Tempel“ in kitschigem Gold und Glanz dekorieren läßt oder seinen Golf Club Mar-a-Lago als „Winter White House“ bezeichnet. Donald Trump hatte im Wahlkampf bereits angekündigt, dass er die staatlichen Förderungen für Kunst, Kultur und Museen aussetzen möchte. Als gewählter Präsident verfolgte er seitdem regelmäßig in Haushaltsentwürfen diesen Ansatz. Gelder für die Kunst- und Kulturförderung sollten ersatzlos gestrichen werden.

Bislang gab es noch genug Gegenwind aus dem Kongress und das überparteilich. Die Fördergelder für die „Humanities“ blieben erhalten. Doch das ist keine langfristige Absicherung, gerade nicht unter diesem Präsidenten, der nicht viel von Kultur hält und gleichzeitig behauptet, er habe mehr Ahnung von Kultur als all jene, die sich damit berufsmäßig beschäftigen. Die Androhung wertvolle, historische Kulturstätten im Iran bombardieren zu lassen, war also kein verbaler Ausrutscher von Donald Trump, vielmehr drückt sie seine Haltung gegenüber Hochkultur, anderen Kulturkreisen und auch Geschichte als solche aus. Die USA haben derzeit jemanden als „Commander in Chief“ der einfach nicht über den eigenen Tellerrand blicken kann und blicken will.

Kommt Trump auf Trump?

In einer Umfrage unter republikanischen Wählern, wen sie 2024 für das Präsidentenamt unterstützen würden, entschieden sich 40 Prozent für Vize-Präsident Mike Pence. Das war zu erwarten, dennoch ist es eine niedrige Zahl. Interessant vor allem deshalb, wenn man sich ansieht, wer auf den Folgerängen dieser möglichen republikanischen Kandidatenliste steht. Mit 29 Prozent folgt Donald Trump Jr. und mit 16 Prozent Ivanka Trump. Schmeißt man diese beiden Zahlen nun zusammen haben die Trumps auch 2024 eine Mehrheit in der Partei.

Man kann nur sagen um „Gottes Willen, will das denn nie enden?“ Ein Trump-Dynastie kann doch wohl wirklich niemand wollen. Ivanka Trump ist da sicherlich ein „long shot“, eine eher theoretische Möglichkeit. Zumindest zu diesem Zeitpunkt. Auch haben sie und ihr Mann Jared Kushner sich noch nicht dazu geäußert, was sie in Zukunft vorhaben. Bei Donald Trump Junior sieht das schon ganz anders aus. In seinem jüngst veröffentlichten Bestseller Buch „Triggered“ macht er ganz deutlich, was er für politische Absichten hat. Der Junior sieht sich als Erbe seines Vaters. In dem Buch legt er dar, warum er ganz in der Tradition seines Vaters steht, dass er die gleichen Ziele verfolgt. Niemand außer seinem Vater werde von den „Liberalen“ mehr gehasst als er. Allein das sei schon ein Grund dafür, warum die Trump-Basis auch ihn lieben und unterstützen sollte.

Trump Jr. beschreibt sich als sehr sensibel beim Thema Immigration, denn immerhin seien seine Mutter, Ivana, aus der damaligen Tschechoslowakei gekommen, seine Großmutter aus Schottland und sein Urgroßvater aus Deutschland. Und dennoch, er bläst in seinem Buch ins gleiche Horn wie der Vater, spricht von einer „Invasion“ der „illegalen Einwander“. Ausführlich beschreibt er, wie er ganz männlich die Jagd genieße. Mal in den Rocky Mountains, mal im Yukon, mal in Afrika auf der Großwildjagd. Auch habe er als Kind bei seiner Großmutter in der CSSR das Schlachten von Hühnern gelernt. Damit versucht er den Schulterschluss mit „Regular Joe“ in Alabama, Idaho und Texas. Er ist einer von ihnen, auch wenn er als Kind eines Milliardärs aufgewachsen ist. Doch Trump Jr. sieht sich als Patriot, als Amerikaner, als Verfechter der „America First“ Politik. So weit ist man dann also nicht auseinander.

Präsident Donald Trump vertraut vor allem seiner eigenen Familie. Falls er also im November wiedergewählt werden sollte, dann könnte das auch bedeuten, dass er Donald Trump Junior als möglichen Nachfolger aufbaut und unterstützt. Mike Pence würde dann wohl einfach übergangen werden, Regeln hin oder her, an die hält sich ein Trump sowieso nicht. Trump Jr. kämpft und vertritt nach außen genau das, was der Vater verfolgt. Zu seinen engen Vertrauten gehören die „Talking Heads“ auf FoxNews und im konservativen Talk Radio, wie Sean Hannity und Mark Levin. Sie könnten für ihn noch wichtig werden. Trump Junior will seinen Vater auch politisch beerben. Dafür stellt er schon jetzt und schon früh die Weichen.