Es ist Sonntag und Trump ist langweilig

Andere  malen, lesen, schreiben ihre Memoiren, spielen Basketball oder lernen ein Instrument. Donald Trump ist nicht bekannt dafür kreativ mit seiner Zeit umzugehen. Ein Familienleben scheint er auch nicht zu haben, denn Bilder von ihm und Melania bei einem Konzert- oder Kinobesuch gibt es nicht, auch sieht man den Präsidenten nicht mal mit seinem jugendlichen Sohn im Rose Garden des Weißen Hauses einen Ball kicken. Er läßt sich lieber von Lobhudeleien belustigen und teilt diese dann nur allzugern auf Twitter. Kritik an ihm und seiner Politik verwirft er als unamerikanisch, unpatriotisch, vom Deep State und den Demokraten initiiert.

Außenminister Mike Pompeo. Foto: AFP.

Heute war mal wieder so ein Sonntag, wo der Präsident der Vereinigten Staaten nichts zu tun hatte. Es gibt keine Krisen in den USA, keine in der Welt, deshalb verbringt er seinen Sonntagmorgen vor dem Fernseher und tweetet sich die Finger wund. Doch diesmal ging er erneut zu weit. Klar, da sind die üblichen „Witchhunt“ Tweets und die Aufforderung das Telefonprotokoll seines Gesprächs mit dem ukrainischen Präsidenten zu lesen (I did, Mister President. You are guilty!). Aber Trump wettert auch erneut gegen die Medien, bezeichnet sie als „korrupt“ und fordert die Einstellung jeglicher finanzieller Unterstützung durch den Staat für NPR, National Public Radio, dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk in den USA.

Und diese Geschichte hat es in sich, denn ein Interview von NPRs Mary Louise Kelly mit Außenminister Mike Pompeo ging wohl total daneben. Pompeo weigerte sich Fragen zur Ukraine zu beantworten und beschimpfte anschließend die anerkannte Journalistin. Auch erklärte er „Do you think Americans care about fucking Ukraine“. Nicht nur das, Pompeo ließ anschließend eine Erklärung verbreiten, in der er der Reporterin unterstellt, sich nicht an Absprachen gehalten zu haben und, dass Kelly selbst die Ukraine nicht auf einer Landkarte finden konnte („It is worth noting that Bangladesh is NOT Ukraine“).

Marie Louise Kelly. Foto: NPR.

Mary Louise Kelly, geboren 1971 in Augsburg, ist eine langjährige Mitarbeiterin von NPR, arbeitete zuvor für die BBC und CNN aus London. Sie berichtete aus Afghanistan und aus Deutschland. Pompeo wirft ihr vor, ihn unerlaubterweise zur Ukraine befragt zu haben und Inhalte des Nach-Interview Gesprächs, in dem er ausfällig wurde, und das er nun im Nachhinein als „off the record“ bezeichnet, veröffentlicht zu haben. Kelly widerspricht dem. Sie habe vorab mit Pompeos Mitarbeitern geklärt, dass sich die Interviewfragen um den Iran und um die Ukraine drehen werden. Und als Pompeo sie nach dem Interview in sein Büro beorderte, war nicht deutlich gemacht oder gesagt worden, dass das, was nun komme „off the record“ sei. Auch wisse sie wo die Ukraine liege und habe diese dem Außenminister auf einer Landkarte gezeigt.

Donald Trump und seine konservativen Kämpfer, wie der Talk Radio Moderator Mark Levin, nehmen das natürlich zum Anlass auf die Medien im Allgemeinen und auf NPR im Besonderen einzudreschen. NPR sei ein linksliberales Medium, das abgeschaltet gehört und dessen staatliche Förderung gestrichen werden sollte, forderte Levin. Und Trump teilte das nur zu gerne. Wiedereinmal unterminiert er die freie Presse in den USA . Wer ihn und seine Administration kritisiert, keine Hofberichterstattung vorlegen will, wer kritische Fragen stellt, wird als Feind gebrandmarkt. Konsequenzen sind diesem Präsidenten egal.

Wild, Wild West in the USA

Gestern wandte ich mich über Twitter an Präsident Donald Trump? Ich fragte ihn: „With all due respect, Mister President, how much time do you spend on your screen every day?“ Denn ich wundere mich schon lange, wie er überhaupt konzentriert arbeiten kann, wenn er ständig da auf seinem Handy rumtippt. Und nicht nur das, er verlinkt ja auch andauernd Ausschnitte aus Fernsehsendungen, meist FoxNews, Artikel und Jubelmeldungen über ihn, was bedeutet, er schaut mehr fern, als Dokumente zu lesen. Da ist die Frage schon berechtigt, wie er eigentlich da noch Zeit zum Regieren findet. Nicht überraschend, ich bekam keine Antwort.

Heute ließ sich Donald Trump wieder feiern. Er war der erste Präsident, der als Redner auf der alljährlichen „March for Life“ Kundgebung auftrat. Trump betonte, dass er der Präsident sei, der am meisten für Kinder, Ungeborene und gegen Abtreibung täte. 2017, 2018, 2019 ließ Trump nur aus Ferne grüßen, diesmal, im Wahljahr, kam er selbst. Die Abtreibungsgegner werden es ihm im November danken.

Der Demokrat Adam Schiff erläutert die Beweise gegen Präsident Trump. Foto: AFP.

Unterdessen, nicht weit vom Auftritt des Präsidenten entfernt wurde im US Senat weiter darüber verhandelt, ob Donald Trump des Amtes enthoben werden soll. Die demokratischen Kongressmanager, quasi die Staatsanwälte in diesem Impeachment Verfahren, legten in den letzten Tagen den Fall dar. Überzeugend, wie ich finde, denn die einzelnen Beweise sind wie ein Puzzle, das hier vor der amerikanischen Öffentlichkeit zusammengefügt wird. Das Bild, das sich da zeigt ist erschreckend. Trump hat wohl auf eine Umfrage von FoxNews reagiert, die im Mai feststellte, dass er bei einem Zweikampf mit Joe Biden 12 Prozentpunkte hinter diesem liege. Die Folge war, er wollte das ändern und eben nicht mit fairen, erlaubten Mitteln, sondern mit einer Schmierkampagne gegen Biden und seinen Sohn. Die Ukraine bot sich da geradezu an.

Nicht nur die Nachrichtenkanäle übertragen live, auch etliche der lokalen Fernseh- und Radiosender in meiner Gegend, der San Francisco Bay Area, haben sich zugeschaltet. Ab morgen wollen dann Trumps Anwälte dagegenhalten. Sie sagen schon jetzt, Trump habe nichts falsch gemacht. Und auch die republikanischen Senatoren stimmen in dieses Lied ein. Der Ausgang des Verfahrens im Senat ist schon jetzt klar. Die notwendige Zweidrittelmehrheit von 67 Senatoren für eine Amtsenthebung wird nicht zustande kommen. Die Folgen sind deutlich, die Spaltung Amerikas wird dadurch nur noch weiter voran getrieben.

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Die Jugend wirkt aktiv

Olivia Seltzer hat mit 12 Jahren „The Cramm“ gegründet.

Die Klimaaktivistin Greta Thunberg macht es vor. Sie sah sich von der Politik der Älteren nicht mehr repräsentiert und wurde selbst aktiv. Ihr wöchentlicher Schulstreik jeden Freitag vor dem Parlament in Stockholm zog riesige Kreise. Ihr Bild, auf dem sie ihr Schild „Skolstrejk för klimatet“ in der Hand hält ging um die Welt. Anfangs noch alleine, nahm die Bewegung „Friday’s for Future“ schnell Fahrt auf, auch international ausgeweitet. Die Jungen fordern mehr Mitbestimmung, gerade dann, wenn es um ihre Zukunft geht.

Die Schwedin und Klimaaktivistin ist wohl die bekannteste Vertreterin der sogenannten Gen-Z, der Generation Z. Doch schon vor Greta wurde Olivia Seltzer aus Santa Barbara aktiv. Sie begann als 12jährige nach dem US Präsidentschaftswahlkampf 2016 eine Nachrichtenplattform für Gleichaltrige aufzubauen. Ich konnte mit ihr über ihr Projekt „The Cramm“ sprechen:

     

Kommt Trump auf Trump?

In einer Umfrage unter republikanischen Wählern, wen sie 2024 für das Präsidentenamt unterstützen würden, entschieden sich 40 Prozent für Vize-Präsident Mike Pence. Das war zu erwarten, dennoch ist es eine niedrige Zahl. Interessant vor allem deshalb, wenn man sich ansieht, wer auf den Folgerängen dieser möglichen republikanischen Kandidatenliste steht. Mit 29 Prozent folgt Donald Trump Jr. und mit 16 Prozent Ivanka Trump. Schmeißt man diese beiden Zahlen nun zusammen haben die Trumps auch 2024 eine Mehrheit in der Partei.

Man kann nur sagen um „Gottes Willen, will das denn nie enden?“ Ein Trump-Dynastie kann doch wohl wirklich niemand wollen. Ivanka Trump ist da sicherlich ein „long shot“, eine eher theoretische Möglichkeit. Zumindest zu diesem Zeitpunkt. Auch haben sie und ihr Mann Jared Kushner sich noch nicht dazu geäußert, was sie in Zukunft vorhaben. Bei Donald Trump Junior sieht das schon ganz anders aus. In seinem jüngst veröffentlichten Bestseller Buch „Triggered“ macht er ganz deutlich, was er für politische Absichten hat. Der Junior sieht sich als Erbe seines Vaters. In dem Buch legt er dar, warum er ganz in der Tradition seines Vaters steht, dass er die gleichen Ziele verfolgt. Niemand außer seinem Vater werde von den „Liberalen“ mehr gehasst als er. Allein das sei schon ein Grund dafür, warum die Trump-Basis auch ihn lieben und unterstützen sollte.

Trump Jr. beschreibt sich als sehr sensibel beim Thema Immigration, denn immerhin seien seine Mutter, Ivana, aus der damaligen Tschechoslowakei gekommen, seine Großmutter aus Schottland und sein Urgroßvater aus Deutschland. Und dennoch, er bläst in seinem Buch ins gleiche Horn wie der Vater, spricht von einer „Invasion“ der „illegalen Einwander“. Ausführlich beschreibt er, wie er ganz männlich die Jagd genieße. Mal in den Rocky Mountains, mal im Yukon, mal in Afrika auf der Großwildjagd. Auch habe er als Kind bei seiner Großmutter in der CSSR das Schlachten von Hühnern gelernt. Damit versucht er den Schulterschluss mit „Regular Joe“ in Alabama, Idaho und Texas. Er ist einer von ihnen, auch wenn er als Kind eines Milliardärs aufgewachsen ist. Doch Trump Jr. sieht sich als Patriot, als Amerikaner, als Verfechter der „America First“ Politik. So weit ist man dann also nicht auseinander.

Präsident Donald Trump vertraut vor allem seiner eigenen Familie. Falls er also im November wiedergewählt werden sollte, dann könnte das auch bedeuten, dass er Donald Trump Junior als möglichen Nachfolger aufbaut und unterstützt. Mike Pence würde dann wohl einfach übergangen werden, Regeln hin oder her, an die hält sich ein Trump sowieso nicht. Trump Jr. kämpft und vertritt nach außen genau das, was der Vater verfolgt. Zu seinen engen Vertrauten gehören die „Talking Heads“ auf FoxNews und im konservativen Talk Radio, wie Sean Hannity und Mark Levin. Sie könnten für ihn noch wichtig werden. Trump Junior will seinen Vater auch politisch beerben. Dafür stellt er schon jetzt und schon früh die Weichen.

Bowling for democracy

Michael Moore meint, Donald Trump werde wiedergewählt. Zumindest wenn die Wahl jetzt oder am kommenden Dienstag wäre. Das ist keine Panikmache, Michael Moore kennt den Mittleren Westen ziemlich gut, man erinnere sich an seinen Film „Roger & Me“ über die Bankrotterklärung von General Motors in Flint, Michigan. Moore ist in diesem Teil der USA zu Hause und weiß, dass die Stimmung dort nach wie vor „Pro-Trump“ ist. Seine Basis ist in den vergangenen Jahren keinen Inch von ihm abgewichen. Mit Michigan und Wisconsin liegen da gleich zwei Bundesstaaten, die als „Swing States“ mehr als wichtig für den Wahlsieg eines Präsidentschaftsanwärters sind. Beides Staaten, die Trump 2016 gewonnen hat, weil Hillary Clinton sie als sicher in ihrer Westentasche vermutete.

Donald Trump könnte erneut gewinnen, sagt Michael Moore. Foto: AFP.

Der Filmemacher und Oscarpreisträger sagt aber auch, dass der oder die HerausforderIn von Trump höchstwahrscheinlich mehrere Millionen Wählerstimmen mehr als Trump erhalten werde und doch am Ende verlieren könnte. Das amerikanische Wahlsystem ist einfach nicht mehr zeitgemäß und somit undemokratisch. Denn hier gewinnt nicht derjenige, der die meisten Stimmen bekommt, sondern derjenige, der mit politischem Kalkül mehr Wahlmänner auf sich vereinen kann. Das war so bei Trump gegen Hillary und auch so bei Bush gegen Gore und es wird wieder passieren. In den wenigen Swing States werden heute die Wahlen entschieden, was bedeutet, dass die Bürgerinnen und Bürger in Wisconsin weit mehr zu sagen haben als die Wählerinnen und Wähler in Kalifornien. Demokratie „made in USA“.

Die Demokraten haben ein Problem. Zum einen müssen sie sich endlich auf einen Kandidaten oder eine Kandidatin einigen, dann die Parteireihen hinter genau dieser Person schließen und gemeinsam in den Kampf gegen Donald Trump gehen. Der ist bekannt dafür, dass er gerne einfach mit Lügen und Falschaussagen, mit Halbwahrheiten und verdrehten Fakten seine Gegner aus dem Konzept bringen kann. Trump weiß, er muss in den Swing States punkten, denn Amerika ist eigentlich nicht Trump-Country. Hinter dem Präsidenten steckt weder das amerikanische Volk, wie er und seine FoxNews Schreihälse dennoch gerne betonen und auch keine Mehrheit, wie das gerne fälschlicherweise in der deutschen Berichterstattung genannt wird. Trump ist vielmehr ein geschickter Wahlkämpfer, der strategisch vorgeht, sich gerne auf Massenveranstaltungen feiern läßt und so das Bild verbreitet, dass ihm die Massen zujubeln. Doch der Donald ist eigentlich nur ein Blender, der für sich einen Weg in diesem veralteten Wahlsystem gefunden hat, am Ende als „Sieger“ dazustehen. Er ist und könnte wohl auch weiterhin ein Minderheitenpräsident mit großen Folgen für die USA und die Welt sein. Es sei denn, die Demokraten kriegen endlich die Kurve und konzentrieren sich auf das, was einzig und allein wichtig ist – die Abwahl von Donald Trump.

Der lange Tag des Donald Trump

Wenn man sich die Bilder der amerikanischen Präsidenten im Verlauf ihrer Amtszeiten ansieht, dann kann man deutlich erkennen, wie sie altern, graue Haare bekommen, ausgemergelter erscheinen, wie ihnen der Job im Oval Office nahe geht. Das ist verständlich, denn der Tag ist gut durchorganisiert und fängt schon früh an und endet meist spät am Abend. Oftmals werden sie mitten in der Nacht geweckt, da irgendwo auf der Welt eine Krise entsteht, die irgendwie Amerika betrifft. Barack Obama war dazu ein Frühaufsteher, der schon in den Morgenstunden im Gym war, um fit zu bleiben.

Foto: AFP.

Anders ist da der Tag von Donald Trump. Er ist erklärter Gegner von sogenannten „Security Briefings“ seiner Geheim- und Informationsdienste. Er hört nicht so gerne zu, liest auch nicht unbedingt die Berichte und Unterlagen, die ihm vorgelegt werden. Donald Trump verbringt vielmehr seine Zeit damit fern zu sehen, er gilt als Stammzuschauer von „Fox & Friends“ am Morgen, viele der Berichte und Interviews, die dort ausgestrahlt werden, landen kurz danach im Twitter Feed des Präsidenten. Bekannt ist mittlerweile, wer ein Problem hat und damit bei Trump Gehör finden will, der muss Gast in dieser Morning Show werden. Dazu liest Trump noch seltsame Verschwörungstheorien, hört Leuten zu, die man eher in die Kategorie „Laberkopf“ stecken könnte und bildet sich daraus seine Meinung.

Das alles kann man gut daran absehen, was Trump alltäglich auf Twitter postet. Wenn er das wirklich alles sieht und liest, was er da teilt, dann verbringt der Präsident der Vereinigten Staaten einen Großteil seiner Zeit jeden Tag damit, Unsinniges zu konsumieren und es danach via Twitter zu verbreiten. Alleine gestern tweetete der „Tweeter in Chief“ 18mal, darunter Videos, Artikel und Lobpreisungen anderer. Vor allem seine Lieblingsmedien, FoxNews, OAN (One America News), Breitbart und dubiose Rechtsaußenmedien werden von ihm „geliked“ und geteilt. Sowieso ist auffällig, dass Trump in jüngster Zeit wieder mehr die Nähe, ja, den Schulterschluss mit seinem Politarchitekten Steve Bannon sucht. Das läßt nichts Gutes erwarten, denn Trump baut gerade sein Wahlkampfteam 2020 auf und wie es aussieht wird es eine breite Front an Verschwörungstheorien, falschen Fakten und Ungereimtheiten geben. Der deutlich radikalere Rechtsruck ist dabei nicht zu übersehen.

Der von Gott Gesandte

Manchmal sitzt man als Journalist da und weiß nicht, wie man einen Text beginnen soll. Seit 25 Jahren arbeite ich nun für verschiedene Medien, habe in meinem Beruf viel gesehen und erlebt, mit interessanten Menschen gesprochen. Vieles ging mir unter die Haut, manches war mehr Pflichtprogramm, bei einigen Geschichten musste ich mich zurückhalten. Und dann kommt sowas wie heute, der einstige texanische Gouverneur, ehemaliger Präsidentschaftskandidat und nun Energieminister im Kabinett von Donald Trump erklärt in einem Interview mit Fox News, dass Donald Trump von Gott gesandt wurde.

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Das muss man erstmal setzen lassen, aber Perry ist ein „born again Christian“, der nur das ausspricht, was viele in der Christlichen Rechte in den USA glauben. Donald Trump ist ein Präsident, der den göttlichen Plan in  „God’s Country“ umsetzt. Klar, so Perry, Trump habe seine Fehler, doch auch Gott habe, wie es in der Bibel zu lesen ist, immer wieder auf Menschen gesetzt, die fehlerhaft waren. Nun tut er das eben mit Donald Trump. Der egozentrische Milliardär als Gottes Kämpfer auf Erden.

Rick Perry sieht sich als Gehilfe des Gott Gesandten. Foto: AFP.

Schon früh setzte die „Christian Right“ in den USA auf Trump, der genau das versprach, was andere nicht auszusprechen wagten. Trump sprach von MAGA, Make America Great Again, und malte dabei das Bild Amerikas aus den 50er Jahren, einem weißen Amerika, in dem Familie, Kirche und Glauben noch wichtige Rollen spielten. In dem sich Arbeit lohnte, in dem nicht über die Rechte von Homosexuellen und Transsexuellen debattiert wurde, in dem es nur Herren- und Damentoiletten gab, nur ER und SIE. Trump forderte den Umzug der amerikanischen Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem, sprach sich gegen Abtreibung aus und brachte mit Mike Pence einen „born again Christian“ ins Boot, der betonte, die gesamte Außenpolitik unter den erzkonservativ-christlichen Blickwinkel zu nehmen. Die Folgen für Entwicklungsländer sind immens. Und der Präsidentschaftskandidat der Republikaner versprach auch die Stärkung der Kirchen in den USA.

Doch Trump versprach nicht nur, er arbeitete seine Liste auch ab. Von daher ist es kein Wunder, dass die „Christliche Rechte“ im Land nach wie vor nahezu geschlossen hinter Donald Trump steht und im kommenden Wahlkampf die wichtigste Basis für ihn sein wird. Rick Perry, der Trump im Wahlkampf 2016 noch als „Krebsgeschwür“ abtat, hat also nur das ausgesprochen, was etliche Amerikaner denken. Donald Trump in Gottes Namen….

Die USA als Trump Company

Die Anhörungen im „Impeachment“-Verfahren gegen Donald Trump machen eines ganz deutlich. Der Präsident regiert die USA wie sein eigenes Unternehmen. Schon vor zwei Jahren erklärte Trump in einem Interview mit FoxNews „I’m the only one that matters“, als er auf die vielen offenen Stellen im Außenministerium gefragt wurde. Denn nach der Wahl von Donald Trump schieden etliche von Karriere-Diplomaten aus ihren Ämtern aus. Schon im Wahlkampf hatte Trump deutlich gemacht, dass er bei einem Wahlsieg andere Prioritäten und vor allem einen anderen Ton in der amerikanischen Außenpolitik einführen werde. Das war nicht diplomatisch und führte zu einer Massenflucht von „State Department“ Angehörigen.

Die Sicherheitsberaterin Fiona Hill warnte in ihrer Anhörung vor den Gefahren der Trumpschen Außenpolitik. Foto: AFP.

Anfangs war noch die Hoffnung, dass Trump mit dem Tweeten aufhören würde, dass seine „Generäle“, die er auf wichtige Positionen setzte, ihn im Zaun halten würden. Doch einer nach dem anderen schied frustriert aus. Sie konnten ebenfalls nicht verhindern, dass der Präsident sich immer mehr mit erzkonservativen Meinungsmachern umgab, die fortan die Politik der USA bestimmten. Ein Beispiel führte Trumps Beraterin für Russland und Europa, Fiona Hill, in ihrer Befragung an. Eigentlich sei Lt. Col. Alex Vindman der Ukraine Experte im Team, so Hill, doch Trump habe ihn nie getroffen. Vielmehr fütterte ihn ein republikanischer Mitarbeiter, Kash Patel, mit Informationen über die Ukraine. Der sei noch nie in der Ukraine gewesen und hätte keine Ahnung von dem Land. Die eigentlichen Sicherheitsberater seien im „Eisenhower Executive Office Building“ gleich neben dem Weißen Haus untergebracht, doch kaum noch wurden die Experten gefragt oder mussten zu Gesprächen ins Oval Office kommen. Trump hatte seine eigenen Informationskanäle und Berater aufgebaut und eingesetzt. So lief die Außenpolitik in der Ukraine über seinen persönlichen Anwalt Rudy Giuliani und den EU-Botschafter Gordon Sondland, der sich auf Anweisung nicht an den regulären diplomatischen Gepflogenheiten und Wege zu halten hatte, sondern direkt mit Trump und Giualini sprach.

Donald Trump hat als Präsident den gesamten Verwaltungsapparat ab- und umgebaut. Immer wieder spricht er vom „Deep State“, von Bürokraten und Karriere-Diplomaten, als jene, die gegen ihn arbeiteten. Was das heißt ist klar, wer Trump, seine Politik, seinen Ton oder auch seine Entscheidungen kritisiert wird zum „Never-Trumper“, zum Gegner, zum Feind erklärt. Trump hat somit in kürzester Zeit eine eigene Entscheidungsebene ohne die klassische Verwaltungs- und Beratungsebene in den USA aufgebaut. Er regiert die USA, wie er sein Trump-Imperium leitet. Alles ist auf ihn zugespitzt, seine Helfer und Helfershelfer sind ergebene Trumpianer. Somit kann er tun und lassen was er will, kann Fakten ganz neu definieren und erhält dafür keine Kritik. Ganz im Gegenteil, seine Ergebenen verteidigen auch noch diese Art der Tatsachenverdrehungen. Ein „Whistleblower“ wird somit umgehend zu einem politischen Akteur der Demokraten, zu einem Mitglied des „Deep State“ abgestempelt. Die Folgen sind weitreichend.

Trump lebt in einer, in seiner Blase. Seine Entscheidungen gelten, beraten wird er von Leuten, die zum großen Teil aus politischen Randbereichen kommen. So haben die Christliche Rechte und erzkonservative bis nationalistische Kräfte in den USA einen ungefilterten Zugang zum Weißen Haus und der Schaltzentrale bekommen. Donald Trump hat damit nicht nur die amerikanische Außenpolitik total umgekrempelt, sondern auch auf nationaler Ebene die Ziele dieser Extremen in die Tat umgesetzt. Amerika wird nach Donald Trump lange brauchen, um diesen Schaden wieder zu beheben. Wenn das überhaupt noch möglich ist.

Das Lügengebilde von Donald Trump

13000 Falschaussagen und Lügen. Auf so viele hat es Donald Trump seit seinem Amtsantritt schon gebracht. Entweder merkt er nicht, was er da treibt oder er macht es voller Absicht und lacht sich dabei ins Fäustchen, wie er Amerika – sagen wir es wie es ist – verarscht.

Kalkül oder krankhaft. Foto: AFP.

Jüngstes Beispiel der „Whistleblower“. In den letzten Wochen hat Trump mehr als einhundertmal erklärt, der „Whistleblower“ habe sein Gespräch falch dargestellt. Man solle nur die Abschrift des Telefonats lesen, so Trump. Allerdings gibt es keine Abschrift, nur ein Memorandum, also kein Wort für Wort Transkript. Doch das beiseite, die Ermittlungen, Befragungen und Dokumente, die den Demokraten im Kongress mittlerweile vorliegen, belegen, dass der „Whistleblower“ das Telefonat richtig beschrieben und nichts erfunden oder dazugedichtet hat. Donald Trump erklärt gerne, dass das alles „fake“ sei, eine Kampagne der „Never Trumpers“, die im „Deep State“ versuchten, ihn aus dem Amt zu drängen. Trump sagte auch, der Whistleblower habe in seinem Bericht gleich achtmal ‘quid pro quo’ geschrieben. Tatsache ist, in dem Bericht steht diese Anschuldigung kein einziges Mal. Trump erfindet Fakten, die es einfach nicht gibt.

Trump hat auch mehrmals Gespräche mit den republikanischen Senatoren Mitch McConnell und Tim Scott erwähnt, die beide, so Trump, das Telefonat mit dem ukrainischen Präsidenten als „unschuldig“ bezeichnet haben sollen. Auf Nachfrage der Presse erklärten beide Senatoren, sie hätten mit Donald Trump überhaupt nicht gesprochen. Hat dann der Präsident gelogen? Antwort Mitch McConnell: „Da müssen Sie den Präsidenten fragen“.

Donald Trump hat von Anfang an seiner Amtszeit eine „Alternative Realität“ erschaffen. Er sagt Sachen, die nicht stimmen. Die wiederholt er so lange, bis andere es ihm nachtun, damit sieht er sich bestätigt. Auch Trumps Lieblingskanal FoxNews greift gerne ungeprüfte Aussagen des Präsidenten auf und sendet diese. Trump scheint das im Fernsehen zu sehen und sich zu denken, „siehste mal, die berichten schon darüber, also muss es wahr sein“. Fakten, Zahlen, Statistiken zählen nichts. Letztere erfindet Trump gerne selbst, allwöchentlich veröffentlicht er auf Twitter eine Nummer, die besagt, dass er 95 Prozent Unterstützung in der republikanischen Partei habe. Auch wenn kein seriöses Meinungsforschungsinstitut das bestätigen kann, Trump hält an dieser Zahl fest. Er baut sich seine Welt, wie sie ihm gefällt. Die Frage ist bei allem, macht er das bewußt? Versucht er mit Unruhe, Zweifeln, Gegenszenarien so viel Unruhe zu stiften, dass seinen Worten geglaubt wird, vor allem von seiner Basis? Oder ist Donald Trump wirklich so krankhaft egozentrisch, dass er es einfach nicht wahrhaben will, dass er nicht als „the greatest president ever“ (Trump über Trump) gesehen wird und einfach für sich dieses Bild entstehen lässt, entstehen lassen muss? In den USA ist alles etwas verwirrend in diesen Tagen, Wochen, Monaten, Trump-Jahren.

 

Das Feuer wird politisch

Ein Fake Bild vom Präsidenten verbreitet.

Kalifornien brennt weiter, ein Ende ist noch nicht in Sicht. In der Nähe der Ronald Reagan Library in Simi Valley ist ein weiteres Großfeuer ausgebrochen. Donald Trump tweetet gar nichts zu der ungebremsten Katastrophe in Kalifornien, er verbreitet lieber ein billig bearbeitetes Foto, das ihn und den Hund zeigt, der im Anti-Terror Einsatz Abu Bakr al-Baghdadi gejagt haben soll. Darauf hängt Trump dem Hund einen Orden um. Darüber schreibt der Präsident „American Hero“. Ein gefaktes Foto von einem Mann, der tagtäglich gegen die „Fake News“ wettert. Interessant sind vor allem die witzigen Kommentare unter diesem präsidialen Tweet. Einer schreibt, Trump müsse sich in das Bild „photoshoppen“, denn der Hund würde ihm sonst in seine „kleinen Hände“ beißen.

Kalifornien interessiert da nicht, darum kümmert sich nun sein Haussender FoxNews. Dort wird erklärt, dass die Klimaschützer und die linken Horden für die Flächenbrände verantwortlich seien, denn die verhinderten eine sinnvolle Umweltschutzpolitik und sinnvolle Brandprävention. Da wird dann auch noch das Energieunternehmen PG&E zum Opfer gemacht. Der arme Konzern würde ja so gerne „fire protection“ durchführen, aber das würde immer wieder verhindert werden.

Unterdessen sind noch immer Hunderttausende ohne Strom. 100.000 Menschen können in Sonoma County noch immer nicht zurück in ihre Häuser, im Süden fliehen die Menschen vor den Flammen. Die öffentlichen Parks in meiner Gegend sind noch immer aufgrund der extremen Feuergefahr gesperrt. Bei mir gingen zum Glück die Lichter wieder an. Langsam kehrt der Alltag in diesem Teil des Bundesstaates zurück. Aber die Spuren der Feuerwalzen werden noch lange zu sehen sein.