Donald Trump ist ein Rassist

Es ist schon erstaunlich, wenn eine der führenden Tageszeitungen in den USA ganz offen schreibt: „First, we’re long past the point where we have to beat around the bush about this: Donald Trump is a racist who says racist things.“ Dieser Satz fiel in einem Beitrag der Washington Post über die mögliche demokratische Präsidentschaftskandidatin, die demokratische Senatorin Elizabeth Warren, die von Donald Trump immer wieder als „Pocahontas“ bezeichnet wird.

Die demokratische Senatorin Elizabeth Warren ist eine der beliebten Zielscheiben von Donald Trump. Foto: Reuters.

„Pocahontas“ deshalb, weil Warren einmal erklärte, sie habe „Native American“ Vorfahren, das zumindest habe ihre Großmutter erzählt. Trump jedoch – und auch andere konservative Politiker und Medien wie Fox News – nahmen diese Aussage zum Anlass, um Elizabeth Warren zu unterstellen, sie habe ihre vermeintliche indianische Herkuft dazu ausgenutzt, um in ihrer Karriere als Juristin weiterzukommen. Eine Unterstellung, die weder belegt werden kann noch wahr ist. Es geht dabei um „Affirmative Action“, Fördermaßnahmen zugunsten benachteiligter Gruppen. Wie der „Boston Globe“ in einer aufwendigen Recherche jedoch feststellen konnte, wurde Warren stets als „weiße Frau“ eingestellt, nie habe sie erwähnt, dass sie 1/32 Cherokee sei.

Doch das ist Trump egal, er greift seine Gegner immer wieder mit speziellen Namen an: Crooked Hillary, Little Mario, Lyin‘ Ted, Crazy Bernie. Und Elizabeth Warren eben als „Pocahontas“. Selbst Republikaner mit einem moralischen Gewissen fühlen sich bei diesen Angriffen unwohl. Der Abgeordnete Tom Cole aus Oklahoma, Republikaner und Mitglied des Chickasaw Stammes meinte zu Trumps Worten: „Er sollte aufhören, diese Sprache zu benutzen…Es ist weder passend für sie persönlich, und ganz ehrlich, es verletzt eine viel größere Gruppe von Menschen“.

Trump selbst wird sich um die Aussage seines Parteikollegen nicht kümmern. Er verbreitet vielmehr weiter seine rassistischen Lügen. Falls er für die Wiederwahl antreten wird und auch Elizabeth Warren ins Rennen einsteigt, dann kann sich Amerika erneut auf einen unsäglichen Wahlkampf mit Lügen und rassistischen Tönen einstellen.  Denn, der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika ist ein Rassist.

Amerika zwischen den Küsten

In Oakland und der Bay Area zu leben heißt, man lebt auf einer politischen Insel. Donald Trump erreichte bei den Wahlen 2016 in den meisten Distrikten meiner Wahlheimat einstellige Ergebnisse und lag oftmals noch hinter der Kandidatin der Grünen Partei, Jill Stein. Wer mutig ist und auffallen will in Oakland, Berkeley oder San Francisco läuft mit einer „MAGA“ Mütze durch die Straße. In meiner Nachbarschaft hat ein älterer Herr einen NRA-Aufkleber auf seinem Auto, schon allein das ist Gesprächsstoff unter Nachbarn.

Wellenlos mit Johnny Cash über den See.

Doch San Francisco/Oakland und selbst Kalifornien sind nicht die USA. Wer Amerika verstehen will, muss von den Küsten weg fahren, rein ins Land, dorthin, wo über Jahrzehnte das Mittelwellenradio mit Sendungen von Rush Limbaugh, Farm Talk oder Gun Talk die Tagesgespräche bestimmte. Auf einer jüngst in der New York Times veröffentlichten Landkarte mit den genauen Wahlergebnissen der Präsidentenwahl von 2016 kann man sehen, dass das Land weitgehendst rot ist, also republikanisch. Demokratische Blautöne gibt es vor allem in den Küstenmetropolen und in Universitätsstädten wie Butte, Montana, Madison, Wisconsin, oder auch hier oben in Houghton, Michigan. Und damit will ich nicht sagen, dass unstudierte Amerikaner vor allem Donald Trump gewählt haben. Vielmehr, dass Universitätsstädte vielleicht auch mehr für ein kritisches Denken und Weltoffenheit stehen.

Gestern Abend beim Kayaken über den kleinen See, an dem ich gerade bin, dachte ich genau darüber nach. Johnny Cash spielte ein paar Songs, der perfekte Soundtrack für diesen Versuch des Amerikaverstehens. Und hier in der Einöde, der Wildnis, der Abgeschiedenheit ist Washington, der Handelskrieg, Iran und Nordkorea, „Pussy Grabbin'“ und selbst die Mauer an der mexikanischen Grenze ganz weit, weit weg. Hier gibt es andere Probleme, die nicht von Washington und nicht von Präsident Trump gelöst werden können, auch wenn hier vereinzelt Schilder am Rand des Highways stehen „Support the UP – Logging & Mining“. Die regionale Wirtschaft wird man durch mehr Baumfällen und Bergbau nicht ankurbeln können. Wie die San Francisco Bay Area eine politische Insel fernab von Amerika ist, ist auch diese Region eine Insel im amerikanischen Kosmos. Weit weg von der Scheinrealität, die uns über CNN, FOXNews und andere vorgegaukelt wird.

Beim Versuch dieses riesige Land auf dem kleinen See zu verstehen wurde mir einfach klar, dass Amerika nicht zu verstehen ist. Es gibt nämlich nicht nur dieses eine Amerika. Es ist ein Land der Immigranten, die oftmals ihre Herkunft, die Sprache und die Kultur ihrer Eltern pflegen. Es ist ein Land der verschiedenen Interessen, die hier problemlos ausgelebt werden können. Es ist ein Land der vielen kleinen Inseln in einem stürmischen Meer. Nichts und niemand wird die Staaten von Amerika vereinen können. Was das Ziel vielleicht sein könnte ist, dass die gesellschaftlichen Gräben in diesem Land nicht tiefer werden. Und das allein wäre schon ein riesiger Erfolg.

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Volksfeind #1

„…the real enemy of the people, the Fake News Media“. Donald Trump kann es einfach nicht lassen. Er überrascht mit seinen Aussagen zwar nicht mehr, aber es trifft mich dennoch, wenn ich am Morgen auf Twitter lese, dass er Journalistinnen und Journalisten, die ihm nicht nach dem Mund schreiben, erneut als „Volksfeinde“ bezeichnet. Das ist harter Tobak und sollte nicht so einfach hingenommen werden. Wo ist der Aufschrei der Republikaner im Kongress, die diesen Mann endlich in seine Schranken verweisen.

Denn Donald Trump ist der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, einem schwerbewaffneten Land, in dem es genügend Menschen gibt, die seine Aushöhlung der Demokratie, der demokratischen Grundprinzipien, als Einladung zur Gewalt gegen jene nehmen, die sich gegen die Trump’sche Weltordnung stellen. Wer Medienvertreter als „Volksfeinde“ bezeichnet, und das immer und immer wieder, der schürt ganz bewußt Gewalt. Die ersten Auswüchse kann man auf Trump Veranstaltungen sehen, auf denen Reporter übelst beleidigt und angegangen werden. Der Schritt von Wutausbrüchen zu gezielten Anschlägen ist da nicht mehr weit.

Natürlich stimmt nicht alles, über was Medien berichten. Es passieren überall Fehler, meist unbeabsichtigt, oftmals in der Hektik und unter Druck die neuesten News sofort und gleich zu veröffentlichen. Es gibt natürlich auch Medienvertreter, die ganz bewußt Falschmeldungen streuen, um so Aufmerksamkeit zu bekommen oder gezielt Politik zu beeinflussen. Aber von denen spricht Donald Trump nicht, wenn er Journalistinnen und Journalisten als Volksfeinde bezeichnet. Er geht vor allem all jene an, die ihm nicht nach dem Mund schreiben, die ihn und seine Politik hinterfragen, ihn kritisieren. Trump liebt Diktatoren und Despoten wie Putin, Kim, Erdogan und andere, gerade auch deshalb, weil sie von ihren Medien gehuldigt werden. Sowas will Donald Trump auch, daraus macht er keinen Hehl, wenn er die Berichterstattung der New York Times und der Washington Post kritisiert und gleichzeitig die Speichelleckerei von FoxNews bejubelt. Der Schaden, den Donald Trump der amerikanischen Demokratie zufügt, wird nie wieder rückgängig zu machen sein.

Er macht es einem nicht leicht

In diesen Tagen hatte ich zwei Redaktionen vorgeschlagen einen Beitrag über Donald Trumps politische Erfolge zu schreiben und zu produzieren. Ich wollte über die niedrige Arbeitslosenquote, die ersten positiven Anzeichen der Steuerreform auf die amerikanische Wirtschaft, den außenpolitischen Erfolg auf der koreanischen Halbinsel, Trumps eingehaltene Wahlkampfversprechen berichten, doch keine Redaktion nahm das Thema an.

Trump macht es einem als Journalisten auch nicht leicht. Gerade heute zeigt sich das wieder. In seiner morgendlichen Tweetflut schreibt er von der Freilassung der drei inhaftierten Amerikaner in Nordkorea, die bereits auf der Rückreise in die USA seien. Eigentlich ein Grund zum Jubeln. Auch, dass Trump es wohl mit seinen Drohungen, Verbalangriffen und Verbalausfällen geschafft hat, den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un an den Verhandlungstisch zu bringen. Ja, dass Trump wohl – zumindest – mitverantwortlich für das koreanische Tauwetter ist. Auch darüber kann man neutral-positiv berichten.

Doch dann haute er einen Tweet raus, den man nur als undemokratisch, pressefeindlich, ja, unamerikanisch bezeichnen kann. Darin wettert er mal wieder gegen die von ihm verhassten „Network News“, ausgenommen natürlich FOXNews. Der Höhepunkt am Schluss, Trump fragt, ob man nicht die Akkreditierungen der White House Korrespondenten entziehen soll, die sich nicht als Hofschreiber betätigen möchten.

Donald Trump macht es einem als Korrespondenten wirklich nicht einfach. Sein unkonventioneller Regierungsstil, seine „Hau-drauf“ Art ohne Rücksicht auf die Folgen, seine konstanten Lügen, Falschaussagen und Halbwahrheiten (seit Amtsantritt über 3000 an der Zahl), seine Provokationen und Irritationen, seine Hofierung von politischen Rechtsaußengruppen und fundamentalistisch-christlichen Kräften, all das und mehr macht Donald Trump nicht gerade zu einem Sympathieträger im Amt. Aber ich muss ihn auch nicht mögen, um fair über ihn berichten zu können. Doch wenn ein amerikanischer Präsident immer wieder aufs Neue die Grundfesten dieser Demokratie in Frage stellt, angreift und offen kritisiert, dann ist es nicht leicht objektiv zu bleiben und zwischen all dem Getöse über die durchaus positiven Erfolge seiner Administration zu berichten.

 

Die weißen Tauben sind müde

„Jedoch die Falken fliegen weiter. Sie sind so stark wie nie vorher und ihre Flügel werden breiter und täglich kommen immer mehr.“ Ich hätte auch nie gedacht, dass ich einmal mit Hans Hartz einen Blogbeitrag beginne. Aber was anderes fällt mir nicht ein, wenn ich mir die Rede des früheren UN Botschafters, FOXNews Kommentators und Experten und jetzigen nationalen Sicherheitsberaters von Präsident Donald Trump ansehe (siehe unten). Bolton ist ein Falke. Das war er schon im Kabinett George W. Bush, das blieb er unter Präsident Barack Obama und das ist er noch immer in seinem neuesten Job.

Trump-Flüsterer John Bolton jubelt über die Aufkündigung des Iran-Deals. Foto: Reuters.

John Bolton hielt die Rede auf einem großen Treffen von Exil-Iranern im Juli letzten Jahres in Paris. Das war nach dem Wahlsieg von Donald Trump, damit begann für Bolton eine neue Zeitrechnung. Das machte er deutlich. Man sollte die Rede bis zum Ende hören, denn da sagt der 69jährige, was er von Obamas „Nuclear Deal“ mit dem Iran hält und wie er die Zukunft des Iran sieht. Und ganz offen spricht er davon, dass das Ziel Amerikas nur sein kann, das Regime in Teheran zu stürzen.

Markige Worte, die bei den Exil-Persern gut ankamen. Dabei sollte man eines nicht vergessen. John Bolton ist nicht irgendwer. Er war Mitglied im Kabinett eines US Präsidenten und ist nun wieder im Kabinett eines weiteren US Präsidenten tätig, einem der unberechenbar ist. Bolton ist der nationale Sicherheitsberater von Donald Trump und hat sich seit Juli sicherlich nicht gewandelt oder hält sich in seinem neuen Job mit seiner durchaus kriegstreibenden Meinung über den Iran zurück. Vielleicht lässt sich gerade so erklären, warum Donald Trump die Versuche der einst engen europäischen „Partner“ brüsk vom Tisch wischte, ihn noch umzustimmen und das Abkommen mit Teheran nicht aufzukündigen. Trump machte vielmehr genau das, ganz im Sinne von John Bolton. Und dessen Richtung ist in seiner Pariser Rede vorgegeben; Bolton hat das Ziel die Regierung in Teheran zu stürzen. Die Falken fliegen wieder hoch.

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Wir brauchen einen trumplosen Tag

Ich glaube langsam wirklich, man sollte Donald Trump ignorieren. Zwar kann man ihn nicht ganz ignorieren, denn immerhin ist er der amerikanische Präsident. Sein Wort hat Gewicht, national und international. Seine Entscheidungen haben Auswirkungen auf lange Zeit hinaus. So ist die Wahl seiner Bundesrichter mehr als kritisch zu beobachten, denn die werden auf Lebenszeit bestimmt, heisst, Donald Trump könnte den USA und der Welt damit ein folgenreiches, jahrzehntelanges Erbe hinterlassen.

Aber man sollte Donald Trump einfach mal reden lassen, ohne alles zu kommentieren, was er da tagtäglich in seinen Auftritten, auf Pressekonferenzen, am Rande von Veranstaltungen und vor allem auf Twitter von sich gibt. Man sollte – und ich schließe mich dabei ein – nicht alles auf die Goldwaage legen, was dieser Mann, der nur von einem Drittel der Amerikaner gewählt wurde, von sich gibt. Und das ist schwer einzuhalten, denn Tweets des 45. Präsidenten rufen gewaltige Gewitter in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft hervor. Was Trump in seinen Kurznachrichten verlauten lässt, wird international gelesen und bewertet. 51,3 Millionen „Followers“ hat Trump, darunter wohl jeden Journalisten mit einem Twitter Account, der auch nur am Rand über Politik berichtet.

Und doch, es würde gut tun, wenn nicht alles kommentiert wird, was Donald Trump vom Stapel lässt. Denn Trump braucht die Reaktion wie die Luft zum Atmen. Das sieht man auch an dem jüngsten Tweet, Trump liebt Umfrageergebnisse, wenn er sie denn auf sich beziehen und für sich hinbiegen kann. Für ihn wäre es eine Katastrophe mal an einem Tag auf die Webseiten der verhassten New York Times und Washington Post zu klicken und keinen Artikel über ihn zu finden, CNN und MSNBC einzuschalten und nicht seinen Namen zu hören. Den Hofsender FOXNews möchte ich gar nicht erwähnen, Trump würde einen Infarkt erleiden, wenn er morgens „Fox & Friends“ einschaltete und in einer Sendung nicht über ihn gesprochen werden würde. Für den Egozentriker Donald Trump wäre die Welt nicht mehr in Ordnung, sein Weltbild würde aus den Fugen geraten.

Aber das ist ein Wunschdenken, denn nicht nur die verhassten Journalisten berichten über Trump, auch die Leser, Hörer und Zuschauer verlangen nach ihrer regelmäßigen „Trump Dosis“. Wie sonst lässt es sich erklären, das Klickzahlen auf Trump-Berichte weitaus höher liegen, dass Rückmeldungen gerade nach Trump Artikeln und Radiobeiträgen kommen? Wir alle sollten also etwas entspannter werden und unseren Trump Konsum runterschrauben.

Die „Fake News“ Macher

Der „Fake News“ König Donald Trump ist in diesen Tagen mehr als aktiv auf Twitter. Am Ostersonntag, als viele seiner christlich-fundamentalistischen Unterstützer in die Gottesdienste strömten, um die Auferstehung von Jesus zu feiern, tweetete Trump gegen Einwanderer und für den Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko. Aus dem „Bible Belt“ kamen dazu keine Widerworte. Trump weiß, mit solchen Äußerungen macht er sich nur beliebt bei seiner Basis.

Der Präsident ließ es allerdings nicht nur bei seinen durchaus rassistischen und ausländerfeindlichen Tweets, er griff auch mal wieder die Medien in den USA an. CNN, NBC, ABC, CBS wurden von ihm als „Faker“ bezeichnet, als Lügner. Das im Zusammenhang mit einem Trumpschen Lob für die Sinclair Broadcast Group, einer konservativen Fernsehgruppe, die 173 lokale TV-Stationen in 81 Fernsehmärkten besitzt. Viele von ihnen sind mit anderen Networks verbunden, übernehmen deren Mantelprogramm, sind aber im Besitz von Sinclair. Sinclair ist als Unterstützer von Donald Trump bekannt, im Wahlkampf wurde oftmals positiv über ihn berichtet oder bestimmte skandalöse Äußerungen von Trump relativiert. Auch hatte Sinclair ein Abkommen mit dem Trump Lager, in dem man Zugang zum Präsidentschaftskandidaten erhielt, mit der Zusage, Interviews und Berichte nicht zu kommentieren.

Nun hat sich Sinclair allerdings sehr weit für Trump aus dem Fenster gelegt. Eigentlich lieben und vertrauen die Amerikaner ihren lokalen Medien. 85 Prozent gaben dies in jüngsten Umfragen an. Vielmehr als den nationalen Networks. Sinclair weiß das und hat nun von ganz oben bestimmt, dass alle lokalen Nachrichtenredaktionen einen vorgefertigten, einminütigen Text lesen sollten. Unkommentiert und ganz im Trump Sinne, ein Angriff gegen die „Mainstream Medien“. Doch das ging kräftig nach hinten los. Ein Twitter Nutzer hat Dutzende von lokalen News Sendungen aus dem ganzen Land zusammen geschnitten, in denen der Text als Statement der lokalen Nachrichtenredaktion vorgetragen wird. Es ist ein Affront gegen jeglichen journalistischen Grundsatz, ein Frontalangriff auf die Demokratie, ein Stiefellecken für einen Präsidenten, der dieses Verhalten auch noch bejubelt und keinerlei Probleme damit sieht. Die Gleichschaltung der Medien scheint als „normal“ angesehen zu werden, zumindest ganz oben im Land.

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Oakland in den Schlagzeilen

Die Bürgermeisterin von Oakland, Libby Schaaf, gerät in die Schußlinie von Donald Trump und FoxNews. Foto: AFP.

Oakland ist, wie viele Städte in Kalifornien und im ganzen Land, eine „Sanctuary City“, das bedeutet, hier wird niemand angeschwärzt, weil er illegal im Land ist. Kinder von illegalen Einwanderern dürfen die städtischen Schulen besuchen, kein Oakländer – mit oder ohne Pass und Green Card – wird von städtischen Sozialangeboten ausgeschlossen, bei Routinekontrollen der Polizei wird nicht nach dem Aufenthaltsstatus gefragt. Und die Stadt verbietet es der eigenen Polizei mit Beamten der „Immigration and Customs Enforcement“ (ICE) zusammen zu arbeiten.

Donald Trump hasst „Sanctuary Cities“, das macht er immer wieder deutlich. Seit seiner Amtsübernahme schwebt die Drohnung über jenen Kommunen, dass Bundesmittel gekürzt oder gestrichen werden, falls die Städte und Gemeinden nicht mit den Bundesbehörden zusammenarbeiten sollten. Bislang ist nichts passiert, außer, dass unter Donald Trump die Aktivitäten von ICE zugenommen haben, gerade in der liberalen San Francisco Bay Area. Und das führte nun zum Eklat.

Die Bürgermeisterin von Oakland, Libby Schaaf, kündigte am Samstag in einer eilig anberaumten Pressekonferenz an, dass Polizeibeamte der „Immigration and Customs Enforcement“ noch am Wochenende Verhaftungen von illegal in der Bay Area Lebenden durchführen wollen. Schaaf betonte, sie habe aus verschiedenen, seriösen Quellen davon erfahren. Die Worte der Bürgermeisterin verbreiteten sich wie Lauffeuer in der Latino Community in Oakland und der San Francisco East Bay.

Doch diese Ankündigung kam bei ICE und FoxNews nicht gut an. Libby Schaaf wurde als Rechtsbrecherin dargestellt, die lieber Straftäter beschütze als amerikanische Bürger. Eine Sprecherin von ICE erklärte, die Warnung der Bürgermeisterin habe dazu geführt, dass von den 864 geplanten Verhaftungen nur etwas mehr als 150 durchgeführt werden konnten. Viele der „Straftäter“ konnten, so die Sprecherin, vor dem Zugriff abtauchen. Ob das stimmt, kann nicht bewiesen werden.

Sicherlich waren auf der Liste auch jene aufgeführt, die wirkliche Straftaten in den USA begangen haben, darunter Drogendelikte, Gewaltverbrechen und illegaler Waffenbesitz. Doch diese Straftaten werden auch von der Polizei in Oakland verfolgt. Libby Schaaf hatte nicht vor, diese Straftäter zu schützen. Vielmehr wollte sie mit ihrer Warnung die Familien und all jene ansprechen, die friedlich in Oakland leben, arbeiten, zur Schule gehen, studieren, Teil dieser pulsierenden und multiethnischen Community geworden sind, die aber keinen amerikanischen Pass oder eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis haben.

Die USA haben seit Jahrzehnten ein Immigrationsproblem. Über eine Reform wird seit langem gesprochen. Nun jedoch geht es kaum noch darum eine sachliche Diskussion zu führen, sondern nur noch um Mauerbau, Ausgrenzung, Abschiebung. Der Schritt von Libby Schaaf ist mutig, denn damit könnte sie ihre weitere politische Karriere außerhalb von Oakland mehr als beschädigt haben. Doch er ist logisch und unterstützenswert, denn Oakland hat sich nicht einfach so als „Sanctuary City“ deklariert. Schaaf ist glücklicherweise keine Schönwetterpolitikerin. Am Dienstag erklärte sie, ihre Ankündigung der ICE-Aktivitäten nicht zu bereuen, denn sie, als Bürgermeisterin von Oakland, habe auch und vor allem eine „moralische und ethische Verantwortung“. Bravo, Libby Schaaf!

Die Macht des Kulturbanausen

Der neue Haushaltsplan aus dem Hause Donald Trump liegt vor. Und wie zu erwarten, und wie schon gestern an dieser Stelle berichtet, will der Präsident mehr Dollars fürs Militär ausgeben und viel weniger für notleidende Menschen und Hilfsprogramme in den USA und in Übersee. Der Mann, der mit einem goldenen Löffel im Mund geboren wurde, der von sich selbst sagt, er sei „sehr, sehr reich“, spricht zwar gerne von den „vergessenen Amerikanern“, davon, dass Amerikaner auch „Dreamer“ seien, aber er hält nicht das, was er in seinen Reden und Tweets verspricht. Trump spaltet das Land weiter, politisch, kulturell und sozial.

Vielleicht hat er sein Buch gelesen, das von einem „Ghost Writer“ geschrieben wurde. Foto: Reuters.

Da ist es nicht überraschend, dass Donald Trump auch den Rotstift bei den Kulturausgaben des Staates ansetzt. Die „National Endowment for the Arts“ würde von 150 Millionen Dollar auf 29 Millionen Dollar zusammen gestrichen werden. Die „National Endowment for the Humanities“ erhielte statt 150 Millionen Dollar nur noch 42 Millionen Dollar. Und das „Institute for Museum and Library Services“ bekäme nur noch 23 Millionen Dollar anstelle der 208 Millionen Dollar. Trump ist auch kein Fan des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, er schaut lieber „Fox and Friends“ als Ernie, Bert und ihre Freunde in der Sesamstrasse. Die Ausgaben für die „Corporation for Public Broadcasting“ würde von 408 Millionen Dollar im Jahr auf 15 Millionen Dollar gekürzt werden. All das würde das Aus für diese wichtigen Kulturprogramme bedeuten.

Was das bedeutet ist klar. Donald Trump will die Kulturlandschaft in den USA verändern, wenn nicht sogar in ihrer jetzigen Form ganz abschaffen. Der güldene Donald mit seinen Goldpalästen hält nicht viel von der Kunst und schon gar nicht von der kritischen Kunst. Er versteht nicht, warum man im Twitter-Zeitalter noch Büchereien braucht, warum die Wissenschaft und die Forschung durch den Staat gefördert werden muss. Die Qualität einer Gesellschaft kann man auch daran erkennen, wie sehr sie die Freiheit der Kunst und Kultur, der Forschung, der Medien unterstützt. All das liegt im Trump-Zeitalter auf der Schlachtbank, Donald Trump wetzt bereits das Fleischermesser. Im vergangenen Jahr konnte der Kahlschlag im Kongress noch abgewendet werden. Ob das wieder so passiert muss abgewartet werden.

Es ist nicht nur so, dass wir in Amerika mit Donald Trump einen Präsidenten haben, der militärisch aufrüstet, der die Grenzen dicht macht, der die USA international isoliert, der tagtäglich Stimmung gegen Andersdenkende macht. Donald Trump, das zeigt sich mit seinen Budgetvorschlägen, scheint ein ungebildeter Mann zu sein, der nur seine Weltsicht kennt und zulässt. Und diese alternative Trump-Welt ist leider mehr als beschränkt.

Meine Reisen in die „Shitholes“ dieser Welt

Donald Trump erklärte Länder wie Haiti, El Salvador und afrikanische Länder zu „Shitholes“. Damit trat er einen „Shitstorm“ los, um beim Thema zu bleiben. Die Aufregung am Donnerstag war groß. Trump reagierte am Freitagmorgen und tweetete wie immer eine Antwort. Klar, alles sei gelogen.

Er habe niemals schlecht über Haiti gesprochen, denn er habe ja eine „wunderbare Beziehung“ zu den Menschen dort. Kein Wort von El Salvador oder den afrikanischen „Dreckslöchern“, die von Trump ebenso benannt wurden. Anscheinend steht der Präsident zu seiner Meinung, obwohl er bislang weder die Länder noch die Menschen dort kennengelernt hat. Aber die Aussage ist nur eine von vielen rassistischen Äußerungen Donald Trumps. Überraschend kam sie nicht (mehr).

Das Haus wurde mir von der Dorfgemeinschaft in einer kleinen Gemeinde im südlichen Niger angeboten. Wir hatten trotz der ernüchternden Situation um uns herum viel Spaß an diesem Tag.

Erschreckend war auch die Reaktion der Trump-Basis, die die durchaus rassistischen und beleidigenden Worte ihres Führers relativierten. So spreche man eben in der Kneipe, so sehen „Amerikaner“ diese unterentwickelten Orte, Trump verstehe einfach seine Wähler und drücke das aus, was sie denken. So, die einhellige Meinung auf FOXNews. Nun, ich bin auch Amerikaner, selbst Immigrant, wenn auch nicht aus einem „Shithole Country“, doch ich kenne einige der Länder, die unter den Trumpschen Hammer kamen: Niger, Somalia, die Demokratische Republik Kongo, den Tschad. Der Grund, warum Menschen fliehen, zu Flüchtlingen werden, ihre Heimat verlassen, ist sicherlich nicht der, dass sie meinen in den USA ein Lotterleben führen zu können. Oftmals hängt der Grund für die Flucht oder die Eskalation der Situation vor Ort auch mit der amerikanischen Außenpolitik zusammen. Wenn man, wie Trump, die Diplomatie nun fast nur noch auf Militäreinsätze und militärische Drohgebärden beschränkt, offene Stellen in den Botschaften nicht besetzt, wichtige Entwicklungshilfegelder kürzt oder ganz streicht, der braucht sich nicht zu wundern, wenn Menschen sich auf den Weg machen. Niemand wird geboren um ein Flüchtling zu werden.