Die Demontage Amerikas

Ein Präsident einer Minderheit. In welcher Bananenrepublik leben wir eigentlich? Der „Leader of the free world“ zeigt Respekt vor dem nordkoreanischen Diktator, weil der sich mit weiteren Provokationen zurück hält und gleichzeit beschimpft, beschuldigt, verurteilt er alle, die in diesem Land keine Trumpschen Speichellecker sein wollen. weiter lesen

Das fliegende Schwein im Konzert

Pink Floyd gehören zweifellos zu den besten, einflussreichsten und erfolgreichsten Bands der Musikgeschichte. Ihre Alben sind Rockklassiker, die zeitlos sind. Der Kopf der Band, Roger Waters, fand immer die richtigen Worte, auf  „Dark side of the moon“, „Wish you were here“, „The Wall“ und „The Final Cut“. Aber auch auf Solopfaden begeisterte Waters mit seiner direkten Ausdrucksweise. Für mich eine der besten Platten ist „Amused to Death“, ein genialer Seitenhieb auf die moderne Mediengesellschaft.

Und nun meldet er sich mit „Is this the life we really want?“ zurück. Erneut eine brillante Platte, für die er sich sehr viel Zeit nahm. Doch die Lieder an sich erregen die Konservativen im Land nicht. Da scheinen sie nicht genau hinzuhören. Es ist vielmehr die dazugehörige Tour von Roger Waters, die die Trump-Fans auf die Palme bringen und sie nach einem Pink Floyd Boykott schreien lassen. Klar, verbrennt Eure Pink Floyd Platten! Rogers Waters bezieht in den Konzerten eine klare Stellung gegen Präsident Donald Trump, da fliegt das bekannte „Schwein“ aus der „Animals“ Ära mit Trumps Bild durch den Saal. Die ersten Rufe nach einem Einreiseverbot des Musikers wurden schon auf FOXNews laut. Roger Waters grinst sich einen, denn ein Boykott gegen seine Platten sind ein lächerlicher Versuch Kritik eines Ausnahmekünstlers zu unterdrücken.

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Auch eine deutsche Band ist unter den deutlichen Kritikern des derzeitigen US Präsidenten. KMFDM, die Industrial-Elektronik-Metal Formation des Hamburges Sascha Konietzko, veröffentlicht im August ein neues Album, eine US Tour ist für den Herbst geplant. KMFDM nahmen auf ihren Platten und in ihren Konzerten nie ein Blatt vor den Mund, sie sprechen das an, was da „oben“ schief läuft. Eine ihrer politischsten Alben kam zur Zeit von George W. Bush auf den Markt und hieß „WWIII“, ein brillantes Werk, das an Deutlichkeit kaum zu überbieten war. Darauf auch „Stars and Stripes“, alles andere als ein patriotisches Lied in der Bush-Ära. KMFDM haben begeisterte und engagierte Fans weltweit, einer davon hat nun genau diesen Song mit neuen Bildern unterlegt, die treffender, passender und vernichtender nicht sein könnten. Donald Trump wird diese bildliche Version von KMFDMs „Stars and Stripes“ wohl kaum mögen, es lohnt sich, den Text mitzulesen:

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Der König feiert sich selbst

Nach dem G20 Treffen feiert sich Donald Trump selbst und lässt sich feiern. Alles sei „great“ gewesen, er habe für Amerika gekämpft. Und auch einige im republikanischen Lager sehen das so, priesen den „Commander in Chief“ als großen Führer und dankten ihm für seine Rolle in Warschau und Hamburg. Der Schocker kam vom früheren Senator Bob Dole, der die Amerikaner in einer Stellungnahme dazu aufforderte „stolz“ auf Donald Trump zu sein. Nun sei es Zeit gemeinsam die Probleme der Welt anzugehen. Natürlich schmeichelte das Trump und er gab diesen Brief nur zu gerne via Twitter an seine „Follower“ weiter.

Auch bei FOXNews blies man größtenteils ins Trump-Horn. Dort hieß es, das Russland Kapitel sei nun abgeschlossen, wenn die Demokraten da weiterhin dranblieben, hiesse das, sie wollten wohl einen Krieg mit Russland. Trump selbst präsentierte seine Unterhaltung mit seinem russischen Kollegen als produktiv, gemeinsam wolle man nun Cyber-Angriffe verhindern. Diese Forderung allerdings brachte den Senator Marco Rubio auf die Florida Palme. Dann könnte man ja auch gleich mit dem syrischen Präsidenten Assad eine Task Force zur Verhinderung des Einsatzes von chemischen Waffen aufbauen. Aufgestoßen ist allerdings einigen bei Demokraten und Republikanern, dass Ivanka Trump am Tisch der Mächtigen Platz nahm, als Donald Trump den Raum verließ. Gefragt wurde, was wohl passiert wäre, wenn Bill Clinton seinerzeit bei einem solchen Treffen seine Tochter Chelsea dort platziert hätte. Trump sei ein diplomatischer Tölpel, das habe dieser Zwischenfall erneut gezeigt.

Trump konnte es am Sonntag auch nicht lassen mal wieder gegen seinen Amtsvorgänger Barack Obama zu pöbeln. Der hätte nichts gegen die Cyber-Angriffe unternommen, obwohl er davon gewusst habe. Trump bleibt Trump, vor und eben auch nach dem G20 Gipfel

Trump und die blutenden Frauen

Er kann es einfach nicht lassen. Kritik an seiner Person und seiner Politik beantwortet Donald Trump mit Tiefschlägen, persönlichen Angriffen, peinlichen Verbalausfällen. Erneut ist das heute morgen passiert. Trump nutzte sein Sprachrohr Twitter, um gegen die MSNBC Moderatoren Joe Scarborough und Mika Brzezinski auszuteilen.

Bislang galt der Donald als Stammzuschauer der Sendung „Morning Joe“, gerne gab er im Wahlkampf und auch in der Übergangszeit Interviews. Die Sendung wird im politischen Washington viel gesehen und beachtet. Diesmal jedoch ist Trump in Amt und Würden. Einige republikanische Senatoren reagierten prompt und deutlich auf Trumps peinliche Tweets, darunter die Republikaner Lindsey Graham und Ben Sasse.

Trump hatte bereits im Wahlkampf den verbalen Blutangriff gewählt, damals nach einer Fernsehdebatte der republikanischen Kandidaten tweetete er, er sei ungerecht behandelt worden. Blut sei aus allen Poren der FOXNews Moderatorin Megyn Kelly geflossen. Der Skandal war perfekt, einer von vielen im Wahlkampf und mit Trump, aber das führte bekanntlich zu nicht viel.

NBC reagierte geschockt. Der Vize-Präsident des Senders, Mark Kornblau, antwortete auf Twitter: „Ich hätte nie gedacht, dass es einen Tag geben würde, an dem ich mir denke, es ist unter meiner Würde dem Präsidenten der Vereinigten Staaen zu antworten.“ Eine Sprecherin von MSNBC erklärte: „Es ist ein trauriger Tag für Amerika, wenn der Präsident seine Zeit damit verbringt, andere zu schikanieren, Lügen zu verbreiten und billige persönliche Angriffe zu fahren anstelle seinen Job zu tun.“

Die angegriffene Moderatorin Mika Brzezinski gab sich hingegen ganz gelassen und zwar mit einem Bild-Tweet, das Trump noch weiter ärgern wird. Seine kleinen Hände kommen mal wieder zur Sprache, anscheinend stimmt wohl doch, was man über Männer mit kleinen Händen sagt:

Donald Trump schaut zu viel FOXNews

Man stelle sich vor, Donald Trump wacht früh morgens alleine und im Seidenpyjama in seinem Bett im ersten Stock des Weißen Hauss auf. Seine Frau Melania ist ja noch in New York, wahrscheinlich teilen sie sich auch dort kein Schlafzimmer, denn der Donald hat die Angewohnheit nachts fern zu sehen und wild auf seinem Telefon rumzuhacken. Die Frisur ist an diesem Morgen etwas verschoben, Trump greift zur Seite, nimmt die Fernbedienung vom Nachttisch und schaltet den Fernseher an. FOXNews natürlich, denn das ist der Kanal, den der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika schaut, liebt und lobt.

Das ist nun ein etwas ausgeschmücktes Bild eines Morgens im Schlafzimmer des amerikanischen „Commander in Chiefs“. Fakt ist aber, dass Donald Trump den konservativen und verschwörerischen Nachrichtensender am liebsten sieht und das täglich. Das ist sogar nachweisbar, denn die Tweets zu Themen, die FOXNews am Morgen aufgegriffen hat, seien sie noch so abwegig, tauchen kurz darauf in Trumps 140 Zeichen Wutnachrichten auf, für alle Welt zu lesen.

Der Murdoch-Sender ist derzeit auf einer Mission: Trump schönreden, ihn als Opfer der verhassten „Mainstream Media“ darzustellen, ihn als klugen, weitsichtigen Mann zu präsentieren, als Washington-Außenseiter, als einen erfolgreichen Geschäftsmann, der seinen Weg geht und natürlich ist das der richtige Weg für Amerika. Bislang fehlt nur noch der morgendliche Kinderchor, der die Hymne anstimmt: „Make America Great Again“.

Donald Trump sieht sich als Opfer. In dieser Rolle fühlt er sich allerdings wohl. Denn aus dieser vermeintlichen Defensivposition kann er austeilen, wild um sich schlagen, Tiefschläge setzen. Und die setzt er nur zu gerne, auch wenn sie oftmals unüberlegt kommen. Seine Lieblingsgegner sind die Medien mit ihren „Fake News“, Barack Obama und Hillary Clinton, was wäre Trump nur ohne diese Hassbilder? Daran hält er fest, kommentiert, zwitschert sich einen und nutzt eigentlich jede öffentliche Rede, um wieder alte Geschichten aufzukochen und seien die schon längst vom Tisch gewesen. Trump hält zum Beispiel nach wie vor daran fest, dass Obama seinen Trump Tower in New York abhören ließ. Beweise dafür gibt es nicht. Sein Argument ist oftmals, „people are talking“, aber wer diese Leute sind, das sagt er nicht. Oder eigentlich doch mit seinen Tweets am Morgen – Moderatoren und Gesprächspartner auf FOXNews.

Trump und seine „Meinungsfreiheit“

Eigentlich hat die Leitung der UC Berkeley all das gemacht, was richtig ist. Sie hat erlaubt, dass ein selbsterklärter Provokateur, Hassprediger und Rassist auf dem Campus der weltbekannten Universität sprechen darf. Die republikanische Studentengruppe hatte Milo Yiannopoulos („ich bin die gefährlichste Schwuchtel“) zum zweiten Mal eingeladen um hier zu hetzen, nur drei Blocks vom „Free Speech Park“entfernt in dem in den 60er Jahren die „Free Speech Movement“ begann. Die freie Meinungsäußerung ist in Berkeley das höchste Gut. Dafür ist Berkeley bekannt, darauf berief sich auch der Kanzler der Uni, Nicholas Dirks: „Die Verfassung der USA verbietet es der UC Berkeley, als öffentliche Einrichtung, Meinungsäußerungen zu verbieten aufgrund des Inhalts oder der Sichtweise, auch wenn diese Sichtweisen noch so hasserfüllt und diskriminierend sind“.

Viele Studierende wollten sich damit jedoch nicht abfinden und organisierten eine Protestveranstaltung und Blockade, um Yiannopoulos‘ Auftritt zu verhindern. Das gelang auch, doch unter die Studenten mischte sich ein „schwarzer Block“, Autonome, die auf Krawall und „Krieg“ aus waren, wie es einer der Teilnehmer formulierte. Schaufenster wurden eingeschmissen, Müllcontainer in Brand gesteckt, Autofahrer angegangen. Es kam zu heftigen Auseinandersetzungen mit der Campuspolizei. Die sah sich genötigt polizeiliche Unterstützung von anderen Unis und der Oakland Polizei anzufordern. Nachdem die Uni-Leitung die Veranstaltung mit Yiannopoulos schließlich absagte, schwappte die Gewalt auf angrenzende Straßen über.

Milo Yiannopoulos sah sich als Opfer, als jemand, der von den „Linken“ in seinem Grundrecht auf Meinungsfreiheit behindert werde. Während auf dem Campus noch gekämpft wurde, war der Rechtsaußen Aktivist live per Telefon auf FOXNews zu hören. Yiannopoulos ist nicht einfach ein Provokateur. Er hetzt gegen Ausländer, gegen Andersdenkende, gegen Muslime, gegen eigentlich alles für was die liberale UC Berkeley steht. Und er hat auch ein Stipendium „nur für weiße männliche Studenten“ ins Leben gerufen. Yiannopoulos ist darüberhinaus Kommentator auf der Webseite Breitbart News und erklärter Trump Unterstützer, den er auch „Daddy“ nennt. Breitbart News kennt man mittlerweile, denn deren früherer Boss, Steve Bannon, ist nun Chef-Stratege und sitzt als Sicherheitsberater an der Seite von Donald Trump im Weißen Haus. Trump sah sich deshalb wohl auch dazu berufen, zu den Ausschreitungen in Berkeley zu twittern und der Uni ganz offen mit Finanzkürzungen zu drohen, wenn man in Berkeley die Meinungsfreiheit nicht zulasse. Trump zeigt erneut, dass er keine Ahnung hat, sich nicht informiert hat und schnell 140 Zeichen in die Welt rausgehackt hat.

„Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden“, heißt das berühmte Zitat von Rosa Luxemburg. Aber wie weit geht diese Freiheit? Fällt darunter auch Hetze, Hass und Provokation? Milo Yiannopoulos kam nicht nach Berkeley, um hier friedlich zu diskutieren, seine Sicht der Dinge darzulegen. Er kam, um genau das zu erreichen, was er erreicht hat. Die Absage der Veranstaltung, brennende Müllcontainer, eingeschlagene Schaufenster, eine Schlacht zwischen Polizei und einem auf Gewaltexzessen ausgerichteten „schwarzen Block“. Das wurde ganz deutlich mit seinem schnellen Anruf zu FOXNews und der Live-Schaltung auf dem Trumpschen Haussender. Der 32jährige hatte seine Bilder und seine Schlagzeilen, die für einen wie ihn Gold wert sind. Auf Breitbart selbst hieß es: „The Night Berkeley Betrayed The Free Speech Movement“.

Für Milo Yiannopoulos und auch für Donald Trump bedeutet Meinungsfreiheit das Recht ungefragt und ungestraft zu Hetzen, zu Lügen, Hass zu verbreiten. Doch das ist nicht die Meinungsfreiheit, für die in den 60er Jahren in Berkeley gekämpft wurde. Ganz sicher sogar nicht!

 

 

Der Radiokönig mag den Immobilienhai nicht

Vor etlichen Jahren, als ich noch eine Antenne am Auto hatte, war ich begeisterter Mittelwellenhörer. Talk Radio war für mich die beste Unterhaltung auf der Fahrt. Die konservativen und politisch abgedrifteten Sean Hannity und Rush Limbaugh, Michael Savage und Barbara Simpson. Und nachts „Coast to Coast AM“ mit Art Bell und George Noory, die über UFOs, Außerirdische, Spuk und Geister, Leben nach dem Tod und allerhand Übernatürlichem sprachen.

Irgendein Depp hat mir jedoch die Antenne abgebrochen, damit änderten sich auch meine Hörgewohnheiten im Auto. Wenn ich heute mal durch Zufall die konservativen Talk Show Köpfe anhöre, kann ich so gar nicht verstehen, wie ich das früher manchmal für Stunden hören konnte, nein, wie ich das ausgehalten habe. Ein Geschrei ist das, ein Geschimpfe, ein Gezeter und an allem sind Barack Obama und Hillary Clinton Schuld. Sean Hannity ist nicht nur in seiner Talksendung, sondern auch in seiner Fernsehsendung auf FOXNews zum Sprachrohr von Donald Trump geworden. Das ist eine Lobhudelei, wie man sie nur selten vernehmen kann.

Rush Limbaugh mit seiner späten Einsicht über Donald Trump. Foto: Reuters.

Rush Limbaugh mag Donald Trump nicht. Foto: Reuters.

Heute jedoch las ich in einem Artikel – und hörte es mir dann auch selbst an -, dass der König der Rechtsaußenmoderatoren, der selbsternannte Hüter der konservativen Werte, Rush Limbaugh, zugab, dass Trump eigentlich kein Konservativer sei, damit kein richtiger Kandidat für die republikanische Partei. Die Einsicht kommt reichlich spät, gerade auch, wenn man

bedenkt, dass viele in der konservativen Bewegung und auch in der Partei monatelang im Vorwahlkampf die Quasselköpfe im Talk Radio händeringend gebeten hatten, doch endlich mal Klartext über Trump zu reden. Doch nichts geschah. Einer nach dem anderen der eigentlichen konservativen Kandidaten stieg aus dem Rennen um das Weiße Haus aus. Am Ende blieb Donald Trump stehen, der so gar nicht in das Bild der republikanischen Partei passte und passt. Limbaugh hatte sich einfach zu lange auf Hillary Clinton eingeschossen, ohne die Konsequenzen seiner Trumpschen Sprachlosigkeit zu erkennen.

Limbaugh erklärte nun seiner Millionenhörerschaft, dass einige der von Trump vorgeschlagenen Sozialprogramme nichts, aber auch gar nichts mit einer konservativen Überzeugung zu tun hätten. Rush Limbaugh hat durchaus Einfluss, aber erreichen wird er mit seinem späten Klarblick nicht viel. Das Problem ist nämlich nun, dass viele Republikaner und Konservative im Land sich eigentlich eingestehen müssten, dass Limbaugh richtig liegt, was bedeutet, dass sie sich in den letzten Monaten vom Schmierentheater des Donald Trump einlullen ließen. Das, so denke ich mal, werden nicht viele tun. Auch ist die Alternative Hillary Clinton für sie Welten entfernt. Eher würden sie sich die Hand abhacken, als ihre Stimme der verhassten Demokratin zu geben. Das Kasperltheater, das man hier Wahl nennt, dauert weiter an.

Die Welt ist so einfach

Donald Trump ist durch. Und das mit einem inhaltslosen Wahlkampf. Trump fiel im letzten Jahr vor allem durch Angriffe auf seine Mitkonkurrenten auf, weniger für seine Ziele und Programme. Denn „Wir bauen eine Mauer“, „Wir lassen keine Moslems mehr ins Land“, „Wir bomben den IS in die Steinzeit“ und vor allem „Wir machen Amerika wieder großartig“ bewerte ich nicht gerade als eine sehr zukunftsweisende, überdachte und zielgerichtete Politik.

Donald Trump und die heile, amerikanische Welt. Foto: Reuters.

Donald Trump und die heile, amerikanische Welt. Foto: Reuters.

Interessant ist derzeit, was bei den Republikanern passiert. Auf der einen Seite distanzieren sich mehr und mehr Parteimitglieder von Trump, betonen, wie die Bushs, Mitt Romney und John McCain, sie werden den Milliardär nicht unterstützen. Und dann sind da auf der anderen Seite jene, die nun Donald Trump über den Klee loben. Allen voran der konservative Nachrichtenkanal FOXNews.

Moderator Sean Hannity lädt nun regelmäßig Gesprächspartner ein, die Donald Trumps Sichtweise erklären. Er sagt: „Wir bauen eine Mauer“. Und die Gäste holen dann aus, dass das ein wichtiger Beitrag zur nationalen Sicherheit sei, Amerikaner schütze, Terroristen, Drogendealer und illegale Grenzgänger fernhalte. Sie führen Zahlen und Statistiken an, sagen eigentlich all das, was Donald Trump nicht gesagt hat. Und dieses Spielchen wiederholt sich. Trump haut etwas raus und Hannitys Gäste erklären das für das FOXNews Publikum.

Das ist ungefähr so, als wenn ich mir an einem heißen Sommertag ein Eis kaufe und „lecker“ sage. Jemand beobachtet mich dabei und meint dann, das sei ein kluger Mann, er behält in dieser Hitze einen kühlen Kopf. Mit diesem Eis, gekauft beim kleinen Laden an der Ecke, unterstützt er dessen Familie, damit die Kinder später aufs College gehen können. Eine Erklärung, die da nicht hingehört.

Donald Trump wird derzeit viel unterstellt. Von beiden Seiten. Die einen spinnen das Bild von einem rassistischen, frauenfeindlichen, unkalkulierbaren, unerfahrenen und selbstverliebten Milliardär. Die anderen sehen in ihm den erfolgreichen Geschäftsmann, den Außenseiter, den Klartextredner, der vor niemandem und nichts zurückweicht. Genau so einen bräuchte das Land, heißt es.

Und Donald Trump selbst scheint zu glauben, er sei der Heilsbringer, auf den dieses Land, ja die Welt gewartet hat. Anders läßt sich sein Auftreten nicht deuten. Spannend wird nun in den kommenden Monaten sein, wie Trump sich „präsidial“ geben wird, ob er das überhaupt kann? Denn eigentlich wollen seine Fans das gar nicht. Sie wollen den Provokateur, der lauthals andere beschimpft, der einen US Senator mit „Little Mario“ abtut, der einen ehemaligen Gouverneur, Sohn und Bruder zweier Präsidenten mit „low energy“ umschreibt, der einen Mitkonkurrenten nur als „Lying Ted“ betitelt. Trumps Anhänger wollen solche wahrlich bescheuerten Vorschläge von der Mauer und den Flächenbombardements, den Grenzkontrollen für Moslems, dem Ausstieg aus NATO und UN lautstark feiern. Und sie wollen die Welt nicht erklärt bekommen, sie wollen es nur kurz und knapp in provokanten Tönen hören.

Trump redet von einem Amerika, das es schon lange nicht mehr gibt, vielleicht auch nie gegeben hat. Eine Illusion, wie dieser „American Dream“, der hier immer und immer wieder beschworen wird. „We’ll make America great again“, was soll das eigentlich heißen? Trump schwärmt von einem Land, wie es vielleicht in den 50er Jahren einmal war. Als die Autoindustrie in Detroit boomte, die Schlote der amerikanischen Industrie qualmten, die USA das gelobte Land waren. Für Weiße wohlgemerkt. Damit will ich nicht sagen, dass Trump ein Rassist ist, er beschreibt vielmehr eine heile, amerikanische Scheinwelt, die es so nie gab und nie geben wird. Doch genau auf diesem Bild ist Amerika aufgebaut, vom Tellerwäscher zum Millionär, „God’s Country“ und „the best place on earth“. Für Außenstehende wirkt das anmaßend, befremdlich, ja, abstoßend. In diesem Wahlkampf wird jedoch deutlich, dass noch immer ein Teil der Amerikaner genau diese Mär von der großen Nation hören will. Trump kam, sah und lieferte. Zu hoffen ist nur, dass er nicht auch noch damit siegt.

Republikaner gegen Trump

Das waren wirklich 24 fette Stunden. Ben Carson steigt aus, Mitt Romney und John McCain warnen das amerikanische Wahlvolk in sehr direkter Art und Weise vor Donald Trump und dann schießen sich die Moderatoren von FOXNews in der elften Debatte der republikanischen Kandidaten auf den Außenseiter und Milliardär ein. Nach dem Super-Tuesday wird Trump nun offen bekämpft. Er gilt als die größte Gefahr für die Republikaner in Washington DC.

"Ich habe keine kleinen Hände und auch nichts anderes, was klein ist", erklärte Donald Trump. Foto: Reuters.

„Ich habe keine kleinen Hände und auch nichts anderes, was klein ist“, erklärte Donald Trump. Foto: Reuters.

Vergessen ist die Tea Party Fraktion, die seit Jahren politische Entscheidungen blockiert. Ihr Grund, sie hassen ganz offen und ehrlich Präsident Barack Obama. Der wird mal als Sozialist, als Nazi, als unamerikanisch, als Nigger, als schwul, bisexuell, als Verräter, Callboy und Leichtgewicht bezeichnet, all das zählt nicht in den republikanischen Reihen. Große Aufregung darüber gibt es weder vom Establishment der Partei, nicht von den Verfassungsfetischisten in der GOP und auch nicht von den erzkonservativen Christen in den Reihen der Republikaner. Alles halb so wild, denn es geht ja gegen den ersten afro-amerikanischen Präsidenten, der noch nicht mal so richtig schwarz ist.

Nun also Trump, und ich will ihn wirklich nicht in Schutz nehmen. Aber was die Republikaner derzeit liefern, ist ein einziges Tohuvabohu. Man verweist bei der GOP immer auf die Partei von Lincoln und Reagan, doch seien wir mal ehrlich, die beiden Präsidenten würden sich im Grab umdrehen, um diesen Wahlkrampf nicht sehen zu müssen. Es ist ein kindisches Scharmützel, in dem der eine vom „kleinen Mario“ redet, der andere von Trumps „kleinen Händen“ und einem bei den Ausführungen des Texaners im Bund angst und bang‘ wird. Nur Ohios Gouverneur John Kasich macht da Sinn, doch der hat keine Chance.

Die Wahl in den republikanischen Reihen scheint zwischen Luzifer, Beelzebub und Mephisto zu sein. Am Ende wird einer der drei in den Wahlkampf ums Weiße Haus ziehen, der da wirklich nicht hingehört. Das klingt hart, aber Rubio, Trump und Cruz lassen all das vermissen, für was Amerika im Laufe der Geschichte steht. Der heutige Tag und die heutige Debatte haben das erneut ganz deutlich gemacht. Die Republikaner sind nur noch ein Verbund aus Splittergruppen, unfähig zu regieren, unfähig Kompromisse zu schließen, unfähig tiefe Gräben zu überwinden, unfähig dieses Land wieder zu einen und unfähig, eine Führungsrolle in der Welt zu übernehmen.

Die Republikaner können auch anders

Eine richtige Debatte ohne Donald Trump. Foto: Reuters.

Eine richtige Debatte ohne Donald Trump. Foto: Reuters.

Ich dachte schon; „Oh, Graus“. Eine republikanische Debatte ohne den Unterhaltungskönig Donald Trump. Das ist ja wie Stromberg ohne Stromberg. Aber so schlimm wurde es dann doch nicht. Die sieben verbliebenen Kandidaten – Ted Cruz, Marco Rubio, Jeb Bush, Ben Carson, Rand Paul, Chris Christie und John Kasich – lieferten doch tatsächlich so etwas wie eine politische Debatte. Es gab manchmal ein Hin und ein Her, es wurden Standpunkte verteidigt, erklärt, darum gestritten. Und sicherlich gab es auch Angriffe der Kandidaten, aber eben keine Verbaltiefschläge a lá Trump. Die Republikaner können also debattieren, wenn sie denn wollen und gelassen werden.

Der Donald, der eigentlich nicht auf der Bühne sein wollte, war dennoch da. Sein Name wurde mehrmals genannt, es drehte sich auch öfters mal um seine Sicht der Dinge. Und dann hatte Trump ja auch noch kurzerhand eine Konkurrenzveranstaltung aus dem Boden gestampft. Zeitgleich lief eine Benefiz-Veranstaltung für US Veteranen, auf der die Donald-Show so richtig ins Laufen kam. Trump als Gönner, der für die „Wounded Warriors“-Stiftung fünf Millionen Dollar einsammelte.

Schon vor der Debatte am Donnerstagabend und nach seiner Ankündigung nicht mit den anderen auf der Bühne stehen zu wollen, hatte er das Rampenlicht gesucht. Interview folgte auf Interview, zuletzt wenige Minuten vor seinem eigenen Auftritt für die Veteranen im Privatjet mit CNN. Der Nachrichtensender übertrug dann pikanterweise auch zeitgleich zur FOXNews Debatte die One-Man-Show des Multimilliardärs. Ich bin so langsam wirklich gespannt, wie die ersten Wahlen in Iowa und dann New Hampshire ausgehen werden. Danach wird sich das Feld deutlich verkleinern. Dann wird sich zeigen, ob sich eine vielleicht geeinte republikanische Partei noch gegen den Egozentriker Trump wehren kann.