Meine Reisen in die „Shitholes“ dieser Welt

Donald Trump erklärte Länder wie Haiti, El Salvador und afrikanische Länder zu „Shitholes“. Damit trat er einen „Shitstorm“ los, um beim Thema zu bleiben. Die Aufregung am Donnerstag war groß. Trump reagierte am Freitagmorgen und tweetete wie immer eine Antwort. Klar, alles sei gelogen.

Er habe niemals schlecht über Haiti gesprochen, denn er habe ja eine „wunderbare Beziehung“ zu den Menschen dort. Kein Wort von El Salvador oder den afrikanischen „Dreckslöchern“, die von Trump ebenso benannt wurden. Anscheinend steht der Präsident zu seiner Meinung, obwohl er bislang weder die Länder noch die Menschen dort kennengelernt hat. Aber die Aussage ist nur eine von vielen rassistischen Äußerungen Donald Trumps. Überraschend kam sie nicht (mehr).

Das Haus wurde mir von der Dorfgemeinschaft in einer kleinen Gemeinde im südlichen Niger angeboten. Wir hatten trotz der ernüchternden Situation um uns herum viel Spaß an diesem Tag.

Erschreckend war auch die Reaktion der Trump-Basis, die die durchaus rassistischen und beleidigenden Worte ihres Führers relativierten. So spreche man eben in der Kneipe, so sehen „Amerikaner“ diese unterentwickelten Orte, Trump verstehe einfach seine Wähler und drücke das aus, was sie denken. So, die einhellige Meinung auf FOXNews. Nun, ich bin auch Amerikaner, selbst Immigrant, wenn auch nicht aus einem „Shithole Country“, doch ich kenne einige der Länder, die unter den Trumpschen Hammer kamen: Niger, Somalia, die Demokratische Republik Kongo, den Tschad. Der Grund, warum Menschen fliehen, zu Flüchtlingen werden, ihre Heimat verlassen, ist sicherlich nicht der, dass sie meinen in den USA ein Lotterleben führen zu können. Oftmals hängt der Grund für die Flucht oder die Eskalation der Situation vor Ort auch mit der amerikanischen Außenpolitik zusammen. Wenn man, wie Trump, die Diplomatie nun fast nur noch auf Militäreinsätze und militärische Drohgebärden beschränkt, offene Stellen in den Botschaften nicht besetzt, wichtige Entwicklungshilfegelder kürzt oder ganz streicht, der braucht sich nicht zu wundern, wenn Menschen sich auf den Weg machen. Niemand wird geboren um ein Flüchtling zu werden.

Jobs sind dann wohl doch nicht alles

Frühmorgens in Washington. Alles schläft noch, nur einer ist schon wach. Donald Trump sitzt vor dem Fernseher und schaut seine Lieblingssendung an – Fox & Friends. Das, was er da sieht, animiert den 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika Tag für Tag zum Sonnenaufgang ein oder zwei oder auch drei oder mehr Tweets in die Welt zu schicken. Amerika sollte wissen, was er denkt und über was an diesem Tag geredet werden soll.

Vor ein paar Stunden war es mal wieder so weit. Donald Trump tweetete, dass die Arbeitslosenzahlen von Afro-Amerikanern seit seiner Amtsübernahme gefallen sind. Natürlich auf ein historisches Tief. Und auch die „Hispanics“ im Land würden wieder mehr zu arbeiten haben. Trump ganz Trump bezieht das natürlich auf sich und zeigt sich etwas verärgert darüber, warum diese Wählergruppen für die Demokraten gestimmt haben und nicht für ihn.

Was Donald Trump hier allerdings etwas außer acht lässt, ist die Tatsache, dass seine Wahlkampfversprechen und seine jetzige Politik alles andere als „pro amerikanisch“ sind. Da kann er noch so viel „America First“ schreien, jubeln, jauchzen. Amerika ist ein Land der Immigranten, der verschiedenen Hautfarben, der verschiedensten Ethnien und Kulturen. Die USA sind nicht nur die „United States of America“, sondern vor allem die „United Shades of America“. Und das übersieht Trump nur zu gern, in dem er amerikanisch als das definiert, was er als amerikanisch betrachtet.

Auch will er nicht wahrhaben, dass seine Politik der Steuersenkung massive Konsequenzen gerade für afro-amerikanische und Latino Nachbarschaften hat und haben wird. Kürzungen bei Sozialprogrammen, im Schulwesen, beim sozialen Wohnungsbau, beim Jobtraining, bei Fördermaßnahmen, all das und mehr trifft nicht nur Schwarze und „Hispanics“ im Land, das wird auch viele der Trump-Wähler treffen, die sich von seinen Versprechungen blenden ließen und leider noch immer blenden lassen. Es gehört eben mehr dazu als unaufhörlich „America First“ und „Make America Great Again“ zu predigen, fast täglich auf den steigenden Dow-Index zu verweisen (der Trump noch reicher werden lässt), und „Jobs, Jobs, Jobs“ zu rufen, um Wählerinnen und Wählern zumindest das Gefühl zu geben, dass sie nicht übergangen werden. Mit seiner Politik, seinen Aussagen und seinem Auftreten macht der Präsident deutlich, dass er kein Interesse daran hat, der Präsident aller Amerikaner zu sein. Er regiert und handelt für sich, seine „Berater“ und seiner ihm ergebenen Basis.

Es brennt an allen Fronten

In gerade mal zweieinhalb Stunden schaffte es Donald Trump am Dienstag im eigenen Land die Grundfesten der Demokratie weiter auszuhöhlen und international die Lunte an gleich zwei Megakrisen zu halten. In gleich mehreren Tweets vollführte er den Rundumschlag gegen alles und jeden. Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika will Medien, die ihm nicht passen, die keine Hofberichterstattung veranstalten, die kritisch über ihn und seine Adminstration berichten „auszeichnen“. Es geht ihm um „Unehrlichkeit“ und „schlechte Berichterstattung“ der „Fake News Medien“. Auf einer Veranstaltung am kommenden Montag will er seine „Preisträger“ verkünden. Was kommen wird ist klar, eine Schmusekurs mit FOXNews, Breitbart und Washington Times und eine Anprangerung der New York Times, der Washington Post, von CNN, NBC, ABC und CBS. Trump macht damit einen auf Erdogan. Der Schulterschluss zwischen King Donald und Sultan Recep.

Schon zuvor hatte Trump ausgeholt und das internationale Parkett für seine Verbalattacken genutzt. Erst die Palästinenser und dann Nordkorea. Er droht mit Kürzungen von Geldern und ganz offen mit einem nuklearen Schlag gegen das Kim-Regime. Trump zündelt auf dem Globus mal hier, mal da. Die Folgen sind noch nicht abzusehen, aber, dass dieser Kurs ein friedliches Ende finden wird, daran glauben in den USA immer weniger Menschen.

Donald Trump wird zum gefährlichsten Mann in Amerika, gerade weil er unkalkulierbar und populistisch regiert. Trump ist der Präsidenten seiner „Red States“ und sieht sich nicht als Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Er regiert für seine Basis, die ihm zujubelt, egal, was für unlogische, gefährliche und schlichtweg falsche Entscheidungen er auch treffen mag. Die Frage, die ich mir immer öfters stelle ist, wie werden die USA nach diesem Präsidenten aussehen, der ein Land in kürzester Zeit zerlegt, verändert, unüberbrückbar spaltet? Ich kann, ich will es mir gar nicht vorstellen.

Voice FROM America

Die Dauerangriffe gegen CNN gehen weiter.

Donald Trump tweetete vor ein paar Tagen, dass der von ihm verhasste Nachrichtenkanal CNN die USA im Ausland schlecht darstelle. Er meint wohl, ein amerikanischer Sender müsse Jubelhymnen auf den Präsidenten, „God’s Country“ und sein ausgerufenes Mantra „America First“ in die Welt posaunen. So, und nicht anders habe ein US TV-Sender zu arbeiten, das zumindest lässt sich aus diesen Tweets lesen, die der 45. Präsident der Vereinigten Staaten gerne in den Morgenstunden beim „Genuss“ von „Fox and Friends“ raushaut.

Trump in seiner ganzen Kurzsichtigkeit übersieht dabei allerdings, dass nicht CNN International das Amerika-Bild in die Welt trägt, sondern Hunderte (Tausende?) von festen und freien ausländischen Korrespondenten, die aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten berichten. Doch das ist nichts Neues, dass internationle Journalisten, die hier leben und arbeiten, nicht von den Amerikanern wahrgenommen werden, schon gar nicht von den politischen Entscheidungsträgern. Unter Trump hat sich das allerdings noch einmal kräftig verstärkt. Hinterm amerikanischen Horizont geht es für viele hier nicht mehr weiter.

Übersehen wird, dass Korrespondenten, die für ausländische Medien arbeiten, tagtäglich ihre Eindrücke und Erfahrungen, ihre Analysen und Zusammenfassungen aus diesem Land übermitteln. Die USA zu erklären war schon immer kein leichtes Unterfangn. Obwohl uns Deutsche mit den Amerikanern viel verbindet, sah ich es auch immer als meine Aufgabe an, Hintergründe zu liefern, Einschätzungen zu geben, Entscheidungen und Ereignisse einzuordnen. Unter Trump erreicht das alles noch einmal eine ganz andere Dimenson, die oft ins Surreale kippt. Eine Nation, die von einem Twitter-Präsidenten regiert wird, der die eigenen Grundfesten der Demokratie unterhöhlt, wie will man das erklären? In der heutigen Berichterstattung aus den USA unter Donald Trump geht vieles verloren, was dieses Amerika so spannend und interessant macht. Alles wird auf einmal durch das Trump’sche Brennglas gesehen. Selbst eine unschuldige Ausstellung im de Young Museum von San Francisco über die Schätze aus der Ruinenstadt Teotihuacan erhält in diesen Wochen und Monaten einen politischen Spin. Trump ist der Newskönig geworden, über ihn und seine Folgen dreht sich die Berichterstattung aus den USA, er prägt das Bild Amerikas in diesen Tagen. Und das wird eben nicht (nur) von CNN International in die Welt getragen, sondern vor allen von internationalen Korrespondenten, die, zumindest bislang von Trump noch ungescholten und ungehindert, aus diesem Land berichten.

Die Demontage Amerikas

Ein Präsident einer Minderheit. In welcher Bananenrepublik leben wir eigentlich? Der „Leader of the free world“ zeigt Respekt vor dem nordkoreanischen Diktator, weil der sich mit weiteren Provokationen zurück hält und gleichzeit beschimpft, beschuldigt, verurteilt er alle, die in diesem Land keine Trumpschen Speichellecker sein wollen. weiter lesen

Das fliegende Schwein im Konzert

Pink Floyd gehören zweifellos zu den besten, einflussreichsten und erfolgreichsten Bands der Musikgeschichte. Ihre Alben sind Rockklassiker, die zeitlos sind. Der Kopf der Band, Roger Waters, fand immer die richtigen Worte, auf  „Dark side of the moon“, „Wish you were here“, „The Wall“ und „The Final Cut“. Aber auch auf Solopfaden begeisterte Waters mit seiner direkten Ausdrucksweise. Für mich eine der besten Platten ist „Amused to Death“, ein genialer Seitenhieb auf die moderne Mediengesellschaft.

Und nun meldet er sich mit „Is this the life we really want?“ zurück. Erneut eine brillante Platte, für die er sich sehr viel Zeit nahm. Doch die Lieder an sich erregen die Konservativen im Land nicht. Da scheinen sie nicht genau hinzuhören. Es ist vielmehr die dazugehörige Tour von Roger Waters, die die Trump-Fans auf die Palme bringen und sie nach einem Pink Floyd Boykott schreien lassen. Klar, verbrennt Eure Pink Floyd Platten! Rogers Waters bezieht in den Konzerten eine klare Stellung gegen Präsident Donald Trump, da fliegt das bekannte „Schwein“ aus der „Animals“ Ära mit Trumps Bild durch den Saal. Die ersten Rufe nach einem Einreiseverbot des Musikers wurden schon auf FOXNews laut. Roger Waters grinst sich einen, denn ein Boykott gegen seine Platten sind ein lächerlicher Versuch Kritik eines Ausnahmekünstlers zu unterdrücken.

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Auch eine deutsche Band ist unter den deutlichen Kritikern des derzeitigen US Präsidenten. KMFDM, die Industrial-Elektronik-Metal Formation des Hamburges Sascha Konietzko, veröffentlicht im August ein neues Album, eine US Tour ist für den Herbst geplant. KMFDM nahmen auf ihren Platten und in ihren Konzerten nie ein Blatt vor den Mund, sie sprechen das an, was da „oben“ schief läuft. Eine ihrer politischsten Alben kam zur Zeit von George W. Bush auf den Markt und hieß „WWIII“, ein brillantes Werk, das an Deutlichkeit kaum zu überbieten war. Darauf auch „Stars and Stripes“, alles andere als ein patriotisches Lied in der Bush-Ära. KMFDM haben begeisterte und engagierte Fans weltweit, einer davon hat nun genau diesen Song mit neuen Bildern unterlegt, die treffender, passender und vernichtender nicht sein könnten. Donald Trump wird diese bildliche Version von KMFDMs „Stars and Stripes“ wohl kaum mögen, es lohnt sich, den Text mitzulesen:

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Der König feiert sich selbst

Nach dem G20 Treffen feiert sich Donald Trump selbst und lässt sich feiern. Alles sei „great“ gewesen, er habe für Amerika gekämpft. Und auch einige im republikanischen Lager sehen das so, priesen den „Commander in Chief“ als großen Führer und dankten ihm für seine Rolle in Warschau und Hamburg. Der Schocker kam vom früheren Senator Bob Dole, der die Amerikaner in einer Stellungnahme dazu aufforderte „stolz“ auf Donald Trump zu sein. Nun sei es Zeit gemeinsam die Probleme der Welt anzugehen. Natürlich schmeichelte das Trump und er gab diesen Brief nur zu gerne via Twitter an seine „Follower“ weiter.

Auch bei FOXNews blies man größtenteils ins Trump-Horn. Dort hieß es, das Russland Kapitel sei nun abgeschlossen, wenn die Demokraten da weiterhin dranblieben, hiesse das, sie wollten wohl einen Krieg mit Russland. Trump selbst präsentierte seine Unterhaltung mit seinem russischen Kollegen als produktiv, gemeinsam wolle man nun Cyber-Angriffe verhindern. Diese Forderung allerdings brachte den Senator Marco Rubio auf die Florida Palme. Dann könnte man ja auch gleich mit dem syrischen Präsidenten Assad eine Task Force zur Verhinderung des Einsatzes von chemischen Waffen aufbauen. Aufgestoßen ist allerdings einigen bei Demokraten und Republikanern, dass Ivanka Trump am Tisch der Mächtigen Platz nahm, als Donald Trump den Raum verließ. Gefragt wurde, was wohl passiert wäre, wenn Bill Clinton seinerzeit bei einem solchen Treffen seine Tochter Chelsea dort platziert hätte. Trump sei ein diplomatischer Tölpel, das habe dieser Zwischenfall erneut gezeigt.

Trump konnte es am Sonntag auch nicht lassen mal wieder gegen seinen Amtsvorgänger Barack Obama zu pöbeln. Der hätte nichts gegen die Cyber-Angriffe unternommen, obwohl er davon gewusst habe. Trump bleibt Trump, vor und eben auch nach dem G20 Gipfel

Trump und die blutenden Frauen

Er kann es einfach nicht lassen. Kritik an seiner Person und seiner Politik beantwortet Donald Trump mit Tiefschlägen, persönlichen Angriffen, peinlichen Verbalausfällen. Erneut ist das heute morgen passiert. Trump nutzte sein Sprachrohr Twitter, um gegen die MSNBC Moderatoren Joe Scarborough und Mika Brzezinski auszuteilen.

Bislang galt der Donald als Stammzuschauer der Sendung „Morning Joe“, gerne gab er im Wahlkampf und auch in der Übergangszeit Interviews. Die Sendung wird im politischen Washington viel gesehen und beachtet. Diesmal jedoch ist Trump in Amt und Würden. Einige republikanische Senatoren reagierten prompt und deutlich auf Trumps peinliche Tweets, darunter die Republikaner Lindsey Graham und Ben Sasse.

Trump hatte bereits im Wahlkampf den verbalen Blutangriff gewählt, damals nach einer Fernsehdebatte der republikanischen Kandidaten tweetete er, er sei ungerecht behandelt worden. Blut sei aus allen Poren der FOXNews Moderatorin Megyn Kelly geflossen. Der Skandal war perfekt, einer von vielen im Wahlkampf und mit Trump, aber das führte bekanntlich zu nicht viel.

NBC reagierte geschockt. Der Vize-Präsident des Senders, Mark Kornblau, antwortete auf Twitter: „Ich hätte nie gedacht, dass es einen Tag geben würde, an dem ich mir denke, es ist unter meiner Würde dem Präsidenten der Vereinigten Staaen zu antworten.“ Eine Sprecherin von MSNBC erklärte: „Es ist ein trauriger Tag für Amerika, wenn der Präsident seine Zeit damit verbringt, andere zu schikanieren, Lügen zu verbreiten und billige persönliche Angriffe zu fahren anstelle seinen Job zu tun.“

Die angegriffene Moderatorin Mika Brzezinski gab sich hingegen ganz gelassen und zwar mit einem Bild-Tweet, das Trump noch weiter ärgern wird. Seine kleinen Hände kommen mal wieder zur Sprache, anscheinend stimmt wohl doch, was man über Männer mit kleinen Händen sagt:

Donald Trump schaut zu viel FOXNews

Man stelle sich vor, Donald Trump wacht früh morgens alleine und im Seidenpyjama in seinem Bett im ersten Stock des Weißen Hauss auf. Seine Frau Melania ist ja noch in New York, wahrscheinlich teilen sie sich auch dort kein Schlafzimmer, denn der Donald hat die Angewohnheit nachts fern zu sehen und wild auf seinem Telefon rumzuhacken. Die Frisur ist an diesem Morgen etwas verschoben, Trump greift zur Seite, nimmt die Fernbedienung vom Nachttisch und schaltet den Fernseher an. FOXNews natürlich, denn das ist der Kanal, den der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika schaut, liebt und lobt.

Das ist nun ein etwas ausgeschmücktes Bild eines Morgens im Schlafzimmer des amerikanischen „Commander in Chiefs“. Fakt ist aber, dass Donald Trump den konservativen und verschwörerischen Nachrichtensender am liebsten sieht und das täglich. Das ist sogar nachweisbar, denn die Tweets zu Themen, die FOXNews am Morgen aufgegriffen hat, seien sie noch so abwegig, tauchen kurz darauf in Trumps 140 Zeichen Wutnachrichten auf, für alle Welt zu lesen.

Der Murdoch-Sender ist derzeit auf einer Mission: Trump schönreden, ihn als Opfer der verhassten „Mainstream Media“ darzustellen, ihn als klugen, weitsichtigen Mann zu präsentieren, als Washington-Außenseiter, als einen erfolgreichen Geschäftsmann, der seinen Weg geht und natürlich ist das der richtige Weg für Amerika. Bislang fehlt nur noch der morgendliche Kinderchor, der die Hymne anstimmt: „Make America Great Again“.

Donald Trump sieht sich als Opfer. In dieser Rolle fühlt er sich allerdings wohl. Denn aus dieser vermeintlichen Defensivposition kann er austeilen, wild um sich schlagen, Tiefschläge setzen. Und die setzt er nur zu gerne, auch wenn sie oftmals unüberlegt kommen. Seine Lieblingsgegner sind die Medien mit ihren „Fake News“, Barack Obama und Hillary Clinton, was wäre Trump nur ohne diese Hassbilder? Daran hält er fest, kommentiert, zwitschert sich einen und nutzt eigentlich jede öffentliche Rede, um wieder alte Geschichten aufzukochen und seien die schon längst vom Tisch gewesen. Trump hält zum Beispiel nach wie vor daran fest, dass Obama seinen Trump Tower in New York abhören ließ. Beweise dafür gibt es nicht. Sein Argument ist oftmals, „people are talking“, aber wer diese Leute sind, das sagt er nicht. Oder eigentlich doch mit seinen Tweets am Morgen – Moderatoren und Gesprächspartner auf FOXNews.

Trump und seine „Meinungsfreiheit“

Eigentlich hat die Leitung der UC Berkeley all das gemacht, was richtig ist. Sie hat erlaubt, dass ein selbsterklärter Provokateur, Hassprediger und Rassist auf dem Campus der weltbekannten Universität sprechen darf. Die republikanische Studentengruppe hatte Milo Yiannopoulos („ich bin die gefährlichste Schwuchtel“) zum zweiten Mal eingeladen um hier zu hetzen, nur drei Blocks vom „Free Speech Park“entfernt in dem in den 60er Jahren die „Free Speech Movement“ begann. Die freie Meinungsäußerung ist in Berkeley das höchste Gut. Dafür ist Berkeley bekannt, darauf berief sich auch der Kanzler der Uni, Nicholas Dirks: „Die Verfassung der USA verbietet es der UC Berkeley, als öffentliche Einrichtung, Meinungsäußerungen zu verbieten aufgrund des Inhalts oder der Sichtweise, auch wenn diese Sichtweisen noch so hasserfüllt und diskriminierend sind“.

Viele Studierende wollten sich damit jedoch nicht abfinden und organisierten eine Protestveranstaltung und Blockade, um Yiannopoulos‘ Auftritt zu verhindern. Das gelang auch, doch unter die Studenten mischte sich ein „schwarzer Block“, Autonome, die auf Krawall und „Krieg“ aus waren, wie es einer der Teilnehmer formulierte. Schaufenster wurden eingeschmissen, Müllcontainer in Brand gesteckt, Autofahrer angegangen. Es kam zu heftigen Auseinandersetzungen mit der Campuspolizei. Die sah sich genötigt polizeiliche Unterstützung von anderen Unis und der Oakland Polizei anzufordern. Nachdem die Uni-Leitung die Veranstaltung mit Yiannopoulos schließlich absagte, schwappte die Gewalt auf angrenzende Straßen über.

Milo Yiannopoulos sah sich als Opfer, als jemand, der von den „Linken“ in seinem Grundrecht auf Meinungsfreiheit behindert werde. Während auf dem Campus noch gekämpft wurde, war der Rechtsaußen Aktivist live per Telefon auf FOXNews zu hören. Yiannopoulos ist nicht einfach ein Provokateur. Er hetzt gegen Ausländer, gegen Andersdenkende, gegen Muslime, gegen eigentlich alles für was die liberale UC Berkeley steht. Und er hat auch ein Stipendium „nur für weiße männliche Studenten“ ins Leben gerufen. Yiannopoulos ist darüberhinaus Kommentator auf der Webseite Breitbart News und erklärter Trump Unterstützer, den er auch „Daddy“ nennt. Breitbart News kennt man mittlerweile, denn deren früherer Boss, Steve Bannon, ist nun Chef-Stratege und sitzt als Sicherheitsberater an der Seite von Donald Trump im Weißen Haus. Trump sah sich deshalb wohl auch dazu berufen, zu den Ausschreitungen in Berkeley zu twittern und der Uni ganz offen mit Finanzkürzungen zu drohen, wenn man in Berkeley die Meinungsfreiheit nicht zulasse. Trump zeigt erneut, dass er keine Ahnung hat, sich nicht informiert hat und schnell 140 Zeichen in die Welt rausgehackt hat.

„Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden“, heißt das berühmte Zitat von Rosa Luxemburg. Aber wie weit geht diese Freiheit? Fällt darunter auch Hetze, Hass und Provokation? Milo Yiannopoulos kam nicht nach Berkeley, um hier friedlich zu diskutieren, seine Sicht der Dinge darzulegen. Er kam, um genau das zu erreichen, was er erreicht hat. Die Absage der Veranstaltung, brennende Müllcontainer, eingeschlagene Schaufenster, eine Schlacht zwischen Polizei und einem auf Gewaltexzessen ausgerichteten „schwarzen Block“. Das wurde ganz deutlich mit seinem schnellen Anruf zu FOXNews und der Live-Schaltung auf dem Trumpschen Haussender. Der 32jährige hatte seine Bilder und seine Schlagzeilen, die für einen wie ihn Gold wert sind. Auf Breitbart selbst hieß es: „The Night Berkeley Betrayed The Free Speech Movement“.

Für Milo Yiannopoulos und auch für Donald Trump bedeutet Meinungsfreiheit das Recht ungefragt und ungestraft zu Hetzen, zu Lügen, Hass zu verbreiten. Doch das ist nicht die Meinungsfreiheit, für die in den 60er Jahren in Berkeley gekämpft wurde. Ganz sicher sogar nicht!