Der Hofsender muckt auf

Was ist nur los in den USA, wenn nun auch schon FoxNews gegen diesen Präsidenten aufbegehrt. Er verlangt absolute Hörigkeit und Hofberichterstattung, keine kritischen Worte oder Nachfragen. Trump kritisiert, dass Fox Demokraten auf dem Nachrichtenkanal zu Wort kommen lässt und fordert, dass ein neuer Sender aufgebaut werden müsste , quasi TrumpNEWS.

Nach wie vor hat Trump im Abendprogramm von FoxNews gehorsame Vasallen wie Sean Hannity, Laura Ingraham oder Tucker Carlson, die sich nicht zu schade sind, die Lügen des Märchenonkels im Oval Office als einzige Wahrheit zu verkaufen. So etwas braucht Trump, so etwas versteht er unter einer „fair and balanced“ Berichtertattung. Wer das nicht so sieht auf seinem „Haussender“, den greift er über Twitter an. Doch die angesprochenen wehren sich und erklären „we don’t work for you“.

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Trump und seine „Trumpisten“ greifen nun den Sender an, schicken verbale Drohungen durch die sozialen Medien, Hassbriefe und wer weiß was noch. Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika hat es geschafft die Nation noch tiefer zu spalten. Wer nicht zu ihm und hinter ihm steht, der ist ein Feind. Wer nicht das wiederholt und runterbetet, was er erklärt, behauptet, hinausposaunt, der ist ein Gegner. Wer sich nicht in seinem gespaltenen, hasserfüllten und polarisierenden Amerika wiederfindet, der ist unpatriotisch, unamerikanisch, der soll doch bitteschön einfach gehen.

Man kann, nein, man muss mit großer Besorgnis auf die kommende Wahl blicken, denn Donald Trump wird nicht einfach gehen, er würde im Falle eines Wahlsieges eines demokratischen Kandidaten nicht einfach seine Niederlage eingestehen. Noch immer behauptet er, er habe bei der Wahl 2016 mehr Stimmen als Hillary Clinton bekommen. Noch immer verbreitet Trump Verschwörungstheorien über die letzte Wahl und blickt bereits nach vorne, macht seinen Anhängern klar, dass er die Wahl 2020 gar nicht verlieren kann. Und die glauben ihm diese Mär. Wenn Trump also verlieren sollte, dann muss da etwas gemauschelt und geschoben worden sein, so Trump schon jetzt im Vorfeld, so die vorgefertigte Erklärung im Trump-Lager. In einem schwer bewaffneten Land sollte das jeden beunruhigen, was da auf uns alle noch zukommen kann.

Wahlkampf auf dem Rücken der Opfer

Amerika durchlebt derzeit schwierige Tage. Nach den Schießereien in Dayton und El Paso fragt man sich im Land, wie man damit umgehen soll, was die Lehren sein sollten, was man den vielen Toten und Verletzten schuldig ist. Die Demokraten, allen voran die zahlreichen Präsidentschaftskandidaten suchen das Rampenlicht, um Donald Trump zu verurteilen. Seine befeuernden Worte, seine Reaktionen, sein Festhalten daran, keinen Fehler gemacht zu haben, all das wird kritisiert.

Donald Trump besuchte am Mittwoch Dayton und El Paso. Foto: Reuters.

FoxNews und Trump Vertreter erklärten, das sei nicht richtig, was die Demokraten da täten, sich nach vorne zu drängeln, quasi nach so einer nationalen Katastrophe. Das kann man so sehen, eigentlich sollte die Nation inne halten, nachdenken und vor allem zu Schlüssen kommen, wie man in Zukunft diese Gewaltverbrechen unterbinden kann. Doch dann ist da auch noch Donald Trump selbst, der spätabends und frühmorgens tweetet, den Ton setzt, politische Gegner angreift und schlichtweg Unwahrheiten verbreitet.

Heute besuchte er Dayton und El Paso. Die begleitende Presse durfte nicht anwesend sein, als der Präsident und die First Lady mit den Opfern und den Einsatzkräften sprachen. Es hieß von Seiten des Weißen Hauses, der Besuch solle nicht für politische Diskussionen hergenommen werden können. Das ist gut, wenn, ja, wenn da nicht ein anschließendes Video vom Weißen Haus veröffentlicht worden wäre, das doch sehr an ein Wahlkampfvideo mit passender Musik unterlegt erinnert. Trump nutzt also seine Besuche an den Katastrophenorten, um zum einen gegen politische Gegner auszuteilen. Zum anderen, um aus den blutigen Verbrechen auch noch politische Punkte ziehen zu können. Nein, Mister President, das ist nicht präsidial, das ist schlichtweg schäbig.

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Die Demokraten sind nun gefragt

Nun ist also die Mueller Untersuchung zu Ende gebracht. Die Anhörung vor dem Kongress erbrachte nicht das, was die Demokraten erhofft hatten. Donald Trump triumphiert, obwohl auch klar wurde, dass er versuchte Einfluss auf die Untersuchung zu nehmen und durchaus von der russischen Einflussnahme auf die Wahl 2016 profitierte. Aber all das reichte wohl nicht aus, um Trump des Amtes zu entheben.

Donald Trump zeigt sich zufrieden. Foto: Reuters.

Nun geht es in Siebenmeilenstiefeln auf den Wahlkampf 2020 zu. Die Demokraten streiten sich darum, wer der Kandidat oder die Kandidatin der Partei sein wird. Donald Trump hingegen bricht einen Kulturkampf vom Zaun, in dem er mal wieder die Frage des Patriotismus aufgreift. Rassistische Untertöne werden gleich mitgeliefert und die kommen besonders gut bei Teilen seiner Wählerbasis an. Und nun noch die Mueller Untersuchung. Er wird nicht angeklagt, also, so die Logik von Trump, ist er entlastet. Er spricht von der größten politischen Hexenjagd in der Geschichte der USA und sieht sich nun bestätigt. Damit hat er nun zwei emotionale Eckpunkte für seine Kampagne, die ihn zum Wahlsieg 2020 bringen sollen.

Eigentlich müsste Trump ganz locker in den Wahlkampf gehen. Die Wirtschaft brummt, die Arbeitslosenquote ist so niedrig wie seit Jahrzehnten nicht mehr, große Kriegseinsätze gibt es auch nicht mehr, irgendwie ist das politische Bild des Donald Trump ganz heil. Doch Trump macht sich Sorgen, wettert weiter gegen Kontrahenten, gegen Immigranten, gegen Andersdenkende, emotionalisiert den Wahlkampf und ist einfach sprunghaft. Irgendwas stimmt bei diesem Bild nicht. Warum zeigt er nicht die Ruhe und Ausgeglichenheit, die er eigentlich haben müsste. Stattdessen greift er erneut zu seinem Telefon, tweetet am Mittwoch den ganzen Tag über gegen Mueller und die Demokraten, retweetet Kommentare und Interviews seines Hauspropagandasenders FoxNews, die ihm zur Seite springen. Es scheint, als ob Trump etwas verheimlicht und einfach hofft, dass genau das übersehen wird, unter den Tisch fällt oder schlichtweg dort bleibt, wo es keinen interessiert.

Egal, die Demokraten sollten sich nun auf einen Kandidaten, eine Kandidatin einigen, die für sie in den Wahlkampf ziehen kann. Es wird ein brutaler, ein dreckiger und ein sündhaft teuer Fight gegen Donald Trump werden. Es hilft nichts, wenn sich die Demokraten nun einen langen und selbstzerfleischenden Kampf liefern. Sie sollten begreifen, dass es eigentlich nur ein Ziel geben kann, die Abwahl von Donald Trump. Denn nochmals vier Jahre Trump in Amt und Würden wären fatal für die USA und die internationale Gemeinschaft.

Wann arbeitet der eigentlich mal was?

15 Tweets in zehn Stunden, einige davon drehen sich über Fernsehsendungen, die sich der Präsident angesehen hat und dazu seinen Kommentar abgibt. Trump ist begeisterter FoxNews Zuschauer und gibt eigentlich täglich dazu seine Meinung ab. Und nicht nur zu FoxNews, sondern auch noch zu Sendungen auf CNN und MSNBC, zu Sportübertragungen und einflussreichen Talk Shows. Trump ist ein Fernseh-Junkie. Wenn man dann noch hinzu rechnet, wie oft sich der Donald auf seinen güldenen Golfplätzen rumtreibt, dann ist die Frage wahrlich berechtigt, wann er eigentlich mal so richtig arbeitet?

Eigentlich will man das bekannte Liedchen anstimmen: „Du hast die Haare schön…“. Foto: Reuters.

Von den täglichen Sicherheitsbriefings seiner Geheimdienste hält er bekanntlich nicht viel. Auch Lesen ist nicht seine Lieblingsbeschäftigung. Picklig wird er bei Ratschlägen anderer und man kann eigentlich bei jedem Auftritt sehen, dass Trump nicht gerne zuhört, denn dann steht er selbst ja nicht im Rampenlicht. Es muss sich um ihn drehen, dann ist er zufrieden, glücklich, in seinem Element.

Mit einem Mann wie Donald Trump zu arbeiten, muss alles andere als leicht sein. Denn informiert ist er nicht, er will es auch gar nicht, denn seine Sichtweise der Dinge, seine Weltsicht, seine Meinung zählt. Oftmals haut er über seinen privaten Twitter Account Sachen raus, die die offizielle Haltung des Weißen Hauses konterkarieren, hinterfragen oder ad absurdum führen. Trump ist das egal, es zählt, was er sagt. Und die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Sarah Huckabee-Sanders, dreht alles so, wie es ihr Boss vorgibt. Da werden Fakten verändert, verdreht, sehr gedehnt. Und alles, was dann eigentlich ein Fakt war, wird zu „Fake News“, denn die Fakten sind ja dann das, was Donald Trump und seine „Spin Machine“ in der Welt verbreiten. Manchmal wird einem schon ganz schwindling allein vom Zuhören der Trumpschen Argumentation. Amerika 2019!

Keinen Selbstrespekt mehr

Donald Trump ist Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Man kann das als geschichtlichen Fehler einstufen, es unter politisch mehr als bedenklichen Wählerentscheidungen abtun. Doch, dass Trump Präsident ist, ist eine Sache. Dass nach wie vor etwa ein Drittel der Wähler, also nahezu seine gesamte Basis, zu ihm steht, kann man langfristig als eine Gefahr für die amerikanische Demokratie betrachten. Der eigentliche Skandal ist allerdings, wie die Republikaner diesen Mann schützen, bejubeln und nicht kritisieren.

Gerade wird auf FOXNews das CPAC Treffen übertragen. Das ist ein alljährliches Zusammenkommen der konservativen Kräfte im Land. Und Donald Trump spricht. Als er sagt, die Demokraten sollten ruhig an ihrem „Green New Deal“ festhalten, jubelt die Menge. Keine Flugzeuge mehr, keine Energie mehr, so Trump. „Honey, is there wind out today, I want to watch TV“ und die Konservativen im Saal sind amüsiert, klatschen und johlen laut.

Ein Plakat zur Feier der republikanischen Partei in West Virginia.

Am Freitag sollte im Capitol von West Virginia die Partei der Republikaner gefeiert werden. Ihre lange Geschichte, ihre politischen Erfolge. Doch auf einem der Tische mit Unterlagen, Bildern und Postern wurde auch ein Plakat gezeigt, auf dem es heißt „Never forget“ – you said“. Zu sehen sind die brennenden Twin Towers nach dem Terroranschlag des 11. Septembers 2001. Darunter ein Bild von Ilhan Omar, der neugewählten demokratischen Abgeordneten von Minnesota. Omar ist Muslimin, unter ihrem Bild steht „I am the proof – you have forgotten“. Ein offen anti-islamisches Plakat und das im Parlament von West Virginia. Demokraten im Abgeordnetenhaus protestierten, forderten ihre Kollegen auf, sich von diesem Poster zu distanzieren, es zu verurteilen. Keiner der Republikaner tat das, stattdessen versteckten sie sich hinter dem Argument, das Poster sei Meinungsfreiheit und somit von der Verfassung geschützt. Auch auf den Einwand der Demokraten, dass das Plakat offen Hass verbreite, zuckten die Republikaner nur mit den Schultern.

Donald Trump hat nachweislich seit seinem Amtsantritt tausende Male gelogen, Halb- und Unwahrheiten verbreitet, Tatsachen nicht so genau genommen. Er ist auf einem Schmusekurs mit Diktatoren und verprellt enge Partner. Er beleidigt, schikaniert und droht. Er verunglimpft Mexikaner, Muslime, Homosexuelle, politisch Andersdenkende. Und was machen die Republikaner? Nichts. Ganz deutlich wurde das bei der Anhörung des früheren Trump-Anwalts, Michael Cohen, vor dem Untersuchungsausschuss des Kongresses. Klar, Cohen hatte zuvor gelogen, muss deshalb auch wegen Meineids längere Zeit ins Gefängnis. Doch die Republikaner gingen gar nicht auf das ein, was der einstige Trump-Vertraute sagte, nahmen nichts von dem an, was er da über den Präsidenten erklärte, fragten nicht nach, wollten nicht verstehen, sehen, erfahren, wie die Trumpsche Welt funktioniert. Sie konzentrierten sich nur darauf Michael Cohen zu diskreditieren.

Das ist die Taktik der Republikaner, seitdem Donald Trump ihr Kandidat im Wahlkampf 2016 wurde und erst recht seitdem er im Oval Office sitzt. Republikaner haben Angst vor dem Mann im Weißen Haus, davor, dass er sich gegen sie wendet und ihre Wiederwahl mit seinen Trump-Trollen bekämpft. Und dafür opfern sie alles. Ihre politischen und moralischen Überzeugungen genauso wie einen gesunden Menschenverstand. Donald Trump ist kein Heilsbringer für die USA, doch darüber muss die Geschichte entscheiden. Was er aber mit Sicherheit ist, Trump ist der Totengräber der Republikaner, die sich unter seiner Führung zu einer abnickenden Ja-Gemeinschaft entwickelt hat.

Was für eine nationale Krise?

Die Frage eines Reporters traf es genau. Woher nimmt Präsident Donald Trump seine Zahlen, wenn er sagt, es gebe an der Grenze zu Mexiko eine humanitäre und sicherheitspolitische Krise. Drogen und Kriminelle kämen ungehindert ins Land, eine Mauer müsse gebaut werden. Denn, so der Reporter weiter, das FBI, die Grenzbehörde und auch das Justizministerium veröffentlichten ganz andere Zahlen. Demnach kämen 95 Prozent der Drogen über die legalen Grenzübergänge in die USA und auch die „Vergewaltiger, Mörder und Kriminelle“ ohne legale Papiere seien meist schon lange im Land.

Grenze zu Mexiko bei El Paso, Texas.

Trump reagierte, wie er eben immer reagiert. Er bekomme seine Zahlen und Fakten von vielen Seiten, vor allem vom Ministerium für Heimatschutz. Ausserdem verdrehten die Medien die veröffentlichten Zahlen, denn es gäbe tatsächlich eine große nationale Krise, ja, einen Notstand an der Grenze mit Mexiko. Was der Präsident nicht erwähnt ist, dass so einige konservative Talk Show Moderatoren, wie Rush Limbaugh und Sean Hannity, großen Einfluss auf das Denken von Donald Trump haben. Schon mehrmals schien es so, dass Trump auf Tweets oder auf Inhalte in den Sendungen dieser Rechtsaußenpopulisten reagierte. Hannity gilt deshalb auch als „Berater“ des Präsidenten.

Nun also ruft Donald Trump den nationalen Notstand aus, für etwas, was kein nationaler Notstand ist. Die Situation an der Grenze könnte ohne weiteres und parteiübergreifend gelöst werden, aber dazu lässt es Donald Trump nicht kommen. Er hatte seiner 25Prozent Basis im Wahlkampf eine Mauer versprochen, „from sea to shining sea“. Hoch, schön und unüberwindbar sollte sie sein. Und dieses Versprechen will er einlösen, auch wenn es nur teuer ist und keinen Sinn macht.

Trump allerdings übersieht die wahren Krisen im Land. Erst gestern war der erste Jahrestag des Schulmassakers von Parkland. Der Präsident sprach vor einem Jahr noch große Worte, er wolle den Zugang zu Waffen für Jugendliche beschränken, bestimmte Waffengattungen und -zusätze verbieten lassen. Geschehen ist nichts. Seit Parkland gab es 31 weitere Schulschießereien, das ist eine alle 12 Tage. Seit den tödlichen Schüssen an der „Marjory Stoneman Douglas High School“ wurden in den USA 429 weitere „Mass Shootings“ gezählt.

Mister President, das ist eine nationale Krise! Eine, die diese Bezeichnung verdient. Ich könnte nun auch noch vom Klimawandel anfangen, dessen Folgen schon jetzt in den USA zu spüren sind. Aber wir alle wissen ja, dass Donald Trump die Fakten der Wissenschaftler anzweifelt, sogar die seiner eigenen Angestellten in Bundesbehörden. Vielmehr lässt er Informationen streichen, verändern, abschwächen, um ja nicht handeln zu müssen. Donald Trump entwickelt sich durch sein Handeln und vor allem durch sein Nicht-Handeln mehr und mehr selbst zu einer nationalen Krise für die USA.

Er will sich zur Wiederwahl lügen

Nur drei von zehn Amerikanern glauben das, was der Präsident behauptet. Eine Mehrheit der Amerikaner zweifelt daran, was Trump verkündet. Sie nehmen ihm nicht ab, dass neue Stahlwerke in den USA eröffnet werden, die Kohle wieder wichtig in der Energieversorgung wird, dass Mexiko für die von ihm propagierte Mauer bezahlen wird, dass die Demokraten für offene Grenzen sind oder, dass Millionen von illegalen Einwanderern rechtswidrig für Hillary Clinton gewählt haben.

Nur drei von zehn Amerikanern glauben diesem Mann. Foto: Reuters.

Die Washington Post fand in einer Umfrage heraus, dass nur die harte Basis von Trump Anhängern, zumeist ausschließliche FOXNews Zuschauer, das glauben, was der Präsident von sich gibt. Noch nicht mal eine Mehrheit der republikanischen Wählerinnen und Wähler nimmt Trump all seine Unwahrheiten ab. Doch fest steht auch, dass Donald Trump nach wie vor hoch im Kurs bei 85 Prozent seiner Anhänger steht, die 2016 für ihn gestimmt haben. Trump hat somit seine Basis gehalten und auf die baut er im kommenden Wahlkampf. Am Tag seiner Vereidigung, dem 20. Januar 2017, hat er bereits die Unterlagen für seine Wiederwahl eingereicht. Trump hat großes vor, das da ist: Wiederwahl.

Doch so rosig sehen die Zeichen für ihn nicht aus. Mit den jüngsten Kongresswahlen wurde klar, dass sich die Stimmung in gleich mehreren „Swing States“, also jenen Bundesstaaten, die mal so und mal so wählen, gewandelt hat. Konnte Trump mit gerade mal 80.000 mehr Stimmen Pennsylvania, Ohio, Michigan und Wisconsin gewinnen hat nun nur noch Ohio eine republikanische Mehrheit. Das ist ein Problem für Trump, denn US weit hatte er über zwei Millionen weniger Stimmen als Hillary Clinton, er hängt also davon ab, diese Swing Staaten wieder zu gewinnen, um überhaupt eine Chance auf die Wiederwahl zu haben. Woanders, das zeigen diese absoluten Zahlen der Wählerinnen und Wähler, könnte er den Verlust von Michigan und Wisconsin nicht wettmachen.

Trump, der seit Amtsantritt Tausende von Lügen, Halb- und Unwahrheiten verbreitet und nichts davon zurückgenommen oder relativiert hat wird also in den kommenden Monaten noch mehr lügen, um seine Wählerinnen und Wähler zu mobilisieren. Der kommende Wahlkampf wird brutal. Noch steht keine Kandidatin oder Kandidat aus dem demokratischen Lager fest. Viel wird gemunkelt, Namen verkündet, doch einzig klar ist, wer gegen Trump antritt, braucht neben einer dicken Haut vor allem auch die richtigen Bandagen,  um gegen den erprobten Medienfighter bestehen und austeilen zu können.

Der gefeierte Präsident

Nun feiern sie ihn wieder. Endlich ist da einer, der vor die Vereinten Nationen tritt und dem Staatenbund erklärt, wo der Hammer hängt. Und zwar hier im Trump Tower. Die Christliche Rechte und Ultra-Konservative im Land lieben ihren Donald Trump. Der Präsident genießt die Bauchpinselei seiner Basis, retweeted umgehend ihre Kommentare und fühlt sich im Recht. Trump muss wahre Lustschauer erleben, wenn er die Lobeshymnen von Sean Hannity, Tucker Carlson oder Laura Ingraham auf seinem Haussender FoxNews hört.

Gegen die UN, gegen Verbündete, gegen all jene, die gegen Amerika aufmucken. Geht ja gar nicht, denn immerhin und überhaupt gilt „America First“! Donald Trump erklärt der Welt, wie die Welt zu tanzen hat, eben nach der Pfeife jener Minderheit der Amerikaner, die ihn gewählt hat und die noch immer zu ihm hält, egal, was er da vor dem versammelten Staatenbund erklärt. Trump hat in den letzten 20 Monaten den inneramerikanischen Graben vertieft, nun geht er daran, die internationale Gemeinschaft weiter zu spalten. Jene werden unterstützt, die ihn und die USA loben und preisen. Wer allerdings Kritik an Amerika und seinem selbsternannten historischen Führer äußert, der wird gebrandmarkt.

Trump wirft die Diplomatie auf den globalen Müll, wischt internationale Verträge vom Tisch, schert sich einen Dreck um die langfristigen Folgen seiner Worte, seines Verhaltens, seines Auftretens. Aber das können Leute wie Hannity, Carlson, Levin, Ingraham, Jeffress und andere nicht verstehen, denn sie wagen nicht den Blick über den Tellerrand oder genauer, den Blick von außen auf die USA. Sie glauben Trump, der da meint, Amerika werde international endlich wieder geachtet und respektiert. Alles dank seiner Politik, seiner Verhandlungsfähigkeit, seiner Kompromisslosigkeit. „America First“ bedeutet eben, dass sich die anderen hinter den USA willentlich, stillschweigend und hörig einreihen. So etwas kann man durchaus in der „Alternative Reality Show“ eines Donald Trump glauben. Die Frage kann nur lauten, wohin das noch alles führen wird?

Donald Trump ist ein Rassist

Es ist schon erstaunlich, wenn eine der führenden Tageszeitungen in den USA ganz offen schreibt: „First, we’re long past the point where we have to beat around the bush about this: Donald Trump is a racist who says racist things.“ Dieser Satz fiel in einem Beitrag der Washington Post über die mögliche demokratische Präsidentschaftskandidatin, die demokratische Senatorin Elizabeth Warren, die von Donald Trump immer wieder als „Pocahontas“ bezeichnet wird.

Die demokratische Senatorin Elizabeth Warren ist eine der beliebten Zielscheiben von Donald Trump. Foto: Reuters.

„Pocahontas“ deshalb, weil Warren einmal erklärte, sie habe „Native American“ Vorfahren, das zumindest habe ihre Großmutter erzählt. Trump jedoch – und auch andere konservative Politiker und Medien wie Fox News – nahmen diese Aussage zum Anlass, um Elizabeth Warren zu unterstellen, sie habe ihre vermeintliche indianische Herkuft dazu ausgenutzt, um in ihrer Karriere als Juristin weiterzukommen. Eine Unterstellung, die weder belegt werden kann noch wahr ist. Es geht dabei um „Affirmative Action“, Fördermaßnahmen zugunsten benachteiligter Gruppen. Wie der „Boston Globe“ in einer aufwendigen Recherche jedoch feststellen konnte, wurde Warren stets als „weiße Frau“ eingestellt, nie habe sie erwähnt, dass sie 1/32 Cherokee sei.

Doch das ist Trump egal, er greift seine Gegner immer wieder mit speziellen Namen an: Crooked Hillary, Little Mario, Lyin‘ Ted, Crazy Bernie. Und Elizabeth Warren eben als „Pocahontas“. Selbst Republikaner mit einem moralischen Gewissen fühlen sich bei diesen Angriffen unwohl. Der Abgeordnete Tom Cole aus Oklahoma, Republikaner und Mitglied des Chickasaw Stammes meinte zu Trumps Worten: „Er sollte aufhören, diese Sprache zu benutzen…Es ist weder passend für sie persönlich, und ganz ehrlich, es verletzt eine viel größere Gruppe von Menschen“.

Trump selbst wird sich um die Aussage seines Parteikollegen nicht kümmern. Er verbreitet vielmehr weiter seine rassistischen Lügen. Falls er für die Wiederwahl antreten wird und auch Elizabeth Warren ins Rennen einsteigt, dann kann sich Amerika erneut auf einen unsäglichen Wahlkampf mit Lügen und rassistischen Tönen einstellen.  Denn, der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika ist ein Rassist.

Amerika zwischen den Küsten

In Oakland und der Bay Area zu leben heißt, man lebt auf einer politischen Insel. Donald Trump erreichte bei den Wahlen 2016 in den meisten Distrikten meiner Wahlheimat einstellige Ergebnisse und lag oftmals noch hinter der Kandidatin der Grünen Partei, Jill Stein. Wer mutig ist und auffallen will in Oakland, Berkeley oder San Francisco läuft mit einer „MAGA“ Mütze durch die Straße. In meiner Nachbarschaft hat ein älterer Herr einen NRA-Aufkleber auf seinem Auto, schon allein das ist Gesprächsstoff unter Nachbarn.

Wellenlos mit Johnny Cash über den See.

Doch San Francisco/Oakland und selbst Kalifornien sind nicht die USA. Wer Amerika verstehen will, muss von den Küsten weg fahren, rein ins Land, dorthin, wo über Jahrzehnte das Mittelwellenradio mit Sendungen von Rush Limbaugh, Farm Talk oder Gun Talk die Tagesgespräche bestimmte. Auf einer jüngst in der New York Times veröffentlichten Landkarte mit den genauen Wahlergebnissen der Präsidentenwahl von 2016 kann man sehen, dass das Land weitgehendst rot ist, also republikanisch. Demokratische Blautöne gibt es vor allem in den Küstenmetropolen und in Universitätsstädten wie Butte, Montana, Madison, Wisconsin, oder auch hier oben in Houghton, Michigan. Und damit will ich nicht sagen, dass unstudierte Amerikaner vor allem Donald Trump gewählt haben. Vielmehr, dass Universitätsstädte vielleicht auch mehr für ein kritisches Denken und Weltoffenheit stehen.

Gestern Abend beim Kayaken über den kleinen See, an dem ich gerade bin, dachte ich genau darüber nach. Johnny Cash spielte ein paar Songs, der perfekte Soundtrack für diesen Versuch des Amerikaverstehens. Und hier in der Einöde, der Wildnis, der Abgeschiedenheit ist Washington, der Handelskrieg, Iran und Nordkorea, „Pussy Grabbin'“ und selbst die Mauer an der mexikanischen Grenze ganz weit, weit weg. Hier gibt es andere Probleme, die nicht von Washington und nicht von Präsident Trump gelöst werden können, auch wenn hier vereinzelt Schilder am Rand des Highways stehen „Support the UP – Logging & Mining“. Die regionale Wirtschaft wird man durch mehr Baumfällen und Bergbau nicht ankurbeln können. Wie die San Francisco Bay Area eine politische Insel fernab von Amerika ist, ist auch diese Region eine Insel im amerikanischen Kosmos. Weit weg von der Scheinrealität, die uns über CNN, FOXNews und andere vorgegaukelt wird.

Beim Versuch dieses riesige Land auf dem kleinen See zu verstehen wurde mir einfach klar, dass Amerika nicht zu verstehen ist. Es gibt nämlich nicht nur dieses eine Amerika. Es ist ein Land der Immigranten, die oftmals ihre Herkunft, die Sprache und die Kultur ihrer Eltern pflegen. Es ist ein Land der verschiedenen Interessen, die hier problemlos ausgelebt werden können. Es ist ein Land der vielen kleinen Inseln in einem stürmischen Meer. Nichts und niemand wird die Staaten von Amerika vereinen können. Was das Ziel vielleicht sein könnte ist, dass die gesellschaftlichen Gräben in diesem Land nicht tiefer werden. Und das allein wäre schon ein riesiger Erfolg.

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