„Tired of Trump“

Es gibt wohl sehr wenige politische Bereiche, in denen ich mit Donald Trump überein stimme. Seine Abkehr vom Umweltschutz, seine Immigrations-, seine Verteidigungs-, seine Wirtschaftspolitik, all das kann ich nicht gut finden. Aber egal, er ist der gewählte Präsident und damit muss man sich abfinden. Was man Trump zugute halten kann, er arbeitet seine Wahlkampfversprechen ab. Zumindest hält er sich an das, was er angekündigt hat. Niemand kann also sagen, er habe davon nichts gewusst.

Donald Trump will wiedergewählt werden. Foto: Reuters.

Aber neben der politischen Differenz stößt mich die Person Donald Trump einfach ab. Ich empfand ihn schon vor seinem Wahlkampf als unangenehm, seine Sendung „Apprentice“ habe ich nie angeschaut, die Art und Weise, wie er sich darstellt und produziert, wie er mit anderen umgeht fand ich immer schlimm. Und genau das ist es auch, warum ich vor allem hoffe, dass Donald Trump nicht wiedergewählt wird. Sein Ton, seine Art, seine Lügen, seine Selbstherrlichkeit, seine Selbstverliebtheit, seine Beschimpfungen und Beleidigungen, seine kindlichen Trotzreaktionen, sein kindisches Getue. Anfangs im Wahlkampf war es unterhaltsam, nun ist es nur noch nervig.

Trump ist kein Präsident der Amerikaner, er regiert nur für seine Basis. Und die will genau das hören, was er von sich gibt, jubelt ihm zu, wenn er die Medienvertreter als „Volksfeinde“ bezeichnet, politische Gegner beschimpft, Immigranten als Kriminelle abtut und es mit der Wahrheit nicht so genau nimmt. Trump vollzieht bei seinen Massenveranstaltungen genauso wie im Oval Office eine dummdreiste  Bauchpinselei. Er beleidigt Andersdenkende und verhöhnt ganz offen die demokratischen Grundprinzipien und Grundfesten. Der Schaden, den er angerichtet hat und noch anrichten wird, ist immens. Trump ist sich sicher wiedergewählt zu werden. Das macht er deutlich, darauf baut seine Basis. Was jedoch, wenn er in einer demokratischen Wahl nicht mehr die Mehrheit der Wahlmänner gewinnen kann? In einigen der Swing States lag er 2016 gerade mal mit wenigen Tausend Stimmen vorne. Er müsste nur zwei dieser Staaten verlieren und schon hat er verloren. Würde Donald Trump die Niederlage eingestehen und sich still und leise zurück ziehen? Das muss stark bezweifelt werden. Auf die USA kommen noch schwierige Zeiten zu. Nach Trump wird nichts mehr so sein, wie es einmal war.

„The truth is out there“

Etwas über zwei Stunden fährt man von Las Vegas nach Rachel, Nevada, der nähesten Ansiedlung an die Area 51. Jenes geheimnisumwobene Areal, riesiges Militärsperrgebiet, Test Gelände für die US Air Force und, wie viele glauben, Versteck für außerirdische Technologie.

Allein die Landschaft in diesem Teil von Nevada ist einzigartig schön. Karg, aber eine unendliche Weite, die einen fesselt. Der Highway ist einfach geradeaus Richtung Norden gebaut, ein Endlosband. Es erinnerte mich an Somalia. Und hier traf ich Joerg Arnu, einen Deutschen, der seit einigen Jahren in dieser Gegend lebt. Er unterhält auch eine Webseite, die sich mit dem beschäftigt, was seit über 60 Jahren in der Area 51 vor sich geht. Wirklich vor sich geht.

Das Gelände ist ein streng geheimes Testgelände. Jahrzehntelang erklärte die US Regierung, Area 51 gebe es nicht. Erst die Klage von Arbeitern, die Aufgrund ihrer Tätigkeit dort erkrankten, führte zu einem zumindest Eingeständnis der Existenz dieser Militärbasis. Was dort passiert fällt dennoch auch weiterhin unter den Begriff „National Security“. Joerg Arnu hat es jedoch geschafft, über die verschiedensten Wege und Möglichkeiten, die ihm zur Verfügung stehen all die Informationen zu sammeln, die es über die Area 51 legal zu bekommen gibt. Von Satellitenfotos bis hin zum Abhören des Flugverkehrs. Er kann einem alles erklären, das was man sehen kann und auch teilweise das, was der Besucher nicht zu sehen bekommt. Als wir auf der Staubstraße Richtung Basis fahren, piept es auf einmal im Funk Radio von Joerg. Das seien Bewegungsmelder, die im Sand vergraben sind, meint er. Somit sei bereits ein Alarm ausgelöst, man wisse nun, dass da ein Auto auf der verlassenen Straße Richtung Area 51 fährt. Immer wieder piept es im Radio.

Kein Schritt weiter! Der Haupteingang der Area 51.

Am „Back Gate“ und am „Front Gate“ beschreibt Joerg, was es zu sehen gibt. Eigentlich nicht viel, doch dann zeigt er auf die versteckten Kameras im Wüstensand, auf den weissen Jeep auf einem Hügel, auf die fest installierten Kameras, die uns auf Schritt und Tritt verfolgen, auf die russischen (!) Radaranlagen, die vom Eingang aus zu sehen sind. Genau, die US Air Force arbeitet mit russischen Anlagen, um die eigenen Neuentwicklungen zu testen. Joerg erzählt ausführlich, was hier alles entwickelt wurde, was man manchmal in der Nacht sehen kann, was auf dem riesigen Gelände passiert. Fast 40 Prozent von Nevada, das ist ungefähr die eineinhalbfache Landfläche von Bayern ist Militärsperrgebiet. Mittendrin die „Groom Lake Base“, auf der etwa 1500 Menschen arbeiten. Auch diese Zahl hat Joerg Arnu herausgefunden, in dem er über Satellitenfotos den Parkplatz am speziellen „Janet“ Terminal am Flughafen von Las Vegas analysierte. Denn von dort werden die Mitarbeiter täglich in unmarkierten Boeings 737 in die Area 51 geflogen. Vom Hausmeister bis zum sprichwörtlichen „Rocket Scientist“.

Die Area 51 ist ein Mythos, voller Geschichten, die faszinierend, spannend und auch unterhaltsam sind. Jeder kann dabei glauben, was er will. Auf dem Extraterrestrial Highway ist die Hölle los. Im „Little A’Le’Inn“ in Rachel, Nevada, kann man alles über das „große“ Geheimnis der Area 51 erfahren. Von den UFOs bis zu den Außerirdischen, die dort untergebracht sind. Und wem all das Alien Gequatsche und die Flugtechnologie nicht zusagt, der sollte dennoch diesen abgeschiedenen Bereich von Nevada besuchen. Allein der Nachthimmel ist spektakulär, keine Leuchtreklamen und Lichter stören den Blick und über dem riesigen Areal herrscht ein Flugverbot. Es sei denn neue Flugkörper werden getestet, Spionage Satelliten fliegen vorbei oder eben ein UFO macht seine Runde.

 

Ist Las Vegas noch zeitgemäß?

Hyper, Hyper in Downtown Las Vegas.

1987 war ich das erste Mal in Las Vegas. Danach noch mehrmals. Gerade bin ich mal wieder hier, für eine Nacht. Heute geht es für ein Interview weiter zur Area 51. Gestern Abend traf ich gute Freunde, danach lief ich noch etwas durch Downtown Las Vegas, schaute mir die Leute an, schlurfte durch die Casinos, aber irgendwie wollte diesmal der Funken nicht überspringen. Ist Las Vegas eigentlich noch zeitgemäß?

Eine sich immer weiter ausbreitende zwei Millionen Einwohner Stadt mitten in der Wüste. Hoher Wasser- und Energieverbrauch, unglaubliche Müllberge, Flugzeuge landen im Sekundentakt, bringen Jahr für Jahr weit über 40 Millionen Touristen hierher. Von den Süchtigen unter den Brücken, in den Kasinos und an den Buffets will ich gar nicht erst reden. Auch nicht davon, wie hier Frauen nahezu überall als reine Sexobjekte dargestellt werden. Da ist die Frage durchaus berechtigt, ob diese Glanz- und Glimmer Metropole in dieser Form und in dieser Zeit noch eine Berechtigung hat. All das, über was in den täglichen Nachrichtensendungen gesprochen wird, sei es der Klimawandel, die Wasserknappheit, die neue Armut, die Sucht, all das scheint hier unbeachtet zu sein und schlichtweg übergangen zu werden.

Ich will hier niemandem seinen Spass nehmen, seine Unterhaltung einschränken. Jeder soll das finden, was er möchte, und dennoch, an Las Vegas scheinen die Fragen der Zeit vorbei gegangen zu sein. Natürlich ist mein kurzer Blick keine tiefe Analyse auf die „Sin City“, es ist eine Momentbetrachtung. Es gibt hier sicherlich viel zu sehen, zu entdecken und zu finden. Aber „what happens in Vegas, stays in Vegas“, scheint nicht nur für bestimmte Handlungen zu gelten. Hier kann man die Sau mal für eine oder zwei Nächte rauslassen, die Welt da draußen, jenseits des Vegas Horizonts vergessen, hier braucht man kein schlechtes Gewissen zu bekommen. Kack auf Klima, Kultur, Kriegsspielereien. Ich glaube, ich muss hier wirklich mal länger herkommen und mehr über Las Vegas jenseits der grellen Kasinolichter und der überlauten Beschallung in Downtown und am Strip erfahren. Ich bin bei allen Fragen wirklich neugierig auf das geworden, was sich hier hinter den Kulissen abspielt.

Zu viel Macht für die Richter

Eigentlich sollten Richter überparteilich sein. Doch das ist schon lange nicht mehr so. Donald Trump beschuldigt bei jedem Urteil gegen ihn „Obama Richter“, die klar eine politische Absicht verfolgten. Deshalb, so erklärt er es immer wieder auf seinen Massenveranstaltungen, müsse er mehr „faire“ Richter in Amt und Würden bringen, sprich „Trump Richter“, die seinen Kurs verfolgen, denn alle anderen seien „politische Aktivisten“.

Derzeit ist die konservative Mehrheit am US Verfassungsgericht 5:4. Fünf Richter, die von republikanischen Präsidenten eingesetzt wurden, vier Richter von demokratischen Präsidenten. Jeder, der Präsidenten hat Richterinnen und Richter berufen, die aufgrund ihrer früheren Rechtssprechungen mehr auf ihrer Linie lagen. Von politischer Neutralität kann man da also nicht sprechen.

Kann das Verfassungsgericht objektiv entscheiden? Foto: Reuters.

Donald Trump hatte bereits die Möglichkeit zwei Richter zu bestimmen. Das feiert er bei seinen Auftritten und hofft darauf, dass er in seiner ersten Amtszeit noch einen weiteren Richterinnenposten neu besetzen und somit die Balance auf der höchsten Richterbank für Jahrzehnte hinaus kippen kann. Das ist auch das Horrorgespenst, das die Demokratinnen und Demokraten im Präsidentschaftswahlkampf umtreibt. Sie versuchen ihre Wähler damit zu gewinnen. Es ginge bei der Wahl um viel mehr als nur die Präsidentschaft. Doch nun stehen ersteinmal ein paar wichtige Entscheidungen an, die zeigen werden, ob der Oberste Richter, John Roberts, eine ausgleichende Stimme am Gericht ist oder eher ein republikanischer Parteisoldat.

Es geht konkret um zwei Fälle. Zum einen, ob beim Zensus 2020 die Frage nach der Staatsbürgerschaft gestellt werden darf. Eine Frage, die die Trump Administration drin haben will. Demokraten wehren sich dagegen, sie meinen, die Ergebnisse würden somit beeinflusst werden. Denn beim Zensus geht es auch um die Neuverteilung von staatlichen Geldern für Bildung, Infrastruktur, öffentliche Projekte und vieles mehr. Wessen Aufenthaltsstatus fragwürdig ist, der könnte, so der Vorwurf, das Ausfüllen der Befragung verweigern oder verfälschen. Das Ergebnis wären ungenaue Zahlen, die gerade in den Ballungsräumen für große Probleme sorgen könnten, also Großstädte, in denen es demokratische Mehrheiten gibt.

Zum anderen entscheidet das Verfassungsgericht über die Grenzziehung der Kongressdistrikte. Schon seit langem ist bekannt, dass vor allem republikanisch dominierte Parlamente in den Bundesstaaten die Wahldistrikte so bestimmt haben, dass sie bei Wahlen in den Bundesstaaten und für den US Kongress von vornherein die Mehrheiten sicher haben. Dafür gibt es sogar ein Wort „Gerrymendering“. Demokraten klagten dagegen, das sei undemokratisch. Republikaner verteidigten das und nun ist die hochpolitische Klage beim Verfassungsgericht angekommen. Ausgang ungewiss, denn die Mehrheit ist ja 5:4. Die große Frage bei beiden Entscheidungen ist derzeit, wie sich Richter John Roberts verhalten wird. Er erklärte immer wieder, dass das Gericht überparteilich sei und nur das Gesetz und die Verfassung auslege. Das wird sich nun zeigen müssen.

Eine Frage des Patriotismus?

Fahneneid und Nationalhymne sind ganz selbstverständlich in den USA.

Eine High School in Südkalifornien. Auf dem Football Platz wird die „Graduation“ der Abschlussklasse gefeiert. Doch bevor mit den Reden und den Feierlichkeiten begonnen wird, werden die Schüler und die Besucher aufgefordert, sich dem Fahnenmast zuzuwenden, die rechte Hand aufs Herz zu legen und die „Pledge of Allegiance“, den Fahneneid, zu sprechen und anschließend die Nationalhymne zu singen. Das ist ganz normal in den USA, einem Land, in dem der Patriotismus groß geschrieben wird. Für mich ist das noch immer befremdlich. In diesem Moment dachte ich an meine Abschlüsse in der Staatlichen Realschule Nürnberg und später dann in der Städtischen Fachoberschule Nürnberg. Einen Eid aufsagen, die Nationalhymne zu singen wären da unvorstellbar gewesen. Doch in Amerika weht die Fahne an allen Ecken, an öffentlichen Gebäuden, Schulen und Feuerwehren genauso wie an Privathäusern und in Vorgärten. „The Star Spangled Banner“ wird nicht nur am Nationalfeiertag, dem 4. Juli, gesungen, sondern auch vor professionellen Sportveranstaltungen und eben an High Schools. Die Symbole der Nation, Fahne und Hymne, sollen vereinen, doch in diesen Zeiten sind sie auch wie ein Schwert, das das Land weiter spaltet.

Zwei Tweets von Donald Trump machen das deutlich. Zweieinhalb Jahre liegen zwischen diesen zwei Kurznachrichten von Trump. Erst als Präsidentschaftskandidat, nun als Präsident fordert er den Schutz der Fahne. Wer sie verbrennt, dem soll eine Haftstrafe oder der Entzug der Staatsangehörigkeit drohen. Das soll, so Trump, in der Verfassung festgeschrieben werden. Und das, obwohl das Verfassungsgericht 1989 entschied, dass das Verbrennen der Flagge unter die Meinungsfreiheit fällt.

Donald Trump nimmt nun erneut den Vorschlag von Steve Daines, Senator aus Montana, nur zu gern auf. Es ist schließlich Wahlkampf. Trump präsentiert sich mit dieser Forderung als „Patriot“, jeder der sich gegen den Schutz der Fahne ausspricht ist demzufolge „unamerikanisch“, „unpatriotisch“, ein „enemy of the American people“. Das ist Schwarz-Weiß Denken, das ist Trumpsche Politik. Er, der Verteidiger von Amerikas Symbolen. Die anderen sind die Feinde der „greatest nation on earth“. Kritiker wehren sich, dass sowohl die Fahne, wie auch die Hymne mit dieser Vorschlag politisiert werden. Sie seien Symbole der Einheit. Erinnert wird an die Folgezeit der Terroranschläge des 11. Septembers 2001, als die Flagge überall zu sehen war, die Menschen zusammenbrachte, Einheit repräsentierte. Auch daran, wie die Kongressmitglieder gemeinsam auf den Stufen des Capitols standen und die Nationalhymne sangen. Geeint in dieser Stunde der Krise. Vergessen war der brutale und trennende Bush-Gore Wahlkampf nur wenige Monate zuvor. In diesem Moment verbanden Flagge und Hymne eine Nation, die verwundet war.

All das übersieht Donald Trump nur zu gerne und bewusst. Er umarmt die Fahne bei seinen Massenveranstaltungen, animiert seine Fans zu „USA, USA“ Rufen, beleidigt, beschimpft und verunglimpft Sportler, die beim Absingen der Nationalhyme niederknien. Trump vereinnahmt damit genau die Symbole der Nation, die Einheit schaffen sollen, in dem er das Land genau mit diesen Symbolen weiter spaltet. Das ist unverantwortlich, doch das ist Donald Trump.

 

Trump schreddert die Verfassung

Eigentlich will ich gar nicht mehr über ihn schreiben, alles kommentieren, was dieser Präsident so von sich gibt. Jeden Morgen sehe ich seine Twitter Attacken, seine Rechtfertigungen, seine Versuche, die Realität so zu verbiegen, dass sie für seine Weltsicht passen. Und dann hoffe ich, dass ich etwas anderes finde, über das ich schreiben kann. Amerika ist ein Land voller Geschichten, voller schöner Orte, voll reicher Kultur, voll mit interessanten Menschen. Amerika ist (noch) nicht Trump-Country.

Donald Trump schreddert im ABC-Interview mit George Stephanopoulos mal eben kurz die Verfassung.

Doch nun das. Trump erklärt in einem Interview mit ABC, er wäre durchaus offen dafür, dass er Wahlkampfhilfe aus dem Ausland bekommen würde. Sprich, wenn da ein Land wie „Norwegen“ (das sagte er wirklich!) Informationen über seinen möglichen demokratischen Gegner hätte, dann würde er nicht nur zuhören, sondern diese Informationen auch nutzen. Man muss nun betonen, dass solch ein Verhalten in der Verfassung ausdrücklich verboten ist. Heisst, der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, der einen Amtseid auf die Verfassung abgelegt hat, erklärt öffentlich und in aller Deutlichkeit, dass er durchaus gewillt ist, die Verfassung mal kurz hintenan zu stellen, Gesetze nicht einzuhalten, zu tun und zu lassen, was ihm gefällt.

Die Aufregung darüber ist berechtigterweise groß. Demokraten werfen ihm vor, nicht zu verstehen, was es heißt Präsident zu sein. Er sei kein König, der schalten und walten könne, wie er wolle, er habe einen Eid auf die Verfassung abgegeben und das bedeute, Trump sei damit der oberste Hüter der „Constitution“. Wenig überraschend die Reaktionen aus den republikanischen Reihen – Stillschweigen. Keine Kritik, kein Kommentar und das von einer Partei, die sich eigentlich immer so darstellt, dass sie die Verfassung als Leitfaden ihrer Politik betrachtet. Aber wohl auch nur dann, wenn es ihnen in den Kram passt.

Trump fordert mit seinen Aussagen ausländische Interessensgruppen auf, ihm „Dirt“ über die Demokraten und potenzielle Kandidatinnen und Kandidaten zuzuspielen. Und das nach dem jahrelangen Russland Fiasko, bei dem Moskau nachweisbar den amerikanischen Wahlkampf gezielt unterminiert und beeinflusst hat. Zugunsten von Donald Trump. Der US Präsident erklärt nicht nur, dass er Interesse an solchen Informationen habe, er betont auch, dass er nicht unbedingt das FBI darüber informieren würde. Auch das ein Gesetzesbruch.

Das alles sind keine guten Vorzeichen für den Wahlkampf 2020. Der wird dreckig, brutal, ein reiner Horror. Es wird keine fairen Debatten geben, keine in sich logischen Diskussionen, keinen Austausch von politischen Programmen, Inhalten, Visionen. Es wird ein Draufhauen, ein Lügen, ein Runtermachen, ein Nachtreten. Und wir alle wissen, woher diese Angriffe kommen werden. Donald Trump sieht sich als Meister des verbalen Nahkampfs. Der Unterhaltungswert ist da für mich schon lange verloren gegangen.

„We’re doomed!“

Gestern Nachmittag war ich für einen Zahnarzttermin in San Francisco. Gegen 16:45 Uhr machte ich mich auf den Rückweg von der Marina, entlang des Embarcadero in Richtung Bay Bridge. Bis dahin ging es noch. Doch dann kam Harrison Street. Nichts ging mehr, für vier Häuserblocks brauchte ich eine Stunde. Und das bei über 30 Grad Hitze. Ich hoffte nur, dass mein in die Jahre gekommener VW Bus gerade jetzt nicht den Geist aufgeben würde.

Doch als ich da so mit anderen genervten, hupenden und nur an ihren Vorteil denkenden Autofahrern in der Schlange stand, dachte ich mir, „we’re doomed“. Wie soll das noch mal anders werden? Der Verkehr ist ein riesiges Problem, gerade in Ballungsräumen wie der San Francisco Bay Area. Wer hier über eine Brücke muss, quasi durch eines der etlichen Nadelöhrs, der hat tagtäglich ein Problem. Hinzu kommen ungewollte Autobahnparkplätze wie der 80er zwischen Albany und der Bay Bridge, da rollt meist gar nichts. Ganz zu schweigen von den Problemen in der Süd Bay rund um das vielgepriesene Silicon Valley. Allein die Verkehrssituation in der Bay Area ist Grund genug wegzuziehen.

Schöne Ausblicke gibt es an den Brücken in der Bay Area.

Doch hier setzt man nicht auf den verstärkten Ausbau und Umbau des öffentlichen Nahverkehrs, mit dem Ziel einer neuen und auch umweltbewussteren Verkehrspolitik. Nein, hier wird weiterhin der motorisierte Individualverkehr vorangetrieben. Fahrdienste wie „Ueber“ und „Lyft“ entlasten die Situation nicht, sie verschlimmern nur noch die Lage auf den Straßen. Und dann sind in der Bay Area gleich ein gutes Dutzend und mehr Firmen damit zugange, die fahrerlosen Autos auf die Straßen zu kriegen, die schon jetzt total überfüllt sind. Wo soll das noch enden?

Präsident Donald Trump, der einfach alles rückgängig macht, was sein Vorgänger durchgesetzt hat, ließ nun die Meilen Standards für PKW zurückdrehen. Barack Obama wollte die Autoindustrie dazu verpflichten, an Fahrzeugen zu arbeiten, die 50 Meilen pro Gallone schaffen. Donald Trump halbiert das kurz mal. Auch der Hype mit Hybrid- und Elektroautos kann keine Lösung sein. Sie sind zwar sparsamer in ihrem Energieverbrauch, aber sie verstopfen genauso die Straßen und damit den öffentlichen Raum wie Benzinkutschen. Und mal ganz ehrlich, auch die Energie für das Laden eines Elektromotors und die Produkton von aufladbaren Akkus kostet einiges an Energie.

All das ging mir durch den Kopf, als ich da im Stau stand. Ich hatte ja Zeit, eine Stunde lang für vier Blocks, die Einfahrt zur Bay Bridge immer vor Augen. Man kann nun sicherlich sagen, dass Donald Trump kein Visionär in Sachen Umwelt-, Verkehrs- und Energiepolitik ist. Doch ihm allein die Schuld zuzuschieben, wäre falsch. Hier in der sehr liberalen Bay Area gibt es genügend kluge Köpfe, die durchaus Visionen haben. Das zeigen sie immer wieder zu genüge. Doch es sind Visionen, so scheint es mir zumindest, bei denen am Ende viel Geld zu verdienen ist. Fahrdienste, fahrerlose Autos, Elektrofahrzeuge, Verkehrsleitsysteme, smarte Parkuhren, Innenstadt Apps für die Parkplatzsuche. Mir fehlt bei allem der Mut und der politische Willen wirkliche Veränderungen durchzuführen. Denn das zahlt sich wohl nicht in Geld und Macht aus.

Alabama. Oh, Alabama!

Oh, Alabama!

Im US Bundesstaat Alabama wurde vor wenigen Tagen ein neues Gesetz verabschiedet, dass Abtreibungen selbst nach Vergewaltigungen verbietet. Ärzte, die dennoch einen Schwangerschaftsabbruch durchführen, müssen mit einer langen Gefängnisstrafe rechnen. Damit hat sich Alabama an die Spitze der „Pro Life“ Bewegung in den USA gesetzt. Doch die Washington Post berichtet nun, dass nicht nur der Schutz des Kindes nach einer Vergewaltigung in diesem Bundesstaat wichtig ist, sondern auch das Elternrecht des Vergewaltigers. Alabama ist einer von zwei Bundesstaaten in den USA, die nach wie vor einem „Rapist“ das Vaterrecht zugestehen.

Die Washington Post beschreibt in diesem Artikel den Fall einer jungen Frau, die zu einer Beratungsstelle kam und berichtete, sie sei im Alter von 15 Jahren von ihrem Stiefonkel vergewaltigt und schwanger geworden und habe das Kind entbunden. Der Vergewaltiger, der Vater des Kindes, komme nun nach einer mehrjährigen Haftstrafe wieder auf freiem Fuss und habe bereits Schritte eingeleitet, dass ihm sein Kontaktrecht als Vater eingeräumt wird. Selbst die Beratungsstelle in Alabama war von diesem Sachverhalt überrascht. Nach dem Gesetz in Alabama steht ihm das zu. Nur Minnesota hat ebenfalls solch ein Recht, oder anders ausgedrückt, solch ein Unrecht. In den meisten US Bundesstaaten kann das Recht eines Vaters entzogen werden, manchmal schon beim begründeten Verdacht auf Vergewaltigung, andernfalls nach einer Verurteilung wegen „Rape“.

Zwar hat das Abgeordnetenhaus in Alabama kürzlich einen Gesetzentwurf eingebracht, der dieses Elternrecht von Vergewaltigern beenden sollte, doch das Gesetz wurde nicht verabschiedet. Die besagte Textzeile wurde gestrichen, denn einige Parlamentarier meinten, damit würden Jungen, die vergewaltigt wurden, nicht geschützt, da sie ja nicht schwanger werden könnten. Also lebt man in Alabama lieber weiterhin mit dem Elternrecht des Vergewaltigers.

Braumeister des Westens

Meine Wurzeln liegen in Nürnberg und Dortmund. Seit 23 Jahren lebe ich nun in Kalifornien und überall, wohin ich hier in den USA fahre, da schaue, lese und höre ich mich interessiert um, ob ich irgendwo Spuren von deutschen Einwanderern, ganz besonders von jenen aus Nürnberg, Dortmund und auch noch aus Schlesien finden kann.

„Westfalia“ und „Export“ von Fort Point Brewery.

Da ist es schon etwas besonderes, wenn es nun eine Brauerei in San Francisco gibt, die „Nuremberg inspired Red Ale“ und „Dortmunder Style Lager“ braut. Beides Biere, die dazu auch noch richtig gut schmecken. In den USA tut sich sowieso etwas beim guten Gerstensaft. Im ganzen Land kann man Microbreweries finden, die teils gewagt, teils klassische Biere brauen. Die Zeiten, der wässrigen Gerstensäfte der Großbrauereien sind vorbei. Wer hier dennoch weiterhin „The King of Beers“, „The Champagne of Beers“ oder „Banquet Beer“ trinkt, die damit Werbung machen, dass sie nun endlich ihre Inhaltsstoffe veröffentlichen, kaum Kalorien haben oder mit (vor allem) Wasser der Rocky Mountains gebraut werden, der ist selbst schuld.

Die neue Brauergeneration in den USA, so scheint es, schaut dabei auch ganz gezielt nach Bierdeutschland. Und da kann es passieren, wie bei diesem „Red Ale“ von Fort Point, dass der Brauer einfach mal zufällig in der Altstadthofbrauerei in Nürnberg ein Rotbier trank, es ihm schmeckte und er es hier dann nachbraute. Der große Unterschied zwischen deutschem und amerikanischem Bier ist allerdings der Preis. Ein Sixpack von Fort Point kostet selbst beim amerikanischen Aldi-Ableger, Trader Joe’s, zehn Dollar. In einer Kneipe in San Francisco kann dann solch ein Pint (0,47 l) schon mal acht Dollar kosten. Aber zumindest schmeckt das Bier.

Einem Heiligen zuhören

Jahrzehntelang war die John Coltrane Church Teil des Fillmore Distrikts von San Francisco, einem einstigen afroamerikanischen Zentrum in der “City by the Bay”, in dem der Jazz und der Blues gefeiert wurde. Davon ist nicht mehr viel übrig geblieben. Auch die Kirche selbst verlor vor ein paar Jahren das Dach über dem Kopf. Die Gentrifizierung verändert alles in der Stadt. Die John Coltrane Church hat mittlerweile neue Räume gefunden, teilt sich nun ein Kirchengebäude mit der St. Cyprian’s Episcopal Church auf Turk Street.

In der Western Addition ist nun das neue Zuhause der John Coltrane Church, zwar nur einige Blocks von dem früheren Standort entfernt, aber hier kommen nicht zufällig Spaziergänger vorbei, neugierig, was die Jazz Klänge zu bedeuten haben. Aber aufgeben stand nie zur Debatte. Das spürt man gleich, wenn man Pastorin Wanika Stephens und den Aktiven in der Gemeinde begegnet. Vor nunmehr 50 Jahren entstand diese einzigartige kleine Kirchengemeinde, die es nur in San Francisco gibt. Für Pastorin Wanika Stephens gehört die Kirche und San Francisco einfach zusammen. Hier war der Summer of Love, hier in der Bay Area wurde die Black Panther Partei gegründet. John Coltrane, Billy Holiday, Miles Davis, Thelonious Monk, Duke Ellington kamen hierher. Es macht also Sinn, dass die Coltrane Church genau von hier kommt.“

An einem Sonntagmittag mit etwas Verspätung beginnt um 12:45 Uhr der Gottesdienst in der John Coltrane Church. Etwa 50 Menschen sind gekommen. Alt und jung, weiß, schwarz, farbig, einige sind zum erste Mal hier, andere kommen seit Jahren. Es ist eine äußerst entspannte Atmosphäre, jeder lächelt hier jeden an. Was sie alle verbindet ist die Musik von John Coltrane, der schon von CD eingespielt wird, als man vorne in der Kirche noch Bilder des Musikers aufhängt, einen kleinen Altar schmückt. Es fällt der Begriff “Baptized in sound” in Anlehnung an die Taufe mit geweihtem Wasser, wird man hier mit dem Klangbild John Coltranes in die Glaubensfamilie aufgenommen. Es war durch diese “Klang Taufe”, die unsere Gründer Bischof King und Mutter Marina 1965 in einem Jazz Workshop in San Francisco erlebten. Sie sahen damals einen Auftritt von John Coltrane und waren total gebannt von der Musik und dem, was sie in dieser Nacht erlebten.“

In einem Jazzclub hätten die beiden den Heiligen Geist durch die Musik erfahren, heisst es auf der Webseite der Gemeinde. Nachdem John Coltrane im Juli 1967 im Alter von gerade mal 40 Jahren verstarb, kam man zu regelmäßigen Hörtreffen mit Freunden zusammen. Und hier spürte man erneut die Kraft von Coltranes Musik und Wort und gründete den Yardbird Tempel. Man orientierte sich an Coltrane, war aktiv mit der Black Panther Party verbunden, organisierte auf den Straßen den Kampf für soziale Gleichheit mit. Mitte der 80er Jahre sprach die “African Orthodox Church” John Coltrane heilig. Der Tempel wurde in “Saint John Will-I-Am Coltrane African Orthodox Church” umbenannt.

Die Gläubigen werden zum Mitspielen eingeladen.

An diesem Sonntag findet zuerst eine Meditation statt. “A love Supreme”, Coltranes Meisterwerk wird gespielt. Ich bin wohl der einzige, der nicht die Augen schließt und die Musik wirken lässt. Für mich ist die Musik von John Coltrane wie beten“, meint Wanika Stephens. „Ich spüre, wie die Musik zu mir spricht, sie erlaubt mir, mich zu öffnen, empfangbar für das zu sein, was der Geist Gottes mir sagen will. Denn genau das ist, was Beten bedeutet. Es ist eine Öffnung des Herzens.“

Nach “A love supreme” stehen viele der Anwesenden auf, teilen mit den anderen, was die Musik für sie bedeutet, in ihnen ausgelöst hat. Danach werden all jene eingeladen nach vorne zu kommen, die ein Instrument mitgebracht haben. Gemeinsam wird die Kirche zum Jazzraum. Für Wanika Stephens ist die „Message“ eine einfache. Wer hierher kommt, soll erfüllter nach Hause gehen können. Ich möchte, dass sie hierher kommen, suchend und findend und glücklich von hier weggehen. Dass sie ein Stück weit dem näher kommen, das Gefühl haben eine Antwort bekommen zu haben.“

Die John Coltrane Church wurde einmal von der New York Times, als hippste Kirche überhaupt bezeichnet. Nach dreieinhalb Stunden Gottesdienst der etwas anderen Art und viel Jazz kann man dem durchaus nur zustimmen. Die Türen der kleinen Gemeinde stehen sonntags für jeden offen. Auch für Besucher aus Deutschland. Und wer schon einmal vorhören möchte. Jeden Dienstag von 12-4pm PST sendet die John Coltrane Church auf KPOO in San Francisco und weltweit im Internet.