Der Morgenkaffee von Donald Trump

Irgendwas war wohl wieder im Kaffee von Donald Trump, denn am Morgen kam eine weitere Latte von Tweets geflogen. Siebenmal drückte Trump auf den „Send Button“, sechs eigene und eine weitergetweetete Fanmail. Die Zeiten als Trump zumindest noch erklärte, er wolle der Präsident aller Amerikaner sein ist lange vorbei. Nun gibt es nur noch Angriff. Dabei hat Trump ausschließlich seine Anhänger im Blickwinkel. Der Versuch eines überparteilichen Dialogs scheitert schon an der Wortwahl des Präsidenten. In 140 Zeichen tritt er fast allmorgendlich kräftig nach. Hillary, Obama, Fake News, alles Themen, die er nicht einfach so links liegen lassen kann. Darüber definiert sich Trump, daran – man will schon fast das „G“ Wort benutzen – baut er sich auf, und das zum Jubel seiner Anhängerschaft.

Donald Trump ist der Totengräber Washingtons. Er erklärt zwar immer wieder, er sei ein politischer Außenseiter, ein „Deal Maker“, der einzige, der den Washington Sumpf trockenlegen könne, aber er versucht das mit noch mehr Gräben durchs ganze Land zu erreichen. Trump spaltet Tag für Tag. Und oftmals wirkt es so, als ob der Donald nur im Weißen Haus sitzt, um sich und seine Familie und seine Kumpels noch weiter zu bereichern. Amerika verliert mit diesem Präsidenten endgültig das, für was das Land einmal stand. Auf meinen Reisen in Krisen- und Konfliktgegenden werde ich immer wieder gefragt, wie es dazu kommen konnte, dass die USA nach Barack Obama jemanden wie Donald Trump wählten. Einen Mann, der so gar nicht für das steht, was Obama darstellte. Natürlich hatte auch Barack Obama seine Fehler, man denke nur an die Eskalation des Drohnenkrieges, an die massiven Abschiebungen illegaler Einwanderer nach Mexiko. Aber so deutlich wie Trump hat noch niemand anderen ins Gesicht gespuckt. Langjährigen Partnern genauso wie Millionen von Menschen, die auf die Hilfe Amerikas angewiesen sind. Wer während einer massiven Hungerkatastrophe in mehreren Ländern Afrikas vorschlägt, das Budget für die Entwicklungshilfe drastisch zu kürzen, und das im Namen von „America First“, der spricht eine deutliche Sprache. Wer „Jobs, Jobs, Jobs“ predigt und dafür die Welt mit „wunderschönen amerikanischen Waffen“ überzieht und internationale Verträge, darunter wichtige Umweltschutzmaßnahmen einfach aushebelt, wer mit Lügen, Anfeindungen und verbalen Tiefschlägen regiert, der ist kein „Uniter“, sondern schlichtweg ein Spalter.

 

If you’re going to San Francisco…

Shot In Studio

50 Jahre nach dem „Summer of Love“ feiert San Francisco seine Hippie Vergangenheit. Im De Young Museum gibt es dazu die Ausstellung The Summer of Love Experience: Art, Fashion and Rock & Roll“, eine schillernde, faszinierende und durchaus neue Seiten aufzeigende Exhibition. Von Konzertpostern und Fotos bis hin zur Mode der damaligen Bewegung. Umrahmt werden die Exponate, Bilder und Filme von der vielschichtigen Geschichte dieser aufwühlenden Wochen und Monate des Jahres 1967. Hier im Golden Gate Park war das Epizentrum der Hippies. Musik, Tanz, Ausdruck, Fashion und dann kam die Politik dazu. Und am Ende stand der Ausverkauf der Szene.

Ja, noch heute kann man am Ende der Haight Street und am Anfang des Golden Gate Parks die Spuren von damals sehen. Junge und alte Punks in der Tradition der Hippies sitzen herum, „Spare a little change“. Viele von ihnen abgestürzt, versunken in den Erinnerungen längst vergangener Tage. Touristen laufen die Haight Street hoch, machen ihre Erinnerungsbilder an der Ecke Haight/Ashbury, auf der Suche nach dem Geist von damals. Und doch es ist so ganz anders, wie das, was man in dieser Ausstellung im De Young Museum sehen kann. Vor 50 Jahren bebte die Stadt, Hunderttausende zog es ans Golden Gate auf der Suche nach dem anderen Leben, dem Anderssein. All das wird deutlich in diesem „Summer of Love“ Rückblick. Die Kreativität in der Mode, der Musik, dem Auftreten, die Ideen des Miteinanders. Die Hippies waren da, um ihr Lebensexperiment zu leben.

shot in studio

Es dauerte nicht lange, dann wurde die Bewegung vom eigenen Erfolg gefressen. Das Ende kam schneller als gedacht. Und doch, die Bedeutung des „Summer of Love“ ist deutlich zu sehen, wenn man durch diese Ausstellung läuft. Ein halbes Jahrhundert später ist die Mode, die Musik, die Kunst wieder gefragt. All das ist zeitlos, ein wichtiger Teil der westlichen Gesellschaften geworden. Da ist viel Mythos, viel Pathos, viel Kitsch und doch auch ein wichtiger Kern, den man freilegen muss, denn am Anfang stand die Hoffnung, aus dem „Summer of Love“ eine „Society of Love“ wachsen zu lassen. Daraus wurde nichts, doch die Ideen und auch die Hoffnung danach extistieren weiter. Von daher sollte man 50 Jahre danach – und gerade in diesen stürmischen Trump-Zeiten – durchaus diesen „Summer of Love“ feiern.

Was aus Wein alles werden kann

Mit etwas Wein lässt sich manche Kunst einfacher erfahren, erkennen, erleuchten. Manchmal braucht es da auch etwas mehr vom göttlichen Tropfen. Aber Wein und Kunst passen gut zusammen. Das merkt man auch, wenn man durch die nordkalifornischen Weinanbaugebiete in Sonoma und Napa fährt. Zwischen all den Reben macht sich Kunst und Kultur breit. Von gewaltigen Burning Man Skulpturen bis zu kreativen Ideen, was man aus einem alten Weinfass machen kann.

Und dann sind da die Sammler von Kunst. Rene di Rosa war einer von ihnen. Er hat sein Geld mit dem Traubensaft gemacht und damit die Arbeit nordkalifornischer Künstler unterstützt. Zusammengekommen ist eine umfangreiche und einzigartige Sammlung. Zu sehen ist sie in der Carneros Region des Napa Valleys, eine gute Autostunde nördlich von San Francisco, also in Reichweite jedes Besuchers am Golden Gate. Und wer mal mehr sehen möchte als nur die Brücke, Chinatown und Fisherman’s Wharf, wer die kreative Seite dieser wunderbaren Gegend erfahren möchte, der sollte sich einen Wagen mieten und „5200 Carneros Highway, Napa, CA 94559“ in sein GPS eingeben.

Die Landschaft um das di Rosa Anwesen ist einmalig schön. Das Verweilen, das Einatmen dieses Augenblicks ist gewollt und erwünscht. Der Blick über den hauseigenen See, die leichten Wellen der Landschaft, ganz hinten befindet sich der Skulpturengarten der Sammlung, eingerahmt von den Reben. Das Gelände ist weitläufig und voll mit Kunstobjekten. Draußen wie auch in gleich mehreren Gebäuden kann man sich herausfordern lassen und hinterfragen, was Kunst ist, sein sollte und letztendlich sein muß. Eine Galerie am Eingang, alles ordentlich, offen, hell. Dann das Anwesen, ein vollgepferchtes Haus, die Kunst erschlägt einen fast. Wohin soll man blicken? Unzählige Bilder, eine Wanne voller Bowling Kugeln, eine Glocke, Skulpturen, Kunst-Stücke, die mir teils zumindest fragwürdig erschienen. Eine unterirdische Kapelle, in der das Lichtspiel des Tages nachgezeichnet wird. Ein alter VW Scirocco hängt von einem Baum, aufgeknüpft und dem Wetter ausgesetzt. Pfaue stolzieren über das Anwesen, von weitem schon hört man ihre lauten Rufe.

Die di Rosa Kunstsammlung im Napa Valley ist ein Erlebnis. Präsentiert wird die lange und vielseitige Kreativszene dieser Region, der weitläufigen San Francisco Bay Area. Ein Besuch auf dem Anwesen beruhigt, bewegt, begeistert und zeigt einem vor allem, wie beschränkt man durchs Leben wandelt. Denn Kunst ist der Spielball in einer Gesellschaft, den wir nur zu selten an die eigenen Erfahrungsgrenzen kicken. Und das wird hier vor Augen geführt, wenn man denn will. Grenzen werden erweitert oder ganz niedergerissen, das hängt allein vom jeweiligen Betrachter ab. Die weiche Landschaft und dazu diese fordernde Kunst, mit der man sich beschäftigen muss, in der jeder etwas (anderes) sehen kann. Manches ist einfach und direkt, anderes bleibt auch nach langem Verweilen davor verschlossen. Und wieder bei anderem denkt man sich, da hatte einer zu viel Zeit. Zumindest ging es mir so…vor manchen Bildern, Skulpturen, Kunststücken hätte mir dann vielleicht doch ein Gläschen Wein die Erleuchtung gebracht.

Das Bla Bla um die Menschenrechte

Eigentlich ist es ja gut, dass die amerikanische UN Botschafterin, Nikki Haley, mal Klartext spricht. Eigentlich…. Vor dem Menschenrechtsrat in Genf drohte sie am Dienstag mit einem Rückzug der USA, wenn es nicht zu einer Reform der Mitgliedschaft des Rates kommen sollte. Eigentlich ist diese Forderung gut, denn am Tisch sitzen solche Länder wie Algerien, China, Kuba, Marokko, Saudi Arabien, Russland, Burundi, Kongo, Kirgistan, Irak, Äthiopien. Insgesamt 47 Staaten umfasst der Menschenrechtsrat.

Kämpferin für die Menschenrechte auf verlorenem Posten – Nikki Haley. Foto: Reuters.

Die Kritik Haileys richtete sich vor allem gegen Venezuela und die ständigen Anti-Israel Beschlüsse der „Human Rights“-Vertreter. „Es ist nur schwer hinzunehmen, dass dieser Rat noch nie eine Resolution gegen Venezuela auch nur angedacht hat. Und gleichzeitig wurden seit März fünf parteiische Resolutionen gegen ein einziges Land verabschiedet – Israel. Es ist notwendig, dass dieser Rat seine chronische Anti-Israel Einseitigkeit anspricht, um überhaupt noch glaubwürdig zu bleiben“, meinte die UN Botschafterin. Damit hat sie sicherlich recht, denn im Rat sitzen viele Vertreter, die das Existenzrecht von Israel hinterfragen.

Allerdings machte Hailey mit ihrer Kritik auch deutlich, dass die USA selbst in Sachen Menschenrechte nicht so genau hinsehen. Venezuela zu benennen und gleichzeitig andere (Partner-)Länder zu übergehen spricht für sich. Ihr Boss, Präsident Trump, gab ja die Losung auf seiner Reise nach Saudi Arabien vor. Trump erklärte in Riad, er sei nicht gekommen, um andere Länder zu kritisieren, ihm gehe es nur um wirtschaftliche Kontakte und den Kampf gegen Terroristen. „Human Rights“ Verletzungen im Wüstenkönigreich, das ist dann wohl eine innere Angelegenheit, die Trump bewußt übersah.

Die USA unter Donald Trump fahren keine klare Linie, das wurde auch wieder in Genf deutlich. Dass der Menschenrechtsrat eine traurige Witzveranstaltung geworden ist, in der Länder wie Saudi Arabien, China, Russland und Burundi neben vielen anderen Diktaturen und Unrechtsregimen über Grundrechte urteilen ist leider schon lange bittere Realität. Das darf, das sollte man deutlichst kritisieren. Aber die USA können nicht hier und jetzt die Moralkeule schwingen und dort und nur ein paar Tage zuvor das brutale Vorgehen der Saudis geflissentlich übergehen. Man muss sich fragen, wie Nikki Haley diese Gratwanderung überhaupt zustande bringen kann. Eigentlich müsste ihr übel geworden sein, als sie Trumps Auftritt in Riad sah. Denn die Hofierung der Scheichs war eine deutliche Absage an all das wofür Nikki Haley im UN Menschenrechtsrat sprach. Armes Amerika!

 

Eine Welt gebaut aus Angst

Schon kurz nach dem Terroranschlag in London griff sich der amerikanische Präsident Donald Trump sein Telefon und setzte ein Tweet ab: „Wir müssen klug, wachsam und hart sein. Die Gerichte müssen uns unsere Rechte zurück geben. Wir brauchen das Einreiseverbot als eine zusätzliche Sicherheitsebene!“

Trump nutzte damit eine Terrortat, um seine Politik der Ausgrenzung, des Hasses und des Angstschürens weiter zu verbreiten. Ursache und Wirkung wird hier vermischt. Der 45. Präsident der Vereinigten Staaten preschte so früh vor, als noch gar nichts über die Täter und die Hintergründe der Tat bekannt war. Zumindest nicht für die Öffentlichkeit, vielleicht wusste Trump ja mehr, was allerdings zu bezweifeln ist. Vielmehr passt die Terrorattacke von London in das Denk- und Weltbild eines Donald Trump. Es hilft ihm, weiter Angst zu verbreiten, damit sein Ziel der Spaltung zu erreichen. „Schaut her, die Terroristen kommen immer näher, nur ich kann sie aufhalten“. „America First“ bedeutet für ihn vor allem ein christlich-jüdisches, weißes Amerika. In den USA eines Donald Trump haben Andersdenkende, Andersgläubige und Menschen mit anderen ethnischen Wurzeln keinen Platz.

Das von Donald Trump vielgelobte Einreiseverbot für Menschen aus Syrien, Libyen, Somalia, Jemen, Iran und Sudan macht keinen Sinn, denn damit hätte keine einzige Terrortat der jüngsten Vergangenheit verhindert werden können. Trumps „Travel Ban“ wirkt wie ein Sicherheitsnetz an jeder Brücke, um Selbstmörder vom Sprung in die Tiefe abzuhalten. Doch allein dadurch lässt sich wohl kaum ein suizidgefährdeter Mensch vom Freitod abbringen. Und auch Terrornetzwerke wie der Islamische Staat werden sich von einem „Travel Ban“ in die USA nicht von ihren Wahnideen und ihrem blutigen Feldzug gegen „Andersdenkende, Andersgläubige und Menschen mit anderen ethnischen Wurzeln“ verabschieden. Ganz im Gegenteil, der IS, die Taliban, al-Qaida, al-Shaabab und all die anderen religiös verblendeten Gruppen nutzen Trumps Propagandafeldzug gegen den Islam für ihren Kampf. Trump stärkt ihren (un)heiligen Krieg. Und genauso nutzt Donald Trump die blutigen Attacken der Terroristen für sein angsterfülltes Weltbild. Wir leben in einer gefährlichen Welt!

„Not my president“

Auf Twitter feiert sich Donald Trump selbst. Gleich mehrere Tweets von konservativen Politikern hat er auf seinem Account @realDonaldTrump kopiert. Alles Lobhudelei für seine Entscheidung, die USA aus dem Pariser Abkommen herauszumanövrieren. Doch damit hat Trump zweierlei erreicht. Er hält sein Wahlversprechen, festigt so seine Basis, die ihm glaubt. Allerdings mobilisiert der Präsident auch seine Gegner, die nun ganz deutlich vor Augen haben, was dieser Mann anrichten kann und wird, wenn er nicht spätestens nach vier Jahren gestoppt wird.

Donald Trump auf Isolationskurs. Foto: Reuters.

Trump poltert weiter und faselt von „America First“, dem amerikanischen Arbeiter und den amerikanischen Familien, auch, wenn all das, was er da macht, Amerika nur in die Isolation führt und denen schadet, die ihn – noch – unterstützen. Seine politischen Strategien und Pläne sind kurzfristig. Das zeigte sich schon bei seinem Haushaltsvorschlag, dem Einreiseverbot und nun eben auch seiner Abkehr vom Klimaschutz. Trump braucht sein Jubelvolk um sich, danach richtet er seine Politik aus. Ob es Sinn macht oder eben auch nicht spielt dabei keine Rolle.

Was in dieser Diskussion über den Ausstieg aus den Pariser Verträgen etwas zu kurz kommt, ist die Tatsache, dass Donald Trump nicht für die Mehrheit der Amerikaner spricht. Die Reaktionen nach Trumps „Rose Garden“ Auftritt zeigen, der Präsident spricht nur für seine Basis. Er hat ausschließlich seine Wiederwahl im Sinne, will es „allen“ zeigen, dass er auch die Stimmen für eine zweite Amtszeit bekommen kann. Das wäre für ihn die größte Bestätigung. Eine Niederlage 2020 wäre für Donald Trump der Ego-Supergau.

Trump ist im Dauerwahlkampf, hat nur seine Basis im Blickwinkel und übersieht dabei, dass er eine gegnerische Front aufbaut, die immer größer und breiter wird. Und die setzt sich mehr und mehr aus gesellschaftlichen Gruppen zusammen, die ihm das erneute Siegen schwierig machen werden. Tausende von Gruppen haben sich bereits in den USA gegen Trump gebildet. Nach dem Ausscheiden aus den Pariser Verträgen, dem bewussten internationalen Isolationskurs, der Unterstützung für so manchen Despoten wird diese Anti-Trump Basis nur noch gefestigter. Trump bereitet derzeit selbst sein Ende vor.

Herr Trump, denken Sie doch mal nach!

Donald Trump spricht von einem Erfolg seiner ersten Auslandsreise. Jobs, Jobs, Jobs, ein „great success“ für Amerika, er arbeite hart für die Amerikaner. Dafür hofiert er Dikatoren und verprellt Freunde. Alles kein Problem, denn Trump handelt ja nach dem Motto „Make America Great Again“ und dabei brettert er ausschließlich auf der Überholspur des „America First“ Highways durch die Weltgeschichte.

Seine beleidigenden Worte gegenüber den Deutschen ist nur ein Beispiel, wie Trump mit einstigen engen Partnern Amerikas umspringt. Der Elefant wütet durch den Porzellanladen, droht mit Strafzöllen wie ein Wegelagerer und verkennt dabei die wirkliche Situation. Was der derzeitige US Präsident in seiner selbstverliebten Sichtweise geflissentlich übersieht ist, die USA waren und sind ein Einwanderungsland. DEN Amerikaner gibt es nicht. Wer mit einem Amerikaner spricht, der wird gleich erfahren, wie er oder sie sich empfinden. Sie kommen aus Deutschland, Finnland, China, Mexiko, England, Irland, Russland. Die Welt trifft sich in den Vereinigten Staaten von Amerika. Das Global Village ist längst Realität in den USA. Man muß nur nur die Städte spazieren, um von Japantown nach Chinatown, nach Little Italy oder nach Russian Hill zu kommen. Amerika ist gespalten, nicht nur politisch, sondern auch ethnisch. Überall wohin ich komme erzählen mir Amerikaner, dass sie auch „deutsch“ seien. Der Uroma kam aus Lüdenscheid oder einer Stadt, die so klingen könnte. „I love Germany, I love my „BI-EM-Double U“, great German engineering“.

Deutsche und Deutsch-Amerikaner in den USA kaufen bevorzugt deutsche Produkte, fliegen mit deutschen Airlines, fahren deutsche Autos. Das ist so bei diesen Einwanderern, das ist ähnlich bei den anderen Einwandergruppen, sie sind nach wie vor mit ihrer alten Heimat verbunden. Schaut man nach Chinatown, kaufen Chinesen vor allem in chinesichen Läden ein. Trump meint, nur weil auf einem Produkt „Made in USA“ stehe, würden Amerikaner nun seinen MAGA-Wahnsinn unterstützen. Doch da verkalkuliert er sich. Er übersieht, dass es den einheitlichen Model-Amerikaner nicht gibt und noch nie gegeben hat. Alle sind Einwanderer von irgendwoher. Einige mehr, andere weniger. Und viele von ihnen kaufen auch aufgrund ihrer familiären Wurzeln ein. Mit der Drohung von Strafzöllen wird Trump eine bislang stille Mehrheit gegen sich aufbringen.

 

Auf der Suche nach der kalifornischen Liebe

Derzeit wird in den USA viel zurück geblickt. Hier jene, die 50 Jahre nach dem “Summer of Love” darüber reden, was aus all dem geworden ist. Und dort die, die das weiße Amerika längst vergangener Tage als Idealbild betrachten. Doch es geht auch anders, wie eine Retro-Welle in Los Angeles zeigt. Musik, Tanz und Mode aus einer anderen Zeit feiert in der kalifornischen Megametropole, der Glanz- und Glitterstadt, der Traumfabrik ein Comeback.

Menschen aus aller Welt zieht es nach Los Angeles. Hier trifft man auf Stars und Sternchen, hier fahren werdende Schauspieler und Filmschaffende Taxi und erzählen ihren Mitfahrern, dass sie bald ganz groß rauskommen. Los Angeles lädt zum Träumen ein. Der Blick ist nach vorne gerichtet, die Zukunft gehört denen, die an sich glauben.

Und doch, derzeit geht der Blick auch wieder zurück auf eine Zeit, in der die Welt noch heil und Amerika “great” war – zumindest in der Erinnerung. Die 1950er Jahre und mit ihr der Rockabilly erleben in LA eine Wiedergeburt, wie die Musikerin und Sängerin Maureen Davis erklärt. „Es bringt uns zusammen. Es ist ein Flashback auf die glücklicheren Zeiten unserer Großeltern. Die Mode ist klassisch, wir reden hier von den Chanel Modellen, diesen Pencil Skirts, Mode, die immer wieder aktuell wird.“

Die aus Ohio stammende Maureen Davis lebt seit vielen Jahren in Los Angeles. Sie legt nun mit ihrer Band Mercury Five passend zum Retro-Trend in LA ein neues Album vor. “Gimme Mo!” heißt es, was für Maureens Spitzname “Mo” und gleichzeitig für die Kurzfassung von “More” steht. Also, in etwa “gib mir mehr Maureen”. Auf dem Cover ist die attraktive Sängerin im Stil eines 50er Jahre Cartoons abgebildet. Es ist ein Album, auf dem Davis viele musikalische Brücken schlägt: „Ich bin eine Tänzerin, ich liebe das Tanzen, Swing und Jitterbug…. Rockabilly war für mich eine Möglichkeit meine Country und Rock’n Roll Wurzeln mit meinem Tanzen zu verbinden. Rockabilly ist nicht nur die Zusammenführung von Hillbilly und Rock’n Roll. Da ist auch Latin Rockabilly. Ich liebe meine Cha Chas und meine Mambos, also musste ich “Mambo Joe” und “Mr. Love Love” schreiben, einen Cha Cha. Und dann sind da meine Mistreiter Scotty Lund und Sylvain Carton. Wie sie es produziert haben hat das alles zusammen gebracht.“

“Gimme Mo” hat die Leichtigkeit und Entspanntheit eines südkalifornischen Strandnachmittags. Sonne, Meeresrauschen, Kofferradio und dazu ein Eis am Stiel. Auf diesem Album nimmt Maureen Davis einen mit auf eine klangvolle und “happy” Zeitreise. „LA ist wunderbarer Ort dafür. Die Mode, eine Frau mit einer Blume im Haar, Kerle mit den Tattoos. Wir sind hier sehr offen. Man muss nur nach Swing Dance in Los Angeles suchen, dann findet man das. Es gibt da einen ganzen Kalender voll, wo man was in Los Angeles finden kann.“

Maureen Davis ist auf einer Mission. Sie will ihre Mitmenschen für den Retro-Sound gewinnen. Derzeit tanzt sie sich wieder durch das Nachtleben der Megacity. In 101 aufeinander folgenden Tagen erlebt sie die Stadt und ihre Clubs, manchmal tanzt sie auch einfach draussen zum Sound eines Radios. Dazu spielt sie mit ihrer Band live, unterrichtet und schreibt an neuen Songs. Viele davon sind wie auf “Gimme Mo!” persönlich gehalten: „Wenn du dir die Lyrics anhörst, dann merkst du schnell, dass ich immer auf der Suche nach Liebe bin. Die EP “What’s it gonna take” war sogar ein Heiratsantrag an meinen damaligen Freund. Und er sagte nein….der Bastard. (lacht). Ich wollte den Leuten einen menschlichen Blick auf die Musik geben. Viele dieser Rockabilly und Swing Songs sind einfach nur happy, happy und ein bisschen trauriges Cliché. Ich wollte mich als ehrliche, erwachsene Frau durch die Musik ausdrücken, und ich hoffe, das ist mir gelungen.“

Maureen and the Mercury 5, Gimme Mo!, ist bei Rock Star Records erschienen.

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Die Eskalation der Entwicklungshilfe

Präsident Donald Trump erklärt die Welt. Foto: AFP.

Donald Trump liest vom Teleprompter ab und die Welt hört zu. Auf seine Rede zum Islam in Riad waren viele gespannt. Nein, er sprach nicht vom „radical islamic terrorism“, vielmehr pries er den Islam in ganz ungewohnten Tönen. Der Wolf hatte Kreide gefressen und sich den Schafspelz übergeworfen. Aber es war klar, dass Donald Trump nicht nach Saudi Arabien reisen würde, um dort seine offene Polterei fortzuführen. Er nutzte vielmehr die Möglichkeit vor dem saudischen Königshaus und Dutzenden von Präsidenten aus islamischen Ländern zu sprechen, um die Welt aufzuteilen – in gut und böse. Wer mit uns kämpft ist auf der guten Seite, wer gegen uns ist, wird die Konsequenzen tragen müssen. Vieles in dieser Ansprache erinnerte an George W. Bush aber auch an Barack Obama. Das reichte vom Handausstrecken bis zur Verteufelung des Gegners. Die „Axis of Evil“ 2017 besteht nun aus jenen, die den IS unterstützen, dem Iran und Nordkorea.

Was in dieser Rede und Trumps Besuch allerdings deutlich wurde, war die Neuausrichtung der amerikanischen Entwicklungspolitik. Zuvor schon hatte Trump massive Kürzungen in den Haushalten von USAID und State Department vorgeschlagen. Und dann fehlten Begriffe wie Menschenrechte, Fairness, humanitäre Intervention, Demokratisierung ganz in der Trumpschen Vorlesestunde. Vielmehr betonte Präsident Trump, dass er nicht gekommen sei, um anderen vorzuschreiben, wie sie zu denken und zu leben haben. Ein klares Signal in Saudi Arabien und vielen anderen islamischen Regimen: „Macht so weiter, wie bisher. Mich interessieren eure inneren Angelegenheiten nicht“.

Trump will fortan Staaten unterstützen, die den USA im Kampf gegen die Terrororganisation IS helfen. Das heißt, die Amerikaner wollen den Nahen Osten und Teile Afrikas mit gewaltigen Waffenlieferungen und Militärhilfen überziehen. Der 100 Milliarden Dollar Deal mit Saudi Arabien zeigt den Weg. Die notleidende jemenitische Bevölkerung, die Opfer der saudischen Bomben wurde, ist und wird, entlockt Donald Trump noch nicht einmal einen Seufzer. Die Militarisierung der Krisengebiete nimmt damit eine katastrophale Wende. Trump ist kein Friedenspräsident, auch wenn er, wie in Riad, großspurig vom Frieden in aller Welt spricht. In der saudischen Hauptstadt machte er deutlich, dass mit den „wunderschönen amerikanischen Waffen“ der Frieden herbeigebombt werden soll. Ein Frieden für die diktatorischen Machthaber im Kampf gegen Demokratie, Menschenrechte, Gleichberechtigung, Mitspracherecht, Anderssein.

Der amerikanische Präsident zeigte in Saudi Arabien sein wahres Gesicht. „America first“, „Jobs, Jobs, Jobs“, „Beautiful Deals“ – und das alles auf Kosten jener Menschen, die schon jetzt zu den Benachteiligten der Welt gehören. Trump ist nicht ohne Grund Milliardär geworden. Seine Dollargeilheit als Immobilienhai will er nun als US Präsident witerführen. Koste es was es wolle!