Der Vertrag mit den amerikanischen Wählern

Bislang hat Donald Trump nicht viele seiner Wahlkampfversprechen gehalten. Foto: Reuters

Donald Trump kündigte kurz vor der Wahl seinen „Contract with the American Voter“ an, sein „100-day action plan to Make America Great Again“. Die Zeit ist nun abgelaufen, die einhundert Tage sind rum und Trump hat nicht viel vorzuweisen. Dekrete und großes Getöne, ja, er hat einen Verfassungsrichter auf die höchste Richterbank hieven können. Aber sonst….? Trump steht vor allem für einen unsäglichen politischen Diskurs. Er hat Amerika verändert und das sicherlich nicht zum besten. Nicht nur Washington ist gespalten, sondern die gesamte Nation. Eine friedliche Diskussion zwischen Trump-Anhängern und Trump-Gegnern gibt es nicht mehr. Donald Trump spaltet das Land.

Hier ein Audio Interview zu einhundert Tagen Donald Trump im Weißen Haus:

– 100 Tage Donald Trump. Mir kommt es länger vor. Wie geht es dir?

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 – Nach 100 Tagen werden Präsidenten in den USA traditionell erstmals gemessen. Trump versprach zu Beginn seiner Amtszeit schnelle Änderungen! Was hat er tatsächlich bis jetzt erreicht?

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– Ist Trump also in der politischen Wirklichkeit angekommen?

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– Was Trump sehr wichtig ist sind Umfragewerte… sogenannte Ratings. Dort steht er aber nach hundert Tagen historisch schlecht da, oder?

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– Hört man von Trump Wählern die es bereits bereuen, oder sind die USA weiterhin ein tief gespaltenes Land?

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–  Gibt es Trump-Wähler die enttäuscht sind nach diesen hundert Tagen?

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–  Trump bezeichnet sich selber als „flexible Person“, andere bezeichnen es als politisches Fähnchen im Wind. Im Stile von: Am Dienstag kritisiert er China, am Mittwoch ist er Chinas bester Freund. Wie kommt das an?

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– Twittert Trump eigentlich noch immer so viel?

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– Was erwartest du für die kommenden 100 Tage Trump?

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100 Tage Präsident Donald Trump

Viel wird derzeit über diese ersten 100 Tage der Trump Adminstration gesprochen. Keine Nachrichten-, keine Diskussionssendung vergeht, wo nicht über diesen künstlichen Zeitrahmen gesprochen wird. Trump selbst sagt von sich, er habe in dieser Zeit so viel erreicht wie noch kein Präsident vor ihm. Allerdings sieht die Realität anders aus. Donald Trump hat zumindest nicht das geschafft, was er großspurig in seinem „Contract with the American Voter“ angekündigt hatte. Sein „100-day action plan to Make America Great Again“ ist bislang alles andere als aktionsreich verlaufen. Trump tweetet und stellt sich wie eh und je selbst dar. Selbstverliebt und realitätsfern ging er durch die ersten 100 Tage „on the job“.

Nun haben die Produzenten der Simpsons ein passendes Bild des neuen Präsidenten gezeichnet. Anlass sind die ersten abgelaufenen 100 Tage von Donald Trump im Weißen Haus. Der Videoclip macht derzeit die Runde online. Interessanterweise werden die Simpsons auf FOX ausgestrahlt, dem Rupert Murdoch-Sender, zu dem auch FOXNews gehört, der (in)offizielle Propagandasender der Trump Administration.

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Jeder Penny zählt, koste es was es wolle!

Ich war beim Arzt. Nichts Ungewöhnliches, ich werde auch nicht jünger. Ein Spezialist puhlte da mit einer Nadel in meinem rechten Ellbogen rum und kratzte abgelagertes Calcium raus. Seitdem bekomme ich Rechnungen vom Arzt, der Praxis, in der der Arzt mich behandelte, vom Labor, vom Latexhandschuhlieferanten, von der Reinigungsfachkraft, die anschließend den sterilen Raum wieder flott machte. So ungefähr kommt mir die Flut an Rechnungen vor, die hier im Briefkasten liegen. Nicht alles wird von meiner Versicherung übernommen, anderes, sagt mir meine Versicherung, brauche ich auch nicht zahlen.

Nun kam ein Brief der Versicherung bei mir an, in dem es heißt, „California Sports and Orthopedic Insitute“ habe eine Rechnung über $0.03 eingereicht, also genau drei Cent. Die Versicherung schreibt dazu, man habe eine finanzielle Forderung von der Praxis erhalten – drei Cent – und darauf geantwortet, dass man für eine Begleichung des Betrags noch weitere Informationen benötige, u.a. eine genaue Auflistung der Behandlung. Als jemand, der schon ein paarmal bei Ärzten war, frage ich mich nun, was mit drei Cent bei einem Arzt und Spezialisten in Rechnung gestellt werden kann? Und nicht nur das, allein der Brief der Versicherung an mich, in dem mir lediglich mitgeteilt wird, dass man die drei Cent nicht einfach begleichen will, sondern erst noch weitere Informationen einholen muss, wurde mit 40 Cent frankiert.

Nun bin ich gespannt, wie diese kalifornische Krankenkassen-Posse weitergehen wird. Ob die Arztpraxis nun eine zufriedenstellende Auflistung der Serviceleistungen für drei Cent an die Versicherung weiterreichen, was darin enthalten sein wird und wer dann am Ende diesen Betrag von drei Cent übernehmen wird: die Arztpraxis, die Versicherung oder ich.

Meine Million Dollar Idee

Seit Monaten regnet es in Kalifornien. Ich arbeite von zu Hause, tagtäglich bin ich bei Wind und Wetter mit meinem Hund im Wald unterwegs und klettere über umgewehte Bäume. Käthe liebt das kühle, nasse Wetter, rast mit Begeisterung durch jede Pfütze und jedes Schlammloch, buddelt unaufhaltsam hinter Erdhörnchen und Maulwürfen hinterher. Danach sieht diese Schäferhund-Husky Mischung aus wie die letzte Sau. Der Kampf geht dann am Gartenschlauch los. Doch auch ich seh‘ nach diesen Schlammspaziergängen und Kraxeleien total verdreckt aus. Meine Carhartt Hose ziehe ich nur für den Wald an, nach mehreren Tagen sieht sie sehr „rustikal“ aus, so, als ob ich im Wald kräftig geholzt hätte. Hab‘ ich nicht, aber der „Look“ passt.

Nun weiß ich allerdings, wie ich mir den „American Dream“ erfüllen kann. Vom NZ Korrespondenten zum gutverdienenden Trendsetter in Sachen Mode, denn meine verschlammten Hosen könnte ich für viel Geld verkaufen. Kein Witz, denn genau das geschieht beim Modekaufhaus Nordstrom. Für 425 Dollar kann man sich da eine versaute Buxe kaufen, vorne dreckig, hinten dreckig, so, als ob da jemand einen Hang runter gerollt ist. Die „Barracuda Straight Leg Jeans“ gibt es leider nur in der Farbe Indigo. Das Angebot richtet sich an finanzstarke Käufer, die ihre Hosen nicht selbst dreckig machen wollen, aber den „Arbeislook“ lieben. Also, das kann ich auch liefern in Größe 34/32. Wer will, kriegt die Hose auch noch mit Hundefpfotenabdrücke und ein paar Hundehaaren dazu, das kostet allerdings 50 Dollar extra. Bestellungen nur per Vorauskasse. 50 Jahre nach dem „Summer of Love“ und kurz vor dem Jubiläum des Woodstock Festivals scheint der Schlammlook wieder „in“ zu sein.

In Rüstung „we trust“

In der Nürnberger Zeitung steht heute ein Artikel über die gestiegenen Rüstungsausgaben weltweit. Die USA gaben im vergangenen Jahr 611 Milliarden Dollar für ihre Armee aus, China 215, Russland 69,2, Saudi Arabien 63,7. Deutschland liegt mit 41.1 Milliarden Dollar auf dem neunten Rang. Diese Zahlen werden in diesem Jahr weiter steigen. In den Vereinigten Staaten unter Donald Trump wird das Militär aufgerüstet und Trump selbst setzt die NATO Mitgliedsländer unter Druck, auch ihre Wehretats aufzustocken. Die Welt ist damit wieder in einer kostspieligen und verheerenden Rüstungsspirale angekommen.

Doch diese Zahlen drücken nur einen Teil der Rüstungsdebatte aus. Der frühere Korrespondent Markus Bickel berichtete lange Jahre aus den Krisengebieten dieser Welt, aus Sarajevo, Beirut, Bagdad und Damaskus. Er reiste viel in all die umliegenden Länder der arabischen und nordafrikanischen Welt. Seit Anfang des Jahres ist er der Leiter der Zeitschrift „Amnesty Journal“, dem Magazin von amnesty international in Deutschland. In seinem nun erschienen Buch „Die Profiteure des Terrors“ blickt Bickel auf ein Kapitel der Rüstungsindustrie, das nur zu gerne übersehen wird. Der internationale und legale Waffenhandel ist hier zu einem gewinnbringenden Exportschlager geworden und dort zu einer Manifestierung alter und überholter Strukturen. Hinzu kommt die beabsichtigte und auch unbeachsichtigte Bewaffnung von Terrorregimen und -gruppen. Ein kleiner Kreis deutscher Politiker unterstützt mit einem „Ja-Wort“ im Bundessicherheitsrat Tod und Verderben, Terror und Unterdrückung in zahlreichen Ländern. Deutsche Waffen sind beliebt in aller Welt und leichter erhältlich, als man glauben mag. Gerade das zeigt Markus Bickel in seinem Buch auf.

Es geht um Bündnistreue, um politische und militärische Partnerschaften, die immer wieder zu bedenklichen Exporten führen. Saudi Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar sind nicht gerade bekannt als Hüter der Menschenrechte. Der Krieg im Jemen beleuchtet die ganze militärische Macht Saudi Arabiens. Deutsche Waffen sind im Einsatz, auch und vor allem gegen die Bevölkerung. Was die Bundesregierung immer wieder öffentlich einfordert ist die Kontrolle der Waffenlieferungen. Man wolle nicht, dass die Waffen in die falschen Hände geraten oder gegen Zivilisten eingesetzt werden. Doch das ist Augenwischerei, wie Markus Bickel in „Die Profiteure des Terrors“ ausführlich beschreibt. Eine Kontrolle ist mit der Auslieferung von Schußwaffen und Rüstungsgerät nicht mehr zu garantieren.

Man muß nur selbst in Krisen- und Konfliktländer reisen, um die Schwemme an Waffen zu sehen. Allein in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara, in denen ich mehrfach unterwegs war, wird geschätzt, dass weit über 30 Millionen Schußwaffen im Umlauf sind. Nun denke man an den Irak, an Syrien, an Afghanistan. Von einer Kontrolle kann da nicht die Rede sein. Eigentlich überall haben Länder wie Deutschland, Frankreich, England und vor allem die USA die „Bad Hombres“, wie Donald Trump gerne Terroristen und Kriminelle nennt, bewaffnet. Der Islamische Staat wurde nur noch stärker durch die Waffen aus dem Westen. Und die kamen aus eroberten amerikanischen Depots und aus Waffenlieferungen im Kampf gegen den syrischen Diktator Baschar al-Assad.

Markus Bickel legt in seinem lesenswerten und umfassenden Buch die Wege offen, jene Wege, die von Deutschland aus in Krisengebiete gehen und sich dort verlaufen. „Profiteure des Terrors“ ist eine Anklage gegen das Wegsehen. Das Siegel „Made in Germany“, u.a. auch produziert in Nürnberg, geht uns schließlich alle an.

Markus Bickel, Profiteure des Terrors, Westend Verlag, 18 Euro.

Irgendwas stimmt mit ihm nicht

Ich ertappe mich jeden Morgen und auch tagsüber dabei, wie ich auf Twitter nach dem sehe, was Donald Trump wieder von sich gegeben hat. Und jedesmal bin ich erstaunt und perplex darüber, was der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika da so von sich läßt. Man muss sich nur die heutigen Tweet-Ergüsse ansehen, um sich zu fragen: was bitteschön reitet diesen Mann? Was er da Tag für Tag in Kurznachrichten kommentiert, wie er nachkeilt, beleidigt, Geschichte umschreibt, falsche Tatsachen verbreitet und schlichtweg in einer Ich-Welt lebt, ist für mich nicht mehr verständlich. Lange Zeit konnte ich noch den Unterhaltungsfaktor in der Trumpschen Welt erkennen, doch damit ist es schon lange vorbei. Trump ist zu einem politischen Alptraum geworden, aus dem man nur noch aufwachen möchte.

Donald Trump ist der gewählte Präsident der USA, daran führt kein Weg vorbei. Er hat die Wahl gewonnen, er wußte, wie er das katastrophale amerikanische Wahlsystem besser für sich nutzen kann. Doch anstatt mit dem Wahlsieg zu leben und nach vorne zu blicken, zu regieren und zumindest den Versuch zu unternehmen, das Land zu einen, spaltet er mehr, polarisiert und macht damit Amerika nur schwächer. In meinem Umfeld sind viele, die sagen, George W. Bush war wenigstens noch präsidial. Selbst das fehlt Donald Trump. Er poltert einfach weiter, so als ob noch immer mittendrin im Wahlkampf steckt. Ich frage mich, wohin der amerikanische Weg in diesen Tagen, Wochen und Monaten gehen wird?

 

 

 

 

Es wird knallen in Berkeley

„In Trump we trust“, heißt das jüngste Buch von Ann Coulter. Allein das ist eine Provokation in Berkeley, wo Donald Trump nur drei Pozent der Stimmen erhielt, weniger als die Kandidatin der Grünen, Jill Stein. Foto: Reuters.

Am kommenden Donnerstag hat sich die erzkonservative Provokateurin Ann Coulter angekündigt. Sie wurde von den „Berkeley College Republicans“ zu einem Vortrag eingeladen und nahm nur zu gerne an. Denn der Name Coulter steht für Kontroverse. Die Buchautorin und FOXNews Kommentatorin will auf dem Campus der UC Berkeley sprechen, nur einen Steinwurf vom „People’s Park“ entfernt, in dem in den 60er Jahren die „Free Speech“ Bewegung begann.

Proteste sind für Donnerstag schon vorprogrammiert. Die Leitung der Universität würde den Auftritt von Ann Coulter am liebsten absagen, doch das geht nicht so einfach. Auch die Aussicht auf gewaltsame Ausschreitungen, wie es sie zuletzt beim Auftritt des Breitbart Redakteurs Milo Yiannopoulos gab, helfen da nicht. Freie Meinungsäußerung wird von Seiten Coulters zu gerne getestet in der Absicht, dass es zu einer Absage oder zu Übergriffen kommt. Denn so erreicht sie nationale Aufmerksamkeit und kann die liberale Uni vorführen.

Auch Präsident Donald Trump ist die Eliteuni ein Dorn im Auge. Als es im Februar zu Unruhen auf dem Campus gegen den Auftritt von Yiannopoulos kam, die Uni-Leitung auf Anraten der Polizei die Veranstaltung ganz absagte, aber dennoch ein Schaden von weit über 100.000 Dollar entstand, drohte Trump ganz direkt via Twitter. Und das, obwohl er eigentlich damit so gar nichts zu tun und auch diesbezüglich nichts zu sagen hat. Aber Trump ist Trump, er mischt sich überall ein, auch ungefragt.

Milo Yiannopoulos hat bereits angekündigt, demnächst eine ganze Woche in Berkeley zu verbringen, um gleich mehrere Seminare und Veranstaltungen durchzuführen. Und auch Ann Coulter will nicht zurück weichen. Sie und ihre republikanische Truppe an der Uni drohen bereits mit Klagen, falls ihr Auftritt nicht zustande kommen sollte. Am Donnerstag wird es daher zu Ausschreitungen auf dem Campus Gelände der UC Berkeley kommen. Amerika zeigt da den tiefen Graben, der durch das Land läuft.

„Democracy dies in darkness“

Die renommierte Tageszeitung Washington Post hat unter ihrem Namen stehen: Democracy dies in darkness. Eine klare Ansage, die als Reaktion auf den Wahlsieg Donald Trumps kam.  Trump erklärte Medien, die ihn kritisierten und die nicht als Hofberichtstatter in der Trumpschen Welt fungieren wollen, zu „Fake News“. Was bedeutet, alles was Donald Trump sagt ist wahr, alles was Medienvertreter berichten ist unwahr. So die schwarz-weiß Logik des 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika.

Nun wurden wieder die Pulitzer Preise vergeben, die angesehensten Auszeichnungen im amerikanischen Journalismus. Neben den großen Tageszeitungen, wie der Washington Post, der New York Times, des Wall Street Journals, sind gerade die vielen Auszeichnungen für lokale Zeitungen, wie die East Bay Times in Oakland, die Charleston Gazette Mail und auch die New York Daily News hervorzuheben. Denn die lokalen Tageszeitungen arbeiten mittlerweile unter erschwerten Bedingungen. In nur 15 Jahren sank die Mitarbeiterzahl zwischen 2001 und 2016 von 412,000 auf 174,000. Zahlreiche US Zeitungen machten im diesem Zeitraum ganz dicht. Es lohnte sich nicht mehr.

Die Pulitzer Preise machen immer wieder deutlich, wie wichtig eine breite, kritische und funktionierende Zeitungslandschaft ist. Ausgezeichnet werden eben nicht die Beiträge über die jüngste Pressekonferenz im Rathaus, der Neuzugang beim lokalen Profi-Team oder die Umfrage über „was halten sie vom vielen Regen?“ Nein, die Pulitzer Preise honorieren den kritischen Journalismus. Reporter werden geehrt fürs Hinsehen, Nachfragen, Recherchieren. Investigative Stories, die zeigen, welche Rolle Printmedien in unserer Gesellschaft einnehmen, einnehmen sollen, einnehmen müssen.

Was dabei und gerade in unserer Zeit hervor gehoben werden sollte, ist, dass kein Blog, dass keine Webseite, dass kein Social Media Star diese Arbeit übernehmen kann. Investigative Berichte brauchen Zeit, brauchen Geld, brauchen Reporter, die wissen, wie sie an eine Story herangehen, nicht aufgeben, sie auch unter erschwerten Bedingungen verfolgen. Und es braucht einen mutigen und weitsichtigen Herausgeber, der all das zu schätzen weiß. Der oder die es als Aufgabe von Medien sehen, in einer Demokratie eine mehr als wichtige Rolle zu übernehmen. Man muss nur in die Türkei blicken, um zu erkennen, was passieren kann, wenn die Meinungsvielfalt in den Medien aufgehoben, wenn die Presse quasi gleichgeschaltet wird. Democracy dies in darkness ist also nicht nur eine Standortbeschreibung für die Washington Post, es ist auch und vor allem eine Warnung an uns alle, wie leicht eine Demokratie gefährdet sein kann…hier, da und dort. Als passende Antwort auf Politiker wie Donald Trump, Recep Tayyip Erdogan oder auch Vladimir Putin sollte man vielleicht überlegen, eine Tageszeitung, ein politisches Magazin, eine Wochenzeitung zu abonnieren. Es wäre zumindest ein Zeichen, das durchaus wahrgenommen wird, wie die Auflagensteigerungen der New York Times, der Washington Post, die steigenden Zuschauer- und Hörerzahlen von CNN, PBS und NPR seit der Amtsübernahme von Donald Trump belegen.

 

Hab‘ ich was verpasst?

Von Somalia zurück an meinem Schreibtisch in Oakland. Auf der Reise ans Horn von Afrika habe ich immer wieder Fragen nach Donald Trump beantworten müssen. Das geplante Einreiseverbot in die USA für Menschen mit somalischen Pass war genauso Thema, wie die geplanten Budgetkürzungen für die amerikanischen Entwicklungshilfeprogramme USAID, gerade in einer Zeit mit etlichen Hungerkatastrophen. Amerika unter Donald Trump wirft weite Schatten voraus.

Nun wieder hier im Land der unbegrenzten Möglichkeiten und ich frage mich, was ich verpasst habe? Ein paar Bombenangriffe, einen Sprecher des Weißen Hauses, der Konzentrationslager als „Holocaust Centers“ umschreibt, Dutzende von selbstverliebten und realitätsfernen Tweets, ein paar Skandale und Skandälchen….also nichts neues in den USA!

Heute findet in Berkeley (!), der wohl liberalsten und politisch progressivsten Stadt in den USA, eine weitere Pro-Trump Demonstration statt. Die erste vor ein paar Wochen artete aus, es kam zu Schlägereien, Verhaftungen, zahlreichen Verwundeten. Damit das ganze nicht wieder in einer wilden Rauferei endet, hat die Polizei schon mal vorab bekannt gegeben, was man nicht mitbringen sollte: Metal pipes, Baseball or softball bats, Lengths of lumber or wood of any size, Wooden dowels, Poles, Bricks, Rocks, Glass bottles, Pepper spray (OC spray), Mace, Knives or daggers, Shields, Axes, axe handles, or hatchets, Ice picks, Razor blades, Tasers, Eggs, Any other item that can be used as a weapon. Na, das ist eine Liste. Gebracht hat sie allerdings nicht viel, denn zur Stunde kloppen sie sich im „Martin Luther King Jr. Civic Center Park“ in Berkeley.

An der Golden Gate Bridge wird nun nach etlichen Jahren Diskussion und Planung ein Stahlnetz unterhalb der Brücke angebracht. Das 211 Millionen Dollar teure Projekt soll in Zukunft Selbstmörder vom Sprung abhalten oder sie zumindest nach dem Fall retten. Das Netz sei so konzipiert, dass es sich um einen Springenden legt. Ohne Hilfe, so heißt es, kann sich der Selbstmörder nicht befreien. Über die Jahrzehnte sind nahezu 2000 Menschen von der Brücke in den fast sicheren Freitod gesprungen. Notfalltelefone, Seelsorger und Wachpersonal haben kaum zu einer Verringerung der Selbstmorde geführt. Auf Druck von Hinterbliebenen und der wenigen Überlebenden wird nun das Netz unterhalb der Fahrbahn angebracht und damit das Bild der Brücke dauerhaft verändert.

Die Zukunft heißt Solar, Mister Trump

Ich denke mal nicht, dass Donald Trump meinen Ratschlag will. Er hat ja eine Reihe von erfolgreichen Unternehmern um sich gesammelt, die ihn beraten. Darunter sind aber wohl nur wenige zukunftsorientierte Energiewissenschaftler und Geschäftsleute. Denn anscheinend erkennen die Trumpschen Jünger nicht die Zeichen der Zeit.

Die Pumpe für den neuen Wasserturm außerhalb von Dilla, Somaliland, wird mit Solarkraft betrieben.

Gestern schaute ich mir den Neubau eines Wassertanks an, der sauberes Grundwasser außerhalb von Dilla in Somaliland speichern soll. Die Pumpe, mit der das Grundwasser aus über 100 Metern Tiefe an die Oberfläche gebracht wird, ist solarbetrieben. Ein nachhaltiges Projekt von CARE, solche Bauprojekte werden nun vermehrt mit Solarenergie bestückt. Keine Ausnahme, denn im Herbst 2015 besuchte ich den Osten Somalilands. Auch dort gibt es CARE Wasserprojekte. Pumpen werden mit Solarkraft betrieben, die überschüssige Energiegewinnung hilft sogar den Dorfbewohnern ihre Handys aufzuladen und Strom in mehrere Geschäfte und Wohnhäuser zu bringen. Das sind ein paar Beispiele, wie effektiv und nachhaltig und vor allem preiswert die Sonnenenergie genutzt werden kann.

Die USA sind für eine umfassende Solarnutzung prädestiniert. Solarkraftwerke existieren bereits in Kalifornien und auch anderswo im Süden des Landes. Die Frage ist allerdings, wie lange noch? Denn wenn es nach Donald Trump geht, werden dem Energieministerium – genau, jenes Ministerium unter der Führung von Rick Perry, der als Kandidat noch sein eigenes Ministerium abschaffen wollte – noch in diesem Jahr 500 Millionen Dollar gestrichen. Und das im Bereich der Forschung für neue Energiequellen und -nutzung. Das sind 25 Prozent des gesamten Haushalts des „Office of Energy Efficiency and Renewable Energy“ (EERE), das Teil des „Departments of Energy“ ist. Für das Budget 2018 soll eine ganze Milliarde Dollar von EERE gestrichen werden.

Wissenschaftler sprechen davon, dass diese Kürzungen der Todesstoss für die Solarforschung in den USA sei. Doch Trump hört lieber anderen Leuten zu, wie jenen, die ihn an seine Wahlkampfversprechen erinnern. Trump kandidierte mit dem Versprechen die Kohleindustrie wieder anzukurbeln. Jobs, Jobs, Jobs für den Bergbau. Sinn macht das keinen, vor allem auch keinen finanziellen, aber das ist Trump egal. Neben der Kohlehuldigung streicht er auch so einige Umweltregularien, die sein Vorgänger Barack Obama der Industrie auferlegt hat. Das eingesparte Geld aus der Solarforschung soll jedoch nicht für neue Kohlegruben investiert, sondern weitgehendst für den Ausbau der Atomenergie in den USA eingeplant werden. Amerika hat unter Donald Trump einen energiepolitischen Irrweg mit weitreichenden Folgen eingeschlagen. Da kann man nur noch „Glück auf, Mister President“ wünschen.