Radio mittendrin und zwischen den Welten

In diesen Tagen der kritischen Medienbeschauung tut es gut, wenn man mal in einem Sendestudio sitzt, das so ganz anders ist. KKUP 91.5 fm in Cupertino ist eine Community Station, die seit fast 45 Jahren ohne Werbung und ohne Sponsoren auskommt. Nur die Hörer unterstützen diesen einzigartigen Sender im Herzen des Silicon Valleys. Und das spricht für die Qualität und die vielen Sendungen auf dieser Station. Nicht umsonst nennt sich KKUP auch „People’s Radio“.

Don hatte mich in seine Sendung „No Pigeonholes“ eingeladen („The longest running program of home tapes and small studio productions in the world. Send us your home recordings for airplay!“). Don ist vor allem auf KOWS Radio in Sonoma County aktiv, doch noch immer sendet er auf seiner alten Station. Dafür fährt er alle zwei Wochen zwei Stunden hin und zwei Stunden zurück, quer durch den Alptraumverkehr der Bay Area. Auf KOWS wird auch allwöchentlich Radio Goethe ausgestrahlt.

Diese Art Community Radio ist eines der wichtigen Elemene der amerikanischen Medienlandschaft. Hier hört man Stimmen, Musik und Sichtweisen, die es sonst nirgends im streng formatierten Rundfunk (mehr) gibt. Es ist Handarbeit. Don kam mit einer Kiste CDs und Platten und Kassetten. Er spielt wahrlich Musik, die es sonst nirgends zu hören gibt. Musik aus Heimstudios, keine Coversachen, sondern eigene Songs. Und heute durfte ich das, mit einigen Sachen von mir anreichern, das reichte von Kraftwerk und den Einstürzenden Neubauten, über Faust und meine „Lieblinge“ Infamis bis hin zu Studio Shap Shap aus dem Niger. Wir ergänzten uns ganz gut und sowieso macht Live-Radio viel mehr Spaß, als eine vorproduzierte Sendung. Vor allem Live-Radio, bei dem man Zeit zum Atmen hat und die Musik selbst bestimmen kann, Geschichten dazu erzählt, Musik nicht nur als Gedudel im Hintergrund laufen läßt. Wetter, Verkehr und Pollenflug interessieren weder im Studio noch die Hörer vor dem Radio. KKUP hat eine starke Frenquenz in der South-Bay und kann auch übers Internet gehört. Einschalten lohnt sich garantiert!

Die Nürnberger San Quentin Connection

Die Welt ist kleiner geworden. Samstagmorgen kalifornischer Zeit und ich höre auf der Autofahrt nach San Quentin der Live–Übertragung der Fußballbundesliga auf B5 Aktuell zu. Vorbei an Downtown Oakland, Blick auf San Francisco und die Golden Gate Bridge, über die Richmond-San Rafael Bridge und schon bin ich auf dem Parkplatz des legendären und ältesten Gefängnisses von Kalifornien. Auf der anderen Seite der Bay liegen Tiburon und Belvedere, eine sündhaft teure Gegend in der Region. Hier lebten Steffi Graf und Andre Agassi, bis sie ihr Anwesen für etwas über 20 Millionen Dollar verkauften und nach Las Vegas zogen. Dort lebte auch Robin Williams bis zu seinem Freitod.

San Quentin hat eine Traumlage mit Blick auf die Bay, der Nebel, der durch das Golden Gate strömt, lässt das Staatsgefängnis oftmals links liegen. Das sehe ich auch wieder, als ich an diesem Morgen mit Reno in einem kleinen Stahlkäfig eingesperrt werde. Er ist braungebrannt vom vielen Scrabble Spiel auf dem Hof des „East-Blocks“, der Death Row in San Quentin. In aller Ruhe schmiert er sich Ketchup und Mayonnaise auf das Sandwich und den Burger aus den Automaten, die ich noch in der Mikrowelle aufgewärmt habe, dazu zwei Dosen Coca Cola, Popkorn und ein Milky Way, denn das gab es diesmal mit dunkler Schokolade.

Die Zellen im East-Block von San Quentin. Foto: Reuters.

Ein Besuch wie so viele zuvor. Im Käfig gegenüber ein Mitglied der Aryan Nation. Glatzkopf, langer weißer Bart, ein eindeutiges Tattoo am Hals. Der Mittfünfziger beobachtet uns mit ernstem Blick. Er wartet und wartet und wartet. Nach 50 Minuten wird er wieder mit Handschellen und Kette um den Bauch in seine Zelle zurück gebracht, sein angekündigter Besucher kam nicht. In den weiteren Käfigen Gefangene und Frauen, die sie besuchen. Sowieso fällt man hier als männlicher Besucher auf. Es gibt wohl eine Faszination von Frauen für Häftlinge mit einer aussichtslosen Haftstrafe. Und die hier ist noch härter als lebenslang, denn im normalen Strafvollzug kann man „private“ Besuche mit der Frau oder Freundin bekommen. Auf Death Row ist gerade mal ein Begrüßungs- und Abschiedskuss erlaubt. Während des Besuches müssen die Hände sichtbar, also auf der Tischplatte sein. Und doch all diese Einschränkungen und Aussichten schrecken Frauen nicht ab, ernsthafte Beziehungen mit Todeskandidaten einzugehen. Eine davon lebt sogar in Nürnberg. Sie hat einen „Death Row Inmate“ in San Quentin geheiratet. Nach einer Brieffreundschaft ging man den Bund der Ehe ein. Nun ist es eine Fernbeziehung zwischen Nürnberg und San Quentin. Ein paar Besuche im Jahr, Briefe und fast tägliche Telefonanrufe um die halbe Welt.

Ich sitze mit Reno fast zwei Stunden an diesem Tisch, draußen fliegen die Möwen vorbei, die Fenster sind mit einem Stahlgitter ausbruchssicher gemacht. Wir reden über alles mögliche, klar, auch der neue Präsident ist ein Gesprächsthema. „Ich schalte immer gleich weg, wenn er im Fernsehen kommt“, meint Reno. In seiner 1,20 x 2,60 Meter kleinen Zelle schaut er lieber Motorrennsport und träumt von alten Zeiten, als er in den 60er und frühen 70er Jahren auf seiner Harley durch die Gegend tuckerte. Lang ist es her. 1978 wurde er verhaftet, 1980 zum Tode verurteilt. Seitdem ist viel Wasser durchs Golden Gate rein und wieder raus geflossen. Ebbe und Flut kommen und gehen, in San Quentin ist ein Tag wie der andere. Der fast 72jährige ist schon über die Hälfte seines Lebens hinter Gittern. Im Hochsicherheitstrakt der „Death Row“ mit strengen Regeln und Abläufen sind Besuche mehr als willkommene Abwechslungen. Sie sind, trotz der offensichtlichen Umstände, ein stückweit normales Leben. Eine Umarmung, relativ schmackhaftes Essen von draußen, Lachen, Geschichten von der Außenwelt. Nicht viele der etwa 750 Todeskandidaten haben diese Möglichkeit. Die meisten von ihnen sind mit ihrer aussichtslosen Verurteilung und über die Jahre vergessen worden.

Auf dem Weg nach draußen und zurück zum Parkplatz treffe ich den Pressesprecher von San Quentin. Mit ihm war ich mehrere Male im Gefängnis unterwegs, verbrachte viele Stunden mit ihm. „Hey, how you’re doing? Good to see you.“ „Doing well, how yourself?“ Ein bißchen Smalltalk am Rande der Bay. Ein neues, größeres Thema schwirrt mir durch den Kopf, Arbeitstitel: 24 Stunden auf Death Row. Die Genehmigung könne er mir nicht erteilen. Das müsse ganz oben im kalifornischen Justizministerium entschieden werden und das würde dauern. Zeit, das habe ich über die Jahre gelernt, ist nicht das Problem, wenn man sich mit der Todesstrafe und der Death Row in San Quentin beschäftigt.

„I see dead people“

An der Ecke Franklin und Clay Street in San Francisco, unweit des Deutschen Generalkonsulats gelegen, steht ein Haus, das da so gar nicht mehr hinpasst. 1895 für Margaret Crocker erbaut, fällt dieses Herrenhaus umgeben von Wohnsilos selbst beim Vorbeifahren auf der vielbefahrenen Franklin Street auf.

Golden Gate Spiritualist Church.

In diesem für San Francisco alten Gebäude ist seit 1924 die “Golden Gate Spiritualist Church” untergebracht. Am vergangenen Mittwochabend besuchte ich erneut die Kirche. Beim Eintreten hat man gleich das Gefühl in eine andere Zeitepoche, wenn nicht sogar in eine andere Dimension zu schreiten. Die Welt da draußen ist weit weg, nur ganz entfernt kann man den Lärm des Alltags wahrnehmen. An den Wänden selbstgemalte Bilder, die ihre eigene Geschichte haben, wie mir später Reverend Delaney Lauderback und auch die Pianistin Carla Gee erklären. Die Gemälde wurden nämlich nicht in dieser Welt gemalt. Sie hängen an den Wänden, die noch zum Teil die Originaltapete aus den Gründungsjahren aufweist.

Im Erdgeschoss befindet sich der Versammlungsraum der Kirche, ein kleines Nebenzimmer dient als “Chapel”, als Kapelle. Das Licht gedämpft, alte Stühle an einer Wand, in mehreren Vitrinen sind etwa 800 Elefantenfiguren aufgereiht. Ein religiöses Symbol für die Spiritualisten. In dieser Kapelle finden die “Healing Sessions” vor dem eigentlichen “Church Service” statt, wie der Pastor der 95 Mitglieder starken Gemeinde, der 81jährige Reverend Delaney Lauderback, erklärt: „Wir praktizieren hier Heilung durch Handauflegen, nichts Spektakuläres. Einige von uns haben das Glück diese heilende Kraft zu kanalisieren. Wir lassen die Personen in der Geisterwelt, die diese Heilkraft haben, sie durch uns an Menschen weitergeben, die sie brauchen.“

Die Mitglieder der “Spiritualist Church” glauben an einen Austausch zwischen dieser und der Welt der Verstorbenen. Etwa 180.000 Mitglieder zählt diese Glaubensgemeinschaft in den USA. „Es ist anders und doch ist es eine Kirche, die auf Gott basiert“, so der Pastor. „Der erste Grundsatz des Spiritualismus lautet, dass wir an die endlose Intelligenz glauben, dass Gott keine Person irgendwo auf einem Thron ist. Er ist endlos gegenwärtig, endlos bewußt, endlos überall und wir alle sind ein Teil darin. Wir haben eine Seele, die ein Funken in dieser Gotteskraft ist.“

Nach dem Heilen, dem Handauflegen, für einige der Gekommenen findet im größeren Versammlungsraum der “Service”, die Messe, statt. Nach einigen Liedern und Gemeindehinweisen treten nacheinander zwei Männer an das Rednerpult, die beide Medium sind. Sie deuten scheinbar wahllos auf Männer und Frauen in den Sitzreihen und fragen, ob sie zu ihnen kommen dürfen. Dann berichten sie von “Spirits”, von Geistern, die sie neben den Personen sehen, beschreiben, was diese ihnen erzählen und versuchen das mit Fragen zu deuten. Aufzeichnen darf ich den Service mit einem Aufnahmegerät nicht. Nicht die Geister haben damit ein Problem, sondern es sind eher weltliche Gründe, wie Pastor Lauderback mit einem Lachen meint: „Das ist keine gute Idee. Ich glaube es gibt Gründe der Vertraulichkeit für die Leute, die hier sind. Ich meine ganz legale.“

Eine die regelmäßig hier ist, ist Marilyn Lander. Seit fast einem Jahr kommt sie Woche für Woche zur Kirche. Meist schon vor dem eigentlichen Beginn des Service, um noch etwas in den spirituellen Büchern in den Wandschränken zu schmökern. „Ich war schon immer vom Austausch mit Geistern fasziniert. Als beide meiner Eltern starben, entschied ich mich, ich schau mal, was es damit auf sich hat. Und seit dem ersten Mal, seitdem ich hierher kam, fühlte ich mich willkommen. Plus, ich bekam Beweise, die mir zeigten, dass meine Eltern und andere die verstarben in der Geisterwelt sind. Es ist unglaublich und die Gemeinschaft hier ist sehr nett.“

Carla Gee sitzt jeden Mittwoch und Sonntag am Flügel gleich neben der kleinen Bühne und begleitet die Lieder. „Ich glaube an die Philosophie der Kirche. Ich mag sie, sie ist wunderschön. Sie besagt, dass wir nicht sterben, wenn der physische Körper stirbt, die Seele besteht weiter. Das ist der Grund unserer Kirche, daran glauben wir und versuchen Leute das verständlich zu machen.“

Auf der anderen Seite der San Francisco Bay findet man das American Baptist Seminary of the West. LeAnn Flesher ist die Dekanin und Professorin für das Alte Testament. Sie sieht die “Spiritualist Church” kritisch, und dennoch weiß sie, dass dieser Glaube auch im Christentum zu finden ist. „Als erstes fällt mir etwas aus dem Alten Testament ein, als King Saul Samuel von den Toten beschwören will. Er geht zu einem Medium und fragt Samuel, ob er eine bestimmte Schlacht gewinnen wird. Und Samuel bestraft ihn hart dafür, dass er ihn von den Toten beschworen hat. In diesem bestimmten Text sieht man ein deutlich negatives Beispiel, das nicht gebilligt wird. Aber das es überhaupt da ist legt nahe, dass es praktiziert wurde.“

In der San Francisco Bay Area gibt es viele verschiedene Religionen, Glaubensgemeinschaften, die hier friedlich nebeneinader existieren können. LeAnn Flesher, Expertin des Alten Testaments, sieht deshalb auch die “Golden Gate Spiritual Church” gelassen. Sie versteht sogar, zumindest ein bisschen, woher die Faszination für diesen Glauben kommt. „Ich denke, dass Wissenschaft und Religion uns davon zurückhält, all das zu erfahren, was es zu erfahren gibt. Es gibt da Dinge im Universum, in unserer Welt, in bestimmten Bereichen, die wir nicht kennen oder nicht hunderprozentig erklären können. Und wir glauben, durch die Wissenschaft alles verstehen zu können. Und wenn es nicht konkret und nachweisbar ist, dann existiert es nicht. Das hält uns zurück. Und gleichzeitig sind da bestimmte Leute,  die den Glauben an einen bestimmten Punkt bringen wollen, an dem die Wissenschaft überflüssig ist. Und auch das hält uns zurück, denn sie gehen in eine ganz andere Richtung. Die Frage ist also, wenn da nun Leute zu mir kommen und mir sagen, sie sehen Geister um mich rum, die da einiges veranstalten, glaube ich daran, dass das so ist? Nein, ganz sicher nicht.“

Nach dem Service am Mittwochabend kommt einer der Männer von der Bühne auf mich zu. Ich hatte bemerkt, dass er mich, während der andere sprach, ständig anblickte. Er lächelt mich an, gibt mir die Hand und sagt: „Da war eine junge Frau neben Dir, die Dich die ganze Zeit umarmt hat. So wie eine Schwester.“ 

 

Passend. Zeitgemäß. Aktuell.

50 Jahre Black Panthers in Oakland.

Im „Oakland Museum of California“ läuft gerade eine sehr aktuelle Ausstellung: All Power to the People – Black Panthers at 50. Von damals den Blick nach vorne gerichtet. Was ist aus dieser Protestbewegung geworden, die weltweit beachtet wurde.

Hier in Oakland hat alles begonnen, als sich zur Hochzeit der afro-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung Huey P. Newton und Bobby Seale trafen, zwei Männer, die nach dem Attentat auf Malcom X eine „explizit linke Organisation der Afroamerikaner und eine Schutztruppe unserer Gemeinden gegen rassistische Übergriffe der Polizei“ aufbauen wollten.

Die San Francisco Bay Area war schon immer eine Region der Protestbewegung. Nach dem Zweiten Weltkrieg organisierten sich hier viele Afro-Amerikaner, um sich gemeinsam gegen Diskrimierung und soziale Ungerechtigkeit zu wenden. Sie bekamen in der liberalen Bay Area Unterstützung von vielen. Als die „Civil Rights“ Bewegung in den Südstaaten immer mehr an Fahrt aufnahm, reisten viele von hier dorthin, um Wählerinnen und Wähler zu registrieren, um an Protestmärschen teilzunehmen.

Im Vietnamkrieg starben mehr Afro-Amerikaner als Weiße.

Mitte der 60er Jahre entstand dann in Oakland die „Black Panther Party“, die sich rasch im ganzen Land ausbreitete, Dutzende von lokalen Gruppen wurden gegründet. Die Black Panthers provozierten alleine schon durch ihr Auftreten. Militant, gut organisiert und bewaffnet. Das weiße Amerika und das FBI sahen einen Bürgerkrieg heraufziehen und wollten nicht wahrhaben, was die Panthers in den Kommunen und „Inner Cities“ auch taten. Sie schulten Kinder, halfen Alten, organisierten Essensausgaben, veröffentlichten eine Zeitung mit einer Auflage von 300.000 Exemplaren. Und die politischen Forderungen waren nicht auf Hass gegen andere aufgebaut, Bobby Seale formulierte es vielmehr so: „We don’t hate nobody because of their color. We hate oppression“

Die San Francisco Bay Area war und ist ein Ort der Protestbewegung. Hier entstand die „Free Speech Movement“, hier wurde gegen den Vietnamkrieg, den Golfkrieg, für die Occupy Bewegung, Black Lives Matter und gegen Donald Trump protestiert. Die Ausstellung im „Oakland Museum of California“ war schon lange geplant, doch hat nun mit dem Wahlsieg Donald Trumps einen ganz aktuellen Bezug gefunden. Dazu auch der folgende Beitrag auf Deutschlandradio Kultur über die liberale Bay Area nach dem Wahlsieg Trumps:

      Das liberale Amerika

Der Blick in die Welt

Seit 1996 findet in San Francisco Jahr für Jahr das deutschsprachige Filmfestival „Berlin & Beyond“ statt. San Francisco ist eine Film- und Festivalstadt, hier trifft man auf ein Publikum, das den Blick hinter die Glanz- und Glimmerwelt Hollywoods wagt und wagen will. Ein Blick in die Welt. Das deutschsprachige Filmfestival mit Streifen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz bietet genau das.

Doch „Berlin & Beyond“ war noch nie so wichtig, wie in diesem Jahr. Mit der Wahl von Donald Trump, mit seiner Bauchnabelschau, seinem „America First“ Ruf, seinem „Make America Great Again“ wird ein fataler Kurs in den USA eingeschlagen. Amerika wendet sich von der Welt ab und vergisst scheinbar dabei, dass dieses Land nicht der Mittelpunkt des Universums ist.

„Berlin & Beyond“ kommt daher mit einer vielseitigen Filmauswahl zur richtigen Zeit. Der Blick auf das Leben, die Kultur, die Probleme, den Humor, die Kreativität in einem Land, das der neue Präsident schon jetzt als „Gegner“ auserkoren hat. „Berlin & Beyond“ zeigt, dass uns alle viel mehr vereint als uns trennt. Ob hier in San Francisco, in Oklahoma City, in Flensburg oder Zwickau, der Alltag und seine Freuden und Sorgen ist überall gleich. Ein Donald Trump denkt in schwarz-weiß, doch die Welt ist bunt. Das klingt platt, aber wer die Filme dieses Festivals ansieht, der merkt sehr schnell, dass der Weg, auf den Donald Trump die USA bringen will, ein Irrweg ist. Denn, wie sang mal Udo Lindenberg; „Hinter’m Horizont geht’s weiter“.

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Weg sein – hier sein

Ich bin nur eine Generation von einem Flüchtling entfernt. Auch der Vater meines besten Freundes war ein Flüchtling. Sie kamen aus Schlesien und aus dem Sudentenland. Sie waren Deutsche, aber sie waren auch Flüchtlinge und das prägte ihr Leben, das prägte unser Leben. Und noch heute ist das, was da vor über 70 Jahren passierte, in vielen Familien, auch in meiner, gegenwärtig.

„Weg sein – hier sein“ heißt ein Buch aus dem Secession Verlag, in dem Autorinnen und Autoren zu Wort kommen, die aus Syrien, aus dem Jemen, aus dem Iran gekommen sind. Kommen mußten, auch sie sind Flüchtlinge. Sie schreiben über ihre Heimat, über das, was sie zurück gelassen haben, über das, was sie erlebt und gesehen haben. Über das Ankommen und Leben in einem neuen Land, einer neuen Kultur, einer neuen Sprache, im deutschen Exil.

Kalifornien war in den 30er und 40er Jahren so ein Exil für viele deutsche Schriftstellerinnen und Schriftsteller. Sie fanden hier in der Fremde einen sicheren Ort. Keine neue Heimat. Weg sein – hier sein am Pazifik. Sie wurden nie ein Teil der amerikanischen Literatur, doch wer über die Literatur Amerikas schreibt, kommt an diesen Autorinnen im Exil nicht vorbei. An diesen deutschen und anderen aus aller Welt, denn die USA waren bis vor kurzem noch ein sicherer Hafen für viele Menschen auf der Flucht. Auch für Autoren aus Syrien, dem Jemen, dem Iran. Damit ist seit Freitag Schluß.

Deutschland ist so ein Exil geblieben, ein sicherer Hafen geworden. Das zeigt „Weg sein – hier sein“. Hier schreiben Autorinnen und Autoren, die fliehen mußten und nach Deutschland kamen. Texte aus Deutschland, die nicht immer leicht zugänglich sind, die jedoch andere, neue Bilder zeichnen. Es ist ein Blick in andere Länder, Kulturen, Sprachen, Gepflogenheiten, Denkweisen, Gefühlszustände. Es ist ein ehrliches Buch in einer Zeit, die von „Fake News“, Mauerbau und „Denkmal der Schande“ bestimmt wird. „Weg sein – hier sein“ ist ein mutiges Buch, von dem neben dem Verlag viele überzeugt waren, es unterstützt haben. Vor allem jene Frauen und Männer, die hier in Wort und Bild vorgestellt werden.

Joachim Zepelin vom Secession Verlag schreibt am Anfang des Buches, warum „Weg sein – hier sein“ veröffentlicht werden mußte. Und dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen:

„Literatur erforscht Identitäten und formt und verstärkt sie dadurch gleichzeitig. Seit jeher erzählen wir Geschichten, um uns zu verstehen, um Grundlagen für ein gemeinsames Leben zu schaffen. Und je verschiedener der Nachhall der Begriffe ist, umso mehr Geschichten müssen wir uns voneinander erzählen…Diese Autoren sind die Geschichtenerzähler, die erklären können, wer da kommt und woher und mit welcher Geschichtee. Nicht etwa, um Fremdheit einzuebnen, sondern um Fremdheit festzustellen – und eben auch Gemeinsamkeiten.“

 

„Ich wünsche mir fast Bush zurück“

Es waren dann doch 60.000 Menschen, die in Oakland auf die Straße gingen und gegen Donald Trump und seine politischen Pläne protestierten. Und das war nicht der einzige Protest in der Bay Area, in zahlreichen Städten wie Napa, Walnut Creek, Santa Rosa, San Jose und San Francisco wurde ebenfalls demonstriert.

Einen Tag nach der Vereidigung des 45. Präsidenten zeigten viele in den USA, dass sie sich nicht mit dem neuen Mann im Weißen Haus abfinden wollen. Nun geht es daran eine Opposition aufzubauen und zu stärken. Der „Million Women’s March“ am Samstag war der erste Schritt dazu. Eine offene Kampfansage an Präsident Donald Trump und seine Adminstration.

„Ich hätte nie gedacht, dass ich jemanden noch mehr hassen könnte als George W. Bush und Dick Cheney“, meinte ein Teilnehmer und fügte sarkastisch hinzu; „Ich wünsche mir fast Bush zurück“. Eine Demonstrantin hatte auf ihr Plakat geschrieben: „Keep your tiny hands out of my government“. Die Unsicherheit war auf dem Marsch in Oakland zu spüren. Viele rechnen mit dem schlimmsten. Trump hat bereits umfassende Pläne angekündigt, darunter „Obamacare“ zu streichen, die staatliche Finanzierung für „Planned Parenthood“ zu beenden, Umweltschutzmaßnahmen zu lockern, aus dem Klimaschutzabkommen auszusteigen, illegale Einwanderer auszuweisen, das Militär zu stärken und, und, und. All diese Themen und mehr konnte man auf den unzähligen Plakaten der Demonstrationsteilnehmer lesen.

Was an diesem Samstag im Januar deutlich wurde, in Amerika bildet sich gerade eine weitreichende Gegenbewegung, die u.a. Frauenrechts- und Umweltschutzgruppen, Bürgerrechtsorganisationen und Immigrationsverteter zusammen bringt. Alt und jung, Frauen und Männer. Eine Protestbewegung mit solch einem Ausmaß hat Amerika schon lange nicht mehr erlebt. Es tut sich was in den USA, das haben die heutigen Protestmärsche gezeigt. Donald Trump spricht nicht für die Mehrheit der Amerikaner.

 

Leichte Entwarnung in Kalifornien

Seit Wochen schon fegt ein Wintersturm nach dem anderen über Nordkalifornien. Regen, Schnee, Überschwemmungen, Glatteis, alles was dazu gehört und wie es eben auch für diese Jahreszeit sein sollte. Und selbst Südkalifornien bekommt etwas vom feuchten Wetter ab.

Nach Jahren der Dürre steigen die Wasserpegel wieder im „Golden State“. Vor einem Jahr waren 97 Prozent des Bundesstaates im Ausnahmezustand. Die Reservoirs waren leer, die Pegel in den Seen, Flüssen und auch beim Grundwasser sackten weiter ab. In vielen Gemeinden kam kein Wasser mehr aus den eigenen Brunnen. Gouverneur Jerry Brown hatte schon zuvor den Wassernotstand ausgerufen und damit alle Privathaushalte und Businessadressen zum Einsparen verpflichtet.

Ein Jahr später hat sich in weiten Teilen Kaliforniens die Situation etwas verbessert, Grund zum Durchatmen. 42 Prozent des Bundesstaates fallen nicht mehr unter die Dürre Kategorie. Das ist die positive Nachricht in diesen Tagen. Die schlechte ist, dass der Boden das viele Wasser gar nicht aufnehmen kann. Überschwemmungen, Schlammlawinen und auch die Tatsache, dass vor allem Nordkalifornien den Niederschlag abbekommt und es nur wenig in Südkalifornien regnet. Aber dennoch freut man sich hier über den Regen….auch  mein Hund, die es liebt und genießt tagtäglich auf unseren Spaziergängen durch die Pfützen zu rennen, ein Matschfest sondergleichen.

Mein Freund der Baum ist tot

Der weltbekannte Baumtunnel ist nicht mehr. Foto: Amber Rack/bigtree.org

Einer der bekanntesten Bäume steht nicht mehr. Die jüngste Sturmserie über Nordkalifornien ließ am Sonntag den „Pioneer Cabin Tree“ im „Calaveras Big Trees State Park“ umknicken. Jim Allday, der auf seiner Facebook Seite vom Ende des Titanen berichtete, schrieb: „Wir haben einen alten Freund verloren“. Bekannt wurde der Baum durch seinen Tunnel. Vor 137 Jahren wurde nach dem Vorbild des gewaltigen „Wawona Tunnel Sequoia“ im Yosemite National Park ein größeres Loch in den Baum geschlagen, so groß, dass Generationen von Touristen mit Autos durchfuhren, durchliefen und Gruppenbilder machten, um zu zeigen, was für ein gewaltiger Baum dieser Sequoia ist.

Der Wawona in Yosemite fiel 1960 in einem Sturm, der Pioneer Cabin Tree blieb stehen und blickte im Alter von 1000 Jahren ins 21. Jahrhundert. Die kalifornische „Parks and Recreation“ Behörde erklärte, dass manche der Riesen unter den Bäumen über 3000 Jahre alt sind. In den State Parks Kaliforniens sind etliche Sequoias zu finden, die ein Alter von 1000 Jahren haben. Theoretisch, so die Behörde, können die Bäume endlos leben. Meist kommt ihr Ende durch Feuer, Überflutungen und Erdrutsche.

Russland will die Abspaltung Kaliforniens

Die Russen scheinen noch immer verärgert darüber zu sein, dass sie 1867 für schlappe 7,2 Millionen Dollar, für’n Appel und’n Ei, Alaska an die USA verkauft haben. Zwischen Keksen und Tee, Syrien und atomare Aufrüstung dreht sich deshalb vielleicht das bevorstehende Treffen zwischen Vladimir Putin und Donald Trump auch um einen anderen Bundesstaat – Kalifornien.

Schon seit ein paar Jahren gibt es in Kalifornien eine Bewegung, die sich gerne vom Rest der USA lösen möchte. So wie Franken von Bayern, will Kalifornien seine eigene Flagge wehen lassen, aber im Vergleich zum Kleinbundesland Franken würde dann eine neue Nation Kalifornien entstehen. Wirtschaftlich und politisch stark genug, um auf eigenen Beinen stehen zu können. Genau wie in Franken, war das aber lange Zeit ein Hirngespinst ohne Aussicht auf Erfolg. Doch dann kam Trump und viele im Sonnenstaat erkannten, nö, der steht so gar nicht für das Leben, die Werte und die moralischen Vorstellungen Kaliforniens.

Noch in der Wahlnacht stürzten nicht nur die Computer der kanadischen Immigrationsbehörde ab, auch die Bewegung „Yes California“ erhielt ungeahnt viele Anfragen, wie man Kalifornien aus der Trumpschen Hand entreißen könnte. Hier wollte man nicht länger in einen Topf mit Indiana, Wisconsin, Iowa und Florida geworfen werden. Das Ziel der kalifornischen „Ja-Sager“ ist ein Volksentscheid 2019. Zuvor steht noch eine „Ballot“ an, eine Abstimmung, ob es zum Volksentscheid kommen soll. Die Organisation eröffnet derzeit in vielen Gemeinden, Städten und Bezirken Büros um flächendeckend Wahlkampf zu betreiben. Kalifornien soll unabhängig werden, auch wenn nach dem Volksentscheid noch einige riesige politische Hürden warten.

Doch zurück zu den Russen und der Frage, was haben die nun mit Kalifornien zu tun? Den „Russian River“ gibt es schon in Sonoma County, den „Russian Hill“ sind schon viele Touristen in San Francisco hochmarschiert und „Russian Delis“ gibt es auch unzählige. Nun wollen die Russen auch noch die Abspaltung Kaliforniens von den USA. Zumindest sieht es danach aus. In Moskau wurde nun die erste kalifornische Botschaft eröffnet. „Embassy of the Independent Republic of California“ wurde mithilfe von Geldern einer Bewegung gegründet, die mit Kreml Unterstützung Separatistengruppen in Europa und Übersee fördert. Auch lebt der Präsident der „Yes California“ Initiative mittlerweile in Russland. Von dort organisiert er die Abspaltung Kaliforniens von den USA. Zufall oder gezielte Einmischung Moskaus in die inneren Angelegenheiten der USA? Auf den Wahlkampf für die Volksbefragung im kommenden Jahr und auch auf Trumps Reaktion kann man gespannt sein.