„Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt“

Das ist mal was Neues. Präsident Donald Trump macht einen Rückzieher und, wie man so schön sagt, zieht den Schwanz ein. Was ist passiert? Der Aufrschrei war dann doch etwas zu groß, gerade auch in den eigenen politischen Reihen. Nicht nur bei den Republikanern im Kongress, sondern eben auch in seiner hörigen Basis, kam es nicht so gut an, dass Trump das nächste G-7 Treffen in einem seine Golfclubs in Florida durchführen wollte.

Es gäbe keinen besseren Ort in den USA, um solch ein „Meeting“ durchzuführen, wurde von Seiten der Trump-Administration heruntergebetet. Einige der FoxNews Trumpisten bliesen ins gleiche Horn. Das ging den „America First“ Jüngern dann doch etwas zu weit, denn immerhin sind wir in der „greatest Nation on earth“, da kann es ja wohl nicht sein, dass man im ganzen Land nur einen Tagungsort hat, der dann auch noch den Namen Trump führt.

Also machte Trump das, was er immer in solchen Fällen macht, er erklärte sich zum Opfer und spinnt noch eine Verschwörungstheorie drum herum. Eigentlich wollte er dem Land nur etwas Gutes tun, ohne davon etwas zu haben, denn der Golfclub sei so ideal und besonders, wie keine andere Einrichtung im großen, weiten Amerika. Doch die bösen Demokraten und die noch böseren Helfershelfer der Demokraten in den Medien hätten mal wieder „verrückt“ gespielt. Nach dem Motto, wie könne ihm nur jemand unterstellen, einen Vorteil aus dem so hervorragenden und einzigartigen, ja, uneigennützigen Angebot zu ziehen.

Was Trump selbstredend nicht erwähnt ist, dass das G-7 Treffen im Juni stattfinden wird, in einem Monat, wo sein oller Golfclub gerade mal zu 30 Prozent ausgebucht ist. Sowieso leiden einige der Trump-Einrichtungen unter dem großen Mundwerk ihres Namensgebers. Da täte so eine internationale Aufmerksamkeit, für ihn eine kostenfreie, für den amerikanischen Steuerzahlen eine immense Werbekampagne mit schönen Bildern durchaus gut. Man denke nur an die folgenden Fotos der Staatsführer an den Wänden, die dort übernachtet hätten. Die „Merkel Suite“, die „Macron Weinbar“, die „Johnson Whiskey Bar“.  Trump will das alles nicht gesehen haben. Nun also der Rückzieher, der kam sicherlich nicht aufgrund einer Einsicht, sondern vielmehr deshalb, weil das Geraune im eigenen Fußvolk zu laut wurde. Es ist Wahlkampf, da kann man sowas schon gar nicht gebrauchen. Punkt. Die Reihen sind wieder geschlossen.

Weit über den Wolken

Die gewaltige Stahlkonstrukution von Hangar One aus den 1930er Jahren steht noch immer und ist weithin zu sehen.

In den letzten 25 Jahren bin ich oft auf dem 101 an dem grossen Hangar in Mountain View vorbei gefahren. Moffett Field ist ein abgeschirmter Flughafen, der von der NASA und dem US-Militär genutzt wird. Und auch Präsidentenmaschinen landen und starten dort, wenn der „Commander in Chief“ San Francisco und die Bay Area besucht. Der große Hangar wurde in den 30er Jahren errichtet, entworfen von dem deutschen Ingenieur Karl Arnstein. Es ist eines der weltweit größten, freistehenden Gebäude. Heute ist nur noch das Stahlgerüst übrig, der High Tech Gigant Google hat vor einiger Zeit angeboten, eine neue Umschalung zu finanzieren, doch darauf wartet man noch. Auf der anderen Seite von Moffett Field sind zwei weitere gigantische Hangars zu sehen, doch auch diese werden nicht mehr benutzt. Sie wurden aus Redwood Holz gebaut und sind nun wegen Feuergefahr gesperrt.

Gestern konnte ich mir endlich mal das Gelände jenseits des Zaunes ansehen. Der Grund war ein Besuch im Forschungsjet von SOFIA, des „Stratospheric Observatory For Infrared Astronomy“, einem deutsch-amerikanischen Gemeinschaftsprojekt. Und das läuft trotz aller diplomatischer und politischer Schwierigkeiten auch nach über 20 Jahren noch immer gut. NASA und DLR arbeiten hier in Mountain View und am weiteren Standort Palmdale hervorragend zusammen. Von der wissenschaftlich begleitenden Universität Stuttgart kommen immer wieder junge Studierende hierher, um an diesem Stratosphären-Unternehmen mitzuarbeiten und mitzuhelfen. Der Jet wurde einst von den Amerikanern umgebaut, das Teleskop wurde von den Deutschen geliefert, ein Zusammenspiel zahlreicher Unternehmen.

Ich hatte das Glück von einem der führenden und langjährigen Wissenschaftler im SOFIA-Team durch das Flugzeug und über das Areal geführt zu werden. Die Boeing war direkt neben Hangar One geparkt. Das besondere an diesem SOFIA Flugzeug ist das Infrarot Teleskop, das im hinteren Teil des Jets verankert ist. In 12 Kilometern Höhe wird das Teleskop freigelegt, die Decke des Flugzeugs in diesem Teil wird aufgeschoben, der Blick in die Weiten des Universums kann dann ungehindert beginnen.

Es ist ein spannendes Projekt, das trotz politischer Schwierigkeiten und der immer neuen Frage nach der weiteren Finanzierung Bestand hat. Nahezu zweimal in der Woche startet der SOFIA Jet von Palmdale aus, um weitere Bilder und Daten in höchster Höhe zu sammeln. Mal sehen, was ich aus dieser Geschichte noch machen kann.

Im SOFIA Jet. Im Hintergrund das Teleskop, vorne die Überwachungsschaltplätze.

 

Leben in der Bay Area

Wellenmässig breitete sich das Beben aus. Karte USGS.

Gestern Abend war es mal wieder soweit. Ich lag im Bett, schaute mir den Dokumentarfilm „Hail Satan“ an, da ich demnächst über den satanischen Tempel berichten möchte. Und dann um 22:33 fing das Haus an zu wackeln. Bilder kippten um, mein Hund schaute mich etwas verdutzt an.

Was macht man in solchen Situationen? Man wartet ab, was da noch kommt. Das ist wohl nicht die offizielle Richtlinie, aber mal ehrlich, wer springt schon gleich aus dem Bett und rennt unter einen Türrahmen, wenn es gerade mal ein paar Sekunden rappelt. Das Erdbeben war kein starkes, gerade mal 4,5 auf der Richterskala, aber man spürte es deutlich in der gesamten Bay Area.

Das erinnert einen immer mal wieder daran, wo man lebt und was hier passieren kann. Daran denken tut man eigentlich nicht, bis es eben mal wieder rüttelt. Jedesmal sage ich mir, ich muss das „Earthquake Kit“ auffrischen, also Wasser, unverderbliches Essen, Hundefutter, Decken, Taschenlampen, feste Schuhe, frische Kleidung und auch Bargeld so hinterlegen, dass ich dran komme, falls das Haus nicht mehr begehbar ist. Und alles sollte reichen, dass man damit problemlos drei, vier, fünf Tage ohne Hilfe von außen überleben kann. Die jüngsten Katastrophen in den USA, seien es Hurricanes oder Überschwemmungen bestätigen das.

Diese Gedanken sollte man haben, ich glaube aber, dass nur die wenigsten in der San Francisco Bay Area überhaupt an so etwas denken. Wer will schon damit leben, dass von jetzt auf gleich sein gesamtes Haus, sein Besitz, sein Leben ausgelöscht sein könnte. Von daher hofft man einfach, dass der deutliche Rüttler am Abend, eben kein Vorzeichen für „the next big one“ sein wird.

Und die Lichter gehen aus

Fast eine Million Menschen sind von den Stromabschaltungen in Nordkalifornien betroffen. Dabei geht es nicht nur darum, ob das Licht im Kühlschrank ausgeht, auch wichtige medizinische Geräte in Privatwohnungen, Alarmanlagen, Straßenlichter, Ampeln, lokale Läden, Aufladegeräte und so weiter fallen aus. Mein Fitnessclub hat die Türen geschlossen, denn ohne Strom laufen keine der Ausdauermaschinen und im Dunkeln zu Pumpen ist auch kein Spass.

Bis zu fünf Tage sollen die Abschaltungen dauern, denn der Stromversorger PG&E muss Leitungen reparieren und will „Inch by Inch“ die Kabel kontrollieren. Gouverneur Gavin Newsom spricht von einem Skandal, immerhin sind wir im 21. Jahrhundert und das in einer Gegend, die als Zukunftsschmiede, als Zentrum der High Tech Industrie gilt. Der Schaden für die Allgemeinheit wird schon jetzt auf weit über eine Milliarde Dollar geschätzt.

Die Lichter gingen aus im High Tech Country. Foto: AFP.

PG&E sieht sich allerdings im Recht. Prävention heißt das Mantra, man wolle Feuer wie im vergangenen Jahr verhindern, bei dem ganze Ortschaften wie Paradise ausgelöscht wurden, Dutzende Menschen starben, ein Schaden von nahezu 20 Milliarden Dollar entstand. Damals wurde fehlerhaftes Equipment von PG&E als Grund für die massiven Feuer ermittelt. Doch das Problem ist hausgemacht. Der Stromversorger hat es über die Jahre versäumt seine Leitungen zu erneuern, zu sichern und teils unter die Erde zu verlegen. Vielmehr wurden riesige Gewinne an die Aktionäre ausgezahlt, die eigene Infrastruktur litt unter dieser Unternehmenspolitik.

Nun will man retten, was nicht mehr zu retten ist. PG&E hat das Ansehen in der Bevölkerung verloren. Das Geld fehlt nun, um sich aus der Krise herauszuarbeiten. Deshalb geht man radikale Wege, schlägt Schneisen in Wohngebieten, in dem man ganze Baumgruppen fällt, weil ja ein Ast auf eine Leitung fallen könnte. Und man schaltet bei etwas heftigerem Wind den Strom für Hunderttausende von Konsumenten einfach ab. Nach dem Motto, wo kein Strom fließt, ist auch keine Gefahr, zumindest nicht für den Konzern. Brände durch Kerzen sind nicht das Problem von PG&E.

So lebt es sich also in Kalifornien, dem bevölkerungsreichsten Bundesstaat in den USA, dem Wirtschaftsmotor des Landes, eine der für sich größten Wirtschaftsmächte der Welt. Apple, Google, Facebook und all die anderen High Tech Giganten bereiten die Zukunft vor, natürlich mit eigenen Backup Generatoren, auf den Straßen rund um ihre Headquarters allerdings gehen die Lichter aus wie in einem Dritte-Welt-Land. Das ist die bittere Realität in der San Francisco Bay Area im Jahr 2019.

Alle Jahre wieder

Wie jedes Jahr um diese Zeit Anfang Oktober gibt es starke, warme Winde in Nordkalifornien, die 100 Kilometer Windstärke und mehr erreichen können. Dann werden die sogenannten „Red Flag Alerts“ ausgerufen, die höchste Stufe der Feuerwarnung. Parks werden geschlossen, die Feuerwehr ist in Alarmbereitschaft.Denn nach einem heißen kalifornischen Sommer ist alles ausgetrocknet, ein Funken würde genügen, dazu die Winde, die wie ein Fön wirken, und alles stände in Flammen.

Mal eben schnell für ein paar Tage den Strom abschalten.

So wie im Oktober 2017 in Sonoma County, das Tubbs Fire fraß sich durch das Wine Country. Kurz darauf brannte es in Ojai, das Thomas Fire wütete um die Kleinstadt herum und wurde zum größten Feuer in der Geschichte Kaliforniens. Doch nicht für lang, 2018 wurde das folgenreichste und tödlichste Feuerjahr im Golden State. Milliarden Dollar Schäden wurden verbucht. Und immer wieder waren die Stromversorger PG&E und Edison mitverantwortlich. Stromleitungen rissen, Transformer explodierten, die gesamte Infrastruktur der „Utility Companies“ war veraltet. Beide Konzerne wurden mit Klagen überhäuft, PG&E erklärte den Bankrott, um gerichtlich geschützt überhaupt weiterarbeiten zu können.

Und all das hat Folgen. PG&E hat nun angekündigt kurzerhand den Strom für Hunderttausende von Haushalten abzuschalten. Nicht nur für ein paar Stunden, nein, bis zu fünf Tagen solle der Strom abgeschaltet werden, denn PG&E müsse vor einem erneuten Schalterklick jeden Zentimeter der Leitungen kontrollieren. Das grenzt an Schikane. Es kursiert eine interaktive Karte, in der man seine Adresse eingeben kann und dann erfährt, ob man betroffen ist. Und natürlich bin ich betroffen. Auch wenn PG&E kürzlich erst all die Bäume im Umkreis meines Hauses abgeholzt hat, da eigentlich nichts mehr passieren kann, den Stromfuzzis scheint das egal zu sein.

Die Stromversorger sind so ein Fall für sich. Warum, so fragt man sich, werden die Kabel eigentlich nicht unterirdisch verlegt, dann gäbe es das Problem mit der Feuergefahr gar nicht. Die Kosten können es nicht sein, denn die Klagen, die PG&E und auch Edison am Hals haben, sind in ihrer Dimension deutlich höher, als Stromkabel zu verbuddeln. Aber was weiß ich schon. Ich lade mal alles auf, kaufe Batterien, lege mir Kerzen, Taschenlampen und Streichhölzer zurecht, ist ja dann quasi nach Sonnenuntergang wie Campen im eigenen Haus. Ach ja, ich habe auch einen Elektroherd!

Donald das Opfer

Ich will es ja nicht an die Wand malen, aber die Einleitung eines Amtsenthebungsverfahrens gegen Donald Trump könnte den Demokraten die Wahl gekostet haben. Damit will ich nicht sagen, dass Donald Trump unschuldig ist. Ganz im Gegenteil, alles deutet daraufhin, dass er Druck auf den ukrainischen Präsidenten ausgeübt hat, Gelder zurückhielt, um den Druck noch zu verstärken, alles nur deshalb, weil er Ermittlungen gegen den politischen Gegner erreichen wollte.

Er ist Opfer und unfehlbar. Foto: Reuters.

Es ist nicht der erste Fehltritt von Donald Trump als Präsident, der sich als unfehlbar, unantastbar, der sich als „above the law“ sieht. Doch Trump ist ein Meister im Verdrehen der Tatsachen. Auch wenn das Telefongespräch zwischen ihm und dem ukrainischen Präsidenten ganz eindeutig darlegt, dass er verbotenerweise Wahlkampfhilfe einforderte, präsentiert er sich nun als Opfer. Nicht er habe etwas falsch gemacht, sondern die Demokraten. Fortan könne kein anderes Staatsoberhaupt mehr mit ihm offen reden, aus Angst, die Gespräche würden veröffentlicht werden. So die Argumentation von Trump. Auch sei der „Whistleblower“ ein demokratischer Agent, ein Vertreter des „Deep State“, der seit Beginn seiner Amtszeit gegen ihn kämpfe.

Trump verkehrt die Dinge einfach um und die Reaktionen aus seiner Partei und seiner Fanbasis auf Twitter und in den sozialen Medien lassen darauf schließen, dass sie weiterhin zu ihm stehen werden. Seit gestern Abend, seit der Ankündigung Nancy Pelosis, eine Voruntersuchung für ein „Impeachment“ einzuleiten, hat die Wiederwahlorganisation „Trump 2020“ fünf Millionen Dollar an Spenden eingenommen. Das zeigt, Trumps Fehltritte werden nicht als solche gesehen, vielmehr glauben sie seiner Argumentation, er sei das Opfer einer Verschwörung der Demokraten.

Es sieht nicht gut aus für die Demokraten, denn Donald Trump treibt den politischen Gegner ganz nach Belieben vor sich her. Das liegt auch daran, dass die Partei von Clinton und Obama sich nicht einig ist. Man muss sich das so vorstellen, als ob unter einem Dach der linke Flügel der CDU, die SPD, die Grünen und die Linke zusammen kommen und versuchen sich zu arrangieren. Der politische Frieden würde da nicht lange halten. Das sind die Demokraten in den USA. Die eine politische Seite bekämpft die andere. Und das ist nicht neu, man denke nur an die Wahl 2016, als viele der Bernie Sanders Anhänger nicht für Hillary Clinton stimmten. Sie blieben lieber zuhause und kalkulierten die Wahlniederlage der Demokratin ein. Das Ergebnis ist bekannt.

Genau darauf setzt Donald Trump, der sich als Opfer präsentiert, der nicht nur gegen die Demokraten, sondern auch gegen den „Deep State“ kämpfen muss, der doch eigentlich nur „America First“ im Kopf habe, der einer von „uns“ sei, auch wenn der Milliardär so gar nichts gemeinsam hat mit John Smith in Idaho, Ken Bachmann in Mississippi oder Arndt Peltner in Kalifornien. Trump ist ein Blender, ein Schaumschläger, ein Lügner, ein moderner Baron Münchhausen, dem seine Anhänger auch den vielzitierten Mord auf der 5th Avenue in Manhattan verzeihen würden. Dann würde Trump wahrscheinlich erklären, er habe nur aus Notwehr gehandelt, auch wenn der andere keine Waffe gehabt hätte. Aber die hätte dann wohl ein politsch motivierter Polizist verschwinden lassen. Trump lebt seine Opferrolle voll und ganz aus. So regiert er auf der Bühne der Weltpolitik, andere wie China und Deutschland würden die USA nur ausnehmen. So verhält er sich auch im Weißen Haus, er könne noch viel mehr leisten, wäre da nicht der „Deep State“, „Witch Hunt“ und all die Verschwörungstheorien, die er seinen gutgläubigen Fans unterjubelt. Noch sehe ich kein Ende für die Ära Donald Trump, ich glaube, wir sollten uns mit vier weiteren Trump-Jahren anfreunden.

Es tut sich was im „Burger Country“

Seit nunmehr 33 Jahren bin ich Vegetarier. Das ganze ergab sich so nach einem Besuch am „Tag der offenen Tür“ im damaligen städtischen Schlachthof von Nürnberg in St. Leonhard. Der war einfach immer da in meiner Nachbarschaft und irgendwann schaute ich mir das ganze mal von innen an. Am Anfang die Kuh, die sagte Muh, danach die Bolzenschussgeräte, der Prozess der Verarbeitung, die Wurstmacherei und am Ende ein Tablett mit „frischer“ Wurst. Mir war der Hunger vergangen und ich sagte mir, geht nicht mehr.

Fleischlos lebt es sich durchaus ganz gut. Wer mich kennt und sieht, weiß, ich falle nicht vom Fleisch. Auch Kraft hat man, wenn man als nicht Fleischesser seine Tage verbringt. Zumindest merke ich nicht in der Muckibude, dass mir Fleisch fehlt. In all diesen Jahren habe ich viele Witzchen gehört („Wenn Du kein Fleisch isst, wie kannst Du dann nur der Kartoffel die Augen ausstechen?“) und auch vieles probiert, was so an fleischlos Produkten auf den Markt kam. Und mal ehrlich, da war viel dröges Zeugs dabei. Oftmals eine unerklärbare Masse, die sich zu einem festen Klumpen im Mund entwickelte. Oder es einfach nur staubte, nachdem man hinein gebissen hatte. Meist jedoch schmeckte es einfach nicht.

Burger King bewirbt den neuen Whopper.

Doch das hat sich geändert. Ich esse gerne Burger und die sind richtig gut geworden. Seit einiger Zeit ist nun der „Impossible“ Burger der Hit. Am Anfang konnte die Firma „Impossible Foods“ gar nicht schnell genug produzieren und es gab diesen Burger nur in ausgesuchten Restaurants, die meist auch ausverkauft waren. Doch damit ist nun Schluss. Das sieht man auch, da die Fast Food Kette Burger King den „Impossible Whopper“ auf ihre Speisekarte setzte. Den habe ich gestern zum ersten Mal probiert und kann man durchaus essen. Sowieso hat sich der vegetarische Burger auf den Speisekarten der verschiedensten Restaurants etabliert. Zumindest hier drüben in Kalifornien. Mit Burger King tritt nun ein US weite Kette auf den Plan, eine neue Zielgruppe zu erreichen. Ich bin eigentlich kein Fast Food Esser, aber ich weiss, zumindest, wenn ich hier über Land fahre, gibt es nun zumindest eine Möglichkeit, auch etwas warmes und schmackhaftes zum Essen zu bekommen.

Ach ja, immer wieder werde ich auch gefragt, warum Vegetarier vegetarische „Wurst“ oder „Fleisch“ essen, die so aussieht, wie richtige Wurst oder eben richtige Burger. Meine Antwort darauf, wenn ich mir so ein Schwein oder Rind ansehe, dann sieht das auch nicht wie die Bockwurst oder das Schnitzel aus, das viele ja so schätzen. Vielleicht sollte es das, damit manche mal drüber nachdenken, was sie da essen. Und nein ich will nicht missionieren, aber hin und wieder mal einen Gedanken daran verlieren, was da auf dem Teller liegt, täte einigen ganz gut. Und außerdem, wie gesagt, ich esse gerne Burger. Und die „Buns“, die Brötchen, kommen nun mal in der runden Form. Von daher macht es durchaus Sinn, dass mein fleischloser Burger eben auch rund ist und nicht ein Klops, rechteckig oder zum Draufspritzen. Punkt!

Gemeinsam gegen die Gewalt

Die Politik in den USA tut nichts gegen die Gewalt auf den Straßen, gegen Massenschießereien und alljährlich Zehntausende von Toten und Verletzten durch Schusswaffen. Das ist die Lehre aus El Paso und Dayton. Doch damit wollen sich viele in den USA nicht mehr abfinden. Es bilden sich Koalitionen, um gemeinsam gegen die ausufernde Gewalt vorzugehen.

Fast die Hälfte der Gemeinde hat die Folgen von Schusswaffengewalt schon selbst erlebt.

The Way“ in Berkeley ist eine afro-amerikanische Kirche, die sich einmischt. Gerade die beiden Führungspersonen Pastor Mike und sein Bruder Ben McBride, beide in San Francisco und Oakland aufgewachsen, halten sich nicht zurück. Am heutigen Sonntag feierten sie einen Gottesdienst, der schlichtweg mitreißend war. Politisch, fordernd, kompromisslos. Es ging um das Thema Waffengewalt in den „black communities“ der USA. An einem Punkt forderte Pastor Mike all jene in der Gemeinde auf nach vorne zu kommen, die Angehörige, Freunde oder Bekannte durch Gewalt verloren haben. Nahezu die Hälfte der Kirchenbesucher stand danach um ihn herum, einige hatten Fotos von Verstorbenen mitgebracht. Man umarmte sich, man legte seinem Nachbarn die Hand auf die Schulter, man betete gemeinsam für ein Ende des sinnlosen Sterbens.

Die McBrides reden und beten nicht einfach nur, sie organisieren auch im ganzen Land. Pastor Mike ist einer der treibenden Kräfte in einem Verbund aus Hunderten von „black churches“ in den USA. Das Ziel ist, sich zu organisieren und gemeinsam gegen die Gewalt anzugehen. So will man politischen Druck ausüben. Mit etlichen Präsidentschaftskandidaten der Demokraten hat man bereits gesprochen, auch mit Präsident Donald Trump will man ins Gespräch kommen. Doch am wichtigsten ist es diesen Kirchenvertretern, dass die Mitglieder der etwas anderen, eher unkonventionellen Gemeinde aktiv werden, sich einmischen, ihre Senatoren und Kongressabgeordnete anschreiben und das Wort Jesus Christus‘ „love your enemy“ vorleben. Es liege an jedem von uns selbst, so McBride, die Gewaltspirale zu durchbrechen.

Es sind hoffnungsvolle Worte an diesem Sonntagmorgen auf der University Avenue in Berkeley. Vielleicht etwas naiv, doch sie sind der richtige Ansatz in diesem Land. Die Veränderung beim Waffenbesitz, das Ende der Gewalt durch Schusswaffen muss aus den Kirchen kommen, von den Gläubigen selbst, die den Schutz eines jeden als die eigentliche „Pro Life“ Frage einfordern. Die Kirchen der Schwarzen in den USA machen es vor. Sie haben zu lange der Gewalt in ihren Stadtteilen zusehen müssen, darauf hoffend, dass etwas passiert. Damit ist nun Schluß. Gemeinsam will man den Druck im ganzen Land erhöhen. Es wird höchste Zeit.

Stan neben Ronnie neben Lemmy

Gestern hatte ich viel Zeit in Los Angeles. Ich glaube, das war das erste Mal überhaupt, dass ich in aller Ruhe in dieser Stadt Dinge für mich machte. Zuerst ging es zu Amoeba Records in Hollywood, ein riesiger Plattenladen, in dem man Stunden verbringen kann. Ich hatte ein „Gift certificate“, das eingelöst werden wollte. Gefunden habe ich so einiges zwischen experimenteller Musik, über deutsche Beat/Tanzmucke der 60er und 70er Jahre bis hin zu historischen Sounddokumenten aus dem Jahr 1959 und alten Aufnahmen aus dem Iran. Man kann also nicht sagen, dass ich einen eingeschränkten Musikgeschmack habe.

Von Amoeba ging es Richtung Burbank zu einem Buchladen, der einem Labyrinth glich, aber fündig wurde ich da nicht. Irgendwie hatten sie eine andere Zielgruppe. Und da ich noch ein paar Stunden zum „Totschlagen“ hatte, fuhr ich in Richtung Griffith Park und entdeckte durch Zufall den „Forest Lawn Memorial Park“ in den Hollywood Hills. Und dort ging ich auf Namenssuche, was nicht so leicht ist, denn so richtig organisiert ist man in diesem Schattenreich nicht. Aber ich fand durch Zufall das Grab von Stan Laurel, den Meister der Comedy, und dann nach langer Such noch die der Rock’n Roll Ikonen Ronnie James Dio und Lemmy. Dios Grab ist da schon etwas protziger, der „Man on the silver Mountain“. Viel Platz für den kleinen, gewaltigen Sänger, den ich einmal in San Francsico traf, als Doro Pesch im Vorprogramm von Dio spielte.

Viele kommen mit Campingstühlen auf den Friedhof, geniessen die Ruhe, den Ausblick, die besondere Atmosphäre. Rehe liegen im Schatten der Bäume und Sträucher, es wird auch vor „Mountain Lions“ gewarnt. Für jeden und jede, die Los Angeles besucht, würde ich einen Besuch auf diesem alten Friedhof voller Geschichte und Geschichten empfehlen. Einfach mal mit Zeit über die Rasenflächen spazieren, hier findet man ein etwas anderes Los Angeles, nicht weit vom hektische und lauten Hollywood Boulevard entfernt. Nur gewarnt sollte man sein, Blumen dürfen nicht geklaut werden, denn sonst wird man eingesperrt. Wo, das ist die große Frage auf diesem Friedhof?

 

 

Lieber Gott, lass uns beten

Eigentlich wollte ich nicht über den Amoklauf des 19jährigen Santino William Legan auf dem Knoblauchfest in Gilroy schreiben. Legan tötete drei Menschen und verletzte zum Teil schwer mehr als ein Dutzend Festbesucher. Denn es ist ja mal wieder nur eine von vielen Massenschießereien in den USA. Seit Sonntagabend gab es schon drei weitere in den Vereinigten Staaten, insgesamt wurden in diesem Jahr schon 283 Massenschießereien gezählt.

Doch was erschütternd ist, ist das schnelle Abhaken dieser Tat. Es wird Betroffenheit vorgespielt, ich glaube einigen Politikern durchaus, dass sie gerne etwas machen würden, doch ihnen in diesem Land und in diesem politischen Prozess die Hände gebunden sind. Präsident Donald Trump tweetet, dass er über die Lage in Gilroy unterrichtet wurde und man vorsichtig sein sollte. Dann Tagesordnung, er greift mal wieder afro-amerikanische Kongressabgeordnete an („Nein, ich bin kein Rassist“), bevor er Wahlwerbung für republikanische Kandidaten macht und dabei erklärt, diese setzten sich für das Grundrecht auf Waffenbesitz ein. Gefühlloser, nein, politisch perverser kann es gar nicht mehr kommen.

Stephen Romero, 6, wurde auf dem Garlic Festival in Gilroy tödlich getroffen. Foto: Romero Family.

In den USA grasiert eine Epidemie, die Jahr für Jahr weit über 10.000 Menschenleben fordert: GUNS! Hinzu kommen Zehntausende, die sich mit Schußwaffen umbringen, durch Schußwaffen verletzt werden. Familien im ganzen Land sind davon betroffen und nichts wird unternommen. Gilroy zeigt, dass außer Stoßgebeten und einer gottverdammten Gefühlsduselsei nichts nach solchen Tragödien passiert. Die Waffengewalt in den USA wird nicht gestoppt werden, so lange Politiker unterstützt und gewählt werden, die sich für das vermeintliche Grundrecht auf Waffenbesitz einsetzen.

Präsident Trump zieht nicht nur mit einer rassistischen Botschaft in den Wahlkampf, er wird auch den Waffenbesitz zum Wahlkampfthema machen. Er weiss, dass alle führenden Demokratinnen und Demokraten im Rennen für eine Verschärfung der Waffengesetze eintreten. Trump malt das Horrorbild für Gun-Owners und lügt ganz offen, dass Demokraten im Weißen Haus die Flinten, Pistolen und Jagdgewehre aller Bürger einkassieren wollen. Das ist einfach falsch und darum geht es auch gar nicht in dieser Diskussion. In Gilroy wurde erneut ein halbautomatisches Gewehr eingesetzt. Man muss sich fragen, warum ein 19jähriger ein AK-47 haben muss, warum so jemand das Recht hat, solch eine Waffe zu erwerben und zu besitzen? Und ja, auch diese Frage muss ganz deutlich gestellt werden, warum das Recht auf eine Waffe für Santino William Legan mehr zählt in den USA als das Recht auf Leben des Sechsjährigen Stephen Romero? Warum?