Es ist traurig, es schreiben zu müssen, aber Mord ist zum Alltag in Oakland geworden. Gestern ging die Mordrate in meiner Wahlheimatstadt wieder nach oben.
Nach dem Spiel der Golden State Warriors in der Oracle Arena waren zwei Männer in einem Porsche auf dem Interstate 880 auf dem Nachhauseweg. Plötzlich, so Zeugen, zog ein Wagen neben sie und begann aus dem fahrenden Auto zu schießen. Der Fahrer des Porsches rammte den Sporwagen in die Mittelbegrenzung, der Beifahrer wurde dabei aus dem Auto geschleudert und von einem anderen Fahrzeug erfasst. Beide Männer starben am Tatort, von Kugeln durchsiebt. Die Autobahn mußte für mehrere Stunden total gesperrt werden.
Unklar ist noch, ob die Insassen des Porsches gezielt beschossen wurden oder ob sie nur ins Schußfeuer gerieten. Zeugen erklärten, aus zwei Autos sei geschossen worden. Von den Tätern fehlt jede Spur. Auch das ist Oakland.
Veröffentlicht von
peltner in der Kategorie
Demokraten,
Drogenkrieg,
Gesellschaft,
Kalifornien,
Kultur,
Kurioses,
Obama,
PrÀsidentschaftswahlen,
Recht,
Republikaner,
San Francisco,
USA,
Wahlkampf 2012,
Wahlkampf 2016 |
Kommentar hinterlassen
Viele hofften auf seine zweite Amtszeit. Dann, ja dann würde Barack Obama so richtig loslegen und sich mit weit- und umsichtigen Reformen und politischen Entscheidungen in die Geschichtsbücher eintragen. Doch weit gefehlt. Der Präsident stolpert nur noch von einem Skandal zum nächsten. Seine Administration ist außer Kontrolle geraten.
Der Abhörskandal bei der Nachrichtenagentur ap ist das jüngste Beispiel einer Politik, die man Obama nicht zugetraut hätte. Auch, wenn es aus dem Weißen Haus nun heißt, der Präsident habe davon nichts gewusst, entschuldigt das keineswegs das gezielte Abhören von Telefongesprächen der Associated Press Reporter ohne deren Wissen. Vielmehr stellt sich die Frage, wer regiert da eigentlich, wer hat die Zügel in der Hand, wenn Obama davon nichts gewußt haben sollte? Vor wenigen Tagen wurde darüberhinaus bekannt, dass die Steuerbehörde IRS gezielt verstärkte Kontrollen bei konservativen Tea Party Organisationen durchführte. Das war nicht rechtens, denn diese Kontrollen scheinen politisch motiviert gewesen zu sein. Obama erklärte auch da, er habe keine Anweisungen für diese Vorgehensweise gegeben. Und man fragt sich wieder, was macht der Präsident da eigentlich im Weißen Haus, wenn ihm seine Minister und Behörden so auf der Nase rumtanzen?
Das fünfte Jahr ist eigentlich das entscheidende in der Karriere eines US Präsidenten. Dann kann er gestalten und walten wie er möchte, denn auf eine Wiederwahl kommt es nicht mehr an. Doch Obama versaut sich gerade alles. Die Republikaner bedrängen ihn tagtäglich mit offenen Fragen zum Terrorattentat auf das US Konsulat in Bengasi und daneben verprellt er seine eigenen Wähler und Unterstützer mit immer weiteren Skandalen. Sogar im liberalsten Teil des Landes, der San Francisco Bay Area, fragen sich mittlerweile viele, wer ist dieser Mann im Weißen Haus eigentlich? Wo ist “Hope”, “Change” und “Yes, we can”? Obama hat mit Melinda Haag eine US Staatsanwältin losgelassen, die gezielt die medizinischen Marihuana Einrichtungen angeht, mit dem Ziel, diese zu schließen. Marihuanakonsum sei gegen Bundesgesetz, auch wenn sich die Kalifornier in einer Volksbefragung für den medizinischen Einsatz des Grases ausgesprochen haben.
Barack Obamas Adminstration steht derzeit für ein äußerst fragwürdiges Bild der Regierungsmacht: Kontrolle, Überwachung, hartes Durchgreifen. Es erscheint zu diesem Zeitpunkt mehr als unwahrscheinlich, dass er seine Amtszeit noch retten kann.
Veröffentlicht von
peltner in der Kategorie
11. September,
Demokraten,
Deutsche in den USA,
Gesellschaft,
Kalifornien,
Kultur,
Kunst,
Kurioses,
Musik,
Recht,
Republikaner,
San Francisco,
USA |
1 Kommentar
Gerade habe ich das Interview mit “Frau Kästner”, Luiselotte Enderle, gelesen. Vor 80 Jahren, am 10. Mai 1933, verbrannten die Nazis ihnen “missliebige, zersetzende, undeutsche” Literatur. Darunter die Werke von Thomas und Heinrich Mann, Alfred Döblin, Bertolt Brecht, Erich Maria Remarque. Sie waren zu diesem Zeitpunkt schon im Exil, in Vorahnung dessen, was da auf Deutschland zukommen wird.
Doch auch Erich Kästners Bücher wurden in diesen Abendstunden in die Flammen geworfen. Und er stand dabei auf dem Berliner Opernplatz, sah mit an, wie Studenten seinen “Fabian” mit den Worten “Gegen Dekadenz und moralischen Verfall!” einfach ins Feuer schmissen. Auch wenn ihn viele Kollegen zur Ausreise drängten, Erich Kästner blieb in Deutschland und mußte in den kommenden zwölf Jahren mitansehen, wie aus Deutschland ein Totenhaus wurde. Der gerade Weg von der Vernichtung der Kultur zur systematischen Ausrottung Andersdenkender, Andersgläubiger, Andersfühlender.
Seltsamerweise haben wir in der Schule nie über die Bücherverbrennung gesprochen. Sowieso hörte mein Geschichtsunterricht am Anfang des 20. Jahrhunderts auf. Die Römer, die Griechen, das Mittelalter, Französische Revolution, all das bis zum Abwinken. Doch die Geschichte, die uns noch heute und direkt betrifft, die wurde umgangen.
Und warum schreibe ich darüber? Im letzten Jahr war ich beim “Burning Man” Festival in der Wüste von Nevada. Ein schräges Fest, zu dem mehr als 50.000 Besucher kommen. Es ist aber auch ein Kunstereignis. Eine der Künstlerinnen läßt immer wieder gewaltige Skulpturen entstehen. Und am Ende verbrennt sie sie im Wüstensand. Und ich merkte im Interview, wie ich sie einfach fragen mußte, warum sie Kunst verbrennt?
Sie schaute mich etwas entgeistert an und meinte dann “Hey, this is “Burning Man”. We burn things here”. Ich entschuldigte mich und erklärte ihr, warum ich das als Deutscher fragte, dass die Frage einfach so hochkam. Darauf sie, “Schau, ich habe an dieser Skulptur mit vielen anderen fast ein Jahr gearbeitet. Wir haben sie hierher ins Nirgendwo in die Wüste gebracht, um sie dieser Gemeinschaft zu zeigen. Sie ist Teil der “Burning Man Community” geworden. Und wir haben von Anfang an gewußt, wir werden sie verbrennen. Das war und ist unsere Entscheidung”.
Das verstand ich dann wieder. Was ich nicht verstand ist, warum für mich so eine Frage überhaupt entstand. Vor kurzem dann wieder. Ich habe hier mal CDs ausgemistet und eine ganze Kiste zu einem Plattenladen gebracht. Der Typ dort schaute sie durch und suchte sich 15 aus, die er mir abkaufen wollte. “Und was mache ich mit dem Rest?”, fragte ich ihn. “Burn that shit. I would!”, war die knappe Antwort. Und wieder dachte ich mir, ich kann doch nicht “Kunst” verbrennen, auch wenn sie mir nicht gefällt.
Vor ein paar Jahren nach den Terroranschlägen des 11. Septembers, als George W. Bush noch Präsident war, haben in einigen Teilen der USA immer wieder Bücher- und CD-Verbrennungen von “unliebsamen”, sprich “unpatriotischen” Autoren und Musikern stattgefunden. Also von jenen, die nicht ins amerikanische Kriegshorn bliesen. Damals dachte ich mir, was kommt als nächstes. Man, man, man….bin das nur ich oder haben wir Deutschen – ich bin Jahrgang 1968 – irgendwie einen totalen Knacks weg?
Wieder mal am Flughafen, diesmal Nürnberg Airport und mal wieder ein nettes Lächeln einer Lufthansa Mitarbeiterin.
Sie: “Tja, Ihr Flug heute geht leider nicht, der ist gecancelt”.
Ich: “Wie?”.
Sie: “Ja die Piloten sind im Streik.”
Ich: “Ich dachte der Streik ist beigelegt?”
Sie: “Die Piloten von Augsburg Airways streiken, auf diesen Zubringerflug nach München wurden Sie gebucht.”
Ich: “Auch schön!”
Sie: “Ja, gehen Sie mal zum Schalter da rüber, damit Sie umgebucht werden können.”
Also zog ich meine zwei Koffer auf die andere Seite der Mittelhalle und dort meinte man, ich solle doch ein Taxi nehmen. Nochmal ein “Auch schön!”. Eineinhalb Stunden später, unterwegs eine nette Konversation mit einem türkischen Taxifahrer und nun sitze ich hier am Münchner Flughafen und warte auf meinen Flug Richtung Westen. Was soll man sagen, gleich zwei Streiks auf einer Reise….das ist wahrlich der Streikjackpot.
Vor einigen Jahren habe ich in einem kleinen Club im Mission Distrikt von San Francisco zum ersten mal Rykarda Parasol gesehen. Da stand sie auf der kleinen Bühne mit ihrer Gitarre. Eine hochgewachsene, sehr dünne, grazile Blondine, die einen einfach in den Bann zog. Ihre Songs sind kleine Geschichten aus Amerika, mal schräg, mal unmittelbar, mal sehr nah. Dazu ihre teils rauchige, teils vernuschelte Stimme. Nach dem Konzert damals schrieb ich sie an und fragte nach einer CD für meine Country Sendung im Lufthansa Radio Programm. Wir trafen uns dann mal in einem CafĂ©, unweit vom Golden Gate Park, redeten und blieben auch anschließend in Kontakt. Rykarda schickte mir immer mal wieder neue Songs, die ich gerne in die Sendung einbaute. Kurz vor ihrer ersten Deutschlandtournee lud ich sie in meine damalige Live-Sendung ins KUSF Studio ein.
Seit ein paar Jahren nun tourt Rykarda Parasol viel durch Europa. Polen, Niederlande, Deutschland….überall findet sie ihr Publikum. Ihre musikalische Mischung ist ein Sound aus Alternative und Dark Country. Ein bißchen Gothic dazu….faszinierend. Rykarda Parasol vertritt die neue Musikszene San Franciscos genauso wie die klangreichen Höhen und Tiefen des Countrysounds. Und sie macht das alles ganz auf ihre spezielle Art, ein wahrer Klanggenuß. Nun tourt sie wieder und diesmal kommt Rykarda Parasol auch nach Nürnberg. Am 11. Mai spielt sie im Festsaal des Künstlerhauses im KunstKulturQuartier. Ein absolutes Highlight im Konzertkalender. Sehr, sehr empfehlenswert!!!
Farmer und Rancher verlangten es schon lange, nun also haben sie sich scheinbar durchgesetzt. In einem vorab bekannt gewordenen Papier des amerikanischen Innenministeriums heißt es, dass der Wolf von der Liste der geschützten Tiere genommen werden wird. 6000 Wölfe im Gebiet der nördlichen Rocky Mountains und der großen Seen seien genug, um die Tiergattung zu schützen. Eine Ausweitung, wie ursprünglich noch angedacht, auch an die Westküste oder in die New England Staaten sei nicht mehr vonnöten.
Dem Wolf geht es also an den Pelz. Mit dem Durchsetzen dieser neuen Richtlinie würden in den 48 Bundesstaaten zwischen New York und Kalifornien die Raubtiere erneut zum Abschuß freigegeben werden. Nur eine kleine Gruppe von mexikanischen Wölfen, verwandt mit dem nordamerikanischen Grauwolf, die im Südwesten der USA leben, würden auch weiterhin auf der Schutzliste bleiben.
Viehzüchter begrüßten diesen Entscheid aus Washington, Wissenschaftler und Tierschützer hingegen sind alarmiert. John Vucetich, Wolfexperte und Biologe an der Michigan Tech University, erklärte, es sei noch viel zu früh für so einen Schritt. Die 6000 Wölfe im Land würden gerade mal 15 Prozent ihres ursprünglichen Territoriums besiedeln. Die Entscheidung sei also nun vielmehr eine politische, denn damit würde die weitere Ausbreitung garantiert verhindert werden. Washington beuge sich damit der starken Farmlobby, meinte Vucetich.
Und die hat Blut geleckt und will nun noch mehr. Auch im Südwesten der USA sollten alle Wölfe von der Schutzliste genommen werden, auch der mexikanische Wolf. Die dortige Population ist gerade mal 75 Wölfe stark.
Kritiker der neuen Linie betonten, dass das Rettungsprogramm für die Wölfe zwischen 1991 und 2011 rund 120 Millionen Dollar gekostet habe. Der Farmlobby hat dies nie gepasst. Viehzucht ließe sich nicht mit dem Schutz für Wölfe vereinen. Nun soll also wieder das Jagdgewehr geladen, Fallen gestellt und Gift ausgestreut werden dürfen. Die Rancher bekommen ihren Weg. Und das, obwohl das eigentliche Ziel noch gar nicht erreicht ist, das langfristige Überleben einer fast ausgerotteten Tierart zu garantieren.
Die Zwangseinsparungen in den USA nehmen nun immer konkretere Züge an. Diesmal geht es um die Flugtlotsen. Ja, auch in der Flugsicherheit muß gespart werden. Quer durch die Bank wird der Rotstift angesetzt. Militär, Verwaltung, Nationalparks und, und, und eben auch im Flugverkehr. 637 Millionen Dollar sollen hier eingespart werden. Eine ganz feine Summe ist das. Und das wird ganz einfach reingeholt, in dem man die Anzahl der Fluglotsen um 10 Prozent kürzt. Täglich wohlgemerkt. Das hat die Folge, dass kleinere Flughäfen nun ganz ohne jemandem im Tower auskommen müssen, die Piloten quasi auf Sicht landen und starten. Aber das können sie ja, das haben sie gelernt. Bei größeren Airports wie SFO, LAX, JFK und anderen bekommt das Personal im Tower einfach mehr unbezahlte freie Tage. Heißt, es wird voller auf der Start- und Landebahn, denn die Flieger werden langsamer abgefertigt, Passagiere müssen also Geduld mitbringen. Bis zu drei Stunden Verzögerungen könnten die Folgen sein, so Branchen Insider.
Gerade mit dem Beginn der Urlaubszeit würde das erhebliche Konsequenzen haben. Der nationale und wohl dann auch der internationale Flugverkehr würde hinterher fliegen. Anschlußflüge werden weg sein, die Kosten tragen Passagiere und Fluglinien. Tja, ein hausgemachtes Problem in den USA. Aber es heißt, die Flugsicherheit sei nicht gefährdet. Das ist doch beruhigend beim Warten.
W
as hat der Streik mit mir zu tun? Ziemlich viel. Erst hieß es, mein Flug am Montag von Frankfurt nach Nürnberg sei gestrichen worden und ich müsse den Zug nehmen.
Kein Problem, dachte ich, ich quetsche mich schon noch rein mit meinen Koffern. Doch heute dann wurden auch noch alle Flüge aus den USA nach Deutschland gestrichen. Toll! Also morgen… Neuer Versuch, ich hoffe, es klappt.
Am 3. September sollte es endlich so weit sein. Die neue Bay Bridge, der Ost-Teil, sollte mit Posaunen, Trompeten, Tamm-Tamm und viel Trulala eröffnet werden. Ein Volkslauf sollte organisiert werden, ein freier Spaziergang bis nach Treasure Island möglich sein, Volksfeststimmung war geplant. Und nun fällt die Feier wohl ins trübe Bay Wasser.
Das eigentlich auf eineinhalb Milliarden Dollar geplante Projekt kostet mittlerweile 6,4 Milliarden Dollar. Eine kleine Kostenerhöhung, die in Kalifornien daran liegt, dass über lange Zeit jeder mitreden wollte. Bürgermeister kamen und gingen auf beiden Seiten der Bay und verlangten Nachbesserungen, denn mit so einer Brücke kann man sich ja auch in die Annalen der Region einschreiben. Dann stieg der Stahlpreis und schwupps hatte man ein paar Milliarden mehr Kosten verursacht.
Als ich in die San Francisco Bay Area zog wurde gerade die Brückengebühr von einem Dollar eingeführt. Die sollte zeitlich begrenzt sein und zur Finanzierung des Neubaus beitragen. Mittlerweile zahlt man zu den Stoßzeiten sieben Dollar Gebühr und keiner redet mehr davon, dass dies auch wieder abgeschafft wird. Auch nicht die steuerfeindlichen Republikaner….ach ja, stimmt, das ist ja keine Steuer. Denn nur wo Steuer drauf steht, ist auch eine Steuer drin.
Doch zurück zum 3. September. Die Party muß wohl abgesagt werden, denn vor kurzem hat man festgestellt, dass 32 Bolzen, die teilweise drei Meter messen, brüchig sind. Und das genau in dem Bereich, an dem die Brücke nach links in das Tunnel auf Treasure Island biegt. Nun rätselt man, wie es dazu kommen konnte. Erst hieß es, die Stahlfirma in Ohio, die die Bolzen lieferte, habe schlampig gearbeitet. Die wehrte ab und meinte, nix da, wir haben sauber malocht. Jetzt heißt es, die Bolzen haben über fünf Jahre neben der Brücke gelegen, anscheinend habe das Regenwasser und der feuchte Nebel die Teile splissig gemacht. Andere Experten fragen sogar, ob nicht ganz falsch geplant worden sei und der Fehler in der seismischen Ausrichtung der Brücke liege.
Egal, was nun der Fehler ist, es sieht nicht gut für die Party am 3. September aus. Die Bürgermeisterin von Oakland, Jean Quan, meinte schon, dass würden die Hotelbesitzer in ihrer Stadt nicht gerne hören, denn an disem verlängerten Labor Day Weekend sei alles schon ausgebucht. Nun debattiert man darüber, ob man nicht dennoch, auch mit den ollen kaputten Bolzen die Brücke für den Verkehr eröffnen kann. Denn das Problem ist die alte 1936 errichtete Brücke direkt daneben, die nicht erdbebensicher ist und schon beim 89er Earthquake nachgab.
Wir hier haben also die Wahl, entweder weiter auf einer Wackelbrücke Jahrgang 1936 zu fahren oder aber auf einer niegelnagelneuen Skybridge voran zu kommen, in der Hoffnung, dass nicht noch mehr Bolzen rissig werden. Kalifornien ist wahrlich zum Schildbürgerland geworden.

Los Angeles ist die Traumfabrik. Glanz und Glimmer, Stars und Sternchen. Hier werden die Geschichten erzählt, die die Welt hören und sehen will. Seit den 1930er Jahren ist Hollywood das Zentrum der Filmindustrie. Doch hier wurden und werden nicht nur die Oscar prämierten Erfolgsstreifen gedreht, hier hat sich seit den 70er Jahren am Rande von Hollywood auch eine andere, sehr lukrative Filmindustrie breit gemacht. Das San Fernando Valley wird mittlerweile auch schon das San Pornando Valley genannt.
Die Pornofilmszene setzt in jedem Jahr mehrere Milliarden Dollar um. Wer in Los Angeles vom “Valley” spricht, weiss, dass dort das Herzstück der Industrie. Rund 90 Prozent der amerikanischen Pornostreifen wird hier gedreht.
Eine Couch, ein Klappbett kann man überall aufstellen. In Porn Valley werden die anderen Träume befriedigt.
Doch damit scheint bald Schluß zu sein. Erst stimmten im November die Wähler in Los Angeles County für eine Kondompflicht bei Sexfilmproduktionen, um so, wie es heißt, die Schauspieler zu schützen. Großer Aufruhr bei den Produktionsfirmen, die immer wieder betonten, dass sie schon seit Jahren ihre Schauspielerinnen und Schauspieler mehrfach testen lassen, bevor auch nur eine Hose oder ein Minirock zu Fall kommt. All das Protestieren half nichts, LA stimmte für “Safer Sex”.
Und nun geht der Kampf für sauberen Sex in die zweite Runde. Nach der Niederlage an der Wahlurne drohte die Sex-Industrie mit einem Abzug aus LA, um sich andernorts, sprich hinter den Stadtgrenzen niederzulassen. Aber ein kalifornischer Abgeordneter will genau das verhindern. Zumindest in seinem Bundesstaat. Isadore Hall aus Compton, in LA County, brachte nun eine Gesetzesnovelle in Sacramento ein, die für alle Pornoproduktionen in Kalifornien den Gummischutz vorschreiben soll. Noch ist das nicht amtlich, die Diskussion darum hat allerdings schon begonnen. Interessanterweise wird das Gesetz zur Kondompflicht von der Porno Industrie als Angriff auf die Meinungsfreiheit gewertet. Zumindest von einigen, die erklären, Film sei Kunst, sei eine freie Meinungsäußerung, und wer das reglementieren will greife damit das verbuchte Grundrecht an. Die Pornodarsteller sind also die wahren Hüter der amerikanischen Verfassung.