Das teure Leben in der San Francisco Bay Area

Es wird immer teurer in der Bay Area. Die drei teuersten Bezirke in den USA liegen genau hier: San Franicsco, Marin und San Mateo. Um sich überhaupt eine einfache Zweizimmerwohnung für 3170 Dollar leisten zu können, müsste man einen Stundenlohn von fast 61 Dollar haben. Damit würde man rund 30 Prozent seines Einkommens für Miete ausgeben und läge dann bei einem Jahreseinkommen von 127,000 Dollar. Damit ist man in der San Francisco Bay Area nicht reich, man kommt damit einfach bis ans Monatsende.

Dem muss man nun den Mindestlohn gegenüber stellen. In Marin County liegt er bei 14,80 Dollar ohne Krankenversicherung. In San Francisco und San Mateo bei 15 Dollar. Wenn man nun bedenkt, dass im Gaststätten- und Service-Bereich gerade mal der Mindestlohn gezahlt wird, dann kann man sich die aktuelle Situation in der Bay Area ausmalen.

Es wird immer teurer am Golden Gate.

Diese Zahlen sind nicht die einzigen, die derzeit aufhorchen lassen. Auch wurde nun festgestellt, dass in San Francisco die höchsten Gehälter weltweit gezahlt werden. Durchschnittlich liegt das Einkommen bei 6526 Dollar, hier leben so viele Millionäre, wie kaum an einem anderen Ort. Das lässt das Durchschnittseinkommen erheblich ansteigen. Gleichzeitig haben sich in Oakland über 4000 Bewerber auf 28 neue Sozialwohnungen beworben. Hier überhaupt eine bezahlbare Wohung zu finden ist ein Glücksgriff. Die Mieten steigen genauso wie die Grundstückspreise. Die Kommunen können sich daher nicht einfach aus der Krise bauen.

Wer Geld hat, wer viel Geld hat, der hat eine riesige Auswahl. Wenn man derzeit in einem Online Wohnungsportal für San Francisco eine Mietwohnung zwischen 1500 – 2000 Dollar sucht, werden einem 50 Apartments genannt. Verändert man nun die Miete auf 5000 und mehr Dollar, werden dem Interessenten gleich 709 Adressen angezeigt. Es gibt also Wohnungen, auch in einer überfüllten Stadt wie San Francisco, aber eben nun für jene, die deutlich mehr als den Mindestlohn und das Durchschnittseinkommen verdienen.

 

Die Retter der Orangen

„Florida Boy“ und „Capri Sonne“, „Sunkist“ und „Dittmayer’s“, „Hohes C“ und „Valensina“. Orangensäfte sind schon was besonderes. Meistens zumindest, auch wenn bei einigen dieser Marken nur eine Orange vorbeigeschwommen ist. Oft hat das, was in der Packung oder Flasche ist nicht viel mit Orangensaft zu tun. Aber darum soll es hier nicht gehen. Der Orangensaft ist „under attack“. Besser gesagt, Orangen werden von dem Erreger „Huanglongbing“ angegriffen. Die Folge ist eine Zitruskrankheit, die auch als „Citrus Greening Disease“ bekannt ist.

Die Auswirkungen sind dramatisch. In den letzten zehn bis zwölf Jahren zerstörte das Bakterium HLB nahezu 70 Prozent der Zitrusindustrie im US amerikanischen Bundesstaat Florida. Der Schaden geht in die Milliarden. Bislang konnte noch nichts zur Rettung der befallenen Bäume gefunden werden. Mit einem positiven PCR (polymerase chain reaction) Test kann lediglich der Befall der Bäume festgestellt werden, doch bis die Folgen an den Orangen sichtbar sind, können Monate, wenn nicht sogar Jahre vergehen. Und dann hat HLB bereits den gesamten Orangen Hain infiziert.

Mit Hundenasen soll die kalifornische Zitrusindustrie gerettet werden.

Nun sucht man neue Wege, um HLB frühzeitig zu entdecken. Gerade auch, um die Zitrusindustrie an der anderen US Küste in Kalifornien zu retten. Bislang ist der Erreger noch in keinem kommerziellen Orangenhain im Golden State entdeckt worden, nur in privaten Gärten in Orange, Riverside und Los Angeles. Aber Experten gehen davon aus, dass es nur eine Frage der Zeit ist, wann die erste Ranch davon betroffen ist. Um das zu verhindern greift man nun nach neuen Mitteln. Und die kommen in Form von Hundenasen. Das Landwirtschaftsministerium in Washington (USDA) hat ein Programm finanziert, bei dem Hunde auf das Auffinden des HLB Erregers trainiert wurden. Mit Erfolg, wie Tests in Florida zeigten. Die Hunde schnüffelten sich an den Bäumen vorbei und blieben direkt vor einem infizierten Baum sitzen und bellten. Spuren des Befalls waren an den Bäumen nicht zu sehen, die Orangen waren orange und voll, alles sah normal aus. Doch nachfolgende Tests ergaben, die Bäume waren von „Huanglongbing“ befallen. Um eine Ausbreitung zu verhindern, mussten die betroffenen Bäume gefällt und vernichtet werden.

Viele Farmer in Kalifornien hoffen nun darauf, dass mit den Hundenasen das Schlimmste verhindert werden kann. Auch wenn das Programm noch in den Anfangsstadien ist, die Ergebnisse sind vielversprechend, HLB im Frühstadium zu entdecken und zu stoppen. Per Landweg sollen demnächst einige der Hunde aus Florida in den Golden State gebracht werden, um schnüffelnd durch die ersten Orangenhaine zu laufen. Einsatzorte sollen Fillmore und Santa Paula sein.

Eine Frage des Patriotismus?

Fahneneid und Nationalhymne sind ganz selbstverständlich in den USA.

Eine High School in Südkalifornien. Auf dem Football Platz wird die „Graduation“ der Abschlussklasse gefeiert. Doch bevor mit den Reden und den Feierlichkeiten begonnen wird, werden die Schüler und die Besucher aufgefordert, sich dem Fahnenmast zuzuwenden, die rechte Hand aufs Herz zu legen und die „Pledge of Allegiance“, den Fahneneid, zu sprechen und anschließend die Nationalhymne zu singen. Das ist ganz normal in den USA, einem Land, in dem der Patriotismus groß geschrieben wird. Für mich ist das noch immer befremdlich. In diesem Moment dachte ich an meine Abschlüsse in der Staatlichen Realschule Nürnberg und später dann in der Städtischen Fachoberschule Nürnberg. Einen Eid aufsagen, die Nationalhymne zu singen wären da unvorstellbar gewesen. Doch in Amerika weht die Fahne an allen Ecken, an öffentlichen Gebäuden, Schulen und Feuerwehren genauso wie an Privathäusern und in Vorgärten. „The Star Spangled Banner“ wird nicht nur am Nationalfeiertag, dem 4. Juli, gesungen, sondern auch vor professionellen Sportveranstaltungen und eben an High Schools. Die Symbole der Nation, Fahne und Hymne, sollen vereinen, doch in diesen Zeiten sind sie auch wie ein Schwert, das das Land weiter spaltet.

Zwei Tweets von Donald Trump machen das deutlich. Zweieinhalb Jahre liegen zwischen diesen zwei Kurznachrichten von Trump. Erst als Präsidentschaftskandidat, nun als Präsident fordert er den Schutz der Fahne. Wer sie verbrennt, dem soll eine Haftstrafe oder der Entzug der Staatsangehörigkeit drohen. Das soll, so Trump, in der Verfassung festgeschrieben werden. Und das, obwohl das Verfassungsgericht 1989 entschied, dass das Verbrennen der Flagge unter die Meinungsfreiheit fällt.

Donald Trump nimmt nun erneut den Vorschlag von Steve Daines, Senator aus Montana, nur zu gern auf. Es ist schließlich Wahlkampf. Trump präsentiert sich mit dieser Forderung als „Patriot“, jeder der sich gegen den Schutz der Fahne ausspricht ist demzufolge „unamerikanisch“, „unpatriotisch“, ein „enemy of the American people“. Das ist Schwarz-Weiß Denken, das ist Trumpsche Politik. Er, der Verteidiger von Amerikas Symbolen. Die anderen sind die Feinde der „greatest nation on earth“. Kritiker wehren sich, dass sowohl die Fahne, wie auch die Hymne mit dieser Vorschlag politisiert werden. Sie seien Symbole der Einheit. Erinnert wird an die Folgezeit der Terroranschläge des 11. Septembers 2001, als die Flagge überall zu sehen war, die Menschen zusammenbrachte, Einheit repräsentierte. Auch daran, wie die Kongressmitglieder gemeinsam auf den Stufen des Capitols standen und die Nationalhymne sangen. Geeint in dieser Stunde der Krise. Vergessen war der brutale und trennende Bush-Gore Wahlkampf nur wenige Monate zuvor. In diesem Moment verbanden Flagge und Hymne eine Nation, die verwundet war.

All das übersieht Donald Trump nur zu gerne und bewusst. Er umarmt die Fahne bei seinen Massenveranstaltungen, animiert seine Fans zu „USA, USA“ Rufen, beleidigt, beschimpft und verunglimpft Sportler, die beim Absingen der Nationalhyme niederknien. Trump vereinnahmt damit genau die Symbole der Nation, die Einheit schaffen sollen, in dem er das Land genau mit diesen Symbolen weiter spaltet. Das ist unverantwortlich, doch das ist Donald Trump.

 

„We’re doomed!“

Gestern Nachmittag war ich für einen Zahnarzttermin in San Francisco. Gegen 16:45 Uhr machte ich mich auf den Rückweg von der Marina, entlang des Embarcadero in Richtung Bay Bridge. Bis dahin ging es noch. Doch dann kam Harrison Street. Nichts ging mehr, für vier Häuserblocks brauchte ich eine Stunde. Und das bei über 30 Grad Hitze. Ich hoffte nur, dass mein in die Jahre gekommener VW Bus gerade jetzt nicht den Geist aufgeben würde.

Doch als ich da so mit anderen genervten, hupenden und nur an ihren Vorteil denkenden Autofahrern in der Schlange stand, dachte ich mir, „we’re doomed“. Wie soll das noch mal anders werden? Der Verkehr ist ein riesiges Problem, gerade in Ballungsräumen wie der San Francisco Bay Area. Wer hier über eine Brücke muss, quasi durch eines der etlichen Nadelöhrs, der hat tagtäglich ein Problem. Hinzu kommen ungewollte Autobahnparkplätze wie der 80er zwischen Albany und der Bay Bridge, da rollt meist gar nichts. Ganz zu schweigen von den Problemen in der Süd Bay rund um das vielgepriesene Silicon Valley. Allein die Verkehrssituation in der Bay Area ist Grund genug wegzuziehen.

Schöne Ausblicke gibt es an den Brücken in der Bay Area.

Doch hier setzt man nicht auf den verstärkten Ausbau und Umbau des öffentlichen Nahverkehrs, mit dem Ziel einer neuen und auch umweltbewussteren Verkehrspolitik. Nein, hier wird weiterhin der motorisierte Individualverkehr vorangetrieben. Fahrdienste wie „Ueber“ und „Lyft“ entlasten die Situation nicht, sie verschlimmern nur noch die Lage auf den Straßen. Und dann sind in der Bay Area gleich ein gutes Dutzend und mehr Firmen damit zugange, die fahrerlosen Autos auf die Straßen zu kriegen, die schon jetzt total überfüllt sind. Wo soll das noch enden?

Präsident Donald Trump, der einfach alles rückgängig macht, was sein Vorgänger durchgesetzt hat, ließ nun die Meilen Standards für PKW zurückdrehen. Barack Obama wollte die Autoindustrie dazu verpflichten, an Fahrzeugen zu arbeiten, die 50 Meilen pro Gallone schaffen. Donald Trump halbiert das kurz mal. Auch der Hype mit Hybrid- und Elektroautos kann keine Lösung sein. Sie sind zwar sparsamer in ihrem Energieverbrauch, aber sie verstopfen genauso die Straßen und damit den öffentlichen Raum wie Benzinkutschen. Und mal ganz ehrlich, auch die Energie für das Laden eines Elektromotors und die Produkton von aufladbaren Akkus kostet einiges an Energie.

All das ging mir durch den Kopf, als ich da im Stau stand. Ich hatte ja Zeit, eine Stunde lang für vier Blocks, die Einfahrt zur Bay Bridge immer vor Augen. Man kann nun sicherlich sagen, dass Donald Trump kein Visionär in Sachen Umwelt-, Verkehrs- und Energiepolitik ist. Doch ihm allein die Schuld zuzuschieben, wäre falsch. Hier in der sehr liberalen Bay Area gibt es genügend kluge Köpfe, die durchaus Visionen haben. Das zeigen sie immer wieder zu genüge. Doch es sind Visionen, so scheint es mir zumindest, bei denen am Ende viel Geld zu verdienen ist. Fahrdienste, fahrerlose Autos, Elektrofahrzeuge, Verkehrsleitsysteme, smarte Parkuhren, Innenstadt Apps für die Parkplatzsuche. Mir fehlt bei allem der Mut und der politische Willen wirkliche Veränderungen durchzuführen. Denn das zahlt sich wohl nicht in Geld und Macht aus.

Braumeister des Westens

Meine Wurzeln liegen in Nürnberg und Dortmund. Seit 23 Jahren lebe ich nun in Kalifornien und überall, wohin ich hier in den USA fahre, da schaue, lese und höre ich mich interessiert um, ob ich irgendwo Spuren von deutschen Einwanderern, ganz besonders von jenen aus Nürnberg, Dortmund und auch noch aus Schlesien finden kann.

„Westfalia“ und „Export“ von Fort Point Brewery.

Da ist es schon etwas besonderes, wenn es nun eine Brauerei in San Francisco gibt, die „Nuremberg inspired Red Ale“ und „Dortmunder Style Lager“ braut. Beides Biere, die dazu auch noch richtig gut schmecken. In den USA tut sich sowieso etwas beim guten Gerstensaft. Im ganzen Land kann man Microbreweries finden, die teils gewagt, teils klassische Biere brauen. Die Zeiten, der wässrigen Gerstensäfte der Großbrauereien sind vorbei. Wer hier dennoch weiterhin „The King of Beers“, „The Champagne of Beers“ oder „Banquet Beer“ trinkt, die damit Werbung machen, dass sie nun endlich ihre Inhaltsstoffe veröffentlichen, kaum Kalorien haben oder mit (vor allem) Wasser der Rocky Mountains gebraut werden, der ist selbst schuld.

Die neue Brauergeneration in den USA, so scheint es, schaut dabei auch ganz gezielt nach Bierdeutschland. Und da kann es passieren, wie bei diesem „Red Ale“ von Fort Point, dass der Brauer einfach mal zufällig in der Altstadthofbrauerei in Nürnberg ein Rotbier trank, es ihm schmeckte und er es hier dann nachbraute. Der große Unterschied zwischen deutschem und amerikanischem Bier ist allerdings der Preis. Ein Sixpack von Fort Point kostet selbst beim amerikanischen Aldi-Ableger, Trader Joe’s, zehn Dollar. In einer Kneipe in San Francisco kann dann solch ein Pint (0,47 l) schon mal acht Dollar kosten. Aber zumindest schmeckt das Bier.

Die Richter machen Politik

Donald Trump hat einen Masterplan. Er will so viele Richter wie nur möglich an Bundesgerichten verankern. Und dabei geht es nicht nur um das Verfasssungsgericht, sondern auch um offene Stellen an etlichen „Federal Courts“ im ganzen Land. Damit will Trump sichergehen, dass seine Politik auch nach seinem Ausscheiden aus dem Weißen Haus nicht einfach ausgehebelt werden kann. Das heisst, auch mit einem demokratischen Gewinner 2020 werden die Folgen der Trumpschen Politik auf den Umweltschutz, die Einwanderungsgesetze, auf Sozialprogramme und Arbeitsrechte nicht einfach rückgängig gemacht werden können. Trump festigt per Richterentscheid seine Macht auf Jahrzehnte hinaus.

Im Wahllokal wird über mehr als nur einen Präsidenten entschieden. Foto: Reuters.

Um fair zu sein, muss man erwähnen, dass jeder Präsident Richter einsetzt, die mehr oder weniger seinen Überzeugungen entsprechen. Obama hätte zum Beispiel keinen Abtreibungsgegner nominiert. Dennoch muss man das System dieser Richterwahl und -bestimmung ganz grundsätzlich kritisieren, denn es widerspricht jeglichem demokratischen Verständnis. Denn Rechtssprechung wird zum Spielball der Politik. Es zeigt allerdings auch, wie wichtig Wahlen sind, denn sie entscheiden nicht nur über die amerikanische Politik in den kommenden vier oder acht Jahren, sie entscheiden vielmehr weit über die Amtszeiten einges gewählten Präsideten hinaus, in welche Richtung das Land regiert wird.

Sichtbar ist das nun bei der jüngsten Entscheidung eines Bundesrichters in Washington DC. Richter Trevor N. McFadden wurde 2017 von Donald Trump ins Amt berufen. Nun hat der Richter entschieden, dass der Kongress dem Präsidenten nicht vorschreiben könne, wie dieser Gelder, die eigentlich für das Pentagon bestimmt waren, in seiner Mauer an der mexikanischen Grenze verbauen will. Der Kongress, so der Jurist in Trumps Diensten, habe keine Zuständigkeit und verwarf daher die Klage.  Dieses Urteil widerspricht einem vorherigen Urteil aus Kalifornien. Dort hatte der von Barack Obama eingesetzte Bundesrichter Haywood S. Gilliam Jr. den Mauerbau mit Mitteln aus dem Verteidigungshaushalt vorerst gestoppt.

Richter McFaddens Entscheidung ist darüberhinaus auch eine Abkehr von früheren Urteilen, die dem Kongress durchaus dieses Recht zusprachen. 2015 hatte der Kongress mit republikanischer Mehrheit gegen die Gesundheitsreform „Affordable Care Act“ von Barack Obama geklagt. Obama, so die Begründung, verplane Geld für diese Reform, die der Kongress nie genehmigt habe. Damals erhielt die GOP-Mehrheit Recht. Nun allerdings wird genau dies anders ausgelegt. Recht in den USA ist zu einem Politikum geworden. Leider eines, das bei Wahlen von Wählerinnen und Wählern kaum beachtet wird.

Einem Heiligen zuhören

Jahrzehntelang war die John Coltrane Church Teil des Fillmore Distrikts von San Francisco, einem einstigen afroamerikanischen Zentrum in der “City by the Bay”, in dem der Jazz und der Blues gefeiert wurde. Davon ist nicht mehr viel übrig geblieben. Auch die Kirche selbst verlor vor ein paar Jahren das Dach über dem Kopf. Die Gentrifizierung verändert alles in der Stadt. Die John Coltrane Church hat mittlerweile neue Räume gefunden, teilt sich nun ein Kirchengebäude mit der St. Cyprian’s Episcopal Church auf Turk Street.

In der Western Addition ist nun das neue Zuhause der John Coltrane Church, zwar nur einige Blocks von dem früheren Standort entfernt, aber hier kommen nicht zufällig Spaziergänger vorbei, neugierig, was die Jazz Klänge zu bedeuten haben. Aber aufgeben stand nie zur Debatte. Das spürt man gleich, wenn man Pastorin Wanika Stephens und den Aktiven in der Gemeinde begegnet. Vor nunmehr 50 Jahren entstand diese einzigartige kleine Kirchengemeinde, die es nur in San Francisco gibt. Für Pastorin Wanika Stephens gehört die Kirche und San Francisco einfach zusammen. Hier war der Summer of Love, hier in der Bay Area wurde die Black Panther Partei gegründet. John Coltrane, Billy Holiday, Miles Davis, Thelonious Monk, Duke Ellington kamen hierher. Es macht also Sinn, dass die Coltrane Church genau von hier kommt.“

An einem Sonntagmittag mit etwas Verspätung beginnt um 12:45 Uhr der Gottesdienst in der John Coltrane Church. Etwa 50 Menschen sind gekommen. Alt und jung, weiß, schwarz, farbig, einige sind zum erste Mal hier, andere kommen seit Jahren. Es ist eine äußerst entspannte Atmosphäre, jeder lächelt hier jeden an. Was sie alle verbindet ist die Musik von John Coltrane, der schon von CD eingespielt wird, als man vorne in der Kirche noch Bilder des Musikers aufhängt, einen kleinen Altar schmückt. Es fällt der Begriff “Baptized in sound” in Anlehnung an die Taufe mit geweihtem Wasser, wird man hier mit dem Klangbild John Coltranes in die Glaubensfamilie aufgenommen. Es war durch diese “Klang Taufe”, die unsere Gründer Bischof King und Mutter Marina 1965 in einem Jazz Workshop in San Francisco erlebten. Sie sahen damals einen Auftritt von John Coltrane und waren total gebannt von der Musik und dem, was sie in dieser Nacht erlebten.“

In einem Jazzclub hätten die beiden den Heiligen Geist durch die Musik erfahren, heisst es auf der Webseite der Gemeinde. Nachdem John Coltrane im Juli 1967 im Alter von gerade mal 40 Jahren verstarb, kam man zu regelmäßigen Hörtreffen mit Freunden zusammen. Und hier spürte man erneut die Kraft von Coltranes Musik und Wort und gründete den Yardbird Tempel. Man orientierte sich an Coltrane, war aktiv mit der Black Panther Party verbunden, organisierte auf den Straßen den Kampf für soziale Gleichheit mit. Mitte der 80er Jahre sprach die “African Orthodox Church” John Coltrane heilig. Der Tempel wurde in “Saint John Will-I-Am Coltrane African Orthodox Church” umbenannt.

Die Gläubigen werden zum Mitspielen eingeladen.

An diesem Sonntag findet zuerst eine Meditation statt. “A love Supreme”, Coltranes Meisterwerk wird gespielt. Ich bin wohl der einzige, der nicht die Augen schließt und die Musik wirken lässt. Für mich ist die Musik von John Coltrane wie beten“, meint Wanika Stephens. „Ich spüre, wie die Musik zu mir spricht, sie erlaubt mir, mich zu öffnen, empfangbar für das zu sein, was der Geist Gottes mir sagen will. Denn genau das ist, was Beten bedeutet. Es ist eine Öffnung des Herzens.“

Nach “A love supreme” stehen viele der Anwesenden auf, teilen mit den anderen, was die Musik für sie bedeutet, in ihnen ausgelöst hat. Danach werden all jene eingeladen nach vorne zu kommen, die ein Instrument mitgebracht haben. Gemeinsam wird die Kirche zum Jazzraum. Für Wanika Stephens ist die „Message“ eine einfache. Wer hierher kommt, soll erfüllter nach Hause gehen können. Ich möchte, dass sie hierher kommen, suchend und findend und glücklich von hier weggehen. Dass sie ein Stück weit dem näher kommen, das Gefühl haben eine Antwort bekommen zu haben.“

Die John Coltrane Church wurde einmal von der New York Times, als hippste Kirche überhaupt bezeichnet. Nach dreieinhalb Stunden Gottesdienst der etwas anderen Art und viel Jazz kann man dem durchaus nur zustimmen. Die Türen der kleinen Gemeinde stehen sonntags für jeden offen. Auch für Besucher aus Deutschland. Und wer schon einmal vorhören möchte. Jeden Dienstag von 12-4pm PST sendet die John Coltrane Church auf KPOO in San Francisco und weltweit im Internet.

Der Beginn von „American Forces Network“

Schon im September 1942 war der Führung im US Militär klar, dass etwas getan werden muss. Die eigenen Soldaten waren unmotiviert, „low GI morale“ hieß es, nachdem eine Befragung ausgewertet worden war. Die Camps der Soldaten waren überfüllt, es gab kaum Freizeit und der Krieg ging gerade erst so richtig los.

AFN Headquarters in Riverside.

Die USO versuchte zwar die Soldaten mit Auftritten abzulenken, auch strahlte die BBC am Wochenende 30 Minuten amerikanische Musik und fünf Minuten Sportnachrichten aus der Heimat für die GIs in England aus, aber all das langte nicht. General Eisenhower wies deshalb seine Leute an, etwas zu finden, was den Soldaten ein Stück weit Heimat im Einsatz liefern könnte. Die Idee für „American Forces Network“ war geboren.

Um 5:45 Uhr morgens am Independence Day, dem 4. Juli 1943,  wurde zuallererst die Nationalhymne auf AFN ausgestrahlt. Lokal produzierte Sendungen mit den bezeichneden Namen „The Duffel Bag Show“, „Combined Operation“ und „Your Town“ gingen on-air. AFN wurde über Nacht zum Hit für die amerikanischen Soldaten.

Mit dem Gewinn des Krieges kamen die Radiomacher in Uniform auch nach Deutschland. Sie übernahmen zum Teil die Reichssender, nutzten die vorhandende Technik für ihr Unterhaltungsprogramm, berichteten aber auch, was im besetzten Deutschland passierte. Hier zwei Fundstücke aus den frühen Jahren der amerikanischen Besatzung, AFN-Berichte von den Kriegsverbrecherprozessen und den Hinrichtungen in Nürnberg:

Prozess     
Hinrichtung     

Im Januar 1950 ging der  lokale AFN Sender „Tower of Power“ im Nürnberger Grand Hotel („Bavarian American Hotel“) auf Sendung. Hörer gab es mit den vielen Kasernen in und um Nürnberg herum genügend. Nachdem die amerikanischen Truppen mit dem Ende des Golfkriegs aus Nürnberg abzogen, wurde AFN Nuremberg zuerst vom Bahnhof in die Fürther Darby Kaserne verlegt, bevor der Sender dann im September 1995 ganz der Nürnberger Region „Auf Wiedersehen“ sagte und fortan aus Vilseck als AFN Bavaria weiter sendete.

AFN prägte über Jahrzehnte die Hörgewohnheiten der Franken, denn es gab ja mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk auch keine große Alternative. Jeder, der wohl in den 60er, 70er und 80er Jahren in Franken aufwuchs, schaltete ein. Jazz, Blues, Country, Funk and Soul, Rock’n Roll, die Amerikaner hatten einfach den Sound, den man im damals Monopol BR nicht hören konnte. Sie prägten auch viele der lokalen Radiomacher, die in den späten 80ern bei den Privatsendern ihre ersten Gehversuche machten. AFN sendete eigentlich nur für die Soldaten, doch hatte eine riesige „Shadow Audience“ in der deutschen Bevölkerung. Erst spät merkte man beim Soldatensender, dass AFN eigentlich auch Kulturbotschafter Amerikas war. Und das sehr erfolgreich. Heute ist das kaum noch vorstellbar, was „American Forces Network“ mit seinem Programm erreicht hat. AFN prägte das durchaus positive Bild Amerikas in Deutschland maßgeblich mit.

Amerika im Kulturkrieg

Der Wahllkampf in den USA zeigt mal wieder ganz deutlich, dass sich Amerika in einem Kulturkrieg befindet. Es geht um Abtreibung und Rechte für die LGBTQ Community, darum, wer sich Amerikaner nennen kann und natürlich auch um die Waffengesetze. Die gesellschaftlichen Gräben sind tief, Amerika ist gespalten.

Salesforce ist eine Firma aus San Francisco, die wahrscheinlich nicht viele kennen. Sie liefert hinter den Kulissen die Software für den Online Handel. Das rechnet sich gut, Salesforce hat 40.000 Beschäftigte und einen Marktwert von rund 120 Milliarden Dollar. In der „City by the Bay“ hat der Salesforce Tower das Stadtbild verändert. Es ist das größte Gebäude in Downtown, überragt alles und ist von weither zu sehen. Wie ein gigantischer Phallus reckt sich der Turm in die Höhe, nachts ist die Spitze beleuchtet, es werden hoch droben Videoproduktionen abgespielt.

Der Salesforce Tower ist bis weit ins Land zu sehen. Foto. AFP.

Hinter Salesforce steckt der Milliardär Marc Benioff, der immer wieder durch sein soziales Engagement und klare Worte auffällt. Im vergangenen Jahr wurde eine eigene Abteilung für „Ethical and Humane Use“ der Firmen eigenen Software eingerichtet. Damit will man die Rahmenbedingungen setzen, mit der die Salesforce Produkte fortan genutzt werden können. Nun wurde deutlich gemacht, dass man den Verkauf von halbautomatischen Waffen und Magazinen mit mehr als zehn Patronen nicht mehr unterstützen will. Das heisst, Online Shops, die diese Waffen und Munition anbieten, wird vertraglich vorgeschrieben, dass ihnen dafür keine Salesforce Lizenz mehr ausgestellt wird. Neue Partner müssen das unterschreiben, bei auslaufenden Verträgen wird darauf hingewiesen.

Das trifft vor allem viele Camping- und Outdoor-Anbieter, die neben Zelten, Wanderschuhen und Schlafsäcken auch Gewehre und Pistolen anbieten. Benioff sieht sich in der gesellschaftlichen Verantwortung und will da schalten und walten, wo es ihm möglich ist. Das kommt nicht überall gut an. Die Waffenlobby macht bereits mobil. Mark Oliva von der „National Shooting Sports Foundation“ erklärte gegenüber der Washington Post, dass diese Firmenrichtlinie das Grundrecht auf Waffenbesitz angreife. „Aber was will man von einer Firma mit Sitz in San Franciso erwarten“, so Oliva.

Die „San Francisco Values“ kommen in der politischen Diskussion immer wieder hoch. Die Stadt am Golden Gate ist das rote Tuch für Konservative im ganzen Land. Was hier normal ist, gilt woanders als unamerikanisch, unpatriotisch, verfassungsfeindlich. Doch Salesforce ist nicht die einzige Firma, die mit ihren Mitteln versucht, gegen die ausufernde Waffengewalt in den USA vorzugehen und Stellung zu beziehen. Auch Shopify, eine Firma, die Sales Software für 800.000 Online Läden liefert, verbietet seit letztem Jahr den Verkauf von voll- und halbautomatischen Waffen über ihre Plattform. Andere große Unternehmen, wie Levi Strauss oder Tom Shoes spendeten Millionenbeträge für „Anti-Gun“ Organisationen. Wal Mart und auch Dick’s Sporting Goods haben sich aus dem Verkauf von „Military Style Guns“ ganz oder zum Teil zurück gezogen. Es scheint, was die Politik nicht erreichen kann wird nun auf anderen Ebenen angegangen. Unternehmen stellen sich schlichtweg ihrer gesellschaftlichen Verantwortung.

Auf den Hund gekommen

Die New York Times schreibt in einem Bericht, dass Wissenschaftler herausgefunden haben, Menschen mit Hunden bewegen sich nahezu viermal so viel, wie jene, die keinen Hund daheim haben. Das ist nicht neu. Überraschend war für mich, dass es in dem Artikel heisst, knapp 300 Minuten spazierten Hundehalter in der Woche durch die Gegend. Das sind gerade mal 42 Minuten pro Tag.

Ich habe 30 Jahre lang ohne einen Hund gelebt. 1998 kam Dolfi, 2010 Luzia und 2015 Käthe. Und ich will es nicht mehr missen. Ich bin Freiberufler, arbeite von zu Hause. Doch jeder der drei machte mir klar, dass ich Tag für Tag, bei Wind und Wetter, bei Kälte, Sturm, Regen, Hitze nach draussen musste. Dolfi viel, Luzia weniger, Käthe dafür umso mehr. Sie kam mit 14 Monaten in mein Leben, eine gequälte Seele, die nicht wusste, wie sie spielen sollte. Mehrmals abgeschoben, die letzte Besitzerin hatte sie gerade mal vier Wochen. Eingesperrt sein, das mag sie gar nicht. Sie schaffte es sogar aus einer vergitterten Transportbox zu kommen, was mich erst einmal vor ein großes Rätsel stellte, denn als ich einmal nach ein paar Stunden nach Hause kam, lag sie an der Tür und die Transportbox war nach wie vor verschlossen. Das ging zweimal so, seitdem hat die Box kein Türchen mehr und Käthe schläft seitdem liebend gerne darin. Nun ist sie hier, liegt meist vor der Haustür, schaut dem Treiben vor dem Haus in aller Ruhe zu, lässt sich von nichts und niemandem beeindrucken, der auf der Straße vorbei läuft. Es sei denn, jemand will die Treppe zum Haus hochkommen, dann ist es vorbei mit der Ruhe.

Käthe ist eine Schäferhund-Husky Mischung, was vor allem bedeutet, sie hat Energie ohne Ende. Und das tut auch mir gut. Jeden Tag bin ich mit ihr stundenlang im Wald unterwegs, habe viele neue, schöne Orte und Wege in den Hills des „East Bay Regional Parks“ gefunden. Oftmals hört man mich schreien, einige Spaziergänger werden mich wohl nur von meiner Stimme her kennen, wenn Käthe mal wieder auf Jagd gegangen ist. Irgendwas bewegt sich ja immer im Gebüsch oder im tiefen Gras: Eich- und Erdhörnchen, Stinktiere, Waschbären, Mäuse, Koyoten, doch vor allem Rehe haben es ihr angetan. Sie hat eine lange, sehr sensible Nase, damit entgeht ihr nichts. Auch in der Ferne, wenn die Windrichtung es zulässt.

Für mich gehören diese Spaziergänge zum täglichen Rhythmus. Morgens arbeiten, am frühen Nachmittag dann raus mich und uns bewegen, durchatmen, nachdenken. Manchmal geht mir meine Arbeit durch den Kopf, doch ich versuche meist einfach nichts zu denken, den Kopf frei zu kriegen, diese täglichen Stunden in der Natur mit meiner Käthe zu genießen. Und das egal ob wir beide klitschenass, verdreckt und außer Atem zurück kommen.

300 Minuten Bewegung in der Woche würden uns nicht ausreichen, aber es stimmt, durch meinen Hund bin ich aktiver. Ohne sie würde ich oftmals wohl weiter arbeiten, Entschuldigungen finden, um eben nicht nach draußen zu müssen. Von daher, sei mal ein Dank an all die Hunde gerichtet, die Menschen wie mich aus ihren Sesseln und hinter ihren Schreibtischen hervor holen.