Zum JahresausKLANG

Diese Jahresenden sind schon seltsam. Man friert oft, man mummelt sich ein, genießt die wenigen Sonnenstrahlen, die es gibt, beginnt über das nachzudenken, was im vergangenen Jahr war, passiert ist. Ein Gefühlsgemenge zwischen „high and low“. Manche freuen sich auf die kommenden Feiertage, für andere ist die stille Zeit nur ein Graus.

Und dann liegt da dieses Klangbuch vor mir. Touch Records, ein experimentelles Label mit Sitz in England und den USA, legt nun zum Jahresende „Touch Movements“ vor, ein Bilderbuch mit Soundtrack. Das klingt zu einfach. Es ist vielmehr ein audio-visuelles Erlebnis, das man in aller Ruhe und mit viel Zeit genießen sollte. Ein Eintauchen in Fotos, die ihre eigenen Geschichten erzählen und dazu einladen, weitergesponnen zu werden. Augenblicke, die das Leben um uns herum liefert. Blicke, die der Betrachter selbst kennt. Erinnerungen, die in einem wach werden.

Dazu „Musik“, die ganz anders ist. Die immer wieder die Frage aufwirft, was Musik eigentlich ist, sein kann, sein sollte. Ein Soundtrack des Alltags. Mal „Field Recordings“, mal Drone Music, mal Orgelmusik, mal Klanglandschaften, mal verspielte Sequencerfolgen. Mal direkt, mal ganz sanft, mal monumental, mal leicht vorbei gestrichen. Touch ist kein Label für die Popkultur. Das wird auf „Movements“ ganz deutlich. Es ist vielmehr ein Klangspiegel der Gesellschaft. Hier hört man hin, was man zu hören glaubt und daraus entsteht Musik. Der Alltag als Orchester, bearbeitet von Soundtüftlern, die hier künstlerisch vorgehen, dort unverfälscht die Welt erklingen lassen. Entstanden ist ein Soundtrack für dieses Fotobuch und viel mehr. Es ist nicht die „Music for the Masses“. Es ist vielmehr diese ganze persönliche Musikerfahrung. Voller Herausforderungen, voller Erinnerungen, voller Gedankengänge. Ein tief bewegendes Klangbild zwischen den Jahren.

Das Unrechtssystem USA

In den USA leben 5 Prozent der Weltbevölkerung, doch das hat Land hat 22 Prozent der weltweiten Gefängnisinsassen. Mehr als zwei Millionen Menschen sitzen eine Haftstrafe in den amerikanischen Gefängnissen ab. Fast jeder Dritte Afro-Amerikaner im Land wird schon bald hinter Gittern sitzen oder eine Haftstrafe hinter sich haben.

Am heutigen Montag lief auf Deutschlandfunk Kultur mein Beitrag über Albert Woodfox, einem der drei Insassen, die als „Angola 3“ bekannt wurden. Ich hatte ihn vor wenigen Wochen in seinem Haus in New Orleans besucht. Ein längerer Artikel über ihn, sein Leben und seinen Kampf hinter Gittern kann man hier nachlesen. Erst auf internationalen Druck, angeführt von amnesty international, wurde Albert Woodfox als letzter der „Angola 3“ im Frühjahr 2016 aus dem Gefängnis und der langen Isolationshaft entlassen.

„Panthers in the hole“ von Bruno Cénou und David Cénou.

In der „Graphic Novel“ „Panthers in the hole“ erzählen Bruno und David Cénou die Geschichte dieser drei Black Panther, die in Angola eingesperrt wurden, dort kämpften, nicht aufgaben und überlebten. Eine bewegende und berührende Geschichte, die einen wütend und traurig macht, einem ein Gefühl der Hilflosigkeit vermittelt. Drei farbige Männer, die von weißen Geschworenen verurteilt wurden, die in einem Unrechtssystem Opfer des amtlichen Rassismus geworden sind. Heute sind zwei von ihnen frei, Robert King und Albert Woodfox, Herman Wallace war nur wenige Tage nach seiner Entlassung verstorben. Angola, das Staatsgefängnis von Louisiana, existiert weiter und wird auch King und Woodfox nie verlassen.

In beeindruckenden Bildern und in Sprechblasen erzählen und zeichnen die Cénous diese Geschichte, die das Leben in diesen Vereinigten Staaten von Amerika schrieb. Als jemand, der seit über zwei Jahrzehnten einen Einblick in das kalifornische Rechts- und Gefängnissystem hat, weiss ich nur zu gut, dass die Story der Angola 3 keine einmalige ist. Noch immer sitzen Männer hinter Gittern, die unschuldig sind, ungerecht vor Gericht behandelt und abgeurteilt wurden. Viele von ihnen Afro-Amerikaner und Latinos, deren Hautfarbe und Herkunft für Ermittler, Staatsanwälte, Richter und letztendlich einer Jury die ausschlaggebenden Punkte für eine Verurteilung waren. Und es gibt Beispiele, wo Unschuldige in diesem Land am Ende hingerichtet wurden, für eine Tat, die sie nicht begangen haben. Man hofft, beim Lesen dieser „Graphic Novel“, dass all dies der Vergangenheit angehört. Doch die Realität ist anders. Noch immer, noch heute kann man in den USA für eine Tat verurteilt werden, die man nicht begangen hat. Und wenn man ein Afro-Amerikaner ist, steigt die Wahrscheinlichkeit um ein vielfaches, dass das Rechtssystem zu einem Unrechtssystem wird. Wie sonst lässt es sich erklären, dass Schwarze in den USA nur 13 Prozent der Gesamtbevölkerung, aber 40 Prozent der Gefängnispopulation ausmachen!

Es weihnachtet sehr

Es gibt wirklich Männer, die so rumlaufen!? Ein besonders schickes 3-D Exemplar von uglychristmassweater.com.

Gestern war ich in Healdsburg und traf dort in einem „Wine Tasting Room“ jemanden, den ich zuvor schon oft gesehen hatte. Und dieser jemand hatte einen „Christmas Sweater“ an, einen Pullover passend zur Jahreszeit. Nun muss ich sagen, das Ding war pottenhässlich. Ein ekliges Blau, und darauf ein Druck der schon vom Hingucken Kopfschmerzen bereitete. Und ich fragte frank und frei heraus, ob das ein Sweatshirt von der Webseite uglychristmassweater.com sei.

Die Reaktion, die ich bekam, war allerdings nicht locker. Ich wurde mit Blicken durchbohrt. Also meinte ich anschließend, „wirklich, diese Webseite gibt es tatsächlich“. Doch das half nichts. Er kannte sie nicht und meinte, ich wolle ihn nur veralbern. Versuch Fehlgeschlagen! Auf uglychristmassweater.com werden die absolut hässlichsten Weihnachtspullover verkauft, die man sich nur vorstellen kann. Wie ich lernte, gibt es in den USA eine große Fangemeinde von diesen Pullovern, die einfach nur schrecklich sind und mit denen ich noch nicht mal in tiefster, dunkler Nacht rumlaufen würde. Selbst die Hip Hop Größe Method Man vom Wu-Tang-Clan ist großer Weihnachtspulloverfan und hat sein eigenes Model.

Und ich dachte eben am gestrigen Samstag, dieser jene in dem Weinladen gehört zu diesen Zeitgenossen, die das ganze Jahr darauf warten, ihre besonderen Feiertags-Sweat Shirts rauszuholen und ihre Mitmenschen damit zu schocken. Ich lag falsch, er hatte seinen nicht auf der Webseite gekauft und fand ihn auch noch ansehnlich. Er sah ihn auch nicht als hässlich an, sondern als passend zur besinnlichen Weihnachtszeit. Na denn…Ho, Ho, Ho…Merry Christmas!

 

„Ehre Dein Leben“

San Quentin am frühen Morgen.

Heute war ich mal wieder in San Quentin. Ein Sonntagmorgen, die Sonne schien, die San Francisco Bay lag still und wellenlos auf meiner linken Seite, als ich über die Richmond-San Rafael Bridge fuhr. Vor mir das älteste Staatsgefängnis Kaliforniens. Ich war noch früh dran, es standen kaum Autos auf dem Parkplatz von San Quentin. In der Schlange wie immer vor allem Frauen, etwas aufgedonnert, gerade so, wie es die prüfenden Blicke der „Correctional Officers“ noch erlauben. Nicht zu viel Ausschnitt, der Rock nicht zu kurz, keine durchsichtigen Blusen, die High Heels dürfen nicht zu hoch, keine Drähte im BH sein.

Reno wartete schon auf mich in seinem Käfig. Schnell ein paar Sandwiches, Popcorn, einen Schokoriegel und Coca Cola aus den Automaten gekauft, alles aufgewärmt und dann sass ich ihm mal wieder gegenüber, eingesperrt in einem Stahlkäfig. 2 Meter mal 1,20 Freiheit für zwei Stunden. Wir unterhielten uns über alles mögliche, das reichte von Politik bis hin zu den Feuern in Südkalifornien. Wir sprachen etwas über seinen Fall. Reno ist am Ende der Einspruchmöglichkeiten angelangt. Falls Kalifornien wieder mit den Hinrichtungen beginnt, was wahrscheinlich ist, wird er einer der ersten sein, die auf der Henkersliste stehen.

Während des Besuches blickte ich ständig auf ein Plakat, dass an der Wand des Besucherraumes hing. „Prevent Suicides“, darauf noch der Satz, dass man sich an einen Sergeant wenden sollte, wenn man suizidale Gedanken hätte. Und dann „Honor Your life“. Ich wollte es nicht glauben, dass da wirklich „Honor Your Life“ steht, im Todestrakt von San Quentin. Nach dem Motto, ehre Dein Leben, bis der Staat sagt, jetzt ist genug, jetzt kommt die Gaskammer oder die Giftspritze. Dann ist Schluss mit dem „ehrenwerten“ Leben. Es ist schon surreal, was man manchmal so erlebt.

Kunst aus dem Todestrakt zur Weihnachtszeit.

San Quentin ist, so weit es eben geht, weihnachtlich dekoriert. Ein paar Girlanden im Wartebereich, Weihnachtsmänner an Fenstern, „Candy Cane“ für die Kinder, bevor sie durch die Sicherheitsschleuse gehen und selbst der „Hobby Store“ von San Quentin mit Produkten, Bildern und Kunstgegenständen hergestellt von Gefangenen ist festlich geschmückt. Im Todestrakt ist es nicht ganz so weihnachtlich, hier geht alles normal weiter. Weihnachten findet draußen statt, der Großteil der Männer auf „Death Row“ ist eh schon vergessen. Nur die Priester sprechen im East-Block in diesen Tagen von der Adventszeit, von der Bedeutung des Weihnachtsfestes für die Menschen. Ihre Predigten hinter Gittern und mit stichsicherer Weste soll Hoffnung für die Hoffnungslosen geben. Wie sang einst Johnny Cash: „…San Quentin you’ve been living hell to me“.

Die Welt spielt verrückt

Der Führer der Zorn-Republik. Foto: Reuters.

Schnee in Texas, ausufernde Brände in Kalifornien, Politiker links und rechts, die ihren Job wegen sexueller Belästigung verlieren, ein republikanischer Senatskandidat wird wohl trotz schlimmster Beschuldigungen und das mit präsidialer Unterstützung gewählt werden und der „greatest groper“ von allen sitzt weiterhin im Weißen Haus. Irgendwie spielt gerade alles verrückt. Am Jahresende geht es noch einmal so richtig rund.

Wer hoffte, Donald Trump würde im Laufe seiner Amtszeit etwas gemäßigter werden, den populistischen Rechtsaußenton ändern, der sieht sich immer mehr getäuscht. Eigentlich müsste man ja sagen, so ist es gut, denn Donald Trump hat sich im Wahlkampf nicht verstellt, hat seine Wahlversprechen gegeben, die er jetzt nach und nach abarbeitet. Niemand kann also behaupten, er hätte nicht geahnt, was da auf uns zukommt. Wer für Trump gestimmt hat, der ist für Trump verantwortlich. Wer nicht zur Wahl gegangen ist, der sollte lieber den Mund halten und sich nicht beschweren. Anstatt zu klagen, wäre jetzt der Zeitpunkt gekommen, sich zu informieren, zu organisieren, die schnelle Abwahl der Trumpschen Kongresssoldaten im kommenden Jahr und ihres Führers 2020 vorzubereiten.

Vor dem selbstverliebten Donald Trump wurde jahrelang gewarnt, wer das nicht hören wollte muss nun damit leben. Trump versteckte sich nicht, sprach das aus, was er dachte, für was er stand. Rechtspopulistisches Gefasel, das die USA auf eine gefährliche Spur gebracht hat. Nun setzt Trump zu Überholmanövern an, die dieses Land, diese Gesellschaft und die internationale Gemeinschaft mehr als gefährden.

Amerika ist nicht erst seit Donald Trump tief gespalten. Spätestens seit der republikanischen Revolution unter Newt Gingrich Mitte der 90er Jahre war offensichtlich, dass es tiefe Gräben in diesem Land gibt. Man musste nur Talk Radio hören, die schreienden „Radioheads“ Rush Limbaugh, Michael Savage, Sean Hannity und andere oder den offiziellen GOP-Sender Fox News sehen, der die Kandidatur von George W. Bush aktiv unterstützte. Der Graben war schon damals tief und wurde nur noch tiefer. Mit Barack Obama im Amt und Trumps Kandidatur wurden all diese Gräben noch betoniert. Eine Einheit, ein Zusammenkommen ist gar nicht mehr vorstellbar. Die USA werden nicht aus der Mitte heraus regiert. Das politische Pendel schlägt hier immer weiter aus, unter Donald Trump wurde das Zentrum des politischen Diskurses massiv nach rechts verlagert

Kann es noch schlimmer werden?

Jeden Morgen frage ich mich, was dieser Präsident noch anrichten wird. Der heutige Tag hat gezeigt, es kann noch viel schlimmer werden. Erst haut Trump ein Tweet raus, in dem er den mehr als umstrittenen Senatskandidaten Roy Moore aus Alabama unterstützt, obwohl dem vorgeworfen wird, mehrere Beziehungen mit minderjährigen Mädchen gehabt zu haben. Das sind dann also die „Family Values“, für die #45 eintritt. Für Trump zählt, dass Moore ein „Make America Great Again“-Jünger ist, der ihm politisch blind folgen wird. Grenzmauer, Militär, Abtreibung, Waffenbesitz, konservative Richter…all das zählt mehr als ein paar „pädophile Fehltritte“ eines Kandidaten für den US Senat.

Doch damit fing der Tag erst an. Trump flog nach Utah, um mal wieder so einiges außer Kraft zu setzen, was seine Vorgänger beschlossen hatten. Diesmal ging es Naturschutzgebieten an den Kragen. „Bears Ears“ und „Grand Staircase-Escalante“ verlieren 85 und 50 Prozent ihrer Flächen. Weitere Gebiete von der West- zur Ostküste sollen folgen. Überraschend kam das nicht, lange wurde es von ihm angekündigt. Bürokraten in Washington seien außer Kontrolle, so Trump. Umweltschutz ist für diesen Mann kein Thema.

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Donald Trump zeigt zum Ende seines ersten Amtsjahres sein wahres Gesicht. Moral, Anstand, Respekt vor anderen und vor der Natur kennt er nicht. Wohin dieser gewählte Weg Amerikas geht wird immer deutlicher. Trump zerlegt die Grundfesten dieses Landes und dieser Gesellschaft. Er drohte im Wahlkampf damit, viele nahmen es nicht für voll. Nun setzt er das um, was er versprochen hat. Es sollte nach diesen vier (vielleicht acht) Jahrn niemand sagen, er hätte davon nichts gewusst.

Auf dem Geisterschiff durch die Nacht

Am 2. Dezember 2016 brach in einem Lagerhaus in Oakland ein Feuer aus. 36 Menschen starben in dem verheerenden „Ghost Ship Fire“. Das „Geisterschiff“ war nicht einfach nur eine leere Halle, es war ein Künstlerkollektiv, in dem gelebt, gearbeitet und gefeiert wurde. Wie an jenem Freitag, als der als sicher geglaubte Kunstfreiraum zur tödlichen Falle wurde. Die Katastrophe hatte ihre Folgen. Vielen in Oakland wurde auf einmal vor Augen geführt, welchen Balanceakt Künstler und Kulturschaffende in der Stadt und der gesamten Bay Area unternehmen müssen, um solche Freiräume zu finden und zu schaffen. Wenn es sie denn gibt, findet das, was eine Gesellschaft gerade ausmacht und auch auszeichnet – die Kreativität – oftmals in einem gefährlichen Raum statt. weiter lesen

Die Grammys kündigen sich an

84 Kategorien gibt es, um die „besten der Besten“ im Musikbusiness und die bedeutendsten Veröffentlichungen des Jahres auszuzeichnen. Wie immer tummeln sich da die gleichen Verdächtigen, das gehört sich einfach so bei den Grammys. Und klar, der Trumpsche Wahlspruch „America First“ gilt auch hier. Nur selten blicken die Juroren über den amerikanischen Tellerrand. Und keiner soll mir sagen, Amerikaner hören nur US-Mucke. Das ist kurzhörig, denn Amerika ist voller College- und Community Sender, die alle ein Ohr für das haben, was rund um den Globus klingt. Da das allerdings nicht von der Grammy-Jury beachtet wird, hake ich diese Bauchbepinselungsveranstaltung zur besten Sendezeit einfach mal ab.

Unter den Nominierten findet man aber doch ein paar Veröffentlichungen, die man durchaus beachten sollte. Doch die liegen auf der langen Listen auf den hinteren, fast nicht beachteten Bereichen, die in der Glanz- und Glitter-Grammy-Show ganz bestimmt nicht erwähnt werden. Dieses Jahr wurden in der Kategorie 66 „Best Boxed Or Special Limited Edition Package„: Bobo Yeye: Belle Epoque In Upper Volta und in der Kategorie 68 „Best Historical Album“ gleich zwei beeindrucke „Releases“: Sweet As Broken Dates: Lost Somali Tapes From The Horn Of Africa und Washington Phillips And His Manzarene Dreams nominiert. Musik aus Obervolta (dem heutigen Burkina Faso), aus Somalia und aus dem tiefen amerikanischen Süden.

Musik, die begeistert und fasziniert, mit der man sich beschäftigen muss, die unglaublich reich an Geschichten ist. Umfassende Begleitbooklets laden in diesen kühleren Tagen richtiggehend zum Mitlesen und Mithören ein. Und es öffnet sich eine ganz neue und weite und endlose Klangwelt hinter dem eigenen Horizont – wenn man denn will. Obervolta gibt es nicht mehr und wurde 1984 in Burkina Faso umbenannt, das Somalia der 1970er Jahre mit seinem Kulturzentrum Mogadischu – vielbeachtet, energiegeladen und offen für viele Einflüsse –  ist zerbombt worden und der Gospelsänger Washington Phillips hat gerade mal 16 Songs für das Columbia Label zwischen 1928-29 aufgenommen. Diese wurden nun mit viel Liebe zum Detail von Dust to Digital neu aufbearbeitet und veröffentlicht. Alle drei Veröffentlichungen, so unterschiedlich sie musikalisch und auch inhaltlich sind, verdienen geehrt zu werden. Alle drei sind ein wahrer, tiefer, bewegender Hörgenuss!

Voice FROM America

Die Dauerangriffe gegen CNN gehen weiter.

Donald Trump tweetete vor ein paar Tagen, dass der von ihm verhasste Nachrichtenkanal CNN die USA im Ausland schlecht darstelle. Er meint wohl, ein amerikanischer Sender müsse Jubelhymnen auf den Präsidenten, „God’s Country“ und sein ausgerufenes Mantra „America First“ in die Welt posaunen. So, und nicht anders habe ein US TV-Sender zu arbeiten, das zumindest lässt sich aus diesen Tweets lesen, die der 45. Präsident der Vereinigten Staaten gerne in den Morgenstunden beim „Genuss“ von „Fox and Friends“ raushaut.

Trump in seiner ganzen Kurzsichtigkeit übersieht dabei allerdings, dass nicht CNN International das Amerika-Bild in die Welt trägt, sondern Hunderte (Tausende?) von festen und freien ausländischen Korrespondenten, die aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten berichten. Doch das ist nichts Neues, dass internationle Journalisten, die hier leben und arbeiten, nicht von den Amerikanern wahrgenommen werden, schon gar nicht von den politischen Entscheidungsträgern. Unter Trump hat sich das allerdings noch einmal kräftig verstärkt. Hinterm amerikanischen Horizont geht es für viele hier nicht mehr weiter.

Übersehen wird, dass Korrespondenten, die für ausländische Medien arbeiten, tagtäglich ihre Eindrücke und Erfahrungen, ihre Analysen und Zusammenfassungen aus diesem Land übermitteln. Die USA zu erklären war schon immer kein leichtes Unterfangn. Obwohl uns Deutsche mit den Amerikanern viel verbindet, sah ich es auch immer als meine Aufgabe an, Hintergründe zu liefern, Einschätzungen zu geben, Entscheidungen und Ereignisse einzuordnen. Unter Trump erreicht das alles noch einmal eine ganz andere Dimenson, die oft ins Surreale kippt. Eine Nation, die von einem Twitter-Präsidenten regiert wird, der die eigenen Grundfesten der Demokratie unterhöhlt, wie will man das erklären? In der heutigen Berichterstattung aus den USA unter Donald Trump geht vieles verloren, was dieses Amerika so spannend und interessant macht. Alles wird auf einmal durch das Trump’sche Brennglas gesehen. Selbst eine unschuldige Ausstellung im de Young Museum von San Francisco über die Schätze aus der Ruinenstadt Teotihuacan erhält in diesen Wochen und Monaten einen politischen Spin. Trump ist der Newskönig geworden, über ihn und seine Folgen dreht sich die Berichterstattung aus den USA, er prägt das Bild Amerikas in diesen Tagen. Und das wird eben nicht (nur) von CNN International in die Welt getragen, sondern vor allen von internationalen Korrespondenten, die, zumindest bislang von Trump noch ungescholten und ungehindert, aus diesem Land berichten.

Ein Stück Ostsee an der Bay

Die nordkalifornische Metropole San Francisco hat viele Schwesterstädte, darunter Paris, Sydney, Taipei, Seoul und Zürich. Osaka in Japan will zum Jahresende die Partnerschaft mit San Francisco aufkündigen. Der Grund ist ein Denkmal in Chinatown, das an die Mädchen und Frauen erinnern soll, die vor und während des Zweiten Weltkrieges aus asiatischen Ländern entführt wurden und als Sexsklavinnen für japanische Soldaten herhalten mussten. Das offizielle Japan hat dieses Kapitel der eigenen Geschichte nie aufgearbeitet, wie die kurzsichtige Aufkündigung durch den Bürgermeister von Osaka nun erneut zeigt. In San Francisco stößt diese Entscheidung nur auf Unverständnis. Hier wirft man den Stadtverantwortlichen in Osaka vor, die Geschichte umschreiben zu wollen und sich nicht der dunklen Seite des Zweiten Weltkriegs zu stellen.

Gefeiert wird hingegen die erste Städtepartnerschaft zwischen der „City by the Bay“ und einer deutschen Stadt. Und es ist nicht Berlin, Hamburg, München oder Frankfurt. Nein, die Ostseestadt Kiel hat einen Vertrag über eine enge Partnerschaft mit San Francisco unterschrieben. Auf den ersten Blick scheint diese Partnerschaft etwas ungleich zu sein. Hier die schillernde Metropole mit rund 800.000 Einwohnern. Da die in den USA völlig unbekannte Stadt an der Kieler Förde mit ihren 250.000 Bürgern.

Und doch, es passt irgendwie. Beide Städte liegen am Meer, sind Hafenstädte, beide haben ähnliche Umweltprobleme. Kiel mit seinem „Institut für Weltwirtschaft“ und dem „Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung“ hat neben der Uni Kiel auch noch zwei bedeutende Einrichtungen, die schon lange enge Kontakte mit Partnern in der San Francisco Bay führen.

Zustande kam die Partnerschaft über zwei Cousins, dem Kieler Unternehmensberater Thomas Ewoldt und dem Dezernet in San Francisco Mark Farrell. Farrells Mutter stammt aus Kiel und er verbrachte in seiner Kindheit viel Zeit an der Ostsee. Das war die Grundlage für diese scheinbar ungleiche Verbindung, die nun möglich gemacht wurde. Versucht werden soll, in mehreren Bereichen diese Partnerschaftsbrücke aufzubauen. Auch kulturell will man aktiv werden. Ein Offener Kanal aus Kiel sucht derzeit sogar einen Partnersender in San Francisco für einen Programmaustausch. Getragen wird die neue Städtepartnerschaft von vielen ehrenamtlichen Helfern, darauf will man bauen und die Partnerschaft vertiefen. Kiel will sich also nicht mit einer Schattenrolle hinter Paris oder Sydney zufrieden geben.