Er erklärte UFOs, die „Twilight Zone“ und Big Foot

Der legendäre Radiomoderator Art Bell. Foto: Reuters.

Art Bell ist tot. Schon am vergangenen Freitag verstarb einer der ganz großen amerikanischen Radiomacher im Alter von 72 Jahren. Art Bell war kein Schreihals, kein politischer Talk Show Moderator, kein „Shock-Jock“. Art Bell war vielmehr der König der Nacht. Mit seiner unverkennbaren sonoren Stimme unterhielt er Woche für Woche Millionen von Zuhörern zu später Nachtstunde. Zwischen 1989 und 2003 täglich, danach noch weiter an Wochenenden ließ Bell die Hörerinnen und Hörer zu Wort kommen. In der Hochzeit von „Coast to Coast“ wurde die Sendung auf rund 400 Stationen im ganzen Land ausgestrahlt.

Wer in den 1990er Jahren nachts durch die USA fuhr, kam an dieser einmaligen Radioshow nicht vorbei. Mitten aus dem Nirgendwo in Nevada sendete Art Bell, schaltete seine Hörer zu, lud „Fachleute“ ein, die über alles sprachen, was es da draussen gab und nicht erklärbar erschien. Bells Stimme beruhigte in der Nacht, ihm glaubte man, wenn es um Außerirdische, um UFOs, um Kontakte mit Geistern, um grenzwertige Erfahrungen ging. Er lachte nicht über seine Anrufer, auch wenn diese die seltsamsten Geschichten erzählten.

Art Bell fragte nach, gab Hinweise, Denkanstöße. Lange bevor der Begriff „Fake News“ geboren war, wurden Vermutungen, Halbwahrheiten, Erfundenes, ja, Hirngespinste als Tatsachen, als erlebte Erfahrungen dargestellt. Und als Hörer geriet man zumindest ins Zweifeln, ob da nicht doch etwas um uns herum passiert, was man so einfach nicht erklären kann. Das war das Meisterwerk von Art Bell, der unaufgeregt und überzeugend allem nachging. Mitten in der Nacht wurde er zum vertrauensvollen Begleiter für Schlaflose, Reisende durch Zeit und Raum, Zweifler, Überzeugte des paranormalen Lebens. Area 51, die geheime Militärbasis in der Wüste von Nevada, war ein immer wiederkehrendes Thema. Sichtungen von UFOs, Kontakte mit Außerirdischen, spirituelle Grenzerfahrungen, Art Bell konnte mit allem umgehen.

Etliche seiner Hörerinnen und Hörer, Gäste seiner Show konnte ich einmal auf einem UFO-Kongress in San Jose treffen. Eine Frau, die schon mehrmals auf dem Mars war. Ein Doktor, der erklärte kleine Sonden aus Menschen herausoperiert zu haben, die Außerirdische dort eingepflanzt hatten. Kornkreisexperten, Geisterjäger, UFOlogen. Bei meinen Interviews musste ich an Art Bell denken und wie er mit diesen teils unglaublichen Geschichten umging: ernsthaft, nachfragend, interessiert. Und so bekam ich die wohl einzigartigsten Interviews meiner langen Radiojournalistenkarriere. 2003 übergab Art Bell seine nächtliche „Coast to Coast“ Sendung an George Noory. Bell selbst sendete am Wochenende weiter. Bis zuletzt meldete er sich aus der Einsamkeit Nevadas mit seiner Botschaft: The truth is out there!

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„Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen“

Peinlich, peinlich. Echo für… Foto: Reuters.

Man muss kein Moralapostel, nicht auf dem politisch-korrekten Kreuzer unterwegs sein, nicht Kultur in gut und böse aufteilen, um zu erkennen, dass die Rapper Kollegah und Farid Bang mit ihrem Song „0815“ mehr als eine rote Linie  überschritten haben. Rap und Hip-Hop waren und sind die Sprache einer Jugend, die aufbegehrt, die anders denkt, die Probleme und Ereignisse aus ihrem direkten Umfeld anspricht.

Erst vor wenigen Tagen berichtete ich für Deutschlandfunk Kultur über den Einfluss, die Geschichte und die Bedeutung des Hip-Hop in Oakland und der East Bay. Oakland zählt zu einer der bedeutenden Geburtsstätten der Musik und der Hip-Hop Kultur. Wenn man durch die neue Ausstellung „Respect“ im „Oakland Museum of California“ läuft, dann kann man die Größe und die Tragweite des Hip-Hop erkennen.

Die Texte von Kollegah und Farid Bang, gerade in diesem Song „0815“, haben damit allerdings nichts mehr zu tun. Provokation, Protest, Einmischen, Umschreibung des Zustands ist wichtig, doch wer rassistische, antisemitische, sexistische und schlichtweg dümmliche Worte und Zeilen aneinander reiht und auch noch glaubt, damit eine „Message“ zu senden, verfehlt den geschichtlichen Kontext des Hip-Hop. Aber ja, es gibt die Kunst- und Kulturfreiheit, die wird hier auch nicht von mir angezweifelt oder hinterfragt. Vielmehr wundere ich mich, wie diese Echo-Jury das Album „Jung, brutal, gutaussehend 3“ in den Kategorien „HipHop/Urban National“ und „Album des Jahres“ für den Echo 2018 nominieren kann und dann auch noch einen Echo dafür vergibt. Damit hat der Echo wohl endgültig seine Legitimation als bedeutender deutscher Musikpreis verloren. Es ist nicht nur verwunderlich und peinlich, es ist beschämend und schlichtweg unsäglich. Die Textzeile „Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen“ ist da nur die Spitze eines bescheuerten Liedtextes, geschrieben von Schwachmaten, die nichts, aber auch gar nichts an geschichtlichem Verständnis und sozialem Gewissen haben. Hier der gesamte Text zum Nachlesen:

 

Kollegah & Farid Bang

„0815“

Diese Syrer vergewaltigen dein Mädel, Bitch
Sie sagt, „Lass mich in Ruhe!“, doch er versteht sie nicht
Zerlege dich, gab mir Testo
Mach‘ dein Bahnhofsghetto zu Charlie Hebdo
Deutschen Rap höre ich zum Einschlafen
Denn er hat mehr Windowshopper als ein Eiswagen, ah
Und wegen mir sind sie beim Auftritt bewaffnet
Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen
Ich tick‘ Rauschgift in Massen, ficke Bauchtaschenrapper
Wenn ich will, macht Genetikk ein Auslandssemester, ah
Wenn Farid bei dir einläuft mit Pumpgun
Suchst du Anis im Wald, als wärst du Heilkräutersammler
Dann kommt ein deutscher Gammler und bumst dich im Wald schnell
Und nimmt dich von hinten wie Bullen die Handschell’n (ah)
JBG 3, die Muskelpakete
Doch keiner von uns kann Ali Huckepack heben

Dieses Album kommt, weil ihr wieder Ansagen braucht
Fuck mich ab und ich ficke deine schwangere Frau (ah)
Danach fick‘ ich deine Ma, die Flüchtlingsschlampe
JBG 3, keine 08/15-Bande
Dieses Album kommt, weil ihr wieder Ansagen braucht
Fuck mich ab und ich stopfe dir ’ne Pumpgun ins Maul
Dreißig Kilo auf dem Rücksitz, Schlampe
JBG 3, keine 08/15-Bande

Staiger befriedigt seine Frau nicht, ich meine schon
Und er meint, er wär‘ kein Hurensohn, ich meine schon
Sieh, wie der Bosscock deine Tochter zur Frau macht
In Clips, die sie in zwei Jahren erst offiziell schau’n darf
JBG bedeutet, scheiß auf komplexe Songtexte
JBG heißt, es wird stumpf und hart wie Betonklötze
Komplette Zerfickung für Anis Ferchichi
Denn der Hund hat mehr Herrchen als der Bart von Sinan-G
Ich leb‘ die Pate-Trilogie und trag‘ die Rolex-Day-Date-Watch
MOK ist nur’n Running Gag wie die Slomo in Baywatch
Und Jennifer Rostock schwingt nach ’ner Schelle den Kochtopf
Bringt dann die Säcke zum Kompost und blowt den prächtigen Bosscock
Sidos Schwestern geb‘ ich hardcore
Sie wollen den Cumshot nicht teil’n, also spritz ich straight in den Deckenventilator
Schnips‘ Zigarren in Sierras Face aus meinem Lamborghini
Ehe seine Ma rufen kann, „Halt, der Kleine hat Bronchitis!“

Dieses Album kommt, weil ihr wieder Ansagen braucht
Fuck mich ab und ich ficke deine schwangere Frau (ah)
Danach fick‘ ich deine Ma, die Flüchtlingsschlampe
JBG 3, keine 08/15-Bande
Dieses Album kommt, weil ihr wieder Ansagen braucht
Fuck mich ab und ich stopfe dir ’ne Pumpgun ins Maul
Dreißig Kilo auf dem Rücksitz, Schlampe
JBG 3, keine 08/15-Bande

So klingt Nürnberg! Das neue Album von Earth Flight

Irgendwo im dichtgedrängelten Prog-Rock Olymp wird gerade ein Plätzchen frei gemacht. Denn was die Götter des Bombastsounds da im Himmel über dem Frankenland hören verzückt nicht nur sie. “Earth Flight” ist eine 2004 in Nürnberg gegründete Band, die nun ihr drittes Album vorlegt.

„Riverdragons & Elephant Dreams“ heißt die neue Platte der Nürnberger Band „Earth Flight“, die am 20. April erscheint.

“Riverdragons & Elephant Dreams” ist schlichtweg brillant, irgendwo zwischen „Marillion“ und „Porcupine Tree“ anzusiedeln. Und das sagt schon viel über die Qualität und den Sound aus. “Earth Flight” klingen dabei nicht wie eine Lokalcombo, die mal eben ihren Heroen nacheifern will. Hier spielt vielmehr eine Band, die problemlos neben den großen Namen bestehen kann. Perfekt produziert, leicht verspielt, doch immer konzentriert auf den eigenen Sound.

Und dann sind da eben diese bewegenden, farbigen Soundflächen, die von “Earth Flight” gekonnt wie Klangkünstler gefüllt werden. Nicht überbordend und zugeschwallt, vielmehr mal zärtlich und schleichend, um dann in einem orgiastischen Kollaps zu enden. So muss Progressive Rock 2018 klingen. Nicht angestaubt und der Vergangenheit zugewandt, sondern selbstbewusst und offen durch die Jahrzehnte des musikalischen Erbes wandelnd. “Riverdragons & Elephant Dreams” ist für mich eine der besten Alben “so far” in diesem Jahr. Die Latte liegt nun ziemlich weit oben!

Radio Goethe Hörer in den USA, Kanada, Polen, Slowenien, Afghanistan, Schweiz, Österreich und Deutschland können sich in den kommenden Wochen auf den „neuen“ fränkischen Sound freuen. Probehören und bestellen kann man das Album auf der Bandcamp Seite der Band. Die Record Release Party findet am kommenden Donnerstag, den 19.4., im MUZ-Club statt.

Donald Trump, der größte Präsident aller Zeiten

Keiner ist besser als Donald Trump. Foto: Reuters.

Ich kann mich eigentlich glücklich schätzen, dass ich in „God’s Country“ lebe, „the best place on earth“, im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Wer kann das schon von sich sagen. Und nun haben wir auch einen Präsidenten, der historisch, einmalig, gnadenlos gut ist. Trump macht keine Fehler, er gibt sie auch nicht zu, vielmehr dreht er Kritik an ihm und seinem Verhalten ins Gegenteil um. Aber glauben Sie mir nicht, liebe Leserinnen und Leser, ich lasse Donald Trump einfach mit seinen eigenen Worten sprechen. Hier sind ein paar gesammelte Zitate des 45. Präsidenten. Von Donald Trump über Donald Trump. Und es wird schnell klar, dass niemand besser, erfolgreicher, klüger, engagierter, wichtiger war, ist und sein wird, als „unser“ Präsident. Nach dem Lesen der folgenden Zeilen werden Sie mir zustimmen, Präsident Donald Trump ist einmalig!

  • “I am the least anti-Semitic person that you’ve ever seen in your entire life.”
  • „Nobody has been tougher on Russia than I have.”
  • “I am the least racist person you have ever interviewed.”
  • “Nobody knows more about trade than me.”
  • “Nobody respects women more than I do.”
  • “Nobody loves the Bible more than I do.”
  • “Nobody’s better to people with disabilities than me.”
  • “I have one of the great temperaments.”
  • “There’s nobody that’s done so much for equality as I have.”
  • “With the exception of the late, great Abraham Lincoln, I can be more presidential than any president that’s ever held this office.”
  • “My I.Q. is one of the highest.”
  • “I am a stable genius.”
  • “I have one of the great memories of all time.”
  • “I was always the best athlete.”
  • “I  know more about the Islamic State than the generals.”
  • “I know more about taxes than anyone in the history of the world.”
  • “I am the most militaristic person ever.”
  • Die Russland Affäre ist “the single greatest witch hunt of a politician in American history.”
  • Und, “no politician in history . . . has been treated worse or more unfairly,” als Donald Trump.
  • Nach seiner Asienreise schwärmte er: “I received a red carpet like I think probably nobody has ever received.“
  • Nach seiner Rede in Polen: “It was the greatest speech ever made on foreign soil by a president.”
  • Trump über Trumps Minister: “by far the highest IQ of any Cabinet ever.”
  • Trump versteht die Gesetzgebung besser “than any president that’s ever been in office.”

„Cowboys of Peace“ im Wohnzimmer

Die Mata Hari Bar in der Nürnberger Weißgerbergasse kannte ich bislang nicht. Selbst wenn man die Straße entlang läuft, kann es durchaus sein, dass man diese Kneipe übersieht. Gerade mal 30 Leute passen in den kleinen Schankraum und dann ist die Bude richtig kuschelig voll. Und hier fand das jüngste – ausverkaufte – Konzert der Nürnberger Indie-Heroen Shiny Gnomes statt. Als „Wohnzimmerkonzert“ wurde es angekündigt und das traf es ganz gut.

Mit den Shiny Gnomes auf Tuchfühlung in der Mata Hari Bar. Schlagzeugerin Miss Dooright verschwand etwas hinter dem Pfosten und der Lavalampe.

Die paar Dutzend Freunde und Fans mussten zuerst in die Kneipe, dann kam die Band, schloss die Tür und los ging es. Bassist und Schlagzeugerin, Andreas Rösel und Miss Dooright, blockierten den Ein- und Ausgang, Gitarrist Limo stand daneben und Keyboarder Gazi legte sein unterarmlanges Tasteninstrument auf der Bar ab. Es war alles sehr familiär an diesem Abend. „Falls Ihr Getränke wollt, könnt ihr die auch bei mir bestellen“, meinte Limo.

Der eigenwillige Shiny Gnomes Sound zwischen 60er Beat Music, Country und Independent Rock wurde an diesem Abend gefeiert. Die aktuelle Platte „Searchin‘ for Capitola“ stand im Mittelpunkt, eine brillante, teils psychedelische Neuausrichtung der Band. Doch die vier wandelten auch gekonnt durch die Jahrzehnte der Bandgeschichte und endeten mit „Wild Spells“ von der ersten, 1986 veröffentlichten LP.

Dieses „Wohnzimmerkonzert“ der Shiny Gnomes zeigte, warum sie die wohl wichtigste Band aus dem Nürnberger Raum sind. Die Offenheit der Einflüsse, die internationale Weitsicht, die spielerische Freude machen die Shiny Gnomes auch nach 33 Jahren Bandbestehen zu einem Hörgenuss. Noch immer setzen sie neue Akzente, wie man das auch auf der jüngsten Platte hören kann. Die Gnome haben noch immer nichts von ihrem Glanz verloren. Für mich sowieso nicht, erst vorletzte Woche habe ich die Shiny Gnomes in meiner ersten Live-Sendung auf KKUP im Großraum San Jose gespielt. Sie gehören fest zum Klangbild meiner nun auch schon fast 22jährigen Radio Goethe Geschichte dazu.

Die „Fake News“ Macher

Der „Fake News“ König Donald Trump ist in diesen Tagen mehr als aktiv auf Twitter. Am Ostersonntag, als viele seiner christlich-fundamentalistischen Unterstützer in die Gottesdienste strömten, um die Auferstehung von Jesus zu feiern, tweetete Trump gegen Einwanderer und für den Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko. Aus dem „Bible Belt“ kamen dazu keine Widerworte. Trump weiß, mit solchen Äußerungen macht er sich nur beliebt bei seiner Basis.

Der Präsident ließ es allerdings nicht nur bei seinen durchaus rassistischen und ausländerfeindlichen Tweets, er griff auch mal wieder die Medien in den USA an. CNN, NBC, ABC, CBS wurden von ihm als „Faker“ bezeichnet, als Lügner. Das im Zusammenhang mit einem Trumpschen Lob für die Sinclair Broadcast Group, einer konservativen Fernsehgruppe, die 173 lokale TV-Stationen in 81 Fernsehmärkten besitzt. Viele von ihnen sind mit anderen Networks verbunden, übernehmen deren Mantelprogramm, sind aber im Besitz von Sinclair. Sinclair ist als Unterstützer von Donald Trump bekannt, im Wahlkampf wurde oftmals positiv über ihn berichtet oder bestimmte skandalöse Äußerungen von Trump relativiert. Auch hatte Sinclair ein Abkommen mit dem Trump Lager, in dem man Zugang zum Präsidentschaftskandidaten erhielt, mit der Zusage, Interviews und Berichte nicht zu kommentieren.

Nun hat sich Sinclair allerdings sehr weit für Trump aus dem Fenster gelegt. Eigentlich lieben und vertrauen die Amerikaner ihren lokalen Medien. 85 Prozent gaben dies in jüngsten Umfragen an. Vielmehr als den nationalen Networks. Sinclair weiß das und hat nun von ganz oben bestimmt, dass alle lokalen Nachrichtenredaktionen einen vorgefertigten, einminütigen Text lesen sollten. Unkommentiert und ganz im Trump Sinne, ein Angriff gegen die „Mainstream Medien“. Doch das ging kräftig nach hinten los. Ein Twitter Nutzer hat Dutzende von lokalen News Sendungen aus dem ganzen Land zusammen geschnitten, in denen der Text als Statement der lokalen Nachrichtenredaktion vorgetragen wird. Es ist ein Affront gegen jeglichen journalistischen Grundsatz, ein Frontalangriff auf die Demokratie, ein Stiefellecken für einen Präsidenten, der dieses Verhalten auch noch bejubelt und keinerlei Probleme damit sieht. Die Gleichschaltung der Medien scheint als „normal“ angesehen zu werden, zumindest ganz oben im Land.

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„Never Again“ ist nicht realistisch

Am Samstag waren Millionen von zumeist jungen Amerikanern auf der Straße. Sie protestierten, demonstrierten, forderten beim „March for our lives“ sichere Schulen und riefen laut „Never Again“. Niemals wieder soll es zu Schulmassakern und Amokläufen kommen. Ein Aufschrei, der gehört wird, der aber nicht realistisch ist.

Die Frage, die immer wieder gestellt wird, wird die gleiche bleiben, nicht ob, sondern wann und wo wird es wieder passieren? Amokläufe zu verhindern, Massenschiessereien zu beenden das ist utopisch, das wird nicht passieren. Amerika hat gelernt damit zu leben. Seit dem Blutbad an der Marjory Stoneman Douglas High School in Parkland, Florida, ist es in den USA zu zwanzig weiteren Massenschießereien gekommen. Der Aufschrei war kaum zu hören, denn es gab ihn nicht. Es wird also wieder passieren, die USA haben sich selbst das Fundament für diese brutale Lebensrealität geschaffen.

„March for our lives“ in Washington. Foto: Reuters.

Und es einfach auf die Waffenlobby „National Rifle Association“ (NRA) zu schieben, ist ein einfacher Ausweg. Erst in den 1980er Jahren hat die Gruppe mit ihrer politischen Lobby-Arbeit begonnen. Zuvor war sie ein Zusammenschluss von Jägern, Waffensammlern und -liebhabern. Die NRA erkannte einfach die Schwachpunkte in der amerikanischen Gesellschaft, im politischen System. Und die wurden ausgenutzt, die NRA wurde zur wichtigsten Lobby-Gruppe in Washington DC und in den Hauptstädten der Bundesstaaten. Das Problem ist also nicht einfach nur die NRA, das Problem ist ein System, dass einer Gruppe wie der NRA diesen Einfluss gewährt. Und daran will derzeit niemand etwas ändern. Strengere Waffengesetze, die nun verabschiedet werden sollen, wie ein Verbot der sogenannten „Bump Stocks“ oder ein Heraufsetzen des Mindestalters beim Waffenkauf von 18 auf 21 Jahren, werden zukünftige Amokläufe nicht verhindern, nicht verhindern können. Das ist die bittere Realität.

Ja, die NRA hat sinnvolle Gesetze blockiert und ausgebremst, hat sogar verhindert, dass es eine Zählung der im Umlauf befindlichen Waffen in den USA gibt oder, dass Waffengewalt als öffentliches Gesundheitsproblem angesehen wird und erforscht werden müsste. Keiner weiß, wie viele „Guns“ in Privatbesitz sind. Die Schätzungen gehen von 350 Millionen Schießeisen aus. Alleine diese Zahl drückt schon das ganze Problem aus, ein Ende der Waffengewalt wird es in den USA nicht geben.

Nein, ich belächele oder minimiere nicht den Aktionismus der Schülerinnen und Schüler. Ich finde ihn großartig, bewundernswert, mitreißend. Ich halte nur die Aussage „Never again“ für unrealistisch. Es wird wieder passieren, das steht fest. Die Bürgerrechtsbewegung in den USA hat nicht zur Ausmerzung des Rassismus geführt, aber zu einem langsamen Umbau der amerikanischen Gesellschaft. Noch heute, 50 Jahre nach dem Attentat auf Martin Luther King Jr., kämpft Amerika mit einem tief verwurzelten Rassismus. Die „Black Lives Matter“ Bewegung ist aus gutem Grund vor ein paar Jahren entstanden.

„Never again“ kann als Ruf ertönen, aber er sollte nicht als Ziel ausgegeben werden, denn so werden nur viele der jungen Leute, die gestern auf den amerikanischen Straßen protestierten, enttäuscht. Wichtig ist, die Stimmen nicht verhallen zu lassen, Schülerinnen und Schüler zu Wählerinnen und Wähler, zu aktiven Teilnehmern der Demokratie werden zu lassen. Wenn das gelingt ist viel gewonnen, denn nur so kann ein veraltetes und überholtes Politsystem in den USA überarbeitet und erneuert und an die heutige Zeit angepasst werden. Dazu zählt auch, ein vermeintliches Grundrecht auf den Besitz einer Muskete mit dem vermeintlichen Grundrecht auf den Besitz eines militärischen Sturmgewehrs anzupassen.

Gebt den Kindern das Kommando

      Schülerproteste in den USA

„Genug ist genug“. Foto: Reuters.

Columbine, Virginia Tech, Sandy Hook Grundschule, und viele andere. Die Liste der Schulmassaker in den USA ist lang, doch bislang hat sich nicht viel getan, um solche Amokläufe zu verhindern. Der politische Wille strengere Waffengesetze durchzusetzen fehlte bislang in den USA. Das könnte sich nun mit dem Amoklauf von Parkland, Florida, ändern. Seit den tödlichen Schüsse im Februar lässt der Protest der Schülerinnen und Schüler nicht nach. Heute finden in Washington und in vielen Städten der USA Demonstrationen unter dem Motto “March for our lives” statt.

Als es am Valentinstag, dem 14. Februar, zu einem erneuten Schulmassaker mit 17 Toten und 16 Verletzten kam, dachten viele in den USA, dass es nur ein weiterer Amoklauf gewesen sei. Doch schnell wurde klar, das Blutbad an der “Marjory Stoneman Douglas High School” in Parkland, Florida, konnte nicht einfach abgehakt werden. Diesmal gingen die Schülerinnen und Schüler auf die Barrikaden und verlangten lautstark nach strengeren Waffengesetzen und forderten sichere Schulen für sich ein.

In der Vergangenheit ist nach solchen Schießereien an Schulen meist nichts oder kaum etwas passiert. Doch dieses Mal organisierten die Schüler Protestmärsche, Überall in den USA kam es zu Demonstrationen für mehr Waffenkontrolle, ausgehend von den Schulen. Politiker in Washington mussten handeln, die Waffenlobby NRA sah sich zum ersten Mal in die Ecke gedrängt.

Der Aufschrei der Schüler lässt indes nicht nach, denn seit dem Amoklauf von Parkland in Florida hat es bereits neunzehn weitere Massenschießereien gegeben. Neue Gesetze zum Waffenkauf wurden in Florida verabschiedet, strengere Bundesgesetze sollen folgen. Doch die “National Rifle Association” hat angekündigt diese Gesetze vor Gericht anzufechten. Die Proteste erreichen am Samstag, gut fünf Wochen nach dem Amoklauf von Parkland, mit einer Großveranstaltung in Washington DC und lokalen Protesten in rund 800 US Städten ihren vorläufigen Höhepunkt. Die Schülerinnen und Schüler haben erkannt, dass sie im wichtigen Wahljahr 2018 eine Stimme haben, obwohl sie selbst noch nicht wählen dürfen.

„Before anything else, Hip-Hop was a party“

Wenn man sich die Weltkarte der lokalen Musikcharts an irgendeinem Tag des Jahres genauer ansieht, dann erkennt man gleich, dass Hip-Hop schon lange kein Randgenre mehr ist. Ganz im Gegenteil, was vor 45 Jahren begonnen hat ist zum Mainstream geworden. Und nun findet sogar eine Ausstellung in einem Museum im Geburtsort des Hip Hop statt.

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Am Rande von Downtown Oakland liegt das “Oakland Museum of California”. Ein Museum, das sich der Geschichte Kaliforniens verschrieben hat. Kein Wunder also, dass man hier offen für die Idee einer Ausstellung über eines der erfolgreichsten Kulturphänomene unserer Zeit war: Hip-Hop. Denn Oakland war neben New York City eine der Geburtsstätten des Hip-Hop in den USA. “Respect – Hip-Hop Style & Wisdom” – so der Titel der Ausstellung. Für Lori Fogerty, Direktorin des Oakland Museum of California ist sie ein Gemeinschaftsprojekt zwischen dem Museum und der lokalen Hip-Hop Community: „Wenn wir solche Themen aufgreifen, dann wollen wir nicht die Autoritätsstimme eines Museums sein, sondern vielmehr die Stimmen aus der Community mit einbeziehen. Und bei diesem Thema war die Herausforderung die große Anzahl dieser Stimmen. Es gibt hier und im ganzen Land so viel Hip-Hop Persönlichkeiten.“

Nahezu 100 Hip-Hop Experten wurden für diese Ausstellung einbezogen. Gezeigt werden neben Fotos, Kunstobjekten, wie goldene Kopfhörer, Poster Art und Graffiti, auch Exponate wie ein grell rot-weiß gestreifter Bühnen-Anzug von LL Cool J, ein handgeschriebenes Essay von Tupac Shakur oder auch ein sündhaft teures Kleid von Moschino im Hip-Hop Style. Dazu kommen Informationstafeln und Fotos über die lokale Szene, deren Geschichte und Entwicklung. Das alles ist mit Hip Hop Musik unterlegt. Für den Kurator des Museums, René de Guzman, ist Hip-Hop in der Mitte der Gesellschaft angekommen: „In Amerika gibt es dieses sehr erfolgreiche Broadway Musical “Hamilton”. Ein seltsames Musical, denn es dreht sich um die Geschichte der amerikanischen Revolution, aber es wurde im Hip-Hop Stil erzählt. Was erstaunlich dabei war, viele, viele Besucher erkannten das als ein ganz natürliches Zusammenkommen einer Geschichte über ein radikales Experiment mit der radikalen Vorstellung von Hip Hop. Wir empfinden also, dass Hip-Hop einen Punkt des kulturellen Status erreicht hat.“

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Auch Susan Barrett, die als beratende Kuratorin tätig war, sieht Hip-Hop heute als Teil des Mainstream. „Hip-Hop ist Mainstream, man muss nur daran denken, dass sogar Cornflakes Werbung gerappt wird. Es geht nicht mehr Mainstream. Was fehlt ist nur, dass man das anerkennt, wie es die Kultur und die Kunst verändert hat. Es ist Mainstream und doch wird es total verkannt. Von daher denke ich, eine Plattform wie ein Museum ist ein perfekter Weg, um die Wahrheit von der Fiktion zu trennen.“

Einer der lokalen Experten, der an dieser Ausstellung mitarbeitete, ist der Musikjournalist Eric Arnold. Hip-Hop ist für ihn viel mehr als nur Musik: „Hip Hop ist Kultur, das muss man einfach und vor allem verstehen, dass es nicht nur Musik, Lifestyle ist, sondern eine Lebenseinstellung ist. Es ist eine Lebenspespektive. Hip-Hop ist viel: mulitkulturell, ein Ausdruck der Jugend, heute auch ein Ausdruck von Generationen, es ist die Entstehung und Weiterentwicklung von Kultur, es ist Kreativität und die Fähigkeit aus nichts etwas zu machen und es den Leuten zu zeigen, die meinten, man schaffe das nicht.“

Für Eric Arnold ist Hip-Hop nicht politisch und doch immer ganz nah dran am Zeitgeschehen. „Hip Hop war schon immer eine Stimme, die das ausdrückte, was die afro-amerikanischen Communities dachten und fühlten. Nimm den Song “The Message” von Grandmaster Flash aus den frühen 80ern, der dreht sich um die “Reaganomics”, die Auswirkungen der Wirtschaftspolitik unter Ronald Reagan, als die Leute noch nicht mal wussten, wie schlimm die “Reaganomics” waren.“

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Hip-Hop als wichtiger Teil der amerikanischen Gesellschaft. Musik, Dance, Graffiti, Kultur, all das wird in dieser Ausstellung im Oakland Museum of California gezeigt. Dazu ein eigener Raum mit Videoleinwänden, Plattentellern und Lautsprechern, der in den kommenden Monaten als Treffpunkt der Community eingeplant ist. Adisa Banjoko, Autor, DJ und Hip-Hop Journalist, der schon in den frühen 90er Jahren in Stuttgart von der dortigen Hip-Hop Szene begeistert war, ist rundum zufrieden mit “Respect”. Und doch, ihm fehlt etwas bei dieser großen Retrospektive des Hip-Hop: „Wir sprechen hier nur über Hip-Hop in Amerika und an der Westküste, wir sagen nichts zum Hip-Hop in Kolumbien, nichts über den Hip-Hop in Südafrika oder den Hip-Hop in den Favelas von Brasilien. So groß ist der Hip-Hop heute und das müssen wir erkennen, ihm noch einmal diesen Platz einräumen, das dokumentieren und es in der Gesamtheit zeigen. So toll das hier auch ist, wir haben damit noch nicht mal die Oberfläche angekratzt.“

Der Geist von Woody

Amerika braucht in diesen Tagen eine Folk-Musikerin und -Sängerin wie Mary Gauthier. Am gestrigen Mittwoch war Gauthier zu Gast in Berkeley, im legendären „Freight & Salvage Coffeehouse“. Es war ein Heimspiel für die „linke Lesbe“, wie sie sich selbst bezeichnete. Mary Gauthier präsentierte vor allem ihre neue Platte „Rifles & Rosary Beads„, ein Album, das sie gemeinsam mit US Veteranen und ihren Angehörigen geschrieben hat.

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Die Lieder auf dieser Platte sind nahegehend, denn sie beschreiben ein Kapitel der amerikanischen Gesellschaft, das nur zu gerne übersehen wird. Soldatinnen und Soldaten, die nach Kriegen heimkommen, ihren Platz finden müssen, das aufarbeiten, was sie erlebt haben. Es geht in den Songs um Leere, um Schuld und auch um sexuellen Missbrauch von Soldatinnen im Einsatz. „Wir warten noch immer auf die #metoo Kampagne von Soldatinnen“, meinte Mary Gauthier in Berkeley. Was diese Lieder auf „Rifles & Rosary Beads“ so beeindruckend, gefühlvoll, zärtlich und bewegend macht sind die einfachen Worte und Beschreibungen. Das Album ist nicht politisch und doch so direkt. Es ist eine Anklage, einfach durch die Ereignisse, die Erinnerungen, die Denkanstösse, die hier beschrieben werden. Da sind Frauen von zurückkehrenden Soldaten, die ihre eigenen vier Wände als „Minenfeld“ beschreiben. Ihnen wird nicht gedankt, sie erhalten keine Orden, doch auch sie sind von den Kriegen ihrer, zumeist, Männer tief verwundet.

Mary Gauthier ist eine außergewöhnliche Folkmusikerin, die sich in der Tradition von Woody Guthrie sieht. Sie erzählt Geschichten, sie findet den richtigen Ton. Zum Schluß des Konzertes das Lied Guthries, das mehr ist als nur eine inoffizielle amerikanische Hymne: This land is your land, this land is my land. Mary Gauthier muss nicht von der Bühne und auf ihren Platten agitieren, sie hält den Amerikanern einfach einen Spiegel vor. Das ist mutig, das ist wichtig, genau das braucht Amerika in diesen Zeiten mehr denn je.

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