Stan neben Ronnie neben Lemmy

Gestern hatte ich viel Zeit in Los Angeles. Ich glaube, das war das erste Mal überhaupt, dass ich in aller Ruhe in dieser Stadt Dinge für mich machte. Zuerst ging es zu Amoeba Records in Hollywood, ein riesiger Plattenladen, in dem man Stunden verbringen kann. Ich hatte ein „Gift certificate“, das eingelöst werden wollte. Gefunden habe ich so einiges zwischen experimenteller Musik, über deutsche Beat/Tanzmucke der 60er und 70er Jahre bis hin zu historischen Sounddokumenten aus dem Jahr 1959 und alten Aufnahmen aus dem Iran. Man kann also nicht sagen, dass ich einen eingeschränkten Musikgeschmack habe.

Von Amoeba ging es Richtung Burbank zu einem Buchladen, der einem Labyrinth glich, aber fündig wurde ich da nicht. Irgendwie hatten sie eine andere Zielgruppe. Und da ich noch ein paar Stunden zum „Totschlagen“ hatte, fuhr ich in Richtung Griffith Park und entdeckte durch Zufall den „Forest Lawn Memorial Park“ in den Hollywood Hills. Und dort ging ich auf Namenssuche, was nicht so leicht ist, denn so richtig organisiert ist man in diesem Schattenreich nicht. Aber ich fand durch Zufall das Grab von Stan Laurel, den Meister der Comedy, und dann nach langer Such noch die der Rock’n Roll Ikonen Ronnie James Dio und Lemmy. Dios Grab ist da schon etwas protziger, der „Man on the silver Mountain“. Viel Platz für den kleinen, gewaltigen Sänger, den ich einmal in San Francsico traf, als Doro Pesch im Vorprogramm von Dio spielte.

Viele kommen mit Campingstühlen auf den Friedhof, geniessen die Ruhe, den Ausblick, die besondere Atmosphäre. Rehe liegen im Schatten der Bäume und Sträucher, es wird auch vor „Mountain Lions“ gewarnt. Für jeden und jede, die Los Angeles besucht, würde ich einen Besuch auf diesem alten Friedhof voller Geschichte und Geschichten empfehlen. Einfach mal mit Zeit über die Rasenflächen spazieren, hier findet man ein etwas anderes Los Angeles, nicht weit vom hektische und lauten Hollywood Boulevard entfernt. Nur gewarnt sollte man sein, Blumen dürfen nicht geklaut werden, denn sonst wird man eingesperrt. Wo, das ist die große Frage auf diesem Friedhof?

 

 

Der offene Rassismus

Eigentlich will ich gar nicht mehr über Donald Trump schreiben. Sein ungehobeltes, fieses, beleidigendes Auftreten, seine Lügen, seine spaltende Politik und, ja, sein offener Rassismus, all das bestimmt tagtäglich die Nachrichten, die Schlagzeilen, die News-Portale, die ich lese.

Und jetzt wieder. Trump verlangt, dass all jene Immigranten, die illegal über die Grenze gekommen sind und kommen in die sogenannten „Sanctuary Cities“ transportiert werden. Denn diese Städte, darunter San Francisco, Oakland und Berkeley würden ja nichts gegen „Illegale“ unternehmen, sie nicht an die Immigrationspolizei ICE ausliefern, von daher, so Trump, sollten sie alleine mit dieser „Invasion“ zurecht kommen.

Was Donald Trump nicht offen sagt, aber was er mit dieser Forderung erneut meint, ist, dass all jene Männer, Frauen und Kinder, die über die Grenze kommen Kriminelle sind, eine Gefahr, Terroristen, Vergewaltiger, Mörder sind. Das ist das Bild, was er auf seinen Massenveranstaltungen zeichnet. Und das ist daher auch seine Hoffnung, dass die Menschen in San Francisco, Oakland, Berkeley und anderen „Sanctuary Cities“ von einer Gewalt- und Kriminalitätswelle überschwemmt werden und sich gegen die lokalen Politiker wenden. Denn dann, so Trumps Hoffnung, würden alle für sein unnützes Mauerprojekt sein.

Immigranten sind für Trump also gefährliche Kriminelle, egal ob es sich um Familien oder Kinder handelt. Wer über die südliche Grenze kommt, zumeist Menschen aus Mexiko, Guatemala, Honduras und El Salvador wird von ihm mit Drogendealern, Gang Mitgliedern, Mördern und Vergewaltiger gleichgesetzt. Eine dunkle Haut, ein anderes Aussehen macht einen Menschen verdächtig. Der amerikanische Präsident ist damit offen rassistisch. Nicht nur das, seine Basis, darunter auch die Christliche Rechte, bejubelt ihn dafür. Der Präsident selbst macht es vor, er gibt den Ton an und viele seiner Anhänger machen es ihm gleich. Auf Twitter verbreitet Trump dann selbst begeistert Videos, Bilder, Aussagen seiner „Fans“, die einen rassistischen Unterton haben. Amerika hat sich unter Donald Trump massiv verändert. Heute wird offen ausgesprochen, was lange Zeit undenkbar war. Trump zündelt gefährlich am inneren Frieden der USA.

We love our Oakland teachers

In Oakland streiken die Lehrer. Davon betroffen sind 36.000 Schüler. Es geht um mehr als nur um mehr Bezahlung, auch wenn die im gesamten Bezirk von Alameda am niedrigsten ist. Lehrer im Oakland Schuldistrikt verdienen zwischen 46.000 und 85.000 Dollar, viel zu wenig, um in der Stadt oder der Bay Area leben zu können. Die Gewerkschaft fordert 12 Prozent mehr Lohn, die Schulverwaltung bietet sieben Prozent mehr.

Auch die Montera Middle School in meiner Nachbarschaft wird bestreikt.

Die lokale „Union“ erklärte, dass 85 Prozent ihrer Mitglieder dem Streikaufruf folgen und die Eingänge zu den Schulen blockieren. Streikbrecher würden nicht behindert werden, aber sie gibt es kaum. Die Stadt und der Schulbezirk haben Betreuungsangebote für Kinder und Jugendliche eingerichtet, damit diese nicht auf der Straße sitzen.

Auch in Chicago, Denver, Los Angeles und in anderen US Städten wird gestreikt. Es geht um das öffentliche Schulwesen, das immer mehr unterminiert, dem Geld entzogen wird für eine vermeintliche freie Schulwahl der Eltern. Gerade die Trump-Administration fährt einen Frontalkurs gegen die „public schools“ in den USA, die sie als linksliberalen Hort abtun. Auf lokaler Ebene kommen da noch die schwierigen finanziellen Situationen der Kommunen hinzu. Viel Spielraum gibt es nicht für die öffentlichen Schulen, wenn dann auch noch „Charter“ und Privatschulen Schüler abziehen, fehlt an allen Ecken und Enden das Geld. Schulsozialarbeiter und Schulkrankenschwestern werden genauso gestrichen, wie Kunst- und Musikunterricht, Sportangebote und schulische Veranstaltungen. Die „public schools“ in den USA werden ausgeblutet.

Die Streiks, wie hier in Oakland, gehen also um mehr als nur um eine Gehaltserhöhung. Auch wenn die dringend notwendig ist, denn bei Mietpreisen von 3500 Dollar für eine Einzimmerwohnung kann man als Lehrer keine großen Sprünge mehr machen. Die Gewerkschaft unterlegt dies mit der Zahl, dass allein im vergangenen Jahr rund 600 Lehrer in Oakland gekündigt haben. Neubesetzungen der offenen Stellen sind kaum möglich, da die Gehälter hinten und vorne nicht reichten, um Berufsanfänger nach Oakland zu bringen.

Der Streik stößt auf breite Unterstützung in der Bevölkerung. An bestreikten Schulen wird hupend vorbeigefahren, um Solidarität mit den davor stehenden Lehrerinnen und Lehrern zu demonstrieren. Überall in Oakland sieht man die Schilder „We support our Oakland teachers“, Cafes und Restaurants bieten kostenlose Getränke und Speisen für die Streikenden an. Wie lange der „Strike“ andauern wird ist fraglich, man verhandele weiter, heißt es von beiden Seiten.

Ja, ja so blau, blau, blau ist Cali-for-nia

Kalifornien hat 53 Kongressabgeordnete. Es gab schon immer eine demokratische Mehrheit, vor der Wahl hatten die Republikaner 14 dieser Sitze. Ab Januar sind es nur noch acht. Kalifornien hat am Wahltag einen blauen Tsunami erlebt, so beschreiben es politische Beobachter, denn sogar ganz Orange County, eigentlich ein konservatives Bollwerk an der „left coast“, fiel an die Demokraten.

Kamala Harris, kalifornische Sentatorin, gilt als Hoffnungsträgerin ihrer Partei. Foto: Reuters.

Das Wahlergebnis zeigt, dass Kalifornien anders tickt, als der Rest des Landes. Die Stimmen einer Abspaltung werden wieder lauter, die fordern, der „Golden State“ sollte seine eigenen Wege gehen. Politisch, Wirtschaftlich und auch kulturell. Theoretisch möglich wäre es, dass Kalifornien alleine bestehen könnte, aber realistisch ist diese Forderung nicht. Die USA werden ihren Motor nicht so einfach in die Unabhängigkeit entlassen, auch wenn es immer wieder Mißtöne und Unstimmigkeiten zwischen Kalifornien und dem Rest der Union gibt.

Es wird spannend, wie sich die erstarkte Gruppe von kalifornischen Demokraten in Washington positionieren, wie sich das Verhältnis von Gouverneur Gavin Newsom, einem erklärten Trump-Gegner, mit dem Präsidenten entwickeln, wie sich die mögliche Präsidentschaftskandidatin, die kalifornische Sentatorin Kamala Harris, präsentieren wird. Zumindest steht fest, an Kalifornien kommt man in den USA erst einmal nicht vorbei.

Da kann Donald Trump noch so viel auf Gavin Newsom, Dianne Feinstein, Kamala Harris, Nancy Pelosi, Adam Schiff, Maxine Waters und all die anderen schimpfen, da können die Konservativen im Kongress und in den Talk-Shows noch so viel die „San Francisco Values“ runtermachen, „California“ meldet sich nach dieser Wahl fast geeint und damit gestärkt zurück. Hier ist eine klare Front gegen Donald Trump, seine Politik und seine Art des Regierens aufgebaut worden. Es wurde dafür auch höchste Zeit.

Dicke Luft in Kalifornien

Kein klarer Blick am Golden Gate.

Seit Tagen schon bin ich tagsüber nahezu alleine mit meinem Hund auf den Waldwegen unterwegs. Und wenn ich jemanden sehe, tragen sie Atemmasken, um sich vor dem Rauch zu schützen, der vom „Camp Fire“, mehr als 200 Kilometer entfernt, in die Bay Area weht. Der „Smoke“ ist giftig, es sind nicht nur Wälder abgebrannt, die ganze Kommune Paradise ist durch die Flammen dem Boden gleichgemacht worden. Man kann sich vorstellen, was dort alles verbrannt ist. Vom Auto bis zum Kühlschrank, von Farben bis zu Elektroartikeln. Und man will gar nicht daran denken, dass in dem gewaltigen Feuer Menschen und Tiere gestorben und verendet sind.

Kalifornien brennt erneut und schon wieder. Früher gab es hier eine Feuersaison zwischen September und Dezember. Die ist nun alljährlich und überall. Jeder, der hier mit Bäumen um sich herum lebt, etwas am Stadtrand oder in der Natur, kann davon betroffen sein. Die Anzahl der Feuer nimmt zu, die Intensität auch.

Eigentlich jeder ernstzunehmende Wissenschaftler erklärt, dass all das mit dem Klimawandel zusammenhängt. Es wird heißer, der Regen bleibt aus, das Unterholz trocknet mehr aus, die Winde nehmen an Stärke zu. Hinzu kommt, dass immer mehr Menschen raus aus den Städten ziehen, die viel zu teuer geworden sind und gleichzeitig die Feuerwehren die präventive und dann feuerbekämpfende Arbeit gar nicht mehr leisten können. Einen Masterplan, wie man all dem begegnen soll existiert nicht. Weder in Sacramento noch in Washington.

Kalifornien kommt in diesen Tagen an seine Grenzen. Allein im vergangenen Jahr gab es sechs massive Brände, die in der Häufigkeit und der Stärke zuvor nie beobachtet wurden. Jedesmal war es das größte Feuer,  um kurz danach schon übertroffen zu werden. Ich selbst lebe seit 20 Jahren in einer Feuerzone, daher weiß ich, dass die „Red Flag Alerts“, die höchste Warnstufe mehr und mehr ausgerufen wird. Was das bedeutet ist klar, man hat für sich die Frage geklärt, was im Falle eines Feuers schnell eingepackt werden muss und welche Fluchtwege es aus dem Canyon raus gibt. Und, der Hund muss mit! Klar, ist man an das Leben mit der Katastrophengefahr in Kalifornien gewöhnt, immerhin lebe ich nur einen guten Kilometer Luftlinie von der sehr aktiven Hayward Spalte entfernt. Jedesmal auf dem Weg zum Einkaufen fahre ich direkt auf der Spalte entlang.

Kalifornien brennt und Trump poltert

Waldbrände in Kalifornien     

Kalifornien brennt erneut. Foto: Reuters.

Es brennt erneut in Kalifornien. Im Norden das Camp Feuer, rund 175 Kilometer von San Francisco entfernt, im Süden das “Woolsey Fire” in den Hügeln um Malibu und dazu noch das Hill Fire in Zentralkalifornien. Nach den verheerenden Bränden vor einem Jahr um Santa Barbara, im Weinanbaugebiet von Sonoma und im Sommer dieses Jahres in Nordkalifornien breiten sich erneut mehrere gewaltige Feuer aus.

Tausende von Häusern wurden bereits zerstört, 30 Menschen starben in den Flammen, die Kleinstadt Paradise in Nordkalifornien wurde total zerstört. Und die Winde fachen die Feuer weiter an. Über weiten Teilen des Bundesstaates hängt eine dicke Rauchglocke, die das Atmen schwer macht. Und diesmal mischt sich Präsident Donald Trump ein und tweetete: „Es gibt keinen Grund für diese massiven, tödlichen und teuren Feuer in Kalifornien außer dem schlechten Forstmanagement”. Damit griff er in einer Katastrophe die Menschen, Feuerwehren und Brandexperten in Kalifornien an, noch bevor er überhaupt ein Wort des Mitgefühls äußerte.

Und Trump, so Waldexperten in Kalifornien, habe keine Ahnung von dem, was er sagt. LeRoy Westerling, ein Klima- und Brandexperte an der Universität in Merced erklärte, dass Trump mit seinen uninformierten Worten eine Krise politisiert. Denn zum einen sind mehr als 50 Prozent der Wälder in Kalifornien im Bundesbesitz, also unter der direkten Kontrolle der Trump-Administration. Zum anderen brennt bei diesen Feuern nach Jahren der Dürre vor allem ausgetrocknetes Unterholz und keine ganzen Wälder. Hinzu kommt, dass Trump auf diesem Weg scheinbar versucht, die ihn unterstützende Holzindustrie in Position zu bringen. Große Waldflächen, das hat der Präsident schon mehrmals gefordert, sollten für die Abholzung freigegeben werden.

Feuer gab es in Kalifornien schon immer, hier redete man von einer “Feuer Saison” im Herbst, nach einem heissen Sommer. Doch davon ist nichts mehr zu spüren. Nun besteht eine Gefahr das ganze Jahr über. Für Klimaexperten sind die gewaltigen Waldbrände in Kalifornien auch ein deutliches Zeichen für den Klimawandel.
Kalifornien muss sich darauf mit neuen Bau- und Sicherheitsvorschriften im gesamten Bundesstaat einstellen. Riesige Brände sind hier im Golden State zur Normalität geworden.

Mehr Schießereien als Tage im Jahr

Grundschulen, High Schools, Universitäten, Kirchen, Synagogen, Bars, Clubs, Konzerte, Supermärkte, Hotels, Arbeitsplätze, Zuhause. Man kann sagen, als Amerikaner ist man in diesem Land an keinem Ort mehr sicher, denn passieren kann es überall, zu jeder Tages- und Nachtzeit. Was sich nun erneut im südkalifornischen Thousand Oaks ereignete war ein kein Einzelfall. Allein in diesem Jahr gab es bereits 376 Massenschiessereien. Und die Definition einer Massenschiesserei bedeutet drei und mehr Opfer.

Der Leichnam von Sergeant Ron Helus wird in einer Prozession auf dem 101 Freeway in Ventura County abtransportiert. Foto: Reuters.

In diesen 376 Massenschiessereien (Stand 8. November 2018) starben 455 Menschen und 1408 wurden zum Teil schwer verletzt. Der Aufschrei nach den tödlichen Schüssen von Thousand Oaks mit 13 Toten war zunächt groß, doch ebbte schnell ab. Wichtigere Themen des Tages wurden in den Nachrichtensendungen behandelt. Der Rauswurf von Justizminister Jeff Sessions und die neue politische Lage in Washignton. Donald Trump tweetete ein „God bless all of the victims and families of the victims“ und damit war auch wieder gut.

Amerika lebt mit der Gefahr vor tödlichen Schüssen. Jeden Tag. Und wenn es passiert, zeigt man sich überrascht. Auch in Thousand Oaks hieß es danach, damit habe niemand in dieser ruhigen Community außerhalb von Los Angeles gerechnet. Woanders, ja, da kann so etwas schon passieren, aber bei uns doch nicht!

Wer noch immer glaubt, Amerika werde irgendwann aufwachen und handeln, der glaubt sicherlich auch an den Mann im Mond, die flache Erdenscheibe, das Loch Ness Monster und Hui Buh das Schlossgespenst. In den USA wird sich nichts ändern, das zeigte zuletzt erneut der Wahlkampf, in dem auf jeder Trump-Veranstaltung der Präsident betonte, die Demokraten wollten den gesetzestreuen Bürgerinnen und Bürgern ihre Schusswaffen wegnehmen. Trumps Kandidaten ständen für das „2nd Amendment“ machte er immer und immer wieder deutlich.

Die Diskussion über den Waffenbesitz in den USA ist unsäglich und zynisch zugleich. Mit dem Argument des vermeintlichen Grundrechtes auf Waffenbesitz eines jeden Amerikaners wird quasi gesagt, dass die Amerikaner sich aus diesem blutigen und tödlichen Problem herausschießen werden. Irgendwie wird da schon gehen, denn die Waffenfetischisten, Waffenlobbyisten und Waffenidioten in diesem Land sind fest davon überzeugt, dass „the only thing that can stop a bad guy with a gun is a good guy with a gun“. Was soll man da noch sagen, außer auf die Knie zu sinken, nach oben zu blicken und laut zu schreien: Herrgott, wirf Grips vom Himmel!

Kalifornien vor der Wahl

Gavin Newsom hat gute Chancen der nächste Gouverneur von Kalifornien zu sein. Foto: Reuters.

Morgen finden in den USA die Midterm-Wahlen statt. Die Wahlbeteiligung dürfte hoch sein. Das zeigt sich schon in etlichen Bundesstaaten, darunter auch Kalifornien, wo sich beinahe 20 Millionen Menschen für die Wahlen registriert haben. Für den bevölkerungsreichsten Bundesstaat der USA ist das ein neuer Rekord. Dazu ein Interview:

-Was sind die Gründe für die starke Mobilisierung bei den Midterm-Wahlen?

Da ist sicherlich Donald Trump zu erwähnen. Er will die republikanische Mehrheit im Kongress halten, um so weiter seine Politik durchsetzen zu können. Denn viele Gesetze und Vorlagen können nur mit einer Mehrheit im Abgeordnetenhaus und dem Senat verändert oder ganz neu geschrieben werden. Von daher mobilisiert er seine Basis, und erklärt auch, dass er zwar nicht direkt zur Wahl steht, aber zur Wahl steht seine “Make America Great Again” Politik.

Die Demokraten versuchen es genau andersrum und sagen, Donald Trump kann nur gestoppt werden, wenn wir die Mehrheiten im Kongress haben und so den Präsidenten besser kontrollieren, ihn ausbremsen und Schlimmeres verhindern können.

Also, Donald Trump steht im Mittelpunkt dieser Wahl, obwohl er nicht auf dem Wahlzettel steht. Fakt ist, beide Lager haben bislang so viele Wähler mobilisieren können, wie noch nie zuvor, das zeigen die Zahlen von Briefwählern und Rückmeldungen aus Wahllokalen, die bereits geöffnet haben.

– Was sind denn die Themen, die den Kalifornierinnen und Kaliforniern unter den Nägeln brennen?

Ganz klar Immigration und Umwelt und dann auch die Allzeitthemen Gesundheit und Wohnen, also eine bezahlbare Krankenversicherung und bezahlbarer Wohnraum. Immigration natürlich, denn Latinos machen die größte ethnische Gruppe in Kalifornien aus. Etwa 40 Prozent hier sind Latinos. In Los Angeles sind es schon über die Hälfte. Man darf auch nicht vergessen, dass von den 700.000 sogenannten Dreamers, also die Kinder von illegalen Einwanderern, die als Kinder in die USA kamen und hier aufwuchsen, etwa 200.000 in Kalifornien leben.
Kalifornien war auch immer ein Vorreiter in der Umweltpolitik, das wird gerade von der Trump Administration torpediert. Hier versucht man nun dagegen zu steuern, das eben mit kalifornischen Gesetzen, z.B. beim Schadstoffausstoss von Autos.
Und jeder Tourist kennt die Bilder der Obdachlosen in den Ballungsräumen San Francisco und Los Angeles. Wenn man bedenkt, dass man in San Francisco rund 3500 Dollar für eine Einzimmerwohnung zahlen muss, wenn man überhaupt eine findet, dann kann man sich vorstellen, dass Wohnen hier ein großes Problem ist. Das ist auch ein zentrales Thema im Wahlkampf gewesen.

– Kalifornien gilt als Hochburg der Demokraten. Werden die Demokraten noch zulegen können?

Das hoffen sie. Die Republikaner haben 14 der 53 kalifornischen Kongresssitze, davon sind sieben hart umkämpft. Also, es gibt gute Chancen, dass die Demokraten hier punkten können. Das liegt auch daran, dass Donald Trump und seine Politik nicht gerade gut in Kalifornien ankommen. Auch Trumps ständige Verbalspitzen und Lügen in Richtung Kalifornien haben hier viele gegen ihn aufgebracht. Obwohl hier einige Republikaner wirklich um ihren Sitz kämpfen, haben sie nicht um Hilfe aus dem Weißen Haus gebeten. Das sagt schon alles.

– Ein Republikaner, der ums politische Überleben kämpft, ist der Abgeordnete Duncan Hunter. Warum ist seine Wiederwahl gefährdet?

Duncan Hunters Vater war schon im Kongress, der Sohn ist nun seit zehn Jahren Abgeordneter und das im selben Distrikt der tief rot, also republikanisch ist. Und Hunter gilt als Erzkonservativer und Trump Freund. Doch Hunter hat wohl 250.000 Dollar an Spenden veruntreut, da gibt es eine Klage. So soll er und seine Frau mit Spendengeldern nach Italien gereist sein, für einen Hasen ein Flugticket gezahlt und Shopping Trips unternommen haben. Sein demokratischer Kontrahent ist Ammar Campa-Najjar, ein mexikanisch-palästinensischer Amerikaner, der in San Diego geboren wurde und Christ ist. Doch Duncan Hunter fährt eine Angst-Kampagne gegen ihn und unterstellt Najjar, dass er ein Islamist sei. In den jüngsten Umfragen liegt Hunter knapp vorne, es bleibt also bis zuletzt spannend.

– Neben den Kongress- und Senatswahlen wird in Kalifornien auch ein Gouverneur gewählt. Könnte hier ein Republikaner das Rennen machen?

Eigentlich müsste es eine klare Sache sein. Gavin Newsom, der Demokrat im Rennen, liegt in den Umfragen weit vorne. Sein Kontrahent, der Republikaner John Cox, will jedoch am Wahltag die Überraschung schaffen und gibt nicht auf. Er wird auch immer wieder von Donald Trump auf Twitter erwähnt. Newsom ist gewarnt, er lässt nicht locker und ist weiterhin bis zum Schluss auf Wahlkampftour, mit einem Bus fährt er kreuz und quer durch den Bundesstaat. Newsom ist ein deutlicher Trump Kritiker, der schon oft genug bewiesen hat, dass er sich auch gegen die eigene Partei stellt, wenn es sein muss. So hat er 2004 quasi im Alleingang als Bürgermeister von San Francisco die gleichgeschlechtlichen Ehen in San Francisco erlaubt, was ihm von vielen Demokraten als Steilvorlage für die George W. Bush Wiederwahl ausgelegt wurde. Aber Newsom blieb in der Politik und es sieht danach aus, dass er der nächste Gouverneur von Kalifornien wird.

Wieviel kostet das Klopapier?

1850 Dollar und 42 Cent sollte der Flug mit Swiss von Kalifornien über Zürich nach Nürnberg und zurück kosten. Wohlgemerkt Economy oder auch Holzklasse genannt. Dazu muss man natürlich noch einen Sitzplatz reservieren, sonst wird man auf einen Mittelplatz gesetzt, nicht ideal für jemanden der mehr als 120 Pfund wiegt und größer als 1,60 Meter ist. Kurz vor dem Buchen fiel mir dann noch auf, dass da „no baggage allowance“ stand, also kein Koffer erlaubt. Nun bin ich Vielflieger, was mich dann doch etwas wunderte. Also rief ich bei Swiss an.

Über den Wolken muss für die Freiheit bezahlt werden. Foto: Reuters.

Nach etwa 20 Minuten in der Warteschleife meldete sich eine nette Frau mit asiatischem Akzent. Ich schilderte ihr mein Anliegen und fragte, ob da was nicht stimme, denn bei dem Preis müsste doch ein Koffer aufzugeben sein. Nein, meinte die Dame, ich habe ja Klasse S, also den „Spartarif“ gewählt, von daher müsste ich für einen Koffer 60 Dollar extra zahlen. Pro Flug, also insgesamt 120 Dollar. Ich machte die Frau vom Swiss Kundentelefon darauf aufmerksam, dass ich ja seit rund 20 Jahren Kunde der Lufthansa Gruppe sei, dazu gehört auch Swiss, und seit vielen Jahren als „Frequent Flyer“ zwischen den Kontinenten hin und her jette. Eigentlich darf ich ja sogar zwei Koffer mitnehmen. Nein, meinte die Dame erneut, mit dieser Sparpreiskategorie ($1850,42) dürfe ich auch als „Frequent Flyer“ keinen Koffer mitnehmen und müsse für mein aufgegebenes Gepäck zahlen. Auf die Frage, was nun als nächstes kommt, ob ich dann demnächst auch fürs Klopapier zahlen müsse, falls ich über den Wolken mal ein menschliches Bedürfnis hätte, konnte oder wollte sie nichts sagen.

Ich blieb ruhig, sagte der Frau, ich wisse ja, sie könne nichts für die Preisgestaltung, aber es sei doch ein Unding, dass ein so teurer Flug als Spartarif ausgeschildert wird. Und das eben vor dem Hintergrund, dass die Lufthansa Gruppe im vergangenen Jahr einen Rekordgewinn eingefahren hat, 12 Prozent mehr als im vorausgegangenen Jahr. Ich verstehe auch durchaus die Preisstaffelung, für Geschäftsreisende auf nationalen Flügen oder auch internationalen macht es oftmals keinen Sinn ein Gepäckstück aufzugeben, von daher sollte diese Möglichkeit durchaus bestehen. Aber für jeden normalen Reisenden, der international unterwegs ist, gehört ein Koffer doch dazu. Früher durfte man zwei Koffer a 32 Kg mit sich führen, dann wurde das auf 2 Koffer a 23 Kg verringert. Heute ist es nur noch ein Koffer a 23 Kg und man muss für die Platzreservierung zahlen. Die Frage ist also, was kommt als nächstes? Öh Ha, die Antwort ist also, man muss für jedes Gepäckstück zahlen. Kundenservice sieht dennoch anders aus….schade, schade Ihr Lufthanseaten…

Die Gewalt nimmt zu

Hat Donald Trump Tür und Tor für Extremisten und Radikale geöffnet? Sind seine Beleidigungen, Verunglimpfungen, Herabsetzungen, Drohungen der Grund für eine neue Welle an Gewalt gegen Ausländer, Muslime, Juden, Homosexuelle? Die Fragen müssen erlaubt sein, wenn man sich die jüngsten Statistiken des kalifornischen Justizministeriums ansieht.

Die Gesamtzahl an sogenannten „Hate Crimes“, Verbrechen aus Hass, stieg von 2016 auf 2017 in Kalifornien um 17 Prozent. Insgesamt registrierten die kalifornischen Polizeieinheiten 1093 „Hate Crimes“. Den größten Anstieg hatten Straftaten gegen Muslime, Juden, islamlische und jüdische Einrichtungen. 21 Prozent mehr Delikte wurden registriert. Es gab im vergangenen Jahr 19 Prozent mehr Verbrechen gegen Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung. Rassistische Übergriffe gegen Latinos und Afro-Amerikaner nahmen um 16 Prozent zu.

Der 91jährige Rodolfo Rodriguez musste mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus gebracht werden. Foto: Erik Mendoza.

Erst vor ein paar Tagen machte in Los Angeles der brutale Angriff auf einen 91jährigen mexikanischen Mann mit legalem Aufenthaltsstatus in den USA Schlagzeilen. Die 30jährige Laquisha Jones, schlug mit einem Stein auf Rodolfo Rodriguez ein, nachdem dieser auf einem Fußgängerweg in ihre Tochter gelaufen war. Während des Angriffs rief die Frau „go back to your country“.  Damit nicht genug, eine Gruppe junger Männer kam vorbei, dachte Rodriguez hätte die Tochter von Jones unsittlich angefasst und schlug und trat auf dem am Boden liegenden 91jährigen ein. Laquisha Jones wurde mittlerweile verhaftet, von den Männern fehlt noch jede Spur.

„Hate Crimes“ haben in den letzten Jahren im ganzen Land zugenommen. Es scheint, es wurden Hemmschwellen niedergerissen. Extremisten wie Skinhead Gruppen, Nazi-Organisationen und rechtsradikale Milizen sehen sich auf dem Vormarsch. Eine Bestätigung finden sie in Donald Trump, dessen Worte nach den Ausschreitungen von Charlottesville aufhorchen ließ. Trump meinte nach dem Aufmarsch von Neonazi Gruppen und den Straßenschlachten mit Gegendemonstranten, dass es auf beiden Seiten „fine people“ gegeben habe und verteidigte sogar die Aktion der „White Supremacists“, die nach Charlottesville gekommen waren, um gegen die Umbenennung eines Parks zu protestieren.